{"id":77133,"date":"2024-10-12T12:47:42","date_gmt":"2024-10-12T10:47:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77133"},"modified":"2024-10-12T12:47:42","modified_gmt":"2024-10-12T10:47:42","slug":"vororganschaftlich-verursachte-mehrabfuehrungen-als-fiktive-gewinnausschuettungen-einbeziehung-auch-von-minderverlustuebernahmen-teil-nichtigkeit-des-%c2%a7-14-abs-3-satz-1-i-v-m-%c2%a7-34-abs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vororganschaftlich-verursachte-mehrabfuehrungen-als-fiktive-gewinnausschuettungen-einbeziehung-auch-von-minderverlustuebernahmen-teil-nichtigkeit-des-%c2%a7-14-abs-3-satz-1-i-v-m-%c2%a7-34-abs\/","title":{"rendered":"Vororganschaftlich verursachte Mehrabf\u00fchrungen als fiktive Gewinnaussch\u00fcttungen: Einbeziehung auch von &#8222;Minderverlust\u00fcbernahmen&#8220;, Teil-Nichtigkeit des \u00a7 14 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. \u00a7 34 Abs. 9 Nr. 4 KStG 2002 &#8211; BFH-Urteil vom 10. April 2024, I R 15\/23 (I R 38\/11)"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.100424.IR15.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH I. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>BVerfGG \u00a7 78 S 1, BVerfGG \u00a7 82 Abs 1, GG Art 2 Abs 1, GG Art 20 Abs 3, KStG \u00a7 13 Abs 3 S 1, KStG \u00a7 14 Abs 3 S 1, KStG \u00a7 14 Abs 3 S 4, KStG \u00a7 34 Abs 9 Nr 4, KStG \u00a7 38 Abs 1 S 3, KStG \u00a7 38 Abs 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 10. M\u00e4rz 2011, Az: 6 K 338\/07<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Vororganschaftlich verursachte Mehrabf\u00fchrungen im Sinne von \u00a7 14 Abs. 3 Satz 1 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG) 2002 i.d.F. des Richtlinien-Umsetzungsgesetzes (KStG 2002) sind als rein rechnerische Differenzbetr\u00e4ge zu verstehen, nicht als tats\u00e4chliche &#8222;Abf\u00fchrungen&#8220;. Sie k\u00f6nnen daher nicht nur \u2011\u2011als &#8222;Mehr&#8220;-Abf\u00fchrungen\u2011\u2011 aus einem h\u00f6heren handelsbilanziellen Jahres\u00fcberschuss der Organgesellschaft resultieren, sondern auch aus sogenannten Minderverlust\u00fcbernahmen, wenn der Organtr\u00e4ger infolge eines geringeren handelsbilanziellen Verlustes der Organgesellschaft einen geringeren Verlust ausgleichen musste, als ihm steuerlich zugerechnet wurde (Best\u00e4tigung der Rechtsprechung).<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Indem die Mehrabf\u00fchrungen durch \u00a7 14 Abs. 3 Satz 1 KStG 2002 als Gewinnaussch\u00fcttungen fingiert werden, handelt es sich zugleich um entsprechende Leistungen im Sinne des \u00a7 38 Abs. 1 Satz 3 KStG 2002, die die in \u00a7 38 Abs. 2 KStG 2002 angeordnete K\u00f6rperschaftsteuererh\u00f6hung ausl\u00f6sen (Best\u00e4tigung der Rechtsprechung).<\/p>\n\n\n\n<p>3. NV: Zum Umfang der durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 14.12.2022 &#8211; 2 BvL 7\/13, 2 BvL 18\/14 (BVerfGE 165, 103) ausgesprochenen Teil-Nichtigkeit des \u00a7 14 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. \u00a7 34 Abs. 9 Nr. 4 KStG 2002.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision der Kl\u00e4gerin werden das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 10.03.2011 &#8211; 6 K 338\/07 und die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 02.07.2007 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6rperschaftsteuerbescheid 2004 des Beklagten vom 24.11.2005 und der Bescheid \u00fcber die gesonderte Feststellung der Besteuerungsgrundlagen gem\u00e4\u00df \u00a7 27 Abs. 2, \u00a7 28 Abs. 1, \u00a7 37 Abs. 2 und \u00a7 38 Abs. 1 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes zum 31.12.2004 vom 24.11.2005 in der Fassung des \u00c4nderungsbescheides vom 28.06.2007 werden dahin abge\u00e4ndert, dass