{"id":77633,"date":"2025-05-16T15:22:39","date_gmt":"2025-05-16T13:22:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77633"},"modified":"2025-05-16T15:22:39","modified_gmt":"2025-05-16T13:22:39","slug":"beschluss-vom-10-april-2025-ii-b-54-24-adv-aussetzung-der-vollziehung-eines-grunderwerbsteuerbescheids-verlaengerung-der-nachbehaltensfrist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/beschluss-vom-10-april-2025-ii-b-54-24-adv-aussetzung-der-vollziehung-eines-grunderwerbsteuerbescheids-verlaengerung-der-nachbehaltensfrist\/","title":{"rendered":"Beschluss vom 10. April 2025, II B 54\/24 (AdV): Aussetzung der Vollziehung eines Grunderwerbsteuerbescheids; Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:BA.100425.IIB54.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH II. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 69 Abs 2 S 2, FGO \u00a7 69 Abs 2 S 7, FGO \u00a7 69 Abs 3 S 1, FGO \u00a7 69 Abs 3 S 3, GrEStG \u00a7 6 Abs 3 S 2, GrEStG \u00a7 1 Abs 1, GrEStG \u00a7 6 Abs 1 S 1, GrEStG \u00a7 6 Abs 3 S 1, GrEStG \u00a7 23 Abs 18, GrEStG \u00a7 23 Abs 24, GrEStG \u00a7 6 Abs 3 S 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 09. September 2024, Az: 11 V 1325\/24 A (GE)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der im Verfahren der Aussetzung der Vollziehung nach \u00a7&nbsp;69 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung gebotenen summarischen Pr\u00fcfung bestehen ernstliche Zweifel, ob die Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 des Grunderwerbsteuergesetzes von f\u00fcnf auf zehn Jahre durch das Gesetz zur \u00c4nderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 12.05.2021 (BGBl I 2021, 926, BStBl I 2021, 838) auf Erwerbsvorg\u00e4nge von Grundst\u00fccken Anwendung findet, die bereits vor dessen Inkrafttreten am 01.07.2021 erfolgt sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Antragsgegners gegen den Beschluss des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 09.09.2024&nbsp;&#8211; 11&nbsp;V&nbsp;1325\/24&nbsp;A&nbsp;(GE) wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Antragsgegner zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin), eine GmbH, entstand durch Formwechsel vom \u20262023 aus einer im Jahr 2015 gegr\u00fcndeten OHG. Gesellschafter der Antragstellerin waren A, B und C.<\/li><li>Mit notariell beurkundetem Vertrag vom \u20262018 verpflichtete sich eine ebenfalls aus den Gesellschaftern A, B und C bestehende KG zur Einbringung zweier Grundst\u00fccke in die Antragstellerin, damals in ihrer Rechtsform einer OHG.<\/li><li>Der Antragsgegner und Beschwerdef\u00fchrer (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) sah den Rechtsvorgang vom \u20262018 als nach \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (GrEStG a.F.) von der Steuer befreit an und erlie\u00df am 15.02.2018 einen entsprechenden Grunderwerbsteuerbescheid, in dem er die Grunderwerbsteuer auf 0&nbsp;\u20ac festsetzte. In den Erl\u00e4uterungen des Bescheids wurde darauf hingewiesen, dass die gew\u00e4hrte Steuerbefreiung mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit entfalle, wenn sich der Anteil des Gesamth\u00e4nders am Verm\u00f6gen der erwerbenden Gesellschaft innerhalb von f\u00fcnf Jahren nach dem \u00dcbergang des Grundst\u00fccks auf die andere Gesamthand vermindere (\u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG a.F.).<\/li><li>Mit Schreiben vom 10.09.2021 wies das FA die Antragstellerin darauf hin, dass der Gesetzgeber durch das Gesetz zur \u00c4nderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 12.05.2021 die f\u00fcnfj\u00e4hrige Nachbehaltensfrist des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG a.F. mit Wirkung ab dem 01.07.2021 auf zehn Jahre verl\u00e4ngert habe (\u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 des Grunderwerbsteuergesetzes i.d.F. des Gesetzes zur \u00c4nderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 12.05.2021, BGBl I 2021, 986, BStBl I 2021, 838 \u2011\u2011GrEStG\u2011\u2011). Diese Verl\u00e4ngerung gelte f\u00fcr alle Sachverhalte, f\u00fcr die die bisherige f\u00fcnfj\u00e4hrige Frist \u2011\u2011wie bei der Antragstellerin\u2011\u2011 vor dem Stichtag 01.07.2021 noch nicht abgelaufen sei (\u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 und 24 GrEStG).