{"id":77110,"date":"2024-09-24T12:17:54","date_gmt":"2024-09-24T10:17:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77110"},"modified":"2024-09-24T12:17:54","modified_gmt":"2024-09-24T10:17:54","slug":"wegfall-der-antragsvoraussetzungen-nach-der-option-zum-teileinkuenfteverfahren-bfh-urteil-vom-17-juli-2024-viii-r-2-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wegfall-der-antragsvoraussetzungen-nach-der-option-zum-teileinkuenfteverfahren-bfh-urteil-vom-17-juli-2024-viii-r-2-24\/","title":{"rendered":"Wegfall der Antragsvoraussetzungen nach der Option zum Teileink\u00fcnfteverfahren &#8211; BFH-Urteil vom 17. Juli 2024, VIII R 2\/24"},"content":{"rendered":"\n<p>Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 17.07.2024\u00a0\u00a0VIII R 37\/23 <\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.170724.VIIIR2.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 3 Nr 40 S 1 Buchst d, EStG \u00a7 3c Abs 2 S 1, EStG \u00a7 9 Abs 1 S 3 Nr 1, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1, EStG \u00a7 20 Abs 9, EStG \u00a7 32d Abs 1, EStG \u00a7 32d Abs 2 Nr 3, EStG VZ 2016<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg , 08. Dezember 2023, Az: 5 K 813\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Nach einer wirksamen erstmaligen Antragstellung f\u00fcr einen Veranlagungszeitraum ist das Vorliegen der materiell-rechtlichen Antragsvoraussetzungen gem\u00e4\u00df \u00a7 32d Abs. 2 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a und b des Einkommensteuergesetzes in den folgenden vier Veranlagungszeitr\u00e4umen vom Finanzamt zu unterstellen. Diese m\u00fcssen nur f\u00fcr das erste Antragsjahr vorliegen; ihr Wegfall in den folgenden vier Veranlagungszeitr\u00e4umen ist unerheblich.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Dies gilt auch, wenn der Anteilseigner die Beteiligung in einem der dem ersten Antragsjahr folgenden vier Veranlagungszeitr\u00e4ume ver\u00e4u\u00dfert und die Antragstellung ausschlie\u00dflich dem Zweck dient, nachlaufende Beteiligungsaufwendungen abziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W\u00fcrttemberg vom 08.12.2023 &#8211; 5 K 813\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) wird f\u00fcr das Streitjahr 2016 zusammen mit seiner Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt.<\/li><li>Mit notariellem Kauf- und \u00dcbertragungsvertrag vom 03.12.2009 erwarb der Kl\u00e4ger f\u00fcr 5&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac einen Gesch\u00e4ftsanteil von 40&nbsp;% an der S-GmbH.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger hielt den Anteil an der S-GmbH seit dem Erwerb im steuerlichen Privatverm\u00f6gen. Er ver\u00e4u\u00dferte die Beteiligung im Jahr 2015 an die A-GmbH, an der er zu 40&nbsp;% beteiligt war.<\/li><li>In der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 erkl\u00e4rten die Kl\u00e4ger nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) eine Gewinnaussch\u00fcttung an den Kl\u00e4ger aus der S-GmbH in H\u00f6he von 600.000&nbsp;\u20ac sowie 98.932&nbsp;\u20ac Schuldzinsen aus einem Refinanzierungsdarlehen zur Anschaffung der Beteiligung an der S-GmbH als Werbungskosten. Darlehensgeberin war die A-GmbH. Die Gesch\u00e4ftsanteile an der A-GmbH waren zu diesem Zeitpunkt noch Bestandteil des Sonderbetriebsverm\u00f6gens&nbsp;II des Kl\u00e4gers bei der S-KG.<\/li><li>F\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 beantragte der Kl\u00e4ger in der Einkommensteuererkl\u00e4rung erstmalig die Anwendung des Teileink\u00fcnfteverfahrens f\u00fcr die Beteiligung an der S-GmbH gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/li><li>Mit notariellem Kauf- und \u00dcbertragungsvertrag vom xx.xx.2015 ver\u00e4u\u00dferte der Kl\u00e4ger die Beteiligung an der S-GmbH f\u00fcr 60.000&nbsp;\u20ac an die A-GmbH.