{"id":77098,"date":"2024-09-14T13:04:29","date_gmt":"2024-09-14T11:04:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77098"},"modified":"2024-09-14T13:04:29","modified_gmt":"2024-09-14T11:04:29","slug":"vorteilseignung-einer-vga-aufgrund-ersparten-aufwands-bfh-urteil-vom-22-mai-2024-i-r-2-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vorteilseignung-einer-vga-aufgrund-ersparten-aufwands-bfh-urteil-vom-22-mai-2024-i-r-2-21\/","title":{"rendered":"Vorteilseignung einer vGA aufgrund ersparten Aufwands &#8211; BFH-Urteil vom 22. Mai 2024, I R 2\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.220524.IR2.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH I. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>KStG \u00a7 8 Abs 1, EStG \u00a7 4 Abs 1 S 1, EStG \u00a7 6 Abs 1 Nr 3a Buchst c, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1 S 2, KStG \u00a7 8 Abs 3 S 2, KStG VZ 2011 , EStG VZ 2011<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht , 17. Dezember 2020, Az: 1 K 16\/19<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Bei einer <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/Verdeckte-Gewinnausschuettung.html\">verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung<\/a> in Form einer verhinderten Verm\u00f6gensmehrung kann sich eine Vorteilseignung daraus ergeben, dass der Gesellschafter eigenen Aufwand erspart. Die Aufwandsersparnis kann sich auch aus dem Verzicht auf die Vereinbarung eines Erstattungs- beziehungsweise Ausgleichsanspruchs ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Der Ansatz einer verhinderten Verm\u00f6gensmehrung hat in dem Zeitpunkt zu erfolgen, zu dem der Verm\u00f6gensvorteil, der zu erzielen unterlassen wurde, h\u00e4tte bilanziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 17.12.2020 &#8211; 1 K 16\/19 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Verfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des einkommenserh\u00f6henden Ansatzes einer verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung (vGA) im Sinne des \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes in der f\u00fcr das Streitjahr geltenden Fassung (KStG) in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac im Jahr 2011 (Streitjahr).<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine GmbH, die im Bereich \u2026 t\u00e4tig ist. Sie ist Teil eines Konzerns mit einer in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ans\u00e4ssigen Muttergesellschaft, die X, die mittelbar \u00fcber zwischengeschaltete Gesellschaften zu 100&nbsp;% am Kapital der Kl\u00e4gerin beteiligt ist. \u2026.<\/li><li>In den Jahren 2004 bis 2006 schloss die Kl\u00e4gerin mit der in Venezuela ans\u00e4ssigen Y Vertr\u00e4ge \u00fcber die Modernisierung von \u2026.<\/li><li>Anfang des Jahres 2007 belegten die USA den Staat Venezuela mit einem Wirtschaftsembargo, so dass US-amerikanische Unternehmen Abnehmer in Venezuela nicht mehr beliefern durften. Daher wies die Gesch\u00e4ftsleitung der X die Kl\u00e4gerin an, die von Y erteilten Auftr\u00e4ge nicht weiter auszuf\u00fchren. Diese Entscheidung teilte die Kl\u00e4gerin der Y im Fr\u00fchjahr 2007 schriftlich mit.<\/li><li>Y erhob deshalb in Venezuela im Jahr 2009 gegen die Kl\u00e4gerin Klage und machte Schadensersatzforderungen in H\u00f6he von \u2026&nbsp;US-$ geltend. In einem von der Kl\u00e4gerin angestrengten Schiedsverfahren vor der internationalen Handelskammer entschied diese am \u2026.2012, dass die Kl\u00e4gerin unter der aufschiebenden Bedingung, dass Y die in Venezuela erhobene Klage zur\u00fccknimmt, an die Y einen Gesamtbetrag in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac Schadensersatz, Anspr\u00fcche aus ungerechtfertigter Bereicherung und anteilige Verfahrenskosten zu leisten habe.