<\/li><li>Den Formwechsel vom \u20262023 sah das FA als r\u00fcckwirkendes Ereignis an und setzte mit \u00c4nderungsbescheid vom 22.11.2023 die Grunderwerbsteuer auf \u2026&nbsp;\u20ac fest.<\/li><li>\u00dcber den mit Schreiben vom 14.12.2023 eingelegten Einspruch hat das FA noch nicht entschieden.<\/li><li>Den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung lehnte das FA mit Schreiben vom 21.12.2023 ab.<\/li><li>Am 09.01.2024 zahlte die Antragstellerin die festgesetzte Grunderwerbsteuer.<\/li><li>Dem am 01.07.2024 beim Finanzgericht (FG) gestellten Antrag auf Aufhebung der Vollziehung (AdV) gab das FG mit Beschluss vom 09.09.2024&nbsp;&#8211; 11&nbsp;V&nbsp;1325\/24&nbsp;A&nbsp;(GE) statt. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte es im Wesentlichen aus, dass bei summarischer Pr\u00fcfung Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Bescheids bestehen w\u00fcrden, da die zehnj\u00e4hrige Nachbehaltensfrist in \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG nach den einfachgesetzlichen Anwendungsvorschriften des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 und 24 GrEStG auf den Erwerbsvorgang vom \u20262018 keine Anwendung finde.<\/li><li>Gegen die vom FG gew\u00e4hrte AdV wendet sich das FA mit seiner Beschwerde, die vom FG zugelassen wurde. Die Finanzverwaltung wolle ebenfalls abgelaufene Fristen nicht wieder aufleben lassen. Seien Fristen am Stichtag 30.06. beziehungsweise 01.07.2021 aber noch nicht abgelaufen gewesen, so bestehe f\u00fcr entsprechende Vorg\u00e4nge auch kein Vertrauensschutz. Das Ziel des Gesetzgebers sei es gewesen, dass noch laufende Fristen von der gesetzlichen Verl\u00e4ngerung auf zehn Jahre betroffen seien.<\/li><li>Das FA beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>den Beschluss des FG vom 09.09.2024&nbsp;&#8211; 11&nbsp;V&nbsp;1325\/24&nbsp;A&nbsp;(GE) aufzuheben und den Antrag der Antragstellerin auf Aufhebung der Vollziehung abzulehnen.<\/li><li>Die Antragstellerin beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>die Beschwerde des FA als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die nach \u00a7&nbsp;128 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zul\u00e4ssige Beschwerde ist unbegr\u00fcndet. Zu Recht hat das FG die Vollziehung des angefochtenen Grunderwerbsteuerbescheids vom 22.11.2023 aufgehoben. Bei summarischer Pr\u00fcfung bestehen ernsthafte Zweifel an seiner Rechtm\u00e4\u00dfigkeit.<\/li><li>1. Auf Antrag kann das Gericht der Hauptsache die Vollziehung ganz oder teilweise aussetzen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angefochtenen Verwaltungsakts bestehen (\u00a7&nbsp;69 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 i.V.m. Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO). Ist der Verwaltungsakt schon vollzogen, tritt an die Stelle der Aussetzung der Vollziehung die Aufhebung der Vollziehung (\u00a7&nbsp;69 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;7, Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO; Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 19.02.2024&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;40\/23&nbsp;(AdV), BFH\/NV 2024, 527, Rz&nbsp;16).<\/li><li>Ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines angefochtenen Verwaltungsakts sind zu bejahen, wenn bei einer summarischen \u00dcberpr\u00fcfung des Bescheids neben f\u00fcr die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit sprechenden Umst\u00e4nden gewichtige, gegen die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit sprechende Gr\u00fcnde zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung der Rechtsfragen oder Unklarheiten in der Beurteilung der Tatfragen bewirken. Die Entscheidung hier\u00fcber ergeht bei der im Verfahren der AdV gebotenen summarischen Pr\u00fcfung aufgrund des Sachverhalts, der sich aus dem Vortrag der Beteiligten und der Aktenlage ergibt. Zur Gew\u00e4hrung der AdV ist es nicht erforderlich, dass die f\u00fcr die Rechtswidrigkeit sprechenden Gr\u00fcnde im Sinne einer Erfolgswahrscheinlichkeit \u00fcberwiegen (st\u00e4ndige Rechtsprechung seit dem BFH-Beschluss vom 10.02.1967&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;9\/66, BFHE 87, 447, BStBl III 1967, 182, unter II.3.; z.B. BFH-Beschluss vom 27.05.2024&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;78\/23&nbsp;(AdV), BStBl II 2024, 543, Rz&nbsp;25).