{"id":75624,"date":"2023-03-12T18:16:35","date_gmt":"2023-03-12T16:16:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75624"},"modified":"2023-03-12T18:16:35","modified_gmt":"2023-03-12T16:16:35","slug":"veraeusserung-eines-dividendenanspruchs-zwischen-beschraenkt-steuerpflichtigen-bfh-urteil-vom-15-november-2022-viii-r-21-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/veraeusserung-eines-dividendenanspruchs-zwischen-beschraenkt-steuerpflichtigen-bfh-urteil-vom-15-november-2022-viii-r-21-19\/","title":{"rendered":"Ver\u00e4u\u00dferung eines Dividendenanspruchs zwischen beschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen &#8211; BFH-Urteil vom 15. November 2022, VIII R 21\/19"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.151122.VIIIR21.19.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 2 Buchst a S 2, EStG \u00a7 44 Abs 1 S 3, EStG \u00a7 43 Abs 1 S 1 Nr 1a, EStG \u00a7 49 Abs 1 Nr 5 Buchst a, AO \u00a7 42, AO \u00a7 168 S 1, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 2 Buchst a S 2, EStG \u00a7 49 Abs 1 Nr 5 Buchst a S 2, EStG \u00a7 49 Abs 1 Nr 5 Buchst a S 2, UntStRefG 2008 , KroatienAnpG , FGO \u00a7 40 Abs 2, EStG VZ 2013<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Hessisches Finanzgericht , 17. Mai 2019, Az: 4 K 720\/16<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Der Steuerentrichtungspflichtige ist befugt, gegen die auf seinen eigenen Anmeldungen beruhenden, unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung stehenden Festsetzungen (\u00a7 168 Satz 1 AO) der Kapitalertragsteuer zu klagen und diese auf ihre Rechtm\u00e4\u00dfigkeit hin \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen (Anschluss an BFH-Beschluss vom 12.04.2022 &#8211; VIII R 35\/19, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt, BFH\/NV 2022, 1024, Rz 16 ff., m.w.N.).<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die Sperrwirkung des \u00a7 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a Satz 2 EStG f\u00fcr die Besteuerung der Dividenden nach \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG tritt nach der im Jahr 2013 geltenden Fassung auch dann ein, wenn der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividendenanspr\u00fcche bei beschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen gem\u00e4\u00df \u00a7 49 EStG nicht steuerpflichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die Ver\u00e4u\u00dferung des Dividendenanspruchs ist kein Gestaltungsmissbrauch i.S. des \u00a7 42 AO, da diese in \u00a7 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG vom Gesetzgeber geregelt ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Auf die Revision der Kl\u00e4gerin wird das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 17.05.2019 &#8211; 4 K 720\/16 und die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 15.03.2016 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die Kapitalertragsteuer-Festsetzung f\u00fcr April 2013 vom 26.06.2015 ist im Rahmen des Steuerabzugs durch die auszahlende Stelle bei den Kapitalertr\u00e4gen i.S. des \u00a7 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a des Einkommensteuergesetzes um \u2026 \u20ac (Kapitalertragsteuer) bzw. \u2026 \u20ac (Solidarit\u00e4tszuschlag) herabzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die Kapitalertragsteuer-Festsetzung f\u00fcr Mai 2013 vom 26.06.2015 ist im Rahmen des Steuerabzugs durch die auszahlende Stelle bei den Kapitalertr\u00e4gen i.S. des \u00a7 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a des Einkommensteuergesetzes um \u2026 \u20ac (Kapitalertragsteuer) bzw. \u2026 \u20ac (Solidarit\u00e4tszuschlag) herabzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) ist ein inl\u00e4ndisches Kreditinstitut. Sie verwahrte und verwaltete in dem Streitzeitraum April und Mai 2013 zu den jeweiligen Dividendenstichtagen folgende Wertpapiere nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 des Kreditwesengesetzes f\u00fcr das in Gro\u00dfbritannien ans\u00e4ssige Kreditinstitut AB, einer Aktiengesellschaft nach dem Recht