{"id":76438,"date":"2024-01-13T16:16:14","date_gmt":"2024-01-13T14:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76438"},"modified":"2024-01-13T16:16:14","modified_gmt":"2024-01-13T14:16:14","slug":"%c2%a7-23-estg-kein-anteiliger-erwerb-eines-zur-erbmasse-gehoerenden-grundstuecks-bei-entgeltlichem-erwerb-eines-miterbenanteils-bfh-urteil-vom-26-september-2023-ix-r-13-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/%c2%a7-23-estg-kein-anteiliger-erwerb-eines-zur-erbmasse-gehoerenden-grundstuecks-bei-entgeltlichem-erwerb-eines-miterbenanteils-bfh-urteil-vom-26-september-2023-ix-r-13-22\/","title":{"rendered":"\u00a7 23 EStG: Kein anteiliger Erwerb eines zur Erbmasse geh\u00f6renden Grundst\u00fccks bei entgeltlichem Erwerb eines Miterbenanteils &#8211; BFH-Urteil vom 26. September 2023, IX R 13\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.260923.IXR13.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 6, EStG \u00a7 9, EStG \u00a7 22 Nr 2, EStG \u00a7 23 Abs 1 S 1 Nr 1, EStG \u00a7 23 Abs 1 S 4, EStG \u00a7 23 Abs 3, FGO \u00a7 118 Abs 2, HGB \u00a7 255 Abs 1, AO \u00a7 39 Abs 2 Nr 2, EStG VZ 2018<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnchen, 21. Juli 2021, Az: 1 K 2127\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Der entgeltliche Erwerb eines Anteils an einer Erbengemeinschaft f\u00fchrt nicht zur anteiligen Anschaffung eines zum Gesamthandsverm\u00f6gen der Erbengemeinschaft geh\u00f6renden Grundst\u00fccks (\u00c4nderung der Rechtsprechung sowie entgegen Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 14.03.2006, BStBl I 2006, 253, Rz 43).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnchen vom 21.07.2021 &#8211; 1 K 2127\/20 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einkommensteuer 2018 wird unter Ab\u00e4nderung des Einkommensteuer-bescheids vom 25.08.2020 auf den Betrag festgesetzt, der sich ohne die bislang ber\u00fccksichtigten Eink\u00fcnfte nach \u00a7 22 Nr. 2 i.V.m. \u00a7 23 des Einkommensteuergesetzes in H\u00f6he von \u2026 \u20ac ergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Berechnung der Steuer wird dem Finanzamt \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat das Finanzamt zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten \u00fcber das Vorliegen von Eink\u00fcnften nach \u00a7&nbsp;22 Nr.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;23 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr 2018 g\u00fcltigen Fassung (EStG) wegen der Ver\u00e4u\u00dferung von zur Erbmasse geh\u00f6rendem Grundbesitz nach dem Erwerb aller \u00fcbrigen Miterbenanteile durch einen Erben.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) ist Erbe mit einem Erbanteil von 52&nbsp;% nach der am xx.xx.2015 verstorbenen Frau \u2026 (Erblasserin). Zu seinen Lasten wurde Nacherbfolge angeordnet. Weitere Erben zu jeweils 24&nbsp;% und zugleich Nacherben nach dem Kl\u00e4ger wurden die Kinder der Erblasserin. Aufgrund eines Vorausverm\u00e4chtnisses erhielt der Kl\u00e4ger den gesamten Hausrat, das Mobiliar und den Personenkraftwagen der Erblasserin. Im \u00dcbrigen bestand der Nachlass aus dem Grundbesitz mit der Gemarkung \u2026 unter der Anschrift \u2026 sowie \u2026 (Grundst\u00fcck) sowie einem Gesch\u00e4ftsanteil an der \u2026 GmbH (GmbH) in H\u00f6he von \u2026&nbsp;DM. Das Stammkapital der GmbH betrug \u2026&nbsp;DM.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger und die Kinder der Erblasserin wurden am 27.08.2015 im Grundbuch des Grundst\u00fccks als Eigent\u00fcmer in Erbengemeinschaft eingetragen.<\/li><li>Mit notarieller Urkunde vom 18.04.2017 \u00fcbertrugen die Kinder der Erblasserin als Nacherben das Nacherbenanwartschaftsrecht an dem Erbteil des Kl\u00e4gers mit allen Rechten und Pflichten an diesen zur Alleinberechtigung und traten dieses Recht mit sofortiger dinglicher Wirkung ab.