{"id":76292,"date":"2023-11-11T12:56:28","date_gmt":"2023-11-11T10:56:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76292"},"modified":"2023-11-11T12:56:28","modified_gmt":"2023-11-11T10:56:28","slug":"hoehe-nachtraeglicher-anschaffungskosten-bei-in-der-krise-stehen-gelassener-darlehen-nach-%c2%a7-17-abs-2a-satz-3-nr-2-estg-bfh-urteil-vom-18-juli-2023-ix-r-21-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/hoehe-nachtraeglicher-anschaffungskosten-bei-in-der-krise-stehen-gelassener-darlehen-nach-%c2%a7-17-abs-2a-satz-3-nr-2-estg-bfh-urteil-vom-18-juli-2023-ix-r-21-21\/","title":{"rendered":"H\u00f6he nachtr\u00e4glicher Anschaffungskosten bei in der Krise stehen gelassener Darlehen nach \u00a7 17 Abs. 2a Satz 3 Nr. 2 EStG &#8211; BFH-Urteil vom 18. Juli 2023, IX R 21\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.180723.IXR21.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 17 Abs 1, EStG \u00a7 17 Abs 2, EStG \u00a7 17 Abs 4, EStG \u00a7 17 Abs 2a, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 52 Abs 25a, EStG \u00a7 52 Abs 28 S 16, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 4, HGB \u00a7 255 Abs 1 S 2, EStG VZ 2009<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 04. Juni 2021, Az: 5 K 5188\/19<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Ein in der Krise stehen gelassenes Darlehen ist im Anwendungsbereich des \u00a7 17 Abs. 2a des Einkommensteuergesetzes (EStG) mit dem zum Zeitpunkt des Eintritts der Krise bestehenden Teilwert zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Der bei \u00a7 17 EStG nicht abziehbare Verlust aus dem Ausfall eines stehen gelassenen Gesellschafterdarlehens wird nicht bei \u00a7 20 EStG ber\u00fccksichtigt, wenn der Darlehensverlust vor dem 31.12.2008 eingetreten ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4ger gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 04.06.2021 &#8211; 5 K 5188\/19 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist im Wesentlichen, ob der Verlust aus einem in der Krise stehen gelassenen Gesellschafterdarlehen nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) mit dem Nennwert oder Teilwert zu nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten des Gesellschafters an seiner Beteiligung f\u00fchrt.<\/li><li>Die zur Einkommensteuer zusammen veranlagten Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) waren etwa seit dem Jahr 1990 relevant im Sinne von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG an der \u2026 GmbH (GmbH) beteiligt. 1997 gew\u00e4hrte der Kl\u00e4ger der GmbH ein Darlehen \u00fcber 500.000&nbsp;DM.<\/li><li>Anfang Oktober 2004 stellte der Kl\u00e4ger einen Antrag auf Er\u00f6ffnung des Insolvenzverfahrens \u00fcber das Verm\u00f6gen der GmbH.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) sch\u00e4tzte f\u00fcr das Streitjahr 2009 mit Datum vom 23.11.2012 die Besteuerungsgrundlagen. Nachdem die Kl\u00e4ger mit ihrem hiergegen eingelegten Einspruch ihre Einkommensteuererkl\u00e4rung 2009 nachgereicht hatten, setzte das FA mit Bescheid vom 13.09.2013 die Einkommensteuer auf 10.742&nbsp;\u20ac fest.<\/li><li>Mit Schriftsatz vom 28.06.2013 beantragten die Kl\u00e4ger erstmalig die Ber\u00fccksichtigung eines Verlusts aus der insolvenzbedingten Aufl\u00f6sung der GmbH von 405.726,33&nbsp;\u20ac, da mit Blick auf den vom Kl\u00e4ger am 29.08.2009 gestellten Antrag auf Er\u00f6ffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens erst zu diesem Zeitpunkt die nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten h\u00e4tten festgestellt werden k\u00f6nnen. Das FA erlie\u00df am 13.03.2014 einen ge\u00e4nderten Einkommensteuerbescheid, mit dem es einen Verlust von 285.352&nbsp;\u20ac ber\u00fccksichtigte und die Einkommensteuer f\u00fcr das Streitjahr auf 0&nbsp;\u20ac herabsetzte. Ein weitergehender Verlust von 120.374,93&nbsp;\u20ac, der auf das von dem Kl\u00e4ger an die GmbH gew\u00e4hrte Darlehen entfallen solle, sei nicht nachgewiesen worden.<\/li><li>Wegen ge\u00e4nderter Beteiligungseink\u00fcnfte erlie\u00df das FA am 04.08.2015 erneut einen ge\u00e4nderten Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr, mit dem es die Einkommensteuer wiederum auf 0&nbsp;\u20ac festsetzte.<\/li><li>Mit Bescheid vom 25.10.2018 lehnte das FA den \u00c4nderungsantrag vom 28.06.2013 ab. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) wies die hiergegen erhobene Klage mit Urteil vom 04.06.2021&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;5188\/19 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2022, 160) ab. In der m\u00fcndlichen Verhandlung haben die Kl\u00e4ger die Anwendung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG f\u00fcr das Streitjahr beantragt.