Gro\u00dfbritanniens:AktiengattungAktienanzahlBruttodividendeEinlieferungEx-TagAuslieferungRWE&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;08.04.201319.04.201323.04.2013VW&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;15.04.201326.04.201303.05.2013M\u00fcR\u00fc&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;15.04.201326.04.201303.05.2013Bayer&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;16.04.201329.04.201330.04.2013BASF&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;16.04.201329.04.201330.04.2013Porsche&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;19.04.201302.05.201303.05.2013E.ON&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;23.04.201306.05.201308.05.2013Adidas&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;26.04.201309.05.201310.05.2013Allianz&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;26.04.201308.05.201309.05.2013BMW&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;03.05.201315.05.201316.05.2013DB&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;13.05.201324.05.201324.05.2013<\/li><li>AB ver\u00e4u\u00dferte jeweils mit auf den Tag der Einlieferung der Aktien in das Depot datierten Vertr\u00e4gen die k\u00fcnftigen Dividendenanspr\u00fcche f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2012 an die Londoner Niederlassung AC, einer Kapitalgesellschaft nach dem Recht des US-Bundesstaats X. Als Kaufpreis waren zwischen 93&nbsp;% und 97&nbsp;% der zu erwartenden &#8222;Brutto-Dividenden&#8220; zu zahlen. Gleichzeitig wurde der jeweilige Anspruch auf die Auszahlung der Dividende abgetreten. S\u00e4mtliche Vertr\u00e4ge enthielten hinsichtlich der Zusicherungen der Ver\u00e4u\u00dferin identische Formulierungen. Danach \u00fcbernahm AB weder die Verantwortung oder Haftung daf\u00fcr, dass die Forderung in voller H\u00f6he des Bruttodividendenbetrags entstand, noch f\u00fcr die Bonit\u00e4t und die Zahlungsf\u00e4higkeit der Gesellschaft nach dem Entstehen der Forderung.<\/li><li>Gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin wurde die Abtretung jeweils angezeigt. In den Abtretungsanzeigen wurde sie angewiesen, die zu erwartende Dividende auf ein Konto der AC auszuzahlen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin gab in der Kapitalertragsteuer-Anmeldung vom 10.06.2013 f\u00fcr Mai 2013 allein die Aussch\u00fcttung der DB&nbsp;AG an, f\u00fcr die sie bei der Auszahlung an die Abtretungsempf\u00e4ngerin die Kapitalertragsteuer einbehalten hatte. Mit Schreiben vom 09.07.2013 legte sie Einspruch gegen die Kapitalertragsteuer-Anmeldung f\u00fcr Mai 2013 vom 10.06.2013 ein und begehrte, betreffend die Aussch\u00fcttung der DB&nbsp;AG die Kapitalertragsteuer um \u2026&nbsp;\u20ac und den Solidarit\u00e4tszuschlag um \u2026&nbsp;\u20ac herabzusetzen.<\/li><li>Am 26.06.2015 reichte die Kl\u00e4gerin ge\u00e4nderte Kapitalertragsteuer-Anmeldungen f\u00fcr April und Mai 2013 ein, die die Aussch\u00fcttungen aller an die AC abgetretenen Dividendenzahlungen (s. oben Tabelle) umfassten, und legte gegen diese mit Schreiben vom 20.07.2015 Einspruch ein.<\/li><li>Die nach erfolglosem Vorverfahren erhobene Klage hatte aus den in den Entscheidungen der Finanzgerichte 2019, 1593 mitgeteilten Gr\u00fcnden keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) folgte dem Pr\u00fcfungsbericht der Au\u00dfenpr\u00fcfung, wonach das wirtschaftliche Eigentum an den Aktien zum Zeitpunkt der Aussch\u00fcttung bei AB lag, und nahm an, dass die Kl\u00e4gerin gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1a und \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung des Streitjahres 2013 (EStG) zum Einbehalt von Kapitalertragsteuer auf die Dividendenzahlungen im Auszahlungszeitpunkt verpflichtet war.<\/li><li>Hiergegen richtet sich die Revision der Kl\u00e4gerin, mit der sie die Verletzung materiellen Rechts r\u00fcgt.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>1. Das aufgrund m\u00fcndlicher Verhandlung vom 17.05.2019 ergangene Urteil des Hessischen FG, zugestellt am 13.06.2019, wird aufgehoben.