{"id":75882,"date":"2023-06-03T13:40:20","date_gmt":"2023-06-03T11:40:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75882"},"modified":"2023-06-03T13:40:20","modified_gmt":"2023-06-03T11:40:20","slug":"kindergeld-opferrente-als-bezug-eines-behinderten-volljaehrigen-kindes-bfh-urteil-vom-20-april-2023-iii-r-7-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kindergeld-opferrente-als-bezug-eines-behinderten-volljaehrigen-kindes-bfh-urteil-vom-20-april-2023-iii-r-7-21\/","title":{"rendered":"Kindergeld; Opferrente als Bezug eines behinderten vollj\u00e4hrigen Kindes &#8211; BFH-Urteil vom 20. April 2023, III R 7\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.200423.IIIR7.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 3, EStG \u00a7 33b, OEG \u00a7 1 Abs 1, BVG \u00a7 31, EStG VZ 2019 , EStG \u00a7 62 Abs 1, EStG \u00a7 63 Abs 1 S 2, BGB \u00a7 1360, BGB \u00a7 1609<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern , 28. Januar 2021, Az: 3 K 126\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Grundrente nach \u00a7 1 Abs. 1 OEG i.V.m. \u00a7 31 BVG ist nicht als Bezug eines behinderten vollj\u00e4hrigen Kindes zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern vom 28.01.2021 &#8211; 3 K 126\/20 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die im November 1984 geborene Tochter A des Kl\u00e4gers und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) ist mit X (Ehemann) verheiratet. Beide sind Eltern zweier minderj\u00e4hriger Kinder. F\u00fcr A wurde zuletzt im Dezember 2015 eine Behinderung festgestellt.<\/li><li>A bezog in dem im Revisionsverfahren noch streitigen Zeitraum (November und Dezember 2019) Bundeselterngeld (\u00a7&nbsp;1 des Gesetzes zum Elterngeld und zur Elternzeit \u2011\u2011Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz\u2011\u2011) sowie seit dem 01.05.2010 Versorgungsbez\u00fcge nach \u00a7&nbsp;1 des Gesetzes \u00fcber die Entsch\u00e4digung f\u00fcr Opfer von Gewalttaten (Opferentsch\u00e4digungsgesetz \u2011\u2011OEG\u2011\u2011) in H\u00f6he von monatlich 151&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Ihr Ehemann bezog Arbeitslohn und Krankengeld sowie Wohngeld, bei dessen Festsetzung die Eheleute und deren zwei Kinder ber\u00fccksichtigt worden waren. Das Wohngeld f\u00fcr Oktober 2019 in H\u00f6he von 248&nbsp;\u20ac wurde am 30.09.2019, das Wohngeld f\u00fcr November 2019 in H\u00f6he von 434&nbsp;\u20ac am 30.10.2019 und das Wohngeld f\u00fcr Dezember 2019 in H\u00f6he von 341&nbsp;\u20ac am 29.11.2019 dem Girokonto des Ehemannes gutgeschrieben. Die Zahlung f\u00fcr November 2019 enthielt eine Nachzahlung; das Wohngeld war am 15.10.2019 bereits f\u00fcr Oktober 2019 auf 341&nbsp;\u20ac erh\u00f6ht worden.<\/li><li>Mit Bescheid vom 21.01.2020 hob die Beklagte und Revisionskl\u00e4gerin (Familienkasse) die Kindergeldfestsetzung ab Oktober 2019 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) auf. Dem dagegen gerichteten Einspruch half die Familienkasse durch Bescheid vom 27.03.2020 f\u00fcr den Zeitraum ab Januar 2020 ab.<\/li><li>Mit Einspruchsentscheidung vom 31.03.2020 wurde der Einspruch f\u00fcr den Zeitraum Oktober bis Dezember 2019 sodann als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen. Die Familienkasse f\u00fchrte aus, die Tochter des Kl\u00e4gers k\u00f6nne sich aufgrund des Ehegattenunterhaltes selbst unterhalten.