{"id":75920,"date":"2023-06-26T09:42:17","date_gmt":"2023-06-26T07:42:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75920"},"modified":"2023-06-26T09:42:17","modified_gmt":"2023-06-26T07:42:17","slug":"nichtzulassungsbeschwerde-grundsaetzliche-bedeutung-fortbildung-des-rechts-zurechnung-von-kapitalbeteiligungen-i-s-des-%c2%a7-17-estg-einer-vermoegensverwaltenden-personengesellschaft-bruchteilsb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/nichtzulassungsbeschwerde-grundsaetzliche-bedeutung-fortbildung-des-rechts-zurechnung-von-kapitalbeteiligungen-i-s-des-%c2%a7-17-estg-einer-vermoegensverwaltenden-personengesellschaft-bruchteilsb\/","title":{"rendered":"Nichtzulassungsbeschwerde: grunds\u00e4tzliche Bedeutung, Fortbildung des Rechts, Zurechnung von Kapitalbeteiligungen i.S. des \u00a7 17 EStG einer verm\u00f6gensverwaltenden Personengesellschaft, Bruchteilsbetrachtung &#8211; BFH-Beschluss vom 07. Juni 2023, IX B 83\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.070623.IXB83.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2, EStG \u00a7 17, AO \u00a7 39 Abs 2 Nr 2, AO \u00a7 180 Abs 1 S 1 Nr 2 Buchst a, EStG VZ 2014<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 17. M\u00e4rz 2022, Az: 13 K 13065\/21<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Es ist in der Rechtsprechung des BFH gekl\u00e4rt, dass Kapitalbeteiligungen einer verm\u00f6gensverwaltenden Personengesellschaft den Gesellschaftern der Personengesellschaft f\u00fcr die Bestimmung des Ver\u00e4u\u00dferungstatbestands nach \u00a7 17 EStG anteilig zuzurechnen sind (sog. Bruchteilsbetrachtung).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 17.03.2022 &#8211; 13 K 13065\/21 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist nicht begr\u00fcndet.<\/li><li>Die Voraussetzungen f\u00fcr eine Zulassung der Revision gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) liegen nicht vor. Es ist weder eine Zulassung wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO, dazu unter 1.) noch zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Alternative FGO, dazu unter 2.) oder wegen eines qualifizierten Rechtsanwendungsfehlers (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO, dazu unter 3.) m\u00f6glich.<\/li><li>1. Die Sache hat keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO).<\/li><li>a) Eine Rechtssache hat grunds\u00e4tzliche Bedeutung, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalls ma\u00dfgebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt. Die Rechtsfrage muss kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig und in dem angestrebten Revisionsverfahren kl\u00e4rungsf\u00e4hig sein (vgl. Gr\u00e4ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;115 Rz&nbsp;100, m.w.N.).<\/li><li>b) Dies ist hier nicht der Fall. Die mit der Beschwerde aufgeworfene Frage: &#8222;Darf in einem Rechtsstaat &#8211;&nbsp;welcher die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit zur Ma\u00dfgabe macht&nbsp;&#8211; entgegen dem Gesetz zugunsten einer Einheitsbetrachtung (gemeint: Bruchteilsbetrachtung) abgewichen werden, wenn die einheitliche und gesonderte Feststellung von Eink\u00fcnften gesetzlich gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7&nbsp;180, 179 AO vorgeschrieben ist und Abweichungen hiervon nach dem Gesetz nicht vorgesehen sind?