{"id":76877,"date":"2024-06-30T12:16:02","date_gmt":"2024-06-30T10:16:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76877"},"modified":"2024-06-30T12:16:02","modified_gmt":"2024-06-30T10:16:02","slug":"anforderungen-an-das-sogenannte-schonvermoegen-der-unterhaltenen-person-beim-abzug-von-unterhaltsleistungen-als-aussergewoehnliche-belastungen-bfh-urteil-vom-29-februar-2024-vi-r-21-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/anforderungen-an-das-sogenannte-schonvermoegen-der-unterhaltenen-person-beim-abzug-von-unterhaltsleistungen-als-aussergewoehnliche-belastungen-bfh-urteil-vom-29-februar-2024-vi-r-21-21\/","title":{"rendered":"Anforderungen an das sogenannte Schonverm\u00f6gen der unterhaltenen Person beim Abzug von Unterhaltsleistungen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen &#8211; BFH-Urteil vom 29. Februar 2024, VI R 21\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.290224.VIR21.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 10 Abs 1 Nr 3, EStG \u00a7 11 Abs 1 S 2, EStG \u00a7 32a Abs 1 S 2 Nr 1, EStG \u00a7 33a Abs 1 S 1, EStG \u00a7 33a Abs 1 S 2, EStG \u00a7 33a Abs 1 S 4 Halbs 1, EStG \u00a7 33a Abs 3 S 1, EStR 2012 R 33a.1 Abs 2 S 3, BGB \u00a7 1589 S 1, BGB \u00a7 1601, BGB \u00a7 1612, EStG VZ 2019<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 26. August 2021, Az: 6 K 1098\/21<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Die Wertgrenze in H\u00f6he von 15.500 \u20ac (R 33a.1 Abs. 2 Satz 3 der Einkommensteuer-Richtlinien) f\u00fcr &#8222;ein geringes Verm\u00f6gen&#8220; im Sinne des \u00a7 33a Abs. 1 Satz 4 Halbsatz 1 des Einkommensteuergesetzes (sogenanntes Schonverm\u00f6gen) ist f\u00fcr das Streitjahr 2019 nicht zu beanstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Angesparte und noch nicht verbrauchte Unterhaltsleistungen werden grunds\u00e4tzlich erst nach Ablauf des Kalenderjahres ihres Zuflusses zu (abzugssch\u00e4dlichem) Verm\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision der Kl\u00e4ger werden das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 26.08.2021 &#8211; 6 K 1098\/21 und die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 21.01.2021 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Einkommensteuerbescheid des Beklagten f\u00fcr 2019 vom 08.06.2020 wird dahin ge\u00e4ndert, dass Unterhaltsleistungen der Kl\u00e4ger sowie Kosten f\u00fcr die Kranken- und Pflegeversicherung ihres Sohnes als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen in H\u00f6he von insgesamt 7.999 \u20ac ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen wird die Klage abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Berechnung der Steuer wird dem Beklagten \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben der Beklagte zu 76 % und die Kl\u00e4ger zu 24 % zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) sind verheiratet und wurden im Streitjahr (2019) zur Einkommensteuer zusammenveranlagt. In ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr machten sie im Zeitraum 01.01. bis 30.09.2019 geleistete Unterhaltszahlungen an ihren w\u00e4hrend dieser Zeit ausw\u00e4rts studierenden Sohn (S) in H\u00f6he von 10.537&nbsp;\u20ac als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) geltend, die sich wie folgt zusammensetzten:ZahlungsgrundZeitraumSumme&nbsp;Miete&nbsp;Januar bis Mai jeweils 425&nbsp;\u20ac2.125&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Juni bis September jeweils 445&nbsp;\u20ac1.780&nbsp;\u20acLebensunterhaltJanuar bis September jeweils 