<\/li><li>Mit ihrer Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts (\u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG). Ein in der Krise stehen gelassenes Darlehen f\u00fchre nach dem in der Gesetzesbegr\u00fcndung zum Ausdruck kommenden Willen des Gesetzgebers in H\u00f6he des Nenn- und nicht des Teilwerts zu nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten.<\/li><li>Die Kl\u00e4ger beantragen,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Einkommensteuerfestsetzung 2009 zuletzt mit Bescheid vom 04.08.2015 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 22.07.2019 dahingehend zu \u00e4ndern, dass der bislang f\u00fcr den Kl\u00e4ger ber\u00fccksichtigte Verlust bei den Eink\u00fcnften aus \u00a7&nbsp;17 EStG um 120.374,93&nbsp;\u20ac erh\u00f6ht, hilfsweise bei den Eink\u00fcnften aus \u00a7&nbsp;20 EStG ber\u00fccksichtigt wird.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) ist dem Revisionsverfahren beigetreten. Es f\u00fchrt im Wesentlichen an, durch die Einf\u00fchrung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG habe sich keine \u00c4nderung zur fr\u00fcheren Verwaltungsauffassung ergeben, wonach in der Krise stehen gelassene Darlehen nur in H\u00f6he des im Zeitpunkt des Eintritts der Krise werthaltigen Teils zu nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten im Sinne von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 oder 2 EStG f\u00fchrten. Hierf\u00fcr spr\u00e4chen die Gesetzeshistorie sowie der Gesetzeswortlaut als auch die Gesetzessystematik. Die Grunds\u00e4tze f\u00fcr die Einlage wertgeminderter Gesellschafterdarlehensforderungen aus dem Privat- in ein Betriebsverm\u00f6gen st\u00fcnden dem nicht entgegen.<\/li><li>Das BMF hat keinen Antrag gestellt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat die Klage zu Recht abgewiesen.<\/li><li>Der Senat hat bereits Zweifel, ob die mit der Revision begehrte Erh\u00f6hung der negativen Eink\u00fcnfte des Kl\u00e4gers aus \u00a7&nbsp;17 EStG verfahrensrechtlich umsetzbar w\u00e4re. Der in Anbetracht des zuvor noch anh\u00e4ngigen Verbraucherinsolvenzverfahrens \u00fcber das Verm\u00f6gen des Kl\u00e4gers erstmalig am 13.09.2013 wirksam erlassene Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr 2009 d\u00fcrfte bestandskr\u00e4ftig geworden sein und keine \u00c4nderungsvorschrift zu Gunsten der Kl\u00e4ger eingreifen. Dies kann allerdings ebenso offenbleiben wie die Frage, ob der geltend gemachte Aufl\u00f6sungsverlust wegen des Umstands, dass das Insolvenzverfahren \u00fcber das Verm\u00f6gen der GmbH erst im Jahr 2014 abgeschlossen wurde, im Streitjahr dem Grunde nach \u00fcberhaupt ber\u00fccksichtigungsf\u00e4hig w\u00e4re (Hinweis u.a. auf Senatsurteile vom 28.10.2008&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;100\/07, BFH\/NV 2009, 561, unter II.1.; vom 02.12.2014&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;9\/14 und vom 13.10.2015&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;41\/14, Rz&nbsp;13, jeweils m.w.N.). Selbst wenn beide Fragen bejaht w\u00fcrden, h\u00e4tte die Revision keinen Erfolg. Denn der von den Kl\u00e4gern behauptete Darlehensverlust in H\u00f6he von 120.374,93&nbsp;\u20ac kann weder bei den Eink\u00fcnften aus \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;4 EStG (dazu unter 1.) noch bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG (dazu unter 2.) anerkannt werden.<\/li><li>1. Zutreffend hat das FG eine Ber\u00fccksichtigung des Darlehensverlusts bei den Eink\u00fcnften aus \u00a7&nbsp;17 EStG versagt. Das FG hat zwar nicht festgestellt, in welcher H\u00f6he das vom Kl\u00e4ger seinerzeit ausgereichte Darlehen zum Zeitpunkt der Ber\u00fccksichtigung eines Aufl\u00f6sungsverlusts gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;4 EStG noch valutierte. Eine solche Feststellung war allerdings entbehrlich, da eine Ber\u00fccksichtigung mit dem noch offenen Nennwert ausgeschlossen ist. Vielmehr war das Darlehen mit dem zum Zeitpunkt des Eintritts der Krise bestehenden Teilwert anzusetzen. Dieser Wert betrug im Streitfall 0&nbsp;\u20ac.