{"id":77592,"date":"2025-04-25T11:33:03","date_gmt":"2025-04-25T09:33:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77592"},"modified":"2025-04-25T11:33:03","modified_gmt":"2025-04-25T09:33:03","slug":"bfh-beschluss-vom-08-april-2025-viii-b-79-24-verfassungsmaessigkeit-des-werbungskostenabzugsverbots-gemaess-%c2%a7-20-abs-9-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-08-april-2025-viii-b-79-24-verfassungsmaessigkeit-des-werbungskostenabzugsverbots-gemaess-%c2%a7-20-abs-9-estg\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 08. April 2025, VIII B 79\/24: Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Werbungskostenabzugsverbots gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a020 Abs.\u00a09 EStG"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.080425.VIIIB79.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 2 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 9 Abs 1, EStG \u00a7 20 Abs 4 S 1, EStG \u00a7 20 Abs 9 S 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3, GG Art 3 Abs 1, EStG VZ 2020<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht des Landes Sachsen-Anhalt , 11. Juli 2024, Az: 4 K 725\/21<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Das Werbungskostenabzugsverbot gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ist auch gegen\u00fcber Beziehern h\u00f6herer Kapitalertr\u00e4ge, denen Werbungskosten (hier: aus Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchren) deutlich oberhalb des Sparerpauschbetrags erwachsen, eine grunds\u00e4tzlich verfassungsrechtlich zul\u00e4ssige typisierende Regelung im System der abgeltend besteuerten Kapitalertr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Macht der Beschwerdef\u00fchrer geltend, die typisierende Regelung des Werbungskostenabzugsverbots in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG f\u00fchre nach Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes zu einer verfassungswidrigen Ungleichbehandlung, muss er sich zur Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung mit der zu dieser Frage ergangenen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs auseinandersetzen und darlegen, unter welchen bislang nicht er\u00f6rterten Gesichtspunkten diese Rechtsfrage einer neuerlichen \u00dcberpr\u00fcfung bedarf sowie verdeutlichen, ob und unter welchen Gesichtspunkten diese Frage im steuerlichen Fachschrifttum umstritten ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts des Landes Sachsen-Anhalt vom 11.07.2024&nbsp;&#8211; 4&nbsp;K&nbsp;725\/21 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Die Voraussetzungen des vom Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) geltend gemachten Zulassungsgrundes der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011) sind nicht erf\u00fcllt.<\/li><li>1. Die Darlegung der Voraussetzungen dieses Zulassungsgrundes verlangt substantiierte Ausf\u00fchrungen zur Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit einer zweifelhaften abstrakten Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich auch kl\u00e4rungsf\u00e4hig ist. Hierzu muss sich der Beschwerdef\u00fchrer insbesondere mit der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH), den \u00c4u\u00dferungen im Schrifttum sowie mit gegebenenfalls ver\u00f6ffentlichten Verwaltungsmeinungen auseinandersetzen. Ist \u00fcber die Rechtsfrage bereits entschieden worden, so ist zus\u00e4tzlich darzulegen, weshalb eine erneute Entscheidung f\u00fcr erforderlich gehalten wird. Eine weitere beziehungsweise erneute Kl\u00e4rung der Rechtsfrage kann zum Beispiel geboten sein, wenn gegen die bisherige Rechtsprechung gewichtige Einwendungen erhoben worden sind, mit denen sich der BFH bislang noch nicht auseinandergesetzt hat (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 06.03.