{"id":76610,"date":"2024-04-17T11:43:29","date_gmt":"2024-04-17T09:43:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76610"},"modified":"2024-04-17T11:43:29","modified_gmt":"2024-04-17T09:43:29","slug":"feststellungsverjaehrung-bei-verlustfeststellungsbescheiden-zusammenfassung-des-bfh-beschlusses-ix-b-118-22-vom-23-februar-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/feststellungsverjaehrung-bei-verlustfeststellungsbescheiden-zusammenfassung-des-bfh-beschlusses-ix-b-118-22-vom-23-februar-2024\/","title":{"rendered":"Feststellungsverj\u00e4hrung bei Verlustfeststellungsbescheiden &#8211; Zusammenfassung des BFH-Beschlusses IX B 118\/22 vom 23. Februar 2024"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kernthemen:<\/strong> Das Urteil behandelt die Anwendbarkeit von \u00a7 181 Abs. 5 der Abgabenordnung (AO) auf Verlustfeststellungsbescheide, insbesondere die Frage, ob eine unterlassene \u00c4nderung einer materiell unrichtigen Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags nach Ablauf der regul\u00e4ren Feststellungsfrist noch ge\u00e4ndert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Faktenlage:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger erhob Beschwerde gegen ein Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf, das seine Klage gegen den Verlustfeststellungsbescheid abgewiesen hatte.<\/li><li>Der Streit drehte sich um die Frage, ob der Kl\u00e4ger nach Ablauf der Feststellungsfrist noch eine \u00c4nderung des Verlustfeststellungsbescheids erreichen konnte.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Entscheidungsgr\u00fcnde des BFH:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Zur\u00fcckweisung der Beschwerde:<\/strong><ul><li>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wurde als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen, da keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung der Rechtssache oder Notwendigkeit zur Rechtsfortbildung gegeben war.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Rechtslage zu Verlustfeststellungsbescheiden:<\/strong><ul><li>Nach \u00a7 181 Abs. 5 Satz 1 AO k\u00f6nnen Verlustabz\u00fcge auch nach Ablauf der Feststellungsfrist gesondert festgestellt werden, wenn dies f\u00fcr einen sp\u00e4teren Einkommensteuer- oder Feststellungsbescheid erforderlich ist.<\/li><li>\u00a7 10d Abs. 4 Satz 6 Halbsatz 2 EStG schlie\u00dft jedoch die Anwendung des \u00a7 181 Abs. 5 AO aus, wenn die zust\u00e4ndige Finanzbeh\u00f6rde nicht pflichtwidrig die Feststellung unterlassen hat, was bedeutet, dass die Regelung nur greift, wenn keine erstmalige Feststellung vorgenommen wurde.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Auslegung und Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen:<\/strong><ul><li>Der BFH kl\u00e4rte, dass die Beh\u00f6rde nicht &#8222;pflichtwidrig unterlassen&#8220; hat, wenn sie es vers\u00e4umt, eine bereits vorliegende (aber materiell unrichtige) Verlustfeststellung zu \u00e4ndern.<\/li><li>Es wurde festgestellt, dass der Wortlaut des Gesetzes klar darauf hinweist, dass eine pflichtwidrige Unterlassung nur bei fehlender erstmaliger Feststellung vorliegt, und nicht, wenn eine \u00c4nderung einer bestehenden Feststellung erforderlich ist.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Begr\u00fcndung der Entscheidung:<\/strong><ul><li>Die Rechtsfrage, ob ein Verlustfeststellungsbescheid ge\u00e4ndert werden kann, wenn die regul\u00e4re Feststellungsfrist abgelaufen ist, wurde durch fr\u00fchere BFH-Urteile bereits gekl\u00e4rt.<\/li><li>Es wurden keine neuen Gesichtspunkte vorgebracht, die eine erneute Pr\u00fcfung dieser Frage erforderlich machten.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Schlussfolgerung:<\/strong> Der BFH best\u00e4tigte, dass eine unterlassene \u00c4nderung eines Verlustfeststellungsbescheids nach Ablauf der Feststellungsfrist nicht mehr korrigiert werden kann, sofern die erstmalige Feststellung bereits erfolgt ist. