{"id":76351,"date":"2023-12-17T12:41:50","date_gmt":"2023-12-17T10:41:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76351"},"modified":"2023-12-17T12:41:50","modified_gmt":"2023-12-17T10:41:50","slug":"keine-kostenentscheidung-bei-antrag-auf-bestimmung-des-zustaendigen-fg-bfh-beschluss-vom-14-november-2023-iv-s-24-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/keine-kostenentscheidung-bei-antrag-auf-bestimmung-des-zustaendigen-fg-bfh-beschluss-vom-14-november-2023-iv-s-24-23\/","title":{"rendered":"Keine Kostenentscheidung bei Antrag auf Bestimmung des zust\u00e4ndigen FG &#8211; BFH-Beschluss vom 14. November 2023, IV S 24\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.141123.IVS24.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IV. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 38, FGO \u00a7 39, FGO \u00a7 70 S 1, GVG \u00a7 17a Abs 2 S 1, RVG \u00a7 16 Nr 3a<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Eine Entscheidung \u00fcber den Antrag auf Bestimmung des zust\u00e4ndigen Finanzgerichts (FG) bedarf keiner Kostenentscheidung. Dies gilt bei antragsgem\u00e4\u00dfer Bestimmung des zust\u00e4ndigen FG ebenso wie bei Zur\u00fcckweisung des Antrags.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Antrag wird zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>I. Die Antragstellerin hat mit Schriftsatz vom 19.04.2021 bei dem Finanzgericht (FG) des Landes Sachsen-Anhalt einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (AdV) gestellt, in dem das Finanzamt B (FA&nbsp;B) als Antragsgegner bezeichnet ist. Dieser Antrag betrifft den f\u00fcr die Antragstellerin ergangenen Bescheid des FA&nbsp;B \u00fcber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen (Gewinnfeststellung) und des verrechenbaren Verlustes nach \u00a7&nbsp;15a des Einkommensteuergesetzes f\u00fcr das Jahr 2015 vom 09.07.2018. In dem Antrag wurde auf ein in der Hauptsache noch anh\u00e4ngiges Einspruchsverfahren verwiesen. Das Verfahren auf Gew\u00e4hrung gerichtlichen Eilrechtsschutzes ist bei dem FG des Landes Sachsen-Anhalt unter dem Aktenzeichen \u2026 anh\u00e4ngig.<\/li><li>Das Finanzamt D (FA&nbsp;D) \u00e4nderte mit Einspruchsentscheidung vom 28.07.2023 die Gewinnfeststellung 2015 f\u00fcr die Antragstellerin dahingehend, dass die Eink\u00fcnfte von .\/.&nbsp;32.777,69&nbsp;\u20ac auf 50.656,60&nbsp;\u20ac erh\u00f6ht wurden. Der verrechenbare Verlust des Kommanditisten A wurde auf 0&nbsp;\u20ac festgestellt. Das FA&nbsp;D f\u00fchrte in der Begr\u00fcndung der Einspruchsentscheidung aus, dass sich der Sitz der Komplement\u00e4r-GmbH der Antragstellerin im Streitjahr in Hessen befunden habe. Auch die im Jahr 2023 neu als Komplement\u00e4rin in die Antragstellerin eingetretene X&nbsp;UG (haftungsbeschr\u00e4nkt) sei aus Hessen.<\/li><li>Die Antragstellerin beantragt mit Schriftsatz vom 26.09.2023 bei dem Bundesfinanzhof (BFH), die Zust\u00e4ndigkeit des Hessischen FG statt des FG des Landes Sachsen-Anhalt festzustellen. Das FG des Landes Sachsen-Anhalt habe \u00fcber den seit dem 19.04.2021 anh\u00e4ngigen AdV-Antrag bis jetzt nicht entschieden. Zwischenzeitlich sei jedoch in der Hauptsache ein Wechsel der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit auf das FA&nbsp;D eingetreten. Dies f\u00fchre zwingend zu einem Zust\u00e4ndigkeitswechsel auch hinsichtlich des zust\u00e4ndigen FG.<\/li><li>Die Antragstellerin beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>das Hessische FG als zust\u00e4ndiges Gericht zu bestimmen.<\/li><li>Der Antragsgegner hat auf die Abgabe einer Stellungnahme zu dem Antrag verzichtet.