{"id":77038,"date":"2024-09-08T11:56:12","date_gmt":"2024-09-08T09:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77038"},"modified":"2024-09-08T11:56:12","modified_gmt":"2024-09-08T09:56:12","slug":"aufwaertsabfaerbung-bei-lediglich-verrechenbaren-verlusten-gemaess-%c2%a7-15a-estg-bfh-urteil-vom-11-juli-2024-iv-r-18-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/aufwaertsabfaerbung-bei-lediglich-verrechenbaren-verlusten-gemaess-%c2%a7-15a-estg-bfh-urteil-vom-11-juli-2024-iv-r-18-22\/","title":{"rendered":"Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung bei lediglich verrechenbaren Verlusten gem\u00e4\u00df \u00a7 15a EStG &#8211; BFH-Urteil vom 11. Juli 2024, IV R 18\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.110724.IVR18.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IV. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 15 Abs 1 S 1 Nr 2, EStG \u00a7 15 Abs 3 Nr 1 S 1 Alt 2, EStG \u00a7 15a Abs 1, EStG \u00a7 52 Abs 23 S 1, EStG \u00a7 15 Abs 3 Nr 1 S 2 Alt 2, EStG VZ 2017<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 13. Mai 2022, Az: 15 K 26\/20 E,F<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 Satz 1 Alternative 2 und Satz 2 Alternative 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sind in einkommensteuerrechtlicher Hinsicht auch ohne Ber\u00fccksichtigung einer Geringf\u00fcgigkeitsgrenze, bis zu deren Erreichen die gewerblichen Beteiligungseink\u00fcnfte nicht auf die \u00fcbrigen Eink\u00fcnfte abf\u00e4rben, verfassungsgem\u00e4\u00df (Anschluss an Urteile des Bundesfinanzhofs vom 06.06.2019 &#8211; IV R 30\/16, BFHE 265, 157, BStBl II 2020, 649 und vom 05.09.2023 &#8211; IV R 24\/20, BFHE 281, 374).<\/p>\n\n\n\n<p>2. \u00a7 52 Abs. 23 Satz 1 EStG, der die r\u00fcckwirkende Geltung des \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 Satz 2 Alternative 2 EStG anordnet, verst\u00f6\u00dft nicht gegen das verfassungsrechtliche R\u00fcckwirkungsverbot.<\/p>\n\n\n\n<p>3. F\u00fcr den Eintritt einer Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung gem\u00e4\u00df \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 Satz 1 Alternative 2, Satz 2 Alternative 2 EStG kommt es nur auf den Bezug gewerblicher Beteiligungseink\u00fcnfte, nicht aber auf deren H\u00f6he oder darauf an, ob ein zugewiesener Verlust der Ausgleichsbeschr\u00e4nkung des \u00a7 15a Abs. 1 EStG unterliegt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 13.05.2022 &#8211; 15 K 26\/20 E,F wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) ist eine GbR, die Eink\u00fcnfte aus der Vermietung eines Objekts in A-Stadt erzielt. Die Kl\u00e4gerin ist ferner seit dem 01.12.2003 mit 50.000&nbsp;\u20ac (entspricht seit 2015 einer Quote von 4,24&nbsp;%) an der &#8222;\u2026 GmbH &amp; Co. KG&#8220; (KG), die Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb erzielt, beteiligt. Die in dem bestandskr\u00e4ftigen Bescheid \u00fcber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen (Gewinnfeststellungsbescheid) der KG f\u00fcr das Jahr 2017 (Streitjahr) vom 06.04.2020 ausgewiesenen Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb wurden der Kl\u00e4gerin in H\u00f6he von .\/.&nbsp;5.481,13&nbsp;\u20ac zugerechnet. Ausweislich des mit dem Gewinnfeststellungsbescheid 2017 verbundenen Bescheids \u00fcber den verrechenbaren Verlust nach \u00a7&nbsp;15a Abs.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes \u2011\u2011EStG\u2011\u2011 (Verlustfeststellungsbescheid) 2017 handelt es sich hierbei um einen verrechenbaren Verlust im Sinne des \u00a7&nbsp;15a EStG, so dass im Gewinnfeststellungsbescheid 2017 der im Folgebescheid anzusetzende laufende steuerpflichtige Gewinn\/Verlust der Kl\u00e4gerin mit 0&nbsp;\u20ac ebenfalls bestandskr\u00e4ftig festgestellt wurde.