{"id":76152,"date":"2023-09-24T13:18:06","date_gmt":"2023-09-24T11:18:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76152"},"modified":"2023-09-24T13:18:06","modified_gmt":"2023-09-24T11:18:06","slug":"wegfall-des-rechtsschutzbeduerfnisses-fuer-eine-beschwerde-gegen-eine-entscheidung-gemaess-%c2%a7-74-der-finanzgerichtsordnung-fgo-bfh-beschluss-vom-06-september-2023-ix-b-14-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wegfall-des-rechtsschutzbeduerfnisses-fuer-eine-beschwerde-gegen-eine-entscheidung-gemaess-%c2%a7-74-der-finanzgerichtsordnung-fgo-bfh-beschluss-vom-06-september-2023-ix-b-14-23\/","title":{"rendered":"Wegfall des Rechtsschutzbed\u00fcrfnisses f\u00fcr eine Beschwerde gegen eine Entscheidung gem\u00e4\u00df \u00a7 74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) &#8211; BFH-Beschluss vom 06. September 2023, IX B 14\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.060923.IXB14.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 74<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 16. Januar 2023, Az: 16 K 16150\/21<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr eine Beschwerde gegen einen die Aussetzung des Verfahrens gem\u00e4\u00df \u00a7 74 FGO ablehnenden Beschluss entf\u00e4llt aufgrund &#8222;prozessualer \u00dcberholung&#8220; auch dann, wenn das Finanzgericht zwischenzeitlich in dem Verfahren, dessen Aussetzung begehrt wird, durch Urteil entschieden hat und hiergegen ein Rechtsmittel beim Bundesfinanzhof eingelegt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers gegen den Beschluss des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 16.01.2023 &#8211; 16 K 16150\/21 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) f\u00fchrte beim Finanzgericht (FG) ein Klageverfahren, in dem er zun\u00e4chst ausschlie\u00dflich einen Anspruch gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) geltend machte. Sp\u00e4ter erweiterte er seine Klage um einen Schadensersatzanspruch (Art.&nbsp;82 Abs.&nbsp;1 DSGVO). Das FG trennte die Schadensersatzklage ab und verwies diese zust\u00e4ndigkeitshalber an das Landgericht \u2026 (LG). Die \u00fcbrige Klage wies es ab. Die hiergegen gerichtete Revision ist beim erkennenden Senat anh\u00e4ngig (IX&nbsp;R&nbsp;35\/21).<\/li><li>Nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) den Verweisungsbeschluss an das LG aufgehoben hatte (II&nbsp;B&nbsp;93\/21), beantragte der Kl\u00e4ger beim FG die Aussetzung des Verfahrens betreffend Schadensersatz (\u00a7&nbsp;74 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Er f\u00fchrte unter anderem an, das Revisionsverfahren IX&nbsp;R&nbsp;35\/21 sei ein f\u00fcr den Schadensersatzanspruch vorgreifliches Rechtsverh\u00e4ltnis. Das FG lehnte die Aussetzung mit dem vorliegend angegriffenen Beschluss vom 16.01.2023 ab.<\/li><li>Mit Urteil vom 01.03.2023 wies das FG auch die Schadensersatzklage ab. Der Kl\u00e4ger hat hiergegen am 21.06.2023 Revision eingelegt (IX&nbsp;R&nbsp;17\/23).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde hat keinen Erfolg; sie ist unzul\u00e4ssig.<\/li><li>1. Der Senat kann im vorliegenden Verfahren nicht mehr dar\u00fcber befinden, ob der angefochtene Beschluss, das seinerzeit beim FG anh\u00e4ngige Klageverfahren wegen Schadensersatz (16&nbsp;K&nbsp;16150\/21) nicht nach \u00a7&nbsp;74 FGO auszusetzen, rechtm\u00e4\u00dfig war. Das f\u00fcr eine Sachentscheidung \u00fcber die Beschwerde erforderliche Rechtsschutzbed\u00fcrfnis ist entfallen.