{"id":76811,"date":"2024-06-04T12:48:56","date_gmt":"2024-06-04T10:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76811"},"modified":"2024-06-04T12:48:56","modified_gmt":"2024-06-04T10:48:56","slug":"wegfall-des-rechtsschutzbeduerfnisses-fuer-klage-auf-gewaehrung-von-akteneinsicht-bfh-beschluss-vom-21-mai-2024-ix-r-28-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wegfall-des-rechtsschutzbeduerfnisses-fuer-klage-auf-gewaehrung-von-akteneinsicht-bfh-beschluss-vom-21-mai-2024-ix-r-28-22\/","title":{"rendered":"Wegfall des Rechtsschutzbed\u00fcrfnisses f\u00fcr Klage auf Gew\u00e4hrung von Akteneinsicht &#8211; BFH-Beschluss vom 21. Mai 2024, IX R 28\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.210524.IXR28.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 78 Abs 1, EUV 2016\/679 Art 15 Abs 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg , 26. Juli 2021, Az: 10 K 3159\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr eine Klage auf au\u00dfergerichtliche Gew\u00e4hrung von Akteneinsicht oder f\u00fcr ein hierauf bezogenes Rechtsmittel entf\u00e4llt, wenn der Steuerpflichtige ein finanzgerichtliches Verfahren in Gang gesetzt hat, in dem die streitgegenst\u00e4ndlichen Akten dem Gericht vorgelegt wurden und aus diesem Grund ein umfassendes und nicht beschr\u00e4nkbares Recht auf Akteneinsicht gem\u00e4\u00df \u00a7 78 der Finanzgerichtsordnung besteht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W\u00fcrttemberg vom 26.07.2021 &#8211; 10 K 3159\/20 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) beansprucht Einsichtnahme in die Handakte einer bei ihm durchgef\u00fchrten Au\u00dfenpr\u00fcfung.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) f\u00fchrte beim Kl\u00e4ger, einem Gewerbetreibenden, eine Au\u00dfenpr\u00fcfung durch. Die Pr\u00fcferin stellte Buchf\u00fchrungsm\u00e4ngel fest und nahm aus diesem Grund Hinzusch\u00e4tzungen zu den erkl\u00e4rten Erl\u00f6sen und Ums\u00e4tzen vor. Noch w\u00e4hrend der Pr\u00fcfung beantragte der Kl\u00e4ger, ihm Einsicht in die Handakte (&#8222;Fallheft&#8220;) der Pr\u00fcferin zu gew\u00e4hren. Dies lehnte das FA mit Bescheid vom 23.10.2020 ab. Der Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit in Entscheidungen der Finanzgerichte 2021, 1777 ver\u00f6ffentlichtem Urteil vom 26.07.2021 ab.<\/li><li>Mit seiner Revision brachte der Kl\u00e4ger im Kern zuletzt vor, er sei darauf angewiesen, in die Handakte der Pr\u00fcferin Einsicht zu nehmen, um sich gegen die von der Au\u00dfenpr\u00fcfung vorgenommene Hinzusch\u00e4tzung, die inzwischen durch entsprechend ge\u00e4nderte \u2011\u2011von ihm angefochtene\u2011\u2011 Bescheide umgesetzt worden sei, sachgerecht zur Wehr zu setzen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und das FA zu verpflichten, Einsicht in die Handakte der Au\u00dfenpr\u00fcfung zu gew\u00e4hren.<\/li><li>Das FA hat keinen Sachantrag gestellt. Es tritt der Revisionsbegr\u00fcndung entgegen und h\u00e4lt die vorinstanzliche Entscheidung f\u00fcr zutreffend.<\/li><li>Gegen die nach der Au\u00dfenpr\u00fcfung ergangenen \u00c4nderungsbescheide f\u00fchrt der Kl\u00e4ger inzwischen Klageverfahren beim FG Baden-W\u00fcrttemberg (1&nbsp;K&nbsp;2028\/22: Umsatzsteuer; 7&nbsp;K&nbsp;2076\/22: gesonderte Gewinnfeststellung und Gewerbesteuermessbetrag). Das FG hat unter anderem die Handakte der Au\u00dfenpr\u00fcfung beigezogen. Auf Nachfrage des Vorsitzenden des erkennenden Senats hat das FG mit Schreiben vom 09.04.2024 mitgeteilt, der Kl\u00e4ger habe noch keine Einsicht in jene Akte genommen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die unzul\u00e4ssige Revision ist durch Beschluss zu verwerfen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>Die Revision ist unzul\u00e4ssig, da es dem Kl\u00e4ger an dem hierf\u00fcr erforderlichen Rechtsschutzbed\u00fcrfnis fehlt.<\/li><li>1. Zu den ungeschriebenen Sachentscheidungsvoraussetzungen einer jeden Anrufung eines Gerichts geh\u00f6rt das Vorhandensein eines Rechtsschutzbed\u00fcrfnisses (Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 30.08.2023&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;58\/23, Rz&nbsp;16, m.w.N.). Dessen anf\u00e4ngliches Fehlen oder sp\u00e4terer Wegfall bewirken die Unzul\u00e4ssigkeit des gerichtlichen Rechtsbehelfs (Senatsurteil vom 07.06.1994&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;141\/89, BFHE 174, 446, BStBl II 1994, 756, unter I.1.).