{"id":77488,"date":"2025-04-11T16:35:13","date_gmt":"2025-04-11T14:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77488"},"modified":"2025-04-11T16:35:13","modified_gmt":"2025-04-11T14:35:13","slug":"beschluss-vom-30-dezember-2022-xi-b-104-21-aufgehobene-entscheidung-xi-b-104-21-zur-darlegung-der-grundsaetzlichen-bedeutung-einer-rechtssache-wegen-verstosses-gegen-den-allgemeinen-gleichheitssa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/beschluss-vom-30-dezember-2022-xi-b-104-21-aufgehobene-entscheidung-xi-b-104-21-zur-darlegung-der-grundsaetzlichen-bedeutung-einer-rechtssache-wegen-verstosses-gegen-den-allgemeinen-gleichheitssa\/","title":{"rendered":"Beschluss vom 30. Dezember 2022, XI B 104\/21: Aufgehobene Entscheidung XI B 104\/21 &#8211; Zur Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung einer Rechtssache wegen Versto\u00dfes gegen den Allgemeinen Gleichheitssatz"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.301222.XIB104.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GG Art 3 Abs 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, FGO \u00a7 116 Abs 5 S 2, FGO \u00a7 135 Abs 2, FGO \u00a7 76 Abs 1 S 1, FGO \u00a7 96 Abs 1 S 1 Halbs 1, EStG \u00a7 6a Abs 3, AO \u00a7 233a Abs 1, AO \u00a7 238 Abs 1 S 1, GG Art 19 Abs 4, EStG VZ 2013 , FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 30. November 2021, Az: 6 K 2321\/17 K,G<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Macht ein Beschwerdef\u00fchrer mit der Nichtzulassungsbeschwerde verfassungsrechtliche Bedenken geltend, so erfordert die Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung) eine substantiierte, an den Vorgaben des Grundgesetzes und der einschl\u00e4gigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des Bundesfinanzhofs (BFH) orientierte Auseinandersetzung mit der Problematik. Die Schl\u00fcssigkeit einer die Verletzung des Gleichheitssatzes betreffenden R\u00fcge erfordert auch Darlegungen dazu, dass eine normverwerfende Entscheidung des BVerfG zu einer r\u00fcckwirkenden Neuregelung des beanstandeten Gesetzes oder zumindest zu einer \u00dcbergangsregelung f\u00fcr alle noch offenen F\u00e4lle f\u00fchren werde (Anschluss an BFH-Beschl\u00fcsse vom 24.11.2005 &#8211; VIII B 73\/05, BFH\/NV 2006, 540; vom 18.04.2017 &#8211; V B 147\/16, BFH\/NV 2017, 1052).<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Mit am 18.03.2025 ver\u00f6ffentlichtem Beschluss vom 21.02.2025 &#8211; 1 BvR 2267\/23 hat die 3. Kammer des Ersten Senats des BVerfG der Verfassungsbeschwerde stattgegeben, den BFH-Beschluss vom 30.12.2022 &#8211; XI B 104\/21 aufgehoben und die Sache an den BFH zur\u00fcckverwiesen. Der Rechtsstreit wird nun unter dem neuen Az. XI B 19\/25 gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 30.11.2021 &#8211; 6 K 2321\/17 K,G wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Nichtzulassungsbeschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) hat keinen Erfolg und ist daher durch Beschluss (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Die von der Kl\u00e4gerin i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO geltend gemachten Revisionszulassungsgr\u00fcnde liegen, soweit sie \u00fcberhaupt in einer \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO entsprechenden Form dargelegt wurden, jedenfalls nicht vor.<\/li><li>1. Die mit der Beschwerde von der Kl\u00e4gerin sinngem\u00e4\u00df als grunds\u00e4tzlich bedeutsam i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO aufgeworfene Rechtsfrage (Beschwerdebegr\u00fcndung, S.&nbsp;2&nbsp;ff.), ob der &#8222;starre&#8220; Rechnungszinsfu\u00df von 6&nbsp;% in \u00a7&nbsp;6a Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) verst\u00f6\u00dft, f\u00fchrt nicht zur Zulassung der Revision.