<\/li><li>Die Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) entschied, der existenzielle Lebensbedarf der A bestehe aus dem Grundbedarf \u2011\u2011dem anteiligen Grundfreibetrag nach \u00a7&nbsp;32a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG\u2011\u2011 in H\u00f6he von 9.168&nbsp;\u20ac im Jahr 2019, also 764&nbsp;\u20ac je Monat, und \u2011\u2011da die Rente nach dem OEG nicht zu ber\u00fccksichtigen sei\u2011\u2011 einem Mehrbedarf in H\u00f6he des anteiligen Behindertenpauschbetrags (\u00a7&nbsp;33b Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 EStG).<\/li><li>Bei der Ermittlung ihrer Eink\u00fcnfte und Bez\u00fcge lie\u00df das FG die Rente nach dem OEG unber\u00fccksichtigt und verwies dazu auf das Senatsurteil vom 13.04.2016&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;28\/15 (BFHE 253, 249, BStBl II 2016, 648), betreffend Schmerzensgeldrente. Angesetzt wurde das Elterngeld in H\u00f6he von monatlich 300&nbsp;\u20ac sowie ein Viertel des Wohngeldes, unter Hinweis auf das Senatsurteil vom 08.08.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/12 (BFH\/NV 2014, 498), betreffend ALG&nbsp;II-Nachzahlung, jeweils vermindert um eine monatliche Kostenpauschale in H\u00f6he von 15&nbsp;\u20ac, d.h. f\u00fcr Oktober 2019&nbsp;&nbsp;47&nbsp;\u20ac, f\u00fcr November 2019&nbsp;&nbsp;93,50&nbsp;\u20ac und f\u00fcr Dezember 2019&nbsp;&nbsp;70,25&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Bei der Ermittlung der von A bezogenen Unterhaltsleistungen ihres Ehemannes lie\u00df das FG dessen Unterhaltsleistungen f\u00fcr die gemeinsamen Kinder unber\u00fccksichtigt. Es legte den um den Werbungskosten-Pauschbetrag verminderten Arbeitslohn des Ehemannes zugrunde, mithin im Oktober 2019&nbsp;&nbsp;1.094,97&nbsp;\u20ac, sowie dessen Krankengeld, d.h. im November 2019&nbsp;&nbsp;1.107,90&nbsp;\u20ac und im Dezember 2019&nbsp;&nbsp;1.034,04&nbsp;\u20ac. Des Weiteren setzte es bei den Einnahmen des Ehemannes ebenfalls jeweils ein Viertel des um eine Kostenpauschale in H\u00f6he von 15&nbsp;\u20ac verminderten Wohngeldes an, d.h. f\u00fcr Oktober 2019&nbsp;&nbsp;47&nbsp;\u20ac, f\u00fcr November 2019&nbsp;&nbsp;93,50&nbsp;\u20ac und f\u00fcr Dezember 2019&nbsp;&nbsp;70,25&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Das auf diese Weise im Hinblick auf den Ehegattenunterhalt ermittelte Einkommen des Ehemannes belief sich im Oktober 2019 auf 1.058,14&nbsp;\u20ac (rechnerisch richtig w\u00e4re: 1.141,97&nbsp;\u20ac), im November 2019 auf 1.201,40&nbsp;\u20ac und im Dezember 2019 auf 1.104,29&nbsp;\u20ac. Soweit es die aus Elterngeld und anteiligem Wohngeld bestehenden Mittel der A \u00fcberstieg, erh\u00f6hte das FG diese um die H\u00e4lfte der Differenz, d.h. f\u00fcr Oktober 2019 um 355,57&nbsp;\u20ac, f\u00fcr November 2019 um 403,95&nbsp;\u20ac und f\u00fcr Dezember 2019 um 367,02&nbsp;\u20ac. Danach lagen die finanziellen Mittel der A unter ihrem Bedarf; das FG ermittelte eine Unterdeckung f\u00fcr Oktober 2019 von 97,24&nbsp;\u20ac, f\u00fcr November 2019 von 2,38&nbsp;\u20ac und f\u00fcr Dezember 2019 von 62,56&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Die Familienkasse r\u00fcgt die Verletzung materiellen Bundesrechts. Die Grundrente des OEG orientiere sich an der Grundrente des \u00a7&nbsp;31 des Gesetzes \u00fcber die Versorgung der Opfer des Krieges (Bundesversorgungsgesetz \u2011\u2011BVG\u2011\u2011), die zum Ausgleich von Sch\u00e4digungsfolgen gezahlt werde und \u2011\u2011wie die Eingliederungshilfe\u2011\u2011 dem Kind damit wegen eines behinderungsbedingten Mehrbedarfs zweckgebunden zuflie\u00dfe. In den Monaten November und Dezember 2019 sei A daher zum Selbstunterhalt imstande gewesen.