{"id":77507,"date":"2025-04-11T16:48:20","date_gmt":"2025-04-11T14:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77507"},"modified":"2025-04-11T16:48:20","modified_gmt":"2025-04-11T14:48:20","slug":"urteil-vom-04-februar-2025-viii-r-4-22-freiberufliche-einkuenfte-einer-mitunternehmerschaft-bei-kaufmaennischer-fuehrung-durch-einen-berufstraeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/urteil-vom-04-februar-2025-viii-r-4-22-freiberufliche-einkuenfte-einer-mitunternehmerschaft-bei-kaufmaennischer-fuehrung-durch-einen-berufstraeger\/","title":{"rendered":"Urteil vom 04. Februar 2025, VIII R 4\/22: Freiberufliche Eink\u00fcnfte einer Mitunternehmerschaft bei kaufm\u00e4nnischer F\u00fchrung durch einen Berufstr\u00e4ger"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.040225.VIIIR4.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 18 Abs 1 Nr 1, EStG \u00a7 18 Abs 4, EStG \u00a7 15 Abs 1 S 1 Nr 2, AO \u00a7 179, AO \u00a7 180 Abs 1 S 1 Nr 2 Buchst a, FGO \u00a7 48 Abs 1 Nr 1 Buchst a, EStG VZ 2010 , KredMF\u00f6\/EURL2021\/2167Ums\/uaFinR\u00c4ndG Art 27<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 16. September 2021, Az: 4 K 1270\/19<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein als Zahnarzt zugelassener Mitunternehmer \u00fcbt im Rahmen eines Zusammenschlusses von Berufstr\u00e4gern den freien Beruf selbst aus, wenn er neben einer gegebenenfalls \u00e4u\u00dferst geringf\u00fcgigen behandelnden T\u00e4tigkeit vor allem und weit \u00fcberwiegend organisatorische und administrative Leistungen f\u00fcr den Praxisbetrieb der Mitunternehmerschaft erbringt. Die eigene freiberufliche Bet\u00e4tigung eines Mitunternehmers kann auch in Form der Mit- und Zusammenarbeit stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision der Kl\u00e4gerin wird das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 16.09.2021 &#8211; 4 K 1270\/19 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bescheid \u00fcber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen f\u00fcr 2010 vom 21.03.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 27.02.2019 wird dahingehend ge\u00e4ndert, dass Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit festgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die au\u00dfergerichtlichen Kosten der Beigeladenen werden nicht erstattet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist, ob f\u00fcr die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) f\u00fcr das Jahr 2010 (Streitjahr) Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb oder aus selbst\u00e4ndiger Arbeit festzustellen sind.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin ist eine im M\u00e4rz 2006 gegr\u00fcndete Partnerschaftsgesellschaft, die in das Partnerschaftsregister eingetragen ist. Sie betreibt eine Zahnarztpraxis. Die sieben Partner der Kl\u00e4gerin, drei Senior- (Dres.&nbsp;AM, TM und AS) und vier Juniorpartner (Dres.&nbsp;W, N, S und B \u2011\u2011Beigeladene\u2011\u2011) sind approbierte Zahn\u00e4rzte.<\/li><li>Im Gesellschaftsvertrag der Kl\u00e4gerin ist unter anderem geregelt:<br \/><br \/>&#8222;\u00a7&nbsp;6 Berufsaus\u00fcbung<br \/>(1) Die einzelnen Partner erbringen ihre beruflichen Leistungen unter Beachtung des f\u00fcr sie geltenden Berufsrechts. Sie erbringen die Leistungen grunds\u00e4tzlich in eigenverantwortlicher T\u00e4tigkeit. (&#8230;)<br \/><br \/>\u00a7&nbsp;15 Gewinnverteilung<br \/>(1) F\u00fcr jedes Gesch\u00e4ftsjahr ist der Gewinn durch Gegen\u00fcberstellung der Einnahmen und Betriebsausgaben zu ermitteln.<br \/>(2) Die Gewinnverteilung wird in einer gesonderten Gesellschafterversammlung festgelegt.