<\/li><li>In ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2015 erkl\u00e4rten die Kl\u00e4ger einen Verlust aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Beteiligung an der S-GmbH nach \u00a7&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;4 EStG in H\u00f6he von 4.960.214&nbsp;\u20ac, der im Rahmen des Teileink\u00fcnfteverfahrens in H\u00f6he von 2.964.128,52&nbsp;\u20ac vom Beklagten und Revisionskl\u00e4ger (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) anerkannt wurde, sowie Schuldzinsen aus dem Refinanzierungsdarlehen in H\u00f6he von 61.589&nbsp;\u20ac als negative Kapitalertr\u00e4ge.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger \u00fcbertrug nach der Ver\u00e4u\u00dferung der Beteiligung an der S-GmbH seine Beteiligung an der A-GmbH, welche sich bis dahin in seinem Sonderbetriebsverm\u00f6gen&nbsp;II bei der S-KG befunden hatte, in das Gesamthandsverm\u00f6gen der S-KG. Anschlie\u00dfend wurde die S-GmbH (zu diesem Zeitpunkt Tochtergesellschaft der A-GmbH) zum 31.12.2015 r\u00fcckwirkend auf die A-GmbH verschmolzen.<\/li><li>In der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Jahr 2016 (Streitjahr) erkl\u00e4rten die Kl\u00e4ger negative Kapitaleink\u00fcnfte in H\u00f6he der Schuldzinsen f\u00fcr das Refinanzierungsdarlehen zur Anschaffung der Beteiligung an der S-GmbH in H\u00f6he von 59.236&nbsp;\u20ac. Das FA versagte den Schuldzinsenabzug wegen der Ver\u00e4u\u00dferung der Beteiligung in dem unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung stehenden Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr vom 14.06.2018. Die Antragsvoraussetzungen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 EStG seien f\u00fcr das Streitjahr nicht mehr erf\u00fcllt.<\/li><li>Ein Klageverfahren gegen den Gewinnfeststellungsbescheid der S-KG f\u00fcr das Streitjahr (und ein weiteres Jahr), in dem der Kl\u00e4ger geltend gemacht hatte, das Refinanzierungsdarlehen zum Erwerb der Anteile an der S-GmbH sei aufgrund des \u00dcbergangs der Beteiligung an der A-GmbH in das Gesamthandsverm\u00f6gen der S-KG und der Verschmelzung der S-GmbH auf die A-GmbH ab dem Streitjahr dem Sonderbetriebsverm\u00f6gen&nbsp;II bei der S-KG zuzuordnen, sodass die Refinanzierungszinsen als Sonderbetriebsausgaben bei der S-KG abzugsf\u00e4hig seien, blieb erfolglos. Das FG entschied mit rechtskr\u00e4ftig gewordenem Urteil vom 12.11.2021&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;2304\/20, die Schuldzinsen seien nicht als Sonderbetriebsausgaben abzugsf\u00e4hig, weil das Darlehen der A-GmbH an den Kl\u00e4ger nicht zu negativem Sonderbetriebsverm\u00f6gen&nbsp;II des Kl\u00e4gers bei der S-KG geworden sei.<\/li><li>Der Einspruch des Kl\u00e4gers gegen den Einkommensteuerbescheid des Streitjahrs vom 14.06.2018 hatte keinen Erfolg. W\u00e4hrend des Einspruchsverfahrens ergingen mehrfach ge\u00e4nderte Einkommensteuerbescheide f\u00fcr das Streitjahr, zuletzt mit Datum vom 19.04.2022. Alle Bescheide standen unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO). Das FA wies den Einspruch des Kl\u00e4gers als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck. Der Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung wurde in der Einspruchsentscheidung nicht aufgehoben. Nach der nicht mit der Klage angefochtenen Einspruchsentscheidung erging ein \u00c4nderungsbescheid vom 02.08.2021, in dem der Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung noch enthalten war.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragte am 29.03.2022 die \u00c4nderung des unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung stehenden Einkommensteuerbescheids f\u00fcr das Streitjahr und der Einkommensteuerbescheide f\u00fcr weitere Folgejahre. Die bislang nicht ber\u00fccksichtigten Schuldzinsen aus dem Refinanzierungsdarlehen seien nach Ma\u00dfgabe des Teileink\u00fcnfteverfahrens bei den Eink\u00fcnften des Kl\u00e4gers aus Kapitalverm\u00f6gen als Werbungskosten abzuziehen.