{"id":77065,"date":"2024-09-08T12:06:45","date_gmt":"2024-09-08T10:06:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77065"},"modified":"2024-09-08T12:06:45","modified_gmt":"2024-09-08T10:06:45","slug":"keine-klaerungsbeduerftigkeit-hinsichtlich-der-verfassungsmaessigkeit-der-hoehe-von-saeumniszuschlaegen-bfh-beschluss-vom-16-juli-2024-xi-b-37-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/keine-klaerungsbeduerftigkeit-hinsichtlich-der-verfassungsmaessigkeit-der-hoehe-von-saeumniszuschlaegen-bfh-beschluss-vom-16-juli-2024-xi-b-37-23\/","title":{"rendered":"Keine Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit hinsichtlich der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der H\u00f6he von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen &#8211; BFH-Beschluss vom 16. Juli 2024, XI B 37\/23"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.160724.XIB37.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 233a, AO \u00a7 238, AO \u00a7 240, GG Art 3 Abs 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 23. Mai 2023, Az: 6 K 2067\/20 AO<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Die Frage, ob sich die Grunds\u00e4tze zur Vereinbarkeit der nach der Abgabenordnung (AO) festzusetzenden Zinsen mit Art. 3 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 3 GG (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 08.07.2021 &#8211; 1 BvR 2237\/14, 1 BvR 2422\/17, BVerfGE 158, 282) auch auf <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/Steuerrechner\/Saeumniszuschlag.html\">S\u00e4umniszuschl\u00e4ge<\/a> \u00fcbertragen lassen, hat keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: In der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist gekl\u00e4rt, dass auch bei einem strukturellen Niedrigzinsniveau gegen die in \u00a7 240 Abs. 1 Satz 1 AO festgelegte H\u00f6he des S\u00e4umniszuschlags keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen (BFH-Urteile vom 23.08.2022 &#8211; VII R 21\/21, BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304, Rz 38 ff.; vom 15.11.2022 &#8211; VII R 55\/20, BFHE 278, 403, BStBl 2023, 621, Rz 19 ff.; vom 23.08.2023 &#8211; X R 30\/21, BFHE 282, 195, BStBl II 2024, 215, Rz 51 f.).<\/p>\n\n\n\n<p>3. NV: Durch diese \u2011\u2011im Hauptsacheverfahren ergangenen\u2011\u2011 Entscheidungen sind die verschiedentlich ge\u00e4u\u00dferten Zweifel hinsichtlich der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge (BFH-Beschl\u00fcsse vom 23.05.2022 &#8211; V B 4\/22 (AdV), BFHE 276, 535, Rz 29 ff.; vom 11.11.2022 &#8211; VIII B 64\/22 (AdV), BFHE 278, 36, Rz 16 ff.; vom 28.12.2022 &#8211; III B 48\/22 (AdV), BFH\/NV 2023, 970, Rz 13 ff.; vom 22.09.2023 &#8211; VIII B 64\/22 (AdV), Deutsches Steuerrecht kurzgefasst 2023, 335, Rz 20 ff.) \u00fcberholt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 23.05.2023 &#8211; 6 K 2067\/20 AO wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unzul\u00e4ssig.<\/li><li>1. Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) hat den geltend gemachten Revisionszulassungsgrund der Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) nicht entsprechend den Anforderungen des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO dargelegt.<\/li><li>a) Der Zulassungsgrund der Erforderlichkeit einer Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts ist ein Unterfall des Zulassungsgrunds der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung im Sinne von \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 12.05.2020&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;59\/19, BFH\/NV 2020, 909, Rz&nbsp;7). Beide Zulassungsgr\u00fcnde verlangen substantiierte Ausf\u00fchrungen zur Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit einer hinreichend bestimmten \u2011\u2011abstrakt beantwortbaren\u2011\u2011 Rechtsfrage.