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin bildete in ihren Jahresabschl\u00fcssen wegen etwaiger an Y zu leistender Schadensersatzzahlungen eine R\u00fcckstellung:&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jahr&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Handelsbilanzansatz&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Steuerbilanzansatz&nbsp;&nbsp;&nbsp;2007\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;2008\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;2009\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac2010\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac2011\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac2012\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac<\/li><li>Im Streitjahr zahlte die Kl\u00e4gerin Verfahrenskosten f\u00fcr das Schiedsverfahren (\u2026&nbsp;\u20ac); die in diesem Verfahren angefallenen Anwaltskosten trug X.<\/li><li>In der Zeit von Mai 2014 bis Juli 2017 f\u00fchrte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) bei der Kl\u00e4gerin eine steuerliche Au\u00dfenpr\u00fcfung durch. Der Pr\u00fcfer und ihm folgend das FA sahen zum Streitjahr in der Zahlung der Verfahrenskosten (\u2026&nbsp;\u20ac) sowie der Schadensersatzforderung (Aufstockung der R\u00fcckstellung um einen Betrag von \u2026&nbsp;\u20ac) eine vGA, weil die Auftragsstornierung allein im Interesse der Konzernmutter erfolgt sei. Das FA erlie\u00df deshalb gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin am 01.03.2018 einen \u00c4nderungsbescheid \u00fcber K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fcr 2011 mit einem um eine vGA in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac erh\u00f6hten zu versteuernden Einkommen.<\/li><li>Ein Einspruch blieb ohne Erfolg. Der daraufhin erhobenen Klage gab das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht (FG) statt (Urteil vom 17.12.2020&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;16\/19, Entscheidungen der Finanzgerichte \u2011\u2011EFG\u2011\u2011 2021, 578).<\/li><li>Dagegen wendet sich das FA mit seiner Revision, mit der es die Verletzung von Bundesrecht geltend macht.<\/li><li>Es beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG ist rechtsfehlerhaft davon ausgegangen, dass im Streitfall eine verhinderte Verm\u00f6gensmehrung bereits wegen ihrer fehlenden Eignung ausscheide, einen sonstigen Bezug im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes in der f\u00fcr das Streitjahr geltenden Fassung (EStG) bei der Gesellschafterin auszul\u00f6sen. Deshalb hat es die erforderlichen Feststellungen dazu, ob eine Verm\u00f6gensverschiebung von der Kl\u00e4gerin an ihre Gesellschafterin durch das Gesellschaftsverh\u00e4ltnis veranlasst ist, bisher nicht getroffen.<\/li><li>1. VGA sind nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Senats Verm\u00f6gensminderungen (verhinderte Verm\u00f6gensmehrungen), die durch das Gesellschaftsverh\u00e4ltnis veranlasst oder mitveranlasst sind, sich auf die H\u00f6he des Unterschiedsbetrags gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 KStG auswirken und in keinem Zusammenhang zu einer offenen Aussch\u00fcttung stehen. F\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der entschiedenen F\u00e4lle hat der Senat die Veranlassung durch das Gesellschaftsverh\u00e4ltnis angenommen, wenn die Kapitalgesellschaft ihrem Gesellschafter oder einer diesem nahestehenden Person einen Verm\u00f6gensvorteil zuwendet, den sie bei Anwendung der Sorgfalt eines ordentlich und gewissenhaft