{"id":75665,"date":"2023-03-16T13:32:19","date_gmt":"2023-03-16T11:32:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75665"},"modified":"2023-03-16T13:32:19","modified_gmt":"2023-03-16T11:32:19","slug":"verfassungsmaessigkeit-des-uebergangsrechts-zur-einfuehrung-der-veraeusserungsgewinnbesteuerung-gemaess-%c2%a7-20-abs-2-satz-1-nr-7-estg-mit-wirkung-vom-01-01-2009-bfh-urteil-vom-13-dezember-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/verfassungsmaessigkeit-des-uebergangsrechts-zur-einfuehrung-der-veraeusserungsgewinnbesteuerung-gemaess-%c2%a7-20-abs-2-satz-1-nr-7-estg-mit-wirkung-vom-01-01-2009-bfh-urteil-vom-13-dezember-2022\/","title":{"rendered":"Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des \u00dcbergangsrechts zur Einf\u00fchrung der Ver\u00e4u\u00dferungsgewinnbesteuerung gem\u00e4\u00df \u00a7 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG mit Wirkung vom 01.01.2009 &#8211; BFH-Urteil vom 13. Dezember 2022, VIII R 23\/20"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.131222.VIIIR23.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 52 Abs 28 S 16, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 4, EStG \u00a7 52a Abs 10 S 7, GG Art 2 Abs 1, GG Art 3 Abs 1, GG Art 20 Abs 3, EStG \u00a7 23 Abs 1 S 1 Nr 2, EStG \u00a7 52 Abs 28 S 15, EStG \u00a7 52 Abs 28 S 17, EStG VZ 2015 , EStG VZ 2016<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG K\u00f6ln, 03. Juli 2020, Az: 12 K 449\/18<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Die durch \u00a7 52 Abs. 28 Satz 16 Teilsatz 3 EStG bewirkte Einbeziehung unechter Finanzinnovationen in die Ver\u00e4u\u00dferungsgewinnbesteuerung gem\u00e4\u00df \u00a7 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG mit Wirkung vom 01.01.2009 ist verfassungsgem\u00e4\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Finanzgerichts K\u00f6ln vom 03.07.2020 &#8211; 12 K 449\/18 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) erwarb am 25.07.2008 Anleihen der X B.V. (ISIN \u2026, Anleihen&nbsp;A) sowie am 18.12.2008 Anleihen der Y AG (ISIN \u2026, Anleihen&nbsp;B) und der Z AG &amp; Co. KGaA (ISIN \u2026, Anleihen&nbsp;C). Die Anleihen&nbsp;A hatten eine 60-j\u00e4hrige Laufzeit bis 2066, die Anleihen&nbsp;B und C eine ca.&nbsp;100-j\u00e4hrige Laufzeit bis 2104 bzw. 2105. Eine Trennung zwischen Ertragsebene und Verm\u00f6gensebene war m\u00f6glich. F\u00fcr einen begrenzten Zeitraum, die sog. Festzinslaufzeit, waren die Anleihen festverzinslich (A:&nbsp;7,375&nbsp;%, B:&nbsp;5,0&nbsp;%, C:&nbsp;5,375&nbsp;%), danach bestanden jeweils eine variable Verzinsung und ein K\u00fcndigungsrecht der Emittentin.<\/li><li>Nach Ablauf der jeweiligen Festzinslaufzeit k\u00fcndigte die Emittentin die Anleihen. Aus den R\u00fcckzahlungen zum Nennwert erzielte der Kl\u00e4ger im Streitjahr 2015 Gewinne in H\u00f6he von 3.035,89&nbsp;\u20ac aus den Anleihen&nbsp;B und 1.578,58&nbsp;\u20ac aus den Anleihen&nbsp;C sowie im Streitjahr 2016 einen Gewinn in H\u00f6he von 616,33&nbsp;\u20ac aus den Anleihen&nbsp;A.<\/li><li>Die Bank des Kl\u00e4gers beurteilte die R\u00fcckzahlung der Anleihen jeweils als steuerpflichtiges Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft, ermittelte die der H\u00f6he nach unstreitigen Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne nach \u00a7&nbsp;43a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes in seiner in den Streitjahren anzuwendenden Fassung (EStG) und unterwarf sie dem Kapitalertragsteuerabzug.