<\/li><li>Im Einzelnen muss dargelegt werden, dass die Rechtsfrage im konkreten Rechtsfall voraussichtlich kl\u00e4rungsf\u00e4hig (entscheidungserheblich) und ihre Beurteilung zweifelhaft oder umstritten ist. Hierzu muss sich der Beschwerdef\u00fchrer mit der einschl\u00e4gigen Rechtsprechung, insbesondere des BFH, sowie den \u00c4u\u00dferungen im Schrifttum auseinandersetzen. Im Einzelnen sind Ausf\u00fchrungen erforderlich, aus denen sich ergibt, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr\u00fcnden die Beantwortung der Rechtsfrage zweifelhaft und umstritten ist (vgl. u.a. BFH-Beschl\u00fcsse vom 12.06.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;71\/18, BFH\/NV 2019, 1329, Rz&nbsp;6; vom 03.05.2023&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;10\/22, BFH\/NV 2023, 818, Rz&nbsp;3).<\/li><li>Macht ein Beschwerdef\u00fchrer mit der Nichtzulassungsbeschwerde verfassungsrechtliche Bedenken mit Blick auf eine im Streitfall einschl\u00e4gige Norm geltend, erfordert die Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung dar\u00fcber hinaus eine substantiierte, an den Vorgaben des Grundgesetzes (GG) und der einschl\u00e4gigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des BFH orientierte Auseinandersetzung mit der Problematik (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 18.04.2017&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;147\/16, BFH\/NV 2017, 1052, Rz&nbsp;8; vom 13.11.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;42\/19, BFH\/NV 2020, 234, Rz&nbsp;5; jeweils m.w.N.).<\/li><li>b) Diesen Anforderungen gen\u00fcgt die Beschwerdebegr\u00fcndung nicht.<\/li><li>aa) Der Beschwerdef\u00fchrer hat die zwei folgenden Rechtsfragen aufgeworfen (s. Beschwerdebegr\u00fcndung S.&nbsp;4):<br \/>&#8222;1. D\u00fcrfen in der strukturellen Niedrigzinsphase Zinsen von 6&nbsp;%&nbsp;p.a. (aus unionsrechtlicher und verfassungsrechtlicher Sicht) erhoben werden und spielt es dabei aus unionsrechtlicher Sicht eine Rolle, ob das Bundesverfassungsgesetz die Weitergeltung einer Norm anordnet?<br \/>2. Darf f\u00fcr die sachliche Frage, dass zu hohe Zinsen erhoben werden, der Rechtsweg f\u00fcr den B\u00fcrger dahingehend &#8218;gespalten&#8216; werden, dass Fragen nationalen Rechts, insbesondere solche nach der Verfassungswidrigkeit, im Wege der Anfechtung des Abrechnungsbescheids gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen, aber die europarechtliche Fragestellung, ob die Erhebung von Zinsen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist, im Rahmen der Anfechtung einer Erlassentscheidung durchzuf\u00fchren ist?&#8220;<\/li><li>bb) Diese Rechtsfragen w\u00e4ren in einem k\u00fcnftigen Revisionsverfahren voraussichtlich schon nicht kl\u00e4rungsf\u00e4hig. So beziehen sich beide Rechtsfragen ausweislich ihres Wortlauts auf Zinsen, nicht auf die im Streit stehenden S\u00e4umniszuschl\u00e4ge. Der Ausgang eines m\u00f6glichen Revisionsverfahrens h\u00e4ngt auch nicht davon ab, ob \u2011\u2011wie mit der zweiten Frage aufgeworfen\u2011\u2011 der Rechtsweg &#8222;gespalten&#8220; werden darf. Vielmehr k\u00e4me es in einem Revisionsverfahren insoweit auf die inhaltlichen Fragen der Recht- und Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen an, die nach gefestigter, h\u00f6chstrichterlicher Rechtsprechung nur im Rahmen eines Abrechnungsbescheids \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen (vgl. etwa BFH-Beschluss vom 09.10.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;162\/19, BFH\/NV 2021, 289, Rz&nbsp;6; BFH-Urteil vom 23.08.2023&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;30\/21, BFHE 282, 195, BStBl II 2024, 215, Rz&nbsp;20).<\/li><li>cc) Dem Beschwerdevorbringen fehlt es \u2011\u2011unabh\u00e4ngig davon\u2011\u2011 aber auch an einer hinreichenden Darlegung rechtlicher Zweifel, insbesondere an einer Auseinandersetzung mit der einschl\u00e4gigen (BFH-)Rechtsprechung und Literatur.