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 und 4 EStG geh\u00f6rt zu den Eink\u00fcnften aus Gewerbebetrieb unter den dort genannten Voraussetzungen der Gewinn aus der Aufl\u00f6sung von Kapitalgesellschaften. Steuerbar ist auch ein aus der Aufl\u00f6sung einer Kapitalgesellschaft entstehender Verlust (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteil vom 20.08.2013&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;1\/13, Rz&nbsp;13, m.w.N.). Aufl\u00f6sungsverlust im Sinne von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;1, 2 und 4 EStG ist der Betrag, um den die im Zusammenhang mit der Aufl\u00f6sung der Gesellschaft vom Steuerpflichtigen (pers\u00f6nlich) getragenen Kosten (Aufl\u00f6sungskosten entsprechend \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 EStG) und seine Anschaffungskosten den gemeinen Wert des zugeteilten oder zur\u00fcckgezahlten Verm\u00f6gens der Kapitalgesellschaft \u00fcbersteigen (Senatsurteil vom 04.03.2008&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;80\/06, BFHE 220, 451, BStBl II 2008, 577, unter II.a). Anschaffungskosten sind auch die nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten (\u00a7&nbsp;255 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Handelsgesetzbuchs).<\/li><li>b) Als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten waren nach der fr\u00fcheren Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) unter anderem vor der Krise durch einen Gesellschafter gew\u00e4hrte und in der Krise der Gesellschaft stehen gelassene Darlehen mit ihrem im Zeitpunkt des Eintritts der Krise beizulegenden Wert zu ber\u00fccksichtigen (vgl. BFH-Urteile vom 10.11.1998&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;6\/96, BFHE 187, 480, BStBl II 1999, 348, unter II.3.b; vom 26.01.1999&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;50\/98, BFHE 188, 295, BStBl II 1999, 559, unter II.2.d und vom 06.07.1999&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;9\/98, BFHE 189, 383, BStBl II 1999, 817, unter II.2.c; BFH-Beschluss vom 15.05.2006&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;186\/04, unter II.2.b). Der bis zum Eintritt der Krise eingetretene Wertverlust fiel in der (steuerlich unbeachtlichen) privaten Verm\u00f6genssph\u00e4re an (vgl. BFH-Urteil vom 06.07.1999&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;9\/98, BFHE 189, 383, BStBl II 1999, 817, unter II.2.c).<\/li><li>c) Nach dem Senatsurteil vom 11.07.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;36\/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208) ist mit der Aufhebung des Eigenkapitalersatzrechts durch das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bek\u00e4mpfung von Missbr\u00e4uchen vom 23.10.2008 (BGBl I 2008, 2026) die gesetzliche Grundlage f\u00fcr diese bisherige Rechtsprechung zur Ber\u00fccksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten im Rahmen des \u00a7&nbsp;17 EStG entfallen. Die bisherigen Grunds\u00e4tze zur Ber\u00fccksichtigung von nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen sind allerdings weiter anzuwenden, wenn der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum Tag der Ver\u00f6ffentlichung des Urteils (27.09.2017) geleistet hat oder wenn eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zu diesem Tag eigenkapitalersetzend geworden ist.<\/li><li>d) Mit dem durch das Gesetz zur weiteren steuerlichen F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t und zur \u00c4nderung weiterer steuerlicher Vorschriften (WElektroMobF\u00f6rdG) vom 12.12.2019 (BGBl I 2019, 2451) eingef\u00fchrten \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG hat der Gesetzgeber erstmals eine gesetzliche Grundlage f\u00fcr die im Rahmen der Eink\u00fcnfteermittlung des \u00a7&nbsp;17 EStG zu ber\u00fccksichtigenden Anschaffungskosten geschaffen. Nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;1 EStG sind Anschaffungskosten die Aufwendungen, die geleistet werden, um die Anteile im Sinne des \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG zu erwerben. Zu den Anschaffungskosten geh\u00f6ren auch die Nebenkosten sowie die nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten (\u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;2 EStG). Zu den nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten in diesem Sinne geh\u00f6ren gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 EStG insbesondere offene oder verdeckte Einlagen (Nr.&nbsp;1), Darlehensverluste, soweit die Gew\u00e4hrung des Darlehens oder das Stehenlassen des Darlehens in der Krise der Gesellschaft gesellschaftsrechtlich veranlasst war (Nr.&nbsp;2), und Ausf\u00e4lle von B\u00fcrgschaftsregressforderungen und vergleichbaren Forderungen, soweit die Hingabe oder das Stehenlassen der betreffenden Sicherheit gesellschaftsrechtlich veranlasst war (Nr.&nbsp;3). Eine gesellschaftsrechtliche Veranlassung liegt regelm\u00e4\u00dfig vor, wenn ein fremder Dritter das Darlehen oder Sicherungsmittel im Sinne des \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 oder 3 EStG bei sonst gleichen Umst\u00e4nden zur\u00fcckgefordert oder nicht gew\u00e4hrt h\u00e4tte (\u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;4 EStG). Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;25a Satz&nbsp;1 EStG ist die Neuregelung in \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG erstmals f\u00fcr Ver\u00e4u\u00dferungen im Sinne von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;1, 4 oder 5 EStG nach dem 31.07.2019 anzuwenden. Nach \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;25a Satz&nbsp;2 EStG ist \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;1 bis 4 EStG auf Antrag des Steuerpflichtigen, aber auch f\u00fcr Ver\u00e4u\u00dferungen im Sinne von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;1, 4 oder 5 EStG vor dem 31.07.2019 anzuwenden.<\/li><li>e) Die von der Rechtsprechung entwickelten Grunds\u00e4tze zur Ber\u00fccksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten im Rahmen des \u00a7&nbsp;17 EStG, insbesondere hinsichtlich stehen gelassener Darlehen, gelten hinsichtlich derer Bewertung nach der Einf\u00fcgung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG durch das WElektroMobF\u00f6rdG fort (so im Ergebnis auch Schmidt in Herrmann\/Heuer\/Raupach \u2011\u2011HHR\u2011\u2011, \u00a7&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;J20-1 und J20-4; Gosch in Kirchhof\/Seer, EStG, 22.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;17 Rz&nbsp;99c und 99cb; Oellerich in Bordewin\/Brandt, \u00a7&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;267; BeckOK EStG\/Trossen, 16.&nbsp;Ed. [01.07.2023], EStG \u00a7&nbsp;17 Rz&nbsp;520; Trossen, GmbH-Steuerberater 2019, 105, 106; Krumm, Finanz-Rundschau \u2011\u2011FR\u2011\u2011 2020, 197, 202; Werth, FR 2020, 530, 537; Jachmann-Michel, Betriebs-Berater \u2011\u2011BB\u2011\u2011 2020, 727, 733&nbsp;f.; Graw, Der Betrieb \u2011\u2011DB\u2011\u2011 2020, 690, 694; Kubik\/M\u00fcnch, BB 2020, 1003, 1004; Weber-Grellet, DB 2021, 81, 86; BMF-Schreiben vom 07.06.2022, BStBl I 2022, 897, Rz&nbsp;17; wohl auch F\u00f6rster, DB 2018, 336, 341; Ott, Deutsche Steuer-Zeitung 2019, 648, 651; Fuhrmann, K\u00f6lner Steuerdialog \u2011\u2011K\u00d6SDI\u2011\u2011 2019, 21434, 21440; Fuhrmann, Neue Wirtschafts-Briefe \u2011\u2011NWB\u2011\u2011 2020, 150, 154; Rund\/Junkers, GmbH-Rundschau \u2011\u2011GmbHR\u2011\u2011 2020, 355, 359; F\u00f6rster\/von&nbsp;C\u00f6lln\/Lentz, DB 2020, 353, 355&nbsp;f.; a.A. Demuth, K\u00d6SDI 2020, 21771, 21777; Levedag, GmbHR 2021, 14, 19&nbsp;f.; Schmidt\/Levedag, EStG, 42.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;17 Rz&nbsp;189; Ott, Deutsches Steuerrecht 2020, 313, 317; Ott, Steuern und Bilanzen \u2011\u2011StuB\u2011\u2011 2020, 85, 90; Karrenbrock in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, \u00a7&nbsp;17 Rz&nbsp;281f, wonach jeweils ein stehen gelassenes Darlehen mit dem Nennwert zu ber\u00fccksichtigen sei).<\/li><li>aa) Der Wortlaut der Norm steht dem nicht entgegen. \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG enth\u00e4lt keine Regelung zur Bewertung der nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten (Schmidt\/Levedag, EStG, 42.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;17 Rz&nbsp;189; Krumm, FR 2020, 197, 202; Ott, StuB 2020, 85, 90). Die in \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG verwendete Formulierung &#8222;soweit&#8220; verdeutlicht, dass Darlehensverluste nur in dem Umfang zu ber\u00fccksichtigen sind, wie sie gesellschaftsrechtlich veranlasst sind (so wohl auch Fuhrmann, NWB 2020, 150, 154).<\/li><li>bb) F\u00fcr eine Anwendung der Grunds\u00e4tze zur Bewertung nachtr\u00e4glicher Anschaffungskosten entsprechend der gesetzlich \u00fcberholten Rechtsprechung auf \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG spricht zudem der aus den Gesetzesmaterialien erkennbar werdende Wille des Gesetzgebers (so im Ergebnis auch F\u00f6rster\/von&nbsp;C\u00f6lln\/Lentz, DB 2020, 353, 355&nbsp;f.).<\/li><li>aaa) Durch die Einf\u00fcgung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG wollte der Gesetzgeber an die bisherige Rechtsprechung zur Ber\u00fccksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten im Rahmen des \u00a7&nbsp;17 EStG ankn\u00fcpfen und deren Aufgabe r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Nach dem Regierungsentwurf zum Gesetz zur weiteren F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t und zur \u00c4nderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 09.08.2019 (BRDrucks 356\/19, S.&nbsp;122) sollte die Ber\u00fccksichtigung von Darlehensverlusten als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG, wenn bereits die Gew\u00e4hrung des Darlehens oder das Stehenlassen bei einer Krise der darlehensnehmenden Kapitalgesellschaft gesellschaftsrechtlich veranlasst war, sicherstellen, dass in der Krise aus gesellschaftsrechtlicher Veranlassung gew\u00e4hrte oder stehen gelassene Darlehen \u2011\u2011abweichend von den Senatsurteilen vom 11.07.