<\/li><li>2. Ausgehend von diesen Grunds\u00e4tzen war die Vollziehung des Grunderwerbsteuerbescheids vom 22.11.2023 aufzuheben. Der Senat teilt bei der gebotenen summarischen Pr\u00fcfung die ernstlichen Zweifel des FG an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Bescheids. Aus den \u00dcbergangsregelungen der Abs\u00e4tze&nbsp;18 und 24 des \u00a7&nbsp;23 GrEStG ist nicht eindeutig zu entnehmen, dass die durch Art.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a des Gesetzes zur \u00c4nderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 12.05.2021 (BGBl I 2021, 986, BStBl I 2021, 838) auf zehn Jahre verl\u00e4ngerte Nachbehaltensfrist des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG auf den streitigen Rechtsvorgang vom \u20262018 anzuwenden ist.<\/li><li>a) \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG a.F. wurde durch Art.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a des Gesetzes zur \u00c4nderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 12.05.2021 (BGBl I 2021, 986, BStBl I 2021, 838) dahingehend ge\u00e4ndert, dass in der ab dem 01.07.2021 (Art. 2 dieses Gesetzes) geltenden Fassung die f\u00fcnfj\u00e4hrige Nachbehaltensfrist bei dem \u00dcbergang eines Grundst\u00fccks von einer auf eine andere Gesamthand auf zehn Jahre verl\u00e4ngert wurde. Danach ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG in der ab dem 01.07.2021 geltenden Fassung \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 GrEStG insoweit nicht entsprechend anzuwenden, als sich der Anteil des Gesamth\u00e4nders am Verm\u00f6gen der erwerbenden Gesamthand innerhalb von zehn Jahren nach dem \u00dcbergang des Grundst\u00fccks von der einen auf die andere Gesamthand vermindert, mit der Folge, dass die Voraussetzungen f\u00fcr die Nichterhebung der Steuer r\u00fcckwirkend im Sinne des \u00a7&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 der Abgabenordnung entfallen (BFH-Urteil vom 12.01.2022&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;4\/20, BFHE 275, 380, BStBl II 2022, 521, Rz&nbsp;16).<\/li><li>b) Der zeitliche Anwendungsbereich der Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist auf zehn Jahre bestimmt sich nach \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 und 24 GrEStG. Aufgrund der Widerspr\u00fcchlichkeit dieser Regelungen (gl.A. Behrens in Behrens\/Wachter, Grunderwerbsteuergesetz, 2.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;23 Rz&nbsp;79; Pahlke\/Pahlke, Grunderwerbsteuergesetz, 7.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;23 Rz&nbsp;75; Loose in Viskorf, Grunderwerbsteuergesetz, 21.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;23 Rz&nbsp;118; Behrens\/Seemaier, Umsatzsteuer- und Verkehrsteuer-Recht 2021, 348) bestehen ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Steuerfestsetzung.<\/li><li>aa) \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG sieht als \u00dcbergangsregelung vor, dass \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG in der am 01.07.2021 geltenden Fassung \u2011\u2011das hei\u00dft mit einer Nachbehaltensfrist von zehn Jahren\u2011\u2011 erstmals auf Erwerbsvorg\u00e4nge anzuwenden ist, die nach dem 30.06.2021 verwirklicht werden. Danach findet die Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist auf zehn Jahre im vorliegenden Fall keine Anwendung.<\/li><li>(1) Als Erwerbsvorgang im Sinne des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG ist der grunds\u00e4tzlich beg\u00fcnstigte Rechtsvorgang anzusehen und nicht das Ereignis, das die Minderung des Anteils des Gesamth\u00e4nders an der erwerbenden Gesamthand zur Folge hat (gl.A. Loose in Viskorf, Grunderwerbsteuergesetz, 21.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;23 Rz&nbsp;118; vgl. auch BFH-Urteil vom 25.09.2013&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;17\/12, BFHE 243, 404, BStBl II 2014, 268, Rz&nbsp;31, zu \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;8 Satz&nbsp;1 GrEStG). Dies ergibt sich aus dem Wortlaut der Norm, der mit dem Begriff &#8222;Erwerbsvorg\u00e4nge&#8220; auf \u00a7&nbsp;1 GrEStG und dessen amtliche \u00dcberschrift &#8222;Erwerbsvorg\u00e4nge&#8220; Bezug nimmt. F\u00fcr diese Auslegung sprechen auch die Gesetzesmaterialien. Diese f\u00fchren im Hinblick auf den als \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG erlassenen Entwurf eines Absatzes&nbsp;17 aus, dass die verl\u00e4ngerten Fristen &#8222;erstmalig f\u00fcr Erwerbsvorg\u00e4nge im Sinne des \u00a7&nbsp;1 GrEStG anzuwenden [sind], die nach Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2019 verwirklicht werden&#8220; (BTDrucks 19\/13437, S.