<\/li><li>Das FA lehnte die \u00c4nderungsantr\u00e4ge durch Bescheid vom 06.04.2022 ab. Dagegen hat der Kl\u00e4ger am 20.04.2022 eine Sprungklage erhoben, der das FA am 11.05.2022 zugestimmt hat. W\u00e4hrend des Klageverfahrens erging noch ein weiterer \u00c4nderungsbescheid f\u00fcr das Streitjahr vom 19.04.2022.<\/li><li>Das FG hat der Klage durch Gerichtsbescheid stattgegeben. Es hat das FA verpflichtet, den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr zu \u00e4ndern und Schuldzinsen in H\u00f6he von 59.235,51&nbsp;\u20ac nach Ma\u00dfgabe des Teileink\u00fcnfteverfahrens bei den tariflich zu besteuernden Kapitalertr\u00e4gen des Kl\u00e4gers zum Abzug zuzulassen. Der Kl\u00e4ger habe f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 wirksam einen erstmaligen Antrag auf Anwendung des Teileink\u00fcnfteverfahrens gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 EStG gestellt. Es sei unerheblich, dass er im Streitjahr als letztem der vier vom Antragszeitraum umfassten Folgejahre nicht mehr an der S-GmbH beteiligt gewesen sei. Das FG hat im Gerichtsbescheid die Revision zugelassen. Ein Antrag auf m\u00fcndliche Verhandlung beim FG ist nicht gestellt worden.<\/li><li>Mit der Revision verfolgt das FA sein Begehren weiter. Es r\u00fcgt die Verletzung materiellen Bundesrechts durch das FG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 EStG. Diese Regelung fingiere die Antragsvoraussetzungen nach einer wirksamen Antragstellung nicht, sondern enthalte lediglich eine Nachweiserleichterung (Hinweis auf das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 19.05.2022, BStBl I 2022, 742, Tz.&nbsp;139).<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG Baden-W\u00fcrttemberg vom 08.12.2023&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;813\/22 aufzuheben, soweit das FG der Klage f\u00fcr das Streitjahr 2016 stattgegeben hat und die Klage insoweit abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>Das FG hat das FA zutreffend verpflichtet, den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr zu \u00e4ndern. Die Schuldzinsen sind Werbungskosten bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen des Kl\u00e4gers. Aufgrund der Option des Kl\u00e4gers zum Teileink\u00fcnfteverfahren f\u00fcr die Beteiligung an der S-GmbH gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 EStG f\u00fcr das Jahr 2012 sind diese Werbungskosten, wie vom FG erkannt, bei den Eink\u00fcnften des Kl\u00e4gers aus Kapitalverm\u00f6gen in H\u00f6he von 60&nbsp;% abzuziehen (s. unter II.1. bis II.3.).<\/li><li>1. Schuldzinsen f\u00fcr die Finanzierung der Anschaffung einer im Privatverm\u00f6gen gehaltenen wesentlichen Beteiligung, die auf Zeitr\u00e4ume nach Beendigung der Beteiligung entfallen, sind nach der gefestigten Rechtsprechung des Senats grunds\u00e4tzlich auch nach der Ver\u00e4u\u00dferung der Beteiligung noch als Werbungskosten im Sinne des \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG abzugsf\u00e4hig, wenn sie mit den aus der Beteiligung erzielten fr\u00fcheren Kapitalertr\u00e4gen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG in einem wirtschaftlichem Zusammenhang stehen. Durch die Beendigung der Eink\u00fcnfteerzielung aus Kapitalverm\u00f6gen wird dieser urspr\u00fcngliche Veranlassungszusammenhang nicht zwingend unterbrochen. Nachtr\u00e4gliche Schuldzinsen sind nach wie vor durch die zur Erzielung von Eink\u00fcnften aus der Beteiligung aufgenommenen Schulden ausgel\u00f6st, soweit diese Schulden bei der Ver\u00e4u\u00dferung oder Aufgabe der Beteiligung aus dem Erl\u00f6s oder der Abfindung nicht abgel\u00f6st werden k\u00f6nnen (Urteile des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 16.03.2010&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;20\/08, BFHE 229, 151, BStBl II 2010, 787, Rz&nbsp;26&nbsp;f.; vom 01.07.