{"id":76550,"date":"2024-02-24T19:20:15","date_gmt":"2024-02-24T17:20:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76550"},"modified":"2024-02-24T19:20:15","modified_gmt":"2024-02-24T17:20:15","slug":"unzulaessige-beschwerde-gegen-prozessleitende-verfuegungen-bfh-beschluss-vom-02-februar-2024-ix-b-26-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/unzulaessige-beschwerde-gegen-prozessleitende-verfuegungen-bfh-beschluss-vom-02-februar-2024-ix-b-26-23\/","title":{"rendered":"Unzul\u00e4ssige Beschwerde gegen prozessleitende Verf\u00fcgungen- BFH-Beschluss vom 02. Februar 2024, IX B 26\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.020224.IXB26.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 52d, FGO \u00a7 76 Abs 2, FGO \u00a7 128 Abs 2, FGO \u00a7 155 S 1, ZPO \u00a7 253 Abs 4, FGO \u00a7 62 Abs 2 S 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 14. M\u00e4rz 2023, Az: 14 K 512\/23 E<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Auf die elektronische \u00dcbermittlung einer Klageschrift gem\u00e4\u00df \u00a7 52d der Finanzgerichtsordnung (FGO) kann das Finanzgericht (FG) nicht aus Billigkeitsgr\u00fcnden verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Der Hinweis des FG, dass die Klage gem\u00e4\u00df \u00a7 52d FGO formfehlerhaft erhoben wurde, kann nicht mit der Beschwerde angegriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin gegen die Verf\u00fcgung des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 14.03.2023 &#8211; 14 K 512\/23 E wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) erhob, vertreten durch eine Steuerberaterin (Prozessbevollm\u00e4chtigte), am 13.03.2023 beim Finanzgericht (FG) D\u00fcsseldorf per Fax Klage wegen Einkommensteuer 2018. In der Klageschrift bat die Prozessbevollm\u00e4chtigte um Genehmigung, die Klage per Fax einlegen zu d\u00fcrfen.<\/li><li>Daraufhin teilte der Berichterstatter der Prozessbevollm\u00e4chtigten mit Schreiben vom 14.03.2023 mit, dass \u00a7&nbsp;52d der Finanzgerichtsordnung (FGO) nicht die M\u00f6glichkeit f\u00fcr das Gericht vorsehe, die Einreichung der Klage per Fax &#8222;zu genehmigen&#8220; und empfahl, die Klage noch \u00fcber das besondere elektronische Steuerberaterpostfach (beSt) zu \u00fcbermitteln und gegebenenfalls Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu beantragen, sollte die Klagefrist bereits abgelaufen sein.<\/li><li>Mit Schriftsatz vom 16.03.2023 reichte die Prozessbevollm\u00e4chtigte die Klage sodann auf elektronischem Weg ein. Zugleich wandte sie sich mit einer Beschwerde gegen die &#8222;Ablehnung&#8220; des Antrags auf ausnahmsweise Erhebung der Klage im Wege der bisherigen Korrespondenz. Die Nutzung des elektronischen Nachrichtensystems habe sie noch nicht erlernen k\u00f6nnen. Dass die Registrierung durch die Bundesteuerberaterkammer sehr sp\u00e4t gekommen sei, habe sie nicht zu vertreten. Zudem verweist sie auf gesundheitliche Probleme und ihr Alter. Die Ablehnung stelle aus ihrer Sicht eine Altersdiskriminierung dar.<\/li><li>Das FG hat am 20.03.2023 beschlossen, der Beschwerde der Kl\u00e4gerin nicht abzuhelfen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unzul\u00e4ssig. Sie ist unstatthaft und daher durch Beschluss zu verwerfen (\u00a7&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;572 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 und Abs.&nbsp;4 der Zivilprozessordnung \u2011\u2011ZPO\u2011\u2011).<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;128 Abs.&nbsp;2 FGO k\u00f6nnen prozessleitende Verf\u00fcgungen, wie die vom Berichterstatter mit Schreiben vom 14.03.2023 erteilten Hinweise zu \u00a7&nbsp;52d FGO, nicht mit der Beschwerde angegriffen werden. Entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin handelt es sich bei dem Schreiben des Berichterstatters nicht um eine beschwerdef\u00e4hige Entscheidung in Form der Ablehnung eines Verzichts auf die Anwendung des \u00a7&nbsp;52d FGO durch das Gericht.<\/li><li>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;52d Satz&nbsp;1 FGO sind vorbereitende Schrifts\u00e4tze, und damit gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;253 Abs.&nbsp;4 ZPO auch die Klageschriften, die durch einen Rechtsanwalt, durch eine Beh\u00f6rde oder durch eine juristische Person des \u00f6ffentlichen Rechts einschlie\u00dflich der von ihr zur Erf\u00fcllung ihrer \u00f6ffentlichen Aufgaben gebildeten Zusammenschl\u00fcsse eingereicht werden, als elektronisches Dokument zu \u00fcbermitteln. Gleiches gilt nach \u00a7&nbsp;52d Satz&nbsp;2 FGO f\u00fcr die nach der Finanzgerichtsordnung vertretungsberechtigten Personen, f\u00fcr die ein sicherer \u00dcbermittlungsweg nach \u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO zur Verf\u00fcgung steht. Seit 01.01.2023 ist dies bei den in \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO genannten Steuerberatern der Fall (vgl. hierzu z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 31.10.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;77\/22, Rz&nbsp;3&nbsp;ff.).<\/li><li>\u00a7&nbsp;52d FGO sieht, anders als zum Beispiel \u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes f\u00fcr die elektronische \u00dcbermittlung von Umsatzsteuervoranmeldungen, keine M\u00f6glichkeit des Verzichts auf eine elektronische \u00dcbermittlung einer Klageschrift aus Billigkeitsgr\u00fcnden vor. Lediglich in F\u00e4llen, in denen eine \u00dcbermittlung aus technischen Gr\u00fcnden vor\u00fcbergehend nicht m\u00f6glich ist, bleibt die \u00dcbermittlung nach den allgemeinen Vorschriften gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;52d Satz&nbsp;3 FGO zul\u00e4ssig. Ein Antragsverfahren ist hierf\u00fcr nicht vorgesehen.<\/li><li>b) Gemessen hieran handelt es sich bei dem Schreiben des Berichterstatters vom 14.03.2023 lediglich um einen Hinweis im Rahmen der gerichtlichen Hinweis- und F\u00fcrsorgepflicht nach \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 FGO, die gegen\u00fcber fachkundig vertretenen Beteiligten zwar reduziert ist, aber nicht vollst\u00e4ndig entf\u00e4llt (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 16.03.2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;202\/15, Rz&nbsp;13). So hat der Vorsitzende beziehungsweise au\u00dferhalb der m\u00fcndlichen Verhandlung der Berichterstatter (vgl. hierzu BFH-Beschluss vom 18.04.2005&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;90\/03, BFH\/NV 2005, 1817, unter 1.b&nbsp;aa) nach \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 FGO unter anderem darauf hinzuweisen, dass Formfehler \u2011\u2011zu denen auch das Au\u00dferachtlassen der Anforderungen des \u00a7&nbsp;52d FGO z\u00e4hlt\u2011\u2011 beseitigt werden. Ein solcher Hinweis ist als prozessleitende Verf\u00fcgung (vgl. z.B. Seer in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;128 FGO Rz&nbsp;25; Bergkemper in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7&nbsp;128 FGO Rz&nbsp;82) nicht mit der Beschwerde anfechtbar.<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.020224.IXB26.23.0 BFH IX. 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