die Mehrabf\u00fchrung von 771.701 \u20ac nicht als Gewinnaussch\u00fcttung behandelt und insoweit keine Aussch\u00fcttungsbelastung hergestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Errechnung der festzusetzenden und festzustellenden Betr\u00e4ge wird dem Beklagten \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten dar\u00fcber, ob f\u00fcr sogenannte vororganschaftlich verursachte Mehrabf\u00fchrungen, die nach \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG) 2002 i.d.F. des Richtlinien-Umsetzungsgesetzes vom 09.12.2004 (BGBl I 2004, 3310, berichtigt 3843, BStBl I 2004, 1158) \u2011\u2011KStG 2002\u2011\u2011 als Gewinnaussch\u00fcttungen der Organgesellschaft an den Organtr\u00e4ger gelten, die Aussch\u00fcttungsbelastung nach \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;2 KStG 2002 herzustellen ist.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), ein ehemals gemeinn\u00fctziges Wohnungsbauunternehmen in der Rechtsform einer GmbH, schloss am 11.07.1990 mit ihrer Muttergesellschaft, der B-AG, einen Beherrschungs- und Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag. Dieser Vertrag galt ab dem 01.01.1991 und konnte erstmals zum 31.12.1995 mit einer Frist von drei Monaten gek\u00fcndigt werden, danach mit einer Frist von drei Monaten zum Ablauf eines jeden Jahres.<\/li><li>Nach dem Wegfall der pers\u00f6nlichen Steuerbefreiung f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Wohnungsbauunternehmen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;10 KStG 1984 durch das Steuerreformgesetz 1990 vom 25.07.1988 (BGBl I 1988, 1093, BStBl I 1988, 224) hatte die Kl\u00e4gerin vor Eintritt in die Steuerpflicht zum 01.01.1991 in der letzten steuerlichen Schlussbilanz zum 31.12.1990 abweichend von der Handelsbilanz ihre Wohnungsbest\u00e4nde gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;13 Abs.&nbsp;2 und 3 KStG 1984 auf die h\u00f6heren Teilwerte aufgestockt. Diesen Wertansatz hat die Kl\u00e4gerin in ihrer steuerlichen Anfangsbilanz zum 01.01.1991 \u00fcbernommen. In der Gliederungsrechnung erfasste sie das hieraus resultierende steuerliche (Mehr-)Eigenkapital als Teilbetrag im Sinne des \u00a7&nbsp;30 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 KStG 1991 (=&nbsp;Alt-EK&nbsp;02). Aus den Ansatzdifferenzen ergaben sich bis zum Jahr 2004 (Streitjahr) h\u00f6here Abschreibungen in der Steuerbilanz als in der Handelsbilanz, so dass der Ergebnisausweis in der Steuerbilanz niedriger war als in der Handelsbilanz, was wiederum zu einer das steuerbilanzielle Ergebnis \u00fcbersteigenden Gewinnabf\u00fchrung an die B-AG f\u00fchrte.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin erzielte im Streitjahr nach Abzug der Gewinnabf\u00fchrung an die B-AG (59.950&nbsp;\u20ac) ein handelsbilanzielles Ergebnis in H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac. Nach steuerlichen Korrekturbuchungen ergab sich daraus ein steuerbilanzieller Verlust in H\u00f6he von 625.615&nbsp;\u20ac. Au\u00dferbilanziell erfolgten dar\u00fcber hinaus Korrekturen in einem Umfang von 355.353&nbsp;\u20ac sowie die Korrektur der Gewinnabf\u00fchrung in H\u00f6he von 59.950&nbsp;\u20ac, so dass sich bei der Kl\u00e4gerin ein Einkommen vor Zurechnung zum Organtr\u00e4ger in H\u00f6he von .\/.&nbsp;210.312&nbsp;\u20ac errechnete. Eine der genannten steuerlichen Abweichungen betraf steuerliche Mehrabschreibungen aufgrund des h\u00f6heren steuerlichen Wertansatzes der Wohngeb\u00e4ude zum 01.01.1991 in H\u00f6he von 771.701&nbsp;\u20ac. Die Kl\u00e4gerin erkl\u00e4rte diesen Betrag in der K\u00f6rperschaftsteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr als Mehrabf\u00fchrung aufgrund von Folgewirkungen von Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4llen in vorvertraglicher Zeit.