{"id":76065,"date":"2023-08-26T11:53:52","date_gmt":"2023-08-26T09:53:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76065"},"modified":"2023-08-26T11:53:52","modified_gmt":"2023-08-26T09:53:52","slug":"anhoerungsruege-keine-verletzung-des-anspruchs-auf-rechtliches-gehoer-bei-teilweisem-verzicht-auf-begruendung-der-entscheidung-ueber-eine-nichtzulassungsbeschwerde-bfh-beschluss-vom-08-august-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/anhoerungsruege-keine-verletzung-des-anspruchs-auf-rechtliches-gehoer-bei-teilweisem-verzicht-auf-begruendung-der-entscheidung-ueber-eine-nichtzulassungsbeschwerde-bfh-beschluss-vom-08-august-2023\/","title":{"rendered":"Anh\u00f6rungsr\u00fcge: Keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r bei teilweisem Verzicht auf Begr\u00fcndung der Entscheidung \u00fcber eine Nichtzulassungsbeschwerde &#8211; BFH-Beschluss vom 08. August 2023, IX S 5\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.080823.IXS5.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 133a, FGO \u00a7 116 Abs 5 S 2 Halbs 2, GG Art 103 Abs 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend BFH , 14. Februar 2023, Az: IX B 1\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Sieht der Bundesfinanzhof (BFH) gem\u00e4\u00df \u00a7 116 Abs. 5 Satz 2 Halbsatz 2 der Finanzgerichtsordnung davon ab, seine Entscheidung \u00fcber die Nichtzulassung der Revision (weiter) zu begr\u00fcnden, gibt dies keinen Anlass zu der Annahme, der BFH habe das Vorbringen der Beteiligten nicht erwogen und deshalb den Anspruch der Beteiligten auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes verletzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge des Kl\u00e4gers gegen den Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 14.02.2023 &#8211; IX B 1\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Verfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge ist unbegr\u00fcndet und durch Beschluss zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 und 3 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;1 FGO ist das Verfahren auf die R\u00fcge eines durch eine gerichtliche Entscheidung beschwerten Beteiligten fortzuf\u00fchren, wenn ein Rechtsmittel oder ein anderer Rechtsbehelf gegen die Entscheidung nicht gegeben ist und das Gericht den Anspruch dieses Beteiligten auf rechtliches Geh\u00f6r in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat.<\/li><li>a) Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO verpflichtet das Gericht unter anderem, die Ausf\u00fchrungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen, in Erw\u00e4gung zu ziehen und sich mit dem entscheidungserheblichen Kern des Vorbringens auseinanderzusetzen. Dabei ist das Gericht naturgem\u00e4\u00df nicht verpflichtet, der Rechtsansicht eines Beteiligten zu folgen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts \u2011\u2011BVerfG\u2011\u2011 vom 11.06.2008&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;2062\/07, Deutsches Verwaltungsblatt 2008, 1056). Das Gericht ist nach Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG auch nicht verpflichtet, sich mit jedwedem Vorbringen des Beteiligten in der Begr\u00fcndung seiner Entscheidung ausdr\u00fccklich zu befassen (Entscheidungen des BVerfG vom 27.05.1970&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;578\/69, BVerfGE 28, 378; vom 10.06.1975&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1086\/74, BVerfGE 40, 101; vom 05.10.1976&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;558\/75, BVerfGE 42, 364 und vom 15.04.1980&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;827\/79, BVerfGE 54, 86). Dies bedeutet, dass im Einzelfall eine Begr\u00fcndung ganz entfallen oder sich das Gericht lediglich mit den seiner Ansicht nach wesentlichen Gesichtspunkten der Begr\u00fcndungsschrift auseinandersetzen kann. Vor diesem Hintergrund ist grunds\u00e4tzlich davon auszugehen, dass das Gericht das von ihm entgegengenommene Vorbringen eines Beteiligten tats\u00e4chlich auch zur Kenntnis genommen und in Erw\u00e4gung gezogen hat (BVerfG-Beschluss vom 15.04.1980&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1365\/78, BVerfGE 54, 43); der Umstand allein, dass sich die Entscheidungsgr\u00fcnde mit einem bestimmten Gesichtspunkt nicht ausdr\u00fccklich auseinandersetzen, rechtfertigt deshalb auch nicht die Annahme, das Gericht habe den Gesichtspunkt unter Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r \u00fcbergangen.<\/li><li>Der Bundesfinanzhof (BFH) ist bei der Entscheidung \u00fcber eine Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision nach Ma\u00dfgabe der Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO befugt, von einer Begr\u00fcndung des Beschlusses abzusehen. Eine hierauf gest\u00fctzte Handhabung gibt keinen Anlass zu der Annahme, der BFH habe das Vorbringen der Beteiligten nicht erwogen. Daher vermag ein Absehen von einer Begr\u00fcndung auch nicht den Anspruch der Beteiligten auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG zu verletzen (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 29.07.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;S&nbsp;8\/14, Rz&nbsp;5, m.w.N. und vom 10.06.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;S&nbsp;7\/15, Rz&nbsp;3).<\/li><li>b) Daran gemessen liegt eine Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs des Kl\u00e4gers, Beschwerdef\u00fchrers und R\u00fcgef\u00fchrers (Kl\u00e4ger) nicht vor. Der erkennende Senat hat den Vortrag des Kl\u00e4gers in der Begr\u00fcndung seiner Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 16.11.2021&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;5009\/20 zur Kenntnis genommen und \u00fcber das Vorbringen des Kl\u00e4gers entschieden. Aus dem Umstand, dass die Beschlussgr\u00fcnde keine detaillierte Befassung mit s\u00e4mtlichen Erw\u00e4gungen der Beschwerdebegr\u00fcndung enthalten (so zum Beispiel die vom Kl\u00e4ger angef\u00fchrte Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren, des Willk\u00fcrverbots und des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r), kann nicht darauf geschlossen werden, der Senat habe diese nicht zur Kenntnis genommen und in Erw\u00e4gung gezogen (vgl. auch BFH-Beschluss vom 07.02.2011&nbsp;&#8211; XI&nbsp;S&nbsp;29\/10, Rz&nbsp;8).<\/li><li>Soweit sich die Ausf\u00fchrungen des Kl\u00e4gers auf die Voraussetzungen f\u00fcr die Annahme eines qualifizierten Rechtsanwendungsfehlers beziehen, legt er zudem nur seine abweichende Rechtsansicht dar. Dass der BFH in diesem Punkt der Auffassung des Kl\u00e4gers nicht gefolgt ist, kann keine Geh\u00f6rsverletzung begr\u00fcnden.<\/li><li>2. Von einer weiteren Begr\u00fcndung wird mit Blick auf \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 FGO abgesehen.<\/li><li>3. F\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Anh\u00f6rungsr\u00fcge wird eine Geb\u00fchr in H\u00f6he von 66&nbsp;\u20ac erhoben (Nr.&nbsp;6400 des Kostenverzeichnisses, Anlage&nbsp;1 zu \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.080823.IXS5.23.0 BFH IX. Senat FGO \u00a7 133a, FGO \u00a7 116 Abs 5 S 2 Halbs 2, GG Art 103 Abs 1 vorgehend BFH , 14. 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