&#8220;<\/li><li>In \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 des Gesellschaftsvertrags sowie der erg\u00e4nzenden Vereinbarung vom Januar 2008 vereinbarten die Partner einen Gewinnverteilungsschl\u00fcssel, der unter anderem unterschiedliche Vorabgewinne, gesonderte Gewinnverteilungsregeln f\u00fcr bestimmte Partner und eine einvernehmlich zu treffende Gewinnverteilung unter den \u00fcbrigen Partnern vorsah.<\/li><li>Der Aufgabenbereich von Dr.&nbsp;AM, einem der Seniorpartner, war nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) seit der Gr\u00fcndung der Kl\u00e4gerin, alle Angelegenheiten f\u00fcr die Praxis zu erledigen, die au\u00dferhalb der eigentlichen Patientenbehandlung zum Betrieb der Praxis geh\u00f6rten. Hierunter fiel die Betreuung aller vertraglichen Angelegenheiten, die Vertretung der Kl\u00e4gerin gegen\u00fcber Beh\u00f6rden und Kammern (Bezirks\u00e4rztekammer, Kassenzahn\u00e4rztliche Vereinigung, Gesundheitsamt, R\u00f6ntgenstelle, Bauamt), dem Datenschutzbeauftragten, Gerichten, Lieferanten, Banken, dem Steuerberater, dem Finanzamt sowie die interne Revision. Des Weiteren geh\u00f6rten zum Aufgabenbereich von Dr.&nbsp;AM die Instandhaltung s\u00e4mtlicher zahn\u00e4rztlicher Ger\u00e4tschaften und Einrichtungsgegenst\u00e4nde sowie die Betreuung baulicher Erweiterungen und Umbauma\u00dfnahmen und Personalangelegenheiten.<\/li><li>\u00dcberdies war Dr.&nbsp;AM f\u00fcr die Qualit\u00e4tssicherung, die Organisation der Abl\u00e4ufe und den Bereich Strahlenschutz\/R\u00f6ntgent\u00e4tigkeit verantwortlich. Als hierzu Beauftragter trat er insbesondere mit den (Aufsichts-)Beh\u00f6rden in Kontakt.<\/li><li>Nach den Feststellungen des FG beriet Dr.&nbsp;AM im Streitjahr f\u00fcnf Patienten konsiliarisch und generierte hieraus einen Umsatz von \u2026&nbsp;\u20ac. Die Beratung der Patienten erfolgte au\u00dferhalb der Praxisr\u00e4ume beziehungsweise in Situationen, in denen Dr.&nbsp;AM die Patienten &#8222;immer wieder&#8220; im Wartezimmer angetroffen habe. Dr.&nbsp;AM war nicht direkt &#8222;am Stuhl&#8220; behandelnd t\u00e4tig und auch sonst in die praktische zahn\u00e4rztliche Arbeit der sechs Mitsozien und der f\u00fcnf weiteren angestellten Zahn\u00e4rzte nicht eingebunden.<\/li><li>Dr.&nbsp;AM hielt sich regelm\u00e4\u00dfig am Dienstag in den Praxisr\u00e4umen der Kl\u00e4gerin auf. Dort nahm er vor allem die Reparatur- und Wartungsarbeiten vor (&#8222;Reparaturtage&#8220;). Im \u00dcbrigen befand er sich nach den vom FG festgestellten Einzelheiten nur unregelm\u00e4\u00dfig in den Praxisr\u00e4umen.<\/li><li>Zwischen den Gesellschaftern bestanden Differenzen im Hinblick auf die T\u00e4tigkeit von Dr.&nbsp;AM. Im M\u00e4rz 2011 (nach dem Streitjahr) beschlossen die \u00fcbrigen Partner der Kl\u00e4gerin mehrheitlich, Dr.&nbsp;AM aufzufordern, entsprechend dem in \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 des Gesellschaftsvertrags definierten Gesellschaftszweck seine volle Arbeitskraft zur Erbringung zahn\u00e4rztlicher Leistungen bereitzustellen. Dr.&nbsp;AM habe seit Gr\u00fcndung der Kl\u00e4gerin nur einen &#8222;unterdurchschnittlichen Beitrag&#8220; zur gemeinsamen Berufsaus\u00fcbung erbracht. Die vier Beigeladenen beschlossen des Weiteren am 03.02.2016 durch Mehrheitsbeschluss der Gesellschafterversammlung, den Gemeinschaftspraxisvertrag im Verh\u00e4ltnis zu Dr.&nbsp;AM und Dr.&nbsp;TM fristlos zu k\u00fcndigen. In einem zivilgerichtlichen Prozessvergleich vom 08.07.2016 verpflichteten sich dann aber die Beigeladenen, zum 30.06.2016 aus der Kl\u00e4gerin auszuscheiden.<\/li><li>In ihrer Erkl\u00e4rung zur gesonderten und einheitlichen Feststellung von Grundlagen f\u00fcr die Einkommensbesteuerung f\u00fcr das Streitjahr erkl\u00e4rte die Kl\u00e4gerin gemeinschaftlich erzielte Eink\u00fcnfte in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac und Sonderbetriebsausgaben in H\u00f6he von insgesamt \u2026&nbsp;\u20ac als Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger Arbeit. Auf Dr.