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>II. Der Antrag auf Bestimmung des \u00f6rtlich zust\u00e4ndigen FG nach \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ist unbegr\u00fcndet. Die Voraussetzungen einer Bestimmung durch den BFH sind nicht gegeben.<\/li><li>1. Eine Zust\u00e4ndigkeitsbestimmung nach \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 FGO kommt nicht in Betracht. Nach dieser Vorschrift wird das zust\u00e4ndige FG durch den BFH bestimmt, wenn eine \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit nach \u00a7&nbsp;38 FGO nicht gegeben ist.<\/li><li>Es ist jedoch kein Fall des \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 FGO gegeben, wenn ein anderes FG nach \u00a7&nbsp;38 FGO zust\u00e4ndig ist. \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 FGO greift nur ein, wenn der Rechtsschutz l\u00fcckenhaft ist, weil der Finanzrechtsweg er\u00f6ffnet ist, aber kein FG nach \u00a7&nbsp;38 FGO zust\u00e4ndig w\u00e4re (vgl. Gr\u00e4ber\/Herbert, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;39 Rz&nbsp;8, m.w.N.). Danach liegt kein Fall des \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 FGO vor. Denn es fehlt an einer Rechtsschutzl\u00fccke. Sollte der Erlass des \u00c4nderungsbescheids vom 28.07.2023 nunmehr die Zust\u00e4ndigkeit des Hessischen FG begr\u00fcnden, so m\u00fcsste das FG des Landes Sachsen-Anhalt das Verfahren gegebenenfalls an das andere, nunmehr nach \u00a7&nbsp;38 FGO zust\u00e4ndige FG verweisen (\u00a7&nbsp;70 Satz&nbsp;1 FGO, \u00a7&nbsp;17a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Gerichtsverfassungsgesetzes).<\/li><li>2. Auch die anderen in \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 FGO genannten Tatbest\u00e4nde f\u00fcr die von der Antragstellerin beantragte Zust\u00e4ndigkeitsbestimmung durch den BFH liegen im Streitfall nicht vor.<\/li><li>Eine rechtliche oder tats\u00e4chliche Verhinderung eines FG an der Aus\u00fcbung der Gerichtsbarkeit im Sinne von \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO scheidet ebenso aus wie eine Unsicherheit \u00fcber die Grenzen verschiedener Gerichtsbezirke im Sinne von \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO. Auch haben sich weder verschiedene FG in der Sache f\u00fcr zust\u00e4ndig erkl\u00e4rt (\u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 FGO), noch haben sich verschiedene FG f\u00fcr unzust\u00e4ndig erkl\u00e4rt, von denen eines zust\u00e4ndig ist (\u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 FGO).<\/li><li>3. Angesichts der erheblichen Dauer der Rechtsh\u00e4ngigkeit des vorliegenden Verfahrens des gerichtlichen Eilrechtsschutzes bedarf das weitere Vorgehen des FG der Beschleunigung.<\/li><li>4. Eine Kostenentscheidung ist nicht zu treffen (BFH-Beschluss vom 29.06.2015&nbsp;&#8211; III&nbsp;S&nbsp;12\/15, Rz&nbsp;32, f\u00fcr die Vornahme der Bestimmung durch den BFH). Da f\u00fcr das Zust\u00e4ndigkeitsbestimmungsverfahren keine Gerichtskosten anfallen und auch f\u00fcr die Bestimmung der Anwaltskosten dieselbe Angelegenheit besteht (\u00a7&nbsp;16 Nr.&nbsp;3a des Rechtsanwaltsverg\u00fctungsgesetzes \u2011\u2011RVG\u2011\u2011), bedarf es auch im Fall der Zur\u00fcckweisung des Antrags keiner Kostengrundentscheidung (Bayerisches Oberstes Landesgericht, Beschluss vom 12.06.2019&nbsp;&#8211; 1&nbsp;AR&nbsp;12\/18, zur Rechtslage nach Inkrafttreten des \u00a7&nbsp;16 Nr.&nbsp;3a RVG am 01.08.2013; so auch Brandis in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;39 FGO Rz&nbsp;8; anders noch Steinhauff in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7&nbsp;39 FGO Rz&nbsp;160 und Gr\u00e4ber\/Herbert, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;39 Rz&nbsp;10).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.141123.IVS24.23.0 BFH IV. 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