<\/li><li>In der Folge \u00fcbertrugen die Kinder der Erblasserin mit notarieller Urkunde vom 27.04.2017 ihren Erbanteil an einen Dritten. Nach der Aus\u00fcbung des gesetzlichen Vorkaufsrechts \u00fcbertrug dieser die von den beiden Kindern der Erblasserin erworbenen Erbanteile mit notarieller Urkunde vom 20.10.2017 auf den Kl\u00e4ger. Zugleich wurde die Erbengemeinschaft auseinandergesetzt. Nach Abzug der anteiligen auf die Erbanteile der Kinder der Erblasserin entfallenden Nachlassverbindlichkeiten vom Kaufpreis von \u2026&nbsp;\u20ac verblieb ein als Restkaufpreis bezeichneter Betrag von \u2026&nbsp;\u20ac. Unter Ber\u00fccksichtigung weiterer Kosten und Geb\u00fchren wendete der Kl\u00e4ger insgesamt \u2026&nbsp;\u20ac laut notarieller Urkunde vom 20.10.2017 f\u00fcr die Erbanteile der Kinder der Erblasserin auf.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger ver\u00e4u\u00dferte mit notarieller Urkunde vom 09.02.2018 den aus dem Nachlass stammenden Grundbesitz f\u00fcr \u2026&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) kam zu dem Ergebnis, dass hinsichtlich des Erwerbs der Erbanteile vom Dritten eine anteilige entgeltliche Anschaffung des Grundbesitzes in H\u00f6he von 48&nbsp;% durch den Kl\u00e4ger vorliege. Da zwischen dem Erwerb der Erbanteile und dem Verkauf des Grundbesitzes nicht mehr als zehn Jahre gelegen h\u00e4tten, l\u00e4gen sonstige Eink\u00fcnfte aufgrund eines privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fts vor.<\/li><li>Mit ge\u00e4ndertem Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2018 vom 25.08.2020 ber\u00fccksichtigte das FA daher zus\u00e4tzlich Eink\u00fcnfte aus einem privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Die hiergegen erhobene Sprungklage zum Finanzgericht (FG) blieb aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2022, 1907 genannten Gr\u00fcnden ohne Erfolg (Urteil vom 21.07.2021&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;2127\/20).<\/li><li>Hiergegen richtet sich die Revision, mit der der Kl\u00e4ger im Wesentlichen die Verletzung materiellen Rechts r\u00fcgt.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG M\u00fcnchen vom 21.07.2021&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;2127\/20 aufzuheben und die Einkommensteuer ohne Ber\u00fccksichtigung von Eink\u00fcnften nach \u00a7&nbsp;22 Nr.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;23 EStG festzusetzen.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Die ver\u00e4u\u00dferten Objekte seien erst durch den Erwerb der Erbanteile in das Eigentum des Kl\u00e4gers \u00fcbergegangen. Die Entscheidungen des X.&nbsp;Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 04.10.1990&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;148\/88 (BFHE 162, 304, BStBl II 1992, 211) sowie vom 10.07.1996&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;103\/95 (BFHE 183, 1, BStBl II 1997, 678) seien auf den vorliegenden Fall nicht \u00fcbertragbar. W\u00e4hrend es in den dortigen Verfahren um die Frage der Weiterver\u00e4u\u00dferung eines KG-\/GbR-Anteils gegangen sei, werde vorliegend kein Anteil an der Erbengemeinschaft, sondern ein zur Erbmasse geh\u00f6rendes Grundst\u00fcck ver\u00e4u\u00dfert.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) und \u2011\u2011da der Senat in der Sache selbst entscheiden kann\u2011\u2011 zur Stattgabe der Klage. Das FG hat zu Unrecht einen vom Kl\u00e4ger zu versteuernden Gewinn aus einem privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft nach \u00a7&nbsp;22 Nr.&nbsp;2, \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac wegen der Ver\u00e4u\u00dferung des Grundst\u00fccks angenommen.<\/li><li>1. Sonstige Eink\u00fcnfte aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften sind nach \u00a7&nbsp;22 Nr.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fte bei Grundst\u00fccken und Rechten, die den Vorschriften des b\u00fcrgerlichen Rechts \u00fcber Grundst\u00fccke unterliegen (zum Beispiel Erbbaurecht, Mineralgewinnungsrecht), bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Ver\u00e4u\u00dferung nicht mehr als zehn Jahre betr\u00e4gt.