&nbsp;AM entfielen auf der Grundlage der Beschlussfassung der Partner vom 22.12.2011 Eink\u00fcnfte in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac (Anteil an den gemeinschaftlich erzielten Eink\u00fcnften als Gewinnanteil in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac neben Sonderbetriebsausgaben in H\u00f6he von \u2026&nbsp;\u20ac).<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) erlie\u00df zun\u00e4chst einen erkl\u00e4rungsgem\u00e4\u00dfen Feststellungsbescheid vom 16.04.2012. Der Bescheid erging unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung (\u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung \u2011\u2011AO\u2011\u2011).<\/li><li>In einer vom FA durchgef\u00fchrten Betriebspr\u00fcfung f\u00fcr das Streitjahr und die Folgejahre 2011 bis 2013 gelangte der Betriebspr\u00fcfer zu dem Ergebnis, dass die Kl\u00e4gerin entgegen der bisherigen Qualifizierung Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb erzielt habe. Die Veranlagungsstelle des FA folgte dem und erlie\u00df gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO einen ge\u00e4nderten Feststellungsbescheid vom 21.03.2017, in dem es neben weiteren, nicht streitgegenst\u00e4ndlichen \u00c4nderungen Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb feststellte. Das Einspruchsverfahren blieb erfolglos (Einspruchsentscheidung vom 27.02.2019). Das FG hat die Klage aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2022, 490 mitgeteilten Gr\u00fcnden als unbegr\u00fcndet abgewiesen. Mit Beschluss vom 28.08.2019 hatte es die aus der Kl\u00e4gerin ausgeschiedenen Partner Dres.&nbsp;AS, N, S und B zum Verfahren beigeladen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin r\u00fcgt mit ihrer Revision die Verletzung von Bundesrecht in Gestalt von \u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.V.m. \u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 16.09.2021&nbsp;&#8211; 4&nbsp;K&nbsp;1270\/19 aufzuheben und den Bescheid \u00fcber die gesonderte und einheitliche Feststellung der Besteuerungsgrundlagen 2010 vom 21.03.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 27.02.2019 dahingehend abzu\u00e4ndern, dass Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit statt Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb festgestellt werden.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Die Beigeladenen haben keine Antr\u00e4ge gestellt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision der Kl\u00e4gerin ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Stattgabe der Klage (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>1. Streitig ist nur noch die Art der auf Ebene der Mitunternehmerschaft erzielten Eink\u00fcnfte. Die Feststellung zur Art der auf Ebene der Mitunternehmerschaft erzielten Eink\u00fcnfte geh\u00f6rt zu den selbst\u00e4ndig anfechtbaren Feststellungen eines Gewinnfeststellungsbescheids (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 05.09.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;31\/20, BFHE 282, 204, BStBl II 2024, 184, Rz&nbsp;20, m.w.N.).<\/li><li>2. Hinsichtlich der Feststellung zur Art der Eink\u00fcnfte ist die Gesellschaft (Kl\u00e4gerin) w\u00e4hrend ihres Bestehens als Prozessstandschafterin vorrangig klagebefugt. Mit Inkrafttreten des \u00a7&nbsp;48 FGO i.d.F. des Art.&nbsp;27 des Kreditzweitmarktf\u00f6rderungsgesetzes vom 22.12.2023 (BGBl. 2023 I Nr.&nbsp;411) \u2011\u2011FGO n.F.