handelnden Gesch\u00e4ftsleiters einem Nichtgesellschafter nicht gew\u00e4hrt h\u00e4tte (z.B. Urteile vom 16.03.1967&nbsp;&#8211; I&nbsp;261\/63, BFHE 89, 208, BStBl III 1967, 626; vom 08.10.2008&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;61\/07, BFHE 223, 131, BStBl II 2011, 62; vom 22.12.2010&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;47\/10, BFH\/NV 2011, 1019; vom 15.02.2012&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;19\/11, BFHE 236, 452; Beschluss vom 13.07.2021&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;16\/18, BFHE 274, 36, BStBl II 2022, 119). Zudem muss der Vorgang geeignet sein, bei dem beg\u00fcnstigten Gesellschafter einen sonstigen Bezug im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG auszul\u00f6sen (z.B. Senatsurteile vom 07.08.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;2\/02, BFHE 200, 197, BStBl II 2004, 131; vom 22.08.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;32\/06, BFHE 218, 523, BStBl II 2007, 961; vom 04.05.2022&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;25\/19, BFH\/NV 2022, 1313; Senatsbeschluss vom 13.07.2021&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;16\/18, BFHE 274, 36, BStBl II 2022, 119).<\/li><li>2. Ob das Handeln einer Kapitalgesellschaft durch das Gesellschaftsverh\u00e4ltnis veranlasst oder mitveranlasst ist, muss im gerichtlichen Verfahren in erster Linie das FG anhand aller Umst\u00e4nde des konkreten Einzelfalls beurteilen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsbeschluss vom 19.12.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;83\/06, BFH\/NV 2008, 988).<\/li><li>3. Das FG hat im Hinblick auf die von der Kl\u00e4gerin gezahlten Gerichtskosten und die Zuf\u00fchrung zur R\u00fcckstellung f\u00fcr drohende Schadensersatzanspr\u00fcche eine vGA in Form der Verm\u00f6gensminderung zu Recht verneint. Denn diese Verm\u00f6gensminderungen waren nicht durch das Gesellschaftsverh\u00e4ltnis veranlasst. Die Kl\u00e4gerin leistete die Zahlung aufgrund einer eigenen rechtlichen Verpflichtung an einen fremden Dritten und folglich nicht aus im Gesellschaftsverh\u00e4ltnis liegenden Gr\u00fcnden; Entsprechendes gilt mit Blick auf das Risiko, auf Schadensersatz in Anspruch genommen zu werden (dem Ergebnis zustimmend z.B. Schmitz-Herscheidt, Neue Wirtschafts-Briefe \u2011\u2011NWB\u2011\u2011 2021, 2089).<\/li><li>4. Das FG hat jedoch eine vGA unter dem Gesichtspunkt einer verhinderten Verm\u00f6gensmehrung wegen fehlender Vorteilseignung (sonstiger Bezug im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG) rechtsfehlerhaft verneint, weil es die Rechtsgrunds\u00e4tze des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Situation der Verm\u00f6gensverlagerung durch eine Aufwandsersparnis beim Gesellschafter nicht beachtet hat.<\/li><li>a) Eine Vorteilseignung kann sich bei einer vGA in Form einer verhinderten Verm\u00f6gensmehrung insbesondere daraus ergeben, dass der Gesellschafter eigenen Aufwand erspart, weil die Gesellschaft ihn tr\u00e4gt (z.B. Senatsurteile vom 04.12.1996&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;54\/95, BFHE 182, 123; vom 17.05.2000&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;79\/99, BFHE 192, 97, BStBl II 2000, 480; vom 15.05.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;92\/00, BFHE 199, 217; vom 14.07.2004&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;57\/03, BFHE 206, 431, BStBl II 2011, 285; vom 27.07.2016&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;12\/15, BFHE 255, 39, BStBl II 2017, 217, Rz&nbsp;6; vom 22.11.2023&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;9\/20, BFH\/NV 2024, 731, Rz&nbsp;18; Senatsbeschluss vom 13.07.2021&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;16\/18, BFHE 274, 36, BStBl II 2022, 119, Rz&nbsp;33; ebenso Oppenl\u00e4nder, Verdeckte Gewinnaussch\u00fcttung, 2004, S.