<\/li><li>Mit den Einkommensteuererkl\u00e4rungen f\u00fcr 2015 und 2016 beantragte der Kl\u00e4ger, die von der Bank einbehaltenen und abgef\u00fchrten Steuerabzugsbetr\u00e4ge (Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag) in H\u00f6he von insgesamt 1.217,06&nbsp;\u20ac (2015) bzw. 162,55&nbsp;\u20ac (2016) zu erstatten. Dazu reichte er jeweils eine Anlage KAP sowie die Abrechnungen \u00fcber die Wertpapierk\u00e4ufe und die Gesamtk\u00fcndigungen ein. In der Zeile&nbsp;5 der Anlagen KAP beantragte er gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;4 EStG jeweils eine \u00dcberpr\u00fcfung des Steuereinbehalts f\u00fcr bestimmte Kapitalertr\u00e4ge und gab hierzu in der Zeile&nbsp;7 die aus den Anleihen erzielten Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne in H\u00f6he von insgesamt 4.614,47&nbsp;\u20ac (2015) bzw. 616,33&nbsp;\u20ac (2016) sowie als korrigierten Betrag den nach seiner Auffassung zutreffenden Betrag von jeweils 0&nbsp;\u20ac an. Erg\u00e4nzend f\u00fchrte der Kl\u00e4ger aus, dass es sich bei den Wertpapieren um nachrangige festverzinsliche Schuldverschreibungen (Subordinated Medium-Term Notes) handele, welche nicht als echte Finanzinnovationen nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes in der am 31.12.2008 anzuwendenden Fassung (EStG 2008) zu qualifizieren seien, da eine Trennung zwischen Kapitalstamm und Zinskupon und somit zwischen Kapitalnutzungsentgelt und Wertentwicklung des Kapitals problemlos m\u00f6glich sei. Die Besteuerung eines Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns scheide daher nach Ablauf der einj\u00e4hrigen Spekulationsfrist aus.<\/li><li>In den Einkommensteuerbescheiden f\u00fcr 2015 vom 13.12.2016 und f\u00fcr 2016 vom 08.08.2017 versagte der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) die von dem Kl\u00e4ger begehrte Erstattung der Steuerabzugsbetr\u00e4ge. Die Einspruchsverfahren blieben erfolglos (Einspruchsentscheidungen vom 25.01.2018 zur Einkommensteuer 2015 und betreffend Ablehnungsbescheid gegen den Antrag auf schlichte \u00c4nderung des Einkommensteuerbescheids 2016).<\/li><li>Der Kl\u00e4ger erhob Klage, die das Finanzgericht (FG) aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2021, 366 mitgeteilten Gr\u00fcnden abwies.<\/li><li>Mit der vom FG zugelassenen Revision macht der Kl\u00e4ger die Verletzung von Bundesrecht und insbesondere die Verfassungswidrigkeit der \u00dcbergangsvorschriften in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 S\u00e4tze&nbsp;15 bis 17 EStG (\u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;10 S\u00e4tze&nbsp;6 bis 8 EStG a.F.) geltend. Sie k\u00f6nnten die Anwendung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG auf die vorliegenden Gewinne nicht begr\u00fcnden, sondern seien durch teleologische bzw. verfassungskonforme Reduktion in ihrer Reichweite zu begrenzen. Hilfsweise macht der Kl\u00e4ger die Verletzung des allgemeinen Gleichheitssatzes (Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes \u2011\u2011GG\u2011\u2011) geltend.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>1. das Urteil des FG K\u00f6ln vom 03.07.2020&nbsp;&#8211; 12&nbsp;K&nbsp;449\/18 aufzuheben,<br \/>2. den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2015 vom 13.12.2016 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 25.01.2018 dahingehend abzu\u00e4ndern, dass die Gewinne aus der R\u00fcckzahlung der Anleihen&nbsp;B in H\u00f6he von 3.035,89&nbsp;\u20ac und der Anleihen&nbsp;C in H\u00f6he von 1.578,58&nbsp;\u20ac mit jeweils 0&nbsp;\u20ac als Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen und die einbehaltenen Steuerabzugsbetr\u00e4ge in H\u00f6he von 1.217,06&nbsp;\u20ac ber\u00fccksichtigt werden,<br \/>3. das FA zu verpflichten, den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2016 vom 08.08.2017 unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids vom 18.10.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 25.01.2018 dahingehend zu \u00e4ndern, dass der Gewinn aus der R\u00fcckzahlung der Anleihen&nbsp;A in H\u00f6he von 616,33&nbsp;\u20ac mit 0&nbsp;\u20ac als Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen und die einbehaltenen Steuerabzugsbetr\u00e4ge in H\u00f6he von 162,55&nbsp;\u20ac ber\u00fccksichtigt werden.