\u2011\u2011 richtet sich die Klagebefugnis der Kl\u00e4gerin nach \u00a7&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a FGO n.F. Diese Regelung ist am 01.01.2024 in Kraft getreten und gilt auch f\u00fcr im Zeitpunkt des Inkrafttretens bereits anh\u00e4ngige Klage- und Revisionsverfahren (vgl. BFH-Urteil vom 08.08.2024&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;1\/20, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt, Rz&nbsp;25, m.w.N. zum Streitstand). Dem schlie\u00dft sich der erkennende Senat an (noch offen gelassen im BFH-Urteil vom 16.04.2024&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;3\/21, BStBl II 2024, 902, Rz&nbsp;37&nbsp;f.).<\/li><li>3. Das FG hat rechtsfehlerhaft entschieden, dass f\u00fcr die Kl\u00e4gerin gewerbliche Eink\u00fcnfte (\u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG) und nicht freiberufliche Eink\u00fcnfte (\u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;4 EStG) festzustellen sind.<\/li><li>Zu den freien Berufen im Sinne des \u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG geh\u00f6rt auch die selbst\u00e4ndig ausge\u00fcbte T\u00e4tigkeit als Zahnarzt.<\/li><li>a) Eine Personengesellschaft entfaltet nur dann eine T\u00e4tigkeit, die die Aus\u00fcbung eines freien Berufs im Sinne von \u00a7&nbsp;18 EStG darstellt, wenn s\u00e4mtliche Gesellschafter die Merkmale eines freien Berufs erf\u00fcllen, denn die tatbestandlichen Voraussetzungen der Freiberuflichkeit k\u00f6nnen nicht von der Personengesellschaft selbst, sondern nur von den nat\u00fcrlichen Personen im Gesellschafterkreis erf\u00fcllt werden (vgl. BFH-Urteile vom 05.09.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;31\/20, BFHE 282, 204, BStBl II 2024, 184, Rz&nbsp;35; vom 14.05.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;35\/16, BFHE 264, 505, BStBl II 2019, 580, Rz&nbsp;11, m.w.N.). Diese Voraussetzung der Eink\u00fcnftequalifikation bei freiberuflichen Mitunternehmerschaften unterscheidet sich von der Eink\u00fcnftequalifikation bei gewerblichen Mitunternehmerschaften. Der Gro\u00dfe Senat des BFH hat f\u00fcr den Bereich der Einkommensteuer entschieden, dass die Art der Eink\u00fcnfte der Gesellschafter einer Personengesellschaft in erster Linie durch die T\u00e4tigkeit der Gesellschafter in ihrer gesamth\u00e4nderischen Verbundenheit, mithin durch die T\u00e4tigkeit der Gesellschaft selbst bestimmt wird (Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 25.06.1984&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;4\/82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751, unter C.III.3.a) und dass das Prinzip der Vielheit der Gesellschafter &#8222;regelm\u00e4\u00dfig&#8220; ohne Einwirkung auf die Qualifikation der Eink\u00fcnfte der Gesellschaft bleibt (Beschluss des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 25.06.1984&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;4\/82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751, unter C.III.5.a). Eine Ausnahme von der Regel ist indes geboten, wenn zum gesetzlichen Tatbestand einer Einkunftsart Merkmale geh\u00f6ren, die weniger im Bereich der T\u00e4tigkeit eines Steuerrechtssubjekts liegen als in pers\u00f6nlichen Eigenschaften, die nur eine nat\u00fcrliche Person haben kann. Das trifft auf Tatbestandsmerkmale der &#8222;Eink\u00fcnfte aus freiberuflicher T\u00e4tigkeit&#8220; nach \u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG zu. Alle Berufe, die die Norm aufz\u00e4hlt, erfordern pers\u00f6nliche Eigenschaften, die nur der Gesellschafter einer Personengesellschaft, der eine nat\u00fcrliche Person ist, haben kann, nicht die Gesellschaft selbst. Daher kann eine Personengesellschaft &#8222;Eink\u00fcnfte aus freiberuflicher T\u00e4tigkeit&#8220; nur erzielen, wenn alle Gesellschafter der Personengesellschaft die Voraussetzungen einer freiberuflichen T\u00e4tigkeit erf\u00fcllen. Dann enth\u00e4lt das Handeln der Gesellschafter in ihrer gesamth\u00e4nderischen Verbundenheit und damit das