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;36\/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208) und vom 20.07.2018&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;5\/15 (BFHE 262, 135, BStBl II 2019, 194)\u2011\u2011 auch dann steuermindernd ber\u00fccksichtigt werden, wenn das Darlehen nach den Grunds\u00e4tzen des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bek\u00e4mpfung von Missbr\u00e4uchen zu behandeln ist (BRDrucks 356\/19, S.&nbsp;122). Indem der Gesetzgeber in \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG die Voraussetzungen f\u00fcr eine Ber\u00fccksichtigung von Darlehensverlusten als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten bei den Eink\u00fcnften nach \u00a7&nbsp;17 EStG entsprechend der \u00fcberholten Rechtsprechungsgrunds\u00e4tze geregelt hat, hat er die Nichtanwendung der Aufgabe dieser Rechtsprechung kodifiziert (so wohl auch HHR\/Schmidt, \u00a7&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;J20-1 und J20-4) und damit zum Ausdruck gebracht, dass er sich die Grunds\u00e4tze der bisherigen Rechtsprechung zu Eigen machen wollte.<\/li><li>Dies kommt auch in den Empfehlungen der Aussch\u00fcsse an den Bundesrat vom 28.09.2020 zum Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 zum Ausdruck, wonach die R\u00fcckkehr zur \u00fcberholten Rechtsprechung mit der Einf\u00fchrung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;1 bis 4 EStG kritisch gesehen werde (BRDrucks 503\/1\/20, S.&nbsp;20).<\/li><li>bbb) Zwar ist den Kl\u00e4gern zuzugeben, dass die Einf\u00fcgung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG jedenfalls nach dem Regierungsentwurf auch dazu dienen sollte, eine steuerliche Ber\u00fccksichtigung von Darlehensverlusten zu gew\u00e4hrleisten, da der Darlehensausfall ab dem Veranlagungszeitraum 2020 nicht mehr \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 EStG unterfallen sollte (BRDrucks 356\/19, S.&nbsp;122). Die noch im Regierungsentwurf vorgesehene \u00c4nderung von \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 EStG ist im Laufe des Gesetzgebungsverfahren (vgl. Beschlussempfehlung des Finanzausschusses vom 06.11.2019, BTDrucks 19\/14873, S.&nbsp;32) jedoch entfallen. Das Festhalten an der Einf\u00fcgung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG belegt, dass der Gesetzgeber bestimmte Darlehensverluste als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten abweichend von den Senatsurteilen vom 11.07.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;36\/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208) und vom 20.07.2018&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;5\/15 (BFHE 262, 135, BStBl II 2019, 194) entsprechend den bis dahin g\u00fcltigen Rechtsprechungsgrunds\u00e4tzen ber\u00fccksichtigt wissen wollte.<\/li><li>ccc) Gegenteiliges ergibt sich auch nicht aus der Gesetzesbegr\u00fcndung zur Anwendungsvorschrift in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;25a EStG. Nach dem Regierungsentwurf soll die antragsabh\u00e4ngige r\u00fcckwirkende Anwendung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG sicherstellen, dass der Steuerpflichtige Darlehensverluste weiterhin unbeschr\u00e4nkt nach \u00a7&nbsp;17 EStG gewinnmindernd ber\u00fccksichtigen kann und diese bei einer Beteiligung von unter 10&nbsp;% nicht im Rahmen der Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen in einem gesonderten Verlustverrechnungskreis &#8222;eingesperrt&#8220; werden (BRDrucks 356\/19, S.&nbsp;134). Anhaltspunkte, dass der Gesetzgeber die Grunds\u00e4tze der bisherigen Rechtsprechung zur Bewertung von Aufwendungen f\u00fcr eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfen habe aufgeben wollen, sind der Gesetzesbegr\u00fcndung nicht zu entnehmen.<\/li><li>cc) Auch der Sinn und Zweck sprechen f\u00fcr eine Anwendung der Grunds\u00e4tze zur Bewertung nachtr\u00e4glicher Anschaffungskosten entsprechend der bisherigen Rechtsgrunds\u00e4tze.<\/li><li>aaa) Sowohl die Finanzierungsfreiheit als auch das objektive Nettoprinzip gebieten nichts Gegenteiliges (a.A. zur Finanzierungsfreiheit Karrenbrock in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, \u00a7&nbsp;17 Rz&nbsp;281f).<\/li><li>(1) \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 EStG dient der Verwirklichung des objektiven Nettoprinzips und der Finanzierungsfreiheit der Gesellschafter, indem die Vorschrift nach dem Vorgesagten eine steuermindernde Ber\u00fccksichtigung bestimmter Darlehensverluste in Abweichung von den Senatsurteilen vom 11.07.