<\/li><li>Die Familienkasse beantragt,<br \/>den Gerichtsbescheid des FG Mecklenburg-Vorpommern aufzuheben und die Klage abzuweisen, soweit die Monate November und Dezember 2019 betroffen sind.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen, denn das FG hat die Rente nach dem OEG zu Recht nicht bei den Eink\u00fcnften und Bez\u00fcgen der A ber\u00fccksichtigt (2.); falls die Rente ber\u00fccksichtigt w\u00fcrde, w\u00e4re im Gegenzug auch der Bedarf zu erh\u00f6hen (3.). Im \u00dcbrigen weist der Senat darauf hin, dass sich eine weitere \u2011\u2011nicht mehr entscheidungserhebliche\u2011\u2011 Minderung der Eink\u00fcnfte und Bez\u00fcge der A daraus ergeben d\u00fcrfte, dass der vom FG als Bezug angesetzte Ehegattenunterhalt wegen des vom Ehemann geleisteten Kindesunterhaltes niedriger anzusetzen ist (4.). Die im Wohngeld f\u00fcr November 2019 enthaltene Nachzahlung f\u00fcr Oktober 2019 ist auf die Monate November und Dezember 2019 zu verteilen, was die Unterdeckung jedoch ebenfalls nicht beseitigt (5.).<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;1 und 2 i.V.m. \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG besteht f\u00fcr ein Kind, das das 18.&nbsp;Lebensjahr vollendet hat, ein Anspruch auf Kindergeld, wenn es wegen k\u00f6rperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung au\u00dferstande ist, sich selbst zu unterhalten, und die Behinderung vor Vollendung des 25.&nbsp;Lebensjahres eingetreten ist, sofern nicht aufgrund der \u00dcbergangsregelung des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;40 Satz&nbsp;5 EStG i.d.F. des Steuer\u00e4nderungsgesetzes 2007 vom 19.07.2006 (BGBl I 2006, 1652), inzwischen \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;32 Satz&nbsp;1 EStG, weiterhin die vorher geltende Altersgrenze (Vollendung des 27.&nbsp;Lebensjahres) ma\u00dfgeblich ist.<\/li><li>Das Tatbestandsmerkmal &#8222;au\u00dferstande [&#8230;], sich selbst zu unterhalten&#8220; wird im Gesetz nicht n\u00e4her umschrieben. Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist ein behindertes Kind dann au\u00dferstande, sich selbst zu unterhalten, wenn es seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann (z.B. BFH-Urteil vom 15.10.1999&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;183\/97, BFHE 189, 442, BStBl II 2000, 72, unter 1.b; Senatsurteile vom 05.02.2015&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;31\/13, BFHE 249, 144, BStBl II 2015, 1017, Rz&nbsp;13, und in BFHE 253, 249, BStBl II 2016, 648, Rz&nbsp;10, m.w.N.). Die F\u00e4higkeit zum Selbstunterhalt ist dabei anhand eines Vergleichs zweier Bezugsgr\u00f6\u00dfen zu pr\u00fcfen, n\u00e4mlich des aus dem Grundbedarf und dem behinderungsbedingten Mehrbedarf bestehenden gesamten existenziellen Lebensbedarfs des Kindes einerseits und seiner finanziellen Mittel andererseits (z.B. Senatsurteile in BFHE 253, 249, BStBl II 2016, 648, Rz&nbsp;10; vom 19.01.