Handeln der Gesellschaft \u2011\u2011anders als bei Beteiligung eines Nicht-Freiberuflers\u2011\u2011 kein Element einer nichtfreiberuflichen T\u00e4tigkeit (BFH-Urteil vom 11.06.1985&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;254\/80, BFHE 144, 62, BStBl II 1985, 584, unter 1.b&nbsp;aa). Jeder Gesellschafter muss mithin \u00fcber die pers\u00f6nliche Berufsqualifikation verf\u00fcgen und eine freiberufliche T\u00e4tigkeit, zu deren Aus\u00fcbung er pers\u00f6nlich qualifiziert ist, tats\u00e4chlich entfalten (vgl. BFH-Urteil vom 10.10.2012&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;42\/10, BFHE 238, 444, BStBl II 2013, 79, Rz&nbsp;14, m.w.N.). Erf\u00fcllt auch nur einer der Gesellschafter diese Voraussetzungen nicht, so erzielen alle Gesellschafter Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb nach \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG. Eine Aufteilung der Eink\u00fcnfte in freiberufliche und \u2011\u2011f\u00fcr den Berufsfremden\u2011\u2011 in solche aus Gewerbebetrieb scheidet aus (BFH-Urteil vom 08.04.2008&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;73\/05, BFHE 221, 238, BStBl II 2008, 681, unter II.1.).<\/li><li>b) Die freiberufliche T\u00e4tigkeit ist durch die unmittelbare, pers\u00f6nliche und individuelle Arbeitsleistung des Berufstr\u00e4gers gepr\u00e4gt. Daher reicht die blo\u00dfe Zugeh\u00f6rigkeit eines Gesellschafters zu einer der in \u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG genannten Berufsgruppen nicht aus (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 04.08.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;24\/17, BFHE 270, 310, BStBl II 2021, 81, Rz&nbsp;13, m.w.N.). Vielmehr muss positiv festgestellt werden k\u00f6nnen, dass jeder Gesellschafter die Hauptmerkmale des freien Berufs, n\u00e4mlich die pers\u00f6nliche Berufsqualifikation und das untrennbar damit verbundene aktive Entfalten dieser Qualifikation auf dem Markt, in seiner Person verwirklicht hat, denn es gibt keine aus der T\u00e4tigkeit der \u00fcbrigen Gesellschafter abgeleiteten freiberuflichen Eink\u00fcnfte (BFH-Urteil vom 28.10.2008&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;69\/06, BFHE 223, 206, BStBl II 2009, 642, unter II.4.d).<\/li><li>c) Die pers\u00f6nliche Aus\u00fcbung der freiberuflichen T\u00e4tigkeit im vorgenannten Sinne setzt allerdings nicht voraus, dass jeder Gesellschafter in allen Unternehmensbereichen leitend und eigenverantwortlich t\u00e4tig ist und an jedem Auftrag mitarbeitet (BFH-Urteile vom 04.08.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;24\/17, BFHE 270, 310, BStBl II 2021, 81, Rz&nbsp;14; vom 23.11.2000&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;48\/99, BFHE 193, 482, BStBl II 2001, 241). Die eigene freiberufliche Bet\u00e4tigung eines Mitunternehmers kann auch in Form der Mit- und Zusammenarbeit stattfinden (BFH-Urteil vom 28.10.2008&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;69\/06, BFHE 223, 206, BStBl II 2009, 642, unter II.4.d). Zudem hat der Senat im Urteil vom 04.08.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;24\/17 (BFHE 270, 310, BStBl II 2021, 81, Rz&nbsp;15) f\u00fcr den Fall mehrst\u00f6ckiger freiberuflicher Mitunternehmerschaften anerkannt, dass es f\u00fcr die freiberufliche Eink\u00fcnfteerzielung gen\u00fcgt, wenn die Obergesellschafter auf Ebene einer Untergesellschaft in &#8222;zumindest geringf\u00fcgigem Umfang&#8220; leitend und eigenverantwortlich t\u00e4tig werden. Einen Mindestumfang f\u00fcr die nach au\u00dfen gerichtete qualifizierte T\u00e4tigkeit sieht das Gesetz nicht vor.