{"id":77682,"date":"2025-05-16T15:48:17","date_gmt":"2025-05-16T13:48:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77682"},"modified":"2025-05-16T15:48:17","modified_gmt":"2025-05-16T13:48:17","slug":"bfh-urteil-vom-25-februar-2025-viii-r-32-21-verzinsung-von-kapitalertragsteuerbetraegen-die-nach-%c2%a7-50d-abs-1-satz-2-i-v-m-%c2%a7-43b-estg-und-art-5-mtr-zu-erstatten-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-25-februar-2025-viii-r-32-21-verzinsung-von-kapitalertragsteuerbetraegen-die-nach-%c2%a7-50d-abs-1-satz-2-i-v-m-%c2%a7-43b-estg-und-art-5-mtr-zu-erstatten-sind\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 25. Februar 2025, VIII R 32\/21: Verzinsung von Kapitalertragsteuerbetr\u00e4gen, die nach \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 i.V.m. \u00a7 43b EStG und Art. 5 MTR zu erstatten sind"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.250225.VIIIR32.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 233, AO \u00a7 233a Abs 1 S 2, AO \u00a7 236, AO \u00a7 238, BGB \u00a7 187 Abs 1, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1, EStG \u00a7 43b, EStG \u00a7 50d Abs 1, EStG \u00a7 50d Abs 2 S 6, EStG \u00a7 50d Abs 2 S 7, EStG \u00a7 50d Abs 3, EWGRL 435\/90 Art 1 Abs 2, EWGRL 435\/90 Art 5, AEUV Art 49, AEUV Art 267 Abs 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG K\u00f6ln, 17. November 2021, Az: 2 K 1544\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Das zweigeteilte Verfahren des Kapitalertragsteuereinbehalts mit dem Erfordernis f\u00fcr den Anteilseigner, sich die Kapitalertragsteuer gem\u00e4\u00df \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 i.V.m. \u00a7 43b des Einkommensteuergesetzes (EStG) antragsgebunden erstatten zu lassen, ist mit dem Unionsrecht grunds\u00e4tzlich vereinbar.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Erstattungsbetr\u00e4ge zur Kapitalertragsteuer gem\u00e4\u00df \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 i.V.m. \u00a7 43b EStG und Art. 5 der Mutter-Tochter-Richtlinie (MTR) sind nach dem Unionsrecht zu verzinsen, wenn dem Anteilseigner vom Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern (BZSt) die Erstattung der Kapitalertragsteuer unter Bezugnahme auf \u00a7 50d Abs. 3 EStG 2007 ohne Anhaltspunkte, die auf eine missbr\u00e4uchliche Gestaltung im Einzelfall hindeuten, vorenthalten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Der Zinslauf beginnt in F\u00e4llen, in denen ohne ein vorheriges Freistellungsbescheinigungsverfahren die Erstattung der Kapitalertragsteuer beantragt wird, drei Monate nach der Einreichung eines formal ordnungsgem\u00e4\u00dfen Erstattungsantrags. Er endet mit dem Tag der Auszahlung des Erstattungsbetrags.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Der Zinslauf beginnt in F\u00e4llen, in denen eine zun\u00e4chst erteilte Freistellungsbescheinigung unter Bezugnahme auf \u00a7 50d Abs. 3 EStG 2007 vom BZSt widerrufen wird, ohne dass Anhaltspunkte f\u00fcr eine missbr\u00e4uchliche Gestaltung vorliegen, mit dem Tag des Einbehalts der Kapitalertragsteuer und endet mit dem Tag der Auszahlung des Erstattungsbetrags.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Die Zinsen sind f\u00fcr den relevanten Zinslauf nach dem Zinssatz gem\u00e4\u00df \u00a7 238 der Abgabenordnung ohne Begrenzung auf volle Zinsmonate und unter Ber\u00fccksichtigung der Regelung in \u00a7 187 Abs. 1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs taggenau zu ermitteln.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision der Kl\u00e4gerin wird das Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern unter teilweiser Aufhebung des Urteils des Finanzgerichts K\u00f6ln vom 17.11.2021 &#8211; 2 K 1544\/20 und unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids vom 22.10.2018 verpflichtet, Zinsen wie folgt festzusetzen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>&nbsp;&nbsp;Einbehalt&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;Antragseingang&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;Bearbeitungsfrist&nbsp;bis&nbsp;<\/td><td>erster&nbsp;Tag&nbsp;des