<\/li><li>Das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis fehlt unter anderem dann, wenn es f\u00fcr den Rechtsbehelfsf\u00fchrer einen verfahrensm\u00e4\u00dfig einfacheren und\/oder schnelleren Weg gibt, das angestrebte Rechtsschutzziel zu erreichen (vgl. BFH-Entscheidungen vom 21.08.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;23\/18, Rz&nbsp;13 sowie vom 03.07.2014&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;53\/13, BFHE 246, 437, BStBl II 2015, 282, Rz&nbsp;10; Braun in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7&nbsp;40 FGO Rz&nbsp;165; Gr\u00e4ber\/Herbert, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., vor \u00a7&nbsp;33 Rz&nbsp;19). Ein Bed\u00fcrfnis, abstrakte Rechtsfragen zu kl\u00e4ren, gen\u00fcgt insoweit nicht (BFH-Beschluss vom 07.01.2002&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;34\/01, BFH\/NV 2002, 665).<\/li><li>2. Im Streitfall ist das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis des Kl\u00e4gers f\u00fcr die vorliegende Revision entfallen.<\/li><li>a) Prozessuales Ziel der Revision war es, das FA zu verpflichten, dem Kl\u00e4ger Einsicht in die anl\u00e4sslich der bei ihm durchgef\u00fchrten Au\u00dfenpr\u00fcfung angelegte Handakte zu gew\u00e4hren. Die Akteneinsicht sollte den Kl\u00e4ger \u2011\u2011wie in der Revisionsbegr\u00fcndung vom 31.07.2023 verdeutlicht\u2011\u2011 in den Stand versetzen, zu erw\u00e4gen und zu analysieren, ob und wie er sich gegen die im Nachgang zur Au\u00dfenpr\u00fcfung vorgenommenen Hinzusch\u00e4tzungen zu Umsatz und Gewinn weiter zur Wehr setzen k\u00f6nne.<\/li><li>b) Zur Erreichung dieses Ziels bedarf es keiner Entscheidung des Senats, ob und nach Ma\u00dfgabe welcher Rechtsgrundlage dem Kl\u00e4ger ein Akteneinsichtsrecht zustehen k\u00f6nnte. Der Kl\u00e4ger hat gegen die Auswertungsbescheide nach der Au\u00dfenpr\u00fcfung mittlerweile Klage zum FG erhoben, \u00fcber die noch nicht entschieden wurde. Nach den Erkundigungen des Vorsitzenden des erkennenden Senats wurde dem FG die streitgegenst\u00e4ndliche Handakte inzwischen \u00fcbermittelt, sodass dem Kl\u00e4ger auch insoweit ein Akteneinsichtsrecht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;78 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO zusteht. Unerheblich ist, dass der Kl\u00e4ger bislang von diesem \u2011\u2011durch das FG nicht beschr\u00e4nkbarem\u2011\u2011 Recht keinen Gebrauch gemacht hat.<\/li><li>c) Auf die Frage des Vorsitzenden des erkennenden Senats, ob das vorliegende Revisionsverfahren im Hinblick auf das umfassende Akteneinsichtsrecht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;78 FGO fortgef\u00fchrt werden soll, hat der Kl\u00e4ger trotz Erinnerung nicht reagiert.<\/li><li>3. Dass der Kl\u00e4ger <em>neben<\/em> seinem Akteneinsichtsrecht weiterhin einen Anspruch auf Auskunft \u00fcber die Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 der Datenschutz-Grundverordnung verfolgt, kann seiner letzten Revisionsbegr\u00fcndung (Schriftsatz vom 31.07.2023) nicht mehr entnommen werden.<\/li><li>4. \u00dcber die Verfahrensr\u00fcgen des Kl\u00e4gers war nicht mehr zu befinden.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.210524.IXR28.22.0 BFH IX. Senat FGO \u00a7 78 Abs 1, EUV 2016\/679 Art 15 Abs 1 vorgehend Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg , 26. Juli 2021, Az: 10 K 3159\/20 Leits\u00e4tze NV: Das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr eine Klage auf au\u00dfergerichtliche Gew\u00e4hrung von Akteneinsicht oder f\u00fcr ein hierauf bezogenes Rechtsmittel entf\u00e4llt, wenn der Steuerpflichtige ein finanzgerichtliches Verfahren in Gang gesetzt hat, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wegfall-des-rechtsschutzbeduerfnisses-fuer-klage-auf-gewaehrung-von-akteneinsicht-bfh-beschluss-vom-21-mai-2024-ix-r-28-22\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Wegfall des Rechtsschutzbed\u00fcrfnisses f\u00fcr Klage auf Gew\u00e4hrung von Akteneinsicht &#8211; BFH-Beschluss vom 21. 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