{"id":75538,"date":"2023-02-05T15:39:58","date_gmt":"2023-02-05T13:39:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75538"},"modified":"2023-02-05T15:39:58","modified_gmt":"2023-02-05T13:39:58","slug":"kosten-fuer-den-vermoegensuebergang-in-%c2%a7-12-abs-2-satz-1-umwstg-2006-bfh-urteil-vom-23-november-2022-i-r-25-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kosten-fuer-den-vermoegensuebergang-in-%c2%a7-12-abs-2-satz-1-umwstg-2006-bfh-urteil-vom-23-november-2022-i-r-25-20\/","title":{"rendered":"&#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220; in \u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 UmwStG 2006 &#8211; BFH-Urteil vom 23. November 2022, I R 25\/20"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.231122.IR25.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH I. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>UmwStG 2006 \u00a7 12 Abs 2 S 1, GrEStG \u00a7 1 Abs 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnchen, 13. Mai 2020, Az: 6 K 75\/19<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Die Zuordnung von Kosten zu den &#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220; als Bestandteil des &#8222;au\u00dfer Ansatz bleibenden&#8220; \u00dcbernahmeergebnisses (\u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 UmwStG 2006) folgt dem Veranlassungsprinzip.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Objektbezogene Aufwendungen \u2011\u2011wie z.B. die Grunderwerbsteuer beim \u00dcbergang eines Grundst\u00fccks\u2011\u2011 erf\u00fcllen diese Zuordnungsbedingung nicht. Bei der aufgrund einer sog. Anteilsvereinigung ausgel\u00f6sten Grunderwerbsteuer fehlt es aber an einem solchen Objektbezug; denn Gegenstand der Besteuerung nach \u00a7 1 Abs. 3 GrEStG ist nicht der Anteilserwerb als solcher, sondern die durch ihn begr\u00fcndete Zuordnung aller Anteile in einer Hand, auf deren Grundlage das Gesetz einen zivilrechtlich nicht eingetretenen grundst\u00fccksbezogenen Erwerbsvorgang fingiert (Senatsurteile vom 20.04.2011 &#8211; I R 2\/10, BFHE 233, 251, BStBl II 2011, 761; vom 14.03.2011 &#8211; I R 40\/10, BFHE 233, 393, BStBl II 2012, 281).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnchen, Au\u00dfensenate Augsburg, vom 13.05.2020 &#8211; 6 K 75\/19 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), eine GmbH, wurde im Rahmen einer Umstrukturierung (Anteilserwerb und Einbringung) Alleingesellschafterin der GmbH&nbsp;alt; anschlie\u00dfend wurde die Beteiligungsgesellschaft auf die Kl\u00e4gerin verschmolzen (Aufw\u00e4rtsverschmelzung).<\/li><li>Bis zum \u2026.2007 waren an der GmbH&nbsp;alt zu 38,5&nbsp;% T, zu 2,5&nbsp;% K und zu 59&nbsp;% die B&nbsp;KG beteiligt. Die GmbH&nbsp;alt war zu 100&nbsp;% an einer weiteren GmbH (GmbH&nbsp;1) sowie als Kommanditistin an einer KG (KG&nbsp;1) beteiligt. Die KG&nbsp;1 war alleinige Kommanditistin einer weiteren KG (KG&nbsp;2), die Eigent\u00fcmerin der von der KG&nbsp;1 genutzten Betriebsgrundst\u00fccke war.<\/li><li>Mit Kaufvertrag vom \u2026.2007 hat die B&nbsp;KG mit Wirkung zum \u2026.2007 ihre Beteiligung an der GmbH&nbsp;alt an die Kl\u00e4gerin verkauft. T und K haben ihre Anteile an der GmbH&nbsp;alt mit Einbringungsvertrag vom gleichen Tage gegen Gew\u00e4hrung von Gesellschaftsrechten und Zahlung einer Barkomponente in die Kl\u00e4gerin eingebracht. Nach dieser Einbringung war die Kl\u00e4gerin alleinige Gesellschafterin der GmbH&nbsp;alt.