{"id":77028,"date":"2024-09-08T11:52:33","date_gmt":"2024-09-08T09:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77028"},"modified":"2024-09-08T11:52:33","modified_gmt":"2024-09-08T09:52:33","slug":"abhilfebescheid-waehrend-des-revisionsverfahrens-bfh-beschluss-vom-10-juli-2024-iii-r-18-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/abhilfebescheid-waehrend-des-revisionsverfahrens-bfh-beschluss-vom-10-juli-2024-iii-r-18-24\/","title":{"rendered":"Abhilfebescheid w\u00e4hrend des Revisionsverfahrens &#8211; BFH-Beschluss vom 10. Juli 2024, III R 18\/24"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.100724.IIIR18.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 218 Abs 2, EStG \u00a7\u00a7 62ff, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7 74 Abs 2, FGO \u00a7 90, FGO \u00a7 96 Abs 1 S 2, FGO \u00a7 126, FGO \u00a7 138, SGB 10 \u00a7\u00a7 102ff, SGB 10 \u00a7 102, SGB 10 \u00a7 104, SGB 10 \u00a7 107 Abs 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 10. Juli 2013, Az: 14 K 274\/12<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Setzt die Familienkasse w\u00e4hrend des Revisionsverfahrens Kindergeld in dem beantragten Umfang fest und h\u00e4lt der Kl\u00e4ger seinen Sachantrag aufrecht, wird die Revision wegen Wegfalls des Rechtsschutzbed\u00fcrfnisses unzul\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Ein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis folgt nicht aus dem Hinweis der Familienkasse, dass Erstattungsanspr\u00fcche von Sozialbeh\u00f6rden einer Auszahlung des Kindergelds an den Kindergeldberechtigten entgegenstehen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 10.07.2013 &#8211; 14 K 274\/12 \u2011\u2011hier betreffend das Kindergeld f\u00fcr S f\u00fcr die Monate Mai 2012 bis einschlie\u00dflich August 2012\u2011\u2011 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Urspr\u00fcnglich war in der Sache streitig, ob die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) einen Kindergeldanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7&nbsp;62&nbsp;ff. des Einkommensteuergesetzes (EStG) f\u00fcr ihren Sohn S hat. Der von der Kl\u00e4gerin im Revisionsverfahren gestellte Antrag betraf die Monate Juli 2010 bis einschlie\u00dflich Juli 2014, von denen nach einer Verfahrenstrennung hier nur die Monate Mai 2012 bis einschlie\u00dflich August 2012 streitgegenst\u00e4ndlich sind.<\/li><li>Die Familienkasse X lehnte die Bewilligung von Kindergeld mit Bescheid vom 27.06.2012 ab. Einspruch (Einspruchsentscheidung vom 06.08.2012) und Klage waren erfolglos. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2014, 1124 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Gegen das Urteil legte die Kl\u00e4gerin mit Schreiben vom 13.08.2013 Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) ein. Mit Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 05.02.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;84\/13 wurde die Revision zugelassen. Das Verfahren wurde hierauf als Revisionsverfahren fortgesetzt (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;1 FGO), ruhte jedoch im Hinblick auf die beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) anh\u00e4ngigen Verfahren 2&nbsp;BvL&nbsp;9-14\/14. Es ist w\u00e4hrend der Verfahrensruhe auf den III.&nbsp;Senat \u00fcbergegangen (Gesch\u00e4ftsverteilungsplan 2023 des BFH, A., Erg\u00e4nzende Regelungen, IV. Nr.&nbsp;1 i.V.m. A., III.&nbsp;Senat, Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;d) und wurde von diesem wieder aufgenommen, nachdem das BVerfG mit Beschl\u00fcssen vom 28.06.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;9-10\/14 und 13-14\/14 (BVerfGE 162, 277, BGBl I 2022, 1450 \u2011\u2011Entscheidungsformel\u2011\u2011) und vom 15.06.