<\/li><li>d) Die berufstypische zahn\u00e4rztliche T\u00e4tigkeit gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG wird durch die auf zahn\u00e4rztliche wissenschaftliche Erkenntnisse gegr\u00fcndete Feststellung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten charakterisiert. Das Berufsbild des (Zahn-)Arztes ist in besonderem Ma\u00dfe durch den pers\u00f6nlichen individuellen Dienst am Patienten gepr\u00e4gt (vgl. BFH-Beschluss vom 12.06.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;154\/17, BFH\/NV 2018, 945, Rz&nbsp;11; BFH-Urteil vom 21.03.1995&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;85\/93, BFHE 177, 377, BStBl II 1995, 732, unter II.2.). Diese patientenbezogene Betrachtung schlie\u00dft es indes nicht aus, eine freiberufliche zahn\u00e4rztliche T\u00e4tigkeit auch anzunehmen, wenn ein als Zahnarzt zugelassener Mitunternehmer im Rahmen eines gr\u00f6\u00dferen Zusammenschlusses von Berufstr\u00e4gern neben einer gegebenenfalls \u00e4u\u00dferst geringf\u00fcgigen behandelnden T\u00e4tigkeit vor allem und weit \u00fcberwiegend organisatorische und administrative Leistungen f\u00fcr den Praxisbetrieb der Gesellschaft erbringt. Auch in diesem Fall entfaltet er T\u00e4tigkeiten, die zum Berufsbild des Zahnarztes geh\u00f6ren, denn die kaufm\u00e4nnische F\u00fchrung und Organisation der Personengesellschaft ist die Grundlage f\u00fcr die Aus\u00fcbung der am Markt erbrachten berufstypischen zahn\u00e4rztlichen Leistungen und damit auch Ausdruck der freiberuflichen Mit- und Zusammenarbeit sowie der pers\u00f6nlichen Teilnahme des Berufstr\u00e4gers an der praktischen Arbeit.<\/li><li>e) Das FG ist von anderen Rechtsgrunds\u00e4tzen ausgegangen. Sein Urteil kann deshalb keinen Bestand haben und ist aufzuheben.<\/li><li>Auf der Grundlage des dargelegten Ma\u00dfstabs und den vom FG getroffenen Feststellungen hat die Kl\u00e4gerin Eink\u00fcnfte aus freiberuflicher T\u00e4tigkeit erzielt. Dr.&nbsp;AM hat in erheblichem Umfang T\u00e4tigkeiten im Zusammenhang mit der kaufm\u00e4nnischen F\u00fchrung und der Organisation der \u00e4rztlichen T\u00e4tigkeit des Praxisbetriebs der Kl\u00e4gerin erbracht. Diese T\u00e4tigkeit wurde \u2011\u2011trotz der internen Streitigkeiten\u2011\u2011 auch mit einer einvernehmlichen Gewinnzuweisung in H\u00f6he von \u00fcber \u2026&nbsp;\u20ac entlohnt, was nicht erkennbar au\u00dferhalb des Rahmens der Gewinnzuweisungen an die weiteren Partner lag (\u2026&nbsp;\u20ac bis \u2026&nbsp;\u20ac). Die Gesellschafter der Kl\u00e4gerin haben damit untereinander die T\u00e4tigkeit und Leistungen von Dr.&nbsp;AM f\u00fcr die Organisation und Leitung der Praxis wie die von ihnen ausschlie\u00dflich oder weit \u00fcberwiegend nach au\u00dfen entfaltete Behandlungst\u00e4tigkeit honoriert.<\/li><li>Nach den Feststellungen des FG hat Dr.&nbsp;AM im Streitjahr ferner f\u00fcnf Patienten konsiliarisch beraten und hierdurch in geringf\u00fcgigem, aber ausreichendem, Umfang auch eine behandelnde T\u00e4tigkeit am Markt entfaltet.<\/li><li>4. Die Sache ist spruchreif. Der angefochtene Bescheid \u00fcber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen f\u00fcr das Streitjahr vom 21.03.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 27.02.2019 ist dahingehend abzu\u00e4ndern, dass Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit statt Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb festgestellt werden.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO. Die au\u00dfergerichtlichen Kosten der Beigeladenen sind nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;139 Abs.&nbsp;4 FGO erstattungsf\u00e4hig, da sie keine eigenen Sachantr\u00e4ge gestellt haben (vgl. BFH-Urteil vom 20.06.2024&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;17\/21, BStBl II 2024, 898, Rz&nbsp;41).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.040225.VIIIR4.22.0 BFH VIII. 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