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;94\/18, BFH\/NV 2019, 935, Rz&nbsp;3).<\/li><li>2. Nach diesem Ma\u00dfstab sind die Voraussetzungen f\u00fcr eine Zulassung wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung im Streitfall nicht erf\u00fcllt.<\/li><li>a) Das Finanzgericht (FG) hat mangels erhobener und durchgreifender Verfahrensr\u00fcgen f\u00fcr den Senat bindend gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO festgestellt, dass es sich bei der dem Kl\u00e4ger in Rechnung gestellten Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchr der A-GmbH um Kosten gehandelt hat, die weder einzeln noch in Form einer darin enthaltenen pauschalen Transaktionspauschale den im Jahr 2020 (Streitjahr) get\u00e4tigten Aktienerwerben als Anschaffungsnebenkosten und den get\u00e4tigten Aktienver\u00e4u\u00dferungen als Ver\u00e4u\u00dferungskosten zugeordnet werden k\u00f6nnen. Das FG hat die im Streitjahr gezahlte Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchr daher insgesamt als Werbungskosten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) eingeordnet, die unter das Abzugsverbot gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG fallen. Zu den abgeflossenen Geb\u00fchren bei der X-Bank hat das FG den Streitfall f\u00fcr den Senat dahingehend bindend gew\u00fcrdigt, dass sich die Aufwendungen ebenfalls nicht bestimmten Aktienerwerbs- oder Aktienver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften zuordnen lassen. Auch diese Aufwendungen hat das FG, soweit sie vom Kl\u00e4ger getragen worden sind, als gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG nicht abzugsf\u00e4hige Werbungskosten behandelt.<\/li><li>b) Der Kl\u00e4ger macht in der Beschwerdebegr\u00fcndung geltend, die im Streitjahr gezahlten Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchren (ohne ausgewiesenen pauschalen Transaktionskostenanteil) seien als Werbungskosten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG in vollem Umfang nicht abzugsf\u00e4hig, pauschale Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchren mit ausgewiesenem Transaktionskostenanteil k\u00f6nnten sich nach der Rechtspraxis (Verweis auf das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen \u2011\u2011BMF\u2011\u2011 vom 18.01.2016, BStBl I 2016, 85, Tz.&nbsp;93 und 95; heute BMF-Schreiben vom 19.05.2022, BStBl I 2022, 742, Tz.&nbsp;93 und 95) aber im Wege einer sch\u00e4tzweisen Zuordnung zur H\u00e4lfte als Anschaffungsneben- und Ver\u00e4u\u00dferungskosten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG steuermindernd auswirken. Die Leistungen des Verm\u00f6gensverwalters seien unabh\u00e4ngig von der Abrechnungsart jedoch bei der Betreuung der Aktienerwerbe und Aktienver\u00e4u\u00dferungen identisch. Der Senat entnimmt dem Vorbringen bei wohlwollender Auslegung, dass der Kl\u00e4ger die verfassungsrechtliche Rechtsfrage aufwirft, ob das vollst\u00e4ndige Abzugsverbot f\u00fcr Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchren gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG, die einkommensteuerrechtlich als Werbungskosten einzuordnen sind, ihn in seinem Grundrecht aus Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) verletzt.<\/li><li>c) Der Kl\u00e4ger erl\u00e4utert jedoch nicht, dass die aufgeworfene verfassungsrechtliche Rechtsfrage noch kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist.<\/li><li>aa) Der Gesetzgeber hat die Grundentscheidung getroffen, bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen Aufwendungen, die als Werbungskosten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG einzuordnen sind, dem Abzugsverbot gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG zu unterwerfen und nur den Abzug eines Sparerpauschbetrags zuzulassen. Soweit Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchren (einzeln abgerechnet oder als pauschale sogenannte All-In-Fees) Werbungskosten sind, unterliegen sie dem Abzugsverbot.