{"id":75815,"date":"2023-05-14T17:23:21","date_gmt":"2023-05-14T15:23:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75815"},"modified":"2023-05-14T17:23:21","modified_gmt":"2023-05-14T15:23:21","slug":"anforderungen-an-die-revisionsbegruendung-bfh-beschluss-vom-19-april-2023-vi-r-15-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/anforderungen-an-die-revisionsbegruendung-bfh-beschluss-vom-19-april-2023-vi-r-15-22\/","title":{"rendered":"Anforderungen an die Revisionsbegr\u00fcndung &#8211; BFH-Beschluss vom 19. April 2023, VI R 15\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.190423.VIR15.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 120 Abs 3 Nr 2 Buchst a<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 14. Juni 2022, Az: 13 K 82\/21<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Die Bezugnahme auf erstinstanzliche Schrifts\u00e4tze ist f\u00fcr eine Revisionsbegr\u00fcndung regelm\u00e4\u00dfig unzureichend. Dies gilt nur dann nicht, wenn das Klagevorbringen sich bereits umfassend und abschlie\u00dfend mit denjenigen Argumenten auseinandergesetzt hat, mit denen das FG nachfolgend die Klageabweisung begr\u00fcndet hat (Best\u00e4tigung der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des BFH).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 14.06.2022 &#8211; 13 K 82\/21 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>1. Die Revision des Kl\u00e4gers und Revisionskl\u00e4gers (Kl\u00e4ger) ist unzul\u00e4ssig und durch Beschluss zu verwerfen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Der Inhalt seiner eingereichten Revisionsbegr\u00fcndung entspricht nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a FGO muss die Revisionsbegr\u00fcndung die bestimmte Bezeichnung der Umst\u00e4nde enthalten, aus denen sich die Rechtsverletzung ergibt. Dies erfordert, dass die erhobene R\u00fcge eindeutig erkennen lassen muss, welche Norm der Revisionskl\u00e4ger f\u00fcr verletzt h\u00e4lt. Ferner muss der Revisionskl\u00e4ger die Gr\u00fcnde tats\u00e4chlicher und rechtlicher Art angeben, die nach seiner Auffassung das erstinstanzliche Urteil als unrichtig erscheinen lassen. Erforderlich ist damit eine zumindest kurze Auseinandersetzung mit den Gr\u00fcnden des angefochtenen Urteils, aus der zu erkennen ist, dass der Revisionskl\u00e4ger die Begr\u00fcndung dieses Urteils und sein eigenes Vorbringen \u00fcberpr\u00fcft hat. Der Revisionskl\u00e4ger muss danach im Einzelnen und in Auseinandersetzung mit der Argumentation des Finanzgerichts (FG) dartun, welche Ausf\u00fchrungen der Vorinstanz aus welchen Gr\u00fcnden unrichtig sein sollen (z.B. Senatsbeschl\u00fcsse vom 12.05.2022&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;37\/20, Rz&nbsp;16, und vom 29.03.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;83\/14, Rz&nbsp;7, jeweils m.w.N.). Dies gilt auch, wenn das FG die Revision \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassen hat. Dieser Umstand macht eine Begr\u00fcndung der Revision nicht entbehrlich (Senatsbeschluss vom 12.05.2022&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;37\/20, Rz&nbsp;17, m.w.N.)<\/li><li>b) Die von dem Kl\u00e4ger vorgelegte Revisionsbegr\u00fcndung entspricht den vorgenannten Anforderungen nicht. Es fehlt an einer ausreichenden Darstellung der Gr\u00fcnde, die das Urteil des FG nach Auffassung des Kl\u00e4gers als unrichtig erscheinen lassen.<\/li><li>aa) Das FG hat entscheidungstragend ausgef\u00fchrt (Urteilsumdruck S.&nbsp;10), dass es nach Gesamtw\u00fcrdigung des Sachverhalts an einer eindeutigen Zuordnungsentscheidung an das Finanzamt (FA) f\u00fcr Gro\u00dfbetriebspr\u00fcfung A fehle. Der Kl\u00e4ger sei zwar an dieses FA versetzt worden, er habe dort aber keine ausreichenden T\u00e4tigkeiten in einem noch hinnehmbaren Umfang erbracht. Die erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte sei deshalb im Wege einer ex-ante-Betrachtung nach \u00a7&nbsp;9 Abs&nbsp;4 Satz&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu bestimmen. Danach sei das FA B erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte des Kl\u00e4gers, da dort im &#8222;Heimatfinanzamt&#8220; seine Ausbildung (Pilotprojekt der Oberfinanzdirektion Niedersachsen&nbsp;&#8211; Einstellung beim FA f\u00fcr Gro\u00dfbetriebspr\u00fcfung A 2016) stattgefunden habe. Beim FA f\u00fcr Gro\u00dfbetriebspr\u00fcfung A seien lediglich Besuche sowie Hospitationen vorgesehen gewesen.<\/li><li>bb) Mit dieser Argumentation setzt sich die Revisionsbegr\u00fcndung nicht hinreichend auseinander. Sie nimmt lediglich Bezug auf das erstinstanzliche Vorbringen des Kl\u00e4gers, hier auf die Klageschrift vom 01.09.2021 (richtig: vom 17.06.2021), die Stellungnahmen vom 13.09.2021 und 10.11.2021 sowie auf die Einspruchsbegr\u00fcndung und das weitere Vorbringen im Einspruchsverfahren. Eine Bezugnahme ist aber nur ausnahmsweise ausreichend, wenn der Revisionskl\u00e4ger sich schon in der Klageschrift umfassend und abschlie\u00dfend mit denjenigen Argumenten auseinandergesetzt hat, auf die das FG in der Folge seine Entscheidung gest\u00fctzt hat (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 24.05.2006&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;49\/05, juris, m.w.N., und Senatsbeschluss vom 19.10.2000&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;73\/00, BFH\/NV 2001, 333, jeweils m.w.N.).<\/li><li>Der Kl\u00e4ger hat sich mit den in Bezug genommenen erstinstanzlichen Schrifts\u00e4tzen nicht mit den entscheidungstragenden Ausf\u00fchrungen des FG zu \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 EStG (Bestimmung der ersten T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte mangels eindeutiger dienstrechtlicher Festlegung) auseinandergesetzt. Auf diese Norm ist der Kl\u00e4ger erstinstanzlich nur insoweit eingegangen, als er deren Anwendbarkeit verneint hat, da \u2011\u2011nach seiner Auffassung\u2011\u2011 durch seine Versetzung an das FA f\u00fcr Gro\u00dfbetriebspr\u00fcfung A seine erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte dort begr\u00fcndet worden sei.<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.190423.VIR15.22.0 BFH VI. Senat FGO \u00a7 120 Abs 3 Nr 2 Buchst a vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 14. Juni 2022, Az: 13 K 82\/21 Leits\u00e4tze NV: Die Bezugnahme auf erstinstanzliche Schrifts\u00e4tze ist f\u00fcr eine Revisionsbegr\u00fcndung regelm\u00e4\u00dfig unzureichend. 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