{"id":76075,"date":"2023-08-26T12:00:54","date_gmt":"2023-08-26T10:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76075"},"modified":"2023-08-26T12:00:54","modified_gmt":"2023-08-26T10:00:54","slug":"pauschalierung-der-lohnsteuer-fuer-geringfuegig-beschaeftigte-bfh-beschluss-vom-09-august-2023-vi-b-1-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/pauschalierung-der-lohnsteuer-fuer-geringfuegig-beschaeftigte-bfh-beschluss-vom-09-august-2023-vi-b-1-23\/","title":{"rendered":"Pauschalierung der Lohnsteuer f\u00fcr geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte &#8211; BFH-Beschluss vom 09. August 2023, VI B 1\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.090823.VIB1.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 40a Abs 2, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3, SGB 4 \u00a7 7, SGB 4 \u00a7 8 Abs 1 Nr 1, SGB 4 \u00a7 8a<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend S\u00e4chsisches Finanzgericht , 13. Dezember 2022, Az: 3 K 524\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Die Pauschalierung der Lohnsteuer nach \u00a7 40a Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes f\u00fcr das Arbeitsentgelt aus geringf\u00fcgigen Besch\u00e4ftigungen im Sinne des \u00a7 8 Abs. 1 Nr. 1 des Vierten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB IV) oder des \u00a7 8a SGB IV setzt eine sozialversicherungsrechtliche Besch\u00e4ftigung gem\u00e4\u00df \u00a7 7 SGB IV voraus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des S\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 13.12.2022 &#8211; 3 K 524\/22 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) ist unzul\u00e4ssig und durch Beschluss zu verwerfen (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Die Kl\u00e4gerin hat die geltend gemachten Revisionszulassungsgr\u00fcnde nicht den Anforderungen des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO entsprechend dargelegt.<\/li><li>1. Die Revision ist nicht wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) oder zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO) zuzulassen.<\/li><li>a) Die Darlegung des Zulassungsgrundes der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) oder der Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO) als Unterfall des Zulassungsgrundes der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung verlangt substantiierte Ausf\u00fchrungen zur Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit einer hinreichend bestimmten Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich kl\u00e4rbar und deren Beurteilung zweifelhaft oder umstritten ist (Senatsbeschluss vom 12.05.2022&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;73\/21, Rz&nbsp;3). Hierzu muss sich der Beschwerdef\u00fchrer mit der Rechtsprechung des BFH und den \u00c4u\u00dferungen im Schrifttum auseinandersetzen. Insbesondere sind Ausf\u00fchrungen dazu erforderlich, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr\u00fcnden die Beantwortung der Rechtsfrage zweifelhaft und umstritten ist. Sofern zu dem Problemkreis Rechtsprechung und \u00c4u\u00dferungen im Fachschrifttum vorhanden sind, sind eine grundlegende Auseinandersetzung damit sowie eine Er\u00f6rterung geboten, warum durch diese Entscheidungen die Rechtsfrage noch nicht als gekl\u00e4rt anzusehen ist beziehungsweise weshalb sie gegebenenfalls einer weiteren oder erneuten Kl\u00e4rung bedarf (z.B. Senatsbeschluss vom 31.03.2022&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;88\/21, Rz&nbsp;3).<\/li><li>b) Danach kommt eine Revisionszulassung wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung oder zur Fortbildung des Rechts im Streitfall nicht in Betracht.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin misst sinngem\u00e4\u00df der Frage grunds\u00e4tzliche Bedeutung bei, ob das Vorliegen einer Besch\u00e4ftigung im Sinne von \u00a7&nbsp;7 des Vierten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;IV) Voraussetzung f\u00fcr eine Pauschalierung der Lohnsteuer nach \u00a7&nbsp;40a Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ist. Sie legt aber nicht dar, aus welchen Gr\u00fcnden die Beantwortung dieser Frage zweifelhaft oder umstritten ist. Der von der Kl\u00e4gerin vorgetragene Umstand, die herausgestellte Rechtsfrage sei f\u00fcr eine erhebliche Anzahl von F\u00e4llen bedeutsam, rechtfertigt f\u00fcr sich allein die Zulassung der Revision nicht (s. BFH-Beschluss vom 04.12.2007&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;42\/07, BFH\/NV 2008, 802).