Zinslaufs<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zinsende&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zinstage&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zinsen&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>&#8230;&nbsp;\u20ac<\/td><td>12.05.2009<\/td><td>12.08.2009<\/td><td>13.08.2009<\/td><td>13.08.2018<\/td><td>3.287<\/td><td>&#8230;&nbsp;\u20ac<\/td><\/tr><tr><td>&#8230;&nbsp;\u20ac<\/td><td>03.02.2011<\/td><td>03.05.2011<\/td><td>04.05.2011<\/td><td>13.08.2018<\/td><td>2.658<\/td><td>&#8230;&nbsp;\u20ac<\/td><\/tr><tr><td>&#8230;&nbsp;\u20ac<\/td><td>12.05.2009<\/td><td>12.08.2009<\/td><td>13.08.2009<\/td><td>01.10.2018<\/td><td>3.336<\/td><td>&#8230;&nbsp;\u20ac<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen wird die Klage abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Revision des Bundeszentralamts f\u00fcr Steuern wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens tr\u00e4gt das Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern zu 86 % und die Kl\u00e4gerin zu 14 %.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist, ob und in welcher H\u00f6he Anspr\u00fcche auf Erstattung von Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag zu verzinsen sind.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin, Revisionskl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine in \u00d6sterreich ans\u00e4ssige Kapitalgesellschaft mit Sitz in A. Sie war f\u00fcr die im Streitfall relevanten Aussch\u00fcttungsvorg\u00e4nge zu \u2026&nbsp;% an der B-AG, einer inl\u00e4ndischen Aktiengesellschaft, beteiligt. Gesellschafterin der Kl\u00e4gerin war eine Stiftung mit Sitz in C (im Folgenden: Stiftung). Bei dieser handelte es sich um ein gemeinn\u00fctziges und von der K\u00f6rperschaftsteuer nach \u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes befreites K\u00f6rperschaftsteuersubjekt.<\/li><li>Am 16.\/17.04.2009 hatte die Kl\u00e4gerin beim Beklagten, Revisionskl\u00e4ger und Revisionsbeklagten (Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern \u2011\u2011BZSt\u2011\u2011) einen Antrag auf Teilfreistellung von der deutschen Abzugsteuer (Freistellungsbescheinigung) unter Berufung auf die Steuerfreiheit der Bez\u00fcge von der B-AG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;43b des f\u00fcr den Streitzeitraum jeweils geltenden Einkommensteuergesetzes (EStG) gestellt.<\/li><li>Die Erteilung der Freistellungsbescheinigung wurde vom BZSt am 12.11.2009 mit Hinweis auf die Regelung in \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG (i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2007 vom 13.12.2006, BGBl I 2006, 2878, BStBl I 2007, 28, im Folgenden: \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007) abgelehnt.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin erhob dagegen am 10.12.2009 Einspruch. Sie verwies zum fehlenden Missbrauch ihrer Einschaltung in die Beteiligungskette darauf, dass die Kapitalertragsteuer im Fall eines Direktbezugs der Aussch\u00fcttungen durch die Stiftung wegen einer vollst\u00e4ndigen Abstandnahme vom Steuerabzug gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44a EStG nicht zu erheben w\u00e4re. Die Voraussetzungen von \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 EStG 2007 seien nicht erf\u00fcllt.<\/li><li>Der Kl\u00e4gerin wurde danach die Freistellungsbescheinigung vom BZSt am 04.02.2010 f\u00fcr den Zeitraum vom 17.04.2009 bis zum 31.03.2012 unter dem Vorbehalt des Widerrufs und unter Auflagen erteilt.<\/li><li>Am 02.03.2011 hob das BZSt die Freistellungsbescheinigung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;131 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) wieder auf. Zur Begr\u00fcndung nahm es auf \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 Bezug. Hiergegen erhob die Kl\u00e4gerin Einspruch. Zum weiteren Verlauf dieses Einspruchsverfahrens hat das Finanzgericht (FG) keine Feststellungen getroffen. Das BZSt hat hierzu in der m\u00fcndlichen Verhandlung erl\u00e4utert, der Einspruch sei nicht abschlie\u00dfend beschieden worden.<\/li><li>Bei den einzelnen Aussch\u00fcttungen der B-AG an die Kl\u00e4gerin hat die B-AG in folgender H\u00f6he Kapitalertragsteuer sowie Solidarit\u00e4tszuschlag einbehalten und die Kl\u00e4gerin beim BZSt die folgenden Erstattungsantr\u00e4ge gestellt:Datum des Einbehalts der KapitalertragsteuerBetrag aus Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlagAussch\u00fcttung an die Kl\u00e4gerinErstattungsantragRegisternummer des BZSt21.03.2007\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac12.05.2009&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;12.03.2008\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac12.05.2009&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;17.03.2009\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac03.02.2011&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;16.03.2011\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac10.07.2012&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/li><li>Das BZSt lehnte die Erstattungsantr\u00e4ge jeweils unter Hinweis auf \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 ab. Die anschlie\u00dfend erhobenen Einspr\u00fcche ruhten im Hinblick auf die Musterverfahren C-504\/16 und C-613\/16 sowie C-440\/17 beim Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH).<\/li><li>Nach Ergehen der EuGH-Entscheidungen Deister Holding und Juhler Holding vom 20.12.2017&nbsp;&#8211; C-504\/16 und C-613\/16, EU:C:2017:1009, BFH\/NV 2018, 319; GS vom 14.06.2018&nbsp;&#8211; C-440\/17, EU:C:2018:437, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung \u2011\u2011HFR\u2011\u2011 2019, 615 und des Schreibens des Bundesministeriums der Finanzen \u2011\u2011BMF\u2011\u2011 vom 04.04.2018 (BStBl I 2018, 589) erstattete das BZSt der Kl\u00e4gerin die einbehaltenen und abgef\u00fchrten Kapitalertragsteuerbetr\u00e4ge.ErstattungsantragBetrag aus Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlagRegisternummer des BZStErteilung des FreistellungsbescheidsAuszahlungsdatum12.05.2009\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;28.09.201801.10.201812.05.2009\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;12.07.201813.08.201803.02.2011\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;12.07.201813.08.201810.07.2012\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;12.07.201813.08.2018<\/li><li>Am 14.08.2018 (f\u00fcr die Auszahlungen vom 13.08.2018) und 05.10.2018 (f\u00fcr die Auszahlung vom 01.10.2018) beantragte die Kl\u00e4gerin die Festsetzung von Zinsen f\u00fcr den Zeitraum vom jeweiligen Tag des Steuereinbehalts bis zur Auszahlung des jeweiligen Erstattungsbetrags.<\/li><li>Das BZSt lehnte die Antr\u00e4ge mit Bescheid vom 22.10.2018 ab.<\/li><li>W\u00e4hrend des anschlie\u00dfenden Einspruchsverfahrens vertrat das BZSt die Auffassung, dass Zinsen f\u00fcr die erstatteten Kapitalertragsteuerbetr\u00e4ge weder nach den nationalen Regelungen der \u00a7\u00a7&nbsp;233&nbsp;ff. AO noch auf der Grundlage eines unionsrechtlichen Verzinsungsanspruchs festzusetzen seien. Nach einer Stellungnahme der Kl\u00e4gerin vom 27.01.2020 teilte das BZSt der Kl\u00e4gerin mit Schreiben vom 03.03.2020 mit, dass die Frage der Verzinsung von Steuerabzugsbetr\u00e4gen im Kontext der Rechtsprechung des EuGH zu \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 Gegenstand von Er\u00f6rterungen der Finanzverwaltung auf der Bund-L\u00e4nder-Ebene sei. Nach Bekanntwerden eines Ergebnisses werde man unaufgefordert Stellung nehmen. Mit Schreiben vom 05.05.2020 erkundigte sich die Kl\u00e4gerin zum Sachstand. Das BZSt verwies in seiner Antwort vom 17.06.2020 nochmals auf den fortbestehenden Abstimmungsbedarf auf der Bund-L\u00e4nder-Ebene.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin erhob daraufhin beim FG am 06.07.2020 eine Unt\u00e4tigkeitsklage, mit der sie unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids die Verpflichtung des BZSt zur Festsetzung von Erstattungszinsen in H\u00f6he von insgesamt 652.934,50&nbsp;\u20ac begehrte.<\/li><li>Eine Einspruchsentscheidung des BZSt zu den Verzinsungsantr\u00e4gen erging anschlie\u00dfend bis zum Tag der m\u00fcndlichen Verhandlung und Entscheidung des FG \u00fcber die Verzinsungsantr\u00e4ge am 17.11.2021 nicht.<\/li><li>Das FG hat der Klage teilweise stattgegeben und das BZSt verpflichtet, Zinsen in H\u00f6he von 505.199&nbsp;\u20ac festzusetzen. Im \u00dcbrigen hat es die Klage abgewiesen. Die Entscheidung des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2022, 349 wiedergegeben.<\/li><li>Mit ihrer Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die Verletzung materiellen Bundesrechts, soweit das FG der Klage nicht stattgegeben hat. S\u00e4mtliche Erstattungsbetr\u00e4ge seien ab dem Tag des Einbehalts zu verzinsen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt<em>,<\/em>unter teilweiser Aufhebung des Urteils des FG K\u00f6ln vom 17.11.