{"id":77220,"date":"2024-11-18T12:26:25","date_gmt":"2024-11-18T10:26:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77220"},"modified":"2024-11-18T12:26:25","modified_gmt":"2024-11-18T10:26:25","slug":"kein-anspruch-auf-festsetzung-eines-anspruchs-auf-auszahlung-eines-solidaritaetszuschlagguthabens-auf-das-koerperschaftsteuerguthaben-gemaess-%c2%a7-37-abs-5-kstg-2002-n-f-bfh-urteil-vom-24-janua-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kein-anspruch-auf-festsetzung-eines-anspruchs-auf-auszahlung-eines-solidaritaetszuschlagguthabens-auf-das-koerperschaftsteuerguthaben-gemaess-%c2%a7-37-abs-5-kstg-2002-n-f-bfh-urteil-vom-24-janua-2\/","title":{"rendered":"Kein Anspruch auf Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens auf das K\u00f6rperschaftsteuerguthaben gem\u00e4\u00df \u00a7 37 Abs. 5 KStG 2002 n.F. &#8211; BFH-Urteil vom 24. Januar 2024, I R 49\/21 (I R 39\/10)"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Entscheidung wurde nachtr\u00e4glich zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt; sie war seit dem 16.05.2024 als NV-Entscheidung abrufbar.<\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:U.240124.IR49.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH I. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GG Art 2 Abs 1, GG Art 3 Abs 1, GG Art 14 Abs 1, GG Art 20 Abs 3, KStG \u00a7 37 Abs 2, KStG \u00a7 37 Abs 4, KStG \u00a7 37 Abs 5, SolZG \u00a7 3 Abs 1 Nr 1, GG Art 106 Abs 1 Nr 6<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG K\u00f6ln, 09. M\u00e4rz 2010, Az: 13 K 64\/09<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Aus \u00a7 3 Abs. 1 Nr. 1 des Solidarit\u00e4tszuschlaggesetzes (SolZG) 1995 n.F. ergibt sich kein Anspruch auf Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines rechnerisch auf das K\u00f6rperschaftsteuerguthaben (\u00a7 37 Abs. 5 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes \u2011\u2011KStG\u2011\u2011 2002 n.F.) entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags.<\/p>\n\n\n\n<p>2. \u00a7 3 SolZG 1995 n.F. ist nicht insoweit verfassungswidrig, als er keine Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens auf das K\u00f6rperschaftsteuerguthaben (\u00a7 37 Abs. 5 KStG 2002 n.F.) vorsieht (Abweichung vom Senatsbeschluss vom 10.08.2011 &#8211; I R 39\/10, BFHE 234, 396, BStBl II 2012, 603).<\/p>\n\n\n\n<p>3. Das vor den \u00c4nderungen durch das SEStEG vom 07.12.2006 vorhandene &#8222;Solidarit\u00e4tszuschlagsminderungspotential&#8220; stellt keine gesch\u00fctzte und dem Eigentumsbegriff des Art. 14 Abs. 1 des Grundgesetzes unterfallende Rechtsposition dar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts K\u00f6ln vom 09.03.2010 &#8211; 13 K 64\/09 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) setzte gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), einer GmbH, den Anspruch auf Auszahlung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes 2002 i.d.F. des Gesetzes \u00fcber steuerliche Begleitma\u00dfnahmen zur Einf\u00fchrung der Europ\u00e4ischen Gesellschaft und zur \u00c4nderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften (SEStEG) vom 07.12.2006 (BGBl I 2006, 2782, BStBl I 2007, 4) \u2011\u2011KStG 2002 n.F.\u2011\u2011 auf 56.317&nbsp;\u20ac fest; der j\u00e4hrliche Auszahlungsbetrag betrug 5.631,70&nbsp;\u20ac. Die Kl\u00e4gerin beantragte die gesonderte Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines entsprechenden Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens. Auf das festgestellte und ratierlich zur Auszahlung kommende K\u00f6rperschaftsteuerguthaben sei nach Ma\u00dfgabe des \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Solidarit\u00e4tszuschlaggesetzes 1995 in der Neufassung vom 15.10.2002 (BGBl I 2002, 4131, BStBl I 2002, 1155) \u2011\u2011SolZG 1995 n.F.\u2011\u2011 ein Guthaben auf Solidarit\u00e4tszuschlag in H\u00f6he von 3.097,44&nbsp;\u20ac (=&nbsp;5,5&nbsp;% des Auszahlungsanspruchs aus dem K\u00f6rperschaftsteuerguthaben) zu berechnen und festzusetzen.