<\/li><li>2. Die Festsetzung der Kapitalertragsteuer f\u00fcr Kapitalertr\u00e4ge i.S. des \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1a EStG f\u00fcr den Anmeldungszeitraum April 2013 durch die Steueranmeldungen vom 10.05.2013 und 26.06.2015 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 15.03.2016 von \u2026&nbsp;\u20ac um \u2026&nbsp;\u20ac auf \u2026&nbsp;\u20ac sowie den entsprechenden Solidarit\u00e4tszuschlag von \u2026&nbsp;\u20ac um \u2026&nbsp;\u20ac auf \u2026&nbsp;\u20ac zu reduzieren.<\/li><li>3. Die Festsetzung der Kapitalertragsteuer f\u00fcr Kapitalertr\u00e4ge i.S. des \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1a EStG f\u00fcr den Anmeldungszeitraum Mai 2013 durch die Steueranmeldungen vom 10.06.2013 und 26.06.2015 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 15.03.2016 von \u2026&nbsp;\u20ac um \u2026&nbsp;\u20ac auf \u2026&nbsp;\u20ac sowie den entsprechenden Solidarit\u00e4tszuschlag von \u2026&nbsp;\u20ac um \u2026&nbsp;\u20ac auf \u2026&nbsp;\u20ac zu reduzieren.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das FA folgt im Wesentlichen den Ausf\u00fchrungen des FG. Die Kl\u00e4gerin sei zum Einbehalt von Kapitalertragsteuer auf die Dividendenzahlungen verpflichtet gewesen, da die Dividendenzahlungen von AB als Anteilseignerin gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a, \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, Abs.&nbsp;5 EStG zu versteuern seien. Die Sperrwirkung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz 2 EStG in Bezug auf die Besteuerung der Dividenden finde keine Anwendung, da in \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 EStG nicht auf diese Vorschrift verwiesen werde. Eine Verdr\u00e4ngung der Besteuerung der Dividendenzahlungen aufgrund der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividendenanspr\u00fcche lasse sich sachlich auch nur dann rechtfertigen, wenn eine Besteuerung der Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne \u2011\u2011anders als im Streitfall\u2011\u2011 tats\u00e4chlich erfolge; der Gesetzgeber habe die Besteuerung der Dividendenzahlungen durch die Regelung der Sperrwirkung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz 2 EStG nicht per se aufgeben wollen. Mit der Neuregelung im Gesetz zur Anpassung des nationalen Steuerrechts an den Beitritt Kroatiens zur EU und zur \u00c4nderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 25.07.2014 \u2011\u2011KroatienAnpG\u2011\u2011 (BGBl I 2014, 1266) habe er au\u00dferdem klargestellt, dass eine tats\u00e4chliche Besteuerung der Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne f\u00fcr den Eintritt der Sperrwirkung nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz 2 EStG erforderlich sei. Dies gelte auch f\u00fcr vorangegangene Besteuerungszeitr\u00e4ume. Es sei jedenfalls ein Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;42 der Abgabenordnung (AO) gegeben. Abgesehen von einem Abschlag zwischen 3&nbsp;% und 7&nbsp;% der zu erwartenden Bruttodividende entspreche das wirtschaftliche Ergebnis der Ver\u00e4u\u00dferung dem, wie es bei einer sp\u00e4teren Vereinnahmung der Dividende eingetreten w\u00e4re. Der geringf\u00fcgige Finanzierungsvorteil durch die Ver\u00e4u\u00dferung der Dividendenanspr\u00fcche von gerade einmal zehn Tagen sei vernachl\u00e4ssigbar. Die Gestaltung sei nur gew\u00e4hlt worden, um zu erreichen, dass die Dividendenzahlungen nicht der Besteuerung unterliegen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet und f\u00fchrt zur Aufhebung des Urteils. Der Senat entscheidet in der Sache selbst (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) und gibt der Klage statt. Zwar hat das FG die Klage zu Recht als zul\u00e4ssig angesehen, aber zu Unrecht entschieden, dass die Kl\u00e4gerin zum Kapitalertragsteuerabzug verpflichtet war.<\/li><li>1. Das FG hat die Klage im Ergebnis zu Recht als zul\u00e4ssig angesehen. Die Kl\u00e4gerin ist als Steuerentrichtungspflichtige befugt, gegen die auf ihren eigenen Anmeldungen beruhenden, unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung stehenden Festsetzungen (\u00a7&nbsp;168 Satz&nbsp;1 AO) der Kapitalertragsteuer zu klagen und diese auf ihre Rechtm\u00e4\u00dfigkeit hin \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 12.04.2022&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;35\/19, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt, BFH\/NV 2022, 1024, Rz&nbsp;16&nbsp;ff., m.w.N.).