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;36\/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208) und vom 20.07.2018&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;5\/15 (BFHE 262, 135, BStBl II 2019, 194) und in Ankn\u00fcpfung an die bis dahin g\u00fcltigen Rechtsprechungsgrunds\u00e4tze als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten bei Verlusten aus gesellschaftsrechtlich veranlassten Darlehen gew\u00e4hrleistet (vgl. BRDrucks 356\/19, S.&nbsp;122).<\/li><li>(2) Das (objektive) Nettoprinzip wird durch den Grundsatz eingeschr\u00e4nkt, dass Verluste in der Privatsph\u00e4re des Steuerpflichtigen einkommensteuerrechtlich nicht ber\u00fccksichtigt werden. Das Einkommensteuerrecht respektiert ferner die Entscheidung der Gesellschafter, der Gesellschaft nicht Eigenkapital, sondern Fremdkapital zur Verf\u00fcgung zu stellen (Senatsurteil vom 20.08.2013&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;43\/12, Rz&nbsp;10). Diese Freiheit ist jedoch nur tangiert, sofern die zur Verf\u00fcgungstellung von Kapital der Finanzierung der Gesellschaft dient.<\/li><li>(3) Sowohl das objektive Nettoprinzip als auch die Finanzierungsfreiheit setzen mithin f\u00fcr eine Ber\u00fccksichtigung eines Darlehensverlusts als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten bei den Eink\u00fcnften aus \u00a7&nbsp;17 EStG einen Veranlassungszusammenhang zwischen der Beteiligung und den Aufwendungen voraus. Dieser ist in dem Erfordernis einer gesellschaftsrechtlichen Veranlassung nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;4 EStG festgeschrieben. Eine solche Veranlassung besteht bei stehen gelassenen Darlehen jedoch nur in H\u00f6he ihres Teilwerts bei Eintritt in die Krise. Bei einem stehen gelassenen Darlehen fehlt es zun\u00e4chst an einer gesellschaftsrechtlichen Veranlassung. Vielmehr tritt diese erst ein, wenn ein fremder Dritter das Darlehen bei Eintritt in die Krise zur\u00fcckgefordert h\u00e4tte (\u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;4 EStG; BFH-Urteil vom 04.11.1997&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;18\/94, BFHE 184, 374, BStBl II 1999, 344, unter 2.b). Daher liegt auch nur in H\u00f6he des Teilwerts des Darlehens zu diesem Zeitpunkt die f\u00fcr eine steuermindernde Ber\u00fccksichtigung erforderliche gesellschaftsrechtliche Veranlassung vor.<\/li><li>bbb) Entgegen dem kl\u00e4gerischen Vortrag sollten ferner durch die M\u00f6glichkeit der r\u00fcckwirkenden Anwendung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;1 bis 4 EStG die Grunds\u00e4tze der Rechtsprechung zur Ber\u00fccksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten im Rahmen des \u00a7&nbsp;17 EStG nicht &#8222;\u00fcberschrieben&#8220; werden. Vielmehr soll hiermit \u2011\u2011wie oben dargelegt\u2011\u2011 sichergestellt werden, dass eine gewinnmindernde Ber\u00fccksichtigung von Darlehensverlusten bei \u00a7&nbsp;17 EStG nach den urspr\u00fcnglichen, von der Senatsrechtsprechung aufgestellten Grunds\u00e4tzen bis zur Einf\u00fcgung von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a EStG durch das WElektroMobF\u00f6rdG mit Wirkung zum 01.01.2020 (Art.&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 i.V.m. Art.&nbsp;2 Nr.&nbsp;10 WElektroMobF\u00f6rdG) m\u00f6glich ist und diese bei Beteiligungen von unter 10&nbsp;% nicht im Rahmen der Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen in einem gesonderten Verlustverrechnungskreis &#8222;eingesperrt&#8220; werden (BRDrucks 356\/19, S.&nbsp;134).<\/li><li>dd) Schlie\u00dflich sprechen systematische Erw\u00e4gungen f\u00fcr die Beibehaltung der bisherigen Bewertungsgrunds\u00e4tze.<\/li><li>aaa) Auch die f\u00fcr eine Ber\u00fccksichtigung eines Darlehensverlusts als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG erforderliche gesellschaftsrechtliche Veranlassung stellt nach Satz&nbsp;4 der Vorschrift auf den Moment des Eintritts der Krise ab. Eine gesellschaftsrechtliche Veranlassung liegt hiernach regelm\u00e4\u00dfig vor, wenn ein fremder Dritter das Darlehen oder Sicherungsmittel im Sinne von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 und 3 EStG bei sonst gleichen Umst\u00e4nden zur\u00fcckgefordert oder nicht gew\u00e4hrt h\u00e4tte. Diese Differenzierung kommt auch durch die Verwendung des Begriffs &#8222;soweit&#8220; in \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG zum Ausdruck. Indem \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;4 EStG die gesellschaftsrechtliche Veranlassung regelt, sind die Wertungen dieser Vorschrift auch auf \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG, der sich zwar der Begrifflichkeit der &#8222;gesellschaftsrechtlichen Veranlassung&#8220; bedient, diese