{"id":75767,"date":"2023-04-29T15:58:23","date_gmt":"2023-04-29T13:58:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75767"},"modified":"2023-04-29T15:58:23","modified_gmt":"2023-04-29T13:58:23","slug":"nichtberuecksichtigung-finaler-auslaendischer-betriebsstaettenverluste-bfh-urteil-vom-22-februar-2023-i-r-35-22-i-r-32-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/nichtberuecksichtigung-finaler-auslaendischer-betriebsstaettenverluste-bfh-urteil-vom-22-februar-2023-i-r-35-22-i-r-32-18\/","title":{"rendered":"Nichtber\u00fccksichtigung &#8222;finaler&#8220; ausl\u00e4ndischer Betriebsst\u00e4ttenverluste &#8211; BFH-Urteil vom 22. Februar 2023, I R 35\/22 (I R 32\/18)"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.220223.IR35.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH I. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>DBA GBR 1964 Art 3 Abs 1, DBA GBR 1964 Art 18 Abs 2 Buchst a, EG Art 43, EG Art 48, AEUV Art 49, AEUV Art 54, GewStG \u00a7 7 S 1, GewStG \u00a7 9 Nr 3, GewStG VZ 2007 , KStG \u00a7 8 Abs 1, KStG VZ 2007<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Hessisches Finanzgericht , 04. September 2018, Az: 4 K 385\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Der auf einem DBA (hier: DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970) beruhende Ausschluss der Ber\u00fccksichtigung von Verlusten einer in einem anderen Mitgliedstaat belegenen Betriebsst\u00e4tte (sog. Symmetriethese) verst\u00f6\u00dft auch im Hinblick auf endg\u00fcltige (&#8222;finale&#8220;) Verluste nicht gegen die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit (Anschluss an EuGH-Urteil W vom 22.09.2022 &#8211; C-538\/20, EU:C:2022:717, DStR 2022, 1993; Best\u00e4tigung des Senatsurteils vom 22.02.2017 &#8211; I R 2\/15, BFHE 257, 120, BStBl II 2017, 709).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 04.09.2018 &#8211; 4 K 385\/17 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Es handelt sich um jenes Verfahren, das Gegenstand des Vorabentscheidungsersuchens des Senats an den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) vom 06.11.2019&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;32\/18 (BFHE 269, 205, BStBl II 2021, 68) gewesen ist. Der EuGH hat mit Urteil W (Abzugsf\u00e4higkeit dauernder Verluste einer gebietsfremden Betriebsst\u00e4tte) vom 22.09.2022&nbsp;&#8211; C-538\/20 (EU:C:2022:717, Deutsches Steuerrecht \u2011\u2011DStR\u2011\u2011 2022, 1993) \u00fcber das Ersuchen entschieden.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin), eine AG mit Hauptsitz und Ort der Gesch\u00e4ftsleitung in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland), betreibt eine Wertpapierhandelsbank. Der Unternehmensgegenstand umfasst die Bereiche Anlagevermittlung, Abschlussvermittlung, Finanzportfolioverwaltung und Eigenhandel. Die Kl\u00e4gerin hat ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr, das jeweils zum 30.&nbsp;Juni endet.<\/li><li>Im August 2004 er\u00f6ffnete die Kl\u00e4gerin eine Zweigniederlassung in X (Gro\u00dfbritannien) und \u00fcbte dort T\u00e4tigkeiten in den Bereichen Aktienanalyse und Wertpapierhandel aus. Die Kl\u00e4gerin erzielte aus der Zweigniederlassung keine Gewinne. Deshalb beschloss ihr Vorstand im Februar 2007 deren unverz\u00fcgliche Schlie\u00dfung. Die Einstellung des Betriebs der Zweigniederlassung wurde noch im ersten Halbjahr 2007 vollzogen und am \u20262007 im britischen Handelsregister eingetragen.<\/li><li>Aufgrund der Schlie\u00dfung der Zweigniederlassung wurden die steuerlichen Verluste in Gro\u00dfbritannien nicht mehr vorgetragen. Die britische Finanzbeh\u00f6rde teilte der Kl\u00e4gerin mit, dass f\u00fcr das Wirtschaftsjahr 2007\/2008 und sp\u00e4tere Wirtschaftsjahre keine Abgabe von Steuererkl\u00e4rungen f\u00fcr die Betriebsst\u00e4tte mehr notwendig sei.