{"id":76237,"date":"2023-11-04T17:39:53","date_gmt":"2023-11-04T15:39:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76237"},"modified":"2023-11-04T17:39:53","modified_gmt":"2023-11-04T15:39:53","slug":"aussetzungsverfahren-verfassungs-und-unionsrechtsmaessigkeit-von-saeumniszuschlaegen-bfh-beschluss-vom-16-oktober-2023-v-b-49-22-adv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/aussetzungsverfahren-verfassungs-und-unionsrechtsmaessigkeit-von-saeumniszuschlaegen-bfh-beschluss-vom-16-oktober-2023-v-b-49-22-adv\/","title":{"rendered":"Aussetzungsverfahren: Verfassungs- und Unionsrechtsm\u00e4\u00dfigkeit von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen &#8211; BFH-Beschluss vom 16. Oktober 2023, V B 49\/22 (AdV)"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:BA.161023.VB49.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH V. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 69, AO \u00a7 227, AO \u00a7 240<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 06. Mai 2022, Az: 12 V 53\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Bei summarischer Pr\u00fcfung bestehen nach den Urteilen des Bundesfinanzhofs vom 23.08.2022 &#8211; VII R 21\/21 (BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304) und vom 15.11.2022 &#8211; VII R 55\/20 (BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621) keine ernstlichen Zweifel mehr an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit verwirkter S\u00e4umniszuschl\u00e4ge, auch soweit diese nach dem 31.12.2018 entstanden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Ernstliche Zweifel an der H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge ergeben sich auch nicht aus den unionsrechtlichen Grunds\u00e4tzen des \u00c4quivalenz-, Effizienz-, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeits- und Neutralit\u00e4tsprinzips.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 06.05.2022 &#8211; 12 V 53\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde des Antragsgegners wird der Beschluss des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 06.05.2022 &#8211; 12 V 53\/22 insoweit aufgehoben, als Aussetzung oder Aufhebung der Vollziehung gew\u00e4hrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antrag des Antragstellers auf Aussetzung und Aufhebung der Vollziehung der Abrechnungsbescheide \u00fcber S\u00e4umniszuschl\u00e4ge zur Umsatzsteuer 2015 bis 2021 wird insgesamt abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Antragsteller zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der in den Abrechnungsbescheiden zur Umsatzsteuer 2015 bis 2021 ausgewiesenen (verwirkten) S\u00e4umniszuschl\u00e4ge.<\/li><li>Auf Antrag des Beschwerdef\u00fchrers, Beschwerdegegners und Antragstellers (Antragsteller) erlie\u00df der Beschwerdegegner, Beschwerdef\u00fchrer und Antragsgegner (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) am 11.11.2021 Abrechnungsbescheide (\u00a7&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung \u2011\u2011AO\u2011\u2011) \u00fcber die zur Umsatzsteuer 2015 bis 2021 verwirkten S\u00e4umniszuschl\u00e4ge.<\/li><li>Der Antragsteller legte gegen diese Abrechnungsbescheide fristgerecht Einspruch ein und beantragte gleichzeitig deren Aussetzung der Vollziehung (AdV). Das FA lehnte sowohl die Aussetzung als auch \u2011\u2011soweit S\u00e4umniszuschl\u00e4ge bereits beglichen waren\u2011\u2011 die Aufhebung der Vollziehung mit Bescheid vom 04.01.2022 ab und teilte dem Antragsteller mit, dass die jeweiligen Einspr\u00fcche wegen des beim Bundesfinanzhof (BFH) anh\u00e4ngigen Revisionsverfahrens VII&nbsp;R&nbsp;55\/20 ruhten.