{"id":76067,"date":"2023-08-26T11:54:48","date_gmt":"2023-08-26T09:54:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76067"},"modified":"2023-08-26T11:54:48","modified_gmt":"2023-08-26T09:54:48","slug":"kein-anspruch-auf-besteuerung-der-einkuenfte-aus-vermietung-und-verpachtung-mit-dem-abgeltungsteuertarif-bfh-beschluss-vom-08-august-2023-ix-b-117-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kein-anspruch-auf-besteuerung-der-einkuenfte-aus-vermietung-und-verpachtung-mit-dem-abgeltungsteuertarif-bfh-beschluss-vom-08-august-2023-ix-b-117-22\/","title":{"rendered":"Kein Anspruch auf Besteuerung der Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung mit dem Abgeltungsteuertarif &#8211; BFH-Beschluss vom 08. August 2023, IX B 117\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.080823.IXB117.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 32d Abs 1, GG Art 3 Abs 1, GG Art 100 Abs 1 S 1, EStG \u00a7 21, EStG \u00a7 20, EStG VZ 2017 , EStG VZ 2018<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 17. Februar 2022, Az: 11 K 1708\/21 E<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Besteuerung privater Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen mit einem abgeltenden Sondertarif von 25 % ist in einem Rechtsstreit, in dem der Steuerpflichtige jene Besteuerung aus Gleichheitsgr\u00fcnden f\u00fcr die von ihm erzielten Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung beansprucht, nicht kl\u00e4rungsf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4ger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 17.02.2022 &#8211; 11 K 1708\/21 E wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens haben die Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegr\u00fcndet.<\/li><li>1. Die Revision ist nicht wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zuzulassen. Die von den Kl\u00e4gern und Beschwerdef\u00fchrern (Kl\u00e4ger) formulierte Rechtsfrage, ob die Besteuerung der Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen mit einem gesonderten Tarif von 25&nbsp;% wegen eines Versto\u00dfes gegen den allgemeinen Gleichheitssatz verfassungswidrig sei, ist im vorliegenden Rechtsstreit nicht entscheidungserheblich und damit nicht kl\u00e4rungsf\u00e4hig.<\/li><li>Die Kl\u00e4rungsf\u00e4higkeit der Rechtsfrage fehlt, da die von den Kl\u00e4gern erstrebte Vorlage des Senats an das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) in einem Revisionsverfahren nicht in Betracht k\u00e4me. Bei der Entscheidung des Rechtsstreits k\u00e4me es auf die G\u00fcltigkeit von \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG), der die nach Ansicht der Kl\u00e4ger verfassungswidrige Beg\u00fcnstigung von nicht unter \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;8 EStG fallenden Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen regelt, nicht an.<\/li><li>a) Wenn ein Gericht ein Gesetz, auf dessen G\u00fcltigkeit es bei der Entscheidung ankommt, f\u00fcr verfassungswidrig h\u00e4lt, ist das Verfahren gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 GG auszusetzen und eine Entscheidung des BVerfG einzuholen. Auf die G\u00fcltigkeit der vorgelegten Rechtsnorm kommt es im Sinne einer Entscheidungserheblichkeit nur dann an, wenn das Prozessgericht f\u00fcr den Fall der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Norm zu einer anderen Entscheidung k\u00e4me als bei ihrer Verfassungswidrigkeit (statt vieler BVerfG-Urteil vom 27.06.1991&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;3\/89, BVerfGE 84, 233, unter B.1.).<\/li><li>Beanstandet der Rechtsmittelf\u00fchrer \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 die Vorenthaltung einer gesetzlichen Beg\u00fcnstigung als gleichheitswidrig, setzt die Entscheidungserheblichkeit einer konkreten Normenkontrolle voraus, dass die Feststellung der Verfassungswidrigkeit der zur Pr\u00fcfung gestellten Norm f\u00fcr den Rechtsmittelf\u00fchrer die Chance offenh\u00e4lt, eine f\u00fcr ihn g\u00fcnstigere Regelung durch den Gesetzgeber zu erreichen. Hieran fehlt es, wenn der Gesetzgeber an der Schaffung einer f\u00fcr den Rechtsmittelf\u00fchrer g\u00fcnstigeren Regelung aus Rechtsgr\u00fcnden oder aus offenkundigen sachlichen Gr\u00fcnden gehindert ist (BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 08.12.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;1\/13, BVerfGE 160, 41, Rz&nbsp;46&nbsp;f. sowie vom 26.07.2010&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR 2227\/08, 2&nbsp;BvR&nbsp;2228\/08, Rz&nbsp;9; vgl. auch Urteile des Bundesfinanzhofs vom 11.09.2008&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;13\/06, BFHE 223, 39, BStBl II 2008, 928, unter C.II.1. und 2. und vom 31.08.2010&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;11\/08, BFHE 230, 486, BStBl II 2011, 72, Rz&nbsp;24).<\/li><li>b) Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben w\u00fcrde der Senat in einem Revisionsverfahren die angefochtene Entscheidung selbst dann best\u00e4tigen, wenn \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG wegen einer Verletzung des allgemeinen Gleichheitssatzes gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG vom BVerfG f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt werden sollte. Die von den Kl\u00e4gern erstrebte Einbeziehung der Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung in den aus ihrer Sicht g\u00fcnstigeren proportionalen Einkommensteuertarif von 25&nbsp;% w\u00e4re ausgeschlossen. Der Gesetzgeber w\u00e4re jedenfalls aus offenkundigen sachlichen Gr\u00fcnden gehindert, jene Eink\u00fcnfte entsprechend zu besteuern. Die von ihm seinerzeit angef\u00fchrte Begr\u00fcndung, die Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen \u2011\u2011ausnahmsweise\u2011\u2011 mit einem abgeltenden Sondertarif zu besteuern (vgl. BTDrucks 16\/4841, S.&nbsp;1, 60), ist auf die Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung unter keinem Gesichtspunkt \u00fcbertragbar. Die Ansicht der Kl\u00e4ger, sie w\u00fcrden bis zu einer etwaigen Neuregelung durch den Gesetzgeber eine den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen entsprechende Besteuerung ihrer Vermietungseink\u00fcnfte beanspruchen k\u00f6nnen, hat weder einfachgesetzlich noch verfassungsrechtlich eine Grundlage.<\/li><li>c) Auf die von den Kl\u00e4gern in ihren Beschwerdebegr\u00fcndungen ausf\u00fchrlich dargelegten Einwendungen gegen die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Besteuerung privater Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen kommt es somit vorliegend nicht an.<\/li><li>2. Von einer Darstellung des Sachverhalts und einer weiter gehenden Begr\u00fcndung hat der Senat abgesehen (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO).<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.080823.IXB117.22.0 BFH IX. 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