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;1544\/20 und unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids vom 22.10.2018 das BZSt zu verpflichten, die Erstattungsbetr\u00e4ge wie folgt zu verzinsen:Festsetzung ErstattungSteuereinbehaltKlageantrag beim FGEntscheidung des FGBeantragte h\u00f6here Verzinsung laut Revision12.07.2018\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac268.370,00&nbsp;\u20ac85.650,00&nbsp;\u20ac12.07.2018\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;91.757,50&nbsp;\u20ac29.146,50&nbsp;\u20ac28.09.2018\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac&nbsp;75.288,00&nbsp;\u20ac32.938,50&nbsp;\u20ac<\/li><li>Zur Revision des BZSt beantragt die Kl\u00e4gerin,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das BZSt beantragt<em>,<\/em><br \/>die Revision der Kl\u00e4gerin als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen und<br \/>das Urteil des FG K\u00f6ln vom 17.11.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;1544\/20 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Das BZSt r\u00fcgt ebenfalls die Verletzung materiellen Bundesrechts. Weder nach dem nationalen Recht noch nach dem Unionsrecht stehe der Kl\u00e4gerin eine Verzinsung der Erstattungsbetr\u00e4ge zu. Nach dem nationalen Recht h\u00e4tte die Kl\u00e4gerin nur Prozesszinsen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;236 AO auf der Grundlage einer gerichtlichen Durchsetzung ihres Anspruchs beanspruchen k\u00f6nnen. Es w\u00e4re ihr auch m\u00f6glich und zumutbar gewesen, die Erstattungen im Wege einer Unt\u00e4tigkeitsklage durchzusetzen. Die Abhilfe im Einspruchsverfahren, nachdem dieses wegen anh\u00e4ngiger Musterverfahren beim EuGH geruht habe, gen\u00fcge nicht.<\/li><li>Seien dennoch nach dem unionsrechtlichen Verzinsungsanspruch Zinsen festzusetzen, sei dem BZSt nach den Grunds\u00e4tzen des Urteils des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 22.10.2019&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;24\/18 (BFHE 267, 90) ein angemessener Bearbeitungszeitraum einzur\u00e4umen, in dem die Verzinsung noch nicht beginne. Im Rahmen der vorzunehmenden Einzelfallpr\u00fcfung sei bei Erstattungsantr\u00e4gen neben der Pr\u00fcfung formaler Angaben wie des Steuereinbehalts und der Steuerabf\u00fchrung einschlie\u00dflich der zugeh\u00f6rigen Bescheinigungen und Belege auch ein Missbrauch der Einschaltung der Kl\u00e4gerin in die Beteiligungskette zu pr\u00fcfen. Es spreche der typische zeitliche Ablauf des Erstattungsverfahrens daf\u00fcr, dem BZSt einen zinsfreien Bearbeitungszeitraum von 12&nbsp;Monaten einzur\u00e4umen, der nach Ablauf desjenigen Monats beginne, in dem der Erstattungsantrag und alle f\u00fcr die Entscheidung erforderlichen Nachweise vorl\u00e4gen. Dies entspreche auch der Verzinsungsregel der Richtlinie 2003\/49\/EG des Rates vom 3.&nbsp;Juni 2003 \u00fcber eine gemeinsame Steuerregelung f\u00fcr Zahlungen von Zinsen und Lizenzgeb\u00fchren zwischen verbundenen Unternehmen verschiedener Mitgliedstaaten (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union \u2011\u2011ABlEU\u2011\u2011 2003, Nr.&nbsp;L&nbsp;157, 49) \u2011\u2011Zins- und Lizenzrichtlinie\u2011\u2011 und des nationalen Umsetzungsgesetzes (\u00a7&nbsp;50c Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG i.V.m. Art.&nbsp;1 Abs.&nbsp;16 Zins- und Lizenzrichtlinie). Gegen die Annahme einer angemessenen Bearbeitungsdauer von drei Monaten nach Ma\u00dfgabe der gesetzlichen Entscheidungsfrist im Freistellungsbescheinigungsverfahren f\u00fchrte das BZSt an, dass sich das dortige Pr\u00fcfprogramm von dem des Erstattungsverfahrens und die Anzahl der zu bearbeitenden Verfahren unterschieden. Es sei im Freistellungsbescheinigungsverfahren nicht zu pr\u00fcfen, ob die Kapitalertragsteuer einbehalten und abgef\u00fchrt worden sei. Der zinsfreie Bearbeitungszeitraum von 12&nbsp;Monaten sei gleicherma\u00dfen f\u00fcr einen Erstattungsantrag anzuwenden, der nach dem Entzug einer zuvor erteilten Freistellungsbescheinigung gestellt werde.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision der Kl\u00e4gerin ist begr\u00fcndet.<\/li><li>Das FG hat die Unt\u00e4tigkeitsklage zu Recht als zul\u00e4ssig angesehen (s. II.1.). Die in der Revision der Kl\u00e4gerin noch streitigen Zinsbetr\u00e4ge sind auf der Grundlage des unionsrechtlichen Verzinsungsanspruchs teilweise festzusetzen (s. II.2. und II.3.). Der Verzinsungszeitraum f\u00fcr diese Zinsanspr\u00fcche, die reine Erstattungsf\u00e4lle betreffen, beginnt drei Monate nach Einreichung des jeweiligen formal ordnungsgem\u00e4\u00dfen Erstattungsantrags beim BZSt und endet mit der Auszahlung des Erstattungsbetrags (s. II.4.). Das FG-Urteil ist aufzuheben, soweit es die in der Revision der Kl\u00e4gerin streitigen Zinsanspr\u00fcche betrifft. Die Sache ist insoweit auch spruchreif. F\u00fcr den jeweiligen Verzinsungszeitraum sind die Zinsen taggenau unter Anwendung eines monatlichen Zinssatzes von 0,5&nbsp;% zu berechnen (s. II.5.). Der Klage ist nach Ma\u00dfgabe der Gr\u00fcnde in weiterem Umfang als bisher stattzugeben; im \u00dcbrigen wird sie abgewiesen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011).