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens wurden dem Kl\u00e4ger auferlegt.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Beschluss vom 23. Februar 2024, IX B 118\/22<\/h1>\n\n\n\n<p>Feststellungsverj\u00e4hrung bei Verlustfeststellungsbescheiden<\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.230224.IXB118.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 10d Abs 4 S 6 Halbs 2, AO \u00a7 171 Abs 3, AO \u00a7 181 Abs 5, GewStG \u00a7 35b Abs 2 S 4, GG Art 3 Abs 1, EStG VZ 2006 , EStG VZ 2007 , EStG VZ 2008 , EStG VZ 2009<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 29. September 2022, Az: 14 K 3301\/20 E,F<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Die unterlassene \u00c4nderung einer materiell unrichtigen Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags f\u00e4llt nicht unter \u00a7 10d Abs. 4 Satz 6 Halbsatz 2 des Einkommensteuergesetzes, sodass eine Anwendung des \u00a7 181 Abs. 5 der Abgabenordnung ausscheidet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 29.09.2022 &#8211; 14 K 3301\/20 E,F wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde hat keinen Erfolg.<\/li><li>Die Revision ist weder zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) noch wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) zuzulassen.<\/li><li>1. Eine Rechtssache hat grunds\u00e4tzliche Bedeutung, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalls ma\u00dfgebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt. Die Revision ist zur Fortbildung des Rechts zuzulassen, wenn davon auszugehen ist, dass im Einzelfall Veranlassung besteht, Grunds\u00e4tze und Leitlinien f\u00fcr die Auslegung von Gesetzesbestimmungen des materiellen Rechts oder des Verfahrensrechts aufzustellen oder Gesetzesl\u00fccken rechtssch\u00f6pferisch auszuf\u00fcllen. Beide Zulassungsgr\u00fcnde setzen eine kl\u00e4rungsbed\u00fcrftige und kl\u00e4rbare Rechtsfrage voraus (vgl. z.B. Senatsbeschl\u00fcsse vom 06.09.2023&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;84\/22, Rz&nbsp;4; vom 18.04.2023&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;7\/22, Rz&nbsp;4; jeweils m.w.N.). Eine Rechtsfrage ist nicht kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, wenn sie durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) bereits gekl\u00e4rt ist und keine neuen Gesichtspunkte vorgetragen werden, die eine erneute Pr\u00fcfung und Entscheidung dieser Frage durch den BFH erforderlich machen w\u00fcrden (vgl. nur Senatsbeschluss vom 03.08.2022&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;16\/22, Rz&nbsp;4).<\/li><li>2. Die vom Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) aufgeworfene Rechtsfrage, ob ein Verlustfeststellungsbescheid, f\u00fcr den die regul\u00e4re Feststellungsfrist abgelaufen ist, nach \u00a7&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) i.V.m. \u00a7&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 Halbsatz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes in der in den Streitjahren geltenden Fassung (EStG) auch nach einer erstmaligen Veranlagung ge\u00e4ndert werden kann, ist nicht kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO ist ein zum Schluss eines Veranlagungszeitraums verbleibender Verlustabzug auch nach Ablauf der f\u00fcr seine gesonderte Feststellung geltenden Feststellungsfrist gesondert festzustellen, wenn dies f\u00fcr einen sp\u00e4teren Einkommensteuer- oder Feststellungsbescheid nach \u00a7&nbsp;10d EStG von Bedeutung ist, f\u00fcr den die Festsetzungs- oder Feststellungsfrist noch nicht abgelaufen ist. \u00a7&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO ist nach \u00a7&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 Halbsatz&nbsp;2 EStG jedoch nur anzuwenden, wenn die zust\u00e4ndige Finanzbeh\u00f6rde die Feststellung des Verlustvortrags pflichtwidrig unterlassen hat.<\/li><li>b) Aufgrund des Urteils des BFH vom 11.02.