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;11-12\/14, Zeitschrift f\u00fcr das gesamte Familienrecht 2023, 1636 \u2011\u2011redaktioneller Leitsatz\u2011\u2011; juris) entschieden hat. Die Beteiligten wurden hier\u00fcber im August 2023 informiert und hatten in der Folge Gelegenheit zur Stellungnahme. Es hat sich nur die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) in der Sache ge\u00e4u\u00dfert. Im Hinblick auf die Stellungnahme der Familienkasse wurde das Verfahren mit Senatsbeschluss vom 15.05.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;22\/23 (III&nbsp;R&nbsp;47\/14) getrennt.<\/li><li>Das Revisionsverfahren wegen Festsetzung von Kindergeld f\u00fcr S f\u00fcr die Monate Juli 2010 bis April 2012 und September 2012 bis Juli 2014 wurde unter dem Aktenzeichen III&nbsp;R&nbsp;22\/23 (III&nbsp;R&nbsp;47\/14) weitergef\u00fchrt. Die Revision wurde insoweit mit Beschluss vom 11.06.2024 als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/li><li>In dem hier streitgegenst\u00e4ndlichen Verfahren III&nbsp;R&nbsp;18\/24 wegen Kindergeld f\u00fcr S hat die Familienkasse mit Bescheid vom 24.05.2024 zugunsten der Kl\u00e4gerin Kindergeld f\u00fcr S f\u00fcr die Monate Mai 2012 bis einschlie\u00dflich August 2012 festgesetzt; das Schreiben ging der Kl\u00e4gerin (beziehungsweise ihren Prozessbevollm\u00e4chtigten) zeitnah zu. Mit Schreiben vom 31.05.2024 und vom 04.06.2024 hat die Familienkasse den BFH unterrichtet und erkl\u00e4rt, dass ihrer Auffassung nach damit der Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt sei. Die Schreiben der Familienkasse wurden der Kl\u00e4gerin am 08.06.2024 mit Zustellungsurkunde zugestellt. Sie wurde aufgefordert, innerhalb einer Frist von zwei Wochen ab Zustellung mitzuteilen, ob sie den Rechtsstreit in der Hauptsache (gleichfalls) f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt. Diese Frist ist ergebnislos abgelaufen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 10.07.2013&nbsp;&#8211; 14&nbsp;K&nbsp;274\/12 und den Bescheid vom 27.06.2012 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.08.2012 der Familienkasse X aufzuheben, soweit diese den Kindergeldanspruch der Kl\u00e4gerin f\u00fcr S f\u00fcr die Monate Mai 2012 bis einschlie\u00dflich August 2012 betreffen, und die Familienkasse zu verpflichten, f\u00fcr diese Monate Kindergeld f\u00fcr S festzusetzen.<\/li><li>Die Familienkasse beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Senat kann ohne m\u00fcndliche Verhandlung entscheiden, da er gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 FGO durch Beschluss und nicht durch Urteil entscheidet (\u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO); \u00fcberdies haben sich die Beteiligten mit einer Entscheidung ohne m\u00fcndliche Verhandlung einverstanden erkl\u00e4rt (\u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist, soweit sie den Kindergeldanspruch der Kl\u00e4gerin f\u00fcr S f\u00fcr die Monate Mai 2012 bis einschlie\u00dflich August 2012 betrifft, gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 FGO durch Beschluss als unzul\u00e4ssig zu verwerfen. Es fehlt am Rechtsschutzbed\u00fcrfnis, weil der Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt ist.<\/li><li>1. a) Erledigt sich die Hauptsache w\u00e4hrend des Revisionsverfahrens durch einen Abhilfebescheid und erkl\u00e4rt nur die beklagte Beh\u00f6rde als Revisionsbeklagte die Erledigung, w\u00e4hrend der Kl\u00e4ger seinen Sachantrag aufrechterh\u00e4lt, so wird die Klage und damit auch die Revision wegen Wegfalls des Rechtsschutzbed\u00fcrfnisses unzul\u00e4ssig (vgl. BFH-Beschluss vom 23.05.2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;54\/13, BFH\/NV 2016, 1457, Rz&nbsp;18&nbsp;ff. und BFH-Urteil vom 07.07.2011&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;21\/10, BFHE 234, 531, BStBl II 2014, 81, Rz&nbsp;46&nbsp;ff.).