{"id":75916,"date":"2023-06-26T09:40:44","date_gmt":"2023-06-26T07:40:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75916"},"modified":"2023-06-26T09:40:44","modified_gmt":"2023-06-26T07:40:44","slug":"anhoerungsruege-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-bfh-beschluss-vom-02-juni-2023-ix-s-6-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/anhoerungsruege-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-bfh-beschluss-vom-02-juni-2023-ix-s-6-23\/","title":{"rendered":"Anh\u00f6rungsr\u00fcge: Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs &#8211; BFH-Beschluss vom 02. Juni 2023, IX S 6\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.020623.IXS6.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GG Art 103 Abs 1, FGO \u00a7 96 Abs 2, FGO \u00a7 133a Abs 4 S 4<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend BFH , 11. November 2022, Az: IX R 14\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art. 103 Abs. 1 GG und \u00a7 96 Abs. 2 FGO ist erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst\u00e4nden des Einzelfalls ergibt, dass das Gericht Vorbringen entweder \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw\u00e4gung gezogen hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 15.11.2022 &#8211; IX R 14\/20 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Verfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge ist unbegr\u00fcndet und durch Beschluss zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 S\u00e4tze&nbsp;2 und 3 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ist das Verfahren auf die R\u00fcge eines durch eine gerichtliche Entscheidung beschwerten Beteiligten fortzuf\u00fchren, wenn ein Rechtsmittel oder ein anderer Rechtsbehelf gegen die Entscheidung nicht gegeben ist und das Gericht den Anspruch dieses Beteiligten auf rechtliches Geh\u00f6r in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat.<\/li><li>a) Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO verpflichtet das Gericht unter anderem, die Ausf\u00fchrungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen, in Erw\u00e4gung zu ziehen und sich mit dem entscheidungserheblichen Kern des Vorbringens auseinanderzusetzen. Dabei ist das Gericht naturgem\u00e4\u00df nicht verpflichtet, der Rechtsansicht eines Beteiligten zu folgen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts \u2011\u2011BVerfG\u2011\u2011 vom 11.06.2008&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;2062\/07, Deutsches Verwaltungsblatt 2008, 1056). Das Gericht ist nach Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG auch nicht verpflichtet, sich mit jedwedem Vorbringen des Beteiligten in der Begr\u00fcndung seiner Entscheidung ausdr\u00fccklich zu befassen (Entscheidungen des BVerfG vom 27.05.1970&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;578\/69, BVerfGE 28, 378; vom 10.06.1975&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1086\/74, BVerfGE 40, 101; vom 05.10.1976&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;558\/75, BVerfGE 42, 364 und vom 15.04.1980&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;827\/79, BVerfGE 54, 86). Dies bedeutet, dass im Einzelfall eine Begr\u00fcndung ganz entfallen oder sich das Gericht lediglich mit den seiner Ansicht nach wesentlichen Gesichtspunkten der Begr\u00fcndungsschrift auseinandersetzen kann. Vor diesem Hintergrund ist grunds\u00e4tzlich davon auszugehen, dass das Gericht das von ihm entgegengenommene Vorbringen eines Beteiligten tats\u00e4chlich auch zur Kenntnis genommen und in Erw\u00e4gung gezogen hat (BVerfG-Beschluss vom 15.04.1980&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1365\/78, BVerfGE 54, 43); der Umstand allein, dass sich die Entscheidungsgr\u00fcnde mit einem bestimmten Gesichtspunkt nicht ausdr\u00fccklich auseinandersetzen, rechtfertigt \u2011\u2011insbesondere mit Blick auf die Bestimmung des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 FGO\u2011\u2011 deshalb auch nicht die Annahme, das Gericht habe den Gesichtspunkt unter Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r \u00fcbergangen.<\/li><li>Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben ist der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst\u00e4nden des Einzelfalls ergibt, dass das Gericht Vorbringen entweder \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw\u00e4gung gezogen hat (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 27.10.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;S&nbsp;21\/17, BFH\/NV 2018, 50, Rz&nbsp;2).<\/li><li>b) Das ist vorliegend nicht der Fall. Der erkennende Senat hat den Vortrag des Kl\u00e4gers, Revisionskl\u00e4gers und R\u00fcgef\u00fchrers (Kl\u00e4ger) in seinem Schreiben vom 12.10.2022 gegen den Gerichtsbescheid des BFH vom 24.05.2022&nbsp;\u2013 IX&nbsp;R&nbsp;14\/20 zur Kenntnis genommen und \u00fcber das Vorbringen des Kl\u00e4gers entschieden.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger bringt mit seiner gegen das Urteil vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;14\/20 gerichteten Anh\u00f6rungsr\u00fcge im Wesentlichen vor, der Senat ber\u00fccksichtige nach wie vor nicht, dass die nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten des Tiefgaragenstellplatzes der einheitlichen Geb\u00e4udeabschreibung unter Ber\u00fccksichtigung der gesamten bisherigen Herstellungskosten zuzurechnen seien. Dabei habe der Senat den Grundsatz der einheitlichen Abschreibung missachtet. Der Senat habe zu dem Ergebnis kommen m\u00fcssen, dass die von ihm im Gerichtsbescheid vertretene Auffassung leichtfertig und auf unvollst\u00e4ndiger Grundlage gebildet worden sei. Dies stelle einen Verfahrensmangel in der Tatsachenw\u00fcrdigung dar.<\/li><li>Dieses Vorbringen des Kl\u00e4gers aus seinem Antrag auf m\u00fcndliche Verhandlung hat der Senat sowohl im Tatbestand des angefochtenen Urteils als auch in den Entscheidungsgr\u00fcnden ber\u00fccksichtigt und ist darauf eingegangen. Eine Geh\u00f6rsverletzung liegt mithin nicht vor. Im \u00dcbrigen vertieft und erg\u00e4nzt der Kl\u00e4ger mit seiner Anh\u00f6rungsr\u00fcge sein bisheriges Vorbringen. Mit der Wiederholung und Erg\u00e4nzung der Begr\u00fcndung aus dem Revisionsverfahren kann der Kl\u00e4ger im Verfahren der Anh\u00f6rungsr\u00fcge indes nicht geh\u00f6rt werden. Denn eine Anh\u00f6rungsr\u00fcge dient nicht dazu, die angegriffene Entscheidung nochmals einer vollen inhaltlichen \u00dcberpr\u00fcfung zuzuf\u00fchren.<\/li><li>2. Von einer weiteren Begr\u00fcndung wird mit Blick auf \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 FGO abgesehen.<\/li><li>3. F\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Anh\u00f6rungsr\u00fcge wird eine Geb\u00fchr in H\u00f6he von 60&nbsp;\u20ac erhoben, da die R\u00fcge sich auf eine gerichtliche Entscheidung bezieht, deren Verfahren vor dem 01.01.2021 und damit vor Inkrafttreten des Kostenrechts\u00e4nderungsgesetzes 2021 vom 21.12.2020 (BGBl I 2020, 3229) anh\u00e4ngig geworden ist (Nr.&nbsp;6400 des Kostenverzeichnisses, Anlage&nbsp;1 zu \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes; BFH-Beschluss vom 16.02.2022&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;16\/21, X&nbsp;S&nbsp;17\/21&nbsp;(PKH), X&nbsp;S&nbsp;20\/21&nbsp;(PKH), BFH\/NV 2022, 423).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.020623.IXS6.23.0 BFH IX. Senat GG Art 103 Abs 1, FGO \u00a7 96 Abs 2, FGO \u00a7 133a Abs 4 S 4 vorgehend BFH , 11. 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