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;5\/13 (BFHE 250, 172, BStBl II 2016, 353, Rz&nbsp;15) ist bereits gekl\u00e4rt, dass eine Beh\u00f6rde nicht &#8222;die Feststellung \u2026 pflichtwidrig unterlassen&#8220; hat, wenn sie es vers\u00e4umt, eine bereits vorliegende (aber materiell unzutreffende) Verlustfeststellung bis zum Ablauf der Feststellungsfrist zu \u00e4ndern (vgl. z.B. auch Hallerbach in Herrmann\/Heuer\/Raupach, \u00a7&nbsp;10d EStG Rz&nbsp;131; Brandis\/Heuermann\/Vogel, \u00a7&nbsp;10d EStG Rz&nbsp;287). Das Urteil betrifft zwar die Auslegung des \u00a7&nbsp;35b Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;2 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) i.d.F. des Jahressteuergesetzes (JStG) 2007 vom 13.12.2006 (BGBl I 2006, 2878). Die Grunds\u00e4tze gelten jedoch gleicherma\u00dfen f\u00fcr den zeitgleich eingef\u00fchrten \u00a7&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 Halbsatz&nbsp;2 EStG (Art.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 bzw. Art.&nbsp;5 Nr.&nbsp;5 JStG 2007; zur Vergleichbarkeit der Vorschriften vgl. auch BTDrucks 16\/2712, S.&nbsp;74 betreffend \u00a7&nbsp;35b GewStG mit Verweis auf die Ausf\u00fchrungen zu \u00a7&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 EStG). Der Wortlaut der Regelung ist eindeutig. Wenn es darum geht, dass die zust\u00e4ndige Finanzbeh\u00f6rde &#8222;die Feststellung&#8220; pflichtwidrig &#8222;unterlassen&#8220; haben muss, um durch Anwendung des \u00a7&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO eine Feststellung nach Ablauf der Feststellungsfrist zu erm\u00f6glichen, ist nur die erstmalige Feststellung angesprochen (vgl. ausf\u00fchrlich BFH-Urteil vom 11.02.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;5\/13, BFHE 250, 172, BStBl II 2016, 353, Rz&nbsp;17&nbsp;ff.).<\/li><li>c) Die Beschwerde f\u00fchrt keine Argumente an, die eine erneute \u00dcberpr\u00fcfung erforderlich machen. Der vom Kl\u00e4ger ger\u00fcgte Versto\u00df gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes liegt nicht vor. Das Unterlassen einer erstmaligen Feststellung und die \u00c4nderung einer bereits erfolgten Feststellung sind bereits keine vergleichbaren Sachverhalte. Jedenfalls aber bestehen hinreichende sachliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die unterschiedliche Behandlung.<\/li><li>Liegt bereits ein Feststellungsbescheid vor, hat es der Steuerpflichtige im Falle eines zu niedrig festgestellten Verlustes in der Hand, durch rechtzeitige Stellung eines \u00c4nderungsantrages eine Hemmung der Feststellungsfrist nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO zu erreichen. Demgegen\u00fcber f\u00fchrt die Abgabe der gesetzlich vorgeschriebenen Feststellungserkl\u00e4rung zwecks erstmaliger Feststellung nicht zu einer solchen Hemmung, da es sich nicht um einen Antrag im Sinne von \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3, \u00a7&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 AO handelt (Senatsurteile vom 29.06.2011&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;38\/10, BFHE 233, 326, BStBl II 2011, 963; vom 15.05.2013&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;5\/11, BFHE 241, 310, BStBl II 2014, 143, jeweils m.w.N.). Dies l\u00e4sst die auf das Unterlassen einer Feststellung begrenzte Ausnahmeregelung des \u00a7&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 Halbsatz&nbsp;2 EStG als sachgerecht erscheinen.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kernthemen: Das Urteil behandelt die Anwendbarkeit von \u00a7 181 Abs. 5 der Abgabenordnung (AO) auf Verlustfeststellungsbescheide, insbesondere die Frage, ob eine unterlassene \u00c4nderung einer materiell unrichtigen Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags nach Ablauf der regul\u00e4ren Feststellungsfrist noch ge\u00e4ndert werden kann. 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