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin war der Auffassung, die der Zweigniederlassung zuzuordnenden Verluste von insgesamt \u2026&nbsp;\u20ac (2004\/2005: \u2026&nbsp;\u20ac; 2005\/2006: \u2026&nbsp;\u20ac; 2006\/2007: \u2026&nbsp;\u20ac) seien ungeachtet der abkommensrechtlichen Freistellung der Eink\u00fcnfte der Zweigniederlassung von der inl\u00e4ndischen Besteuerung aus unionsrechtlichen Gr\u00fcnden als &#8222;finale&#8220; Verluste bei der Einkommensermittlung des Veranlagungszeitraums 2007 (Streitjahr) zu ber\u00fccksichtigen. Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) hat die Verluste hingegen im Rahmen der Festsetzung von K\u00f6rperschaftsteuer und Gewerbesteuermessbetrag f\u00fcr 2007 unber\u00fccksichtigt gelassen.<\/li><li>Die dagegen erhobene Klage hatte Erfolg. Das Hessische Finanzgericht (FG) hat die angefochtenen Bescheide mit Urteil vom 04.09.2018&nbsp;&#8211; 4&nbsp;K&nbsp;385\/17 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2018, 1876) dahingehend ge\u00e4ndert, dass das zu versteuernde Einkommen sowie der Gewerbeertrag um \u2026&nbsp;\u20ac herabgesetzt werden.<\/li><li>Gegen das FG-Urteil richtet sich die auf Verletzung materiellen Rechts gest\u00fctzte Revision des FA.<\/li><li>Das FA beantragt (sinngem\u00e4\u00df), das angefochtene FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) ist dem Revisionsverfahren gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) beigetreten. Es stellt keinen f\u00f6rmlichen Antrag, unterst\u00fctzt in der Sache aber den Rechtsstandpunkt des FA.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision des FA ist begr\u00fcndet und f\u00fchrt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage. Entgegen der Rechtsauffassung der Vorinstanz mindern die in der britischen Zweigniederlassung der Kl\u00e4gerin im Zeitraum von 2004 bis 2007 entstandenen Verluste die Bemessungsgrundlagen der K\u00f6rperschaftsteuer und des Gewerbesteuermessbetrags f\u00fcr das Streitjahr nicht.<\/li><li>1. Die Kl\u00e4gerin hat Sitz und Ort ihrer Gesch\u00e4ftsleitung im Inland und ist hier deshalb gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (KStG) mit ihren s\u00e4mtlichen Eink\u00fcnften unbeschr\u00e4nkt k\u00f6rperschaftsteuerpflichtig. Jedoch sind die der Kl\u00e4gerin durch die in Gro\u00dfbritannien gelegene Betriebsst\u00e4tte entstandenen Verluste aufgrund des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Vereinigten K\u00f6nigreich Gro\u00dfbritannien und Nordirland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Verhinderung der Steuerverk\u00fcrzung vom 26.11.1964 (BGBl II 1966, 359, BStBl I 1966, 730) i.d.F. des Revisionsprotokolls vom 23.03.1970 (BGBl II 1971, 46, BStBl I 1971, 140) \u2011\u2011DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970\u2011\u2011 von der Bemessungsgrundlage der K\u00f6rperschaftsteuer ausgenommen.<\/li><li>a) Art.&nbsp;III Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970 bestimmt, dass gewerbliche Gewinne eines Unternehmens eines der Gebiete nur in diesem Gebiete besteuert werden, es sei denn, dass das Unternehmen in dem anderen Gebiet eine gewerbliche T\u00e4tigkeit durch eine dort gelegene Betriebst\u00e4tte aus\u00fcbt. \u00dcbt das Unternehmen durch eine Betriebst\u00e4tte in dem anderen Gebiet eine gewerbliche T\u00e4tigkeit durch eine dort gelegene Betriebst\u00e4tte aus, so k\u00f6nnen die Gewinne in dem anderen Gebiete besteuert werden, jedoch nur insoweit, als sie dieser Betriebst\u00e4tte zugerechnet werden k\u00f6nnen (Art.