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und deshalb gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur\u00fcckzuweisen. Die Vorentscheidung verletzt weder Bundesrecht noch ist der Senat davon \u00fcberzeugt, dass die \u00dcbergangsregelungen in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 S\u00e4tze&nbsp;15 bis 17 EStG (\u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;10 S\u00e4tze&nbsp;6 bis 8 EStG a.F.), soweit sie im Streitfall zur Anwendung gelangen, eine verfassungswidrige R\u00fcckwirkung vorsehen oder gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG versto\u00dfen. Das Revisionsverfahren ist daher nicht auszusetzen, um eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) einzuholen.<\/li><li>1. Das FG hat zutreffend entschieden, dass die vom Kl\u00e4ger in den Streitjahren vereinnahmten Gewinne aus der R\u00fcckzahlung der Anleihen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7, Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 und Abs.&nbsp;4 EStG als steuerpflichtige Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen zu qualifizieren sind.<\/li><li>Bei den Gewinnen aus der R\u00fcckzahlung der Anleihen&nbsp;A, B und C handelt es sich um Gewinne aus der Ver\u00e4u\u00dferung von sonstigen Kapitalforderungen jeder Art i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG; diese Gewinne geh\u00f6ren gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG zu den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen. Begrifflich liegen bei den Anleihen&nbsp;A, B und C sonstige Kapitalforderungen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG vor (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 28.05.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;7\/16, BFHE 265, 132, BStBl II 2019, 610, Rz&nbsp;22). Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG gelten als Ver\u00e4u\u00dferung insbesondere auch die Einl\u00f6sung und die R\u00fcckzahlung (vgl. zur Gleichstellung der in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG genannten Ersatztatbest\u00e4nde BFH-Urteil vom 03.12.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;34\/16, BFHE 267, 232, BStBl II 2020, 836, Rz&nbsp;29). Es bedarf danach keiner Entscheidung dar\u00fcber, ob die R\u00fcckzahlung der Anleihen zum Nennwert einen Einl\u00f6sungs- oder R\u00fcckzahlungsvorgang im Sinne der Vorschrift darstellt. Auch die H\u00f6he der vom Kl\u00e4ger erzielten Gewinne (vgl. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG) ist unstreitig.<\/li><li>2. Das anl\u00e4sslich der Einf\u00fchrung der Abgeltungsteuer zum 01.01.2009 normierte \u00dcbergangsrecht f\u00fchrt zu keinem anderen Ergebnis. Insbesondere f\u00fchrt \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG nicht dazu, dass \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG im Streitfall durch \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG verdr\u00e4ngt wird.<\/li><li>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;15 EStG ist \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG i.d.F. des Art.&nbsp;1 des Unternehmensteuerreformgesetzes 2008 vom 14.08.2007 (BGBl I 2007, 1912) grunds\u00e4tzlich erstmals auf die nach dem 31.12.2008 zuflie\u00dfenden Kapitalertr\u00e4ge aus der Ver\u00e4u\u00dferung sonstiger Kapitalforderungen anzuwenden. Danach sind die Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne, die der Kl\u00e4ger aus den im Jahr 2008 erworbenen Anleihen in den Streitjahren aufgrund der R\u00fcckzahlung erzielt hat, gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG steuerpflichtig. Entgegen der Auffassung des Kl\u00e4gers folgt weder aus Satz&nbsp;16 noch aus Satz&nbsp;17 des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 EStG eine Ausnahme in dem Sinne, dass die Vorschrift des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG vorrangig ist und die Anwendung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG ausschlie\u00dft.