{"id":77320,"date":"2024-12-29T12:33:03","date_gmt":"2024-12-29T10:33:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77320"},"modified":"2024-12-29T12:33:03","modified_gmt":"2024-12-29T10:33:03","slug":"bfh-statthaftigkeit-der-anhoerungsruege-gegen-einen-die-gewaehrung-der-adv-ablehnenden-beschluss-des-bfh-beschluss-vom-26-november-2024-viii-s-9-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-statthaftigkeit-der-anhoerungsruege-gegen-einen-die-gewaehrung-der-adv-ablehnenden-beschluss-des-bfh-beschluss-vom-26-november-2024-viii-s-9-24\/","title":{"rendered":"BFH: Statthaftigkeit der Anh\u00f6rungsr\u00fcge gegen einen die Gew\u00e4hrung der AdV ablehnenden Beschluss des BFH &#8211; Beschluss vom 26. November 2024, VIII S 9\/24"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.261124.VIIIS9.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 10 Abs 3, FGO \u00a7 69 Abs 3, FGO \u00a7 69 Abs 6 S 2, FGO \u00a7 133a Abs 1 Nr 1, FGO \u00a7 133a Abs 4, FGO \u00a7 51 Abs 1 S 1, ZPO \u00a7 41 Nr 6, GG Art 103 Abs 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend BFH , 13. M\u00e4rz 2024, Az: VIII S 10\/23 (AdV)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Gegen einen die Gew\u00e4hrung der Aussetzung der Vollziehung (AdV) ablehnenden Beschluss des Bundesfinanzhofs ist die Anh\u00f6rungsr\u00fcge statthaft, wenn der R\u00fcgef\u00fchrer geltend macht, sein Vorbringen zur Begr\u00fcndung der AdV sei nicht vollst\u00e4ndig zur Kenntnis genommen und bei der Entscheidung nicht erwogen worden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge des Antragstellers gegen den Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 13.03.2024 &#8211; VIII S 10\/23 (AdV) wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Verfahrens hat der Antragsteller zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge ist unzul\u00e4ssig und durch Beschluss zu verwerfen (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;1 FGO ist das Verfahren auf die R\u00fcge eines durch eine gerichtliche Entscheidung beschwerten Beteiligten fortzuf\u00fchren, wenn ein Rechtsmittel oder ein anderer Rechtsbehelf gegen die Entscheidung nicht gegeben ist und das Gericht den Anspruch dieses Beteiligten auf rechtliches Geh\u00f6r in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat. Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge ist vorliegend zwar statthaft, der Antragsteller und R\u00fcgef\u00fchrer (Antragsteller) legt jedoch keine m\u00f6gliche Geh\u00f6rsverletzung dar.<\/li><li>a) Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge ist statthaft, weil der Beschluss des Senats vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;S&nbsp;10\/23&nbsp;(AdV) nicht mehr mit einem Rechtsmittel oder Rechtsbehelf anfechtbar ist. Ein Antrag auf Ab\u00e4nderung des Beschlusses gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;69 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;2 FGO kann vorliegend die Anh\u00f6rungsr\u00fcge nicht als vorrangiger Rechtsbehelf ausschlie\u00dfen. Der Antragsteller bringt nicht vor, dass er relevante \u2011\u2011nicht bekannte oder nicht ber\u00fccksichtigte\u2011\u2011 Umst\u00e4nde f\u00fcr die summarische Pr\u00fcfung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;69 Abs.&nbsp;3 FGO im Aussetzungsverfahren nicht habe vortragen k\u00f6nnen. Er wendet sich ausschlie\u00dflich dagegen, dass der Senat sein Vorbringen nicht vollst\u00e4ndig ber\u00fccksichtigt und erwogen habe. Unter dieser Voraussetzung ist die Anh\u00f6rungsr\u00fcge statthaft (vgl. Gr\u00e4ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;133a Rz&nbsp;8, m.w.N.; Krumm in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;133a FGO, Tz&nbsp;4; s.a. Finanzgericht \u2011\u2011FG\u2011\u2011 D\u00fcsseldorf, Beschluss vom 15.12.2014&nbsp;&#8211; 13&nbsp;V&nbsp;3218\/14&nbsp;A&nbsp;(G), Entscheidungen der Finanzgerichte 2015, 494, Rz&nbsp;8, 9, mit Anmerkung Rosenke).