<\/li><li>Hierauf beantragte der Antragsteller am 06.01.2022 beim Finanzgericht (FG) die Aussetzung und Aufhebung der Vollziehung der Abrechnungsbescheide in voller H\u00f6he und verwies zur Begr\u00fcndung auf den BFH-Beschluss vom 31.08.2021&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;69\/21&nbsp;(AdV) (nicht ver\u00f6ffentlicht \u2011\u2011n.v.\u2011\u2011) sowie die Spruchpraxis des FG M\u00fcnster. Dar\u00fcber hinaus sei die Erhebung der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge auch aus europarechtlichen Gr\u00fcnden rechtswidrig.<\/li><li>Das FA \u00e4nderte den Abrechnungsbescheid \u00fcber S\u00e4umniszuschl\u00e4ge zur Umsatzsteuer 2018 mit Bescheid vom 27.04.2022, so dass zuletzt in den Abrechnungsbescheiden verwirkte S\u00e4umniszuschl\u00e4ge in H\u00f6he von 115,50&nbsp;\u20ac (2015), 117&nbsp;\u20ac (2016), 47&nbsp;\u20ac (2017), 80,50&nbsp;\u20ac (2018), 142&nbsp;\u20ac (2019), 35,50&nbsp;\u20ac (2020) und 55&nbsp;\u20ac (2021) ausgewiesen wurden.<\/li><li>Das FG gab dem Antrag des Antragstellers mit Beschluss vom 06.05.2022 wegen ernstlicher verfassungsrechtlicher Zweifel hinsichtlich der nach dem 31.12.2018 verwirkten S\u00e4umniszuschl\u00e4ge in H\u00f6he von 3,50&nbsp;\u20ac (Abrechnungsbescheid \u00fcber S\u00e4umniszuschl\u00e4ge zur Umsatzsteuer 2017), von 36,50&nbsp;\u20ac (Abrechnungsbescheid \u00fcber S\u00e4umniszuschl\u00e4ge zur Umsatzsteuer 2018) und in jeweils voller H\u00f6he (Abrechnungsbescheide \u00fcber S\u00e4umniszuschl\u00e4ge zur Umsatzsteuer 2019 bis 2021) statt und lehnte den Antrag im \u00dcbrigen (hinsichtlich der vor dem 31.12.2018 verwirkten S\u00e4umniszuschl\u00e4ge) ab.<\/li><li>Gegen den Beschluss haben sowohl der Antragsteller als auch das FA die vom FG zugelassene Beschwerde eingelegt. Beiden Beschwerden hat das FG nicht abgeholfen.<\/li><li>Der Antragsteller erg\u00e4nzt sein bisheriges Vorbringen dahingehend, dass die zu pr\u00fcfenden Rechtsfragen ungekl\u00e4rt und unionsrechtlich sowie verfassungsrechtlich zweifelhaft seien. Eine Kl\u00e4rung k\u00f6nne im Aussetzungsverfahren nicht vorgenommen werden. Nach der BFH-Rechtsprechung sei davon auszugehen, dass S\u00e4umniszuschl\u00e4ge einen Zinsanteil enthielten und dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Vollverzinsung hinsichtlich des Zinsanteils auf die S\u00e4umniszuschl\u00e4ge ausstrahle. Dar\u00fcber hinaus versto\u00dfe die H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge von 12&nbsp;%&nbsp;per annum gegen den unionsrechtlichen Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsgrundsatz.<\/li><li>Der Antragsteller beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>den Beschluss des FG insoweit aufzuheben, als darin AdV versagt wird, und AdV in voller H\u00f6he zu gew\u00e4hren.<\/li><li>Das FA beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>den Beschluss des FG insoweit aufzuheben, als das FG AdV gew\u00e4hrt hat, und den AdV-Antrag insgesamt abzulehnen.<\/li><li>\u00a7&nbsp;240 AO sei verfassungsgem\u00e4\u00df. Der Vorschrift lasse sich kein fester, typisierter Zinssatz entnehmen. Sie sei \u2011\u2011auch unionsrechtlich\u2011\u2011 verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, da beispielsweise das Entstehen von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen vom Verhalten des Steuerpflichtigen abhinge und eine Einzelfallpr\u00fcfung im Erlassverfahren erfolgen k\u00f6nne.