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;44\/14, BFH\/NV 2017, 735, Rz&nbsp;29, und vom 27.11.2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;28\/17, BFHE 268, 13, BStBl II 2021, 807, Rz&nbsp;16). Diese Pr\u00fcfung hat f\u00fcr jeden Monat gesondert zu erfolgen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteil vom 11.04.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;35\/11, BFHE 241, 499, BStBl II 2013, 1037).<\/li><li>Der behinderungsbedingte Mehrbedarf umfasst Aufwendungen, die gesunde Kinder nicht haben. Dazu geh\u00f6ren alle mit einer Behinderung zusammenh\u00e4ngenden au\u00dfergew\u00f6hnlichen Belastungen, insbesondere solche f\u00fcr Hilfen bei den gew\u00f6hnlichen und regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrenden Verrichtungen des t\u00e4glichen Lebens (Senatsurteil in BFHE 268, 13, BStBl II 2021, 807, Rz&nbsp;19). Diese k\u00f6nnen einzeln nachgewiesen oder mit dem ma\u00dfgeblichen Pauschbetrag (\u00a7&nbsp;33b Abs.&nbsp;1 bis 3 EStG) angesetzt werden.<\/li><li>2. Das FG hat zu Recht entschieden, dass die von A bezogene Rente nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 OEG im Hinblick auf die behinderungsbedingte Unf\u00e4higkeit zum Selbstunterhalt nicht zu den Eink\u00fcnften und Bez\u00fcgen geh\u00f6rt.<\/li><li>a) Eine Schmerzensgeldrente ist bei der Beurteilung der Leistungsf\u00e4higkeit eines behinderten Kindes nicht zu ber\u00fccksichtigen, weil dies der Sonderfunktion des Schmerzensgeldes widersprechen w\u00fcrde, immaterielle Sch\u00e4den abzumildern; Schmerzensgeld hat nicht die Funktion, zur materiellen Existenzsicherung beizutragen (Senatsurteil in BFHE 253, 249, BStBl II 2016, 648).<\/li><li>b) Dies trifft auch bei der Rente nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 OEG zu.<\/li><li>aa) Das OEG regelt die Versorgungsleistungen nicht im Einzelnen, sondern verweist in \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 OEG auf den Leistungskatalog des BVG. Danach kommen insbesondere Heilbehandlungen der Sch\u00e4digung, einkommensunabh\u00e4ngige Rentenleistungen aufgrund der bleibenden Sch\u00e4digungsfolgen sowie einkommensabh\u00e4ngige Leistungen mit Lohnersatzfunktion in Betracht.<\/li><li>Das FG hat nicht ausdr\u00fccklich festgestellt, dass es sich bei der von A bezogenen Rente um eine sog. Grundrente nach \u00a7&nbsp;31 BVG handelt. Dies ergibt sich aber aus dem \u00fcbereinstimmenden Vortrag der Beteiligten und ist zudem offensichtlich, da die monatlich gezahlten 151&nbsp;\u20ac im Streitzeitraum dem bei einem Grad der Sch\u00e4digungsfolgen von 30 zu beanspruchenden Betrag entsprechen (\u00a7&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BVG).<\/li><li>bb) Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem die Verwertung einer angesparten Besch\u00e4digtengrundrente zur Deckung eines sozialhilferechtlichen Bedarfs betreffenden Urteil vom 27.05.2010&nbsp;&#8211; 5&nbsp;C&nbsp;7\/09 (BVerwGE 137, 85) ausgef\u00fchrt, bei der Rente nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 OEG handele es sich um eine Sozialleistung, die zwar einerseits typisierend und pauschalierend einen besonderen sch\u00e4digungs- oder behinderungsbedingten Mehraufwand abdecken solle, andererseits aber