<\/li><li>a) Die in \u00a7&nbsp;23 EStG verwendeten Begriffe &#8222;Anschaffung&#8220; und &#8222;Anschaffungskosten&#8220; sind im Sinne des \u00a7&nbsp;6 EStG und des \u00a7&nbsp;255 Abs.&nbsp;1 des Handelsgesetzbuchs (HGB) auszulegen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, s. nur Senatsurteil vom 08.11.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;25\/15, BFHE 260, 202, BStBl II 2018, 518, Rz&nbsp;16, m.w.N.). Unter Anschaffung beziehungsweise Ver\u00e4u\u00dferung im Sinne des \u00a7&nbsp;23 EStG ist danach die entgeltliche \u00dcbertragung eines Wirtschaftsguts auf einen Dritten zu verstehen (z.B. Senatsurteile vom 31.01.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;26\/16, BFHE 257, 78, BStBl II 2018, 341, Rz&nbsp;14; vom 08.04.2003&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;1\/01, BFH\/NV 2003, 1171, unter II.1.b&nbsp;aa und vom 02.05.2000&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;73\/98, BFHE 192, 435, BStBl II 2000, 614, zur Anschaffung unter II.3.a und zur Ver\u00e4u\u00dferung unter II.3.b, jeweils m.w.N.). Anschaffungskosten sind nach \u00a7&nbsp;255 Abs.&nbsp;1 HGB unter anderem die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Verm\u00f6gensgegenstand zu erwerben.<\/li><li>b) Nach dem Wortlaut sowie dem Sinn und Zweck des \u00a7&nbsp;23 EStG sollen innerhalb der Ver\u00e4u\u00dferungsfrist realisierte Wert\u00e4nderungen eines bestimmten Wirtschaftsguts im Privatverm\u00f6gen des Steuerpflichtigen der Einkommensteuer unterworfen werden. Daraus ergibt sich das Erfordernis der N\u00e4mlichkeit von angeschafftem und innerhalb der Haltefristen ver\u00e4u\u00dfertem Wirtschaftsgut, wobei N\u00e4mlichkeit Identit\u00e4t im wirtschaftlichen Sinn bedeutet. Wirtschaftliche Teilidentit\u00e4t ist grunds\u00e4tzlich ausreichend, begr\u00fcndet ein privates Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft aber nur f\u00fcr diesen Teil des betreffenden Wirtschaftsguts. Ob und in welchem Umfang N\u00e4mlichkeit gegeben ist oder ein anderes Wirtschaftsgut (&#8222;aliud&#8220;) vorliegt, richtet sich nach einem wertenden Vergleich von angeschafftem und ver\u00e4u\u00dfertem Wirtschaftsgut unter Ber\u00fccksichtigung der Umst\u00e4nde des Einzelfalls. Ma\u00dfgebliche Kriterien sind die Gleichartigkeit, Funktionsgleichheit und Gleichwertigkeit von angeschafftem und ver\u00e4u\u00dfertem Wirtschaftsgut (Senatsurteile vom 08.11.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;25\/15, BFHE 260, 202, BStBl II 2018, 518, Rz&nbsp;17 und vom 12.06.2013&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;31\/12, BFHE 241, 557, BStBl II 2013, 1011, Rz&nbsp;13&nbsp;f., m.w.N.).<\/li><li>c) Im Grundsatz f\u00fchrt der entgeltliche Erwerb eines Anteils an einer gesamth\u00e4nderischen Beteiligung nicht zur (anteiligen) Anschaffung der Wirtschaftsg\u00fcter des Gesamthandsverm\u00f6gens (entgegen Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen \u2011\u2011BMF\u2011\u2011 vom 14.03.2006, BStBl I 2006, 253, Rz&nbsp;43).<\/li><li>aa) Eine gesamth\u00e4nderische Beteiligung ist kein Grundst\u00fcck und auch kein Recht, das den Vorschriften des b\u00fcrgerlichen Rechts \u00fcber Grundst\u00fccke unterliegt. Das gilt selbst dann, wenn sich im Gesamthandsverm\u00f6gen nur Grundst\u00fccke befinden. Der Tatbestand des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG a.F. ist zivilrechtlich zu verstehen. Eine gesamth\u00e4nderische Beteiligung vermittelt aber keinen sachenrechtlich fassbaren Anteil und infolgedessen auch kein Verf\u00fcgungsrecht des einzelnen an den Gegenst\u00e4nden des Gesamthandsverm\u00f6gens. Sie kann deshalb einem Grundst\u00fcck oder einem grundst\u00fccksgleichen Recht nicht gleichgestellt werden (BFH-Urteil vom 04.10.1990&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;148\/88, BFHE 162, 304, BStBl II 1992, 211, unter 1. und 2.; best\u00e4tigt durch BFH-Urteil vom 10.07.1996&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;103\/95, BFHE 183, 1, BStBl II 1997, 678, unter II.2.).