<\/li><li>Aufgrund der von der KG bezogenen Beteiligungseink\u00fcnfte qualifizierte der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) die Eink\u00fcnfte der Kl\u00e4gerin aus Vermietung und Verpachtung seit 2006 in Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb um, so auch im Gewinnfeststellungsbescheid f\u00fcr das Streitjahr vom 14.08.2019.<\/li><li>Der gegen diesen Bescheid gerichtete Einspruch der Kl\u00e4gerin blieb ohne Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 04.12.2019). Die nachfolgende Klage wies das FG unter Verweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 06.06.2019&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;30\/16 (BFHE 265, 157, BStBl II 2020, 649) ab.<\/li><li>Mit ihrer Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die Verletzung materiellen Bundesrechts. Sie h\u00e4lt \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG f\u00fcr verfassungswidrig.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG M\u00fcnster vom 13.05.2022&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;26\/20&nbsp;E,F und die Einspruchsentscheidung vom 04.12.2019 aufzuheben und den Bescheid \u00fcber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen 2017 vom 14.08.2019 dahin zu \u00e4ndern, dass die in H\u00f6he von 28.767,87&nbsp;\u20ac als Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb festgestellten Eink\u00fcnfte als solche aus Vermietung und Verpachtung festgestellt werden.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das dem Verfahren beigetretene Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat keinen Antrag gestellt.<\/li><li>FA und BMF sind der Auffassung, \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG sei auch ohne Ber\u00fccksichtigung einer Geringf\u00fcgigkeitsgrenze verfassungsgem\u00e4\u00df.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat die Klage zutreffend als unbegr\u00fcndet abgewiesen. Es hat ohne Rechtsfehler angenommen, dass die Kl\u00e4gerin im Streitjahr als Mitunternehmerin der KG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb bezogen hat und diese Beteiligungseink\u00fcnfte dazu gef\u00fchrt haben, dass die von der Kl\u00e4gerin unternommene verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit nach \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2, Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG in vollem Umfang als Gewerbebetrieb gilt. Weder die Regelung in \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 beziehungsweise Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG noch die Anordnung der r\u00fcckwirkenden Anwendung des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG im Streitjahr durch \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 EStG ist verfassungswidrig.<\/li><li>1. Gegenstand des Revisionsverfahrens ist allein die im Gewinnfeststellungsbescheid 2017 vom 14.08.2019 erfolgte Qualifikation der im Streitjahr erzielten laufenden Eink\u00fcnfte der Kl\u00e4gerin.<\/li><li>a) Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung kann ein Gewinnfeststellungsbescheid eine Vielzahl selbst\u00e4ndiger und damit auch selbst\u00e4ndig anfechtbarer Feststellungen enthalten, die eigenst\u00e4ndig in Bestandskraft erwachsen und deshalb f\u00fcr die in dem n\u00e4mlichen Bescheid getroffenen und rechtlich nachgelagerten Feststellungen Bindungswirkung entfalten k\u00f6nnen. Eine solche selbst\u00e4ndige Regelung (Feststellung) ist auch die Qualifikation der Eink\u00fcnfte (BFH-Urteile vom 16.03.2017&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;31\/14, BFHE 257, 292, BStBl II 2019, 24, Rz&nbsp;18; vom 09.11.2017&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;37\/14, BFHE 259, 545, BStBl II 2018, 227, Rz&nbsp;18&nbsp;f., m.w.N.).