500&nbsp;\u20ac4.500&nbsp;\u20acBekleidungJanuar bis September jeweils 76,69&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;690&nbsp;\u20ac&nbsp;Kranken- und Pflegeversicherung&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Januar bis September insgesamt1.123&nbsp;\u20acEinschreibegeb\u00fchr Universit\u00e4t&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;319&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;10.537&nbsp;\u20ac<\/li><li>Den Lebensunterhalt f\u00fcr den Monat Januar \u00fcberwiesen die Kl\u00e4ger S dabei bereits am 28.12.2018.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) forderte die Kl\u00e4ger im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung auf, die einzelnen Zahlungen sowie das Verm\u00f6gen des Sohnes durch geeignete Unterlagen nachzuweisen. Aus den vorgelegten Saldenbest\u00e4tigungen der Sparkasse G (Sparkasse) ergaben sich f\u00fcr die Konten des S folgende Salden:IBAN&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kontoart&nbsp;&nbsp;&nbsp;Saldo&nbsp;am&nbsp;01.01.20190008xxxxxxGiroFlexPlus2.290,97&nbsp;\u20ac3000xxxxxxSparkonto9.321,75&nbsp;\u20ac3508xxxxxx&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sparkonto4.338,19&nbsp;\u20acSumme&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;15.950,91&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;IBAN&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kontoart&nbsp;&nbsp;&nbsp;Saldo am 30.09.20190008xxxxxxGiroFlexPlus&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;1.871,80&nbsp;\u20ac3000xxxxxxSparkonto9.321,75&nbsp;\u20ac3508xxxxxxSparkonto5.023,40&nbsp;\u20acSumme&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;16.216,95&nbsp;\u20ac<\/li><li>Das FA lehnte die Ber\u00fccksichtigung der von den Kl\u00e4gern geltend gemachten Unterhaltszahlungen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen ab, weil S ausweislich der Saldenbest\u00e4tigungen der Sparkasse \u00fcber mehr als den in R&nbsp;33a.1 Abs.&nbsp;2 der Einkommensteuer-Richtlinien (EStR) genannten Betrag von 15.500&nbsp;\u20ac verf\u00fcgt und damit nicht nur ein geringes Verm\u00f6gen im Sinne von \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;1 EStG besessen habe.<\/li><li>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2021, 1829 ver\u00f6ffentlichten Gr\u00fcnden ab.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/li><li>Sie beantragen sinngem\u00e4\u00df,<br \/>das Urteil des FG sowie die Einspruchsentscheidung vom 21.01.2021 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid vom 08.06.2020 dahin zu \u00e4ndern, dass Unterhaltsleistungen in H\u00f6he von 9.414&nbsp;\u20ac sowie Kosten f\u00fcr die Kranken- und Pflegeversicherung ihres Sohnes in H\u00f6he von 1.123&nbsp;\u20ac als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen ber\u00fccksichtigt werden.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision der Kl\u00e4ger ist im tenorierten Umfang begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur teilweisen Stattgabe der Klage (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat die von den Kl\u00e4gern geltend gemachten Unterhaltsaufwendungen zu Unrecht nicht in H\u00f6he des Grundfreibetrags \u2011\u2011erh\u00f6ht um die Kosten f\u00fcr die Kranken- und Pflegeversicherung des Sohnes\u2011\u2011 als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen nach \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 EStG anerkannt. Im \u00dcbrigen ist die Klage abzuweisen.