<\/li><li>Diesen Antrag lehnte das FA mit Bescheid vom 05.12.2008 ab. Die dagegen gerichtete Sprungklage wies das Finanzgericht (FG) K\u00f6ln mit Urteil vom 09.03.2010&nbsp;&#8211; 13&nbsp;K&nbsp;64\/09 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 1353) ab.<\/li><li>Mit ihrer vom FG zugelassenen Revision verfolgt die Kl\u00e4gerin ihr Begehren weiter, das FA zum Erlass eines Bescheides zu verpflichten, mit dem ein Anspruch der Kl\u00e4gerin auf Auszahlung des Solidarit\u00e4tszuschlags festgesetzt wird.<\/li><li>Der Senat hat das Verfahren mit Beschluss vom 10.08.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;39\/10 (BFHE 234, 396, BStBl II 2012, 603) nach Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) i.V.m. \u00a7&nbsp;80 Abs.&nbsp;1 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes ausgesetzt und dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die Frage zur Entscheidung vorgelegt, ob \u00a7&nbsp;3 SolZG 1995 n.F. insoweit mit dem Grundgesetz vereinbar ist, als Auszahlungen des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG 2002 n.F. die Bemessungsgrundlage zum Solidarit\u00e4tszuschlag nicht mindern und \u00a7&nbsp;3 SolZG 1995 n.F. oder eine andere Vorschrift auch nicht die Festsetzung eines Anspruchs auf ein Solidarit\u00e4tszuschlagguthaben anordnet.<\/li><li>Mit Beschluss vom 27.10.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;12\/11 (BVerfGE 159, 149) hat das BVerfG die Vorlage des Senats als unzul\u00e4ssig zur\u00fcckgewiesen. Der Senat habe die Entscheidungserheblichkeit nicht hinreichend dargelegt, da er sich insbesondere nicht mit der Frage auseinandergesetzt habe, ob die von der Kl\u00e4gerin favorisierte &#8222;Guthabenl\u00f6sung&#8220; verfassungsrechtlich zul\u00e4ssig w\u00e4re.<\/li><li>Der Senat hat den Rechtsstreit unter dem neuen Aktenzeichen&nbsp;I&nbsp;R&nbsp;49\/21 (I&nbsp;R&nbsp;39\/10) wieder aufgenommen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin r\u00fcgt weiterhin eine Verletzung materiellen Rechts. Sie beantragt, das Urteil des FG und den Bescheid des FA vom 05.12.2008 aufzuheben und das FA zum Erlass eines Bescheides zu verpflichten, durch den ein Anspruch der Kl\u00e4gerin auf Auszahlung des Solidarit\u00e4tszuschlags in H\u00f6he von 3.097,44&nbsp;\u20ac festgesetzt wird.<\/li><li>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das Bundesministerium der Finanzen ist dem Verfahren beigetreten (\u00a7&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Es unterst\u00fctzt, ohne einen eigenen Antrag zu stellen, die Auffassung des FA.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Die Kl\u00e4gerin hat keinen Anspruch auf Auszahlung eines auf das zum 31.12.2006 festgestellte K\u00f6rperschaftsteuerguthaben rechnerisch entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags in H\u00f6he von 3.097,44&nbsp;\u20ac. Das FG hat die Klage zu Recht abgewiesen.<\/li><li>1. Aus \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 SolZG 1995 n.F. ergibt sich kein Anspruch der Kl\u00e4gerin auf Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines auf das gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG 2002 n.F. festgestellte K\u00f6rperschaftsteuerguthaben rechnerisch entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags.<\/li><li>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 SolZG 1995 n.F. bemisst sich der Solidarit\u00e4tszuschlag vorbehaltlich der weiteren Regelungen in \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 bis 5 SolZG 1995 n.F., soweit eine Veranlagung zur K\u00f6rperschaftsteuer vorzunehmen ist, nach der festgesetzten K\u00f6rperschaftsteuer, vermindert um die anzurechnende oder verg\u00fctete K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fcr Veranlagungszeitr\u00e4ume ab 1998, wenn ein positiver Betrag verbleibt.<\/li><li>b) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG 2002 n.F. hat eine K\u00f6rperschaft innerhalb eines Auszahlungszeitraums von 2008 bis 2017 einen Anspruch auf Auszahlung des nach \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 KStG 2002 n.F. letztmalig auf den 31.12.2006 ermittelten K\u00f6rperschaftsteuerguthabens in zehn gleichen Jahresbetr\u00e4gen, wobei der Anspruch gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 KStG 2002 n.F. f\u00fcr den gesamten Auszahlungszeitraum festgesetzt wird.