<\/li><li>b) Die Kl\u00e4gerin hat den streitgegenst\u00e4ndlichen Gewinnfeststellungsbescheid 2017 nur insoweit angegriffen, als darin statt der erkl\u00e4rten Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung gewerbliche Eink\u00fcnfte festgestellt sind. Sie wendet sich allein gegen die aus ihrer Sicht unzutreffende Qualifizierung ihrer Eink\u00fcnfte. Durch die Feststellung der (vermeintlich) unzutreffenden Einkunftsart ist die Kl\u00e4gerin \u2011\u2011unabh\u00e4ngig von der H\u00f6he der festgestellten Eink\u00fcnfte\u2011\u2011 auch beschwert (z.B. BFH-Urteil vom 15.04.2004&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;54\/02, BFHE 206, 90, BStBl II 2004, 868, unter I., m.w.N.).<\/li><li>2. Die im Gewinnfeststellungsbescheid 2017 erfolgte Qualifizierung der Eink\u00fcnfte der Kl\u00e4gerin als solche aus Gewerbebetrieb ist \u2011\u2011wie das FG zutreffend erkannt hat\u2011\u2011 nicht zu beanstanden. Die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2, Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG (sogenannte Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung) liegen vor.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des Gesetzes zur weiteren steuerlichen F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t und zur \u00c4nderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 12.12.2019 (BGBl I 2019, 2451) \u2011\u2011WElektroMobF\u00f6rdG\u2011\u2011 gilt die mit Eink\u00fcnfteerzielungsabsicht unternommene T\u00e4tigkeit einer Personengesellschaft in vollem Umfang als Gewerbebetrieb, wenn die Gesellschaft auch eine T\u00e4tigkeit im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG aus\u00fcbt (Alternative&nbsp;1) oder gewerbliche Eink\u00fcnfte im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG bezieht (Alternative&nbsp;2). Dies gilt unabh\u00e4ngig davon, ob aus der T\u00e4tigkeit im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG ein Gewinn oder Verlust erzielt wird oder ob die gewerblichen Eink\u00fcnfte im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG positiv oder negativ sind (\u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG).<\/li><li>Mit der am 18.12.2019 in Kraft getretenen Neuregelung (vgl. Art.&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 WElektroMobF\u00f6rdG) des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG hat der Gesetzgeber zum einen in dem neuen Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 den bis dahin in \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 EStG enthaltenen Zitierfehler korrigiert (statt &#8222;&#8230; im Sinne des Absatzes&nbsp;1 Nummer&nbsp;1 &#8230;&#8220;; nun &#8222;&#8230; im Sinne des Absatzes&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nummer&nbsp;1 &#8230;&#8220;), zum anderen die Vorschrift um einen neuen Satz&nbsp;2 erg\u00e4nzt. Der neue Satz&nbsp;1 ist als blo\u00dfe redaktionelle Klarstellung ohne Weiteres r\u00fcckwirkend anwendbar (vgl. BFH-Urteil vom 30.06.2022&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;42\/19, BFHE 278, 42, BStBl II 2023, 118, Rz&nbsp;30). \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG enth\u00e4lt keine inhaltliche \u00c4nderung gegen\u00fcber der Vorg\u00e4ngerregelung in \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG, die wiederum inhaltlich \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG nach Einf\u00fcgung der Alternative&nbsp;2 durch das Jahressteuergesetz 2007 vom 13.12.2006 (BGBl I 2006, 2878) entspricht. Die zu dieser Regelung entwickelten Grunds\u00e4tze gelten daher unver\u00e4ndert fort (BFH-Urteil vom 05.09.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;24\/20, BFHE 281, 374, Rz&nbsp;55). Der neue Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 EStG auch f\u00fcr Veranlagungszeitr\u00e4ume vor 2019 \u2011\u2011und damit auch im Streitjahr\u2011\u2011 anwendbar.