&nbsp;III Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970). Nach Art.&nbsp;XVIII Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970 werden im Falle einer in Deutschland ans\u00e4ssigen Person von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer die Eink\u00fcnfte aus Quellen innerhalb des Vereinigten K\u00f6nigreichs (Gro\u00dfbritannien) und die innerhalb Gro\u00dfbritanniens gelegenen Verm\u00f6gensteile ausgenommen, die in \u00dcbereinstimmung mit diesem Abkommen in Gro\u00dfbritannien besteuert werden k\u00f6nnen, es sei denn, dass \u2011\u2011was vorliegend allerdings nicht zum Tragen kommt\u2011\u2011 Art.&nbsp;XVIII Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970 gilt. Deutschland beh\u00e4lt aber das Recht, die so ausgenommenen Eink\u00fcnfte und Verm\u00f6gensteile bei der Festsetzung des Steuersatzes zu ber\u00fccksichtigen (Art.&nbsp;XVIII Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970).<\/li><li>b) Obwohl in Art.&nbsp;III Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970 ausdr\u00fccklich nur gewerbliche Gewinne erw\u00e4hnt werden, sind nach Art.&nbsp;XVIII Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970 auch negative Eink\u00fcnfte \u2011\u2011so die im Streitfall in Rede stehenden Verluste\u2011\u2011 im Ans\u00e4ssigkeitsstaat des Steuerpflichtigen von der Bemessungsgrundlage der K\u00f6rperschaftsteuer ausgenommen. Es entspricht st\u00e4ndiger Rechtsprechung (z.B. Senatsurteil vom 28.03.1973&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;59\/71, BFHE 109, 127, BStBl II 1973, 531; Senatsbeschl\u00fcsse vom 29.11.2006&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;45\/05, BFHE 216, 149, BStBl II 2007, 398; vom 11.03.2008&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;116\/04, BFH\/NV 2008, 1161), dass auch dann, wenn sich der in einer abkommensrechtlichen Verteilungsnorm verwendete Eink\u00fcnftebegriff auf einen Nettobetrag bezieht, Verluste ebenfalls aus der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen sind (sog. Symmetriethese).<\/li><li>2. Auch im Rahmen der Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrags f\u00fcr den Erhebungszeitraum 2007 sind die der britischen Zweigniederlassung der Kl\u00e4gerin zuzuordnenden Verluste nicht zu ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>a) Gewerbeertrag ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;7 Satz&nbsp;1 des Gewerbesteuergesetzes in der f\u00fcr den Erhebungszeitraum 2007 geltenden Fassung (GewStG) der nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes oder des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes zu ermittelnde Gewinn aus dem Gewerbebetrieb, der bei der Ermittlung des Einkommens f\u00fcr den dem Erhebungszeitraum (\u00a7&nbsp;14 GewStG) entsprechenden Veranlagungszeitraum zu ber\u00fccksichtigen ist, vermehrt und vermindert um die in den \u00a7\u00a7&nbsp;8 und 9 GewStG bezeichneten Betr\u00e4ge.<\/li><li>b) F\u00fcr die Kl\u00e4gerin als unbeschr\u00e4nkt k\u00f6rperschaftsteuerpflichtiger AG, bei der gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 KStG alle Eink\u00fcnfte als Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb zu behandeln sind, ist Ausgangspunkt f\u00fcr die Ermittlung des Gewerbeertrags mithin der nach den Vorschriften des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes f\u00fcr das Jahr 2007 zu ermittelnde Gewinn. Eink\u00fcnfte \u2011\u2011auch solche negativer Art\u2011\u2011, die nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (DBA) von der Bemessungsgrundlage der K\u00f6rperschaftsteuer auszunehmen sind, sind folglich von vornherein nicht Bestandteil des Gewerbeertrags i.S. von \u00a7&nbsp;7 Satz&nbsp;1 GewStG (Senatsurteil vom 09.06.2010&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;107\/09, BFHE 230, 35).