<\/li><li>aaa) Im Kern m\u00f6chte der Kl\u00e4ger mit der von ihm aufgeworfenen ersten Rechtsfrage kl\u00e4ren lassen, ob das Erheben von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen verfassungsrechtlich deshalb (teilweise) unzul\u00e4ssig ist, weil die vom BVerfG in seinem Beschluss vom 08.07.2021&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2237\/14, 1&nbsp;BvR&nbsp;2422\/17 (BVerfGE 158, 282) herausgearbeiteten Grunds\u00e4tze, nach denen die Verzinsung nach \u00a7\u00a7&nbsp;233a, 238 der Abgabenordnung (AO) in H\u00f6he von 0,5&nbsp;% pro Monat f\u00fcr Verzinsungszeitr\u00e4ume ab dem 01.01.2014 mit Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG unvereinbar ist, auf S\u00e4umniszuschl\u00e4ge zu \u00fcbertragen sind. Die Beschwerdebegr\u00fcndung l\u00e4sst substantiierte Angaben dazu vermissen, inwieweit diese Frage \u2011\u2011vor allem mit Blick auf das allein im Streit stehende Jahr 2018\u2011\u2011 kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist. Der Kl\u00e4ger f\u00fchrt zwar aus, dass die &#8222;vorgelagerte Rechtsfrage, ob S\u00e4umniszuschl\u00e4ge einen Zinsanteil enthalten, steuerrechtlich noch nicht abschlie\u00dfend und einheitlich gekl\u00e4rt&#8220; sei, erw\u00e4hnt als Beleg hierf\u00fcr indes lediglich den Nichtannahmebeschluss des BVerfG vom 04.05.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;1\/22 (BFH\/NV 2022, 895) sowie die Entscheidung des BFH vom 23.08.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;21\/21 (BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304), ohne weiter darzulegen, dass diese Entscheidungen \u2011\u2011unter Verweis auf andere BFH-Entscheidungen und Ver\u00f6ffentlichungen in der Literatur\u2011\u2011 Anlass zu rechtlichen Zweifeln g\u00e4ben. Substantiierte, an den Vorgaben des Grundgesetzes und der einschl\u00e4gigen Rechtsprechung des BVerfG und des BFH orientierte Auseinandersetzung mit der von ihm thematisierten verfassungsrechtlichen Problematik enth\u00e4lt die Beschwerdebegr\u00fcndung ebenso wenig. Gleiches gilt f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Literaturmeinungen.<\/li><li>bbb) Hinsichtlich der zweiten Rechtsfrage zur &#8222;Aufspaltung des Rechtswegs&#8220; ist die Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit ebenfalls nicht dargelegt. Insoweit fehlt es an jedweden Ausf\u00fchrungen zu (verfassungs-)rechtlichen Zweifeln.<\/li><li>c) Lediglich erg\u00e4nzend weist der Senat darauf hin, dass die Frage der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen in der Rechtsprechung des BFH \u2011\u2011jedenfalls f\u00fcr das hier allein streitige Jahr 2018\u2011\u2011 gekl\u00e4rt ist. Eine Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit besteht deshalb auch in der Sache nicht. So hat der VII.&nbsp;Senat mit dem vom Kl\u00e4ger erw\u00e4hnten Urteil vom 23.08.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;21\/21 (BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304, Rz&nbsp;38&nbsp;ff.) und nachfolgend durch Urteil vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;55\/20 (BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621, Rz&nbsp;19&nbsp;ff.) umfassend begr\u00fcndet, dass auch bei einem strukturellen Niedrigzinsniveau gegen die in \u00a7&nbsp;240 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO festgelegte H\u00f6he des S\u00e4umniszuschlags keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen. Die vom III., V. und VIII.&nbsp;Senat im Verfahren der Aussetzung der Vollziehung (AdV) ge\u00e4u\u00dferten Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 23.05.2022&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;4\/22&nbsp;(AdV), BFHE 276, 535, Rz&nbsp;29&nbsp;ff.; vom 11.11.2022&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;64\/22&nbsp;(AdV), BFHE 278, 36, Rz&nbsp;20&nbsp;ff.; vom 28.12.2022&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;48\/22&nbsp;(AdV), BFH\/NV 2023, 970, Rz&nbsp;13&nbsp;ff.) sind nach Auffassung des beschlie\u00dfenden Senats durch die \u2011\u2011im Hauptsacheverfahren ergangenen\u2011\u2011 Entscheidungen des VII.&nbsp;Senats \u00fcberholt. Dar\u00fcber hinaus hat nunmehr der X.&nbsp;Senat im Hauptsacheverfahren erkannt, dass gegen die H\u00f6he der S\u00e4umniszuschl\u00e4ge ausdr\u00fccklich auch f\u00fcr Zeitr\u00e4ume nach dem 31.12.2018 keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen (vgl. BFH-Urteil vom 23.08.2023&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;30\/21, BFHE 282, 195, BStBl II 2024, 215, Rz&nbsp;51&nbsp;f.). Dies entspricht im \u00dcbrigen auch der Auffassung des beschlie\u00dfenden Senats (vgl. Senatsbeschl\u00fcsse vom 13.09.2023&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;52\/22&nbsp;(AdV), BFH\/NV 2024, 273, Rz&nbsp;18; vom 13.09.2022&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;38\/22, BFHE 282, 213, BStBl II 2024, 214, Rz&nbsp;17). Die vom VIII.