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;53\/12, BFHE 246, 332, BStBl II 2014, 975, Rz&nbsp;9; vom 21.10.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;48\/12, BFHE 247, 548, BStBl II 2015, 270, Rz&nbsp;10, 11).<\/li><li>Zwischen den Beteiligten ist nicht streitig, dass diese Voraussetzungen f\u00fcr die streitigen Schuldzinsen erf\u00fcllt sind. Aufgrund des rechtskr\u00e4ftig gewordenen Urteils zum Gewinnfeststellungsbescheid der S-KG f\u00fcr das Streitjahr steht f\u00fcr den Senat und die Beteiligten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;110 Abs.&nbsp;1 FGO zudem bindend fest, dass das Refinanzierungsdarlehen f\u00fcr den Erwerb der Beteiligung an der S-GmbH, das der Kl\u00e4ger von der A-GmbH erhalten hatte, nicht zum passiven Sonderbetriebsverm\u00f6gen&nbsp;II des Kl\u00e4gers bei der S-KG geh\u00f6rte. Die W\u00fcrdigung des FG zu diesem Entscheidungsgegenstand unterliegt der materiellen Bindungswirkung des rechtskr\u00e4ftig gewordenen FG-Urteils vom 12.11.2021&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;2304\/20.<\/li><li>2. Es ist in der Rechtsprechung des Senats ferner gekl\u00e4rt, dass Schuldzinsen, auch soweit sie wirtschaftlich im Zusammenhang mit fr\u00fcheren vor dem 01.01.2009 erzielten voll steuerpflichtigen Kapitalertr\u00e4gen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und 2 EStG aus der Beteiligung stehen, unter das Werbungskostenabzugsverbot gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 EStG fallen, wenn sie nach dem 31.12.2008 abflie\u00dfen (BFH-Urteile vom 28.02.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;41\/15, BFHE 261, 53, BStBl II 2018, 478, Rz&nbsp;21&nbsp;ff.; vom 01.07.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;53\/12, BFHE 246, 332, BStBl II 2014, 975, Rz&nbsp;10&nbsp;ff.). Etwas anderes gilt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 EStG nur dann, wenn das Werbungskostenabzugsverbot (\u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 EStG) aufgrund einer Option zum Teileink\u00fcnfteverfahren keine Anwendung findet.<\/li><li>3. Der Kl\u00e4ger hat f\u00fcr seine Beteiligung an der S-GmbH wirksam einen erstmaligen Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;1 EStG f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 gestellt. Er konnte auf dieser Grundlage im Streitjahr als Folgejahr innerhalb des vierj\u00e4hrigen Antragszeitraums die streitigen Schuldzinsen unter Beachtung des Teilabzugsverbots gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG abziehen.<\/li><li>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes in der im Jahr 2012 anzuwendenden Fassung gilt auf Antrag der gesonderte Tarif gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG nicht f\u00fcr Kapitalertr\u00e4ge im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und 2 EStG aus der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft, wenn der Steuerpflichtige im Veranlagungszeitraum, f\u00fcr den der Antrag erstmals gestellt wird, unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 25&nbsp;% an der Kapitalgesellschaft beteiligt ist (\u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG) oder zu mindestens 1&nbsp;% an der Kapitalgesellschaft beteiligt und beruflich f\u00fcr diese t\u00e4tig ist (\u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b EStG). Der Antrag f\u00fcr die jeweilige Beteiligung gilt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 EStG erstmals f\u00fcr den Veranlagungszeitraum, f\u00fcr den er gestellt worden ist. Er ist sp\u00e4testens zusammen mit der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr den jeweiligen Veranlagungszeitraum zu stellen und gilt, solange er nicht widerrufen wird, auch f\u00fcr die folgenden vier Veranlagungszeitr\u00e4ume, ohne dass die Antragsvoraussetzungen erneut zu belegen sind (\u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 EStG).