<\/li><li>1. Das FG hat die von der Kl\u00e4gerin erhobene Unt\u00e4tigkeitsverpflichtungsklage gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 FGO zu Recht als zul\u00e4ssig angesehen.<\/li><li>a) Zu den vom BFH als Revisionsgericht von Amts wegen zu \u00fcberpr\u00fcfenden Sachentscheidungsvoraussetzungen geh\u00f6rt auch die Frage, ob \u00fcber eine Verpflichtungsklage entschieden werden darf. Dies ist der Fall, wenn nach \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 FGO das Vorverfahren \u00fcber den au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf ganz oder zum Teil erfolglos geblieben ist, anderenfalls, wenn mangels eines abgeschlossenen Vorverfahrens wie im Streitfall die Voraussetzungen der \u00a7\u00a7&nbsp;45, 46 FGO eingreifen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 23.02.2021&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;22\/19, BFHE 273, 190, BStBl II 2021, 636, Rz&nbsp;33). Ist \u00fcber einen au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf ohne Mitteilung eines zureichenden Grundes in angemessener Frist sachlich nicht entschieden worden, so ist die Klage abweichend von \u00a7&nbsp;44 FGO ohne vorherigen Abschluss des Vorverfahrens zul\u00e4ssig. Die Klage kann nicht vor Ablauf von sechs Monaten seit Einlegung des au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelfs erhoben werden, es sei denn, dass wegen besonderer Umst\u00e4nde des Falles eine k\u00fcrzere Frist geboten ist (\u00a7&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und 2 FGO).<\/li><li>b) Das FG hat die Klage nach diesen Vorgaben zutreffend als zul\u00e4ssig angesehen. Bei der Klage handelt es sich um eine sogenannte &#8222;einfache&#8220; Unt\u00e4tigkeitsverpflichtungsklage (zur Abgrenzung von der \u2011\u2011unzul\u00e4ssigen\u2011\u2011 &#8222;doppelten&#8220; Unt\u00e4tigkeitsverpflichtungsklage BFH-Urteile vom 19.05.2004&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;18\/02, BFHE 206, 201, BStBl II 2004, 980, unter II.3. [Rz&nbsp;39]; vom 03.08.2005&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;74\/02, BFH\/NV 2006, 19, unter II.2.b [Rz&nbsp;17]). Im Zeitpunkt der Entscheidung des FG am 17.11.2021 konnte sich das BZSt nicht mehr auf einen sachlichen Grund f\u00fcr die Nichtentscheidung \u00fcber die Einspr\u00fcche st\u00fctzen. Die Klage ist jedenfalls in die Zul\u00e4ssigkeit hineingewachsen (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 19.04.2007&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;48\/04, BFHE 217, 194, BStBl II 2009, 315, unter II.B.1.c [Rz&nbsp;36]; vom 11.02.2021&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;37\/18, BFH\/NV 2021, 1085, Rz&nbsp;55). Dies ist zwischen den Beteiligten auch nicht streitig. Der Senat sieht von weiteren Ausf\u00fchrungen ab.<\/li><li>2. Das FG ist zu Recht davon ausgegangen, dass der Kl\u00e4gerin eine Verzinsung der Erstattungsbetr\u00e4ge auf Grundlage der nationalen Verzinsungsregelungen in \u00a7&nbsp;233&nbsp;ff. AO nicht zusteht.<\/li><li>a) Anspr\u00fcche aus dem Steuerschuldverh\u00e4ltnis (\u00a7&nbsp;37 AO) werden nur verzinst, soweit dies durch Bundesrecht oder Recht der Europ\u00e4ischen Union vorgeschrieben ist (\u00a7&nbsp;233 Satz&nbsp;1 AO). Nicht zu verzinsen ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;233a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO die Nachzahlung und Erstattung (eines Unterschiedsbetrags im Sinne des \u00a7&nbsp;233a Abs.&nbsp;3 AO) von Steuerabzugsbetr\u00e4gen wie der Kapitalertragsteuer und des Solidarit\u00e4tszuschlags (vgl. BFH-Urteil vom 18.09.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;15\/05, BFHE 219, 1, BStBl II 2008, 332, unter III.1.; nachgehend Beschluss des Bundesverfassungsgerichts \u2011\u2011BVerfG\u2011\u2011 vom 03.09.2009&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1098\/08, HFR 2010, 66; BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;71, m.w.N.). Kapitalertragsteuerbetr\u00e4ge sind allenfalls gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 AO durch die Festsetzung von Prozesszinsen zu verzinsen, wenn die gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;168 AO vom Steuerentrichtungspflichtigen angemeldeten Steuerbetr\u00e4ge aufgrund einer rechtskr\u00e4ftigen gerichtlichen Entscheidung oder eines gleichgestellten Vorgangs herabgesetzt und erstattet werden (s. z.B. Klein\/Werth, AO, 18.