{"id":77645,"date":"2025-05-16T15:27:57","date_gmt":"2025-05-16T13:27:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77645"},"modified":"2025-05-16T15:27:57","modified_gmt":"2025-05-16T13:27:57","slug":"beschluss-vom-22-april-2025-viii-b-26-24-revisionszulassung-wegen-greifbarer-gesetzeswidrigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/beschluss-vom-22-april-2025-viii-b-26-24-revisionszulassung-wegen-greifbarer-gesetzeswidrigkeit\/","title":{"rendered":"Beschluss vom 22. April 2025, VIII B 26\/24: Revisionszulassung wegen greifbarer Gesetzeswidrigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.220425.VIIIB26.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 152, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 19. Februar 2024, Az: 9 K 136\/23<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Die Revision ist wegen greifbarer Gesetzeswidrigkeit (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung) zuzulassen, wenn das Finanzgericht eine offensichtlich entscheidungserhebliche Vorschrift evident au\u00dfer Acht gelassen hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde der Kl\u00e4ger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 19.02.2024&nbsp;&#8211; 9&nbsp;K&nbsp;136\/23 wird die Revision zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist die Festsetzung eines Versp\u00e4tungszuschlags aufgrund der versp\u00e4teten Abgabe der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Jahr 2020 (Streitjahr). Die Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) sind f\u00fcr das Streitjahr zusammenveranlagte Eheleute. Sie \u00fcbermittelten ihre Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr versp\u00e4tet an den Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011).<\/li><li>Das FA setzte mit Bescheid vom 28.11.2022 neben Einkommensteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag einen Versp\u00e4tungszuschlag in H\u00f6he von 320&nbsp;\u20ac fest. Die Kl\u00e4ger legten gegen die Festsetzung des Versp\u00e4tungszuschlags (erfolglos) Einspruch ein. Im angefochtenen klageabweisenden Urteil f\u00fchrt das Finanzgericht (FG) zu \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) aus, es handele sich um eine gebundene Norm. Beide Kl\u00e4ger seien aufgrund der gew\u00e4hlten Zusammenveranlagung verpflichtet gewesen, eine Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr abzugeben. Die Voraussetzungen von \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;3 AO h\u00e4tten nicht vorgelegen. Der Versp\u00e4tungszuschlag sei nach \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;5 AO in der richtigen H\u00f6he festgesetzt worden. Das angefochtene Urteil enth\u00e4lt zu \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;4 AO und dessen Verh\u00e4ltnis zu \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;2 AO keine Ausf\u00fchrungen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist zuzulassen, weil die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) erfordert (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Die angefochtene Entscheidung ist greifbar gesetzeswidrig.<\/li><li>1. Die Revision ist nach \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO unter anderem zuzulassen, wenn ein Rechtsfehler des FG zu einer greifbar gesetzeswidrigen Entscheidung gef\u00fchrt hat, die angefochtene Entscheidung mithin an einem qualifizierten Rechtsfehler leidet, der im allgemeinen Interesse einer Korrektur durch das Revisionsgericht bedarf. Die Entscheidung des FG muss dabei jedoch in einem solchen Ma\u00dfe fehlerhaft sein, dass das Vertrauen in die Rechtsprechung nur durch eine h\u00f6chstrichterliche Korrektur der finanzgerichtlichen Entscheidung wiederhergestellt werden k\u00f6nnte (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 09.02.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;58\/16, BFH\/NV 2017, 763, Rz&nbsp;3; vom 14.05.2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;184\/12, BFH\/NV 2013, 1257).<\/li><li>Greifbare Gesetzeswidrigkeit ist anzunehmen, wenn das FG eine offensichtlich entscheidungserhebliche Vorschrift evident au\u00dfer Acht gelassen hat (vgl. BFH-Beschluss vom 28.07.2003&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;72\/02, BFH\/NV 2003, 1597).<\/li><li>2. So liegt es hier in Bezug auf \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;4 AO. Das finanzgerichtliche Urteil setzt sich mit dieser Norm nicht auseinander, obwohl diese im Streitfall offensichtlich einschl\u00e4gig ist. Nach dem Wortlaut der Norm (&#8222;Sind mehrere Personen zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung verpflichtet, \u2026&#8220;) f\u00e4llt die Abgabe der Einkommensteuererkl\u00e4rung von zusammenveranlagten Eheleuten darunter. Denn auch im Fall der Zusammenveranlagung sind mehrere Personen zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung verpflichtet (vgl. zur Erkl\u00e4rungspflicht beider Ehegatten BFH-Urteil vom 27.05.2009&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;45\/08, BFH\/NV 2009, 1592). Das FG hat zwar die Zusammenveranlagung der Kl\u00e4ger unter dem Aspekt behandelt, dass auch die Kl\u00e4gerin aufgrund der Zusammenveranlagung im Sinne von \u00a7&nbsp;152 AO zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung verpflichtet gewesen sei. Mit \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;4 AO selbst und der hiernach zu treffenden Ermessensentscheidung (Auswahlermessen) befasst sich das FG aber nicht.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.220425.VIIIB26.24.0 BFH VIII. Senat AO \u00a7 152, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2 vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 19. Februar 2024, Az: 9 K 136\/23 Leits\u00e4tze NV: Die Revision ist wegen greifbarer Gesetzeswidrigkeit (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung) zuzulassen, wenn das Finanzgericht eine offensichtlich entscheidungserhebliche Vorschrift evident au\u00dfer Acht gelassen hat. 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