{"id":76742,"date":"2024-05-03T16:11:57","date_gmt":"2024-05-03T14:11:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76742"},"modified":"2024-05-03T16:11:57","modified_gmt":"2024-05-03T14:11:57","slug":"zur-untaetigkeitsbeschwerde-bfh-beschluss-vom-28-februar-2024-xi-b-82-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zur-untaetigkeitsbeschwerde-bfh-beschluss-vom-28-februar-2024-xi-b-82-22\/","title":{"rendered":"Zur Unt\u00e4tigkeitsbeschwerde &#8211; BFH-Beschluss vom 28. Februar 2024, XI B 82\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 28. Februar 2024, XI B 82\/22, behandelt eine Unt\u00e4tigkeitsbeschwerde, die gegen die Unt\u00e4tigkeit des Finanzgerichts Hamburg eingereicht wurde. Der BFH stellt klar, dass eine solche Beschwerde nicht dazu genutzt werden kann, um ein T\u00e4tigwerden des Finanzgerichts zu erzwingen, und best\u00e4tigt damit die bestehende Rechtsprechung. Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wurde als unzul\u00e4ssig verworfen, da die Kl\u00e4gerin und die andere Partei den Rechtsstreit bereits f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt hatten, und es somit kein fortbestehendes Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr die Beschwerde gab. Zudem war die urspr\u00fcngliche Beschwerde gegen die Unt\u00e4tigkeit des Gerichts von vornherein nicht statthaft, weil das Gericht durch eine Beschwerde nicht zum Handeln gezwungen werden kann. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens wurden der Kl\u00e4gerin auferlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.280224.XIB82.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 128<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG Hamburg, 27. Juni 2022, Az: 2 K 169\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Mit einer Unt\u00e4tigkeitsbeschwerde kann ein T\u00e4tigwerden des FG nicht erzwungen werden (Best\u00e4tigung der BFH-Rechtsprechung).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin gegen den Beschluss des Finanzgerichts Hamburg vom 27.06.2022 &#8211; 2 K 169\/17 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Soweit die Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) eine Beschwerde gegen die Unt\u00e4tigkeit des Finanzgerichts (FG) im Verfahren 2&nbsp;K&nbsp;169\/17 erhoben hat, ist diese schon deshalb unzul\u00e4ssig, weil die Beteiligten nach Mitteilung des FG vom 01.11.2022 den Rechtsstreit im Verfahren 2&nbsp;K&nbsp;169\/17 \u00fcbereinstimmend in der Hauptsache f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt haben. Eine weitere T\u00e4tigkeit des FG im Verfahren 2&nbsp;K&nbsp;169\/17 wird (auch) von der Kl\u00e4gerin nicht mehr gew\u00fcnscht, wodurch f\u00fcr die vorliegende Beschwerde das in jeder Lage des Verfahrens zu pr\u00fcfende Rechtsschutzbed\u00fcrfnis (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 21.08.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;23\/18, BFH\/NV 2019, 35) entfallen ist. Soweit die Kl\u00e4gerin ihre Beschwerde, das FG zur T\u00e4tigkeit anzuhalten, gleichwohl aufrecht erh\u00e4lt und weiter beantragt, der Beschwerde vollumf\u00e4nglich stattzugeben, ist dies unzul\u00e4ssig.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Unabh\u00e4ngig davon war aber auch schon die urspr\u00fcngliche &#8222;Beschwerde wegen fehlender Gerichtsentscheidung&#8220; nicht statthaft.<\/li><li>1. Eine Unt\u00e4tigkeitsbeschwerde gegen das FG ist nicht statthaft, da nach \u00a7&nbsp;128 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) allein Entscheidungen des FG, des Vorsitzenden oder des Berichterstatters, die bereits ergangen sind, mit der Beschwerde anfechtbar sind, soweit diese nicht durch andere Vorschriften ausgeschlossen ist. Mit der Beschwerde kann daher ein T\u00e4tigwerden des Gerichts nicht erzwungen werden (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 31.01.1967&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;30\/66, BFHE 88, 108, BStBl III 1967, 292; vom 11.08.1989&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;74\/89, BFH\/NV 1990, 305; vom 28.10.1992&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;68\/92, BFH\/NV 1993, 372; vom 30.06.2000&nbsp;&#8211; VII&nbsp;K&nbsp;1\/00, BFH\/NV 2000, 1490; vom 30.01.2004&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;217\/03, BFH\/NV 2004, 802; vom 24.05.2006&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;12\/06, juris). Im Wiederaufnahmeverfahren gilt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;134 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;591 der Zivilprozessordnung in Bezug auf Rechtsmittel dasselbe wie im urspr\u00fcnglichen Verfahren, worauf die Kl\u00e4gerin im BFH-Beschluss vom 01.09.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;79\/22 hingewiesen worden ist.<\/li><li>2. Die Beschwerde gegen den Beschluss des FG vom 27.06.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;169\/17 \u00fcber die Zur\u00fcckweisung der Anh\u00f6rungsr\u00fcge, den die Kl\u00e4gerin gleichfalls mit ihrer Beschwerde angreift, ist nicht statthaft, da \u00a7&nbsp;133a FGO eine solche Beschwerde nicht vorsieht (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 FGO; BFH-Beschluss vom 22.05.2014&nbsp;&#8211; IV&nbsp;S&nbsp;11\/14, BFH\/NV 2014, 1391, Rz&nbsp;12, m.w.N.). Darauf hat das FG in der Rechtsmittelbelehrung zutreffend hingewiesen.<\/li><li>3. Eine Auslegung der Beschwerde als \u2011\u2011zul\u00e4ssigerweise vor Abschluss des Verfahrens 2&nbsp;K&nbsp;169\/17 erhobene\u2011\u2011 Entsch\u00e4digungsklage (vgl. dazu BFH-Urteil vom 06.06.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;K&nbsp;2\/16, BFH\/NV 2018, 1149, Rz&nbsp;26&nbsp;ff.) kommt nicht in Betracht, worauf die Kl\u00e4gerin mit Schreiben des BFH vom 06.07.2022 hingewiesen worden ist; denn die Kl\u00e4gerin hat zwar in ihrer Beschwerde auf \u00a7&nbsp;198 des Gerichtsverfassungsgesetzes hingewiesen, aber keine Entsch\u00e4digungszahlung beantragt. Die Kl\u00e4gerin hat auf den Hinweis auch nicht geltend gemacht, es liege eine Entsch\u00e4digungsklage vor, sondern erkl\u00e4rt, der BFH m\u00fcsse sich mit der Beschwerde gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;128 FGO auseinandersetzen.<\/li><li>4. Eine au\u00dferordentliche Beschwerde wegen Unt\u00e4tigkeit kommt vor dem Hintergrund der Einf\u00fchrung der Entsch\u00e4digungsklage (sogenannte Kompensationsl\u00f6sung) nicht in Betracht; ihr ist dadurch der Boden entzogen (vgl. Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 20.11.2012&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;ZB&nbsp;49\/12, Neue Juristische Wochenschrift 2013, 385, Rz&nbsp;5).<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 28. Februar 2024, XI B 82\/22, behandelt eine Unt\u00e4tigkeitsbeschwerde, die gegen die Unt\u00e4tigkeit des Finanzgerichts Hamburg eingereicht wurde. Der BFH stellt klar, dass eine solche Beschwerde nicht dazu genutzt werden kann, um ein T\u00e4tigwerden des Finanzgerichts zu erzwingen, und best\u00e4tigt damit die bestehende Rechtsprechung. 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