<\/li><li>b) Die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG f\u00fcr eine Fortgeltung des alten Rechts \u00fcber den 31.12.2008 hinaus liegen im Streitfall nicht vor. Grund hierf\u00fcr ist der dritte Teilsatz in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG, der im Sinne einer R\u00fcckausnahme die im ersten Teilsatz normierte Ausnahme von der Anwendung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG f\u00fcr Kapitalforderungen, die vor dem 01.01.2009 erworben wurden, wieder ausschlie\u00dft.<\/li><li>\u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG (\u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;7 EStG a.F.) lautet:&#8220;F\u00fcr Kapitalertr\u00e4ge aus Kapitalforderungen, die zum Zeitpunkt des vor dem 1.&nbsp;Januar 2009 erfolgten Erwerbs zwar Kapitalforderungen im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Absatz&nbsp;1 Nummer&nbsp;7 in der am 31.&nbsp;Dezember 2008 anzuwendenden Fassung, aber nicht Kapitalforderungen im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Absatz&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nummer&nbsp;4 in der am 31.&nbsp;Dezember 2008 anzuwendenden Fassung sind, ist \u00a7&nbsp;20 Absatz&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nummer&nbsp;7 nicht anzuwenden; f\u00fcr die bei der Ver\u00e4u\u00dferung in Rechnung gestellten St\u00fcckzinsen ist Satz&nbsp;15 anzuwenden; Kapitalforderungen im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Absatz&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nummer&nbsp;4 in der am 31.&nbsp;Dezember 2008 anzuwendenden Fassung liegen auch vor, wenn die R\u00fcckzahlung nur teilweise garantiert ist oder wenn eine Trennung zwischen Ertrags- und Verm\u00f6gensebene m\u00f6glich erscheint.&#8220;<\/li><li>Zwar hat der Kl\u00e4ger die Anleihen&nbsp;A, B und C im Jahr 2008 und damit noch vor dem 01.01.2009 erworben; au\u00dferdem lagen nach der Rechtsprechung zu unechten Finanzinnovationen (vgl. BFH-Urteile vom 24.10.2000&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;28\/99, BFHE 193, 374, BStBl II 2001, 97; vom 20.11.2006&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;97\/02, BFHE 216, 79, BStBl II 2007, 555, und vom 17.12.2013&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;42\/12, BFHE 244, 36, BStBl II 2014, 319) keine Kapitalforderungen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG 2008, sondern sonstige Kapitalforderungen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG 2008 vor. F\u00fcr eben diese F\u00e4lle hat der Gesetzgeber jedoch in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 Teilsatz&nbsp;3 EStG eine R\u00fcckausnahme normiert. Insbesondere dann, wenn eine Trennung zwischen Ertrags- und Verm\u00f6gensebene m\u00f6glich ist oder zumindest m\u00f6glich erscheint, werden dadurch die unechten Finanzinnovationen den Kapitalforderungen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG 2008 gleichgestellt, so dass \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG auf die nach dem 31.12.2008 zuflie\u00dfenden Kapitalertr\u00e4ge aus der Ver\u00e4u\u00dferung sonstiger Kapitalforderungen anzuwenden ist (vgl. BFH-Beschluss vom 12.07.2017&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;48\/14, BFH\/NV 2018, 412, Rz&nbsp;20&nbsp;f.). Die R\u00fcckausnahme gilt auch dann, wenn die Trennbarkeit \u2011\u2011wie im vorliegenden Fall\u2011\u2011 unzweifelhaft gegeben ist.<\/li><li>c) Ebenfalls nicht zu einer Ausnahme von der Anwendung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG f\u00fchrt im Streitfall \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;17 EStG (fr\u00fcher \u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;8 EStG a.F.), da die Anleihen&nbsp;A, B und C unstreitig nicht in die Kategorie der von der Vorschrift erfassten Vollrisikopapiere fallen (vgl. BFH-Urteil vom 29.10.