{"id":76967,"date":"2024-08-04T12:45:25","date_gmt":"2024-08-04T10:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=76967"},"modified":"2024-08-04T12:45:25","modified_gmt":"2024-08-04T10:45:25","slug":"verfassungsmaessigkeit-der-hoehe-der-saeumniszuschlaege-fuer-zeitraeume-nach-dem-31-12-2018-bfh-beschluss-vom-17-juli-2024-x-b-79-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/verfassungsmaessigkeit-der-hoehe-der-saeumniszuschlaege-fuer-zeitraeume-nach-dem-31-12-2018-bfh-beschluss-vom-17-juli-2024-x-b-79-23\/","title":{"rendered":"Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge f\u00fcr Zeitr\u00e4ume nach dem 31.12.2018 &#8211; BFH-Beschluss vom 17. Juli 2024, X B 79\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.170724.XB79.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH X. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 218 Abs 1 S 1, AO \u00a7 240 Abs 1 S 1, FGO \u00a7 11 Abs 2, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1, GG Art 3 Abs 1, GG Art 20 Abs 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 24. Mai 2023, Az: 12 K 1271\/21 AO<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Die H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge ist auch nach dem 31.12.2018 verfassungskonform (Festhalten am Urteil des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 23.08.2023 &#8211; X R 30\/21, BFHE 282, 195, BStBl II 2024, 215).<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Lediglich in einem summarischen Verfahren von einem anderen BFH-Senat ge\u00e4u\u00dferte Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit begr\u00fcnden keine Vorlagepflicht nach \u00a7 11 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 24.05.2023 &#8211; 12 K 1271\/21 AO wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) zahlte die gegen sie festgesetzte Einkommensteuer f\u00fcr 2006 teilweise nicht, da sie zahlungsunf\u00e4hig und \u00fcberschuldet war. Auf Antrag der Kl\u00e4gerin stellte der Beklagte und Beschwerdegegner (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) mit Abrechnungsbescheid vom 15.10.2020 die f\u00fcr 2014 bis 2020 entstandenen S\u00e4umniszuschl\u00e4ge in H\u00f6he von 3.698,50&nbsp;\u20ac fest. W\u00e4hrend des Einspruchsverfahrens erlie\u00df das FA die S\u00e4umniszuschl\u00e4ge in H\u00f6he eines Teilbetrags von 1.849,25&nbsp;\u20ac und wies sodann den Einspruch zur\u00fcck. Die Klage, mit der die Kl\u00e4gerin weiterhin geltend machte, die H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge sei verfassungswidrig, blieb ebenfalls ohne Erfolg.<\/li><li>Mit ihrer Beschwerde begehrt die Kl\u00e4gerin die Zulassung der Revision wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Sache, zur Fortbildung des Rechts und wegen Divergenz.<\/li><li>Das FA tritt der Beschwerde entgegen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Sie ist jedenfalls unbegr\u00fcndet.<\/li><li>1. Die Revision ist nicht wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache zuzulassen.<\/li><li>a) Grunds\u00e4tzliche Bedeutung im Sinne von \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kommt einer Rechtssache zu, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalls ma\u00dfgebliche Rechtsfrage das (abstrakte) Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt. Au\u00dferdem muss die Rechtsfrage kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig und in einem k\u00fcnftigen Revisionsverfahren kl\u00e4rungsf\u00e4hig sein (st\u00e4ndige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011, u.a. Senatsbeschluss vom 16.11.2022&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;46\/22, BFH\/NV 2023, 118, Rz&nbsp;8, m.w.N.).<\/li><li>Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist eine Rechtsfrage, wenn hinsichtlich ihrer Beantwortung Unsicherheit besteht. Dazu muss ausgef\u00fchrt werden, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchem Grunde die Beantwortung der Frage zweifelhaft und streitig ist (Senatsbeschluss vom 30.04.2022&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;130\/21, BFH\/NV 2022, 1070, Rz&nbsp;15, m.w.N.). Eine Rechtsfrage ist dagegen nicht kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, wenn sie durch die Rechtsprechung hinreichend gekl\u00e4rt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar oder vorgetragen sind, die eine erneute Pr\u00fcfung und Entscheidung dieser Frage geboten erscheinen lassen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschluss vom 04.01.2023&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;51\/22, BFH\/NV 2023, 279, Rz&nbsp;3, m.w.N.). Das gilt auch, wenn die Frage erst nach Einlegung der Nichtzulassungsbeschwerde gekl\u00e4rt worden ist. Denn ma\u00dfgeblich ist der Zeitpunkt der Entscheidung \u00fcber die Zulassung der Revision (vgl. BFH-Beschluss vom 17.03.2015&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;11\/14, BFH\/NV 2015, 851, Rz&nbsp;9, m.w.N.).