<\/li><li>1. Erwachsen einem Steuerpflichtigen Aufwendungen f\u00fcr den Unterhalt und eine etwaige Berufsausbildung einer dem Steuerpflichtigen oder seinem Ehegatten gegen\u00fcber gesetzlich unterhaltsberechtigten Person, wird nach \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung auf Antrag die Einkommensteuer \u2011\u2011unter weiteren, hier nicht streitigen Voraussetzungen\u2011\u2011 dadurch erm\u00e4\u00dfigt, dass die Aufwendungen bis zu 9.168&nbsp;\u20ac im Kalenderjahr vom Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte abgezogen werden. Dieser H\u00f6chstbetrag erh\u00f6ht sich nach \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG um den Betrag der im jeweiligen Veranlagungszeitraum nach \u00a7&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG f\u00fcr die Absicherung der unterhaltsberechtigten Person aufgewandten Beitr\u00e4ge; dies gilt nicht f\u00fcr Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr\u00e4ge, die bereits nach \u00a7&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EStG anzusetzen sind.<\/li><li>a) Die von \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG vorausgesetzte gesetzliche Unterhaltsberechtigung der unterst\u00fctzten Person richtet sich nach dem Zivilrecht. Gesetzlich unterhaltsberechtigt sind diejenigen Personen, denen gegen\u00fcber der Steuerpflichtige nach dem B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch (BGB) unterhaltsverpflichtet ist. Dies sind nach \u00a7&nbsp;1601 BGB Verwandte in gerader Linie im Sinne des \u00a7&nbsp;1589 Satz&nbsp;1 BGB, wie zum Beispiel Kinder, Enkel, Eltern und Gro\u00dfeltern, nicht hingegen Verwandte in der Seitenlinie (Senatsurteile vom 05.05.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;29\/09, BFHE 230, 12, BStBl II 2011, 116, Rz&nbsp;10 und vom 02.12.2021&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;40\/19, BFHE 275, 146, BStBl II 2023, 229, Rz&nbsp;12, m.w.N.).<\/li><li>b) Voraussetzung f\u00fcr die steuerliche Ber\u00fccksichtigung von Unterhaltsaufwendungen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen ist nach \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG zudem, dass weder der Steuerpflichtige noch eine andere Person Anspruch auf einen Freibetrag nach \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG oder auf Kindergeld f\u00fcr die unterhaltene Person hat und die unterhaltene Person kein oder nur ein geringes Verm\u00f6gen besitzt. Unter Verm\u00f6gen im Sinne des \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG ist dabei das Nettoverm\u00f6gen zu verstehen, das hei\u00dft der Wert der aktiven Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde, vermindert um die Schulden des Unterhaltsempf\u00e4ngers.<\/li><li>Der Gesetzgeber geht dabei typisierend davon aus, dass bei eigenem, nicht nur geringf\u00fcgigem Verm\u00f6gen eine Unterhaltsbed\u00fcrftigkeit nicht gegeben ist und die Unterhaltsaufwendungen damit nicht zwangsl\u00e4ufig anfallen (Urteil des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 14.08.1997&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;68\/96, BFHE 184, 315, BStBl II 1998, 241; Senatsurteil vom 11.02.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;65\/08, BFHE 228, 421, BStBl II 2010, 628, Rz&nbsp;19). Denn der Unterhaltsberechtigte steht grunds\u00e4tzlich in der Pflicht, eigenes Verm\u00f6gen im Rahmen des Zumutbaren f\u00fcr seinen Unterhalt einzusetzen und zu verwerten, und zwar ungeachtet der Art der Anlage gegebenenfalls auch durch Substanzverbrauch (BFH-Urteil vom 12.12.2002&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;41\/01, BFHE 201, 192, BStBl II 2003, 655; Hufeld in Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff, EStG, \u00a7&nbsp;33a Rz&nbsp;B&nbsp;8).