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;16\/16, BFHE 266, 550, BStBl II 2020, 254, Rz&nbsp;29).<\/li><li>3. F\u00fcr eine teleologische Reduktion des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG oder des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG besteht keine Veranlassung. Eine teleologische Normreduktion zielt darauf ab, den Geltungsbereich einer Norm mit R\u00fccksicht auf ihren Zweck gegen\u00fcber dem zu weit gefassten Wortlaut einzuschr\u00e4nken. Sie ist aber nicht bereits dann gerechtfertigt, wenn die vom Gesetzgeber getroffene Entscheidung rechtspolitisch fehlerhaft erscheint, sondern kommt grunds\u00e4tzlich nur in Betracht, wenn die auf den Wortlaut abgestellte Auslegung der Regelung zu einem sinnwidrigen Ergebnis f\u00fchren w\u00fcrde (vgl. BFH-Urteile vom 12.06.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;14\/15, BFHE 262, 66, BStBl II 2018, 755, Rz&nbsp;32; vom 14.05.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;20\/16, BFHE 264, 459, BStBl II 2019, 586, Rz&nbsp;28, und vom 16.06.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;15\/17, BFHE 269, 495, BStBl II 2020, 841, Rz&nbsp;20). Die Wortlautauslegung der S\u00e4tze&nbsp;15&nbsp;ff. des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 EStG und des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG f\u00fchrt jedoch nicht zu einem sinnwidrigen, sondern zu einem dem Gesetzeszweck entsprechenden Ergebnis. Durch die Einf\u00fcgung des dritten Teilsatzes in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG wollte der Gesetzgeber n\u00e4mlich Abgrenzungsschwierigkeiten vermeiden und den mit der Abgeltungsteuer ab dem 01.01.2009 angestrebten Vereinfachungseffekt nicht konterkarieren (vgl. BTDrucks 16\/10189, S.&nbsp;66&nbsp;f.; n\u00e4her dazu unter II.4.b&nbsp;cc).<\/li><li>4. Die mit der Revision erstrebte verfassungskonforme Auslegung kommt schon deswegen nicht in Betracht, weil die \u00dcbergangsregelungen in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 S\u00e4tze&nbsp;15&nbsp;ff. EStG entgegen der Auffassung des Kl\u00e4gers nicht zu einem verfassungswidrigen Zustand f\u00fchren. Aus diesem Grund scheidet auch die Aussetzung des Revisionsverfahrens zum Zwecke der Vorlage an das BVerfG gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 GG aus.<\/li><li>Die S\u00e4tze&nbsp;15&nbsp;ff. des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 EStG versto\u00dfen weder gegen das R\u00fcckwirkungsverbot noch gegen den allgemeinen Gleichheitssatz. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf den f\u00fcr die Anwendung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG im Streitfall entscheidenden dritten Teilsatz von \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG.<\/li><li>a) Nach Ma\u00dfgabe der Rechtsprechung des BVerfG zum R\u00fcckwirkungsverbot bewirkt \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG im Streitfall keine verfassungswidrige R\u00fcckwirkung.<\/li><li>aa) Die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des zeitlichen Anwendungsbereichs einer Vorschrift des Steuerrechts ist regelm\u00e4\u00dfig prim\u00e4r nach den Ma\u00dfst\u00e4ben zum verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz zu beurteilen. Au\u00dferhalb des Strafrechts beruht das grunds\u00e4tzliche Verbot r\u00fcckwirkender belastender Gesetze auf den grundrechtlich gesch\u00fctzten Interessen der Betroffenen sowie den Prinzipien der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes (Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 i.V.m. Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 GG; vgl. BVerfG-Beschluss vom 25.03.