<\/li><li>Daraus kann sich je nach der Rendite des Steuerpflichtigen und der H\u00f6he der Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchr eine Bruttobesteuerung der positiven Kapitalertr\u00e4ge ergeben, wenn die nicht abzugsf\u00e4hige Verm\u00f6gensverwalterverg\u00fctung die positiven Kapitalertr\u00e4ge \u00fcbersteigt. Auch kann sich bei einer Bruttobesteuerung des Aktienver\u00e4u\u00dferungsgewinns unter dem gesonderten Tarif gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG aufgrund des fehlenden Werbungskostenabzugs f\u00fcr die Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchr eine h\u00f6here Belastung als bei einer hypothetischen Besteuerung des Aktienver\u00e4u\u00dferungsgewinns im progressiven Tarif nach \u00a7&nbsp;32a EStG (nach Abzug der tats\u00e4chlichen Werbungskosten im Rahmen des Teileink\u00fcnfteverfahrens gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;40, \u00a7&nbsp;3c Abs.&nbsp;2 EStG) ergeben. Die steuerliche Mehrbelastung im Rahmen des gesonderten Tarifs k\u00f6nnte auch nicht durch einen Antrag auf G\u00fcnstigerpr\u00fcfung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;6 EStG vermieden werden, da der Abzug der tats\u00e4chlichen Werbungskosten auch bei einer Hinzurechnung der Kapitalertr\u00e4ge zu den tariflich zu besteuernden Kapitalertr\u00e4gen im Rahmen des Veranlagungswahlrechts ausgeschlossen w\u00e4re (BFH-Urteile vom 28.01.2015&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;13\/13, BFHE 249, 125, BStBl II 2015, 393; vom 02.12.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;34\/13, BFHE 248, 51, BStBl II 2015, 387).<\/li><li>bb) Die Rechtsprechung des BFH hat sich mit dem Einwand, dass das Werbungskostenabzugsverbot in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 EStG als Versto\u00df gegen das objektive Nettoprinzip verfassungswidrig sein soll, bereits mehrfach auseinandergesetzt. Das Werbungskostenabzugsverbot gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG ist nach dem Stand der Rechtsprechung auch gegen\u00fcber Beziehern h\u00f6herer Kapitalertr\u00e4ge wie dem Kl\u00e4ger, denen Werbungskosten (hier: aus der Verm\u00f6gensverwaltergeb\u00fchr) deutlich oberhalb des Sparerpauschbetrags erwachsen, als eine grunds\u00e4tzlich verfassungsrechtlich zul\u00e4ssige typisierende Regelung im System der abgeltend besteuerten Kapitalertr\u00e4ge zu beurteilen.<\/li><li>Der Senat hat sich zur verfassungsrechtlichen Rechtfertigung des Werbungskostenabzugsverbots in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG darauf gest\u00fctzt, mit der abgeltenden Besteuerung der Kapitalertr\u00e4ge habe der Gesetzgeber nicht nur eine erhebliche steuerliche Entlastung, sondern auch eine deutliche Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens von Kapitaleink\u00fcnften erreichen wollen; Bestandteil der Vereinfachung sei auch das Abzugsverbot in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG (BFH-Urteil vom 28.01.2015&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;13\/13, BFHE 249, 125, BStBl II 2015, 393, Rz&nbsp;26). Er hat hierzu insbesondere auf die Gesetzesbegr\u00fcndung zu \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 EStG (vgl. BTDrucks 16\/4841, S.&nbsp;57) verwiesen, die lautet: &#8222;Der Ansatz der tats\u00e4chlichen Werbungskosten ist grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen. Dabei wird [\u00fcber den Sparerpauschbetrag] sowohl eine Typisierung hinsichtlich der H\u00f6he der Werbungskosten in den unteren Einkommensgruppen vorgenommen, als auch ber\u00fccksichtigt, dass mit einem relativ niedrigen Proportionalsteuersatz von 25&nbsp;Prozent die Werbungskosten in den oberen Einkommensgruppen mit abgegolten werden.