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) behandelte die vorgenannte Mehrabf\u00fchrung (771.701&nbsp;\u20ac) als Gewinnaussch\u00fcttung im Sinne des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 KStG 2002 und stellte dementsprechend bei der Kl\u00e4gerin die k\u00f6rperschaftsteuerliche Aussch\u00fcttungsbelastung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;38 KStG 2002 her (K\u00f6rperschaftsteuererh\u00f6hung: 330.729&nbsp;\u20ac), was im K\u00f6rperschaftsteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr zu einer Festsetzung von K\u00f6rperschaftsteuer in H\u00f6he von 331.128&nbsp;\u20ac f\u00fchrte. Das FA erlie\u00df dar\u00fcber hinaus einen Bescheid \u00fcber die gesonderte Feststellung der Besteuerungsgrundlagen, in dem es bei der Ermittlung des verbleibenden Alt-EK&nbsp;02 (Stand 01.01.2004: 60.949.078&nbsp;\u20ac) die Mehrabf\u00fchrung in H\u00f6he von 771.701&nbsp;\u20ac sowie die darauf entfallende K\u00f6rperschaftsteuererh\u00f6hung in H\u00f6he von 330.729&nbsp;\u20ac (3\/7 von 771.701&nbsp;\u20ac) abzog (Stand Alt-EK&nbsp;02 am 31.12.2004: 59.846.648&nbsp;\u20ac).<\/li><li>Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) wies die dagegen gerichtete Klage ab (Urteil vom 10.03.2011&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;338\/07). Entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin gelte die vororganschaftliche Mehrabf\u00fchrung an die B-AG (771.701&nbsp;\u20ac) als Gewinnaussch\u00fcttung im Sinne des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 KStG 2002 mit der Folge, dass sich gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;2 KStG 2002 die K\u00f6rperschaftsteuer des Streitjahres um 3\/7 des Betrags der Leistungen erh\u00f6he, f\u00fcr die ein Teilbetrag aus dem Endbetrag im Sinne des \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 KStG 2002 (=&nbsp;Alt-EK&nbsp;02) als verwendet gelte. In der durch \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;9 Nr.&nbsp;4 KStG 2002 angeordneten Anwendung des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 KStG 2002 auf Mehrabf\u00fchrungen von Organgesellschaften, deren Wirtschaftsjahr nach dem 31.12.2003 endete, liege auch keine verfassungsrechtlich unzul\u00e4ssige R\u00fcckwirkung.<\/li><li>Dagegen wendet sich die Kl\u00e4gerin mit ihrer Revision, die sie auf eine Verletzung materiellen Rechts st\u00fctzt.<\/li><li>Der Senat hat das Verfahren mit Beschluss vom 06.06.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;38\/11 (BFHE 241, 530, BStBl II 2014, 398) nach Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) i.V.m. \u00a7&nbsp;80 Abs.&nbsp;1 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes (BVerfGG) ausgesetzt und dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die Frage zur Entscheidung vorgelegt, ob \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;9 Nr.&nbsp;4 i.V.m. \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 infolge Versto\u00dfes gegen das verfassungsrechtliche R\u00fcckwirkungsverbot verfassungswidrig ist.<\/li><li>Mit Beschluss vom 14.12.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;7\/13, 2&nbsp;BvL&nbsp;18\/14 (BVerfGE 165, 103) hat das BVerfG festgestellt, dass \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;9 Nr.&nbsp;4 i.V.m. \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 in bestimmten Sachverhaltskonstellationen gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz des Vertrauensschutzes (Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 i.V.m. Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GG) verst\u00f6\u00dft, und die Vorschrift teilweise f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt (\u00a7&nbsp;82 Abs.