<\/li><li>Mit Vertrag vom \u2026.2007 wurde (zum \u2026.2007 mit steuerlicher Wirkung auf den 31.12.2006) die Verschmelzung der GmbH&nbsp;alt auf die Kl\u00e4gerin beschlossen. Nach dieser Verschmelzung war die Kl\u00e4gerin alleinige Gesellschafterin der GmbH&nbsp;1 und der KG&nbsp;1 und damit auch mittelbar Kommanditistin der KG&nbsp;2. Die Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse blieben bis zum Jahr 2011 (Streitjahr) unver\u00e4ndert.<\/li><li>Unter der Annahme, dass die \u00dcbertragungs- und Verschmelzungsvorg\u00e4nge zum \u2026.2007 den Tatbestand einer mittelbaren Anteilsvereinigung in der Hand der Kl\u00e4gerin (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 des Grunderwerbsteuergesetzes \u2011\u2011GrEStG\u2011\u2011) erf\u00fcllen, wurde die Grunderwerbsteuer zun\u00e4chst auf \u2026&nbsp;\u20ac und dann nach Feststellung des Grundbesitzwerts durch bestandskr\u00e4ftigen Bescheid vom 02.04.2013 auf \u2026&nbsp;\u20ac festgesetzt.<\/li><li>Im Rahmen einer steuerlichen Au\u00dfenpr\u00fcfung qualifizierte der Pr\u00fcfer die Grunderwerbsteuer als Kosten des Verm\u00f6gens\u00fcbergangs i.S. des \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Umwandlungssteuergesetzes 2006 (UmwStG 2006) und damit als Teil des au\u00dfer Ansatz bleibenden \u00dcbernahmeergebnisses der Kl\u00e4gerin aus der Aufw\u00e4rtsverschmelzung und rechnete den als Betriebsausgabe gebuchten Aufwand dem Einkommen au\u00dferbilanziell wieder hinzu. Dies ber\u00fccksichtigte der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) in Bescheiden vom 07.04.2015 \u00fcber K\u00f6rperschaftsteuer und Gewerbesteuermessbetrag 2011.<\/li><li>Nach erfolglosem Einspruch wies das Finanzgericht (FG) M\u00fcnchen, Au\u00dfensenate Augsburg, die dagegen erhobene Klage mit Urteil vom 13.05.2020&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;75\/19 (GmbH-Rundschau \u2011\u2011GmbHR\u2011\u2011 2020, 980) als unbegr\u00fcndet ab.<\/li><li>Dagegen wendet sich die Kl\u00e4gerin mit ihrer Revision, mit der sie die Verletzung von Bundesrecht geltend macht.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt, unter Aufhebung des angefochtenen Urteils die Bescheide \u00fcber K\u00f6rperschaftsteuer und Gewerbesteuermessbetrag 2011 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 04.12.2018 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die Grunderwerbsteuer in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac als Betriebsausgabe ber\u00fccksichtigt wird.<\/li><li>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat ohne Rechtsfehler dahin erkannt, dass die nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin festgesetzte Grunderwerbsteuer den Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang nach \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 zuzuordnen ist.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 bleibt bei der \u00fcbernehmenden K\u00f6rperschaft ein Gewinn oder ein Verlust in H\u00f6he des Unterschieds zwischen dem Buchwert der Anteile an der \u00fcbertragenden K\u00f6rperschaft und dem Wert, mit dem die \u00fcbergegangenen Wirtschaftsg\u00fcter zu \u00fcbernehmen sind, abz\u00fcglich der Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang, au\u00dfer Ansatz. Nach Satz&nbsp;2 dieser Regelung ist \u00a7&nbsp;8b des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG) anzuwenden, soweit der Gewinn im Sinne des Satzes&nbsp;1 abz\u00fcglich der anteilig darauf entfallenden Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang dem Anteil der \u00fcbernehmenden K\u00f6rperschaft an der \u00fcbertragenden K\u00f6rperschaft entspricht.