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde des FA gegen den Beschluss des FG ist begr\u00fcndet, die des Antragstellers dagegen unbegr\u00fcndet. Der Beschluss des FG ist insoweit aufzuheben, als es dem Antragsteller AdV gew\u00e4hrt hat und der Antrag ist insgesamt abzulehnen. Nach den BFH-Urteilen vom 23.08.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;21\/21 (BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304) und vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;55\/20 (BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621) bestehen keine ernstlichen Zweifel mehr im Hinblick auf die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit verwirkter S\u00e4umniszuschl\u00e4ge, auch soweit diese nach dem 31.12.2018 entstanden sind.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;128 Abs.&nbsp;3 i.V.m. \u00a7&nbsp;69 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ist die Vollziehung eines angefochtenen Verwaltungsakts ganz oder teilweise auszusetzen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angefochtenen Verwaltungsakts bestehen oder wenn die Vollziehung f\u00fcr den Betroffenen eine unbillige H\u00e4rte zur Folge h\u00e4tte.<\/li><li>Ernstliche Zweifel im Sinne von \u00a7&nbsp;69 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO liegen bereits dann vor, wenn bei summarischer Pr\u00fcfung des angefochtenen Bescheides neben f\u00fcr seine Rechtm\u00e4\u00dfigkeit sprechenden Umst\u00e4nden gewichtige Gr\u00fcnde zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung von Rechtsfragen oder Unklarheit in der Beurteilung entscheidungserheblicher Tatfragen bewirken (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 30.03.2021&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;63\/20&nbsp;(AdV), BFH\/NV 2021, 1212 und vom 08.04.2009&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;223\/08, BFH\/NV 2009, 1437). Die Entscheidung hier\u00fcber ergeht bei der im AdV-Verfahren gebotenen summarischen Pr\u00fcfung aufgrund des Sachverhalts, der sich aus dem Vortrag der Beteiligten und der Aktenlage ergibt (vgl. BFH-Beschluss vom 07.09.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;157\/10, BFHE 235, 215, BStBl II 2012, 590, Rz&nbsp;12, m.w.N.). Zur Gew\u00e4hrung der AdV ist es nicht erforderlich, dass die f\u00fcr die Rechtswidrigkeit sprechenden Gr\u00fcnde im Sinne einer Erfolgswahrscheinlichkeit \u00fcberwiegen (BFH-Beschluss in BFHE 235, 215, BStBl II 2012, 590, Rz&nbsp;12). Ernstliche Zweifel k\u00f6nnen auch verfassungsrechtliche Zweifel hinsichtlich einer dem angefochtenen Verwaltungsakt zugrunde liegenden Norm sein (vgl. BFH-Beschluss vom 04.07.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;128\/18, BFH\/NV 2019, 1060, Rz&nbsp;12) oder sich aus einem m\u00f6glichen Versto\u00df des Steuergesetzes gegen eine unionsrechtliche Bestimmung ergeben (vgl. BFH-Beschluss vom 12.12.2013&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;88\/13, BFH\/NV 2014, 550, Rz&nbsp;15).<\/li><li>2. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Grunds\u00e4tze bestehen im Streitfall keine ernstlichen Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der insgesamt verwirkten S\u00e4umniszuschl\u00e4ge.<\/li><li>a) Der Senat hat zwar im Hinblick auf den Beschluss des VII.&nbsp;Senats des BFH vom 31.08.2021&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;69\/21&nbsp;(AdV) (n.v.) seinerseits f\u00fcr Entstehungszeitr\u00e4ume nach dem 31.12.2018 AdV gew\u00e4hrt (BFH-Beschluss vom 23.05.2022&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;4\/22&nbsp;(AdV), BFHE 276, 535).<\/li><li>b) Der VII.