<\/li><li>b) Ausgehend von diesen gesetzlichen Grundlagen ist das FG zutreffend zu dem Ergebnis gelangt, dass die von der Kl\u00e4gerin bezogenen Beteiligungseink\u00fcnfte im Streitjahr zu einer Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 und Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG gef\u00fchrt haben.<\/li><li>aa) Die Kl\u00e4gerin, die als GbR \u2011\u2011und damit als &#8222;andere Personengesellschaft&#8220;\u2011\u2011 der Regelung des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG unterf\u00e4llt (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 05.09.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;24\/20, BFHE 281, 374, Rz&nbsp;59, m.w.N.), hat im Streitjahr mit Eink\u00fcnfteerzielungsabsicht Grundbesitz vermietet und somit eine verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit ausge\u00fcbt. Dies ist auch zwischen den Beteiligten unstreitig und bedarf daher keiner weiteren Erl\u00e4uterung.<\/li><li>bb) Die Kl\u00e4gerin hat im Streitjahr aus ihrer Beteiligung an der KG als Mitunternehmerin gewerbliche Eink\u00fcnfte gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG bezogen.<\/li><li>aaa) F\u00fcr die Abf\u00e4rbewirkung reicht es nicht aus, dass eine an einer weiteren Personengesellschaft beteiligte Personengesellschaft als Mitunternehmerin im Sinne von \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG anzusehen ist. Vielmehr wird auch ein &#8222;Bezug&#8220; von Gewinnanteilen im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG vorausgesetzt. Deshalb gen\u00fcgt allein das Vorliegen einer Mitunternehmerstellung nicht, um die Abf\u00e4rbewirkung des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG eintreten zu lassen (vgl. BFH-Urteil vom 26.06.2014&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;5\/11, BFHE 246, 319, BStBl II 2014, 972, Rz&nbsp;20). Das Merkmal des &#8222;Bezugs&#8220; erfordert keinen Zufluss der Mittel. Als Bezug der Beteiligungseink\u00fcnfte ist die Gewinnzurechnung am Ende des Wirtschaftsjahres anzusehen. Dementsprechend sind die in \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG genannten Eink\u00fcnfte im Sinne von \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG in dem Veranlagungs- beziehungsweise Feststellungszeitraum bezogen, in dem sie dem Mitunternehmer nach den Gewinnermittlungsvorschriften zuzurechnen sind (vgl. BFH-Urteil vom 26.06.2014&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;5\/11, BFHE 246, 319, BStBl II 2014, 972, Rz&nbsp;21).<\/li><li>bbb) Danach hat die Kl\u00e4gerin im Streitjahr Gewinnanteile im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG von der KG bezogen. Dies ist durch den bestandskr\u00e4ftigen Gewinnfeststellungsbescheid 2017 der KG vom 06.04.2020 (Grundlagenbescheid) mit bindender Wirkung f\u00fcr den Gewinnfeststellungsbescheid der Kl\u00e4gerin (Folgebescheid) festgestellt (\u00a7&nbsp;182 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung \u2011\u2011AO\u2011\u2011).<\/li><li>ccc) Dass der Kl\u00e4gerin im Gewinnfeststellungsbescheid 2017 der KG vom 06.04.2020 negative Eink\u00fcnfte in H\u00f6he von 5.481,13&nbsp;\u20ac zugerechnet werden und dass es sich hierbei \u2011\u2011ausweislich des mit dem Gewinnfeststellungsbescheid verbundenen Verlustfeststellungsbescheids 2017\u2011\u2011 um lediglich verrechenbare Verluste handelt, so dass sich ein \u2011\u2011nach Anwendung des \u00a7&nbsp;15a EStG\u2011\u2011 im Folgebescheid anzusetzender laufender steuerpflichtiger Gewinn\/Verlust der Kl\u00e4gerin von 0&nbsp;\u20ac ergibt, steht dem nicht entgegen.