<\/li><li>\u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 schlie\u00dft danach die Kosten des Verm\u00f6gens\u00fcbergangs in die Ermittlung des \u00dcbernahmeergebnisses mit ein; diese bleiben folglich mit dem \u00dcbernahmeergebnis steuerlich au\u00dfer Ansatz. Dabei sind sie \u2011\u2011unabh\u00e4ngig vom Zeitpunkt ihrer Entstehung\u2011\u2011 mit Wirkung zum \u00dcbertragungsstichtag zu ber\u00fccksichtigen und im Ergebnis ebenso zu behandeln wie nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten auf die Anteile an der \u00dcbertragerin (R\u00f6dder in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/van&nbsp;Lishaut, UmwStG, 3.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;12 Rz&nbsp;239, m.w.N.).<\/li><li>2. Die Einbeziehung der \u00dcbernahmekosten in das \u00dcbernahmeergebnis steht dabei gewisserma\u00dfen &#8222;in Konkurrenz zu den allgemeinen Grunds\u00e4tzen \u00fcber die Aktivierung von Aufwendungen&#8220; (so R\u00f6dder in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/van&nbsp;Lishaut, a.a.O., \u00a7&nbsp;12 Rz&nbsp;240). W\u00e4hrend die Finanzverwaltung zun\u00e4chst auch sog. objektbezogene Kosten der \u00dcbernehmerin als laufende Betriebsausgaben behandelt hatte (Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen \u2011\u2011BMF\u2011\u2011 vom 25.03.1998, BStBl I 1998, 268, Rz&nbsp;04.43), differenziert sie nunmehr, da sie jeden Verschmelzungsvorgang als Ver\u00e4u\u00dferungs- und Anschaffungsvorgang ansieht (BMF-Schreiben vom 11.11.2011, BStBl I 2011, 1314, Rz&nbsp;00.02), zwischen den laufenden Kosten der Verschmelzung und den aktivierungsf\u00e4higen objektbezogenen Kosten f\u00fcr den Erwerb des \u00fcbergehenden Grundst\u00fccks oder anderer Wirtschaftsg\u00fcter (BMF-Schreiben vom 18.01.2010, BStBl I 2010, 70). Als Kosten des Verm\u00f6gens\u00fcbergangs i.S. des \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 sind danach zutreffend nur (noch) die nicht objektbezogenen Kosten des \u00fcbernehmenden Rechtstr\u00e4gers \u2011\u2011unabh\u00e4ngig vom Zeitpunkt der Entstehung\u2011\u2011 sowie die nicht objektbezogenen Kosten, die dem \u00fcbertragenden Rechtstr\u00e4ger zuzuordnen und nach dem steuerlichen \u00dcbertragungsstichtag entstanden sind, zu ber\u00fccksichtigen. Sie bewirken eine Minderung des \u00dcbernahmegewinns bzw. eine Erh\u00f6hung des \u00dcbernahmeverlustes. Sofern sie als laufender Aufwand beim \u00fcbernehmenden Rechtstr\u00e4ger ber\u00fccksichtigt worden sind, muss eine entsprechende au\u00dferbilanzielle Korrektur erfolgen (BMF-Schreiben in BStBl I 2011, 1314, Rz&nbsp;04.34).<\/li><li>3. Es ist danach zwar zutreffend, dass objektbezogene Aufwendungen \u2011\u2011wie z.B. die Grunderwerbsteuer beim \u00dcbergang von Grundst\u00fccken\u2011\u2011 grunds\u00e4tzlich nicht zu den &#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220;, sondern zu den Anschaffungs(neben)kosten geh\u00f6ren (vgl. R\u00f6dder in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/van&nbsp;Lishaut, a.a.O., \u00a7&nbsp;12 Rz&nbsp;242; Schmitt in Schmitt\/H\u00f6rtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;12 UmwG Rz&nbsp;36; Schl\u00f6sser\/Reichl\/Rapp in Sagasser\/Bula\/Br\u00fcnger, Umwandlungen, 5.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;11 Rz&nbsp;129 und 448; alle m.w.N.). Der Senat hat allerdings bereits entschieden, dass die aufgrund der sog. Anteilsvereinigung ausgel\u00f6sten Grunderwerbsteuern Gegenstand der Besteuerung nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG nicht der Anteilserwerb als solcher, sondern die durch ihn begr\u00fcndete Zuordnung aller Anteile in einer Hand ist, auf deren Grundlage das Gesetz einen zivilrechtlich nicht eingetretenen grundst\u00fccksbezogenen Erwerbsvorgang fingiert (Senatsurteile vom 20.04.