&nbsp;Senat des BFH hat aber nunmehr in zwei Hauptsacheverfahren verfassungsrechtliche Zweifel an der H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge nach \u00a7&nbsp;240 AO verneint (BFH-Urteile vom 23.08.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;21\/21, BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304 und vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;55\/20, BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621).<\/li><li>Er begr\u00fcndet dies insbesondere damit, dass die Absch\u00f6pfung von Liquidit\u00e4tsvorteilen nicht Haupt-, sondern nur Nebenzweck sei (BFH-Urteile in BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621, Rz&nbsp;23 und in BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304, Rz&nbsp;32&nbsp;f.), und sich beim S\u00e4umniszuschlag kein konkreter Anteil bestimmen lasse, der als Zins behandelt werden k\u00f6nne. Ein derartiger Anteil ergebe sich auch nicht aus der bisherigen Rechtsprechung des BFH, die im Rahmen der Ermessensentscheidung \u00fcber einen Billigkeitserlass von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen bei Zahlungsunf\u00e4higkeit dem Druckmittelcharakter der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge einen Anteil von 50&nbsp;% zugemessen habe. Aus einer Aufteilung des S\u00e4umniszuschlags im Rahmen der Gew\u00e4hrung einer Billigkeitsma\u00dfnahme k\u00f6nne nicht generell ein fester Zinsanteil hergeleitet werden. Aus dieser Rechtsprechung folge auch nicht, dass der S\u00e4umniszuschlag anteilig als Zins anzusehen sei. Vielmehr wurde in dem Fall, in dem auf Antrag eine Stundung der Steuer m\u00f6glich oder geboten gewesen w\u00e4re, ein Teilerlass als ermessensgerecht angesehen, da dadurch der Nebenzweck der Gegenleistung ber\u00fccksichtigt werde (BFH-Urteil vom 26.04.1988&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;127\/85, BFH\/NV 1989, 71, unter II.). Dabei seien als Ma\u00dfstab f\u00fcr den Teilerlass die Stundungs- oder Aussetzungszinsen herangezogen worden, um eine Gleichbehandlung von vergleichbaren Sachverhalten dergestalt sicherzustellen, dass der s\u00e4umige Schuldner jedenfalls in der H\u00f6he durch S\u00e4umniszuschl\u00e4ge belastet bleibe, in der im Falle der Aussetzung oder Stundung Zinsen angefallen w\u00e4ren (BFH-Urteil vom 29.08.1991&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;78\/86, BFHE 165, 178, BStBl II 1991, 906, unter B.II.2.b). Der h\u00e4lftige Erlass beruhe somit nicht auf der Annahme, der Zinscharakter der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge sei mit einem bestimmbaren Anteil in einer konkreten H\u00f6he anzusetzen. Lasse sich \u00a7&nbsp;240 AO ein fester und typisierender Zinssatz nicht entnehmen und komme der Norm f\u00fcr die nicht rechtzeitige Leistung der geschuldeten Steuern lediglich als Nebenzweck auch eine Zinsfunktion zu, fehle es jedenfalls an einer festen Gr\u00f6\u00dfe eines Zinssatzes, die auf ihre Angemessenheit hin \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nne. Somit scheide eine anteilige Behandlung des S\u00e4umniszuschlags als Zins aus. Auf dieser Grundlage k\u00f6nne sich eine Verfassungswidrigkeit nur aus der H\u00f6he von einem Prozent f\u00fcr jeden angefangenen Monat der S\u00e4umnis ergeben. Diese H\u00f6he sei allerdings bereits zur Erzwingung der rechtzeitigen Zahlung der f\u00e4lligen Steuer und zur Abgeltung des Verwaltungsaufwands verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und daher verfassungsrechtlich unbedenklich. Unbilligen H\u00e4rten im Einzelfall k\u00f6nne durch einen (Teil-)Erlass nach \u00a7&nbsp;227 AO begegnet werden (BFH-Urteile in BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304, Rz&nbsp;50 bis 54 und in BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621, Rz&nbsp;40 bis 44).