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;78 Satz&nbsp;1 BVerfGG).<\/li><li>Der Senat hat den Rechtsstreit unter dem Aktenzeichen I&nbsp;R&nbsp;15\/23 (I&nbsp;R&nbsp;38\/11) wiederaufgenommen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt sinngem\u00e4\u00df, das FG-Urteil aufzuheben und die angefochtenen Bescheide dahingehend abzu\u00e4ndern, dass die K\u00f6rperschaftsteuer 2004 um 330.779&nbsp;\u20ac auf 399&nbsp;\u20ac herabgesetzt wird und die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;2, \u00a7&nbsp;28 Abs.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 und \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 KStG 2002 zum 31.12.2004 dahingehend abzu\u00e4ndern, dass das verbleibende Alt-EK&nbsp;02 im Sinne des \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 KStG 2002 auf einen Betrag von 60.949.078&nbsp;\u20ac (um 1.102.430&nbsp;\u20ac erh\u00f6ht) festgestellt wird.<\/li><li>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet. Das FG-Urteil und die streitgegenst\u00e4ndlichen Bescheide waren entsprechend dem Begehren der Kl\u00e4gerin zu \u00e4ndern (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat zwar zu Recht entschieden, dass die steuerlichen Mehrabschreibungen in H\u00f6he von 771.701&nbsp;\u20ac aufgrund des h\u00f6heren steuerlichen Wertansatzes der Wohngeb\u00e4ude der Kl\u00e4gerin zu vororganschaftlich verursachten Mehrabf\u00fchrungen im Sinne des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 gef\u00fchrt haben. Diese Mehrabf\u00fchrungen stellen \u2011\u2011wie das FG ebenfalls zutreffend entschieden hat\u2011\u2011 in dieser H\u00f6he auch eine &#8222;Leistung&#8220; im Sinne des \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 KStG 2002 dar, die gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;2 KStG 2002 zu einer K\u00f6rperschaftsteuererh\u00f6hung f\u00fchrt. Die Anwendung des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 verst\u00f6\u00dft jedoch in der Konstellation des Streitfalls gegen Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 i.V.m. Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GG und unterliegt deshalb der Nichtigerkl\u00e4rung durch das BVerfG.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;2 KStG 2002 erh\u00f6ht sich die K\u00f6rperschaftsteuer des Veranlagungszeitraums, in dem das Wirtschaftsjahr endet, in dem Leistungen erfolgt sind, um 3\/7 des Betrags der Leistungen, f\u00fcr die ein Teilbetrag aus dem Endbetrag im Sinne des \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 KStG 2002 als verwendet gilt. Der nach \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 KStG 2002 fortgeschriebene Teilbetrag im Sinne des \u00a7&nbsp;30 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 KStG 1999 i.d.F. des Gesetzes zur weiteren steuerlichen F\u00f6rderung von Stiftungen vom 14.07.2000 (BGBl I 2000, 1034, BStBl I 2000, 1192) \u2011\u2011KStG 1999\u2011\u2011 (=&nbsp;Alt-EK&nbsp;02) gilt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 KStG 2002 als verwendet, soweit die Summe der Leistungen, die die Gesellschaft im Wirtschaftsjahr erbracht hat, den um den Bestand nach \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 KStG 2002 verminderten aussch\u00fcttbaren Gewinn (\u00a7&nbsp;27 KStG 2002) \u00fcbersteigt. Als Leistungen sind dabei alle Auskehrungen an die Gesellschafter, die ihre Ursache im Gesellschaftsverh\u00e4ltnis haben, anzusehen (Senatsurteil vom 30.01.