{"id":75946,"date":"2023-06-30T12:53:47","date_gmt":"2023-06-30T10:53:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75946"},"modified":"2023-06-30T12:53:47","modified_gmt":"2023-06-30T10:53:47","slug":"entsprechende-anwendung-von-%c2%a7-127-fgo-im-nichtzulassungsbeschwerdeverfahren-bfh-beschluss-vom-13-juni-2023-viii-b-38-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/entsprechende-anwendung-von-%c2%a7-127-fgo-im-nichtzulassungsbeschwerdeverfahren-bfh-beschluss-vom-13-juni-2023-viii-b-38-22\/","title":{"rendered":"Entsprechende Anwendung von \u00a7 127 FGO im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren &#8211; BFH-Beschluss vom 13. Juni 2023, VIII B 38\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.130623.VIIIB38.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 127, FGO \u00a7 68 S 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG N\u00fcrnberg, 28. Oktober 2021, Az: 4 K 1306\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Ergeht nach Eingang einer zul\u00e4ssigen Beschwerde w\u00e4hrend eines Nichtzulassungsbeschwerdeverfahrens ein ge\u00e4nderter Steuerbescheid mit einer h\u00f6heren Steuerfestsetzung und beruht die Steuerfestsetzung auf Sachverhalten, zu denen das FG noch keine Feststellungen treffen konnte, ist die Vorentscheidung grunds\u00e4tzlich aufzuheben und die Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckzuverweisen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde der Kl\u00e4ger wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts N\u00fcrnberg vom 28.10.2021 &#8211; 4 K 1306\/20 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht N\u00fcrnberg zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Beschwerdeverfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Das Finanzgericht (FG) hat am 28.10.2021 die Klage der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) gegen den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2015 abgewiesen. Streitig war der Ansatz gesch\u00e4tzter Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen in H\u00f6he von jeweils 12.000&nbsp;\u20ac bei den Kl\u00e4gern, die dem gesonderten Tarif gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr 2015 anzuwendenden Fassung (EStG) unterlagen. Nach Erhebung der Nichtzulassungsbeschwerde hat der Beklagte und Beschwerdegegner (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) am 06.07.2022 den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung zu Lasten der Kl\u00e4ger ge\u00e4ndert. Das FA hat nunmehr beim Kl\u00e4ger Kapitaleink\u00fcnfte in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac angesetzt, die dem gesonderten Tarif gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG unterliegen, und f\u00fcr die Kl\u00e4gerin keine Kapitaleink\u00fcnfte mehr erfasst. Laut dem Schriftsatz des FA vom 07.07.2022 beruht der ge\u00e4nderte Ansatz der Kapitaleink\u00fcnfte auf Kontoausz\u00fcgen einer ausl\u00e4ndischen Bank, die beim FA nach Ergehen des FG-Urteils aufgrund eines Amtshilfeersuchens eingegangen sind.<\/li><li>Die Kl\u00e4ger st\u00fctzen ihre Nichtzulassungsbeschwerde auf die Zulassungsgr\u00fcnde der Divergenz gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) und auf das Vorliegen von Verfahrensfehlern gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist mit der Ma\u00dfgabe begr\u00fcndet, dass die Vorentscheidung in entsprechender Anwendung des \u00a7&nbsp;127 FGO aufzuheben und die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen ist.<\/li><li>1. Gegenstand des finanzgerichtlichen Verfahrens war der Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2015 vom 09.03.2017. Dieser Bescheid ist durch den Einkommensteuerbescheid 2015 vom 06.07.2022 ge\u00e4ndert worden. Der ge\u00e4nderte Einkommensteuerbescheid ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;68 Satz&nbsp;1 FGO zum Gegenstand des Beschwerdeverfahrens geworden (vgl. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 12.04.2010&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;115\/09, BFH\/NV 2010, 1829, Rz&nbsp;6; vom 15.10.2008&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;60\/07, BFH\/NV 2009, 205, unter II.1.a; vom 12.04.2016&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;3\/15, BFH\/NV 2016, 1184, Rz&nbsp;4).<\/li><li>2. Das angefochtene Urteil hat nach Ergehen des \u00c4nderungsbescheids keinen Bestand, weil ihm der nicht mehr existierende Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2015 vom 09.03.2017 zugrunde liegt.<\/li><li>3. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;127 FGO kann der BFH das angefochtene Urteil aufheben und die Sache zur erneuten Verhandlung an das FG zur\u00fcckverweisen. Dies ist auch in einem Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren in entsprechender Anwendung der Vorschrift grunds\u00e4tzlich geboten, es sei denn, der \u00c4nderungsbescheid enth\u00e4lt gegen\u00fcber den bisherigen Belastungen keine verb\u00f6sernde Entscheidung oder die \u00c4nderung ist unstreitig, sodass die Entscheidung in einem Revisionsverfahren nicht von weiteren, bisher nicht getroffenen Tatsachenfeststellungen abh\u00e4ngig w\u00e4re (BFH-Beschl\u00fcsse in BFH\/NV 2010, 1829, Rz&nbsp;7, 8; in BFH\/NV 2009, 205, unter II.1.b; in BFH\/NV 2016, 1184, Rz&nbsp;5, 6).<\/li><li>Nach diesen Vorgaben ist das FG-Urteil aufzuheben und die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen. Die genannten Ausnahmef\u00e4lle, in denen eine Zur\u00fcckverweisung unterbleiben kann, liegen nicht vor. Der ge\u00e4nderte Steuerbescheid vom 06.07.2022 hat zu einer verb\u00f6sernden Steuerfestsetzung gef\u00fchrt. Die angesetzten h\u00f6heren Kapitaleink\u00fcnfte beruhen auf ausl\u00e4ndischen Kontoausz\u00fcgen, zu denen das FG keine Feststellungen treffen konnte. Zudem ist die Beschwerde im Streitfall auch nicht unzul\u00e4ssig (vgl. zu einem solchen Fall BFH-Beschluss vom 25.02.2021&nbsp;&#8211; VIII B 6\/20, BFH\/NV 2021, 769).<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.130623.VIIIB38.22.0 BFH VIII. Senat FGO \u00a7 127, FGO \u00a7 68 S 1 vorgehend FG N\u00fcrnberg, 28. 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