<\/li><li>(1) Nach der Rechtsprechung des BFH f\u00fchrt einkommensteuerrechtlich jede Beteiligung, aus der die Gesellschaft gewerbliche Eink\u00fcnfte bezieht, zu einer Umqualifizierung aller weiteren Eink\u00fcnfte dieser Gesellschaft in solche aus Gewerbebetrieb (BFH-Urteil vom 06.06.2019&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;30\/16, BFHE 265, 157, BStBl II 2020, 649, Rz&nbsp;19). Eine (ungeschriebene) sogenannte Bagatellgrenze gilt \u2011\u2011anders als bei der sogenannten Seitw\u00e4rtsabf\u00e4rbung (hierzu z.B. BFH-Urteil vom 30.06.2022&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;42\/19, BFHE 278, 42, BStBl II 2023, 118)\u2011\u2011 nicht (BFH-Urteile vom 06.06.2019&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;30\/16, BFHE 265, 157, BStBl II 2020, 649; vom 05.09.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;24\/20, BFHE 281, 374).<\/li><li>Dementsprechend f\u00fchrt auch der Bezug geringf\u00fcgiger Beteiligungseink\u00fcnfte zur Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung. Ebenfalls ohne Bedeutung f\u00fcr die Abf\u00e4rbewirkung ist die H\u00f6he der Beteiligung, aus der die Beteiligungseink\u00fcnfte bezogen werden. Eine Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung tritt zudem auch ein, wenn die bezogenen Beteiligungseink\u00fcnfte negativ sind (vgl. BFH-Urteil vom 06.06.2019&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;30\/16, BFHE 265, 157, BStBl II 2020, 649; anders zur Seitw\u00e4rtsabf\u00e4rbung noch BFH-Urteil vom 12.04.2018&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;5\/15, BFHE 261, 157, BStBl II 2020, 118, inzwischen allerdings aufgegeben durch BFH-Urteil vom 30.06.2022&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;42\/19, BFHE 278, 42, BStBl II 2023, 118) und \u2011\u2011konsequenterweise\u2011\u2011 auch dann, wenn sich ausnahmsweise (zuf\u00e4llig) Beteiligungseink\u00fcnfte in rechnerischer H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac ergeben.<\/li><li>(2) An dieser Rechtsprechung h\u00e4lt der Senat fest, zumal der durch das Gesetz zur weiteren steuerlichen F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t und zur \u00c4nderung weiterer steuerlicher Vorschriften eingef\u00fcgte Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG nunmehr ausdr\u00fccklich auch f\u00fcr den Streitzeitraum (\u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 EStG) regelt, dass die Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung unabh\u00e4ngig davon eintritt, ob die Beteiligungseink\u00fcnfte positiv oder negativ sind.<\/li><li>(3) Danach kommt es f\u00fcr den Eintritt der Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG nur auf den Bezug von Beteiligungseink\u00fcnften, nicht aber auf deren H\u00f6he an.<\/li><li>(4) Auch der Umstand, dass es sich bei den der Kl\u00e4gerin zugerechneten Beteiligungseink\u00fcnften um verrechenbare Verluste gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;15a EStG handelt, die im Streitjahr keine Auswirkungen auf die H\u00f6he des laufenden Gesamthandsgewinns der Kl\u00e4gerin haben, steht der Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung nicht entgegen. Ein Bezug von Beteiligungseink\u00fcnften im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG liegt auch dann vor, wenn es sich um lediglich verrechenbare Verluste im Sinne des \u00a7&nbsp;15a EStG handelt.<\/li><li>Die Verlustausgleichsbeschr\u00e4nkung des \u00a7&nbsp;15a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG setzt \u2011\u2011wie die Formulierung &#8222;Der einem Kommanditisten zuzurechnende Anteil am Verlust der Kommanditgesellschaft&#8220; zeigt\u2011\u2011 nach \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG zuzurechnende negative Eink\u00fcnfte voraus (vgl. z.B. auch Krumm in Kirchhof\/Seer, EStG, 23.