&#8220; Mit der Senkung des Steuertarifs von zuvor bis zu 45&nbsp;% auf nunmehr 25&nbsp;% f\u00fcr positive Kapitalertr\u00e4ge habe der Gesetzgeber auch f\u00fcr die Bezieher h\u00f6herer Kapitaleink\u00fcnfte eine verfassungsrechtlich anzuerkennende Typisierung der Werbungskosten vorgenommen (BFH-Urteile vom 28.01.2015&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;13\/13, BFHE 249, 125, BStBl II 2015, 393, Rz&nbsp;29; vom 02.12.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;34\/13, BFHE 248, 51, BStBl II 2015, 387, Rz&nbsp;12, 13 [die anschlie\u00dfende Verfassungsbeschwerde wurde gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7&nbsp;93a, 93b des Gesetzes \u00fcber das Bundesverfassungsgericht (BVerfGG) nicht zur Entscheidung angenommen, s. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts \u2011\u2011BVerfG\u2011\u2011 vom 24.03.2016&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;878\/15]; vom 01.07.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;53\/12, BFHE 246, 332, BStBl II 2014, 975, Rz&nbsp;13, 14). An dieser verfassungsrechtlichen Beurteilung der Regelung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG hat der Senat in der Folge festgehalten (vgl. BFH-Urteil vom 11.12.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;7\/15, BFHE 263, 216, BStBl II 2019, 231, Rz&nbsp;31).<\/li><li>cc) Angesichts dessen h\u00e4tte der Kl\u00e4ger erl\u00e4utern m\u00fcssen, warum die bisherige verfassungsrechtliche Beurteilung des Abzugsverbots in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG f\u00fcr Bezieher h\u00f6herer Kapitalertr\u00e4ge mit erheblichen nicht abzugsf\u00e4higen Werbungskosten einer erneuten \u00dcberpr\u00fcfung bedarf.<\/li><li>Hat der BFH in einer fr\u00fcheren Entscheidung begr\u00fcndet, warum er eine Norm nicht f\u00fcr verfassungswidrig h\u00e4lt, muss in der Begr\u00fcndung einer Nichtzulassungsbeschwerde zur Darlegung der Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit dargelegt werden, warum eine erneute Kl\u00e4rung der Frage geboten sein k\u00f6nnte. Denn wenn die vom Beschwerdef\u00fchrer angef\u00fchrten Gr\u00fcnde bei erneuter \u00dcberpr\u00fcfung eine abweichende Beurteilung nicht rechtfertigen und der beschlie\u00dfende Senat \u2011\u2011weil er nicht von der Verfassungswidrigkeit der zugrunde liegenden Normen \u00fcberzeugt ist\u2011\u2011 den Rechtsstreit in dem angestrebten Revisionsverfahren nicht gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 GG i.V.m. \u00a7&nbsp;80 Abs.&nbsp;1 BVerfGG aussetzen und dem BVerfG zur Pr\u00fcfung der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit vorlegen d\u00fcrfte, muss die Nichtzulassungsbeschwerde abschl\u00e4gig beschieden werden (z.B. BFH-Beschluss vom 06.03.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;94\/18, BFH\/NV 2019, 935, Rz&nbsp;4).<\/li><li>Der Kl\u00e4ger legt keine durchgreifenden neuen Gesichtspunkte dar. Er setzt sich mit dem tragenden Argument des Senats nicht auseinander, bei Beziehern h\u00f6herer Kapitalertr\u00e4ge mit deutlich oberhalb des Sparerpauschbetrags liegenden Werbungskosten sei die typisierende Abzugsf\u00e4higkeit von Aufwendungen nur bis zur H\u00f6he des Sparerpauschbetrags durch den Vereinfachungszweck der abgeltenden Besteuerung von Kapitalertr\u00e4gen und den Tarifvorteil bei der Besteuerung der positiven Kapitalertr\u00e4ge gerechtfertigt. Dass die Kapitalertr\u00e4ge des Kl\u00e4gers (zum Beispiel aus erfolgreichen Aktienver\u00e4u\u00dferungen) auf Beratungsleistungen des Verm\u00f6gensverwalters beruhen, die in Gestalt einer Festverg\u00fctung und einer variablen Erfolgsbeteiligung zu verg\u00fcten sind, stellt