{"id":76965,"date":"2024-08-04T12:45:02","date_gmt":"2024-08-04T10:45:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76965"},"modified":"2024-08-04T12:45:02","modified_gmt":"2024-08-04T10:45:02","slug":"darlegungsanforderungen-bei-der-ruege-unzulaessiger-selbstentscheidung-ueber-einen-ablehnungsantrag-bfh-beschluss-vom-09-juli-2024-x-b-81-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/darlegungsanforderungen-bei-der-ruege-unzulaessiger-selbstentscheidung-ueber-einen-ablehnungsantrag-bfh-beschluss-vom-09-juli-2024-x-b-81-23\/","title":{"rendered":"Darlegungsanforderungen bei der R\u00fcge unzul\u00e4ssiger Selbstentscheidung \u00fcber einen Ablehnungsantrag &#8211; BFH-Beschluss vom 09. Juli 2024, X B 81\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.090724.XB81.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH X. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, ZPO \u00a7 45 Abs 1, FGO \u00a7 51<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 14. Juni 2023, Az: 2 K 1788\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Der Versto\u00df gegen den Anspruch auf den gesetzlichen Richter, der in einer Selbstentscheidung des abgelehnten Richters \u00fcber einen zul\u00e4ssigen Ablehnungsantrag entgegen \u00a7 45 Abs. 1 der Zivilprozessordnung liegt, schl\u00e4gt auf die Endentscheidung durch, ohne dass es hierf\u00fcr darauf ankommt, ob das Ablehnungsgesuch in der Sache begr\u00fcndet ist oder nicht (Anschluss an Beschl\u00fcsse des Bundesverfassungsgerichts vom 20.07.2007 &#8211; 1 BvR 2228\/06, Neue Juristische Wochenschrift \u2011\u2011NJW\u2011\u2011 2007, 3771, unter II.2.a und vom 11.03.2013 &#8211; 1 BvR 2853\/11, NJW 2013, 1665, Rz 38 ff.; Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 16.10.2019 &#8211; X B 99\/19, BFHE 266, 494, BStBl II 2020, 375).<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: F\u00fcr die Darlegung einer entsprechenden Verfahrensr\u00fcge gen\u00fcgt nicht allein die schlichte \u00c4u\u00dferung der eigenen rechtlichen Einsch\u00e4tzung des Beteiligten, wonach die abgelehnten Richter nicht selbst \u00fcber den Ablehnungsantrag h\u00e4tten entscheiden d\u00fcrfen. Vielmehr ist auch vorzutragen, in welcher Weise das Finanzgericht in seiner Selbstentscheidung \u00fcber den Ablehnungsantrag \u2011\u2011wenn auch nur geringf\u00fcgig\u2011\u2011 auf den Verfahrensgegenstand eingegangen ist oder weshalb dies zwar nicht geschehen ist, aber objektiv erforderlich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 14.06.2023 &#8211; 2 K 1788\/22 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unzul\u00e4ssig.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) hat die geltend gemachten Zulassungsgr\u00fcnde nicht in einer den gesetzlichen Anforderungen (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) entsprechenden Weise dargelegt.(\u2026)<\/li><li>5. In Bezug auf die Behandlung der Ablehnungsantr\u00e4ge durch das FG hat die Kl\u00e4gerin ebenfalls keinen Verfahrensmangel dargelegt.<\/li><li>a) Im Ausgangspunkt zutreffend verweist die Kl\u00e4gerin allerdings auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des BFH, wonach der Versto\u00df gegen den Anspruch auf den gesetzlichen Richter, der in einer Selbstentscheidung des abgelehnten Richters \u00fcber einen zul\u00e4ssigen Ablehnungsantrag entgegen \u00a7&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung liegt, auf die Endentscheidung durchschl\u00e4gt, ohne dass es hierf\u00fcr darauf ankommt, ob das Ablehnungsgesuch in der Sache begr\u00fcndet ist oder nicht (ausf\u00fchrlich zum Ganzen u.a. BVerfG-Beschluss vom 11.03.2013&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2853\/11, Neue Juristische Wochenschrift \u2011\u2011NJW\u2011\u2011 2013, 1665, Rz&nbsp;38&nbsp;ff.; Senatsbeschluss vom 16.10.