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;1\/11, BVerfGE 157, 177, Rz&nbsp;51). Zu differenzieren ist zwischen echter und unechter R\u00fcckwirkung. Eine Rechtsnorm entfaltet echte R\u00fcckwirkung, wenn ihre Rechtsfolge mit belastender Wirkung schon f\u00fcr vor dem Zeitpunkt ihrer Verk\u00fcndung bereits abgeschlossene Tatbest\u00e4nde gelten soll (&#8222;R\u00fcckbewirkung von Rechtsfolgen&#8220;). Die echte R\u00fcckwirkung ist verfassungsrechtlich grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGE 157, 177, Rz&nbsp;52, m.w.N.).<\/li><li>Soweit belastende Rechtsfolgen einer Norm erst nach ihrer Verk\u00fcndung eintreten, tatbestandlich aber von einem bereits ins Werk gesetzten Sachverhalt ausgel\u00f6st werden (&#8222;tatbestandliche R\u00fcckankn\u00fcpfung&#8220;), liegt eine unechte R\u00fcckwirkung vor. Sie ist nicht grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig. Der verfassungsrechtliche Vertrauensschutz geht insbesondere nicht so weit, die Steuerpflichtigen vor jeder Entt\u00e4uschung zu bewahren. Soweit nicht besondere Momente der Schutzw\u00fcrdigkeit hinzutreten, genie\u00dft die blo\u00df allgemeine Erwartung, das geltende Recht werde zuk\u00fcnftig unver\u00e4ndert fortbestehen, keinen besonderen verfassungsrechtlichen Schutz. Der Gesetzgeber muss aber, soweit er f\u00fcr k\u00fcnftige Rechtsfolgen an bereits ins Werk gesetzte Sachverhalte ankn\u00fcpft, dem verfassungsrechtlich gebotenen Vertrauensschutz in hinreichendem Ma\u00df Rechnung tragen. Die Interessen der Allgemeinheit, die mit der Regelung verfolgt werden, und das Vertrauen des Einzelnen auf die Fortgeltung der Rechtslage sind abzuw\u00e4gen. Der Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit muss gewahrt sein. Eine unechte R\u00fcckwirkung ist mit den Grunds\u00e4tzen des grundrechtlichen und rechtsstaatlichen Vertrauensschutzes daher nur vereinbar, wenn sie zur F\u00f6rderung des Gesetzeszwecks geeignet und erforderlich ist und wenn bei einer Gesamtabw\u00e4gung zwischen dem Gewicht des entt\u00e4uschten Vertrauens und dem Gewicht und der Dringlichkeit der die Rechts\u00e4nderung rechtfertigenden Gr\u00fcnde die Grenze der Zumutbarkeit gewahrt bleibt (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGE 157, 177, Rz&nbsp;53&nbsp;ff., m.w.N.).<\/li><li>bb) Der Kl\u00e4ger ist im Hinblick auf die mit der Revision angegriffene Besteuerung in den Streitjahren 2015 und 2016 insofern von einer &#8222;r\u00fcckwirkenden&#8220; bzw. vergangenheitsbezogenen Regelung betroffen, als er die Anleihen&nbsp;A, B und C im Jahr 2008 erworben hat, noch bevor die betreffenden Ver\u00e4u\u00dferungs- bzw. R\u00fcckzahlungsgewinne mit Wirkung vom 01.01.2009 in den Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG einbezogen wurden. Da die durch die Gewinnrealisierung ausgel\u00f6ste Besteuerung indes erst in den Streitjahren 2015 und 2016 eintrat und nicht eine bereits eingetretene Rechtsfolge nachtr\u00e4glich \u00e4nderte, ist keine echte, sondern eine unechte R\u00fcckwirkung gegeben.<\/li><li>Diese unechte R\u00fcckwirkung (vgl. BTDrucks 16\/10189, S.&nbsp;66&nbsp;f.) ist nach den Rechtsgrunds\u00e4tzen der verfassungsgerichtlichen Judikatur verfassungsgem\u00e4\u00df. Zu Recht hat das FG seine diesbez\u00fcgliche W\u00fcrdigung insbesondere auf den Beschluss des BVerfG vom 07.07.2010&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;14\/02 (BVerfGE 127, 1, BStBl II 2011, 76) gest\u00fctzt (so auch Urteil des FG D\u00fcsseldorf vom 30.01.2018&nbsp;&#8211; 13&nbsp;K&nbsp;2430\/16&nbsp;E, EFG 2018, 1179) und danach eine Verletzung des grundrechtlichen Vertrauensschutzes des Kl\u00e4gers verneint. Der Kl\u00e4ger hatte die Anleihen&nbsp;A, B und C am 25.07.2008 bzw. 18.12.2008, d.h. im letzten Jahr vor Inkrafttreten des neuen Rechts erworben. Die aus diesen Anleihen resultierenden Ver\u00e4u\u00dferungs- bzw. R\u00fcckzahlungsgewinne waren deshalb zur Zeit der Verk\u00fcndung des Jahressteuergesetzes (JStG) 2009 (BGBl