die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des typisierenden vollst\u00e4ndigen Werbungskostenabzugsverbots nicht in Frage. Treten aufgrund der deutlich oberhalb des Sparerpauschbetrags liegenden Werbungskosten die geschilderten Besteuerungsfolgen auf oder ist die Nachsteuerrendite des Kl\u00e4gers reduziert, beruhen diese \u00fcberdies ma\u00dfgeblich auf den Vereinbarungen mit den Verm\u00f6gensverwaltern, die der Kl\u00e4ger trotz Geltung des Werbungskostenabzugsverbots getroffen hat. Der Kl\u00e4ger legt schlie\u00dflich auch nicht dar, ob, und wenn ja, unter welchen Gesichtspunkten f\u00fcr Bezieher h\u00f6herer Kapitalertr\u00e4ge mit Werbungskosten deutlich oberhalb des Sparerpauschbetrags im Schrifttum Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Regelung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG ge\u00e4u\u00dfert werden.<\/li><li>3. Soweit der Kl\u00e4ger auf das BMF-Schreiben vom 18.01.2016 (BStBl I 2016, 85, Tz.&nbsp;93 und 95; heute BMF-Schreiben vom 19.05.2022, BStBl I 2022, 742, Tz.&nbsp;93 und 95) verweist und eine weitere aus seiner Sicht verfassungswidrige Ungleichbehandlung behauptet, handelt es sich nicht um eine Rechtsfrage von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung. Der Kl\u00e4ger sieht nach dem Verst\u00e4ndnis des Senats eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung darin, dass Transaktionskosten aus sogenannten All-In-Fees mit Transaktionskostenanteil bei Kreditinstituten nach der Verwaltungspraxis anteilig zu den Anschaffungsneben- und den Ver\u00e4u\u00dferungskosten im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG geh\u00f6ren k\u00f6nnten, die Beratungskosten aus Verm\u00f6gensverwaltungsvertr\u00e4gen anderer Verm\u00f6gensverwalter diesen jedoch nicht zugeordnet werden k\u00f6nnten.<\/li><li>Mit diesem Vorbringen wird keine verfassungsrechtliche Rechtsfrage von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung begr\u00fcndet. Der Kl\u00e4ger behauptet insoweit nicht, durch eine gesetzliche Regelung in seinem Grundrecht aus Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG verletzt zu sein. Die angesprochenen Regelungen des BMF-Schreibens enthalten Grunds\u00e4tze zur Sachverhaltsermittlung, nach denen die Finanzverwaltung Transaktionskosten, die in pauschalen All-In-Fees mit einem vertraglich definierten Transaktionskostenanteil enthalten oder aus einer Ertr\u00e4gnisaufstellung ersichtlich sind, pauschalierend und sch\u00e4tzweise als Anschaffungsneben- und als Ver\u00e4u\u00dferungskosten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG einordnet. Der Senat k\u00f6nnte die Regelungen des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG und des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG in dem angestrebten Revisionsverfahren wegen dieser Verwaltungsgrunds\u00e4tze nicht gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 GG i.V.m. \u00a7&nbsp;80 Abs.&nbsp;1 BVerfGG dem BVerfG zur Pr\u00fcfung der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit vorlegen.<\/li><li>4. Der Senat sieht von der Darstellung eines Tatbestandes und von einer weiteren Begr\u00fcndung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 EStG ab.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.080425.VIIIB79.24.0 BFH VIII. Senat EStG \u00a7 2 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 9 Abs 1, EStG \u00a7 20 Abs 4 S 1, EStG \u00a7 20 Abs 9 S 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3, GG Art 3 Abs 1, EStG VZ 2020 vorgehend Finanzgericht des &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-08-april-2025-viii-b-79-24-verfassungsmaessigkeit-des-werbungskostenabzugsverbots-gemaess-%c2%a7-20-abs-9-estg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 08. 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