&#8220; geht dahin, ob die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH), wonach ein Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung von Anteilen an Kapitalgesellschaften (\u00a7&nbsp;17 des Einkommensteuergesetzes \u2011\u2011EStG\u2011\u2011) nicht gesondert und einheitlich festgestellt wird, einer gesetzlichen Grundlage entbehrt. Diese Rechtsfrage w\u00e4re in einem Revisionsverfahren nicht kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Denn sie ist in der Rechtsprechung des BFH bereits gekl\u00e4rt. Danach sind Kapitalbeteiligungen einer verm\u00f6gensverwaltenden Personengesellschaft den Gesellschaftern der Personengesellschaft f\u00fcr die Bestimmung des Ver\u00e4u\u00dferungstatbestands nach \u00a7&nbsp;17 EStG anteilig zuzurechnen (sog. Bruchteilsbetrachtung, vgl. BFH-Urteile vom 13.07.1999&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;72\/98, BFHE 190, 87, BStBl II 1999, 820, unter II.1; vom 09.05.2000&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;41\/99, BFHE 192, 273, BStBl II 2000, 686, und vom 01.12.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;21\/17, BFHE 271, 482, BStBl II 2021, 609, Rz&nbsp;39).<\/li><li>Es trifft zu, dass die BFH-Rechtsprechung insofern nicht der zivilrechtlichen Rechtslage folgt. Anders als die Beschwerde annimmt, verst\u00f6\u00dft die Rechtsprechung aber nicht gegen das Gesetz. Sie verletzt insbesondere nicht die Pflicht zur einheitlichen und gesonderten Feststellung von Eink\u00fcnften (\u00a7\u00a7&nbsp;179, 180 der Abgabenordnung \u2011\u2011AO\u2011\u2011). Denn die einheitliche und gesonderte Feststellung von Eink\u00fcnften setzt nach \u00a7&nbsp;180 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO voraus, dass an den Eink\u00fcnften mehrere Personen beteiligt sind und die Eink\u00fcnfte diesen Personen steuerlich zuzurechnen sind. Daran fehlt es, wenn die Eink\u00fcnfte aufgrund der materiell-rechtlich vorrangigen Bruchteilsbetrachtung von jedem Gesellschafter einzeln erzielt werden. Diese Rechtsfolge ergibt sich aus dem Gesetz (\u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO und \u00a7&nbsp;17 EStG). Die Beschwerde f\u00fchrt hierzu keine Argumente an, die eine erneute \u00dcberpr\u00fcfung erforderlich machen.<\/li><li>2. Aus demselben Grund kommt eine Zulassung der Revision zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Alternative FGO) nicht in Betracht. Sie setzt ebenfalls eine kl\u00e4rungsbed\u00fcrftige Rechtsfrage voraus.<\/li><li>3. Die Revision ist auch nicht wegen eines schweren materiellen Rechtsfehlers (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO) des Finanzgerichts (FG) zuzulassen, dessen Fortbestand das Ansehen der Justiz gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Das FG ist der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung gefolgt und nicht davon abgewichen. Von einer gesetzwidrigen oder willk\u00fcrlichen Rechtsprechung kann \u2011\u2011wie dargelegt\u2011\u2011 keine Rede sein.<\/li><li>4. Von einer Darstellung des Sachverhalts und einer weiter gehenden Begr\u00fcndung wird gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO abgesehen.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.070623.IXB83.22.0 BFH IX. Senat FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2, EStG \u00a7 17, AO \u00a7 39 Abs 2 Nr 2, AO \u00a7 180 Abs 1 S 1 Nr 2 Buchst a, EStG VZ 2014 vorgehend Finanzgericht &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/nichtzulassungsbeschwerde-grundsaetzliche-bedeutung-fortbildung-des-rechts-zurechnung-von-kapitalbeteiligungen-i-s-des-%c2%a7-17-estg-einer-vermoegensverwaltenden-personengesellschaft-bruchteilsb\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Nichtzulassungsbeschwerde: grunds\u00e4tzliche Bedeutung, Fortbildung des Rechts, Zurechnung von Kapitalbeteiligungen i.S. des \u00a7 17 EStG einer verm\u00f6gensverwaltenden Personengesellschaft, Bruchteilsbetrachtung &#8211; BFH-Beschluss vom 07. 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