I 2008, 2794) am 19.12.2008 und ebenso bei Inkrafttreten des neuen Rechts am 01.01.2009 insofern noch nicht steuerlich &#8222;entstrickt&#8220;, als die Jahresfrist des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG noch nicht abgelaufen war und deshalb ein etwaiger Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung bzw. R\u00fcckzahlung der Anleihen vom Kl\u00e4ger bis zum Jahresende 2008 noch nicht steuerfrei h\u00e4tte vereinnahmt werden k\u00f6nnen. Die blo\u00dfe M\u00f6glichkeit, Gewinne zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt steuerfrei vereinnahmen zu k\u00f6nnen, begr\u00fcndet keine vertrauens- bzw. verfassungsrechtlich gesch\u00fctzte Position (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGE 127, 1, BStBl II 2011, 76, Rz&nbsp;62&nbsp;ff.). Mit der Einf\u00fcgung des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 Teilsatz&nbsp;3 EStG (\u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;7 Teilsatz&nbsp;3 EStG a.F.) konnte deshalb die am 01.01.2009 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;23 EStG bestehende &#8222;Steuerverhaftung&#8220; durch die Neuregelung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG ohne Verletzung verfassungsrechtlich gesch\u00fctzten Vertrauens verl\u00e4ngert werden (vgl. auch BFH-Beschluss vom 26.03.2021&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;45\/20, BFH\/NV 2021, 767, Rz&nbsp;16, zum BVerfG-Beschluss in BVerfGE 127, 1, BStBl II 2011, 76). Auf den vom FG zus\u00e4tzlich angef\u00fchrten Aspekt, dass der Kl\u00e4ger die Anleihen&nbsp;B und C lediglich einen Tag vor der Verk\u00fcndung des JStG 2009 im BGBl erworben hatte, kommt es f\u00fcr die Frage der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit und den (fehlenden) grundrechtlichen Vertrauensschutz nicht an.<\/li><li>b) Die vom Kl\u00e4ger ger\u00fcgte Verletzung von Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG liegt ebenfalls nicht vor, und zwar weder im Hinblick auf \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG noch hinsichtlich der grunds\u00e4tzlichen zeitlichen Anwendung dieser Vorschrift ab dem Veranlagungszeitraum 2009.<\/li><li>aa) Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG gebietet, alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu behandeln. Das hieraus folgende Gebot, wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln, gilt f\u00fcr ungleiche Belastungen und ungleiche Beg\u00fcnstigungen. Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG verwehrt dem Gesetzgeber nicht jede Differenzierung. Differenzierungen bed\u00fcrfen jedoch stets der Rechtfertigung durch Sachgr\u00fcnde, die dem Ziel und dem Ausma\u00df der Ungleichbehandlung angemessen sind. Es gilt ein stufenloser, am Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit orientierter verfassungsrechtlicher Pr\u00fcfungsma\u00dfstab, dessen Inhalt und Grenzen sich nicht abstrakt, sondern nur nach den jeweils betroffenen unterschiedlichen Sach- und Regelungsbereichen bestimmen lassen (vgl. BVerfG-Urteil vom 10.04.2018&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1236\/11, BVerfGE 148, 217, BStBl II 2018, 303, Rz&nbsp;103&nbsp;ff.).<\/li><li>bb) Die Einbeziehung von Ver\u00e4u\u00dferungsgewinnen in die Besteuerung ab einem bestimmten gesetzlich definierten Zeitpunkt verst\u00f6\u00dft f\u00fcr sich genommen nicht gegen den allgemeinen Gleichheitssatz. Ebenso wie kein grundrechtlicher Schutz des Vertrauens darauf besteht, dass das geltende Recht unver\u00e4ndert fortbesteht (vgl. dazu oben II.4.a&nbsp;aa), bietet auch Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG keinen Schutz gegen belastende Rechts\u00e4nderungen. Der allgemeine Gleichheitssatz begr\u00fcndet grunds\u00e4tzlich keinen Anspruch auf eine zuk\u00fcnftig gleichbleibende Rechtslage; in diesem Sinne gibt es keine &#8222;Gleichheit in der Zeit&#8220; (so