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;15a Rz&nbsp;7). Dementsprechend bewirkt das aus \u00a7&nbsp;15a EStG resultierende Ausgleichs- und Abzugsverbot keine \u00c4nderung der (im Gewinnfeststellungsbescheid erfolgten) Zuweisung des Verlustanteils, sondern eine Umwandlung des Verlustanteils in einen verrechenbaren Verlust, der einer Verwertungssperre unterliegt (vgl. BFH-Urteil vom 24.04.2024&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;27\/21, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt, Rz&nbsp;40). Hieraus folgt zwar einerseits, dass verrechenbare Verluste gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;15a EStG f\u00fcr den entsprechenden Mitunternehmer zun\u00e4chst nicht nutzbar sind. Eine \u00c4nderung der Zurechnung der gewerblichen Beteiligungseink\u00fcnfte zur Kl\u00e4gerin ergibt sich hieraus jedoch nicht, so dass ein Bezug im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG gegeben ist. Ma\u00dfgebend f\u00fcr die Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung ist, dass der Kl\u00e4gerin aufgrund ihrer mitunternehmerischen Beteiligung an der KG ein Gewinnanteil zugerechnet worden ist und die KG gewerbliche Eink\u00fcnfte erzielt. Ohne Belang ist \u2011\u2011wie dargelegt\u2011\u2011 nicht nur dessen H\u00f6he, sondern auch, ob ein zugewiesener Verlust der KG sofort abziehbar ist oder zun\u00e4chst einer Verwertungssperre unterliegt.<\/li><li>3. \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 und Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG sowie \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 EStG sind nicht verfassungswidrig.<\/li><li>a) \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG ist in einkommensteuerrechtlicher Hinsicht auch ohne Ber\u00fccksichtigung einer Geringf\u00fcgigkeitsgrenze, bis zu deren Erreichen die gewerblichen (Beteiligungs-)Eink\u00fcnfte nicht auf die \u00fcbrigen Eink\u00fcnfte der Gesellschaft abf\u00e4rben, verfassungsgem\u00e4\u00df. Die hiergegen erhobenen Einwendungen der Kl\u00e4gerin f\u00fchren zu keinem anderen Ergebnis (vgl. hierzu zuletzt BFH-Urteil vom 05.09.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;24\/20, BFHE 281, 374, Rz&nbsp;61, m.w.N.). Dies gilt auch insoweit, als der neue Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG \u2011\u2011im Einklang mit der Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 06.06.2019&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;30\/16, BFHE 265, 157, BStBl II 2020, 649)\u2011\u2011 nunmehr ausdr\u00fccklich regelt, dass eine Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung unabh\u00e4ngig davon eintritt, ob die gewerblichen Eink\u00fcnfte im Sinne des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG positiv oder negativ sind. Entgegen der von der Kl\u00e4gerin in der m\u00fcndlichen Verhandlung vertretenen Auffassung ergeben sich aus den Ausf\u00fchrungen des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) im Beschluss vom 28.11.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;8\/13 (BGBl. 2024 I Nr.&nbsp;47, Rz&nbsp;160, 163, 174, 176, 178) keine neuen Gesichtspunkte, die eine andere Entscheidung geboten erscheinen lassen.<\/li><li>b) Die in \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des WElektroMobF\u00f6rdG angeordnete r\u00fcckwirkende Geltung des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG, die dazu f\u00fchrt, dass diese Regelung auch im Streitjahr Anwendung findet, unterliegt ebenfalls keinen verfassungsrechtlichen Bedenken. Das grunds\u00e4tzliche Verbot echt r\u00fcckwirkender Gesetze ist durch eine formal r\u00fcckwirkende Norm nur dann betroffen, wenn diese Vorschrift konstitutiven Charakter hat, die Rechtslage also nicht nur klarstellt (vgl. BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 17.12.2013&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvL&nbsp;5\/08, BVerfGE 135, 1, Rz&nbsp;44&nbsp;ff.; vom 12.07.