<\/li><li>c) Ob der Unterhaltsempf\u00e4nger \u00fcber kein oder nur ein geringes Verm\u00f6gen im Sinne des \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG verf\u00fcgt (sogenanntes Schonverm\u00f6gen), ist unabh\u00e4ngig von der Anlageart nach dem gemeinen Wert des Verm\u00f6gens beziehungsweise dessen Verkehrswert zu entscheiden; ein Wert von bis zu 15.500&nbsp;\u20ac ist in der Regel gering (BFH-Urteil vom 12.12.2002&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;41\/01, BFHE 201, 192, BStBl II 2003, 655; Senatsurteil vom 30.06.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;35\/09, BFHE 230, 538, BStBl II 2011, 267, Rz&nbsp;12).<\/li><li>An dieser, von den Finanzbeh\u00f6rden bereits seit 1975 angewandten Wertgrenze (s.&nbsp;R&nbsp;33a.1 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 EStR), an der sich bislang auch die finanzgerichtliche Rechtsprechung orientiert hat, h\u00e4lt der Senat trotz der hieran ge\u00e4u\u00dferten Kritik (z.B. Brandis\/Heuermann\/Baldauf, \u00a7&nbsp;33a EStG Rz&nbsp;179; Fuhrmann in Korn, \u00a7&nbsp;33a EStG Rz&nbsp;31; Schmieszek in Bordewin\/Brandt, \u00a7&nbsp;33a EStG Rz&nbsp;84; wohl auch Geserich, Deutsches Steuerrecht 2011, 294, 297; a.A. hingegen z.B. Musil in Herrmann\/Heuer\/Raupach, \u00a7&nbsp;33a EStG Rz&nbsp;85; BeckOK EStG\/Unger, 17.&nbsp;Ed. [01.10.2023], EStG \u00a7&nbsp;33a Rz&nbsp;163; wohl auch Hufeld in Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff, EStG, \u00a7&nbsp;33a Rz&nbsp;B&nbsp;8; Schmidt\/Loschelder, EStG, 42.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;33a Rz&nbsp;24) auch f\u00fcr das Streitjahr fest.<\/li><li>Denn ein Verm\u00f6gen oberhalb dieser Wertgrenze l\u00e4sst die Bed\u00fcrftigkeit des Unterhaltsempf\u00e4ngers bei typisierender (steuerlicher) Betrachtung auch im Jahr 2019 entfallen. Dies folgt aus dem Umstand, dass dieser Betrag deutlich \u00fcber dem f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2019 geltenden Grundfreibetrag in H\u00f6he von 9.168&nbsp;\u20ac (\u00a7&nbsp;32a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG) liegt und damit zur Sicherung des (Jahres-)Existenzminimums des Unterhaltsberechtigten ausreicht (\u00e4hnlich Feldgen in Fuhrmann\/Kraeusel\/Schiffers, eKomm VZ 2019, \u00a7&nbsp;33a EStG Rz&nbsp;30 [Aktualisierung v. 13.12.2021]).<\/li><li>Auch unterschreitet die dahingehende Quantifizierung des Senats jedenfalls nicht das, was das Zivil- und Sozialrecht dem Bed\u00fcrftigen als &#8222;Notgroschen&#8220; zugestehen (s. hierzu z.B. Erman\/Hammermann, BGB, 17.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;1602 Rz&nbsp;65; Staudinger\/Klinkhammer (2022) BGB \u00a7&nbsp;1602 Rz&nbsp;127 sowie z.B. \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch in der im Streitjahr geltenden Fassung; KKB\/Bleschick, \u00a7&nbsp;33a EStG, 9.&nbsp;Aufl., Rz&nbsp;72).<\/li><li>Nach alldem ist die Wertgrenze f\u00fcr das Schonverm\u00f6gen in H\u00f6he von 15.500&nbsp;\u20ac (auch) im Streitjahr trotz der seit 1975 eingetretenen Geldentwertung nicht zu erh\u00f6hen.<\/li><li>d) F\u00fcr jeden vollen Kalendermonat, in dem die in \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 EStG bezeichneten Voraussetzungen nicht vorgelegen haben, erm\u00e4\u00dfigen sich die dort bezeichneten Betr\u00e4ge um je ein Zw\u00f6lftel (\u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EStG). \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;3 EStG verlangt dabei das Vorliegen s\u00e4mtlicher Voraussetzungen des Abs.