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;35\/11, BFHE 240, 304, BStBl II 2013, 560; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen \u2011\u2011BMF\u2011\u2011 vom 04.06.2003, BStBl I 2003, 366, Rz&nbsp;11). Dies k\u00f6nnen sowohl offene Gewinnaussch\u00fcttungen als auch verdeckte Gewinnaussch\u00fcttungen (vGA), aber auch andere Auskehrungen aufgrund des Gesellschaftsverh\u00e4ltnisses wie etwa Auszahlungen aus der Kapitalr\u00fccklage oder die R\u00fcckzahlung von Nachsch\u00fcssen sein. Erfasst werden dabei Leistungen, die im Wirtschaftsjahr erbracht (das hei\u00dft abgeflossen) sind (Senatsurteile vom 29.05.1996&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;118\/93, BFHE 180, 405, BStBl II 1997, 92; vom 19.12.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;52\/07, BFHE 220, 180, BStBl II 2008, 431; vom 09.06.2010&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;43\/09, BFH\/NV 2010, 2117; BMF-Schreiben vom 06.11.2003, BStBl I 2003, 575, Rz&nbsp;7). Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 gelten Mehrabf\u00fchrungen, die ihre Ursache in vororganschaftlicher Zeit haben, als Gewinnaussch\u00fcttungen der Organgesellschaft an den Organtr\u00e4ger. \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 KStG 2002 bestimmt, dass sie in dem Zeitpunkt als erfolgt gelten, in dem das Wirtschaftsjahr der Organgesellschaft endet. Ein Teilwertansatz nach \u00a7&nbsp;13 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 ist dabei nach \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 KStG 2002 der vororganschaftlichen Zeit zuzurechnen.<\/li><li>2. Bei Anwendung dieser Rechtsgrunds\u00e4tze ist das FG zun\u00e4chst zutreffend davon ausgegangen, dass die steuerlichen Mehrabschreibungen aufgrund des h\u00f6heren steuerlichen Wertansatzes der Wohngeb\u00e4ude zu vororganschaftlich verursachten Mehrabf\u00fchrungen (\u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002) der Kl\u00e4gerin in H\u00f6he von 771.701&nbsp;\u20ac gef\u00fchrt haben.<\/li><li>a) Der Begriff der Mehrabf\u00fchrung im Sinne des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 ist als rein rechnerische Differenz zwischen dem handelsbilanziellen Jahres\u00fcberschuss und dem Steuerbilanzgewinn zu verstehen (Senatsbeschl\u00fcsse vom 06.06.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;38\/11, BFHE 241, 530, BStBl II 2014, 398 und vom 27.11.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;36\/13, BFHE 245, 108, BStBl II 2014, 651). Dabei ist der Begriff der &#8222;Mehrabf\u00fchrung&#8220; mit dem Begriff einer &#8222;Minderverlust\u00fcbernahme&#8220; gleichzusetzen. Zudem kann dem Begriff der Mehrabf\u00fchrung nicht das ungeschriebene Tatbestandsmerkmal eines tats\u00e4chlichen Verm\u00f6gens\u00fcbergangs entnommen werden. Zur n\u00e4heren Begr\u00fcndung wird auf die Senatsbeschl\u00fcsse vom 06.06.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;38\/11 (BFHE 241, 530, BStBl II 2014, 398) und vom 27.11.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;36\/13 (BFHE 245, 108, BStBl II 2014, 651) verwiesen. Auch unter Ber\u00fccksichtigung der in der Literatur an diesen Beschl\u00fcssen mitunter ge\u00e4u\u00dferten Kritik (Suchanek, GmbH-Rundschau \u2011\u2011GmbHR\u2011\u2011 2013, 1096; Suchanek, GmbHR 2014, 823; Neumann in Gosch, KStG, 4.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;14 Rz&nbsp;416b; Neumann\/Suchanek, Die Unternehmensbesteuerung 2013, 549; R\u00f6dder\/Joisten in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/Neumann, KStG, 2.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;14 Rz&nbsp;568&nbsp;f.) h\u00e4lt der Senat an dieser Auslegung des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 nach nochmaliger \u00dcberpr\u00fcfung fest.