{"id":76326,"date":"2023-11-18T13:43:55","date_gmt":"2023-11-18T11:43:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76326"},"modified":"2023-11-18T13:43:55","modified_gmt":"2023-11-18T11:43:55","slug":"zur-vorlaeufigen-festsetzung-des-gegenstandswerts-bfh-beschluss-vom-30-oktober-2023-iv-s-26-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zur-vorlaeufigen-festsetzung-des-gegenstandswerts-bfh-beschluss-vom-30-oktober-2023-iv-s-26-23\/","title":{"rendered":"Zur (vorl\u00e4ufigen) Festsetzung des Gegenstandswerts &#8211; BFH-Beschluss vom 30. Oktober 2023, IV S 26\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.301023.IVS26.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IV. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>RVG \u00a7 9, RVG \u00a7 33 Abs 1, RVG \u00a7 33 Abs 8<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: \u00dcber den Antrag auf Festsetzung des Gegenstandswerts nach \u00a7 33 Abs. 1 des Rechtsanwaltsverg\u00fctungsgesetzes (RVG) entscheidet das Gericht durch eines seiner Mitglieder als Einzelrichter (\u00a7 33 Abs. 8 RVG).<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Der Antrag auf (vorl\u00e4ufige) Festsetzung des Gegenstandswerts gem\u00e4\u00df \u00a7 33 Abs. 1 RVG kann nicht auf das Recht auf Vorschuss gem\u00e4\u00df \u00a7 9 RVG gest\u00fctzt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Antrag auf vorl\u00e4ufige Festsetzung des Gegenstandswerts gem\u00e4\u00df \u00a7 33 des Rechtsanwaltsverg\u00fctungsgesetzes wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung ergeht gerichtsgeb\u00fchrenfrei.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Antragsteller hat mit Schriftsatz vom 28.08.2023 Nichtzulassungsbeschwerde gegen das gegen den Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) ergangene Urteil des Finanzgerichts (FG) Baden-W\u00fcrttemberg vom 30.06.2023&nbsp;&#8211; 13&nbsp;K&nbsp;2431\/21 eingelegt und diese mit Schreiben vom 08.10.2023 begr\u00fcndet. Das Beschwerdeverfahren des Kl\u00e4gers wird unter dem Aktenzeichen IV&nbsp;B&nbsp;43\/23 gef\u00fchrt.<\/li><li>Im Schriftsatz vom 08.10.2023 hat der Antragsteller auch beantragt, den Gegenstandswert f\u00fcr das Rechtsbeschwerdeverfahren nach \u00a7\u00a7&nbsp;9, 33 des Rechtsanwaltsverg\u00fctungsgesetzes (RVG) vorl\u00e4ufig festzusetzen. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte er im Weiteren an, die Anwaltskosten m\u00fcssten vorschussweise geltend gemacht werden. Das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr seinen Antrag ergebe sich aus \u00a7\u00a7&nbsp;9, 33 RVG. Jedes Gericht setze den Gegenstandswert f\u00fcr seine Instanz gesondert fest.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Antrag auf vorl\u00e4ufige Festsetzung des Gegenstandswerts ist unzul\u00e4ssig.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 RVG setzt das Gericht des Rechtszugs auf Antrag den Wert des Gegenstands der anwaltlichen T\u00e4tigkeit durch Beschluss selbst\u00e4ndig fest, wenn sich die Geb\u00fchren in einem gerichtlichen Verfahren nicht nach dem f\u00fcr die Gerichtsgeb\u00fchren ma\u00dfgebenden Wert richten oder wenn es an einem solchen Wert fehlt. Nach Abs.&nbsp;2 der Vorschrift ist der Antrag erst zul\u00e4ssig, wenn die Verg\u00fctung f\u00e4llig ist.<\/li><li>a) Danach ist eine Wertfestsetzung bereits deshalb ausgeschlossen, weil es an der F\u00e4lligkeit der Verg\u00fctung fehlt. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 RVG ist die Verg\u00fctung f\u00e4llig, wenn der Auftrag erledigt oder die Angelegenheit beendet ist beziehungsweise \u2011\u2011sofern der Rechtsanwalt in einem gerichtlichen Verfahren t\u00e4tig wird\u2011\u2011 wenn eine Kostenentscheidung ergangen oder der Rechtszug beendet ist oder wenn das Verfahren l\u00e4nger als drei Monate ruht. Hieran fehlt es in Bezug auf das unter dem Aktenzeichen IV&nbsp;B&nbsp;43\/23 gef\u00fchrte Beschwerdeverfahren.<\/li><li>b) Entgegen der Auffassung des Antragstellers kann der Antrag nicht auf das Recht auf Vorschuss gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 RVG gest\u00fctzt werden (Landesarbeitsgericht \u2011\u2011LAG\u2011\u2011 Schleswig-Holstein, Beschluss vom 23.03.2006&nbsp;&#8211; 2&nbsp;Ta&nbsp;54\/06, Rz&nbsp;5; Rahm\/K\u00fcnkel, Handbuch Familien- und Familienverfahrensrecht, Kap.