<\/li><li>b) Nach Ma\u00dfgabe dieser Anforderungen liegen die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO nicht mehr vor.<\/li><li>Die von der Kl\u00e4gerin aufgeworfene Rechtsfrage, ob hinsichtlich der H\u00f6he des Zinsanteils der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge (\u00a7&nbsp;240 der Abgabenordnung) verfassungsrechtliche Bedenken bestehen, ist nicht \u2011\u2011mehr\u2011\u2011 kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Mit rechtskr\u00e4ftigem Urteil vom 23.08.2023&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;30\/21 (BFHE 282, 195, BStBl II 2024, 215, Rz&nbsp;48&nbsp;ff.) hat der Senat (wie zuvor f\u00fcr die Zeitr\u00e4ume vor dem 01.01.2019 BFH-Urteile vom 23.08.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;21\/21, BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304, Rz&nbsp;24&nbsp;ff. und vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;55\/20, BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621, Rz&nbsp;14&nbsp;ff.) entschieden, dass sowohl f\u00fcr die Jahre vor 2018 als auch danach verfassungsrechtliche Zweifel an der H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge auch in einer strukturellen Niedrigzinsphase nicht bestehen. Wegen der Einzelheiten wird auf die vorgenannten Entscheidungen Bezug genommen. An dieser Ansicht h\u00e4lt der Senat fest.<\/li><li>Etwas anderes ergibt sich auch nicht daraus, dass der VIII.&nbsp;Senat des BFH in seinem zeitlich nachfolgenden Beschluss vom 22.09.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;64\/22&nbsp;(AdV) erneut verfassungsrechtliche Zweifel an der H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge ge\u00e4u\u00dfert hat, soweit diese wie vorliegend nach dem 31.12.2018 entstanden sind. Diese Entscheidung ist lediglich in einem summarischen Verfahren ergangen und kann schon deshalb den Senat weder binden, noch die gekl\u00e4rte h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung \u00e4ndern. Eine Abweichung von diesem Beschluss des VIII.&nbsp;Senats im Verfahren zur Aussetzung der Vollziehung begr\u00fcndet auch keine Divergenz im Sinne des \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 FGO (vgl. BFH-Urteile vom 27.06.1968&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;128\/66, BFHE 92, 144, BStBl II 1968, 488, unter 4. und vom 02.07.1997&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;25\/96, BFHE 183, 33, BStBl II 1997, 714, unter II.2.d; die insoweit abweichende Ansicht des IV.&nbsp;Senats des BFH im Vorlagebeschluss vom 29.04.1999&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;40\/97, BFHE 188, 374, BStBl II 1999, 828, unter III.1.a hat sich durch die Aufhebung dieses Beschlusses am 28.06.2001 erledigt).<\/li><li>Die Rechtsfrage ist hier daher so zu beantworten, wie es die Vorinstanz getan hat.<\/li><li>2. Die Revision ist auch nicht zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung oder der Fortbildung des Rechts erforderlich.<\/li><li>a) Eine Zulassung der Revision zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO) ist erforderlich, wenn \u00fcber eine bisher ungekl\u00e4rte abstrakte Rechtsfrage zu entscheiden ist, insbesondere wenn der Streitfall im allgemeinen Interesse Veranlassung gibt, Leits\u00e4tze f\u00fcr die Auslegung von Gesetzesbestimmungen des materiellen oder des Verfahrensrechts aufzustellen oder Gesetzesl\u00fccken auszuf\u00fcllen (vgl. BFH-Beschluss vom 18.09.2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;257\/12, BFH\/NV 2014, 3, Rz&nbsp;3). Das ist aus den unter Ziffer&nbsp;1. genannten Gr\u00fcnden hier nicht der Fall.<\/li><li>b) Eine Zulassung der Revision zur Sicherung der Rechtseinheit (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) kommt zum einen wegen Divergenz und zum anderen zur Beseitigung eines schweren Rechtsfehlers, der geeignet ist, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu besch\u00e4digen, in Betracht.<\/li><li>Beides liegt hier nicht vor. Die von der Kl\u00e4gerin aufgeworfene Frage, ob und inwieweit sowohl vor als auch nach dem 31.12.2018 verwirkte S\u00e4umniszuschl\u00e4ge mit dem Grundgesetz vereinbar sind, ist durch den BFH entschieden. Die von der Kl\u00e4gerin angef\u00fchrten Entscheidungen des BFH im vorl\u00e4ufigen Rechtsschutz haben sich durch die beiden Hauptsacheentscheidungen \u00fcberholt und sind daher nicht geeignet, das Vorliegen der Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 FGO zu begr\u00fcnden (so schon Senatsurteil vom 23.08.2023&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;30\/21, BFHE 282, 195, BStBl II 2024, 215, Rz&nbsp;52).<\/li><li>Ein schwerer Rechtsfehler, der geeignet ist, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu besch\u00e4digen, ist in der Vorentscheidung ebenfalls nicht zu erkennen.<\/li><li>3. Von einer weiteren Begr\u00fcndung sieht der Senat gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.170724.XB79.23.0 BFH X. 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