<\/li><li>b) Die streitgegenst\u00e4ndlichen Abweichungen in der Steuerbilanz gegen\u00fcber dem handelsbilanziellen Jahres\u00fcberschuss der Kl\u00e4gerin in H\u00f6he von 771.701&nbsp;\u20ac haben auch \u2011\u2011wie das FG zutreffend festgestellt hat\u2011\u2011 ihre Ursache in vororganschaftlicher Zeit (s. allgemein Senatsurteil vom 21.02.2022&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;51\/19, BFHE 276, 101, BStBl II 2023, 725, zu einem rein zeitbezogenen Verst\u00e4ndnis des Begriffs). Nach den insoweit den Senat nach \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindenden Feststellungen der Vorinstanz hat die Kl\u00e4gerin in ihrer Steuerbilanz zum 31.12.1990 ihre Wohnungsbest\u00e4nde gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;13 Abs.&nbsp;2 und 3 KStG 1984 auf die h\u00f6heren Teilwerte aufgestockt und diese Werte in der Anfangsbilanz zum 01.01.1991 \u00fcbernommen, w\u00e4hrend sie in der Handelsbilanz die Buchwerte fortgef\u00fchrt hat. Infolge der daraus resultierenden h\u00f6heren Abschreibungsbetr\u00e4ge wurde im Streitjahr in der Steuerbilanz gegen\u00fcber der Handelsbilanz ein um 771.701&nbsp;\u20ac niedrigeres Ergebnis ausgewiesen. Nach der ausdr\u00fccklichen Bestimmung in \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 KStG 2002 ist ein Teilwertansatz (der die streitgegenst\u00e4ndliche Mehrabf\u00fchrung ausgel\u00f6st hat) nach \u00a7&nbsp;13 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 der vororganschaftlichen Zeit zuzurechnen. Damit liegt, wie von \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 gefordert, eine &#8222;Ursache in vororganschaftlicher Zeit&#8220; vor (zur abweichenden Rechtslage vor der gesetzlichen Neuregelung vgl. Senatsurteil vom 18.12.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;51\/01, BFHE 201, 221, BStBl II 2005, 49).<\/li><li>3. Die streitgegenst\u00e4ndliche vororganschaftliche Mehrabf\u00fchrung in H\u00f6he von 771.701&nbsp;\u20ac gilt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 als Gewinnaussch\u00fcttung und stellt \u2011\u2011wie das FG ebenfalls zutreffend festgestellt hat\u2011\u2011 auch in dieser H\u00f6he eine &#8222;Leistung&#8220; im Sinne des \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 KStG 2002 dar, die eine K\u00f6rperschaftsteuererh\u00f6hung nach \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;2 KStG 2002 ausl\u00f6st. Ein tats\u00e4chlicher Verm\u00f6gensabfluss ist schon nach der Wortbedeutung in \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 nicht erforderlich (s. dazu ausf\u00fchrlich Senatsbeschl\u00fcsse vom 06.06.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;38\/11, BFHE 241, 530, BStBl II 2014, 398 und vom 27.11.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;36\/13, BFHE 245, 108, BStBl II 2014, 651). Soweit die Revision sinngem\u00e4\u00df vortr\u00e4gt, dass vororganschaftliche Mehrabf\u00fchrungen nach \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 KStG 2002 (nur) als Gewinnaussch\u00fcttungen &#8222;gelten&#8220;, nicht aber Gewinnaussch\u00fcttungen &#8222;sind&#8220; und es sich deshalb nur um (fiktive) Leistungen, nicht aber um (tats\u00e4chliche) Leistungen im Sinne von \u00a7&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 KStG 2002 handeln k\u00f6nne, vermag dem der Senat nicht zu folgen. Dieser Unterschied tr\u00e4gt keine abweichende Wertung, da eine weitergehende Fiktion einer Gewinnabf\u00fchrung mit dem Wort &#8222;sind&#8220; nicht verbunden ist (a.A. wohl Thiel in Kirchhof\/Schmidt\/Sch\u00f6n\/Vogel, Steuer- und Gesellschaftsrecht zwischen Unternehmerfreiheit und Gemeinwohl, Festschrift f\u00fcr Arndt Raupach, S.