<\/li><li>2. Das Urteil ist jedoch aufzuheben, da das FG rechtsfehlerhaft die Klage als unbegr\u00fcndet abgewiesen hat. Entgegen der Auffassung des FG war die Kl\u00e4gerin als die Kapitalertr\u00e4ge auszahlende Stelle bei Auszahlung der Dividenden an AC nicht zum Abzug und zur Abf\u00fchrung der Kapitalertragsteuer und des hierauf entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags nach \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1a EStG verpflichtet, da AB als Anteilseignerin der Aktien i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;5 EStG keine steuerbaren Dividendeneink\u00fcnfte i.S. des \u00a7&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG) i.V.m. \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a, \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG erzielt hat. Rechtsgrund hierf\u00fcr ist, dass nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG der Gewinn der AB aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividende an AC an die Stelle der Besteuerung der Dividenden nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG getreten ist und dieser nicht unter die beschr\u00e4nkt steuerpflichtigen Eink\u00fcnfte nach \u00a7&nbsp;49 EStG f\u00e4llt.<\/li><li>a) Die Pflicht zur Einbehaltung und Abf\u00fchrung der Kapitalertragsteuer nach \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3, \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1a EStG durch die Kl\u00e4gerin setzt voraus, dass AB als im Inland beschr\u00e4nkt steuerpflichtige Kapitalgesellschaft steuerbare Kapitaleink\u00fcnfte i.S. des \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG erzielt hat. Das ist vorliegend nicht der Fall.<\/li><li>aa) Anteilseignerin der Aktien i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;5 EStG war bei der Aussch\u00fcttung der Dividenden im Streitzeitraum AB. Diese unterlag als Kapitalgesellschaft, die ihren Sitz und ihre Gesch\u00e4ftsleitung im Ausland hatte und damit im Inland nicht unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtig war, gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 KStG mit ihren inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnften der beschr\u00e4nkten K\u00f6rperschaftsteuerpflicht. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 KStG i.V.m. \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a EStG sind inl\u00e4ndische Eink\u00fcnfte im Sinne der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG, also auch an die Anteilseigner ausgesch\u00fcttete Dividenden.<\/li><li>bb) Zwar werden die Dividendenzahlungen AB als Anteilseignerin i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;5 EStG trotz der Abtretung der Dividendenanspr\u00fcche an AC als Kapitaleink\u00fcnfte zugerechnet (vgl. BFH-Urteil vom 11.12.1968&nbsp;&#8211; I&nbsp;250\/64, BFHE 94, 488, BStBl II 1969, 188), so dass der Tatbestand des \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG an sich erf\u00fcllt ist. Jedoch tritt nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG die Besteuerung des Gewinns aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividende durch den Inhaber des Stammrechts an die Stelle der Besteuerung der Dividende nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG. Die Besteuerung der Dividenden im Zeitpunkt ihrer Auszahlung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG wird hierdurch verdr\u00e4ngt (vgl. BFH-Urteil vom 02.03.2010&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;44\/09, BFH\/NV 2010, 1622, Rz&nbsp;17). Da Kapitaleink\u00fcnfte gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 EStG seit Einf\u00fchrung der Abgeltungsteuer keine inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnfte im Sinne der beschr\u00e4nkten Einkommensteuerpflicht nach \u00a7&nbsp;49 EStG sind, unterliegt AB in Bezug auf den von ihr erzielten Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn aus dem Verkauf der Dividenden auch insoweit im Inland nicht der inl\u00e4ndischen Besteuerung, so dass auch keine Pflicht der Kl\u00e4gerin zum Einbehalt und zur Abf\u00fchrung der Kapitalertragsteuer besteht.