<\/li><li>b) Der Antrag f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 wurde vom Kl\u00e4ger im Streitfall gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;1 EStG nach den nicht mit Verfahrensr\u00fcgen angefochtenen Feststellungen des FG fristgerecht bis sp\u00e4testens zur Abgabe der Einkommensteuererkl\u00e4rung 2012 gestellt. Der Kl\u00e4ger hat f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 auch die weiteren Antragsvoraussetzungen erf\u00fcllt. Im Veranlagungszeitraum 2012 war er zivilrechtlicher Inhaber der Beteiligung, die ihm als Eigent\u00fcmer gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 AO steuerlich zuzurechnen war. Er war in H\u00f6he von 40&nbsp;% und damit gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG in ausreichendem Umfang an der S-GmbH beteiligt.<\/li><li>c) Das FG hat es f\u00fcr die Inanspruchnahme des Teileink\u00fcnfteverfahrens im Streitjahr zu Recht als unerheblich angesehen, dass der Kl\u00e4ger nach der wirksamen Antragstellung f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 aufgrund der Beteiligungsver\u00e4u\u00dferung im Jahr 2015 nicht mehr an der S-GmbH beteiligt war. Nach einer wirksamen Antragstellung ist das Vorliegen der materiell-rechtlichen Antragsvoraussetzungen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a und b EStG in den dem Erstjahr folgenden vier Veranlagungszeitr\u00e4umen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 EStG vom Finanzamt zu unterstellen. Die Antragsvoraussetzungen m\u00fcssen nur in demjenigen Veranlagungszeitraum erf\u00fcllt sein, f\u00fcr den der Antrag im Erstjahr gestellt wird; ihr Wegfall in den folgenden vier Veranlagungszeitr\u00e4umen ist unerheblich. Zur Vermeidung von Wiederholungen nimmt der Senat auf das BFH-Urteil vom 12.12.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;2\/21 (BStBl II 2024, 350) und auf das BFH-Urteil vom 17.07.2024&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;37\/23 (zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen) Bezug. Das Streitjahr liegt noch innerhalb des durch den Antrag f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2012 als Erstjahr begr\u00fcndeten F\u00fcnfjahreszeitraums im Sinne des \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;2 EStG.<\/li><li>d) Zwischen den Beteiligten ist unstreitig, dass der Kl\u00e4ger auf dieser Grundlage unter Beachtung des Teilabzugsverbots gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG die nachtr\u00e4glichen Schuldzinsen zu 60&nbsp;% abziehen kann. Die H\u00f6he der Betr\u00e4ge ist zwischen den Beteiligten ebenfalls unstreitig.<\/li><li>4. Der Senat entscheidet im Einvernehmen mit den Beteiligten ohne m\u00fcndliche Verhandlung (\u00a7&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 17.07.2024\u00a0\u00a0VIII R 37\/23 ECLI:DE:BFH:2024:U.170724.VIIIR2.24.0 BFH VIII. Senat EStG \u00a7 3 Nr 40 S 1 Buchst d, EStG \u00a7 3c Abs 2 S 1, EStG \u00a7 9 Abs 1 S 3 Nr 1, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1, EStG \u00a7 20 Abs 9, EStG \u00a7 32d Abs 1, EStG &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wegfall-der-antragsvoraussetzungen-nach-der-option-zum-teileinkuenfteverfahren-bfh-urteil-vom-17-juli-2024-viii-r-2-24\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Wegfall der Antragsvoraussetzungen nach der Option zum Teileink\u00fcnfteverfahren &#8211; BFH-Urteil vom 17. 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