<\/li><li>c) Der Gesetzgeber hat mit dem SEStEG durch die Regelung des \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;4&nbsp;ff. KStG 2002 n.F. das Verfahren zur Auszahlung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens sowohl von dem Erfordernis der offenen Gewinnaussch\u00fcttung gel\u00f6st als auch vom j\u00e4hrlichen Veranlagungsverfahren zur K\u00f6rperschaftsteuer getrennt. Der bis zum 31.12.2006 bestehende Konnex zwischen der veranlagten K\u00f6rperschaftsteuer und dem realisierten K\u00f6rperschaftsteuerguthaben besteht seitdem nicht mehr. Sowohl die einmalige Festsetzung des Auszahlungsanspruchs als auch die j\u00e4hrlichen Auszahlungen erfolgen unabh\u00e4ngig von dem Verfahren zur Festsetzung der j\u00e4hrlichen K\u00f6rperschaftsteuer (vgl. z.B. Thurmayr in Herrmann\/Heuer\/Raupach, Jahresband 2007, \u00a7&nbsp;37 KStG Rz&nbsp;J&nbsp;06-3 &#8222;Abh\u00e4ngigkeit von Aussch\u00fcttungen&#8220;; Brandis\/Heuermann\/Werning, \u00a7&nbsp;37 KStG Rz&nbsp;70). Entsprechend ber\u00fchrt die Realisation des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens seit dem 01.01.2007 nicht mehr die H\u00f6he des festzusetzenden Solidarit\u00e4tszuschlags, da sich die Bemessungsgrundlage f\u00fcr den Solidarit\u00e4tszuschlag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 SolZG 1995 n.F. (unver\u00e4ndert) an der festgesetzten K\u00f6rperschaftsteuer bemisst. Aus \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 SolZG 1995 n.F. ergibt sich damit der von der Kl\u00e4gerin behauptete Anspruch nicht.<\/li><li>d) Ein derartiger Anspruch kann auch nicht aus dem Annexcharakter des Solidarit\u00e4tszuschlags als Erg\u00e4nzungsabgabe zur K\u00f6rperschaftsteuer (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 SolZG 1995 n.F., Art.&nbsp;106 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 GG) hergeleitet werden. Der Senat hat bereits im Beschluss vom 10.08.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;39\/10 (BFHE 234, 396, BStBl II 2012, 603) darauf hingewiesen, dass \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 SolZG 1995 n.F. zwar bestimmt, dass auf die Festsetzung und Erhebung des Solidarit\u00e4tszuschlags die Vorschriften des Einkommensteuergesetzes und des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes entsprechend anzuwenden sind, sich hieraus aber nicht ergibt, dass auf Erstattungsanspr\u00fcche \u2011\u2011wie etwa den Anspruch auf Auszahlung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens\u2011\u2011 ein Solidarit\u00e4tszuschlagguthaben festzusetzen w\u00e4re. Einer solchen Festsetzung steht \u00a7&nbsp;3 SolZG 1995 n.F. entgegen, der eine eigenst\u00e4ndige und abschlie\u00dfende Regelung \u00fcber die Bemessungsgrundlage des Solidarit\u00e4tszuschlags enth\u00e4lt. Der Senat h\u00e4lt an dieser Rechtsauffassung auch nach erneuter \u00dcberpr\u00fcfung fest.<\/li><li>2. \u00dcber die Revision ist abschlie\u00dfend zu entscheiden, da die Voraussetzungen f\u00fcr eine (erneute) Aussetzung des Verfahrens und Einholung einer Entscheidung des BVerfG nicht vorliegen. Der Senat ist nach erneuter Pr\u00fcfung und im Lichte der Ausf\u00fchrungen des BVerfG in seinem Beschluss vom 27.10.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;12\/11 (BVerfGE 159, 149) nicht der \u00dcberzeugung, dass \u00a7&nbsp;3 SolZG 1995 n.F. insoweit verfassungswidrig ist, als er keine Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens auf das K\u00f6rperschaftsteuerguthaben gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG 2002 n.F. vorsieht.<\/li><li>a) Dass sich aus \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 SolZG 1995 n.F. kein Anspruch der Kl\u00e4gerin auf Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines auf das gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG 2002 n.F. festgestellte K\u00f6rperschaftsteuerguthaben rechnerisch entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags ergibt, verletzt nicht deren Grundrecht auf Gleichbehandlung nach Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG.<\/li><li>aa) Muss der Gesetzgeber komplexe Regelungssysteme umgestalten, steht ihm grunds\u00e4tzlich ein weiter Gestaltungsspielraum zu. Allerdings muss von den Betroffenen eine erhebliche Ungleichbehandlung, die jeglichen sachlichen Grundes entbehrt, weil alle vom Gesetzgeber angestrebten Regelungsziele auch unter Vermeidung der ungleichen Behandlung und ohne Inkaufnahme anderer Nachteile erreicht werden k\u00f6nnen, nicht hingenommen werden (BVerfG-Beschluss vom 30.09.2015&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1066\/10, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2016, 72, m.w.N.).<\/li><li>bb) Dieser Ma\u00dfstab gilt auch f\u00fcr die hier zu beurteilende Regelung des \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;4&nbsp;ff. KStG 2002 n.F., mit der der Gesetzgeber die nach dem Wechsel des vormaligen K\u00f6rperschaftsteueranrechnungsverfahrens zum Halbeink\u00fcnfteverfahren im Jahr 2001 durch das Steuersenkungsgesetz (StSenkG) vom 23.10.2000 (BGBl I 2000, 1433, BStBl I 2000, 1428) erforderliche R\u00fcckzahlung des noch aus dem Vollanrechnungsverfahren stammenden K\u00f6rperschaftsteuerguthabens neu geregelt hat. Der Gesetzgeber hat mit \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;4&nbsp;ff. KStG 2002 n.F. zwar die urspr\u00fcngliche (aussch\u00fcttungsabh\u00e4ngige) \u00dcbergangsvorschrift des \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 KStG 1999 i.d.F. des StSenkG abge\u00e4ndert, jedoch handelt es sich inhaltlich weiterhin um eine Regelung, die im Zusammenhang mit dem durch das StSenkG erfolgten Systemwechsel zur Vermeidung der Doppelbelastung von Kapitalgesellschaften und ihren Anteilseignern steht. Der Senat h\u00e4lt insoweit nicht mehr an seiner im Beschluss vom 10.08.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;39\/10 (BFHE 234, 396, BStBl II 2012, 603) vertretenen Auffassung fest, wonach der Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers bei der \u00c4nderung einer bestehenden \u00dcbergangsvorschrift nicht anders sei als bei anderen Gesetzes\u00e4nderungen (vgl. hierzu auch BVerfG-Beschluss vom 27.10.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;12\/11, BVerfGE 159, 149).<\/li><li>cc) Gemessen an diesen Grunds\u00e4tzen hat sich der Gesetzgeber mit der bei der Festsetzung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG 2002 n.F. nicht vorgesehenen Festsetzung eines Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens im Rahmen des ihm zustehenden weitreichenden Gestaltungsspielraums gehalten.<\/li><li>aaa) Bereits nach der Rechtslage bis zum 31.12.2006 war Voraussetzung f\u00fcr die den festzusetzenden Solidarit\u00e4tszuschlag mindernde Wirkung einer in diesem Veranlagungszeitraum eintretenden Realisierung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens, dass jedenfalls ein positiver Betrag der Bemessungsgrundlage K\u00f6rperschaftsteuer verblieb. W\u00e4hrend eine aussch\u00fcttungsbedingte K\u00f6rperschaftsteuerminderung auch zur Festsetzung einer negativen K\u00f6rperschaftsteuer und damit zur Erstattung von K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fchren konnte, war eine Erstattung des Solidarit\u00e4tszuschlags gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 SolZG 1995 i.d.F. des Gesetzes zur Umsetzung des F\u00f6deralen Konsolidierungsprogramms vom 23.06.1993 (BGBl I 1993, 944, BStBl I 1993, 510) damit bereits in der Vergangenheit ausgeschlossen (vgl. BTDrucks 12\/4401, S.