aber nicht selbst definiert, anzuwenden. Es w\u00e4re widerspr\u00fcchlich, f\u00fcr die gesellschaftliche Veranlassung als tatbestandliches Merkmal f\u00fcr eine steuerliche Ber\u00fccksichtigung nachtr\u00e4glicher Anschaffungskosten auf den Moment des Eintritts der Krise, auf Rechtsfolgenebene f\u00fcr die Bewertung jedoch auf den Zeitpunkt der jeweiligen Darlehensvereinbarung durch die Ber\u00fccksichtigung des Nennbetrags abzustellen (so im Ergebnis auch Weber-Grellet, DB 2021, 81, 86; kritisch Levedag, GmbHR 2021, 14, 19). Im \u00dcbrigen l\u00e4sst der offene Wortlaut von \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;4 EStG (&#8222;liegt regelm\u00e4\u00dfig vor&#8220;) eine abweichende W\u00fcrdigung f\u00fcr noch vor der Krise gew\u00e4hrte, aber f\u00fcr diese bestimmte Darlehen sowie Finanzplandarlehen entsprechend der Rechtsprechung zur Ber\u00fccksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten im Rahmen des \u00a7&nbsp;17 EStG zu.<\/li><li>bbb) Aus dem Verh\u00e4ltnis zu den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen ergibt sich nichts anderes. Zwar sind Darlehensverluste nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7, Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG in H\u00f6he des Nennwerts des Darlehens steuerlich zu ber\u00fccksichtigen. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG findet nach der Anwendungsregelung in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 Halbsatz&nbsp;1 EStG jedoch keine Anwendung auf Ertr\u00e4ge aus Kapitalforderungen, die zum Zeitpunkt des vor dem 01.01.2009 erfolgten Erwerbs zwar Kapitalforderungen im Sinne von \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG in der am 31.12.2008 anzuwendenden Fassung (a.F.), aber keine Kapitalforderungen im Sinne von \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG a.F. waren. Diese durch das R\u00fcckwirkungsverbot zum Ausdruck kommende gesetzgeberische Wertung zur zeitlichen Ber\u00fccksichtigung von Ertr\u00e4gen aus Kapitalforderungen bei den Eink\u00fcnften aus \u00a7&nbsp;20 EStG kann nicht durch einen Ansatz des Nennwerts anstelle des Teilwerts bei Eintritt der Krise bei stehen gelassenen Darlehen bei den Eink\u00fcnften aus \u00a7&nbsp;17 EStG umgangen werden. Im \u00dcbrigen ist \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG im Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;17 EStG nicht verdr\u00e4ngt und kann zu einer anderen Auslegung herangezogen werden. Auch im Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG bei einem Ansatz mit dem Teilwert kann der Darlehensausfall in H\u00f6he des nicht werthaltigen Teils bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen ber\u00fccksichtigt werden. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;8 EStG steht dem nicht entgegen (Senatsurteil vom 20.06.2023&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;2\/22, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt).<\/li><li>ccc) Die Rechtsprechung zur Bewertung von Einlagen wertgeminderter Gesellschafterdarlehen aus dem Privat- in ein Betriebsverm\u00f6gen ist nicht auf die hier streitige Frage der Bewertung nachtr\u00e4glicher Anschaffungskosten nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 EStG zu \u00fcbertragen. Nach dem BFH-Urteil vom 29.11.2017&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;8\/16 (BFHE 260, 224, BStBl II 2018, 426, Rz&nbsp;68) hat die Einlage wertgeminderter Darlehensforderungen in Ausdehnung des Anwendungsbereichs des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b EStG mit dem Wert zu erfolgen, mit dem die Forderung in den F\u00e4llen des \u00a7&nbsp;17 EStG als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten zu ber\u00fccksichtigen w\u00e4re. Dieser Rechtssatz gibt aber keine Antwort auf die Frage, in welcher H\u00f6he nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten angefallen sind. Im \u00dcbrigen l\u00e4sst sich die Wertung der Rechtsprechung zur Bewertung von Einlagen wertgeminderter Gesellschafterdarlehen aus dem Privat- in ein Betriebsverm\u00f6gen aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslagen nicht auf den vorliegenden Streitfall \u00fcbertragen. In den der vorgenannten Rechtsprechung zugrunde liegenden Konstellationen erfolgt ein Wechsel der Zugeh\u00f6rigkeit. Aufgrund der Einlage aus dem Privat- in das Betriebsverm\u00f6gen unterliegt das wertgeminderte Gesellschafterdarlehen nicht mehr der Besteuerung nach \u00a7&nbsp;20 EStG, sondern nach \u00a7&nbsp;15 EStG. Anders ist dies jedoch im vorliegenden Fall. Das Darlehen bleibt Privatverm\u00f6gen, ein Wechsel der Zugeh\u00f6rigkeit findet nicht statt. Soweit der Darlehensverlust nicht bei \u00a7&nbsp;17 EStG ber\u00fccksichtigt werden kann, kommt eine Ber\u00fccksichtigung bei \u00a7&nbsp;20 EStG in Betracht.