<\/li><li>3. Der Ausschluss der Verlustber\u00fccksichtigung bei der K\u00f6rperschaft- und der Gewerbesteuer verst\u00f6\u00dft nicht gegen die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit (Art.&nbsp;43 i.V.m. Art.&nbsp;48 des Vertrags zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft i.d.F. des Vertrags von Nizza zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union, der Vertr\u00e4ge zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften sowie einiger damit zusammenh\u00e4ngender Rechtsakte \u2011\u2011EG\u2011\u2011 (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften 2002, Nr.&nbsp;C&nbsp;325, 1), jetzt Art.&nbsp;49 i.V.m. Art.&nbsp;54 des Vertrags \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union i.d.F. des Vertrags von Lissabon zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union und des Vertrags zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft \u2011\u2011AEUV\u2011\u2011 (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union 2008, Nr.&nbsp;C&nbsp;115, 47).<\/li><li>a) Der gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;267 AEUV f\u00fcr die Auslegung des Unionsrechts zust\u00e4ndige EuGH hat mit dem im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ergangenen Urteil W (EU:C:2022:717, DStR 2022, 1993) entschieden, dass die Art.&nbsp;49 und 54 AEUV dahin auszulegen sind, dass sie einer Steuerregelung eines Mitgliedstaats nicht entgegenstehen, nach der eine dort gebietsans\u00e4ssige Gesellschaft die endg\u00fcltigen (&#8222;finalen&#8220;) Verluste ihrer in einem anderen Mitgliedstaat belegenen Betriebsst\u00e4tte von ihrem steuerpflichtigen Gewinn nicht abziehen kann, wenn der Ans\u00e4ssigkeitsmitgliedstaat aufgrund eines DBA auf seine Befugnis zur Besteuerung der Eink\u00fcnfte dieser Betriebsst\u00e4tte verzichtet hat. Nach Auffassung des EuGH ist im Fall der auf einem DBA beruhenden Freistellung der ausl\u00e4ndischen Eink\u00fcnfte im Sitzstaat wegen der fehlenden Besteuerungsbefugnis bei der Pr\u00fcfung eines Versto\u00dfes gegen die Niederlassungsfreiheit schon tatbestandlich eine Vergleichbarkeit mit der Behandlung reiner Inlandsf\u00e4lle nicht gegeben.<\/li><li>Damit hat der EuGH sein Urteil Timac Agro Deutschland vom 17.12.2015&nbsp;&#8211; C-388\/14 (EU:C:2015:829, BStBl II 2016, 362) \u2011\u2011und im Ergebnis auch das darauf basierende Senatsurteil vom 22.02.2017&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;2\/15 (BFHE 257, 120, BStBl II 2017, 709)\u2011\u2011 best\u00e4tigt. Die Auffassung der Vorinstanz, der zufolge die Grunds\u00e4tze des EuGH-Urteils Timac Agro Deutschland (EU:C:2015:829, BStBl II 2016, 362) mit dem sp\u00e4ter ergangenen EuGH-Urteil Bevola und Jens W. Trock vom 12.06.2018&nbsp;&#8211; C-650\/16 (EU:C:2018:424, DStR 2018, 1353) aufgegeben worden seien, hat der EuGH dagegen nicht best\u00e4tigt. Der Gerichtshof sieht f\u00fcr die Frage der Vergleichbarkeit der Verh\u00e4ltnisse einen ma\u00dfgeblichen Unterschied darin, ob der &#8222;symmetrische&#8220; Ausschluss der Ber\u00fccksichtigung der gebietsfremden Betriebsst\u00e4ttengewinne und -verluste \u2011\u2011wie im Streitfall und im Fall Timac Agro Deutschland\u2011\u2011 auf einer bilateralen Vereinbarung (DBA) mit dem Betriebsst\u00e4ttenstaat beruht oder ob der Ausschluss seine Grundlage \u2011\u2011wie im Fall Bevola und Jens W. Trock\u2011\u2011 in einer (unilateralen) Entscheidung des nationalen Steuerrechts hat (zustimmend z.B. Ismer, DStR 2022, 1997; Mitschke, Internationales Steuerrecht \u2011\u2011IStR\u2011\u2011 2022, 771; Zwirner, Internationale Wirtschaftsbriefe 2022, 959; ablehnend z.B. Schnitger, IStR 2022, 769&nbsp;f.; Wellmann\/Kopec, Internationale Steuer-Rundschau 2022, 417, 419; Retzer\/Bernhardt, Die Unternehmensbesteuerung 2022, 601).