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;2\/10, BFHE 233, 251, BStBl II 2011, 761; vom 14.03.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;40\/10, BFHE 233, 393, BStBl II 2012, 281).<\/li><li>4. Das FG hat die im Rahmen einer Anteilsvereinigung angefallenen Grunderwerbsteuern rechtsfehlerfrei als &#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220; i.S. des \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 qualifiziert.<\/li><li>a) Zur Auslegung des Rechtsbegriffs werden in der Literatur im Wesentlichen zwei Auffassungen vertreten: \u00dcberwiegend wird in diesem Zusammenhang ausgef\u00fchrt, die Kostenzuordnung richte sich grunds\u00e4tzlich nach dem Veranlassungsprinzip und es sei danach zu entscheiden, wessen Sph\u00e4re die entsprechenden Kosten zuzuordnen seien (Stimpel, GmbHR 2012, 199, 200; Haarmann, Jahrbuch der Fachanw\u00e4lte f\u00fcr Steuerrecht 2012\/2013, 343&nbsp;ff.; Krohn, Der Betrieb \u2011\u2011DB\u2011\u2011 2018, 1755, 1757; Br\u00fchl\/Weiss, GmbHR 2020, 980, 983; Schmitt in Schmitt\/H\u00f6rtnagl, a.a.O., \u00a7&nbsp;12 UmwG Rz&nbsp;35; Stimpel\/D\u00f6tsch in D\u00f6tsch\/Pung\/M\u00f6hlenbrock, Die K\u00f6rperschaftsteuer, \u00a7&nbsp;12 UmwStG Rz&nbsp;54; Brandis\/Heuermann\/Klingberg, \u00a7&nbsp;12 UmwStG Rz&nbsp;46; s.a. R\u00f6dder in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/van&nbsp;Lishaut, a.a.O., \u00a7&nbsp;12 Rz&nbsp;235; wohl einschr\u00e4nkend Holle\/Weiss, Deutsches Steuerrecht \u2011\u2011DStR\u2011\u2011 2018, 167, 172; \u00e4hnlich Kuhr, Die Unternehmensbesteuerung 2016, 729, 737; Ronneberger, Neue Wirtschaftsbriefe \u2011\u2011NWB\u2011\u2011 2017, 954, 956). Andere sind der Ansicht, der Begriff der Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang sei ausschlie\u00dflich final zu bestimmen (Henerichs\/Stadje, Finanz-Rundschau 2011, 890, 894; Ergenzinger\/Solowieff, DStR 2020, 2844, 2847; s.a. Fleischer\/Schumann\/Peterich, NWB 2021, 3401, 3407; S\u00e4chsisches FG, Urteil vom 23.01.2017&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;1187\/16, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2017, 596).<\/li><li>b) Der Senat folgt der erstgenannten Auffassung.<\/li><li>aa) Der Kl\u00e4gerin ist zwar zun\u00e4chst einzur\u00e4umen, dass der Wortlaut des \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 zu dieser Rechtsfrage nicht eindeutig ist. &#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220; k\u00f6nnen sowohl alle Kosten sein, die im Sinne einer wirtschaftlichen Veranlassung f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang aufgewendet werden (s. z.B. Krohn, DB 2018, 1755, 1758), als auch Kosten, die mit der Absicht der Erm\u00f6glichung einer Verm\u00f6gens\u00fcbertragung (finales Element) get\u00e4tigt werden (s. z.B. Ergenzinger\/Solowieff, DStR 2020, 2844, 2845&nbsp;f.).<\/li><li>bb) F\u00fcr die erstgenannte Auslegung spricht aber der mit der Regelung verfolgte Zweck. Die S\u00e4tze&nbsp;1 und 2 in \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 UmwStG 2006 sollen bewirken, dass das verschmelzungsbedingte \u00dcbertragungsergebnis auf der Ebene der \u00fcbernehmenden K\u00f6rperschaft wie der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung einer Beteiligung i.S. des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 KStG behandelt wird (Begr\u00fcndung des Entwurfs der Bundesregierung zum Gesetz \u00fcber steuerliche Begleitma\u00dfnahmen zur Einf\u00fchrung der Europ\u00e4ischen Gesellschaft und zur \u00c4nderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften, BTDrucks 16\/2710, S.