<\/li><li>cc) Entgegen der Auffassung des FG entf\u00e4llt die Sperrwirkung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG f\u00fcr die Besteuerung der Dividende nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG nicht deshalb, weil in \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a EStG auf diese Regelung nicht verwiesen wird. Denn \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 EStG kn\u00fcpft an das Vorliegen der Eink\u00fcnfte i.S. des \u00a7&nbsp;2 i.V.m. \u00a7\u00a7&nbsp;13&nbsp;ff. EStG punktuell an und enth\u00e4lt keine Erweiterung gegen\u00fcber dem f\u00fcr unbeschr\u00e4nkt Steuerpflichtige geltenden Eink\u00fcnftebegriff (st\u00e4ndige Rechtsprechung, BFH-Urteil vom 07.11.2001&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;14\/01, BFHE 197, 287, BStBl II 2002, 861, unter II.4.; BFH-Beschluss vom 01.12.1982&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;11\/82, BFHE 137, 178, BStBl II 1983, 367, unter 2.b; vgl. Hidien in Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff \u2011\u2011KSM\u2011\u2011, EStG, \u00a7&nbsp;49 Rz&nbsp;A&nbsp;1, A&nbsp;24, A&nbsp;300 und A&nbsp;314; B\u00e4rsch in Herrmann\/Heuer\/Raupach \u2011\u2011HHR\u2011\u2011, \u00a7&nbsp;49 EStG Rz&nbsp;5; Holthaus in Lippross\/Seibel, Basiskommentar Steuerrecht, Stand 131.&nbsp;Lfg. 04.2022 \u00a7&nbsp;49 EStG Rz&nbsp;1; Schmidt\/Loschelder, EStG, 41.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;49 Rz&nbsp;11). Im Falle einer Ver\u00e4u\u00dferung von k\u00fcnftigen Dividendenanspr\u00fcchen durch den Inhaber des Stammrechts w\u00e4ren die Dividendenzahlungen bei einem unbeschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG steuerbar, so dass dies \u2011\u2011mangels einer gegenteiligen Regelung in \u00a7&nbsp;49 EStG\u2011\u2011 auch f\u00fcr beschr\u00e4nkt steuerpflichtige Aktieninhaber gelten muss. H\u00e4tte der Gesetzgeber hiervon abweichen wollen, h\u00e4tte er in \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a EStG regeln m\u00fcssen, dass \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG bei beschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen nicht zu ber\u00fccksichtigen ist. Dies hat er aber \u2011\u2011anders als in \u00a7&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 des REIT-Gesetzes vom 28.05.2007 (BGBl I 2007, 914)\u2011\u2011 nicht geregelt (vgl. z.B. Helios\/Klein, Finanz-Rundschau \u2011\u2011FR\u2011\u2011 2014, 110, 112).<\/li><li>dd) Die Sperrwirkung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG f\u00fcr die Besteuerung der Dividenden nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG tritt nach der im Streitzeitraum 2013 geltenden Fassung der Vorschrift auch dann ein, wenn eine Besteuerung des Gewinns aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividendenanspr\u00fcche bei beschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen nicht erfolgt (vgl. Jachmann-Michel in Lademann, EStG, \u00a7&nbsp;20 EStG Rz&nbsp;1052&nbsp;f.; Levedag in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/Neumann, KStG, 1.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;2 Rz&nbsp;84; Gosch in Kirchhof\/Seer, EStG, 21.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;49 Rz&nbsp;74; Jochum in KSM, EStG, \u00a7&nbsp;20 Rz&nbsp;D\/2&nbsp;26 und D\/2&nbsp;28a; Hamacher\/Dahm in Korn, \u00a7&nbsp;20 EStG Rz&nbsp;329; HHR\/Buge, \u00a7&nbsp;20 EStG Rz&nbsp;456; Bisle, Neue Wirtschafts-Briefe \u2011\u2011NWB\u2011\u2011 2013, 4108; Helios\/Klein, FR 2014, 110, 112; Wiese\/Berner, Deutsches Steuerrecht \u2011\u2011DStR\u2011\u2011 2013, 2674; vgl. das Ergebnis in BFH-Urteil in BFH\/NV 2010, 1622; andere Auffassung Gesetzesbegr\u00fcndung zum KroatienAnpG in BTDrucks 18\/1529, S.