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;236 Rz&nbsp;11; Heuermann in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7&nbsp;236 AO Rz&nbsp;12, 13; wohl auch Loose in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;236 AO Rz&nbsp;3 mit Verweis auf \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 AO, dazu Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse \u00a7&nbsp;3 AO Rz&nbsp;16a). Diese Voraussetzungen sind im Streitfall nicht erf\u00fcllt. Weder wurden die Kapitalertragsteueranmeldungen gerichtlich angefochten und herabgesetzt noch ergingen die Freistellungsbescheide im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens. Die Herabsetzung und Erstattung einer Steuer auf der Grundlage eines (zwischenzeitlich ruhenden) Einspruchsverfahrens gen\u00fcgt den gesetzlichen Anforderungen des \u00a7&nbsp;236 AO nicht (BFH-Urteil vom 02.03.1988&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;72\/84, BFH\/NV 1988, 619, unter 4. [Rz&nbsp;15]; BFH-Beschl\u00fcsse vom 03.04.2007&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;169\/06, BFH\/NV 2007, 1267; vom 23.10.2019&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;40\/19, BFH\/NV 2020, 81, Rz&nbsp;26).<\/li><li>b) Eine Anwendung der nationalen Verzinsungsregelungen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;233 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;233a&nbsp;ff. AO kommt ebenfalls nicht in Betracht. Die Verzinsung der Erstattungsanspr\u00fcche der Kl\u00e4gerin ist weder gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;43b EStG noch in der f\u00fcr die jeweiligen Aussch\u00fcttungen und Erstattungsantr\u00e4ge in den Jahren 2007 bis 2009 geltenden Fassungen der Richtlinie 90\/435\/EWG des Rates vom 23.07.1990 \u00fcber das gemeinsame Steuersystem der Mutter- und Tochtergesellschaften verschiedener Mitgliedstaaten (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften 1990 Nr.&nbsp;L&nbsp;225, 6, Nr.&nbsp;L&nbsp;266, 20, 1997 Nr.&nbsp;L&nbsp;16, 98), zuletzt ge\u00e4ndert durch die Richtlinie 2011\/96\/EU des Rates vom 30.11.2011 (ABlEU 2011, Nr.&nbsp;L&nbsp;345, 8), \u2011\u2011Mutter-Tochter-Richtlinie\u2011\u2011 (im Folgenden: MTR) im Sinne des \u00a7&nbsp;233 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 AO angeordnet worden.<\/li><li>3. Das FG hat zutreffend erkannt, dass die streitigen Erstattungsbetr\u00e4ge zur Kapitalertragsteuer und zum Solidarit\u00e4tszuschlag nach dem aus dem Unionsrecht abzuleitenden Verzinsungsanspruch zu verzinsen sind.<\/li><li>a) Nach der Rechtsprechung des EuGH hat der Einzelne, wenn ein Mitgliedstaat unter Versto\u00df gegen die Vorschriften des Unionsrechts eine Steuer erhoben hat, einen Anspruch auf Erstattung nicht nur der zu Unrecht erhobenen Steuer, sondern auch der Betr\u00e4ge, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Steuer an diesen Staat gezahlt oder von diesem einbehalten worden sind. Darunter fallen auch die Einbu\u00dfen aufgrund der mangelnden Verf\u00fcgbarkeit von Geldbetr\u00e4gen infolge der vorzeitigen F\u00e4lligkeit der Steuer. Daraus folgt der Grundsatz, dass die Mitgliedstaaten aus dem Unionsrecht verpflichtet sind, die unter Versto\u00df gegen das Unionsrecht erhobenen Steuerbetr\u00e4ge zuz\u00fcglich Zinsen zu erstatten. In Ermangelung einer unionsrechtlichen Regelung kommt es der innerstaatlichen Rechtsordnung der Mitgliedstaaten zu, die Bedingungen f\u00fcr die Zahlung solcher Zinsen \u2011\u2011insbesondere den Zinssatz und die Berechnungsmethode f\u00fcr die Zinsen\u2011\u2011 festzulegen. Diese Bedingungen m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der \u00c4quivalenz und der Effektivit\u00e4t entsprechen, das hei\u00dft, sie d\u00fcrfen nicht ung\u00fcnstiger sein als bei \u00e4hnlichen Klagen, die auf Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts gest\u00fctzt sind, und sie d\u00fcrfen nicht so ausgestaltet sein, dass sie die Aus\u00fcbung der Rechte, die die Unionsrechtsordnung einr\u00e4umt, praktisch unm\u00f6glich machen (z.B. EuGH-Urteile Littlewoods Retail u.a. vom 19.07.2012&nbsp;&#8211; C-591\/10, EU:C:2012:478, HFR 2012, 1018, Rz&nbsp;25, m.w.N.; Irimie vom 