&nbsp;41, und Bericht des Finanzausschusses, BTDrucks 16\/3369, S.&nbsp;10; s.a. Senatsurteile vom 09.01.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;24\/12, BFHE 240, 115, BStBl II 2018, 509; vom 26.09.2018&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;16\/16, BFHE 263, 131, BStBl II 2020, 206). Daraus l\u00e4sst sich mit dem FG schlie\u00dfen, dass aus Gleichbehandlungsgr\u00fcnden die &#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220; nicht nach anderen Grunds\u00e4tzen ermittelt werden d\u00fcrfen als die Ver\u00e4u\u00dferungskosten i.S. des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;2 KStG. Im genannten Gesetzentwurf (BTDrucks 16\/2710, S.&nbsp;39) wird ausgef\u00fchrt, dass in die Ermittlung des \u00dcbernahmeergebnisses &#8222;auch&#8220; die \u00dcbernahmekosten einzubeziehen sind. Das wiederum spricht daf\u00fcr, dass nicht nur und ausschlie\u00dflich Kosten gemeint sein k\u00f6nnen, die unmittelbar mit der Absicht der Erm\u00f6glichung einer Verm\u00f6gens\u00fcbertragung im engeren Sinne get\u00e4tigt werden. Im Bericht des Finanzausschusses (BTDrucks 16\/3369, S.&nbsp;10) wird zudem ein direkter Bezug zu \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4 UmwStG 2006 sowie zu \u00a7&nbsp;8b KStG hergestellt. Der Auffassung, der Wortlaut des \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 sei einer solchen teleologischen Auslegung unzug\u00e4nglich (so Ergenzinger\/Solowieff, DStR 2020, 2844, 2846), ist nicht zu folgen.<\/li><li>cc) F\u00fcr die vorgenannte Auslegung und die Gleichstellung mit Ver\u00e4u\u00dferungskosten spricht zudem der systematische Aspekt, dass Umwandlungsvorg\u00e4nge insgesamt als Anschaffungs- und Ver\u00e4u\u00dferungsvorg\u00e4nge behandelt werden (Senatsurteile vom 24.01.2018&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;48\/15, BFHE 261, 8, BStBl II 2019, 45; vom 18.11.2020&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;25\/18, BFHE 271, 421, BStBl II 2021, 732; BMF-Schreiben in BStBl I 2011, 1314, Rz&nbsp;00.02; a.A. Ergenzinger\/Solowieff, DStR 2020, 2844, 2847; Holle\/Weiss, DStR 2018, 167, 171). Nach der st\u00e4ndigen Senatsrechtsprechung werden insoweit die Ver\u00e4u\u00dferungskosten von den laufenden Betriebsausgaben nicht (mehr) danach abgegrenzt, ob sie &#8222;in unmittelbarer sachlicher Beziehung&#8220; zu dem Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft stehen, sondern danach, ob ein Veranlassungszusammenhang zu der Ver\u00e4u\u00dferung besteht. Abzustellen ist auf das &#8222;ausl\u00f6sende Moment&#8220; f\u00fcr die Entstehung der Aufwendungen und ihre gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he zur Ver\u00e4u\u00dferung oder zum laufenden Gewinn (Senatsurteile vom 27.03.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;14\/12, BFH\/NV 2013, 1768; vom 12.03.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;45\/13, BFHE 245, 25, BStBl II 2014, 719). Auf das ausl\u00f6sende Moment ist insoweit aus Gr\u00fcnden des Gleichklangs auch f\u00fcr \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UmwStG 2006 abzustellen (Stimpel, GmbHR 2012, 199, 200; Krohn, DB 2018, 1755, 1757).<\/li><li>c) Es unterliegt insoweit nach den Ausf\u00fchrungen im Senatsurteil in BFHE 233, 251, BStBl II 2011, 761 auch keinen Zweifeln, dass die Grunderwerbsteuer im Falle der Anteilsvereinigung zwar nicht zweckgerichtet im Sinne eines inneren, finalen Zweckzusammenhangs f\u00fcr die Anschaffung aufgewendet wird, dass der fingierte Erwerb aber f\u00fcr die Entstehung der Aufwendungen urs\u00e4chlich im Sinne eines Veranlassungszusammenhangs in der Sph\u00e4re der \u00dcbernehmerin ist (Stimpel, GmbHR 2012, 199, 202; Stimpel\/D\u00f6tsch in D\u00f6tsch\/Pung\/M\u00f6hlenbrock, a.a.O., \u00a7&nbsp;12 UmwStG Rz&nbsp;57; Brandis\/Heuermann\/Klingberg, \u00a7&nbsp;12 UmwStG Rz&nbsp;47; a.A. mit Blick auf \u00a7&nbsp;13 Nr.