{"id":76861,"date":"2024-06-30T12:07:08","date_gmt":"2024-06-30T10:07:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76861"},"modified":"2024-06-30T12:07:08","modified_gmt":"2024-06-30T10:07:08","slug":"grundsteuer-nachweis-eines-niedrigeren-gemeinen-werts-zusammenfassung-des-beschlusses-vom-27-mai-2024-ii-b-78-23-adv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/grundsteuer-nachweis-eines-niedrigeren-gemeinen-werts-zusammenfassung-des-beschlusses-vom-27-mai-2024-ii-b-78-23-adv\/","title":{"rendered":"Grundsteuer: Nachweis eines niedrigeren (gemeinen) Werts &#8211; Zusammenfassung des Beschlusses vom 27. Mai 2024, II B 78\/23 (AdV)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gericht<\/strong>: Bundesfinanzhof (BFH), II. Senat<br \/><strong>ECLI<\/strong>: DE:BFH:2024.270524.IIB78.23.0<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Bewertungsvorschriften der \u00a7\u00a7 218 ff. des Bewertungsgesetzes (BewG) in der Fassung des Grundsteuer-Reformgesetzes vom 26.11.2019 sind verfassungskonform dahin auszulegen, dass im Einzelfall der Nachweis eines niedrigeren (gemeinen) Werts erfolgen kann. Hierf\u00fcr ist der Nachweis erforderlich, dass der Wert der wirtschaftlichen Einheit den festgestellten Grundsteuerwert erheblich unterschreitet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Finanzamts gegen den Beschluss des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 23.11.2023 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens tr\u00e4gt das Finanzamt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Antragstellerin ist Eigent\u00fcmerin eines Grundst\u00fccks mit einem Einfamilienhaus. Das Finanzamt stellte den Grundsteuerwert f\u00fcr das Jahr 2022 auf 91.600 \u20ac fest. Die Antragstellerin legte Einspruch ein und beantragte die Aussetzung der Vollziehung (AdV), da sie den festgestellten Grundsteuerwert aufgrund des schlechten Zustands des Geb\u00e4udes f\u00fcr zu hoch hielt. Das Finanzgericht gab dem Antrag auf AdV statt, woraufhin das Finanzamt Beschwerde einlegte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof best\u00e4tigte die Entscheidung des Finanzgerichts und wies die Beschwerde des Finanzamts zur\u00fcck:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Zul\u00e4ssigkeit des AdV-Antrags<\/strong>: Der Finanzrechtsweg ist er\u00f6ffnet, da es sich um eine \u00f6ffentlich-rechtliche Streitigkeit \u00fcber eine Abgabenangelegenheit handelt. Der Rechtsstreit betrifft die Feststellung des Grundsteuerwerts, welche der Gesetzgebung des Bundes und der Verwaltung durch die Landesfinanzbeh\u00f6rden unterliegt.<\/li><li><strong>Ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Bescheids<\/strong>: Ernstliche Zweifel sind gegeben, wenn gewichtige Gr\u00fcnde sowohl f\u00fcr als auch gegen die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angefochtenen Bescheids sprechen. Im vorliegenden Fall bestehen solche Zweifel aufgrund der M\u00f6glichkeit, dass der festgestellte Grundsteuerwert erheblich \u00fcber dem gemeinen Wert liegt.<\/li><li><strong>Verfassungskonforme Auslegung der Bewertungsvorschriften<\/strong>: Die typisierenden und pauschalierenden Bewertungsvorschriften sind verfassungskonform auszulegen. Dabei muss im Einzelfall der Nachweis eines niedrigeren gemeinen Wertes m\u00f6glich sein, um eine \u00dcberma\u00dfbesteuerung zu vermeiden.<\/li><li><strong>Besondere Umst\u00e4nde des Einzelfalls<\/strong>: Die Antragstellerin hat dargelegt, dass ihr Geb\u00e4ude aufgrund seines Alters (Baujahr 1880) und des schlechten Zustands seit langer Zeit keine Renovierungen erfahren hat. Diese Umst\u00e4nde k\u00f6nnten eine erhebliche Herabsetzung des tats\u00e4chlichen Werts und damit des Grundsteuerwerts rechtfertigen.<\/li><li><strong>Kostenentscheidung<\/strong>: Die Kosten des Beschwerdeverfahrens tr\u00e4gt das Finanzamt gem\u00e4\u00df \u00a7 135 Abs. 2 FGO.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Dieser Beschluss verdeutlicht die M\u00f6glichkeit der gerichtlichen \u00dcberpr\u00fcfung und Anpassung festgestellter Grundsteuerwerte im Einzelfall, um verfassungswidrige \u00dcberbewertungen zu vermeiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gericht: Bundesfinanzhof (BFH), II. 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