&nbsp;104). Der Gesetzgeber wollte mit diesem Begrenzungsvorbehalt offenkundig verhindern, dass bei Aussch\u00fcttung vor dem Jahr 1995 gebildeter R\u00fccklagen der K\u00f6rperschaft, die noch nicht mit Solidarit\u00e4tszuschl\u00e4gen belastet waren, dennoch Zuschl\u00e4ge an den Anteilseigner zu erstatten waren (Senatsurteile vom 19.11.2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;53\/03, BFHE 204, 159, BStBl II 2004, 428 und vom 19.11.2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;66\/03, BFH\/NV 2004, 671). Dass infolge der Begrenzung nachteilige beziehungsweise \u00fcberschie\u00dfende Wirkungen eintreten k\u00f6nnen, indem der Solidarit\u00e4tszuschlag bei der aussch\u00fcttenden K\u00f6rperschaft definitiv und au\u00dferdem beim Anteilseigner erhoben wird (vgl. dazu auch Senatsurteil vom 29.11.2000&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;67\/00, BFHE 194, 81, BStBl II 2001, 358), wurde vom Gesetzgeber erkennbar zugunsten eines pauschalen und groben (gegebenenfalls auch fiskalisch motivierten) Zuschlagsystems hingenommen. Der Gesetzgeber hat damit letztlich dem Umstand Rechnung getragen, dass eine eigenst\u00e4ndige Gliederungsrechnung f\u00fcr den Solidarit\u00e4tszuschlag (entsprechend der Gliederungsrechnung f\u00fcr das mit K\u00f6rperschaftsteuer belastete Eigenkapital) nicht gesetzlich vorgeschrieben war. Der Senat vermag weder zu erkennen, dass diese gesetzgeberische Entscheidung auf sachfremden Erw\u00e4gungen beruht h\u00e4tte, noch dass sie bei verst\u00e4ndiger W\u00fcrdigung unverst\u00e4ndlich w\u00e4re (vgl. Senatsurteile vom 19.11.2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;53\/03, BFHE 204, 159, BStBl II 2004, 428 und vom 19.11.2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;66\/03, BFH\/NV 2004, 671).<\/li><li>bbb) Diese \u00dcberlegungen lassen sich auf die gesetzgeberische Entscheidung \u00fcbertragen, wonach sich aus \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 SolZG 1995 n.F. kein Anspruch auf Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines auf das gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG 2002 n.F. festgestellte K\u00f6rperschaftsteuerguthaben rechnerisch entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags ergeben soll. Aufgrund der fehlenden Gliederungsrechnung f\u00fcr den Solidarit\u00e4tszuschlag und der daraus resultierenden Unsicherheit, ob \u00fcberhaupt eine Vorbelastung mit Solidarit\u00e4tszuschlag bestanden hat, erscheint es jedenfalls nicht als sachfremd, den bis zum 31.12.2006 bestehenden Konnex zwischen der veranlagten K\u00f6rperschaftsteuer und dem realisierten K\u00f6rperschaftsteuerguthaben aufzul\u00f6sen, um so auch in einem (nunmehr) aussch\u00fcttungsunabh\u00e4ngig ausgestalteten System der R\u00fcckzahlung von K\u00f6rperschaftsteuerguthaben sicherzustellen, dass es nicht zur Erstattung von Solidarit\u00e4tszuschl\u00e4gen kommen kann, die \u2011\u2011m\u00f6glicherweise\u2011\u2011 nicht angefallen waren.<\/li><li>ccc) Zudem w\u00e4re die von der Kl\u00e4gerin allein verfolgte &#8222;Guthabenl\u00f6sung&#8220; ihrerseits unter gleichheitsrechtlichen Gesichtspunkten problematisch, da der damit verbundene Ausschluss jeglicher Definitivbelastung mit Solidarit\u00e4tszuschlag dazu f\u00fchren w\u00fcrde, die Gruppe von Steuerpflichtigen ungleich zu behandeln, die aufgrund des fr\u00fcheren Anrechnungsverfahrens \u00fcber &#8222;K\u00f6rperschaftsteuerminderungspotential&#8220; beziehungsweise w\u00e4hrend der \u00dcbergangsphase \u00fcber K\u00f6rperschaftsteuerguthaben verf\u00fcgt haben (vgl. hierzu BVerfG-Beschluss vom 27.10.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;12\/11, BVerfGE 159, 149).<\/li><li>b) Die nach der Rechtslage bis zum 31.12.2006 bestehende M\u00f6glichkeit, bei der Realisierung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens durch die Vornahme von Gewinnaussch\u00fcttungen auch den auf die festzusetzende K\u00f6rperschaftsteuer entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlag zu mindern (&#8222;Solidarit\u00e4tszuschlagsminderungspotential&#8220;), stellt keine gesch\u00fctzte und dem Eigentumsbegriff des Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 GG unterfallende Rechtsposition dar.<\/li><li>Das BVerfG hat zwar die Frage, ob das &#8222;K\u00f6rperschaftsteuerminderungspotential&#8220; Eigentum der jeweiligen K\u00f6rperschaft im Sinne des Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 GG darstellt, in mehreren Entscheidungen bejaht (vgl. BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 24.11.