<\/li><li>c) Dieser Auffassung schlie\u00dft sich der Senat auch f\u00fcr den Streitfall an, in dem es \u2011\u2011anders als bei den beiden Urteilen des VII.&nbsp;Senats in BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304 und in BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621\u2011\u2011 auch um S\u00e4umniszuschl\u00e4ge f\u00fcr Entstehungszeitr\u00e4ume nach dem 31.12.2018 geht. Denn die vorstehende Beurteilung der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit durch den VII.&nbsp;Senat des BFH beansprucht G\u00fcltigkeit auch f\u00fcr diese Entstehungszeitr\u00e4ume. Im Hinblick hierauf h\u00e4lt der Senat an seiner bisherigen Beurteilung in dem Beschluss vom 23.05.2022&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;4\/22&nbsp;(AdV) (BFHE 276, 535) nicht mehr fest.<\/li><li>Hieran \u00e4ndert sich nichts aufgrund des (nicht zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmten) BFH-Beschlusses vom 22.09.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;64\/22&nbsp;(AdV), Leitsatz. Zwar hat sich der VIII.&nbsp;Senat des BFH hier dem Senatsbeschluss in BFHE 276, 535 angeschlossen, an dem aus den vorstehend genannten Gr\u00fcnden nicht festzuhalten ist. Aus der Aufgabe dieser Senatsrechtsprechung folgt indes keine unzul\u00e4ssige Abweichung, wie der VIII.&nbsp;Senat des BFH in seinem Beschluss vom 22.09.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;64\/22&nbsp;(AdV), Rz&nbsp;23 zutreffend entschieden hat.<\/li><li>3. AdV kommt im summarischen Verfahren auch nicht im Hinblick auf unionsrechtliche Zweifel in Betracht.<\/li><li>Der Senat hat bereits in seinem Beschluss in BFHE 276, 535 (Leitsatz&nbsp;2 sowie Rz&nbsp;33&nbsp;ff.) entschieden, dass aus unionsrechtlichen Grunds\u00e4tzen (\u00c4quivalenz-, Effizienz-, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeits- und Neutralit\u00e4tsprinzip) keine weitergehenden Zweifel an der gesetzlichen H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge bestehen. Verst\u00f6\u00dfe gegen das \u00c4quivalenz-, Effizienz- und Neutralit\u00e4tsprinzip sind nicht ersichtlich und ein Versto\u00df gegen das unionsrechtliche Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsprinzip scheidet jedenfalls unter Ber\u00fccksichtigung von \u00a7&nbsp;227 AO aus. Zur weiteren Begr\u00fcndung verweist der Senat auf die Ausf\u00fchrungen in seinem Beschluss in BFHE 276, 535 (Rz&nbsp;33 bis 39).<\/li><li>4. Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die Vollziehung f\u00fcr den Betroffenen eine unbillige H\u00e4rte zur Folge h\u00e4tte, sind weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:BA.161023.VB49.22.0 BFH V. Senat FGO \u00a7 69, AO \u00a7 227, AO \u00a7 240 vorgehend FG M\u00fcnster, 06. Mai 2022, Az: 12 V 53\/22 Leits\u00e4tze 1. Bei summarischer Pr\u00fcfung bestehen nach den Urteilen des Bundesfinanzhofs vom 23.08.2022 &#8211; VII R 21\/21 (BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304) und vom 15.11.2022 &#8211; VII R 55\/20 (BFHE &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/aussetzungsverfahren-verfassungs-und-unionsrechtsmaessigkeit-von-saeumniszuschlaegen-bfh-beschluss-vom-16-oktober-2023-v-b-49-22-adv\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Aussetzungsverfahren: Verfassungs- und Unionsrechtsm\u00e4\u00dfigkeit von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen &#8211; BFH-Beschluss vom 16. 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