&nbsp;53; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen \u2011\u2011BMF\u2011\u2011 vom 26.07.2013&nbsp;&#8211; IV&nbsp;C&nbsp;1-S&nbsp;2410\/11\/10001:003, BStBl I 2013, 939; BeckOK EStG\/Mann, 14.&nbsp;Ed. [01.10.2022], EStG \u00a7&nbsp;45 Rz&nbsp;9&nbsp;f.; D\u00f6tsch\/Werner in D\u00f6tsch\/Pung\/M\u00f6hlenbrock, Kommentar zum KStG, \u00a7&nbsp;20 EStG Rz&nbsp;254; Ramackers, Recht der Finanzinstrumente \u2011\u2011RdF\u2011\u2011 2013, 241).<\/li><li>aaa) Aus dem Wortlaut des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG, nach dem &#8222;diese Besteuerung an die Stelle der Besteuerung nach Abs.&nbsp;1 tritt&#8220;, ist nicht zu folgern, dass der Gesetzgeber eine tats\u00e4chliche Besteuerung des Gewinns aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividende zur Voraussetzung der Sperrwirkung der Besteuerung nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG machen wollte. Zum einen ist dies dem Begriff der &#8222;Besteuerung&#8220; nicht ohne weiteres zu entnehmen, da dieser im Einkommensteuergesetz in den unterschiedlichsten Zusammenh\u00e4ngen verwendet wird und erst im konkreten Bezug an Bedeutung gewinnt (vgl. Jochum in KSM, EStG, \u00a7&nbsp;20 Rz&nbsp;D\/2&nbsp;26 und D\/2&nbsp;28; Wiese\/Berner, DStR 2013, 2674, 2675). Zum anderen ist auch der Gesetzesbegr\u00fcndung zum Standortsicherungsgesetz vom 13.09.1993 (BTDrucks 12\/5016, S.&nbsp;87) in Bezug auf die Einf\u00fchrung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG nicht zu entnehmen, dass die Sperrwirkung f\u00fcr die Besteuerung der Dividenden nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG nur dann eintreten soll, wenn die Gewinne aus der Ver\u00e4u\u00dferung des Dividendenanspruchs tats\u00e4chlich besteuert werden. Mit der Einf\u00fcgung des Satz&nbsp;2 in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG sollte nach der Gesetzesbegr\u00fcndung allein eine Doppelbesteuerung der Dividende und des Gewinns aus der Ver\u00e4u\u00dferung des Dividendenanspruchs vermieden werden. Dass eine tats\u00e4chliche Besteuerung bzw. eine Einmalbesteuerung des Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns oder der Dividendenzahlungen sichergestellt werden sollte, ergibt sich aus der Gesetzesbegr\u00fcndung indes nicht (so z.B. auch Bisle, NWB 2013, 4108, 4110; Wiese\/Berner, DStR 2013, 2674, 2676).<\/li><li>bbb) Erst die Neufassung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG in der Fassung des KroatienAnpG stellt auf eine tats\u00e4chliche Besteuerung der Gewinne aus der Ver\u00e4u\u00dferung des Dividendenanspruchs f\u00fcr das Eintreten der Sperrwirkung ab. Danach tritt die Sperrwirkung erst dann ein, &#8222;soweit eine Besteuerung&#8220; des Gewinns aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividenden nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 EStG &#8222;erfolgt ist&#8220;. Entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung (s. BMF-Schreiben in BStBl I 2013, 939) macht diese durch das KroatienAnpG eingef\u00fchrte Neufassung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG nicht nur eine bereits geltende Rechtsauffassung deutlich (so jedoch die Gesetzesbegr\u00fcndung in BTDrucks 18\/1529, S.&nbsp;53), sondern \u00e4ndert das Gesetz dahingehend, dass der Ausschluss der Besteuerung der Dividende im Falle einer Ver\u00e4u\u00dferung von Dividendenanspr\u00fcchen von der tats\u00e4chlichen Besteuerung des sich daraus ergebenden Gewinns abh\u00e4ngt (so auch Hamacher\/Dahm in Korn, \u00a7&nbsp;20 EStG Rz&nbsp;329; HHR\/Buge, \u00a7&nbsp;20 EStG Rz&nbsp;456). Die Neuregelung findet erstmals in dem Zeitpunkt Anwendung, in dem sie wirksam geworden ist und hat keine R\u00fcckwirkung. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG in der Fassung des KroatienAnpG ist die Gesetzes\u00e4nderung beim Steuerabzug vom Kapitalertrag erstmals auf Dividenden anzuwenden, die nach dem 31.12.2014 zuflie\u00dfen. Somit scheidet eine Anwendung der Neuregelung im Streitfall aus.