<\/li><li>a) Eine Rechtssache hat grunds\u00e4tzliche Bedeutung i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalls ma\u00dfgebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an einer einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt. Die Zulassung der Revision kommt nur wegen einer kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigen und kl\u00e4rbaren Rechtsfrage in Betracht. Macht ein Beschwerdef\u00fchrer \u2011\u2011wie die Kl\u00e4gerin im Streitfall\u2011\u2011 mit der Nichtzulassungsbeschwerde verfassungsrechtliche Bedenken geltend, so erfordert die Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung eine substantiierte, an den Vorgaben des GG und der einschl\u00e4gigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des Bundesfinanzhofs (BFH) orientierte Auseinandersetzung mit der Problematik (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 04.10.2010&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;82\/10, BFH\/NV 2011, 38; vom 09.11.2011&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;138\/11, BFH\/NV 2013, 372; vom 18.04.2017&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;147\/16, BFH\/NV 2017, 1052, Rz&nbsp;8). Die Schl\u00fcssigkeit einer \u2011\u2011wie hier\u2011\u2011 die Verletzung des Gleichheitssatzes betreffenden R\u00fcge erfordert auch Darlegungen dazu, dass eine normverwerfende Entscheidung des BVerfG zu einer r\u00fcckwirkenden Neuregelung des beanstandeten Gesetzes oder zumindest zu einer \u00dcbergangsregelung f\u00fcr alle noch offenen F\u00e4lle f\u00fchren werde (vgl. dazu z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 24.11.2005&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;73\/05, BFH\/NV 2006, 540; in BFH\/NV 2017, 1052, Rz&nbsp;14).<\/li><li>b) Die Beschwerdebegr\u00fcndung erf\u00fcllt diese Anforderungen an die Schl\u00fcssigkeit einer die Verletzung des Gleichheitssatzes betreffenden R\u00fcge nicht. Neben Ausf\u00fchrungen zur Frage der Vergleichbarkeit der Verzinsungsregelung des \u00a7&nbsp;6a Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 EStG zu \u00a7&nbsp;233a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) w\u00e4ren auch entsprechende Ausf\u00fchrungen zu den oben unter&nbsp;a genannten Voraussetzungen erforderlich gewesen, weil dem Gesetzgeber wegen seines weiten Gestaltungsspielraums in Masseverfahren des Steuer- und Sozialrechts (vgl. hierzu BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 10.04.1997&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;77\/92, BVerfGE 96, 1, Rz&nbsp;24; vom 11.11.1998&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;10\/95, BVerfGE 99, 280, Rz&nbsp;47; vom 08.07.2021&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2237\/14, 1&nbsp;BvR&nbsp;2422\/17, BVerfGE 158, 282, Rz&nbsp;238; BFH-Urteil vom 26.02.2002&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;92\/98, BFHE 198, 201, BStBl II 2002, 596, Rz&nbsp;16; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2017, 1052, Rz&nbsp;15) verschiedene M\u00f6glichkeiten zur Behebung einer sachlich nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden und daher nicht ohne weiteres davon auszugehen ist, dass normverwerfende Entscheidungen des BVerfG zu einer r\u00fcckwirkenden Neuregelung des beanstandeten Gesetzes oder auch nur zu einer \u00dcbergangsregelung f\u00fcr alle noch offenen F\u00e4lle f\u00fchren w\u00fcrde (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 14.03.2006&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;2\/05, BFH\/NV 2006, 1283, Rz&nbsp;11; in BFH\/NV 2017, 1052, Rz&nbsp;15). So hat das BVerfG zwar entschieden, dass die Verzinsung von Steuernachforderungen und Steuererstattungen in \u00a7&nbsp;233a i.V.m. \u00a7&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO verfassungswidrig ist, soweit der Zinsberechnung f\u00fcr Verzinsungszeitr\u00e4ume ab dem 01.01.2014 ein