&nbsp;1 der Vorschrift in allen Kalendermonaten des betreffenden Veranlagungszeitraums, wenn nicht eine K\u00fcrzung um je ein Zw\u00f6lftel eintreten soll (s. Senatsurteil vom 25.04.2018&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;35\/16, BFHE 261, 319, BStBl II 2018, 643, Rz&nbsp;24).<\/li><li>2. Nach diesen Rechtsgrunds\u00e4tzen sind die von den Kl\u00e4gern geltend gemachten Unterhaltsaufwendungen dem Grunde nach gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 EStG als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen zu ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>a) Es steht zwischen den Beteiligten nicht in Streit, dass S gegen\u00fcber den Kl\u00e4gern im Streitjahr zivilrechtlich unterhaltsberechtigt war. Auch stand weder den Kl\u00e4gern noch einem Dritten f\u00fcr S ein Anspruch auf einen Freibetrag nach \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG oder auf Kindergeld zu. Dies ist zwischen den Beteiligten ebenfalls nicht streitig. Der Senat sieht deshalb insoweit von weiteren Ausf\u00fchrungen ab.<\/li><li>b) \u00dcberdies verf\u00fcgte S entgegen der Auffassung des FA im ma\u00dfgeblichen Zeitraum vom 01.01. bis 30.09.2019 lediglich \u00fcber ein geringes Verm\u00f6gen im Sinne des \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG. Denn auf Basis der vorgelegten Saldenbest\u00e4tigungen der Sparkasse lag es nach Bereinigung um Unterhaltsleistungen unterhalb der nach den vorstehenden Ausf\u00fchrungen ma\u00dfgeblichen Wertgrenze von 15.500&nbsp;\u20ac.<\/li><li>aa) Unterhaltsleistungen sind nicht in die Berechnung des Verm\u00f6gens im Sinne des \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG einzubeziehen. Denn es handelt sich hierbei um die notwendigen Mittel zur Deckung des Lebensbedarfs (z.B. Staudinger\/Klinkhammer (2022) BGB \u00a7&nbsp;1602 Rz&nbsp;7). Sie sind zum Verbrauch bestimmt und nicht zur Verm\u00f6gensbildung vorgesehen. Unterhaltszahlungen lassen die Bed\u00fcrftigkeit des Unterhaltsempf\u00e4ngers nicht entfallen, sie sind ihr vielmehr geschuldet. Dies gilt auch f\u00fcr solche Unterhaltszahlungen, die vom Unterhaltsempf\u00e4nger bis zum Ablauf des Veranlagungszeitraums beziehungsweise bis zum unterj\u00e4hrigen Ende der gesetzlichen Unterhaltspflicht angespart und noch nicht verbraucht werden. Gesetzliche Unterhaltszahlungen, die dazu gedacht sind, eine zivilrechtlich unterhaltsberechtigte Person dazu zu bef\u00e4higen, die Kosten ihres Lebensunterhalts zu bestreiten, k\u00f6nnen vor diesem Hintergrund nicht bereits im Zeitpunkt des Zuflusses dem (abzugssch\u00e4dlichen) Verm\u00f6gen im Sinne des \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG zugeordnet werden.<\/li><li>bb) Angesparte und noch nicht verbrauchte Unterhaltsleistungen werden grunds\u00e4tzlich erst nach Ablauf des Kalenderjahres ihres Zuflusses zu (abzugssch\u00e4dlichem) Verm\u00f6gen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Unterhaltsleistungen regelm\u00e4\u00dfig nicht monatsgetreu, sondern im Jahresverlauf schwankend verbraucht werden.<\/li><li>cc) Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben ist das vom FA ermittelte Verm\u00f6gen des S jeweils um die monatlichen Unterhaltszahlungen (vgl. \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;3 EStG) der Kl\u00e4ger \u2011\u2011und damit um die Betr\u00e4ge f\u00fcr den Lebensunterhalt (500&nbsp;\u20ac) und f\u00fcr Bekleidung (76,69&nbsp;\u20ac)\u2011\u2011 zu mindern. Die Miete ist hier nicht zu ber\u00fccksichtigen, da diese von den Kl\u00e4gern unmittelbar an die Vermieterin gezahlt wurde.