&nbsp;14, B.&nbsp;Verfahrenswert Rz&nbsp;202; Burhoff\/Volpert, RVG Straf- und Bu\u00dfgeldsachen, Gegenstandswert, Festsetzung (\u00a7&nbsp;33 RVG) Rz&nbsp;1020; Toussaint\/Toussaint, Kostenrecht, 53.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;33 RVG Rz&nbsp;18). Daraus, dass der Prozessvertreter gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 RVG einen Vorschuss verlangen kann, folgt nicht, dass f\u00fcr diese Zwecke ein Wert festzusetzen ist, denn der Prozessbevollm\u00e4chtigte kann den aus seiner Sicht zutreffenden Wert zugrunde legen und danach den Vorschuss verlangen (vgl. z.B. LAG Schleswig-Holstein, Beschluss vom 23.03.2006&nbsp;&#8211; 2&nbsp;Ta&nbsp;54\/06, Rz&nbsp;5).<\/li><li>c) Zudem kommt die vom Antragsteller begehrte Festsetzung des Gegenstandswerts nach \u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 RVG nicht in Betracht, weil sich die Anwaltsgeb\u00fchren im Streitfall nach dem f\u00fcr die Gerichtsgeb\u00fchren ma\u00dfgeblichen Wert berechnen und es an einem solchen Wert \u2011\u2011auch ohne gerichtliche Festsetzung\u2011\u2011 nicht fehlt (vgl. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 15.12.2014&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;37\/14, Rz&nbsp;2; vom 29.09.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;S&nbsp;6\/10, Rz&nbsp;4).<\/li><li>Nach \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 RVG sind bei der Bemessung des Gegenstandswerts f\u00fcr das gerichtliche Verfahren die Wertvorschriften f\u00fcr die Gerichtsgeb\u00fchren heranzuziehen. Nach \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 des Gerichtskostengesetzes (GKG) bemisst sich der Streitwert in Verfahren vor den Gerichten der Finanzgerichtsbarkeit grunds\u00e4tzlich nach der sich aus dem Antrag des Kl\u00e4gers ergebenden Bedeutung der Sache. Dabei entspricht der Streitwert des Verfahrens \u00fcber eine Nichtzulassungsbeschwerde regelm\u00e4\u00dfig dem Streitwert des vorangegangenen Klageverfahrens. Ma\u00dfgebend ist grunds\u00e4tzlich der im Urteil des FG wiedergegebene Klageantrag, wie er in der letzten m\u00fcndlichen Verhandlung gestellt worden ist (vgl. BFH-Beschluss vom 29.02.2012&nbsp;&#8211; IV&nbsp;E&nbsp;1\/12, Rz&nbsp;9). Allerdings darf der Streitwert nicht unter einem Mindestbetrag von 1.500&nbsp;\u20ac (\u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;4 GKG) angenommen werden (vgl. BFH\u2013Beschluss vom 29.09.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;S&nbsp;6\/10).<\/li><li>2. Der Antrag ist auch nicht als Antrag auf Streitwertfestsetzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 RVG zu verstehen. Zum einen hat der Antragsteller ausdr\u00fccklich eine Wertfestsetzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;33 RVG beantragt, zum anderen w\u00e4re auch eine vorl\u00e4ufige Streitwertfestsetzung unzul\u00e4ssig (vgl. hierzu BFH\u2013Beschluss vom 17.11.2015&nbsp;&#8211; III&nbsp;S&nbsp;11\/15).<\/li><li>3. \u00dcber den Antrag auf Festsetzung des Gegenstandswerts nach \u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 RVG entscheidet das Gericht durch eines seiner Mitglieder als Einzelrichter (\u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;8 RVG, vgl. z.B. BFH\u2013Beschluss vom 15.12.2014&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;37\/14, Rz&nbsp;1; Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 11.04.2023&nbsp;&#8211; I&nbsp;ZB&nbsp;55\/22, Rz&nbsp;3).<\/li><li>4. Das Verfahren \u00fcber den Antrag auf Festsetzung des Gegenstandswerts ist geb\u00fchrenfrei. Kosten werden nicht erstattet (\u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;9 RVG).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.301023.IVS26.23.0 BFH IV. Senat RVG \u00a7 9, RVG \u00a7 33 Abs 1, RVG \u00a7 33 Abs 8 Leits\u00e4tze 1. NV: \u00dcber den Antrag auf Festsetzung des Gegenstandswerts nach \u00a7 33 Abs. 1 des Rechtsanwaltsverg\u00fctungsgesetzes (RVG) entscheidet das Gericht durch eines seiner Mitglieder als Einzelrichter (\u00a7 33 Abs. 8 RVG). 2. 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