Zinssatz von monatlich 0,5&nbsp;% \u2011\u2011was in der H\u00f6he dem von der Kl\u00e4gerin i.S. des Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG gleichheitswidrigen Rechnungszinsfu\u00df von 6&nbsp;% nach \u00a7&nbsp;6a Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 EStG entspricht\u2011\u2011 zugrunde gelegt wird (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGE 158, 282, Rz&nbsp;236). Es ging jedoch davon aus, dass die Fortgeltung des \u00a7&nbsp;233a i.V.m. \u00a7&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO f\u00fcr Verzinsungszeitr\u00e4ume vom 01.01.2014 bis zum 31.12.2018 geboten ist, ohne dass der Gesetzgeber verpflichtet w\u00e4re, auch f\u00fcr diesen Zeitraum r\u00fcckwirkend eine verfassungsgem\u00e4\u00dfe Regelung zu schaffen (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGE 158, 282, Rz&nbsp;249). Erst f\u00fcr ab in das Jahr 2019 fallende Verzinsungszeitr\u00e4ume bleibt es nach der Entscheidung des BVerfG in BVerfGE 158, 282 bei der Unanwendbarkeit des \u00a7&nbsp;233a i.V.m. \u00a7&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO als Regelfolge des Versto\u00dfes gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG und der Pflicht des Gesetzgebers, eine der Verfassung entsprechende Rechtslage herzustellen, die sich r\u00fcckwirkend auf alle Verzinsungszeitr\u00e4ume nach dem Jahr 2018 erstreckt und insoweit auch alle noch nicht bestandskr\u00e4ftigen Hoheitsakte erfasst (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGE 158, 282, Rz&nbsp;253).<\/li><li>2. Die von der Kl\u00e4gerin i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO ger\u00fcgten Verfahrensm\u00e4ngel sind unbegr\u00fcndet.<\/li><li>a) Der von der Kl\u00e4gerin ger\u00fcgte Versto\u00df gegen \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO liegt nicht vor.<\/li><li>aa) Nach \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 FGO entscheidet das Gericht nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen \u00dcberzeugung. Das Gesamtergebnis des Verfahrens umfasst den gesamten durch das Klagebegehren begrenzten und durch die Sachaufkl\u00e4rung des Gerichts und die Mitverantwortung der Beteiligten konkretisierten Prozessstoff. Insbesondere verpflichtet \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 FGO das Gericht, den Inhalt der ihm vorliegenden Akten vollst\u00e4ndig und einwandfrei zu ber\u00fccksichtigen (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 16.07.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;114\/18, BFH\/NV 2019, 1127, Rz&nbsp;21; vom 05.06.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;38\/19, BFH\/NV 2020, 1267, Rz&nbsp;3; vom 04.02.2021&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;38\/20, BFH\/NV 2021, 641, Rz&nbsp;3).<\/li><li>bb) Danach hat das Finanzgericht (FG) \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO nicht verletzt.<\/li><li>(1) Soweit die Kl\u00e4gerin geltend macht (Beschwerdebegr\u00fcndung, S.&nbsp;15), das FG habe \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO verletzt, weil es ihren Sachvortrag, dass die Beendigung des Anstellungsvertrags unter einem Vorbehalt gestanden habe, nicht gew\u00fcrdigt h\u00e4tte, liegt kein Versto\u00df gegen den klaren Inhalt der Akten vor. Das FG hat \u2011\u2011wie sich aus dem Tatbestand des angefochtenen Urteils ergibt (FG-Urteil, S.&nbsp;7)\u2011\u2011 den Vortrag der Kl\u00e4gerin, es sei Conditio f\u00fcr die \u00dcbernahme der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungst\u00e4tigkeit gewesen, dass die bisher bestehende Pensionszusage fortgef\u00fchrt werde, zur Kenntnis genommen. Es hat ferner ber\u00fccksichtigt, dass \u2011\u2011wie sich aus den Entscheidungsgr\u00fcnden des angefochtenen Urteils ergibt (FG-Urteil, S.