{"id":76257,"date":"2023-11-04T17:46:15","date_gmt":"2023-11-04T15:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76257"},"modified":"2023-11-04T17:46:15","modified_gmt":"2023-11-04T15:46:15","slug":"zur-zweiten-berichtigung-des-vorsteuerabzugs-im-falle-der-quotenzahlung-durch-den-insolvenzverwalter-bfh-beschluss-vom-05-oktober-2023-xi-b-13-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zur-zweiten-berichtigung-des-vorsteuerabzugs-im-falle-der-quotenzahlung-durch-den-insolvenzverwalter-bfh-beschluss-vom-05-oktober-2023-xi-b-13-23\/","title":{"rendered":"Zur &#8222;zweiten&#8220; Berichtigung des Vorsteuerabzugs im Falle der Quotenzahlung durch den Insolvenzverwalter &#8211; BFH-Beschluss vom 05. Oktober 2023, XI B 13\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.051023.XIB13.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2, UStG \u00a7 17 Abs 1 S 2, UStG \u00a7 17 Abs 2 Nr 1 S 1, UStG \u00a7 17 Abs 2 Nr 1 S 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Th\u00fcringer Finanzgericht , 28. September 2022, Az: 4 K 80\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Der f\u00fcr die Entscheidung des FG tragende Rechtssatz, dass eine zweite Berichtigung des Vorsteuerabzugs nicht voraussetze, dass der durch die erste Vorsteuerberichtigung ausgel\u00f6ste Berichtigungsanspruch an die Finanzbeh\u00f6rde abgef\u00fchrt worden sein muss, weicht nicht in entscheidungserheblicher Weise vom Urteil des FG M\u00fcnster vom 20.02.2018 &#8211; 15 K 1514\/15 U,S (EFG 2018, 697) und vom Urteil des FG D\u00fcsseldorf vom 25.01.2023 &#8211; 5 K 1749\/21 (EFG 2023, 726) ab, so dass die Revision nicht wegen Divergenz zuzulassen ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Beklagten wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Th\u00fcringer Finanzgerichts vom 28.09.2022 &#8211; 4 K 80\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Die vom Beklagten und Beschwerdef\u00fchrer (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) in seiner Beschwerdebegr\u00fcndung herausgestellte Abweichung des Urteils der Vorinstanz vom Urteil des Finanzgerichts (FG) M\u00fcnster vom 20.02.2018&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;1514\/15&nbsp;U,S (Entscheidungen der Finanzgerichte \u2011\u2011EFG\u2011\u2011 2018, 697) betrifft eine im dortigen Verfahren nicht entscheidungserhebliche Rechtsfrage.<\/li><li>1. Eine Zulassung der Revision gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) wegen Divergenz setzt voraus, dass das FG bei gleichem oder vergleichbarem Sachverhalt in einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage eine andere Auffassung vertritt als der Bundesfinanzhof (BFH), der Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union, das Bundesverfassungsgericht, der Gemeinsame Senat der obersten Gerichtsh\u00f6fe des Bundes, ein anderes oberstes Bundesgericht oder ein anderes FG; das FG muss seiner Entscheidung einen tragenden abstrakten Rechtssatz zugrunde gelegt haben, der mit den ebenfalls tragenden Rechtsausf\u00fchrungen in der Divergenzentscheidung des anderen Gerichts nicht \u00fcbereinstimmt (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 27.02.2018&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;97\/17, BFH\/NV 2018, 738, Rz&nbsp;8; vom 14.11.2022&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;105\/21, BFH\/NV 2023, 155, Rz&nbsp;9).<\/li><li>2. Diese Voraussetzungen liegen im Streitfall nicht vor.<\/li><li>a) Das FA weist zu Recht darauf hin, dass die Vorinstanz ihrem Urteil auf Seite&nbsp;11&nbsp;folgende den \u2011\u2011die Vorentscheidung tragenden\u2011\u2011 abstrakten Rechtssatz zugrunde gelegt hat, dass eine zweite Vorsteuerberichtigung nicht voraussetze, dass der durch die erste Vorsteuerberichtigung \u2011\u2011das hei\u00dft durch die Vorsteuerk\u00fcrzung zu Lasten der Insolvenzmasse\u2011\u2011 ausgel\u00f6ste Berichtigungsanspruch an die Finanzbeh\u00f6rde abgef\u00fchrt worden sein muss. Auch hat das FA zutreffend herausgearbeitet, dass das FG M\u00fcnster in seinem Urteil vom 20.02.2018&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;1514\/15&nbsp;U,S (EFG 2018, 697) in Rz&nbsp;20 dagegen den abstrakten (abweichenden) Rechtssatz aufgestellt hat, dass die im Rahmen des Insolvenzverfahrens erkl\u00e4rte Steuerverg\u00fctung unter anderem davon abh\u00e4nge, dass hinsichtlich der vor der Er\u00f6ffnung des Insolvenzverfahrens erkl\u00e4rten Vorsteuerbetr\u00e4ge in H\u00f6he des auf den Zeitpunkt des Antrags auf Er\u00f6ffnung des Insolvenzverfahrens festgestellten Forderungsausfalls eine Vorsteuerk\u00fcrzung angemeldet und der auf Grund der angemeldeten Vorsteuerk\u00fcrzung entstandene Berichtigungsbetrag eingezogen worden sei. Die eine Steuerverg\u00fctung ausl\u00f6sende Vorsteuerberichtigung nach Ma\u00dfgabe der nach Insolvenzer\u00f6ffnung einem Insolvenzgl\u00e4ubiger zugewandten Quotenzahlung komme nur dann in Betracht, wenn auf Grund der Uneinbringlichkeit des von der Insolvenzschuldnerin geschuldeten Entgelts zuvor auf Grund der den Unternehmer nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) treffenden Pflicht die Vorsteuerk\u00fcrzung zu Lasten der Insolvenzmasse angemeldet und der dadurch ausgel\u00f6ste Berichtigungsbetrag an die Finanzverwaltung ausgekehrt worden sei.