&nbsp;24). Eine solche Aufwandsersparnis kann sich auch aus dem Verzicht auf die Vereinbarung eines Erstattungs- beziehungsweise Ausgleichsanspruchs ergeben (z.B. Senatsurteil vom 27.07.2016&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;12\/15, BFHE 255, 39, BStBl II 2017, 217, Rz&nbsp;6 sowie Senatsbeschluss vom 09.07.2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;194\/02, BFH\/NV 2003, 1349). Dabei setzt eine verhinderte Verm\u00f6gensmehrung entgegen der Ansicht der Kl\u00e4gerin nicht zwingend eine Nutzungs- oder Ressourcen\u00fcberlassung an den Gesellschafter voraus. Sie wurde von der Rechtsprechung zum Beispiel auch bei einer Spende der Gesellschaft an eine dem Gesellschafter besonders nahestehende gemeinn\u00fctzige Organisation (Senatsbeschl\u00fcsse vom 19.12.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;83\/06, BFH\/NV 2008, 988 und vom 13.07.2021&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;16\/18, BFHE 274, 36, BStBl II 2022, 119) oder bei der Hinnahme von strukturellen Dauerverlusten (Senatsurteile vom 15.05.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;92\/00, BFHE 199, 217 und vom 22.08.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;32\/06, BFHE 218, 523, BStBl II 2007, 961) angenommen, da der Gesellschafter in diesen F\u00e4llen ein von ihm angestrebtes, in seinem pers\u00f6nlichen Interesse liegendes Ziel ohne einen andernfalls notwendigen eigenen Aufwand erreicht.<\/li><li>b) Eine solche Aufwandsersparnis kommt auch im Streitfall in Betracht (gleicher Ansicht Pohl, GmbH-Rundschau 2021, 612, 619; Brandis\/Heuermann\/Rengers, \u00a7&nbsp;8 KStG Rz&nbsp;281; a.A. wohl Schmitz-Herscheidt, NWB 2021, 2089; G\u00f6llner, EFG 2021, 582). Sollte X die Kl\u00e4gerin durch eine erteilte Weisung zu einem Vertragsbruch veranlasst haben, ohne daf\u00fcr eine fremd\u00fcbliche Gegenleistung zu erbringen, h\u00e4tte sie insoweit Aufwand erspart. Ein ordentlicher und gewissenhafter Gesch\u00e4ftsleiter w\u00fcrde einen geschlossenen Vertrag einhalten, wenn er zu dessen Bruch nicht aufgrund \u00e4u\u00dferer Umst\u00e4nde (zum Beispiel gesetzliches Verbot) oder zur Verhinderung eines bei Vertragsdurchf\u00fchrung (ex ante) drohenden gr\u00f6\u00dferen Schadens gezwungen w\u00e4re. Andernfalls h\u00e4tte ein Nichtgesellschafter einen solchen Gesch\u00e4ftsleiter allenfalls dann zu einem Vertragsbruch bewegen k\u00f6nnen, wenn er die \u00dcbernahme des damit verbundenen Schadensrisikos und einen angemessenen Gewinnausgleich verbindlich zugesagt h\u00e4tte. Erreicht ein Gesellschafter dieses Ziel stattdessen aus im Gesellschaftsverh\u00e4ltnis liegenden Gr\u00fcnden ohne entsprechende Zusagen, erspart er insoweit eigenen Aufwand. Die Ausf\u00fchrungen des FG, dass die Muttergesellschaft das Ergebnis der von der Kl\u00e4gerin erbrachten &#8222;Leistungen&#8220; anders als im Fall des Senatsurteils vom 08.08.2001&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;106\/99 (BFHE 196, 173, BStBl II 2003, 487) nicht habe auf eigene Kosten herbeif\u00fchren k\u00f6nnen (S.&nbsp;16 des FG-Urteils), tragen diesem Umstand nicht in der gebotenen Weise Rechnung; X h\u00e4tte der Kl\u00e4gerin eine Schadens\u00fcbernahme und einen Gewinnausgleich verbindlich zusagen k\u00f6nnen, um sie zum Vertragsbruch zu bewegen.