<\/li><li>ccc) Eine andere Beurteilung ergibt sich auch nicht aus der \u00c4nderung der Regelung des \u00a7&nbsp;49 EStG zur Besteuerung der beschr\u00e4nkt steuerpflichtigen Eink\u00fcnfte durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 vom 14.08.2007 \u2011\u2011UntStRefG 2008\u2011\u2011 (BGBl I 2007, 1912). Diese Gesetzes\u00e4nderung f\u00fchrte zu einer Streichung der Verweisung in \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 EStG auf \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 EStG mit dem Ergebnis, dass der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung von Dividendenanspr\u00fcchen nicht mehr der inl\u00e4ndischen beschr\u00e4nkten Steuerpflicht unterliegt. Hieraus ist jedoch entgegen der Auffassung des FG nicht zu schlie\u00dfen, dass der Gesetzgeber die Dividende nach \u00a7&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a, \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG auch im Falle der Ver\u00e4u\u00dferung des Dividendenanspruchs stets besteuern wollte, da mit der Gesetzes\u00e4nderung auch der Verweis auf die Sperrwirkung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG entfallen ist. Dies ist der Gesetzesbegr\u00fcndung nicht zu entnehmen (s. BRDrucks 220\/07, S.&nbsp;113). H\u00e4tte eine solche Absicht des Gesetzgebers bestanden, h\u00e4tte es nahe gelegen, die Sperrwirkung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG von einer tats\u00e4chlichen Besteuerung des Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns abh\u00e4ngig zu machen. Die Norm des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG ist aber durch das UntStRefG 2008 vom Gesetzgeber nicht ge\u00e4ndert worden und sollte ausweislich der Gesetzesbegr\u00fcndung (s. BRDrucks 220\/07, S.&nbsp;88) der bisherigen Regelung entsprechen. Demzufolge kommt auch eine einschr\u00e4nkende Auslegung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG aufgrund der \u00c4nderung des \u00a7&nbsp;49 EStG nicht in Betracht (so aber Ramackers, RdF 2013, 241, 243).<\/li><li>b) Die Kl\u00e4gerin war auch nicht zu einem Kapitalertragsteuerabzug gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG hinsichtlich der durch AB erzielten Gewinne aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Dividendenanspr\u00fcche i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG verpflichtet. Diese sind keine nach \u00a7&nbsp;49 EStG beschr\u00e4nkt steuerpflichtige Eink\u00fcnfte. Da keine inl\u00e4ndische Steuerpflicht besteht, ist von der auszahlenden Stelle kein Kapitalertragsteuereinbehalt vorzunehmen (vgl. BMF-Schreiben vom 19.05.2022&nbsp;&#8211; IV&nbsp;C&nbsp;1-S&nbsp;2252\/19\/10003:009, BStBl I 2022, 742). Zum Steuerabzug verpflichtet ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Alternative&nbsp;2 EStG allein die f\u00fcr den Verk\u00e4ufer der Dividendenanspr\u00fcche den Verkaufsauftrag ausf\u00fchrende Stelle. Dies war vorliegend nicht die Kl\u00e4gerin.<\/li><li>c) Die Ver\u00e4u\u00dferung der Dividendenanspr\u00fcche i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG durch AB stellt auch keinen Gestaltungsmissbrauch i.S. des \u00a7&nbsp;42 AO dar.<\/li><li>aa) Nach \u00a7&nbsp;42 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO kann durch Missbrauch von Gestaltungsm\u00f6glichkeiten des Rechts das Steuergesetz nicht umgangen werden. Ein Missbrauch nach \u00a7&nbsp;42 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO liegt vor, wenn eine unangemessene rechtliche Gestaltung gew\u00e4hlt wird, die beim Steuerpflichtigen oder einem Dritten im Vergleich zu einer angemessenen Gestaltung zu einem gesetzlich nicht vorgesehenen Steuervorteil f\u00fchrt. Jedoch macht das Motiv, Steuern zu sparen, eine Gestaltung noch nicht unangemessen i.S. des \u00a7&nbsp;42 AO. Der Steuerpflichtige darf seine Verh\u00e4ltnisse grunds\u00e4tzlich so gestalten, dass keine oder m\u00f6glichst geringe Steuern anfallen und dabei zivilrechtliche Gestaltungen, die vom Gesetz vorgesehen sind, frei verwenden. Eine rechtliche Gestaltung ist erst dann unangemessen, wenn der Steuerpflichtige nicht die vom Gesetzgeber vorausgesetzte Gestaltung zum Erreichen eines bestimmten wirtschaftlichen Ziels gebraucht, sondern daf\u00fcr einen ungew\u00f6hnlichen Weg w\u00e4hlt, auf dem nach den Wertungen des Gesetzgebers das Ziel nicht erreichbar sein soll. Eine Gestaltung, die \u00fcberhaupt keinen erkennbaren wirtschaftlichen Zweck hat, kann der Besteuerung nicht zugrunde gelegt werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn durch mehrere Gesch\u00e4fte, die sich wirtschaftlich gegenseitig neutralisieren, lediglich ein steuerlicher Vorteil erzielt werden soll oder wenn die Gestaltung in ihrer wirtschaftlichen Auswirkung durch eine gegenl\u00e4ufige Gestaltung kompensiert wird und sich deshalb im Ergebnis lediglich als formale Ma\u00dfnahme erweist (vgl. BFH-Urteile vom 29.09.