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;482\/14, Rz&nbsp;33&nbsp;ff.). Dies ist in Bezug auf \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG nicht der Fall. Die Neuregelung f\u00fchrt nicht zu einer \u00c4nderung der Rechtslage.<\/li><li>aa) Im Steuerrecht liegt eine echte R\u00fcckwirkung beziehungsweise eine R\u00fcckbewirkung von Rechtsfolgen nur vor, wenn der Gesetzgeber eine bereits entstandene Steuerschuld nachtr\u00e4glich ab\u00e4ndert. Umgekehrt bedeutet dies f\u00fcr den Bereich des Einkommensteuerrechts, dass die \u00c4nderung von Normen mit Wirkung f\u00fcr den laufenden Veranlagungszeitraum jedenfalls in formaler Hinsicht der Kategorie der unechten R\u00fcckwirkung beziehungsweise der tatbestandlichen R\u00fcckankn\u00fcpfung zuzuordnen ist; denn nach \u00a7&nbsp;38 AO i.V.m. \u00a7&nbsp;36 Abs.&nbsp;1 EStG entsteht die Einkommensteuer erst mit dem Ablauf des Veranlagungszeitraums, das hei\u00dft des Kalenderjahres (\u00a7&nbsp;25 Abs.&nbsp;1 EStG, vgl. z.B. BVerfG-Beschluss vom 12.07.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;482\/14, Rz&nbsp;33, m.w.N.).<\/li><li>bb) Die verfassungsrechtlichen Grunds\u00e4tze des Verbots von Gesetzen mit echter R\u00fcckwirkung beanspruchen Geltung, wenn eine Regelung \u2011\u2011anders als in ihrer Begr\u00fcndung angenommen\u2011\u2011 aus verfassungsrechtlicher Sicht gegen\u00fcber der alten Rechtslage als konstitutive \u00c4nderung zu behandeln ist. Ob eine r\u00fcckwirkende Gesetzes\u00e4nderung gegen\u00fcber dem alten Recht deklaratorisch oder konstitutiv wirkt, h\u00e4ngt vom Inhalt des alten und des neuen Rechts ab, der \u2011\u2011abgesehen von eindeutigen Gesetzesformulierungen\u2011\u2011 zumeist erst durch Auslegung ermittelt werden muss. Die in der Begr\u00fcndung eines Gesetzentwurfs vertretene Auffassung, die Vorschrift habe lediglich klarstellenden Charakter, ist f\u00fcr die Gerichte nicht verbindlich. Sie schr\u00e4nkt weder die Kontrollrechte und -pflichten der Fachgerichte und des Bundesverfassungsgerichts ein, noch relativiert sie die f\u00fcr sie ma\u00dfgeblichen verfassungsrechtlichen Ma\u00dfst\u00e4be (z.B. BVerfG-Beschluss vom 12.07.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;482\/14, Rz&nbsp;34, m.w.N.).<\/li><li>Der Wunsch des Gesetzgebers, eine Rechtslage r\u00fcckwirkend klarzustellen, verdient grunds\u00e4tzlich nur in den durch das R\u00fcckwirkungsverbot vorgegebenen Grenzen verfassungsrechtliche Anerkennung. Anderenfalls k\u00f6nnte der Gesetzgeber auch jenseits dieser verfassungsrechtlichen Bindung einer Rechtslage unter Berufung auf ihre Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit ohne Weiteres die von ihm f\u00fcr richtig gehaltene Deutung geben, ohne dass von den daf\u00fcr letztlich zust\u00e4ndigen Gerichten gekl\u00e4rt w\u00e4re, ob dies der tats\u00e4chlichen Rechtslage entsprochen hat. Eine von Vertrauensschutzerfordernissen weitgehend freigestellte Befugnis zur r\u00fcckwirkenden Klarstellung des geltenden Rechts er\u00f6ffnete dem Gesetzgeber den weitreichenden Zugriff auf zeitlich abgeschlossene Rechtslagen, lie\u00dfe im Nachhinein politischen Opportunit\u00e4tserw\u00e4gungen Raum, die das einfache Recht zum Zeitpunkt der sp\u00e4ter als korrekturbed\u00fcrftig empfundenen Auslegung nicht pr\u00e4gten, und beeintr\u00e4chtigte so das Vertrauen in die Stabilit\u00e4t des Rechts erheblich (z.B. BVerfG-Beschluss vom 12.07.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;482\/14, Rz&nbsp;35, m.w.N.).