ma\u00dfgeblich dadurch gepr\u00e4gt sei, dass sie als Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Beeintr\u00e4chtigung der k\u00f6rperlichen Integrit\u00e4t immateriellen (ideellen) Zwecken wie der Genugtuung f\u00fcr erlittenes Unrecht diene. Letzteres gelte besonders f\u00fcr die nach dem OEG berechtigten Opfer von Straftaten, die gerade auch deshalb entsch\u00e4digt w\u00fcrden, weil sie einen erheblichen Schaden an immateriellen Rechtsg\u00fctern erlitten h\u00e4tten. Dass die Besch\u00e4digtengrundrente \u00fcberwiegend immaterielle Zwecke verfolge, ergebe sich aus ihrer gesetzlichen Ausgestaltung und ihrem systematischen Verh\u00e4ltnis zu anderen Leistungen des BVG. Die Grundrente diene nach der gesetzlichen Konzeption ungeachtet ihrer wirtschaftlichen Bedeutung nicht der Linderung konkreter Not; sie setze keine Bed\u00fcrftigkeit voraus und solle nicht den Lebensunterhalt des Besch\u00e4digten und seiner Familie sicherstellen.<\/li><li>cc) Der Senat schlie\u00dft sich der Auslegung an, dass die Grundrente ma\u00dfgeblich auch immaterielle Sch\u00e4den ausgleichen soll und ihre immaterielle und ihre materielle Komponente nicht voneinander getrennt werden k\u00f6nnen (vgl. Urteil des Bundessozialgerichts \u2011\u2011BSG\u2011\u2011 vom 30.04.2020&nbsp;&#8211; B&nbsp;8&nbsp;SO&nbsp;12\/18&nbsp;R, Sozialrecht \u2011\u2011SozR\u2011\u2011&nbsp;4-3500 \u00a7&nbsp;90 Nr.&nbsp;10, SozR&nbsp;4-3100 \u00a7&nbsp;25f Nr.&nbsp;1, Rz&nbsp;18). Dies d\u00fcrfte auch der Grund daf\u00fcr sein, dass die Grundrente gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;25d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 BVG in der im Streitzeitraum geltenden Fassung nicht als Einkommen galt und nach \u00a7&nbsp;82 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Zw\u00f6lften Buches Sozialgesetzbuch in der im Streitzeitraum geltenden Fassung im Hinblick auf die Sozialhilfe ausdr\u00fccklich nicht zum Einkommen geh\u00f6rte. Des Weiteren ist auch durch ihre Ansparung gebildetes Verm\u00f6gen binnen eines Jahres nicht f\u00fcr die Sozialhilfe einzusetzen (BSG-Urteil in SozR&nbsp;4-3500 \u00a7&nbsp;90 Nr.&nbsp;10, SozR&nbsp;4-3100 \u00a7&nbsp;25f Nr.&nbsp;1). Eine angesparte Rente nach dem OEG muss vom M\u00fcndel auch nicht f\u00fcr die Verg\u00fctung des Vormundes eingesetzt werden (Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm vom 13.11.2015&nbsp;&#8211; II-6&nbsp;WF&nbsp;272\/14, juris).<\/li><li>3. Selbst wenn der Senat der Familienkasse darin folgen w\u00fcrde, dass die Grundrente nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 OEG i.V.m. \u00a7&nbsp;31 BVG \u2011\u2011im Streitfall\u2011\u2011 als Sozialleistung typisierend und pauschalierend einen besonderen sch\u00e4digungs- oder behinderungsbedingten Mehrbedarf abdecken w\u00fcrde, w\u00e4re sie zwar als Bezug zu ber\u00fccksichtigen. Dies verh\u00fclfe der Revision aber nicht zum Erfolg. Denn \u2011\u2011anders als in der von der Familienkasse angestellten Berechnung\u2011\u2011 w\u00e4re im Streitfall dann auch als behinderungsbedingter Mehrbedarf ein Betrag in H\u00f6he der Rente anzusetzen, wie dies z.B. auch bei der Eingliederungshilfe (Senatsurteil vom 09.02.2012&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;53\/10, BFHE 236, 417, BStBl II 2014, 391) oder dem Pflegegeld (Senatsurteil vom 20.10.2022&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;13\/21, Neue Juristische Wochenschrift \u2011\u2011NJW\u2011\u2011 2023, 941) geschieht. Selbst wenn man deshalb im Streitfall den anteiligen Behindertenpauschbetrag nicht (zus\u00e4tzlich) auf der Bedarfsseite ansetzen w\u00fcrde, best\u00fcnde hier weiterhin eine Unterdeckung.