&nbsp;Senat im AdV-Verfahren weiterhin ge\u00e4u\u00dferten Zweifel (vgl. BFH-Beschluss vom 22.09.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;64\/22&nbsp;(AdV), Deutsches Steuerrecht kurzgefasst 2023, 335, Rz&nbsp;20&nbsp;ff.) sind nach Ansicht des Senats durch die Hauptsacheentscheidung des X.&nbsp;Senats \u00fcberholt. Unabh\u00e4ngig davon bezogen sich die Zweifel des VIII.&nbsp;Senats auf S\u00e4umniszuschl\u00e4ge f\u00fcr die Zeit ab dem 01.01.2019, die vorliegend gerade nicht im Streit stehen.<\/li><li>2. Den dar\u00fcber hinaus geltend gemachten Revisionszulassungsgrund der Erforderlichkeit einer Entscheidung des BFH zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung in Gestalt einer Divergenz (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) hat der Kl\u00e4ger ebenfalls nicht entsprechend den Anforderungen des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO dargelegt.<\/li><li>a) Die schl\u00fcssige R\u00fcge einer Divergenz erfordert unter anderem, dass das Finanzgericht (FG) seinem Urteil einen entscheidungserheblichen (tragenden) abstrakten Rechtssatz zugrunde gelegt hat, der mit den ebenfalls tragenden Rechtsausf\u00fchrungen in der Divergenzentscheidung des anderen Gerichts nicht \u00fcbereinstimmt (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 31.08.2023&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;89\/22, BFH\/NV 2023, 1322, Rz&nbsp;16; vom 25.10.2023&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;25\/23, BFH\/NV 2024, 30, Rz&nbsp;3).<\/li><li>Im Einzelnen sind f\u00fcr die schl\u00fcssige R\u00fcge einer Divergenz gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO die angebliche Divergenzentscheidung genau zu bezeichnen sowie tragende, abstrakte Rechtss\u00e4tze aus dem angefochtenen Urteil des FG einerseits und aus der behaupteten Divergenzentscheidung andererseits gegen\u00fcberzustellen, um die Abweichung deutlich zu machen. Dies erfordert auch die Darlegung, dass es sich im Streitfall um einen gleichen oder vergleichbaren Sachverhalt handelt, so dass sich in der angefochtenen Entscheidung und in der Divergenzentscheidung dieselbe Rechtsfrage stellt (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 25.01.2022&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;60\/20, BFH\/NV 2022, 827, Rz&nbsp;4; vom 31.01.2024&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;120\/22, BFH\/NV 2024, 409, Rz&nbsp;5).<\/li><li>b) Diesen Anforderungen wird die Beschwerdebegr\u00fcndung nicht gerecht. Zwar listet der Kl\u00e4ger verschiedene Entscheidungen insbesondere des BFH auf, die zueinander und zur angegriffenen Entscheidung (teilweise) in Divergenz stehen sollen. Er formuliert aber jedenfalls keine tragenden und abstrakten Rechtss\u00e4tze aus dem angefochtenen Urteil des FG einerseits und aus den von ihm angef\u00fchrten, vermeintlichen Divergenzentscheidungen andererseits. Au\u00dferdem legt er nicht hinreichend dar, dass dem Streitfall ein vergleichbarer Sachverhalt zugrunde liegt wie den angeblichen Divergenzentscheidungen. Hierf\u00fcr w\u00e4re es n\u00e4mlich erforderlich zumindest aufzuzeigen, inwieweit die in Bezug genommenen Entscheidungen ebenfalls S\u00e4umniszuschl\u00e4ge f\u00fcr das Jahr 2018 betreffen, die im angefochtenen Urteil allein im Streit stehen.<\/li><li>3. Von einer Darstellung des Sachverhalts und einer weiter gehenden Begr\u00fcndung wird gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO abgesehen.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.160724.XIB37.23.0 BFH XI. Senat AO \u00a7 233a, AO \u00a7 238, AO \u00a7 240, GG Art 3 Abs 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3 vorgehend FG M\u00fcnster, 23. 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