&nbsp;15). \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG verweist zudem auf \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 (i.V.m. \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1) GrEStG. Letztere Vorschrift ist anwendbar auf den \u00dcbergang eines Grundst\u00fccks von einer Gesamthand auf eine andere Gesamthand und somit auf einen Erwerbsvorgang im Sinne des \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 GrEStG.<\/li><li>(2) Erwerbsvorgang im Sinne des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG war im vorliegenden Fall somit der Rechtsvorgang vom \u20262018, die Einbringung zweier Grundst\u00fccke in die Antragstellerin in ihrer damaligen Rechtsform als OHG. Danach kann die Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG auf zehn Jahre nach \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG keine Anwendung finden, da der Erwerbsvorgang vor dem 01.07.2021 stattfand.<\/li><li>(3) Bei Geltung der f\u00fcnfj\u00e4hrigen Nachbehaltensfrist war die Steuerbeg\u00fcnstigung des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG nicht wegen des Formwechsels vom \u20262023 r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Die f\u00fcnfj\u00e4hrige Nachbehaltensfrist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG a.F., die mit dem Einbringungsvorgang am \u20262018 zu laufen begann, war zu diesem Zeitpunkt bereits abgelaufen.<\/li><li>bb) Nach der \u00dcbergangsregelung des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;24 GrEStG ist \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG in der am 01.07.2021 geltenden Fassung nicht anzuwenden, wenn die in \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 in der am 30.06.2021 geltenden Fassung (a.F.) geregelte Frist vor dem 01.07.2021 abgelaufen war. Nach dieser Regelung k\u00f6nnte die Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist auf zehn Jahre im vorliegenden Fall in Betracht kommen.<\/li><li>(1) Die Finanzverwaltung schlie\u00dft aus \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;24 GrEStG, dass die zehnj\u00e4hrige Nachbehaltensfrist in \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG auch dann gilt, wenn der Erwerbsvorgang vor dem 01.07.2021 verwirklicht worden ist und bei Inkrafttreten der \u00c4nderungsvorschrift die f\u00fcnfj\u00e4hrige Nachbehaltensfrist des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG a.F. noch nicht abgelaufen war (Gleich lautende Erlasse der obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder zur Anwendung der \u00a7\u00a7&nbsp;5 und 6 des Grunderwerbsteuergesetzes vom 05.03.2024, BStBl I 2024, 410, Rz&nbsp;124).<\/li><li>(2) Dies war vorliegend der Fall, da die f\u00fcnfj\u00e4hrige Frist des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GrEStG a.F. mit dem Rechtsvorgang vom \u20262018 zu laufen begann und am 01.07.2021 noch nicht abgelaufen war. Findet danach die zehnj\u00e4hrige Nachbehaltensfrist Anwendung, war die Frist beim Formwechsel der Kl\u00e4gerin am \u20262023 noch nicht abgelaufen. Dies h\u00e4tte zur Folge, dass die Steuerbefreiung des \u00a7&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 GrEStG r\u00fcckwirkend entfiele.<\/li><li>cc) Die \u00dcbergangsregelung des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;24 GrEStG steht offensichtlich im Widerspruch zur Anwendungsregelung des \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG, die die Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist von f\u00fcnf auf zehn Jahre bei Erwerbsvorg\u00e4ngen, die \u2011\u2011wie vorliegend\u2011\u2011 vor dem 01.07.2021 stattgefunden haben, ausschlie\u00dft. Wie sich \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;24 GrEStG zu \u00a7&nbsp;23 Abs.&nbsp;18 GrEStG verh\u00e4lt, ist dem Gesetz nicht zu entnehmen. Aus diesem Grund bestehen ernstliche Zweifel, ob die Verl\u00e4ngerung der Nachbehaltensfrist auf zehn Jahre auf den am \u20262018 verwirklichten Einbringungsvorgang anwendbar ist und der Grunderwerbsteuerbescheid vom 22.11.2023 rechtm\u00e4\u00dfig ist. Dies hat zur Folge, dass der Vollzug der Grunderwerbsteuerfestsetzung aufzuheben war.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:BA.100425.IIB54.24.0 BFH II. 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