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1424\/15, BVerfGE 164, 76; vom 06.12.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;29\/14, BVerfGE 164, 130). Das von der Kl\u00e4gerin geltend gemachte &#8222;Solidarit\u00e4tszuschlagsminderungspotential&#8220; weist jedoch signifikante Unterschiede auf, die eine andere rechtliche Beurteilung erforderlich machen. Der vom BVerfG-Beschluss vom 27.10.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;12\/11 (BVerfGE 159, 149) herausgestellte Umstand, dass eine Definitivbelastung von K\u00f6rperschaften mit Solidarit\u00e4tszuschlag sowohl bereits unter Geltung des Anrechnungsverfahrens als auch w\u00e4hrend der \u00dcbergangsphase zum Halbeink\u00fcnfteverfahren (vor Inkrafttreten des im Streitfall ma\u00dfgebenden SEStEG) eintreten konnte, macht deutlich, dass es sich bei dem &#8222;Solidarit\u00e4tszuschlagsminderungspotential&#8220; anders als bei dem &#8222;K\u00f6rperschaftsteuerminderungspotential&#8220; gerade nicht um eine verm\u00f6genswerte Rechtsposition handelt, die der K\u00f6rperschaft bereits zustand und bezifferbar war (vgl. hierzu BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 24.11.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1424\/15, BVerfGE 164, 76; vom 06.12.2022&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;29\/14, BVerfGE 164, 130).<\/li><li>c) Aus den zuletzt genannten Gr\u00fcnden sieht der Senat auch die Grunds\u00e4tze rechtsstaatlichen Vertrauensschutzes (Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 i.V.m. Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 GG) als nicht verletzt an. Ein besonderer Vertrauenstatbestand konnte aufgrund der auch bereits vor den \u00c4nderungen durch das SEStEG m\u00f6glichen Definitivbelastung von K\u00f6rperschaften mit Solidarit\u00e4tszuschlag nicht entstehen. Die blo\u00dfe Erwartung, das geltende Recht werde zuk\u00fcnftig unver\u00e4ndert fortbestehen, genie\u00dft keinen besonderen verfassungsrechtlichen Schutz.<\/li><li>3. Im vorliegenden Verfahren ist nicht weiter auf die von der Kl\u00e4gerin hilfsweise f\u00fcr geboten erachtete verfassungskonforme Auslegung der Vorschrift des \u00a7&nbsp;3 SolZG 1995 n.F. im Sinne einer &#8222;Minderungsl\u00f6sung&#8220; einzugehen (vgl. hierzu Senatsbeschluss vom 10.08.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;39\/10, BFHE 234, 396, BStBl II 2012, 603; BVerfG-Beschluss vom 27.10.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;12\/11, BVerfGE 159, 149). Gegenstand der anh\u00e4ngigen Klage ist die begehrte Verpflichtung des FA zur Feststellung eines Anspruchs auf Auszahlung des auf das K\u00f6rperschaftsteuerguthaben entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags. Das Klagebegehren umfasst daher nicht die &#8222;Minderungsl\u00f6sung&#8220;, die alleine durch eine Anfechtung des Bescheides \u00fcber die Festsetzung des Solidarit\u00e4tszuschlags h\u00e4tte erreicht werden k\u00f6nnen.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entscheidung wurde nachtr\u00e4glich zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt; sie war seit dem 16.05.2024 als NV-Entscheidung abrufbar. ECLI:DE:BFH:2024:U.240124.IR49.21.0 BFH I. Senat GG Art 2 Abs 1, GG Art 3 Abs 1, GG Art 14 Abs 1, GG Art 20 Abs 3, KStG \u00a7 37 Abs 2, KStG \u00a7 37 Abs 4, KStG \u00a7 37 Abs 5, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kein-anspruch-auf-festsetzung-eines-anspruchs-auf-auszahlung-eines-solidaritaetszuschlagguthabens-auf-das-koerperschaftsteuerguthaben-gemaess-%c2%a7-37-abs-5-kstg-2002-n-f-bfh-urteil-vom-24-janua-2\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kein Anspruch auf Festsetzung eines Anspruchs auf Auszahlung eines Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens auf das K\u00f6rperschaftsteuerguthaben gem\u00e4\u00df \u00a7 37 Abs. 5 KStG 2002 n.F. &#8211; BFH-Urteil vom 24. 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