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;99\/19, BFHE 266, 494, BStBl II 2020, 375, Rz&nbsp;18&nbsp;ff.; vgl. auch Beschluss des Bundessozialgerichts vom 21.09.2023&nbsp;&#8211; B&nbsp;3&nbsp;P&nbsp;8\/23&nbsp;B, NJW 2024, 1535). Eine Verwerfung des Ablehnungsantrags als unzul\u00e4ssig scheidet unter anderem dann aus, wenn f\u00fcr die Entscheidung ein, wenn auch nur geringf\u00fcgiges, Eingehen auf den &#8222;Verfahrensgegenstand&#8220; \u2011\u2011gemeint sind damit die angef\u00fchrten inhaltlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr die Richterablehnung\u2011\u2011 erforderlich ist (BVerfG-Beschluss vom 20.07.2007&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2228\/06, NJW 2007, 3771, unter II.2.a; Senatsbeschluss vom 16.10.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;99\/19, BFHE 266, 494, BStBl II 2020, 375, Rz&nbsp;15).<\/li><li>b) An dieser Rechtsprechung ist festzuhalten. Der Senat braucht indes nicht zu entscheiden, ob das FG die sich hieraus ergebenden Zust\u00e4ndigkeitsgrunds\u00e4tze beachtet hat. Denn die Anforderungen, die an die Darlegung eines entsprechenden Verfahrensmangels zu stellen sind, sind nicht erf\u00fcllt.<\/li><li>aa) Nach st\u00e4ndiger h\u00f6chstrichterlicher Rechtsprechung setzt die R\u00fcge eines Verfahrensmangels die genaue Bezeichnung der Tatsachen voraus, aus denen sich nach Ansicht des Rechtsmittelf\u00fchrers der behauptete Verfahrensversto\u00df ergibt (BFH-Beschl\u00fcsse vom 08.12.2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;122\/03, BFH\/NV 2004, 810, unter II.3. und vom 20.09.2012&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;22\/12, BFH\/NV 2013, 216, Rz&nbsp;8).<\/li><li>bb) Bezogen auf die R\u00fcge des Verfahrensmangels eines Versto\u00dfes gegen den Anspruch auf den gesetzlichen Richter durch unzul\u00e4ssige Selbstentscheidung abgelehnter Richter \u00fcber ein Ablehnungsgesuch bedeutet dies, dass nicht allein die schlichte \u00c4u\u00dferung der eigenen rechtlichen Einsch\u00e4tzung des Beteiligten gen\u00fcgt, wonach die abgelehnten Richter nicht selbst \u00fcber den Ablehnungsantrag h\u00e4tten entscheiden d\u00fcrfen. Vielmehr ist auch vorzutragen, in welcher Weise das FG in seiner Selbstentscheidung \u00fcber den Ablehnungsantrag \u2011\u2011wenn auch nur geringf\u00fcgig\u2011\u2011 auf den Verfahrensgegenstand eingegangen ist oder weshalb dies zwar nicht geschehen ist, aber objektiv erforderlich gewesen w\u00e4re.<\/li><li>cc) Die Beschwerdebegr\u00fcndung befasst sich zwar ausf\u00fchrlich und unter Zitierung der einschl\u00e4gigen h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung mit den abstrakten Anforderungen an die Behandlung von Ablehnungsantr\u00e4gen. Sie enth\u00e4lt jedoch nicht die erforderliche genaue Bezeichnung von Tatsachen in Bezug auf den konkreten Streitfall, hier in Gestalt einer einzelfallbezogenen Auseinandersetzung mit den Entscheidungen des FG \u00fcber die Ablehnungsantr\u00e4ge.<\/li><li>Die Subsumtion in Bezug auf den konkreten Streitfall ersch\u00f6pft sich \u2011\u2011nach Darlegung der abstrakten rechtlichen Anforderungen\u2011\u2011 in dem Satz &#8222;Genau so liegt der Fall hier vorliegend&#8220;. Daraus wird nicht erkennbar, in welcher Weise das FG in seiner Selbstentscheidung \u00fcber den Ablehnungsantrag auf den Verfahrensgegenstand eingegangen ist oder weshalb dies zwar nicht geschehen ist, aber objektiv erforderlich gewesen w\u00e4re.<\/li><li>6. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><li>7. Von einer Darstellung des Sachverhalts sowie einer weiteren Begr\u00fcndung sieht der Senat gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.090724.XB81.23.0 BFH X. Senat FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, ZPO \u00a7 45 Abs 1, FGO \u00a7 51 vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 14. Juni 2023, Az: 2 K 1788\/22 Leits\u00e4tze 1. NV: Der Versto\u00df gegen den Anspruch auf den gesetzlichen Richter, der in einer Selbstentscheidung des abgelehnten Richters \u00fcber einen zul\u00e4ssigen Ablehnungsantrag entgegen \u00a7 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/darlegungsanforderungen-bei-der-ruege-unzulaessiger-selbstentscheidung-ueber-einen-ablehnungsantrag-bfh-beschluss-vom-09-juli-2024-x-b-81-23\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Darlegungsanforderungen bei der R\u00fcge unzul\u00e4ssiger Selbstentscheidung \u00fcber einen Ablehnungsantrag &#8211; BFH-Beschluss vom 09. 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