<\/li><li>bb) Daran \u00e4ndert \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) nichts. Nach dieser Vorschrift werden Wirtschaftsg\u00fcter, die mehreren zur gesamten Hand zustehen, den Beteiligten anteilig zugerechnet, soweit eine getrennte Zurechnung f\u00fcr die Besteuerung erforderlich ist. Nach gefestigter Rechtsprechung des BFH, der sich der Senat anschlie\u00dft, wird eine anteilige Zurechnung im Sinne des \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO im Rahmen des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG nur erforderlich, wenn die Gesamthand selbst, die nicht Schuldnerin der Einkommensteuer ist, den Besteuerungstatbestand erf\u00fcllt. Bei Anschaffungs- oder Ver\u00e4u\u00dferungsvorg\u00e4ngen, die \u2011\u2011wie hier\u2011\u2011 von einzelnen Gesellschaftern oder Gemeinschaftern verwirklicht werden, ist dagegen eine Zurechnung nach Bruchteilen nicht erforderlich (BFH-Urteil vom 04.10.1990&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;148\/88, BFHE 162, 304, BStBl II 1992, 211, unter 1. und 2.; best\u00e4tigt durch BFH-Urteil vom 10.07.1996&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;103\/95, BFHE 183, 1, BStBl II 1997, 678, unter II.2.). \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO ist daher nicht anzuwenden, wenn der Tatbestand eines privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fts deshalb nicht erf\u00fcllt ist, weil kein Grundst\u00fcck, sondern ein Gesellschafts- oder Gemeinschaftsanteil angeschafft worden ist (vgl. auch Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;39 AO Rz&nbsp;94). Diese allgemein g\u00fcltige Aussage, die den Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;39 AO betrifft und der sich die Finanzverwaltung f\u00fcr vor dem 01.01.1994 verwirklichte Sachverhalte angeschlossen hatte (vgl. BMF-Schreiben vom 20.10.1997, BStBl I 1997, 899), ist nach wie vor zu beachten. Soweit der Senat mit Urteil vom 20.04.2004&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;5\/02 (BFHE 206, 110, BStBl II 2004, 987) eine hiervon abweichende Auffassung vertreten hat, h\u00e4lt er hieran nicht l\u00e4nger fest.<\/li><li>cc) Entgegen der Ansicht des FA findet die Rechtsprechung auch auf den vorliegenden Fall Anwendung. Zwar betrafen die angef\u00fchrten BFH-Urteile Sachverhalte mit Beteiligungen an einer KG beziehungsweise GbR. Die dargestellten Grunds\u00e4tze gelten jedoch ohne Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr alle Gesamthandsgemeinschaften. Dazu geh\u00f6rt auch die Erbengemeinschaft (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11.09.2002&nbsp;&#8211; XII&nbsp;ZR&nbsp;187\/00, Neue Juristische Wochenschrift 2002, 3389, unter II.1., BeckOK BGB\/Lohmann, 67.&nbsp;Ed. [01.08.2023], BGB \u00a7&nbsp;2032 Rz&nbsp;2; M\u00fcKoBGB\/Gergen, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;2032 Rz&nbsp;19; Staudinger\/L\u00f6hnig (2020) BGB Vorbemerkung zu \u00a7&nbsp;2032 Rz&nbsp;8).<\/li><li>dd) Etwas anderes ergibt sich nicht aus dem Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 05.07.1990&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/89 (BFHE 161, 332, BStBl II 1990, 837) zur Erbauseinandersetzung. Soweit dort ausgef\u00fchrt ist, dass dem Erbanteilsk\u00e4ufer Anschaffungskosten f\u00fcr die hinzuerworbenen Anteile am Gemeinschaftsverm\u00f6gen entstehen (Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 05.07.1990&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/89, BFHE 161, 332, BStBl II 1990, 837, unter C.II.2.a), l\u00e4sst diese Aussage nicht hinreichend klar erkennen, ob die Anschaffungskosten den Anteilen oder den Gegenst\u00e4nden im Gemeinschaftsverm\u00f6gen zuzuordnen sind. Einer Anfrage an die anderen Senate beziehungsweise einer erneuten Anrufung des Gro\u00dfen Senats des BFH (\u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;3 FGO) bedarf es mithin nicht.<\/li><li>ee) Auch aus \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG ergibt sich nichts anderes.