18.04.2013&nbsp;&#8211; C-565\/11, EU:C:2013:250, HFR 2013, 659, Rz&nbsp;21; Gr\u00e4fendorfer Gefl\u00fcgel und Tiefk\u00fchlfeinkost u.a. vom 28.04.2022&nbsp;&#8211; C-415\/20, C-419\/20 und C-427\/20, EU:C:2022:306, BFH\/NV 2022, 796, Rz&nbsp;64; Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;32&nbsp;ff.; vgl. auch BFH-Urteile vom 22.09.2015&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;32\/14, BFHE 251, 291, BStBl II 2016, 323; vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;29\/21 (VII&nbsp;R&nbsp;17\/18), BFHE 279, 1, BStBl II 2023, 803, m.w.N.; vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;67; BFH-Beschluss vom 07.08.2024&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;168\/22, BFH\/NV 2025, 164).<\/li><li>Ein unionsrechtlicher Versto\u00df im Rahmen der Steuererhebung, der einen Erstattungs- und einen Zinsanspruch begr\u00fcnden kann, kann sich auf jede Regel des Unionsrechts beziehen und sowohl von den Unionsgerichten als auch von einem nationalen Gericht festgestellt werden. Zur konkreten Umsetzung der Verzinsung hat der EuGH au\u00dferdem darauf hingewiesen, dass die Zinszahlungsmodalit\u00e4ten nicht dazu f\u00fchren d\u00fcrfen, dass dem Betreffenden eine angemessene Entsch\u00e4digung f\u00fcr die erlittenen Einbu\u00dfen vorenthalten wird. Dies setzt unter anderem voraus, dass die ihm gezahlten Zinsen den Gesamtzeitraum abdecken, der je nach Lage des Falles zwischen dem Tag, an dem der Betreffende den fraglichen Geldbetrag entrichtet hat oder h\u00e4tte erhalten sollen, und dem Tag liegt, an dem dieser ihm erstattet oder an ihn entrichtet wurde (zum Vorstehenden s.a. EuGH-Urteile Gr\u00e4fendorfer Gefl\u00fcgel und Tiefk\u00fchlfeinkost u.a. vom 28.04.2022&nbsp;&#8211; C-415\/20, C-419\/20 und C-427\/20, EU:C:2022:306, BFH\/NV 2022, 796; Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460; BFH-Urteile vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;29\/21 (VII&nbsp;R&nbsp;17\/18), BFHE 279, 1, BStBl II 2023, 803; vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;68; BFH-Beschluss vom 07.08.2024&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;168\/22, BFH\/NV 2025, 164).<\/li><li>b) Soweit der I.&nbsp;Senat des BFH im Hinblick auf die Regelung in \u00a7&nbsp;233 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO f\u00fcr das fr\u00fchere Abzugs- und Erstattungsverfahren in \u00a7&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 i.V.m. \u00a7&nbsp;50a EStG a.F. noch entschieden hatte, dass erstattete Steuerabzugsbetr\u00e4ge auch unter Beachtung des Unionsrechts nicht zu verzinsen seien (BFH-Urteil vom 18.09.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;15\/05, BFHE 219, 1, BStBl II 2008, 332, unter III.; nachgehend BVerfG-Beschluss vom 03.09.2009&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1098\/08, HFR 2010, 66), hat er hieran aufgrund der Fortentwicklung der EuGH-Rechtsprechung zum unionsrechtlichen Verzinsungsanspruch nicht festgehalten, um einen Versto\u00df der nationalen Regelungslage gegen den unionsrechtlichen Effektivit\u00e4tsgrundsatz zu vermeiden (BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;71, 72). Dem schlie\u00dft sich der erkennende Senat an.<\/li><li>c) Die Voraussetzungen des unionsrechtlichen Verzinsungsanspruchs hat das FG zu Recht im Ergebnis als erf\u00fcllt angesehen.<\/li><li>aa) Anders als das BZSt meint, k\u00f6nnen die Voraussetzungen f\u00fcr den unionsrechtlichen Verzinsungsanspruch nicht nur erf\u00fcllt sein, wenn der Unionsrechtsversto\u00df im Wege einer Klage verfolgt und die Erstattung der unionsrechtswidrig erhobenen Steuern gerichtlich durchgesetzt wird. Auch die Abwehr des Unionsrechtsversto\u00dfes im Rahmen eines (zwischenzeitlich ruhenden) Einspruchsverfahrens gen\u00fcgt.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin musste sich nicht auf die Rechtsverfolgung der Erstattungsbegehren durch die Festsetzung von Freistellungsbescheiden im Wege einer Unt\u00e4tigkeitsverpflichtungsklage verweisen lassen, um die Voraussetzungen des unionsrechtlichen Verzinsungsanspruchs zu erf\u00fcllen. Dies ergibt sich f\u00fcr den Senat aus der gefestigten EuGH-Rechtsprechung (Urteile Gr\u00e4fendorfer Gefl\u00fcgel und Tiefk\u00fchlfeinkost u.a. vom 28.04.2022&nbsp;&#8211; C-415\/20, C-419\/20 und C-427\/20, EU:C:2022:306, BFH\/NV 2022, 796, Rz&nbsp;78 bis 81, 84; Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;36).