<\/li><li>b) Allerdings war dieser abstrakte Rechtssatz nach den Ausf\u00fchrungen des FG M\u00fcnster (Urteil vom 20.02.2018&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;1514\/15&nbsp;U,S, EFG 2018, 697, Rz&nbsp;20 a.E.) nicht entscheidungserheblich, weil im dortigen Fall das FG keine dahingehenden Feststellungen treffen konnte, dass in den Umsatzsteuerfestsetzungen f\u00fcr das Jahr 2003 eine Berichtigung (R\u00fcckg\u00e4ngigmachung der gew\u00e4hrten Vorsteuer durch eine Vorsteuerk\u00fcrzung) in dem Umfang erfolgt sei, in dem die den zum Abzug zugelassenen Vorsteuerbetr\u00e4gen zu Grunde liegenden Gegenleistungen, das hei\u00dft die vom Insolvenzschuldner geschuldeten, von ihm aber nicht bezahlten Entgelte infolge des Antrags auf Er\u00f6ffnung des Insolvenzverfahrens \u00fcber das Verm\u00f6gen des Unternehmers uneinbringlich geworden waren.<\/li><li>Soweit das FG M\u00fcnster (Urteil vom 20.02.2018&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;1514\/15&nbsp;U,S, EFG 2018, 697, Rz&nbsp;20 a.E.) weiter ausgef\u00fchrt hat, dass es \u00fcberdies nicht habe feststellen k\u00f6nnen, dass die Insolvenzschuldnerin beziehungsweise der Kl\u00e4ger als Insolvenzverwalter \u00fcber deren Verm\u00f6gen in H\u00f6he der im Zeitpunkt des Antrags auf Insolvenzer\u00f6ffnung uneinbringlich gewordenen Entgelte angefallene erstattungspflichtige Vorsteuerbetr\u00e4ge an die Finanzbeh\u00f6rden ausgekehrt h\u00e4tten, handelt es sich um ein nicht tragendes obiter dictum, das nicht zur Annahme einer Divergenz f\u00fchrt (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 08.04.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;38\/13, BFH\/NV 2014, 1106, Rz&nbsp;16; vom 09.09.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;43\/14, BFH\/NV 2015, 68, Rz&nbsp;14).<\/li><li>Der angefochtenen Entscheidung und der vermeintlichen Divergenzentscheidung liegen \u00fcberdies nicht vergleichbare Sachverhalte zugrunde, worauf die Vorinstanz das FA auf Seite&nbsp;11 seines Urteils zutreffend hingewiesen hat.<\/li><li>c) Es liegt auch keine nachtr\u00e4gliche Divergenz (vgl. dazu BFH-Beschl\u00fcsse vom 15.04.2016&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;109\/15, BFH\/NV 2016, 1306, Rz&nbsp;22) zum Urteil des FG D\u00fcsseldorf vom 25.01.2023&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;1749\/21&nbsp;U (EFG 2023, 726 m. Anm. V. Wendt; Revision eingelegt unter Az. des BFH: XI&nbsp;R&nbsp;3\/23) vor; denn das FG D\u00fcsseldorf ist zur Berichtigung der Umsatzsteuer davon ausgegangen, dass aus der dogmatischen Verankerung der Rechtsprechung zur Doppelberichtigung in \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG folge, dass die Durchf\u00fchrung der zweiten Berichtigung nicht von der Vornahme der ersten Berichtigung abh\u00e4nge. Dies w\u00fcrde zum selben Ergebnis wie die Auffassung der Vorinstanz f\u00fchren, wenn man davon ausginge, dass f\u00fcr die Berichtigung der Umsatzsteuer und der Vorsteuer die gleichen Grunds\u00e4tze gelten (anders aber wohl Urteil des FG D\u00fcsseldorf vom 25.01.2023&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;1749\/21&nbsp;U, EFG 2023, 726, Rz&nbsp;45: schwerlich vergleichbarer Bereich).<\/li><li>3. Weitere Zulassungsgr\u00fcnde hat das FA nicht geltend gemacht.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.051023.XIB13.23.0 BFH XI. Senat FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2, UStG \u00a7 17 Abs 1 S 2, UStG \u00a7 17 Abs 2 Nr 1 S 1, UStG \u00a7 17 Abs 2 Nr 1 S 2 vorgehend Th\u00fcringer Finanzgericht , 28. September 2022, Az: 4 K 80\/22 Leits\u00e4tze NV: Der f\u00fcr die Entscheidung &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zur-zweiten-berichtigung-des-vorsteuerabzugs-im-falle-der-quotenzahlung-durch-den-insolvenzverwalter-bfh-beschluss-vom-05-oktober-2023-xi-b-13-23\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zur &#8222;zweiten&#8220; Berichtigung des Vorsteuerabzugs im Falle der Quotenzahlung durch den Insolvenzverwalter &#8211; BFH-Beschluss vom 05. 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