<\/li><li>4. Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, dass auch der Ehegattenunterhalt zu den dem behinderten Kind zur Verf\u00fcgung stehenden eigenen finanziellen Mitteln geh\u00f6ren kann. Es hat diesen indessen berechnet, ohne die Unterhaltsverpflichtung des Ehemannes gegen\u00fcber den beiden gemeinsamen Kindern zu ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>Richtig ist zwar, dass weder die Eink\u00fcnfte und Bez\u00fcge des behinderten Kindes, f\u00fcr das Kindergeld begehrt wird, wegen Unterhaltsverpflichtungen des Kindes gegen\u00fcber seinem Kind (d.h. dem Enkel der Eltern des behinderten Kindes) zu k\u00fcrzen sind noch der Bedarf des Kindes insofern zu erh\u00f6hen ist. Da der Anspruch des Ehegatten auf Ehegattenunterhalt gegen\u00fcber dem Unterhaltsanspruch minderj\u00e4hriger Kinder aber rechtlich nachrangig ist (\u00a7&nbsp;1609 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches) und Mittel, die der Ehegatte f\u00fcr vorrangigen Kindesunterhalt aufwendet, tats\u00e4chlich auch nicht f\u00fcr den Unterhalt des Ehegatten zur Verf\u00fcgung stehen, mindert dieser Kindesunterhalt den Ehegattenunterhalt (zu den Einzelheiten vgl. Senatsurteil in NJW 2023, 941, Rz&nbsp;26&nbsp;ff.).<\/li><li>Darauf kommt es im Streitfall aber nicht an, weil bereits die Nichtber\u00fccksichtigung der Opferentsch\u00e4digungsrente dazu f\u00fchrt, dass A sich in den beiden im Revisionsverfahren noch streitigen Monaten nicht selbst unterhalten konnte.<\/li><li>5. Das FG hat das mit dem Wohngeld f\u00fcr November 2019 nachgezahlte Wohngeld f\u00fcr Oktober 2019 zu Unrecht vollen Umfangs im November 2019 erfasst.<\/li><li>Der Senat weist dazu darauf hin, dass Ausnahmen von dem im Kindergeldrecht geltenden Monatsprinzip, das auf in etwa gleichbleibende Verh\u00e4ltnisse zugeschnitten ist, z.B. f\u00fcr j\u00e4hrlich wiederkehrende Einnahmen in Form von Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld und f\u00fcr Nachzahlungen bestehen. Eine f\u00fcr einen vergangenen Zeitraum geleistete Nachzahlung ist weder ausschlie\u00dflich im Zuflussmonat noch in den vorangegangenen Monaten zu ber\u00fccksichtigen; sie ist vielmehr auf den Zuflussmonat und die restlichen Monate des Zuflussjahres zu verteilen (Senatsurteil vom 15.12.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;48\/20, BFHE 275, 169, BStBl II 2022, 444, Rz&nbsp;37, m.w.N.). Am Ergebnis, d.h. der in den verbliebenen Streitmonaten November und Dezember 2019 bestehenden Unterdeckung, \u00e4ndert sich auch dadurch nichts.<\/li><li>6. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.200423.IIIR7.21.0 BFH III. Senat EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 3, EStG \u00a7 33b, OEG \u00a7 1 Abs 1, BVG \u00a7 31, EStG VZ 2019 , EStG \u00a7 62 Abs 1, EStG \u00a7 63 Abs 1 S 2, BGB \u00a7 1360, BGB \u00a7 1609 vorgehend Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern , 28. 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