<\/li><li>a) In der Rechtsprechung ist gekl\u00e4rt, dass das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr eine gegen die Ablehnung der Aussetzung eines Verfahrens gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 FGO gerichtete Beschwerde jedenfalls dann entf\u00e4llt, wenn das FG \u00fcber das Verfahren, dessen Aussetzung begehrt wird, mittlerweile entschieden hat und diese Entscheidung rechtskr\u00e4ftig geworden ist. In einem solchen Fall der &#8222;prozessualen \u00dcberholung&#8220; ist es dem BFH als Beschwerdegericht unm\u00f6glich geworden, den die Aussetzung ablehnenden Beschluss \u2011\u2011sollte er fehlerhaft sein\u2011\u2011 aufzuheben und das Verfahren beim FG in den Stand vor Ergehen des ablehnenden Beschlusses zur\u00fcckzuversetzen (st\u00e4ndige Rechtsprechung: so bereits Senatsbeschluss vom 12.10.1988&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;111\/86, juris; nachfolgend u.a. BFH-Beschl\u00fcsse vom 25.11.1992&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;75\/92, juris; vom 08.12.1992&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;153\/92, juris; vom 09.12.1992&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;155\/90, BFH\/NV 1993, 426; vom 10.10.2002&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;269\/01, BFH\/NV 2003, 77 sowie vom 24.10.2011&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;28\/11, Rz&nbsp;8&nbsp;f.).<\/li><li>b) Im Ergebnis Gleiches gilt bei einer noch nicht rechtskr\u00e4ftigen Entscheidung der Vorinstanz. Denn das mit der Beschwerde verfolgte Ziel, das Klageverfahren ohne Sachentscheidung des FG durch eine Aussetzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 FGO zum Ruhen zu bringen, kann nach Ergehen eines Urteils in der Hauptsache nicht mehr erreicht werden (vgl. Senatsbeschluss vom 09.10.1991&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;111\/90, juris; ggf. a.A. Brandis in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;18). Ob dem FG insoweit ein Verfahrensfehler unterlaufen ist, l\u00e4sst sich nur noch im Rechtsmittelverfahren gegen die Hauptsacheentscheidung \u2011\u2011vorliegend somit im Rahmen der anh\u00e4ngigen Revision IX&nbsp;R&nbsp;17\/23\u2011\u2011 \u00fcberpr\u00fcfen. Ein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis, diese Frage (auch) zum Gegenstand des Beschwerdeverfahrens gegen den die Aussetzung ablehnenden Beschluss zu machen, besteht nicht mehr.<\/li><li>c) Hiergegen spricht nicht, dass ein gesonderter Beschluss \u00fcber die Ablehnung der Aussetzung im vorbereitenden Verfahren (\u00a7&nbsp;79a Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO) grunds\u00e4tzlich mit der Beschwerde angefochten werden muss, um in einer nachfolgenden Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil in der Hauptsache eine Verletzung der Grundordnung des Verfahrens r\u00fcgen zu k\u00f6nnen (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 10.10.2002&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;269\/01, BFH\/NV 2003, 77 sowie vom 10.05.2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;90\/12, Rz&nbsp;13&nbsp;ff.).<\/li><li>Zum einen ist im vorliegenden Rechtsstreit die Revision statthaftes Rechtsmittel; ein Versto\u00df gegen die Grundordnung des Verfahrens wegen einer fehlerhaften Entscheidung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 FGO wird dort von Amts wegen gepr\u00fcft (BFH-Beschluss vom 28.02.2001&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;41\/99, BFHE 194, 317, BStBl II 2001, 416, unter 1.b; Werth in Gosch, FGO \u00a7&nbsp;118 Rz&nbsp;90). Zum anderen entfiele auch bei einer nicht im FG-Urteil zugelassenen Revision das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr eine Beschwerde gegen einen die Aussetzung ablehnenden Beschluss, sobald das Rechtsmittel der Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt worden ist (zutreffend Th\u00fcrmer in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;212).<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.060923.IXB14.23.0 BFH IX. Senat FGO \u00a7 74 vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 16. 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