<\/li><li>(1) Nach dieser Vorschrift gilt die Anschaffung oder Ver\u00e4u\u00dferung einer unmittelbaren oder mittelbaren Beteiligung an einer Personengesellschaft als Anschaffung oder Ver\u00e4u\u00dferung der anteiligen Wirtschaftsg\u00fcter. Die Vorschrift erfasst nach ihrem klaren und eindeutigen Wortlaut nur Beteiligungen an Personengesellschaften. Dies schlie\u00dft eine Anwendung der Regelung auf Erbengemeinschaften aus, da diese nicht zu den Personengesellschaften z\u00e4hlen (so auch Carl\u00e9 in Korn, \u00a7&nbsp;23 EStG Rz&nbsp;66.5; Musil in Herrmann\/Heuer\/Raupach, \u00a7&nbsp;23 EStG Rz&nbsp;240; Tiedtke\/W\u00e4lzholz, Betriebs-Berater 2001, 234, 238; Wernsmann in Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff, EStG, \u00a7&nbsp;23 Rz&nbsp;B&nbsp;100; vgl. BFH-Urteil vom 19.01.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;5\/19, BFHE 279, 450, BStBl II 2023, 649, Rz&nbsp;38; a.A. Kube in Kirchhof\/Seer, EStG, 22.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;23 Rz&nbsp;10).<\/li><li>(2) \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG kann auch nicht \u00fcber seinen Wortlaut hinaus auf Erbengemeinschaften angewandt werden. Mit der Einf\u00fcgung von \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG a.F. (heute: \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG) hat der Gesetzgeber auf das BFH-Urteil vom 04.10.1990&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;148\/88 (BFHE 162, 304, BStBl II 1992, 211) reagiert. Er hat dabei aber weder \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO ge\u00e4ndert noch eine spezielle Zurechnungsnorm f\u00fcr s\u00e4mtliche Gesamthandsgemeinschaften geschaffen, sondern den Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG bewusst auf Personengesellschaften beschr\u00e4nkt (BRDrucks 612\/93, S.&nbsp;61). Vor diesem Hintergrund fehlt es bereits an einer planwidrigen Regelungsl\u00fccke (BFH-Urteile vom 27.11.1985&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;42\/85, BFHE 145, 217, BStBl II 1986, 272, unter II.2.; vom 28.10.2020&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;29\/18, BFHE 271, 370, BStBl II 2021, 675, Rz&nbsp;33).<\/li><li>(3) \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG fingiert in seinem (hier nicht er\u00f6ffneten) Anwendungsbereich den Tatbestand des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG, macht damit eine Anwendung von \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO obsolet und best\u00e4tigt durch seine Existenz zugleich die Grundannahme in den BFH-Urteilen vom 04.10.1990&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;148\/88 (BFHE 162, 304, BStBl II 1992, 211, unter 1. und 2.) und vom 10.07.1996&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;103\/95 (BFHE 183, 1, BStBl II 1997, 678), wonach die Anschaffung eines Gesellschafts- oder Gemeinschaftsanteils den Tatbestand der Anschaffung eines Wirtschaftsguts nicht erf\u00fcllt.<\/li><li>d) Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben liegen die Voraussetzungen eines privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fts im Sinne von \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG nicht vor. Es besteht keine N\u00e4mlichkeit zwischen dem angeschafften und dem ver\u00e4u\u00dferten Wirtschaftsgut. Aufgrund notarieller Urkunde vom 20.10.2017 erwarb der Kl\u00e4ger die Erbanteile der beiden Kinder der Erblasserin, mithin die quotenm\u00e4\u00dfig bestimmte Teilhaberschaft an der Erbengemeinschaft als Gesamthandsgemeinschaft (Staudinger\/L\u00f6hnig (2020) BGB \u00a7&nbsp;2033 Rz&nbsp;6; M\u00fcKoBGB\/Musielak, 9.&nbsp;Aufl., Vorbemerkung vor \u00a7&nbsp;2371 Rz&nbsp;5, jeweils m.w.N.). Mit notarieller Urkunde vom 09.02.2018 ver\u00e4u\u00dferte er hingegen das aus dem Nachlass stammende Grundst\u00fcck.<\/li><li>2. Die Sache ist spruchreif. Der Senat kann aufgrund der vom FG festgestellten Tatsachen in der Sache selbst entscheiden und gibt der Klage statt.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:U.260923.IXR13.22.0 BFH IX. 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