&nbsp;543, 554 zur Einlagefiktion in \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 KStG 2002). Hier wie dort handelt es sich nicht um eine &#8222;eigentliche&#8220; Gewinnaussch\u00fcttung, sondern die vororganschaftliche Mehrabf\u00fchrung wird kraft Gesetzes dazu bestimmt. Die steuerlichen Rechtswirkungen m\u00fcssen deswegen unabh\u00e4ngig davon, ob die Begriffe &#8222;gelten&#8220; oder &#8222;sind&#8220; verwendet werden, dieselben sein (vgl. auch Senatsurteile vom 20.08.2008&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;29\/07, BFHE 222, 500, BStBl II 2010, 142 und vom 18.03.2009&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;13\/08, BFH\/NV 2009, 1613, zu der Frage, ob bei Verg\u00fctungen f\u00fcr Fremdkapital, die nach \u00a7&nbsp;8a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 KStG 1999 als vGA &#8222;gelten&#8220;, Kapitalertragsteuern erhoben werden k\u00f6nnen; allerdings a.A. Suchanek, GmbHR 2013, 1104).<\/li><li>4. Der streitgegenst\u00e4ndliche Sachverhalt f\u00e4llt jedoch unter die (Teil-)Nichtigerkl\u00e4rung der Regelung des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;9 Nr.&nbsp;4 KStG 2002 durch das BVerfG. \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG 2002 ist daher im Streitfall nicht anzuwenden (\u00a7&nbsp;78 Satz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;82 Abs.&nbsp;1 BVerfGG).<\/li><li>a) Das BVerfG hat mit Beschluss vom 14.12.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;7\/13, 2&nbsp;BvL&nbsp;18\/14 (BVerfGE 165, 103) entschieden, dass \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;9 Nr.&nbsp;4 KStG 2002 gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz des Vertrauensschutzes aus Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 i.V.m. Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GG versto\u00dfen und nichtig sind, soweit sie &#8222;\u00a7&nbsp;14 Absatz&nbsp;3 [KStG 2002] auf der Ebene der Organgesellschaft zur Anwendung bringen auf<br \/>1) Mehrabf\u00fchrungen der Organgesellschaft an ihren Organtr\u00e4ger, die auf der Grundlage eines zwischen dem 5.&nbsp;M\u00e4rz 2003 und dem 13.&nbsp;August 2004 abgeschlossenen Ergebnisabf\u00fchrungsvertrags vor dem 1.&nbsp;Januar 2007 erfolgen,<br \/>2) Mehrabf\u00fchrungen der Organgesellschaft an ihren Organtr\u00e4ger, die auf der Grundlage eines vor dem 5.&nbsp;M\u00e4rz 2003 abgeschlossenen Ergebnisabf\u00fchrungsvertragsa) auf den Schluss eines in 2004 endenden Wirtschaftsjahres erfolgen, wenn der Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag nach dem 4.&nbsp;M\u00e4rz 2003 eine K\u00fcndigung sp\u00e4testens zum 31.&nbsp;Dezember 2003 zugelassen h\u00e4tte, oder<br \/>b) auf den Schluss des ersten in 2005 endenden Wirtschaftsjahres erfolgen, wenn der Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag nach dem 4.&nbsp;M\u00e4rz 2003 eine K\u00fcndigung sp\u00e4testens zum 31.&nbsp;Dezember 2004 zugelassen h\u00e4tte, oder<br \/>c) auf den Schluss eines vor dem 16.&nbsp;Dezember 2004 endenden Wirtschaftsjahres erfolgen,soweit durch die jeweilige Mehrabf\u00fchrung oder die Summe der jeweiligen Mehrabf\u00fchrungen in dem betreffenden Veranlagungszeitraum eine K\u00f6rperschaftsteuererh\u00f6hung nach \u00a7&nbsp;38 Absatz&nbsp;2 [KStG i.d.F. des Steuerverg\u00fcnstigungsabbaugesetzes vom 16.&nbsp;Mai 2003, BGBl I 2003, 660, BStBl I 2003, 321] ausgel\u00f6st wird, die die durch die jeweilige Mehrabf\u00fchrung oder die Summe der jeweiligen Mehrabf\u00fchrungen in dem betreffenden Veranlagungszeitraum ausgel\u00f6ste K\u00f6rperschaftsteuerminderung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Absatz&nbsp;2 Satz&nbsp;1 in Verbindung mit Satz&nbsp;2 [KStG 2002] \u00fcbersteigt&#8220;.<\/li><li>b) Der Streitfall ist von dieser Nichtigerkl\u00e4rung durch das BVerfG erfasst. Der Beherrschungs- und Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag zwischen der Kl\u00e4gerin und der B-AG wurde nach den Feststellungen des FG am 11.07.1990 abgeschlossen. Er galt ab dem 01.01.1991 und konnte erstmals zum 31.12.1995 mit einer Frist von drei Monaten gek\u00fcndigt werden, danach mit einer Frist von drei Monaten zum Ablauf eines jeden Jahres.