<\/li><li>b) Entgegen der Sichtweise der Kl\u00e4gerin handelt es sich bei der die Verlustber\u00fccksichtigung im Streitfall ausschlie\u00dfenden Symmetriethese \u2011\u2011wie in dem Vorlagebeschluss des Senats in BFHE 269, 205, BStBl II 2021, 68 ausgef\u00fchrt\u2011\u2011 um einen abkommensbasierten (bilateralen) und nicht um einen unilateralen Ausschluss des Verlustabzugs. Der Senat f\u00fchrt die Symmetriethese in st\u00e4ndiger Rechtsprechung auf die Vereinbarung der Freistellungsmethode zur\u00fcck. Da sich der Begriff der Betriebsst\u00e4ttengewinne auf einen Nettobetrag bezieht, sind auch Betriebsst\u00e4ttenverluste aus der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen (z.B. Senatsbeschl\u00fcsse vom 11.03.1970&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;50\/68, I&nbsp;B&nbsp;3\/69, BFHE 98, 427, BStBl II 1970, 569; vom 28.06.2006&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;84\/04, BFHE 214, 270, BStBl II 2006, 861, Rz&nbsp;9&nbsp;f.; in BFHE 216, 149, BStBl II 2007, 398; Senatsurteil in BFHE 257, 120, BStBl II 2017, 709). So ordnet auch der im Streitfall anwendbare Art.&nbsp;XVIII Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 DBA-Gro\u00dfbritannien 1964\/1970 an, dass im Falle einer in Deutschland ans\u00e4ssigen Person von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer die &#8222;Eink\u00fcnfte&#8220; aus Quellen innerhalb Gro\u00dfbritanniens ausgenommen werden, die in \u00dcbereinstimmung mit diesem Abkommen in Gro\u00dfbritannien besteuert werden k\u00f6nnen.<\/li><li>c) Anders als die Kl\u00e4gerin meint, beruht der Ausschluss des Verlustabzugs auch im Hinblick auf die Gewerbesteuer auf dem Abkommen und nicht auf einer K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;3 GewStG. Wie oben (II.2.b) ausgef\u00fchrt, fallen die positiven wie negativen ausl\u00e4ndischen Betriebsst\u00e4tteneink\u00fcnfte im Fall der abkommensrechtlichen Freistellung bereits aufgrund des Verweises des \u00a7&nbsp;7 Satz&nbsp;1 GewStG auf die einkommen- bzw. k\u00f6rperschaftsteuerliche Gewinnermittlung nicht in die Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer, weshalb es insoweit nicht mehr zu einer K\u00fcrzung nach \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;3 GewStG kommt (vgl. Senatsurteil in BFHE 230, 35).<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><li>Die Entscheidung ergeht mit Einverst\u00e4ndnis der Hauptbeteiligten durch Urteil ohne m\u00fcndliche Verhandlung (\u00a7&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 FGO). Ein Einverst\u00e4ndnis auch des beigetretenen BMF ist nicht erforderlich (z.B. Senatsurteil vom 01.06.2022&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;32\/19, BFHE 277, 279, m.w.N.).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.220223.IR35.22.0 BFH I. Senat DBA GBR 1964 Art 3 Abs 1, DBA GBR 1964 Art 18 Abs 2 Buchst a, EG Art 43, EG Art 48, AEUV Art 49, AEUV Art 54, GewStG \u00a7 7 S 1, GewStG \u00a7 9 Nr 3, GewStG VZ 2007 , KStG \u00a7 8 Abs 1, KStG VZ 2007 vorgehend &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/nichtberuecksichtigung-finaler-auslaendischer-betriebsstaettenverluste-bfh-urteil-vom-22-februar-2023-i-r-35-22-i-r-32-18\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Nichtber\u00fccksichtigung &#8222;finaler&#8220; ausl\u00e4ndischer Betriebsst\u00e4ttenverluste &#8211; BFH-Urteil vom 22. 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