<\/li><li>(1) Diese Minderung des Verm\u00f6gens des S ist auch im Hinblick auf die bereits am 28.12.2018 von den Kl\u00e4gern geleistete Zahlung f\u00fcr den Lebensunterhalt f\u00fcr Januar 2019 vorzunehmen, die als regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrende Einnahme nach \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG dem Sohn als im Kalenderjahr 2019 zugeflossen gilt und nach \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG auch als Aufwand der Kl\u00e4ger im Streitjahr abzusetzen ist. Da laufender Kindesunterhalt zudem zivilrechtlich nach \u00a7&nbsp;1612 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 BGB durch Entrichtung einer Geldrente im Voraus zu leisten ist, geh\u00f6rt die Zahlung Ende Dezember des Vorjahres auch wirtschaftlich betrachtet dem Streitjahr zu. Somit ist das f\u00fcr den 01.01.2019 auf Basis der Banksalden errechnete Verm\u00f6gen jedenfalls um 500&nbsp;\u20ac zu mindern, so dass S zu Beginn des Streitjahres ein Verm\u00f6gen im Sinne des \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG in H\u00f6he von maximal 15.450,91&nbsp;\u20ac besa\u00df.<\/li><li>(2) Dieses Verm\u00f6gen ist im streitigen Zeitraum auch nicht auf einen Betrag von \u00fcber 15.500&nbsp;\u20ac angewachsen. Der vom FA auf Basis der Banksalden errechnete Verm\u00f6genszuwachs des S beruht allein auf \u2011\u2011wie ausgef\u00fchrt\u2011\u2011 &#8222;unsch\u00e4dlich&#8220; angesparten Betr\u00e4gen aus nicht verbrauchten Unterhaltszahlungen des Streitzeitraums. Denn ausweislich der Feststellungen des FG ist nicht ersichtlich, dass im ma\u00dfgeblichen Zeitraum Zuf\u00fchrungen aus anderen Quellen (wie zum Beispiel aus Schenkungen oder Arbeitseink\u00fcnften) in das Verm\u00f6gen des S erfolgt sind.<\/li><li>3. Die Unterhaltsaufwendungen der Kl\u00e4ger sowie ihre Aufwendungen f\u00fcr die Kranken- und Pflegeversicherung des Sohnes k\u00f6nnen indes nur in H\u00f6he von insgesamt 7.999&nbsp;\u20ac als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen abgezogen werden. In H\u00f6he des diesen Betrag \u00fcberschreitenden Klagebegehrens \u2011\u20112.538&nbsp;\u20ac (10.537&nbsp;\u20ac .\/.&nbsp;7.999&nbsp;\u20ac)\u2011\u2011 ist die Klage abzuweisen.<\/li><li>Unterhaltsaufwendungen k\u00f6nnen nach \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG bis zur H\u00f6he des Grundfreibetrags nach \u00a7&nbsp;32a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG \u2011\u2011im Streitjahr 9.168&nbsp;\u20ac\u2011\u2011 abgezogen werden. Nach \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EStG erm\u00e4\u00dfigt sich dieser H\u00f6chstbetrag um 3\/12 auf 6.876&nbsp;\u20ac, da die Kl\u00e4ger die Unterhaltsaufwendungen nur w\u00e4hrend des Studiums ihres Sohnes in den Monaten Januar bis September getragen haben (vgl. z.B. Senatsurteil vom 25.04.2018&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;35\/16, BFHE 261, 319, BStBl II 2018, 643, Rz&nbsp;14, m.w.N.). Der H\u00f6chstbetrag erh\u00f6ht sich nach \u00a7&nbsp;33a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG um die von den Kl\u00e4gern in den Monaten Januar bis September aufgewandten Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Basisabsicherung der Kranken- und Pflegeversicherung des S in H\u00f6he von 1.123&nbsp;\u20ac und betr\u00e4gt damit insgesamt 7.999&nbsp;\u20ac.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.290224.VIR21.21.0 BFH VI. 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