<\/li><li>b) Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge ist jedoch unzul\u00e4ssig, weil der Antragsteller keine m\u00f6gliche Verletzung seines Anspruchs auf Gew\u00e4hrung rechtlichen Geh\u00f6rs darlegt.<\/li><li>aa) Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO verpflichtet das Gericht unter anderem, die Ausf\u00fchrungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen, in Erw\u00e4gung zu ziehen und sich mit dem entscheidungserheblichen Kern des Vorbringens auseinanderzusetzen. Dabei ist das Gericht naturgem\u00e4\u00df nicht verpflichtet, der Rechtsansicht eines Beteiligten zu folgen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts \u2011\u2011BVerfG\u2011\u2011 vom 11.06.2008&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;2062\/07, Deutsches Verwaltungsblatt 2008, 1056). Das Gericht ist nach Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG auch nicht verpflichtet, sich mit jedwedem Vorbringen des Beteiligten in der Begr\u00fcndung seiner Entscheidung ausdr\u00fccklich zu befassen (BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 27.05.1970&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;578\/69, BVerfGE 28, 378; vom 10.06.1975&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1086\/74, BVerfGE 40, 101; vom 05.10.1976&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;558\/75, BVerfGE 42, 364 und vom 15.04.1980&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;827\/79, BVerfGE 54, 86). Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO sind erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst\u00e4nden des Einzelfalls ergibt, dass das Gericht Vorbringen entweder \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw\u00e4gung gezogen hat (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 28.08.2019&nbsp;&#8211; IX&nbsp;S&nbsp;18\/19, BFH\/NV 2020, 25 und vom 20.08.2020&nbsp;&#8211; IX&nbsp;S&nbsp;3\/20, BFH\/NV 2021, 37).<\/li><li>bb) Die in \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO genannten Voraussetzungen sind gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 FGO darzulegen. Hierzu muss vom R\u00fcgef\u00fchrer (hier: Antragsteller) schl\u00fcssig und substantiiert erl\u00e4utert werden, zu welchen Sach- oder Rechtsfragen er sich nicht hat \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen, welches entscheidungserhebliche Vorbringen das Gericht unter Versto\u00df gegen Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG nicht zur Kenntnis genommen oder in Erw\u00e4gung gezogen haben soll und woraus der R\u00fcgef\u00fchrer (hier: Antragsteller) meint, dies folgern zu k\u00f6nnen (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 26.03.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;S&nbsp;1\/14, BFH\/NV 2014, 1071, Rz&nbsp;7; vom 13.10.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;S&nbsp;8\/23, BFH\/NV 2024, 33, Rz&nbsp;8).<\/li><li>cc) Daran fehlt es hier. Das mit der Nichtzulassungsbeschwerde angefochtene Urteil des FG ist durch die Zur\u00fcckweisung der Nichtzulassungsbeschwerde im Verfahren VIII&nbsp;B&nbsp;4\/23 rechtskr\u00e4ftig geworden (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 FGO). Damit ist auch die angefochtene Pr\u00fcfungsanordnung unanfechtbar geworden. Ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Pr\u00fcfungsanordnung konnten im Aussetzungsverfahren VIII&nbsp;S&nbsp;10\/23&nbsp;(AdV) nicht mehr mit Erfolg geltend gemacht werden. Das Vorbringen des Antragstellers zu einzelnen Zulassungsgr\u00fcnden sowie zur behaupteten Rechtswidrigkeit und Nichtigkeit der Pr\u00fcfungsanordnung war im Aussetzungsverfahren danach nicht mehr entscheidungserheblich. Der Antragsteller legt angesichts dieser materiell-rechtlichen Ausgangslage nicht substantiiert und schl\u00fcssig dar, warum der Senat seinen Anspruch auf Gew\u00e4hrung rechtlichen Geh\u00f6rs bei der Entscheidung \u00fcber den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung verletzt haben k\u00f6nnte, indem er den objektiv nicht mehr entscheidungserheblichen Vortrag nicht ber\u00fccksichtigt hat. Dies ist auch sonst nicht ersichtlich.<\/li><li>2. Der Senat entscheidet gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 und 3, \u00a7&nbsp;10 Abs.&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;2 FGO in seiner gesch\u00e4ftsplanm\u00e4\u00dfigen Besetzung im Beschlusszeitpunkt nach dem Mitwirkungsplan vom 12.12.2023 (unter B.1. und B.2.b) mit Geltung f\u00fcr das Jahr 2024.<\/li><li>Der Senat teilt nicht die verfassungsrechtlichen Zweifel des Antragstellers an der Mitwirkung derjenigen Mitglieder des Spruchk\u00f6rpers an der Entscheidung \u00fcber die Anh\u00f6rungsr\u00fcge, die schon an der Beschlussfassung \u00fcber die angefochtene Entscheidung mitgewirkt haben. Die Zuweisung der Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Anh\u00f6rungsr\u00fcge an den Spruchk\u00f6rper in seiner aktuellen gesch\u00e4ftsplanm\u00e4\u00dfigen Besetzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;133a und \u00a7&nbsp;10 Abs.&nbsp;3 FGO, der \u00fcber die Hauptsache entschieden hat, liegt im Spielraum des Gesetzgebers und ist nicht zu beanstanden (vgl. BVerfG-Urteil vom 10.04.2018&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1236\/11, BVerfGE 148, 217, Rz&nbsp;160; Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 28.07.2005&nbsp;&#8211; III&nbsp;ZR&nbsp;443\/04, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2006, 206, unter II.1.; BFH-Beschl\u00fcsse vom 14.06.2023&nbsp;&#8211; XI&nbsp;S&nbsp;2\/23, BFH\/NV 2023, 1095, Rz&nbsp;13; vom 09.01.2024&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;31\/23, BFH\/NV 2024, 295, Rz&nbsp;2, 3).<\/li><li>Hierin liegt auch keine unzul\u00e4ssige Vorbefassung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;51 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;41 Nr.&nbsp;6 der Zivilprozessordnung, weil das Aussetzungsverfahren VIII&nbsp;S&nbsp;10\/23&nbsp;(AdV) und das Anh\u00f6rungsr\u00fcgeverfahren gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;133a FGO zu demselben Rechtszug am BFH geh\u00f6ren.<\/li><li>3. Von einer weiteren Begr\u00fcndung wird mit Blick auf \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 FGO abgesehen.<\/li><li>4. F\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Anh\u00f6rungsr\u00fcge wird eine Geb\u00fchr in H\u00f6he von 66&nbsp;\u20ac erhoben (Nr.&nbsp;6400 des Kostenverzeichnisses, Anlage&nbsp;1 zu \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2024:B.261124.VIIIS9.24.0 BFH VIII. Senat FGO \u00a7 10 Abs 3, FGO \u00a7 69 Abs 3, FGO \u00a7 69 Abs 6 S 2, FGO \u00a7 133a Abs 1 Nr 1, FGO \u00a7 133a Abs 4, FGO \u00a7 51 Abs 1 S 1, ZPO \u00a7 41 Nr 6, GG Art 103 Abs 1 vorgehend BFH , 13. M\u00e4rz &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-statthaftigkeit-der-anhoerungsruege-gegen-einen-die-gewaehrung-der-adv-ablehnenden-beschluss-des-bfh-beschluss-vom-26-november-2024-viii-s-9-24\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH: Statthaftigkeit der Anh\u00f6rungsr\u00fcge gegen einen die Gew\u00e4hrung der AdV ablehnenden Beschluss des BFH &#8211; Beschluss vom 26. 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