&nbsp;9)\u2011\u2011 nach dem Vortrag der Kl\u00e4gerin eine Verpflichtung zur \u00dcbernahme der Zahlungen f\u00fcr den Schuldbeitritt zwar bestanden habe. Es hat jedoch ausgef\u00fchrt (FG-Urteil, S.&nbsp;9), dass eine solche Verbindlichkeit indes nicht bestanden habe, da zum Zeitpunkt des Abschlusses des \u00dcbernahmevertrags die Pensionszusage bereits verfallen gewesen sei und eine nicht mehr existierende Verbindlichkeit nicht \u00fcbernommen werden konnte. Ein Versto\u00df gegen \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO liegt nicht bereits deshalb vor, weil \u2011\u2011wie die Kl\u00e4gerin im Kern meint\u2011\u2011 das FG ihren Sachvortrag nicht entsprechend ihren Vorstellungen gew\u00fcrdigt hat oder die W\u00fcrdigung des FG fehlerhaft erscheint. Insoweit handelt es sich um materiell-rechtliche Fehler, nicht um einen Verfahrensversto\u00df (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 02.01.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;131\/18, BFH\/NV 2019, 286, Rz&nbsp;8; vom 05.02.2021&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;70\/20, BFH\/NV 2021, 642, Rz&nbsp;10; jeweils m.w.N.).<\/li><li>(2) Auch soweit die Kl\u00e4gerin meint (Beschwerdebegr\u00fcndung, S.&nbsp;15&nbsp;f.), das FG habe nicht ber\u00fccksichtigt, dass Anstellungsvertrag, Pensionszusage und Schuldbeitritt tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt worden seien, und in der Vereinbarung vom 28.11.2013 keinen Neuabschluss einer Schuldbeitrittsvereinbarung erkannt habe, liegt gleichfalls kein Versto\u00df gegen \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO vor. Denn nach der materiell-rechtlichen Auffassung des FG (FG-Urteil, S.&nbsp;10) w\u00e4re, da es sich um nahestehende Personen gehandelt hat, f\u00fcr eine steuerrechtlich anzuerkennende Verbindlichkeit eine klare und eindeutige Regelung erforderlich gewesen, an der es vorliegend jedoch fehlt.<\/li><li>b) Das FG hat ebenso wenig seine Sachaufkl\u00e4rungspflicht (\u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) verletzt.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin r\u00fcgt sinngem\u00e4\u00df als verfahrensfehlerhaft i.S. von \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO (Beschwerdebegr\u00fcndung, S.&nbsp;16&nbsp;ff.), dass das FG gegen seine auf \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO beruhende Verpflichtung, den Sachverhalt unter Aussch\u00f6pfung aller zur Verf\u00fcgung stehenden Beweismittel zu erforschen, versto\u00dfen habe, weil es ihrem Beweisangebot aus der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 30.11.2021 nicht nachgekommen sei.<\/li><li>aa) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO hat das Gericht den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen und dabei die erforderlichen Beweise (\u00a7&nbsp;81 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO) zu erheben. Ein Versto\u00df gegen diese Verpflichtung liegt u.a. vor, wenn das FG einen entscheidungserheblichen Beweisantrag \u00fcbergeht (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 01.06.2015&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;6\/15, BFH\/NV 2015, 1265, Rz&nbsp;12; vom 22.06.2016&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;134\/15, BFH\/NV 2016, 1571, Rz&nbsp;11; vom 25.10.2018&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;57\/18, BFH\/NV 2019, 130, Rz&nbsp;10). Ein solcher darf nur unber\u00fccksichtigt bleiben, wenn das Beweismittel f\u00fcr die zu treffende Entscheidung unerheblich, das Beweismittel unerreichbar bzw. unzul\u00e4ssig oder absolut untauglich ist oder wenn die in Frage stehende Tatsache zugunsten des Beweisf\u00fchrenden als wahr unterstellt werden kann (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 12.02.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;64\/17, BFH\/NV 2018, 538, Rz&nbsp;11; vom 23.02.