&nbsp;5 GrEStG Ronneberger, NWB 2017, 954, 961). Das Veranlassungsprinzip wird insoweit nicht durch die (naturwissenschaftliche) Kausalit\u00e4t, sondern durch das Prinzip der wertenden Selektion der Aufwandsursachen gekennzeichnet (dazu Senatsurteile vom 18.04.2018&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;37\/16, BFHE 261, 166, BStBl II 2019, 73; vom 09.06.2021&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;32\/17, BFHE 273, 475).<\/li><li>d) Bei der im Streitfall ma\u00dfgebenden Veranlassungspr\u00fcfung kommt es ausschlie\u00dflich darauf an, ob die bestandskr\u00e4ftige Grunderwerbsteuerfestsetzung zu einer wirtschaftlichen Belastung der Kl\u00e4gerin gef\u00fchrt hat und durch den verschmelzungsbedingten \u00dcbergang der Kommanditbeteiligung veranlasst ist. Das ist zu bejahen und es ist insoweit irrelevant, ob die Grunderwerbsteuer in der Sache rechtm\u00e4\u00dfig festgesetzt worden ist bzw. der bestandskr\u00e4ftig gewordenen Festsetzung &#8222;Tatbestandswirkung&#8220; zukommen kann. Gegenstand der Besteuerung nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG ist die durch die Verschmelzung herbeigef\u00fchrte Zuordnung aller Anteile in einer Hand. Mit dem Anteilserwerb wird deshalb grunderwerbsteuerrechtlich derjenige, in dessen Hand sich die Anteile vereinigen, so behandelt, als habe er die Grundst\u00fccke von der Gesellschaft erworben, deren Anteile sich in seiner Hand vereinigen. Das Gesetz fingiert also mit Hilfe des Ersatztatbestandes der Anteilsvereinigung einen zivilrechtlich nicht vorhandenen grundst\u00fccksbezogenen Erwerbsvorgang (Senatsurteil in BFHE 233, 251, BStBl II 2011, 761). Dieser stellt den ma\u00dfgeblichen Besteuerungsgrund dar, so dass die Grunderwerbsteuer durch den \u00dcbergang der Kommanditbeteiligung anf\u00e4llt (Urteil des Bundesfinanzhofs vom 26.03.1992&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;121\/90, BFHE 168, 419, BStBl II 1992, 1038). Im ma\u00dfgeblichen Grunderwerbsteuerbescheid wird in den Erl\u00e4uterungen entsprechend auch ausgef\u00fchrt, dass &#8222;durch \u00dcbertragungs- und Verschmelzungsvertrag vom &#8230;2007&#8220; mindestens 95&nbsp;% der Anteile an der KG&nbsp;2 in einer Hand vereinigt worden sind. Insoweit wird deutlich, dass &#8222;die Verschmelzung zur Steuerbarkeit&#8220; f\u00fchrt (so die Forderung bei Br\u00fchl\/Weiss, GmbHR 2020, 980, 982) und Letztere nicht etwa auf der Einbringung vom &#8230;2007 beruht.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.231122.IR25.20.0 BFH I. Senat UmwStG 2006 \u00a7 12 Abs 2 S 1, GrEStG \u00a7 1 Abs 3 vorgehend FG M\u00fcnchen, 13. Mai 2020, Az: 6 K 75\/19 Leits\u00e4tze 1. Die Zuordnung von Kosten zu den &#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220; als Bestandteil des &#8222;au\u00dfer Ansatz bleibenden&#8220; \u00dcbernahmeergebnisses (\u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 UmwStG 2006) folgt &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kosten-fuer-den-vermoegensuebergang-in-%c2%a7-12-abs-2-satz-1-umwstg-2006-bfh-urteil-vom-23-november-2022-i-r-25-20\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8222;Kosten f\u00fcr den Verm\u00f6gens\u00fcbergang&#8220; in \u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 UmwStG 2006 &#8211; BFH-Urteil vom 23. 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