<\/li><li>c) Das Streitjahr w\u00e4re auch das Jahr, in dem eine vGA in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac zeitlich zu ber\u00fccksichtigen w\u00e4re. Der Ansatz einer verhinderten Verm\u00f6gensmehrung ist dem Zeitpunkt zuzuordnen, in dem der Verm\u00f6gensvorteil, der zu erzielen unterlassen wurde, h\u00e4tte bilanziert werden m\u00fcssen (Bott\/Hamacher\/Schober\/Schulz in Bott\/Walter, KStG, \u00a7&nbsp;8 Rz&nbsp;536; Lang in D\u00f6tsch\/Pung\/M\u00f6hlenbrock, Die K\u00f6rperschaftsteuer, \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;3 KStG Teil&nbsp;C Rz&nbsp;357; im Ergebnis ebenso Senatsurteile vom 15.12.2004&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;6\/04, BFHE 209, 57, BStBl II 2009, 197, unter II.1.b und d und vom 22.11.2023&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;9\/20, BFH\/NV 2024, 731, Rz&nbsp;29). H\u00e4tte die Kl\u00e4gerin im Streitfall eine vorherige Zusage der X zur Schadens\u00fcbernahme zur Voraussetzung des Vertragsbruchs gemacht, w\u00e4re ihr Steuerbilanzgewinn im Streitjahr um \u2026&nbsp;\u20ac h\u00f6her gewesen. F\u00fcr die von ihr in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac geleisteten Verfahrenskosten h\u00e4tte ihr ein zu aktivierender Erstattungsanspruch gegen\u00fcber X zugestanden. Die im Streitjahr vorgenommene R\u00fcckstellungserh\u00f6hung um \u2026&nbsp;\u20ac h\u00e4tte nicht erfolgen d\u00fcrfen, weil insoweit R\u00fcckgriffsanspr\u00fcche zur Kompensation heranzuziehen w\u00e4ren (BFH-Urteil vom 17.02.1993&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;60\/89, BFHE 170, 397, BStBl II 1993, 437; s. ausdr\u00fccklich \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3a Buchst.&nbsp;c EStG).<\/li><li>5. Der Senat kann wegen fehlender entsprechender Feststellungen des FG nicht abschlie\u00dfend dar\u00fcber entscheiden, ob die verhinderte Verm\u00f6gensmehrung auf Seiten der Kl\u00e4gerin ihre Ursache im Gesellschaftsverh\u00e4ltnis gehabt hat. Das FG hat diese Feststellungen im zweiten Rechtsgang nachzuholen.<\/li><li>a) Insbesondere wird es substantielle Feststellungen zum Inhalt des US-Embargos zu treffen haben. Denn der Vertragsbruch w\u00e4re nicht durch das Gesellschaftsverh\u00e4ltnis (mit-)veranlasst gewesen, wenn sich eine entsprechende Verpflichtung der Kl\u00e4gerin bereits aus dem Embargo ergeben h\u00e4tte. Entsprechende Feststellungen zum ma\u00dfgeblichen ausl\u00e4ndischen Recht zu treffen, ist Aufgabe des FG als Tatsacheninstanz (Senatsurteil vom 15.03.1995&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;14\/94, BFHE 177, 263, BStBl II 1995, 502; BFH-Urteile vom 13.06.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;63\/11, BFHE 242, 34, BStBl II 2014, 711, Rz&nbsp;26; vom 24.05.2023&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;28\/21, BFHE 280, 494, Rz&nbsp;47).<\/li><li>b) Ferner wird es festzustellen haben, ob X den Vertragsbruch der Kl\u00e4gerin durch die erteilte Weisung (mit-)veranlasst hat. Dabei w\u00e4re der Vertragsbruch dann nicht durch das Gesellschaftsverh\u00e4ltnis (mit-)veranlasst, wenn ein ordentlich und gewissenhaft handelnder Gesch\u00e4ftsleiter sich auch ohne entsprechende Weisung aufgrund der im Falle einer Vertragsfortf\u00fchrung gegebenenfalls drohenden wirtschaftlichen Folgen f\u00fcr den Vertragsbruch entschieden h\u00e4tte.<\/li><li>6. Die \u00dcbertragung der Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.220524.IR2.21.0 BFH I. Senat KStG \u00a7 8 Abs 1, EStG \u00a7 4 Abs 1 S 1, EStG \u00a7 6 Abs 1 Nr 3a Buchst c, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1 S 2, KStG \u00a7 8 Abs 3 S 2, KStG VZ 2011 , EStG VZ 2011 vorgehend Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht , 17. 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