<\/li><li>Gleiches gilt f\u00fcr den Hinweis, das Finanzgericht (FG) Baden-W\u00fcrttemberg habe in einem anderen Verfahren (Urteil vom 21.07.2015&nbsp;&#8211; 11&nbsp;K&nbsp;3633\/13, Entscheidungen der Finanzgerichte \u2011\u2011EFG\u2011\u2011 2015, 2074) diese Rechtsfrage als grunds\u00e4tzlich bedeutsam eingeordnet. Die Bezugnahme auf eine finanzgerichtliche Zulassungsentscheidung l\u00e4sst das Erfordernis der Darlegung des Zulassungsgrundes im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde in der Regel nicht entfallen, weil das FG seine Zulassungsentscheidung anders als ein Beschwerdef\u00fchrer im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde als prozessuale Nebenentscheidung nicht zu begr\u00fcnden braucht (s. BFH-Beschluss vom 05.06.2013&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;116\/12, Rz&nbsp;35).<\/li><li>c) Dar\u00fcber hinaus ist die von der Kl\u00e4gerin aufgeworfene Rechtsfrage auch offensichtlich so zu beantworten, wie es das FG getan hat.<\/li><li>Voraussetzung f\u00fcr eine Pauschalversteuerung nach \u00a7&nbsp;40a Abs.&nbsp;2 EStG ist unter anderem das Vorliegen von Arbeitsentgelt aus geringf\u00fcgigen Besch\u00e4ftigungen im Sinne des \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 SGB&nbsp;IV oder des \u00a7&nbsp;8a SGB&nbsp;IV. Beide Vorschriften setzen das Bestehen einer sozialversicherungsrechtlichen Besch\u00e4ftigung voraus. Der Begriff der Besch\u00e4ftigung wird f\u00fcr s\u00e4mtliche Zweige des Sozialversicherungsrechts in \u00a7&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;IV definiert (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 20.05.1996&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;21\/96). Ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der zugleich alleiniger Gesellschafter ist, erf\u00fcllt die in \u00a7&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;IV genannten Voraussetzungen grunds\u00e4tzlich nicht (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. Urteil des Bundessozialgerichts vom 03.04.2014&nbsp;&#8211; B&nbsp;2&nbsp;U&nbsp;26\/12&nbsp;R, Rz&nbsp;16, m.w.N.).<\/li><li>Diese Auffassung entspricht auch der allgemeinen Auffassung im Schrifttum (s. Bull in Fuhrmann\/Kraeusel\/Schiffers, eKomm Ab VZ 2020, \u00a7&nbsp;40a EStG Rz&nbsp;14 (Aktualisierung v. 23.09.2022); Haversath in Wagner, Lohnsteuer, I Rz&nbsp;63; Schmidt\/Kr\u00fcger, EStG, 42.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;40a Rz&nbsp;4; Seifert in Korn, \u00a7&nbsp;40a EStG Rz&nbsp;14; Brandis\/Heuermann\/Th\u00fcrmer, \u00a7&nbsp;40a EStG Rz&nbsp;61) und der finanzgerichtlichen Rechtsprechung (FG M\u00fcnster, Beschluss vom 02.06.2022&nbsp;&#8211; 9&nbsp;V&nbsp;1110\/22&nbsp;E; FG Baden-W\u00fcrttemberg, Urteil vom 21.07.2015&nbsp;&#8211; 11&nbsp;K&nbsp;3633\/13, EFG 2015, 2074 und FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 27.02.2014&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;1485\/11, EFG 2014, 961).<\/li><li>2. Die Revision ist schlie\u00dflich nicht nach \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO zuzulassen. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r hat die Kl\u00e4gerin nicht schl\u00fcssig dargelegt. Sie behauptet lediglich, das FG habe sich mit ihren Argumenten nicht auseinandergesetzt. Umst\u00e4nde, aus denen sich dies ergeben soll, tr\u00e4gt sie jedoch nicht vor. Solche sind auch nicht erkennbar. Allein aus dem Umstand, dass das FG der Rechtsansicht der Kl\u00e4gerin im Ergebnis nicht folgt, l\u00e4sst sich nicht schlie\u00dfen, dass es ihr Vorbringen nicht zur Kenntnis genommen hat (s. Senatsbeschluss vom 31.08.2015&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;14\/15 Rz&nbsp;11).<\/li><li>3. Mit ihren Ausf\u00fchrungen wendet sich die Kl\u00e4gerin im Kern gegen die materielle Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Urteils. Der Vortrag, das Urteil der Vorinstanz sei rechtsfehlerhaft, rechtfertigt die Zulassung der Revision indessen nicht. Denn die R\u00fcge der falschen Rechtsanwendung und tats\u00e4chlichen W\u00fcrdigung des Streitfalls durch das FG ist im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren \u2011\u2011von im Streitfall nicht gegebenen Ausnahmef\u00e4llen abgesehen\u2011\u2011 grunds\u00e4tzlich unbeachtlich (Senatsbeschluss vom 11.05.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;105\/16, Rz&nbsp;14).<\/li><li>4. Von der Darstellung des Sachverhalts und einer weiteren Begr\u00fcndung wird abgesehen (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO).<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.090823.VIB1.23.0 BFH VI. 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