<\/li><li>In dieser Fallkonstellation (Beherrschungs- und Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag wurde vor dem 05.03.2003 abgeschlossen) ist nach der Entscheidung des BVerfG das Vertrauen (nur) derjenigen steuerpflichtigen Organgesellschaften uneingeschr\u00e4nkt schutzw\u00fcrdig, die im Jahr 2003 beziehungsweise 2004 eine dann gegebene M\u00f6glichkeit der ordentlichen K\u00fcndigung im Hinblick auf die zwischenzeitlich ergangene Rechtsprechung des Senats (Urteile vom 18.12.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;51\/01, BFHE 201, 221, BStBl II 2005, 49 und vom 18.12.2022&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;68\/01, juris und vom 18.12.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;50\/01, juris) verstreichen lie\u00dfen. Darin liegt eine neue steuerrelevante Disposition, bei der die Steuerpflichtigen bis zum Gesetzesbeschluss auf die geltende \u2011\u2011durch den Bundesfinanzhof gekl\u00e4rte\u2011\u2011 Rechtslage vertrauen durften. Dieses Vertrauen ist f\u00fcr Mehrabf\u00fchrungen auf den Schluss von im Jahr 2004 endenden Wirtschaftsjahren sowie auf das erste im Jahr 2005 endende Wirtschaftsjahr uneingeschr\u00e4nkt schutzw\u00fcrdig (BVerfG-Beschluss vom 14.12.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;7\/13, 2&nbsp;BvL&nbsp;18\/14, BVerfGE 165, 103, Rz&nbsp;158).<\/li><li>Da das Wirtschaftsjahr der Kl\u00e4gerin am 31.12.2004 endete und der Beherrschungs- und Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag sp\u00e4testens drei Monate vor dem 31.12.2003 zum 31.12.2003 h\u00e4tte gek\u00fcndigt werden k\u00f6nnen, hat die Kl\u00e4gerin eine im Jahr 2003 vorhandene M\u00f6glichkeit der ordentlichen K\u00fcndigung im Hinblick auf die zwischenzeitlich ergangene Rechtsprechung des Senats verstreichen lassen und damit eine vertrauensw\u00fcrdige Disposition im Sinne der Rechtsprechung des BVerfG getroffen.<\/li><li>5. Die Vorinstanz hat eine hiervon abweichende Rechtsauffassung vertreten. Ihr Urteil ist deswegen aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Die angefochtenen Bescheide sind dahin zu \u00e4ndern, dass die Mehrabf\u00fchrung von 771.701&nbsp;\u20ac nicht als Gewinnaussch\u00fcttung behandelt und insoweit keine Aussch\u00fcttungsbelastung hergestellt wird. Dem FA wird gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO (i.V.m. \u00a7&nbsp;121 Satz&nbsp;1 FGO) aufgegeben, die auf dieser Grundlage festzusetzenden und festzustellenden Betr\u00e4ge zu errechnen.<\/li><li>6. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.100424.IR15.23.0 BFH I. Senat BVerfGG \u00a7 78 S 1, BVerfGG \u00a7 82 Abs 1, GG Art 2 Abs 1, GG Art 20 Abs 3, KStG \u00a7 13 Abs 3 S 1, KStG \u00a7 14 Abs 3 S 1, KStG \u00a7 14 Abs 3 S 4, KStG \u00a7 34 Abs 9 Nr 4, KStG \u00a7 38 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vororganschaftlich-verursachte-mehrabfuehrungen-als-fiktive-gewinnausschuettungen-einbeziehung-auch-von-minderverlustuebernahmen-teil-nichtigkeit-des-%c2%a7-14-abs-3-satz-1-i-v-m-%c2%a7-34-abs\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Vororganschaftlich verursachte Mehrabf\u00fchrungen als fiktive Gewinnaussch\u00fcttungen: Einbeziehung auch von &#8222;Minderverlust\u00fcbernahmen&#8220;, Teil-Nichtigkeit des \u00a7 14 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. \u00a7 34 Abs. 9 Nr. 4 KStG 2002 &#8211; BFH-Urteil vom 10. April 2024, I R 15\/23 (I R 38\/11)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-77133","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77133","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77133"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77133\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}