{"id":75759,"date":"2023-04-29T15:51:38","date_gmt":"2023-04-29T13:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75759"},"modified":"2023-04-29T15:51:38","modified_gmt":"2023-04-29T13:51:38","slug":"unbestimmter-tenor-eines-fg-urteils-bfh-beschluss-vom-31-maerz-2023-viii-b-93-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/unbestimmter-tenor-eines-fg-urteils-bfh-beschluss-vom-31-maerz-2023-viii-b-93-21\/","title":{"rendered":"Unbestimmter Tenor eines FG-Urteils &#8211; BFH-Beschluss vom 31. M\u00e4rz 2023, VIII B 93\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.310323.VIIIB93.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 100 Abs 2 S 2, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 07. Juli 2021, Az: 15 K 611\/20 U,F<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Will das FG nach \u00a7 100 Abs. 2 Satz 2 FGO verfahren und die Steuerberechnung der Finanzbeh\u00f6rde \u00fcbertragen, muss es \u00fcber die Klage in einem Umfang entscheiden, dass der Finanzbeh\u00f6rde nur noch die Berechnung des Steuerbetrags \u00fcberlassen bleibt. Dieser Anforderung wird nicht gen\u00fcgt, wenn das FG im Tenor des Urteils bestimmt, es sei f\u00fcr ein bestimmtes Fahrzeug &#8222;der Grundsatz der Kostendeckelung&#8220; zu ber\u00fccksichtigen und sich weder aus den Feststellungen des FG noch aus der Urteilsbegr\u00fcndung ergibt, von welchen Betr\u00e4gen das FG insoweit ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 07.07.2021 &#8211; 15 K 611\/20 U,F aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht D\u00fcsseldorf zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Beschwerdeverfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist begr\u00fcndet.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) macht zu Recht geltend, dass der Tenor der Vorentscheidung unbestimmt ist. Dies stellt einen Verfahrensfehler gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) dar. Der Senat h\u00e4lt es f\u00fcr zweckdienlich gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO die Vorentscheidung aufzuheben und den Streitfall zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Finanzgericht (FG) zur\u00fcckzuverweisen.<\/li><li>1. Will das FG nach \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO verfahren und die Steuerberechnung der Finanzbeh\u00f6rde \u00fcbertragen, muss es \u00fcber die Klage in einem Umfang entscheiden, dass der Finanzbeh\u00f6rde nur noch die Berechnung des Steuerbetrags \u00fcberlassen bleibt (z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 27.07.1993&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;67\/91, BFHE 173, 480, BStBl II 1994, 469, unter II.1.b, und vom 15.07.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;41\/12, BFHE 246, 442, Rz&nbsp;45). Dies ist dann nicht mehr gegeben, wenn der Finanzbeh\u00f6rde zugleich die Beurteilung steuerrechtlicher Fragen bei der Berechnung der Steuer \u00fcbertragen wird (vgl. BFH-Urteil vom 15.05.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;42\/17, BFH\/NV 2018, 1275, Rz&nbsp;23 bis 25). Eine solche Konstellation liegt im Streitfall vor.<\/li><li>Das FG hat dem Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) die Berechnung der Steuer gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO \u00fcbertragen und im Tenor der Vorentscheidung bestimmt, dass &#8222;bei dem Ansatz der Privatnutzung des PKW Sonata der Grundsatz der Kostendeckelung ber\u00fccksichtigt wird&#8220;. In welcher Weise dies f\u00fcr die angefochtenen Bescheide zur Umsatzsteuer der Streitjahre 2007 bis 2009 und f\u00fcr die gesonderte Gewinnfeststellung der Streitjahre 2007 bis 2009 konkret zu erfolgen hat, ergibt sich auch unter Ber\u00fccksichtigung der Urteilsbegr\u00fcndung nicht. Der dortige Hinweis des FG, &#8222;die Betr\u00e4ge als solche sind unstreitig&#8220; gen\u00fcgt auch einschlie\u00dflich der Bezugnahme auf den Schriftsatz des Kl\u00e4gers vom 08.06.2021 nicht, da das FG die f\u00fcr die Steuerberechnung ma\u00dfgeblichen Betr\u00e4ge in der Vorentscheidung nicht festgestellt hat. Vielmehr hat das FA den kl\u00e4gerischen Vortrag aus dem Schriftsatz vom 08.06.2021 unter Anwendung der Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 18.11.2009 (BStBl I 2009, 1326) und der Vorg\u00e4ngerschreiben vom 27.08.2004 (BStBl I 2004, 864) und vom 07.07.2006 (BStBl I 2006, 446) eigenst\u00e4ndig zu w\u00fcrdigen und bei der Steuerberechnung umzusetzen.<\/li><li>2. Durch die Aufhebung der Vorentscheidung wird der Rechtsstreit wieder in den Zustand versetzt, dass die Beteiligten \u00fcber die zutreffende Umsetzung der tats\u00e4chlichen Verst\u00e4ndigung und des FG-Urteils vom 02.10.2018 im Verfahren 15&nbsp;K&nbsp;1558\/16&nbsp;F,U in den ge\u00e4nderten Gewinnfeststellungsbescheiden und Umsatzsteuerbescheiden f\u00fcr die Streitjahre vom 14.05.2019 streiten. Das Urteil des FG vom 02.10.2018 im Verfahren 15&nbsp;K&nbsp;1558\/16&nbsp;F,U ist dem Kl\u00e4ger am 05.10.2018 und dem FA am 04.10.2018 zugestellt worden. Es ist nicht mit der Nichtzulassungsbeschwerde angefochten worden und daher rechtskr\u00e4ftig geworden (\u00a7&nbsp;110 Abs.&nbsp;1 FGO). Soweit der Kl\u00e4ger in der vorliegenden Beschwerde auch Sachaufkl\u00e4rungsm\u00e4ngel des FG im Hinblick auf diese Entscheidung geltend macht, sind diese R\u00fcgen unerheblich. Die angefochtenen Bescheide vom 14.05.2019 wurden somit nach Rechtskraft des Urteils gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;2 FGO bekanntgegeben. Zur \u00dcberpr\u00fcfbarkeit dieser Bescheide verweist der Senat zur Vermeidung eines zweiten Rechtsgangs auf die in der Rechtsprechung des BFH gekl\u00e4rten Grunds\u00e4tze (z.B. BFH-Urteile vom 08.03.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;47\/15, BFH\/NV 2017, 1044; vom 04.05.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;67\/10, BFH\/NV 2012, 6).<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.310323.VIIIB93.21.0 BFH VIII. Senat FGO \u00a7 100 Abs 2 S 2, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3 vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 07. 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