<\/li><li>b) Ein Rechtsstreit ist in der Hauptsache erledigt, wenn ein Ereignis, das nach Rechtsh\u00e4ngigkeit eingetreten ist \u2011\u2011zum Beispiel der Erlass eines Abhilfebescheids\u2011\u2011, alle streitbefangenen Sachfragen gegenstandslos gemacht hat (BFH-Beschluss vom 23.05.2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;54\/13, BFH\/NV 2016, 1457, Rz&nbsp;19; BFH-Urteil vom 07.07.2011&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;21\/10, BFHE 234, 531, BStBl II 2014, 81, Rz&nbsp;46&nbsp;ff., 50).<\/li><li>c) Dies ist vorliegend der Fall.<\/li><li>aa) Die Familienkasse hat dem Klageantrag in der Hauptsache f\u00fcr die hier (III&nbsp;R&nbsp;18\/24) streitgegenst\u00e4ndlichen Monate vollumf\u00e4nglich entsprochen. Der urspr\u00fcngliche Bescheid vom 27.06.2012 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.08.2012, mit dem unter anderem die Festsetzung von Kindergeld f\u00fcr S f\u00fcr die streitgegenst\u00e4ndlichen Monate Mai 2012 bis einschlie\u00dflich August 2012 abgelehnt worden war, wurde durch den Bescheid vom 24.05.2024 ersetzt, mit dem die Familienkasse zugunsten der Kl\u00e4gerin Kindergeld f\u00fcr S f\u00fcr diese Monate festgesetzt hat.<\/li><li>bb) Ein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr ein zumindest teilweises Aufrechterhalten des Revisionsantrags folgt auch nicht daraus, dass die Familienkasse im Bescheid vom 24.05.2024 nachrichtlich mitgeteilt hat, dass vor einer Auszahlung des Kindergelds Vorleistungen anderer Stellen und hieraus resultierende, einer Auszahlung des Kindergelds an die Kl\u00e4gerin entgegenstehende Erstattungsanspr\u00fcche der Tr\u00e4ger von Sozialleistungen zu pr\u00fcfen seien. Die Frage, ob der Kl\u00e4gerin das festgesetzte Kindergeld auszuzahlen ist, geh\u00f6rt nicht zum Festsetzungs- sondern zum Erhebungsverfahren. Sollte die Auszahlung des festgesetzten Kindergelds wegen eines Erstattungsanspruchs streitig werden (vgl. \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7\u00a7&nbsp;102&nbsp;ff., \u00a7&nbsp;104, \u00a7&nbsp;107 Abs.&nbsp;1 des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch; Senatsurteile vom 22.09.2022&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;38\/20, BFH\/NV 2023, 35 und vom 19.01.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;36\/21, BFHE 279, 443, BStBl II 2023, 711), w\u00e4re dar\u00fcber zun\u00e4chst in einem Abrechnungsbescheid gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung zu entscheiden. Vorher w\u00e4re ein die Auszahlung des festgesetzten Kindergelds betreffender Klage- oder Revisionsantrag mangels Verwaltungs- und Vorverfahrens unzul\u00e4ssig. Es entspricht deshalb nicht den Interessen der Kl\u00e4gerin, ihren Antrag dahin zu deuten, dass er auch auf Auszahlung des festgesetzten Kindergelds gerichtet gewesen sei.<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.100724.IIIR18.24.0 BFH III. Senat AO \u00a7 218 Abs 2, EStG \u00a7\u00a7 62ff, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7 74 Abs 2, FGO \u00a7 90, FGO \u00a7 96 Abs 1 S 2, FGO \u00a7 126, FGO \u00a7 138, SGB 10 \u00a7\u00a7 102ff, SGB 10 \u00a7 102, SGB 10 \u00a7 104, SGB 10 \u00a7 107 Abs 1 vorgehend &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/abhilfebescheid-waehrend-des-revisionsverfahrens-bfh-beschluss-vom-10-juli-2024-iii-r-18-24\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Abhilfebescheid w\u00e4hrend des Revisionsverfahrens &#8211; BFH-Beschluss vom 10. 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