<\/li><li>Eine r\u00fcckwirkende Kl\u00e4rung der Rechtslage durch den Gesetzgeber ist daher in jedem Fall als konstitutiv r\u00fcckwirkende Regelung anzusehen, wenn der Gesetzgeber damit nachtr\u00e4glich einer h\u00f6chstrichterlich gekl\u00e4rten Auslegung des Gesetzes den Boden zu entziehen sucht. Der Gesetzgeber hat es f\u00fcr die Vergangenheit grunds\u00e4tzlich hinzunehmen, dass die Gerichte das damals geltende Gesetzesrecht in den verfassungsrechtlichen Grenzen richterlicher Gesetzesauslegung und Rechtsfortbildung verbindlich auslegen. Entspricht diese Auslegung nicht oder nicht mehr dem politischen Willen des Gesetzgebers, kann er das Gesetz f\u00fcr die Zukunft \u00e4ndern (z.B. BVerfG-Beschluss vom 12.07.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;482\/14, Rz&nbsp;36, m.w.N.).<\/li><li>cc) Danach greifen die verfassungsrechtlichen Grunds\u00e4tze des Verbots von Gesetzen mit echter R\u00fcckwirkung vorliegend nicht ein, da die Regelung in \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG aus verfassungsrechtlicher Sicht gegen\u00fcber der alten Rechtslage nicht als konstitutive \u00c4nderung zu behandeln ist.<\/li><li>Zwar liegt in formaler Hinsicht eine echte R\u00fcckwirkung vor, da die mit Wirkung zum 18.12.2019 in Kraft getretene Neuregelung in \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 EStG auch f\u00fcr Veranlagungszeitr\u00e4ume vor 2019 \u2011\u2011und damit auch im Streitjahr\u2011\u2011 gilt.<\/li><li>Materiell-rechtlich betrachtet handelt es sich jedoch um eine deklaratorische Erg\u00e4nzung des Gesetzes. W\u00e4hrend der Gesetzgeber mit der Einf\u00fchrung des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 EStG eine auch materiell-rechtlich r\u00fcckwirkende Regelung geschaffen hat (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 30.06.2022&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;42\/19, BFHE 278, 42, BStBl II 2023, 118), kommt \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 EStG lediglich deklaratorische Wirkung zu (vgl. auch Bolk, Bilanzierung und Besteuerung der Personengesellschaft und ihrer Gesellschafter, 5.&nbsp;Aufl., Tz&nbsp;1.2.2, Rz&nbsp;1.70, S.&nbsp;25). Wie dargelegt (s. unter II.2.b&nbsp;bb&nbsp;ccc), ging die BFH-Rechtsprechung (Urteil vom 06.06.2019&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;30\/16, BFHE 265, 157, BStBl II 2020, 649) bereits vor der Einf\u00fcgung des Satzes&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG davon aus, dass eine Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung unabh\u00e4ngig davon eintritt, ob die Beteiligungseink\u00fcnfte positiv oder negativ sind. Insoweit hat der Gesetzgeber die Grunds\u00e4tze der bisherigen Rechtsprechung des BFH zur Aufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung in den Gesetzestext \u00fcbernommen, und zwar ohne damit auf das Merkmal des &#8222;Bezugs&#8220; der Beteiligungseink\u00fcnfte zu verzichten. Hierzu bestand auch kein Anlass, denn aus diesem Merkmal lassen sich keine Aussagen zur H\u00f6he der Beteiligungseink\u00fcnfte herleiten (vgl. BFH-Urteil vom 26.06.2014&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;5\/11, BFHE 246, 319, BStBl II 2014, 972, Rz&nbsp;21). Aus der Gesetzesbegr\u00fcndung zur Einf\u00fcgung des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG, die sich lediglich auf die durch das BFH-Urteil vom 12.04.2018&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;5\/15 (BFHE 261, 157, BStBl II 2020, 118) veranlasste Einf\u00fcgung des \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 EStG bezieht, kann ebenfalls nicht entnommen werden, dass der Gesetzgeber auf das Merkmal des &#8222;Bezugs&#8220; verzichten oder aber in anderer Weise die bestehende Rechtslage \u00e4ndern wollte.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.110724.IVR18.22.0 BFH IV. Senat EStG \u00a7 15 Abs 1 S 1 Nr 2, EStG \u00a7 15 Abs 3 Nr 1 S 1 Alt 2, EStG \u00a7 15a Abs 1, EStG \u00a7 52 Abs 23 S 1, EStG \u00a7 15 Abs 3 Nr 1 S 2 Alt 2, EStG VZ 2017 vorgehend FG M\u00fcnster, 13. 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