<\/li><li>ee) Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben hat das FG zutreffend angenommen, dass das Gesellschafterdarlehen als stehen gelassenes Darlehen nur in H\u00f6he dessen Teilwerts bei Eintritt der Krise zu nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten im Sinne des \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 EStG f\u00fchrt. Dieser Wert betr\u00e4gt im Streitfall 0&nbsp;\u20ac.<\/li><li>2. Rechtsfehlerfrei hat das FG auch eine Ber\u00fccksichtigung des Darlehensausfalls nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7, Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG versagt.<\/li><li>a) Soweit \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG Vorg\u00e4nge, die den Begriff der Ver\u00e4u\u00dferung nicht erf\u00fcllen (Einl\u00f6sung, R\u00fcckzahlung, Abtretung, verdeckte Einlage in eine Kapitalgesellschaft, Vereinnahmung eines Auseinandersetzungsguthabens), fiktiv einer Ver\u00e4u\u00dferung gleichstellt, ist die Vorschrift nur auf Sachverhalte anwendbar, f\u00fcr die der Anwendungsbereich der durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 (UntStRefG 2008) vom 14.08.2007 (BGBl I 2007, 1912) neu eingef\u00fchrten Ver\u00e4u\u00dferungstatbest\u00e4nde in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG er\u00f6ffnet ist (Senatsurteil vom 14.01.2020&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;9\/18, BFHE 268, 61, BStBl II 2020, 490, Rz&nbsp;17, m.w.N.).<\/li><li>b) Nach der durch Art.&nbsp;1 Nr.&nbsp;16 UntStRefG 2008 neu eingef\u00fchrten Regelung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG geh\u00f6rt zu den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen auch der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung von sonstigen Kapitalforderungen jeder Art im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG. Diese Regelung bestimmt, dass zu den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen Ertr\u00e4ge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art geh\u00f6ren, wenn die R\u00fcckzahlung des Kapitalverm\u00f6gens oder ein Entgelt f\u00fcr die \u00dcberlassung des Kapitalverm\u00f6gens zur Nutzung zugesagt oder geleistet worden ist, auch wenn die H\u00f6he der R\u00fcckzahlung oder des Entgelts von einem ungewissen Ereignis abh\u00e4ngt&nbsp;&#8211; und zwar ohne R\u00fccksicht auf die Bezeichnung und die zivilrechtliche Ausgestaltung der Kapitalanlage.<\/li><li>c) Nach \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG ist \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG i.d.F. des UntStRefG 2008 erstmals auf nach dem 31.12.2008 zuflie\u00dfende Kapitalertr\u00e4ge aus der Ver\u00e4u\u00dferung sonstiger Kapitalforderungen anzuwenden. F\u00fcr Kapitalertr\u00e4ge aus Kapitalforderungen, die zum Zeitpunkt des vor dem 01.01.2009 erfolgten Erwerbs zwar Kapitalforderungen im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG a.F., aber nicht Kapitalforderungen im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG a.F. (sogenannte Finanzinnovationen) sind, ist \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG i.d.F. des UntStRefG 2008 nicht anzuwenden (\u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;28 Satz&nbsp;16 EStG; s.a. Senatsurteil vom 14.01.2020&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;9\/18, BFHE 268, 61, BStBl II 2020, 490, Rz&nbsp;15&nbsp;f., m.w.N.).<\/li><li>d) Diesen Ma\u00dfst\u00e4ben ist das FG gefolgt und hat dementsprechend zutreffend eine Ber\u00fccksichtigung des Darlehensausfalls bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen versagt, da es die Voraussetzungen einer Finanzinnovation im Sinne von \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG a.F. als nicht gegeben ansah. Dem sind die Kl\u00e4ger im Revisionsverfahren nicht entgegengetreten.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.180723.IXR21.21.0 BFH IX. Senat EStG \u00a7 17 Abs 1, EStG \u00a7 17 Abs 2, EStG \u00a7 17 Abs 4, EStG \u00a7 17 Abs 2a, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 52 Abs 25a, EStG \u00a7 52 Abs 28 S 16, EStG \u00a7 20 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/hoehe-nachtraeglicher-anschaffungskosten-bei-in-der-krise-stehen-gelassener-darlehen-nach-%c2%a7-17-abs-2a-satz-3-nr-2-estg-bfh-urteil-vom-18-juli-2023-ix-r-21-21\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">H\u00f6he nachtr\u00e4glicher Anschaffungskosten bei in der Krise stehen gelassener Darlehen nach \u00a7 17 Abs. 2a Satz 3 Nr. 2 EStG &#8211; BFH-Urteil vom 18. 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