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;65\/17, BFH\/NV 2018, 517, Rz&nbsp;27&nbsp;f.; in BFH\/NV 2019, 130, Rz&nbsp;10; vom 05.06.2020&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;117\/19, BFH\/NV 2020, 1089, Rz&nbsp;4; vom 20.09.2022&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;82\/21, BFH\/NV 2022, 1295, Rz&nbsp;4). Bei der Pr\u00fcfung der Frage, ob ein Verfahrensfehler vorliegt, ist auf den materiellen Rechtsstandpunkt des FG abzustellen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. zuletzt BFH-Beschluss in BFH\/NV 2022, 1295, Rz&nbsp;4, m.w.N.). Liegen diese Ausnahmetatbest\u00e4nde nicht vor, muss das FG angebotene Beweisunterlagen auch dann entgegennehmen und w\u00fcrdigen, wenn es nicht davon ausgeht, dass diese die im Beweisantrag enthaltene Tatsachenbehauptung best\u00e4tigen (vgl. z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2018, 538, Rz&nbsp;12). Der Verzicht auf eine Beweiserhebung zum entscheidungserheblichen Sachverhalt, insbesondere zu einer von einem Beteiligten behaupteten Tatsache, unter dem Gesichtspunkt der Wahrunterstellung ist gerechtfertigt, wenn das Gericht zugunsten des Beteiligten den von diesem behaupteten Sachverhalt ohne jede inhaltliche Einschr\u00e4nkung als richtig annimmt, die behauptete Tatsache also in ihrem mit dem Parteivorbringen gemeinten Sinn so behandelt, als w\u00e4re sie nachgewiesen. Das Gericht ist daher gehalten, die Beweisbehauptung ohne jede Einengung, dem Beteiligten nachteilige Umdeutungen oder sonstige \u00c4nderungen als wahr zu behandeln. Es darf insbesondere nicht von einem anderen als dem unter Beweis gestellten Sachverhalt ausgehen oder einen Sachverhalt zugrunde legen, durch den das Beweisvorbringen in seiner Bedeutung abgeschw\u00e4cht oder irrelevant wird (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2022, 1295, Rz&nbsp;5, m.w.N.).<\/li><li>bb) Nach diesen Grunds\u00e4tzen hat das FG keinen entscheidungserheblichen Beweisantrag \u00fcbergangen.<\/li><li>Das FG hat bei seiner Entscheidungsfindung die in Frage stehende Tatsache, dass bei Erteilung der Pensionszusage durch die A gewollt gewesen sei, dass die S auch zu dieser Pensionszusage den Schuldbeitritt erkl\u00e4rt, als wahr unterstellt (FG-Urteil, S.&nbsp;10). Die vom FG insoweit als wahr unterstellte Tatsache entspricht hinsichtlich des Beweisvorbringens dem von der Kl\u00e4gerin unterbreiteten Beweisangebot. Das FG musste die benannten Zeugen danach nicht vernehmen, weil es die unter Beweis gestellte Tatsache zu dem, was gewollt gewesen sei, als wahr unterstellt hat. Es ist nicht ersichtlich, dass das FG einen anderen als den unter Beweis gestellten Sachverhalt als wahr unterstellt oder seiner Entscheidung einen Sachverhalt zugrunde gelegt hat, durch den das Beweisvorbringen in seiner Bedeutung abgeschw\u00e4cht oder irrelevant wurde. Die Motive waren nach der materiell-rechtlichen Auffassung des FG jedoch unerheblich (FG-Urteil, S.&nbsp;10), da es f\u00fcr eine steuerrechtlich anzuerkennende Verbindlichkeit jedenfalls an einer klaren und eindeutigen Regelung fehlt.<\/li><li>3. Der Senat sieht von einer weiteren Begr\u00fcndung ab (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO).<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.301222.XIB104.21.0 BFH XI. 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Dezember 2022, XI B 104\/21: Aufgehobene Entscheidung XI B 104\/21 &#8211; Zur Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung einer Rechtssache wegen Versto\u00dfes gegen den Allgemeinen Gleichheitssatz<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-77488","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77488","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77488"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77488\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}