BFH-Urteil vom 11.08.2021&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;38\/19, BFH\/NV 2022, 334, Rz&nbsp;26, mit Verweis auf den BVerfG-Beschluss vom 12.05.2009&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;1\/00, BVerfGE 123, 111, BStBl II 2009, 685, Rz&nbsp;14, und Kanzler, Finanz-Rundschau 2010, 987). Stichtags- und andere \u00dcbergangsvorschriften sind verfassungsrechtlich nur daraufhin zu pr\u00fcfen, ob der Gesetzgeber den ihm zukommenden Spielraum in sachgerechter Weise genutzt hat, ob er die f\u00fcr die zeitliche Ankn\u00fcpfung in Betracht kommenden Faktoren hinreichend gew\u00fcrdigt hat und die gefundene L\u00f6sung sich durch sachliche Gr\u00fcnde rechtfertigen l\u00e4sst oder als willk\u00fcrlich erscheint (vgl. BVerfG-Beschluss vom 18.03.2013&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2436\/11, Kammerentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts 20, 234, Rz&nbsp;34, m.w.N.).<\/li><li>cc) Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die \u00dcbergangsvorschrift des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG als willk\u00fcrlich anzusehen w\u00e4re, liegen nicht vor. Der sachliche Grund f\u00fcr die vorliegend entscheidungserhebliche Regelung ist den Gesetzesmaterialien zum JStG 2009 zu entnehmen. In der Begr\u00fcndung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zum JStG 2009 (BTDrucks 16\/10189, S.&nbsp;66&nbsp;f.) wurde ausgef\u00fchrt, die \u00dcbergangsregelung in \u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;7 EStG a.F. (inzwischen \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG) sehe vor, dass bei Kapitalforderungen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG 2008 generell der als Unterschied zwischen Erl\u00f6s und Anschaffungskosten zu ermittelnde Gewinn oder Verlust den Abgeltungsteuerregelungen unterliege. Ausdr\u00fccklich benanntes Ziel war das \u00f6ffentliche Interesse an einer einfachen und praktikablen Abgeltungsteuer. Ohne den letzten Teil von \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG w\u00e4re die Anwendung des Kapitalertragsteuerabzugs auf Kapitalforderungen, die die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG 2008 erf\u00fcllen, von einer Einzelfallpr\u00fcfung der jeweiligen Anleihebedingungen abh\u00e4ngig gewesen, was entgegen dem vom Gesetzgeber mit der Einf\u00fchrung der abgeltenden Besteuerung angestrebten Vereinfachungszweck eine Vielzahl von Veranlagungsf\u00e4llen zur Folge gehabt h\u00e4tte.<\/li><li>dd) Diese sachliche Begr\u00fcndung f\u00fcr die Gleichstellung zuvor unterschiedlich besteuerter Sachverhalte mit Wirkung vom 01.01.2009 ist von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden. Der Kl\u00e4ger leitet insbesondere auch zu Unrecht aus der Senatsrechtsprechung zur fr\u00fcheren Rechtslage einen Versto\u00df des neuen Rechts gegen den aus Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG resultierenden Grundsatz der Folgerichtigkeit ab. Denn aus dem alten Recht kann nach Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG nicht \u2011\u2011wie der Kl\u00e4ger meint\u2011\u2011 abgeleitet werden, dass der Gesetzgeber auch ab dem 01.01.2009 nur solche Kapitalforderungen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG 2008 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 EStG besteuern durfte, bei denen die Trennung zwischen Verm\u00f6gens- und Ertragsebene unm\u00f6glich ist, weil sie darauf angelegt sind, die Ertr\u00e4ge im Verm\u00f6gensbereich entstehen zu lassen. Eine Verletzung des allgemeinen Gleichheitssatzes durch eine sachwidrige Ungleichbehandlung wesentlich gleicher Sachverhalte oder eine sachwidrige Gleichbehandlung wesentlich ungleicher Sachverhalte ist nicht gegeben.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.131222.VIIIR23.20.0 BFH VIII. 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