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;9\/17, BFHE 271, 114, BStBl II 2021, 385, Rz&nbsp;19; vom 12.06.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;32\/16, BFHE 262, 74, BStBl II 2019, 221, Rz&nbsp;19; vom 08.03.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;5\/16, BFHE 257, 211, BStBl II 2017, 930, Rz&nbsp;18&nbsp;f.; vom 25.08.2009&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;55\/07, BFH\/NV 2010, 387, unter II.1.a, und vom 11.10.2000&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;99\/96, BFHE 193, 330, BStBl II 2001, 22, unter II.1.g).<\/li><li>bb) Nach diesen Grunds\u00e4tzen liegt im vorliegenden Fall ein Gestaltungsmissbrauch i.S. des \u00a7&nbsp;42 AO nicht vor. AB hat lediglich von gesetzlich vorgesehenen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten Gebrauch gemacht, diese aber nicht missbraucht. Sie hat sich entschieden, die Dividendenzahlungen nicht abzuwarten, sondern ihre k\u00fcnftigen Dividendenanspr\u00fcche bereits zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt wirtschaftlich zu verwerten. Dieses Ziel war (sinnvoll) durch eine Ver\u00e4u\u00dferung zu erreichen. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG sieht die Ver\u00e4u\u00dferung von Dividendenanspr\u00fcchen ausdr\u00fccklich vor und unterwirft sie der Besteuerung. AB hat daher nicht gegen eine vom Gesetzgeber vorgegebene Wertung versto\u00dfen, sondern lediglich von einer ihr durch das Gesetz einger\u00e4umten M\u00f6glichkeit zum Verkauf des Dividendenanspruchs vor Aussch\u00fcttung der Dividende Gebrauch gemacht, weshalb es \u2011\u2011entgegen der Ansicht des FA\u2011\u2011 auch nicht erheblich ist, ob dies zu einem gr\u00f6\u00dferen Aufwand (z.B. durch den Abschluss von Vertr\u00e4gen, das Ausbringen von Garantieversprechen oder die Verwahrung der Aktien in einem selbst\u00e4ndigen Depot) als der sp\u00e4tere Erhalt der Dividenden gef\u00fchrt hat (s. hierzu BFH-Urteil in BFHE 271, 114, BStBl II 2021, 385).<\/li><li>cc) Die Gestaltung ist auch nicht etwa deshalb rechtsmissbr\u00e4uchlich, weil AB die k\u00fcnftigen Dividendenanspr\u00fcche erst ca. zehn Tage vor dem Tag, an dem der Aktienkurs um die Dividende gek\u00fcrzt wurde, an AC ver\u00e4u\u00dferte. Zum einen ist der Regelung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG nicht zu entnehmen, dass die M\u00f6glichkeit einer Ver\u00e4u\u00dferung von Dividendenanspr\u00fcchen zeitlich begrenzt werden sollte. Zum anderen kann das von AB auf AC mit der Ver\u00e4u\u00dferung der Anspr\u00fcche \u00fcbertragene Risiko, dass die Dividendenzahlung gek\u00fcrzt wird oder ausf\u00e4llt, auch in diesem kurzen Zeitraum zum Tragen kommen.<\/li><li>3. Die Sache ist spruchreif. Der BFH kann in der Sache selbst entscheiden (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO) und gibt der Klage statt. Nach den Ausf\u00fchrungen unter II.2. ist die Kapitalertragsteuer-Festsetzung f\u00fcr April 2013 vom 26.06.2015 um \u2026&nbsp;\u20ac (Kapitalertragsteuer) bzw. \u2026&nbsp;\u20ac (Solidarit\u00e4tszuschlag) und die Kapitalertragsteuer-Festsetzung f\u00fcr Mai 2013 vom 26.06.2015 um \u2026&nbsp;\u20ac (Kapitalertragsteuer) bzw. \u2026&nbsp;\u20ac (Solidarit\u00e4tszuschlag) \u2011\u2011jeweils im Rahmen des Steuerabzugs durch die auszahlende Stelle bei den Kapitalertr\u00e4gen i.S. des \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1a EStG\u2011\u2011 herabzusetzen.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.151122.VIIIR21.19.0 BFH VIII. 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