<\/li><li>Auch der Umstand, dass das Einspruchsverfahren zu den reinen Erstattungsantr\u00e4gen der Kl\u00e4gerin im Hinblick auf Musterverfahren gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;363 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO (hier: die Vorlage des FG vom 08.07.2016&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;2995\/12, EFG 2016, 1801 an den EuGH zu \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007) zwischenzeitlich zum Ruhen gebracht worden war und das Einspruchsverfahren mit einer Abhilfeentscheidung zugunsten der Kl\u00e4gerin endete, ist unerheblich. Entscheidend und ausreichend f\u00fcr eine Verzinsung der Erstattungsbetr\u00e4ge ist, dass deren Vorenthaltung auf einer unionsrechtswidrigen Auslegung oder Anwendung der ma\u00dfgeblichen nationalen Regelungen (dazu unten dd) beruhte. Der unionsrechtliche Effektivit\u00e4tsgrundsatz st\u00fcnde einer Begrenzung des Zinsanspruchs nur auf rechtsh\u00e4ngig gewordene Erstattungsanspr\u00fcche im Sinne des \u00a7&nbsp;236 AO entgegen (BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;73; BFH-Beschluss vom 07.08.2024&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;168\/22, BFH\/NV 2025, 164, Rz&nbsp;9, 13 sowie bereits unter II.3.b).<\/li><li>Dass der unionsrechtliche Verzinsungsanspruch f\u00fcr im Rahmen eines Einspruchsverfahrens erstattete Kapitalertragsteuerbetr\u00e4ge insoweit einen weitergehenden Zinsanspruch als das nationale Recht gew\u00e4hrt (s. II.2.a), ist ebenfalls unerheblich.<\/li><li>bb) Wenn eine Steuer von einer nationalen Beh\u00f6rde &#8222;unter Versto\u00df gegen das Unionsrecht&#8220; rechtsgrundlos erhoben wird, begr\u00fcndet und rechtfertigt dies die Verzinsung der zu erstattenden Steuerbetr\u00e4ge (vgl. EuGH-Urteile Gr\u00e4fendorfer Gefl\u00fcgel und Tiefk\u00fchlfeinkost u.a. vom 28.04.2022&nbsp;&#8211; C-415\/20, C-419\/20 und C-427\/20, EU:C:2022:306, BFH\/NV 2022, 796, Rz&nbsp;60; Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;33). Ein Versto\u00df gegen das Unionsrecht im Rahmen der Steuererhebung kann jede Vorschrift des Unionsrechts zum Gegenstand haben, sei es eine Bestimmung des Prim\u00e4r- oder Sekund\u00e4rrechts oder einen allgemeinen Rechtsgrundsatz des Unionsrechts (EuGH-Urteile Gr\u00e4fendorfer Gefl\u00fcgel und Tiefk\u00fchlfeinkost u.a. vom 28.04.2022&nbsp;&#8211; C-415\/20, C-419\/20 und C-427\/20, EU:C:2022:306, BFH\/NV 2022, 796, Rz&nbsp;61; Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;34; ebenso BFH-Urteile vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;70, m.w.N.; vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;29\/21 (VII&nbsp;R&nbsp;17\/18), BFHE 279, 1, BStBl II 2023, 803, Rz&nbsp;12; BFH-Beschluss vom 07.08.2024&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;168\/22, BFH\/NV 2025, 164, Rz&nbsp;9, 13). Zur Art des Versto\u00dfes hat der EuGH ferner entschieden, dass die unionsrechtlichen Anspr\u00fcche auf Erstattung und auf Zahlung von Zinsen Ausdruck eines allgemeinen Grundsatzes sind, dessen Anwendung nicht auf bestimmte Unionsrechtsverst\u00f6\u00dfe beschr\u00e4nkt und nicht bei bestimmten Unionsrechtsverst\u00f6\u00dfen ausgeschlossen ist (EuGH-Urteile Gr\u00e4fendorfer Gefl\u00fcgel und Tiefk\u00fchlfeinkost u.a. vom 28.04.2022&nbsp;&#8211; C-415\/20, C-419\/20 und C-427\/20, EU:C:2022:306, BFH\/NV 2022, 796, Rz&nbsp;62; Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;35).<\/li><li>cc) Zwar kommt die Verzinsung erhobener Steuerbetr\u00e4ge nach diesen Grunds\u00e4tzen auch in Betracht, wenn sich aus einer Entscheidung des EuGH oder einer Entscheidung eines nationalen Gerichts ergibt, dass eine Quellensteuer von einer nationalen Beh\u00f6rde auf der Grundlage einer fehlerhaften Auslegung oder einer fehlerhaften Anwendung des Unionsrechts erhoben wird (EuGH-Urteil Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;37). Im Rahmen des zweigeteilten Verfahrens bestehend aus dem Kapitalertragsteuereinbehalt und einer anschlie\u00dfenden antragsgebundenen Erstattung der Steuerabzugsbetr\u00e4ge auf Grundlage der Regelungen in \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;43b EStG und Art.&nbsp;5 MTR liegt jedoch grunds\u00e4tzlich noch keine solche fehlerhafte Auslegung oder Anwendung des Unionsrechts, die einen Verzinsungsanspruch begr\u00fcnden kann.<\/li><li>Die Vornahme des Kapitalertragsteuerabzugs im Zeitpunkt der Aussch\u00fcttung ist \u2011\u2011ungeachtet der objektiv gegebenen Steuerfreiheit nach Art.&nbsp;5 MTR und \u00a7&nbsp;43b EStG\u2011\u2011 nach den Vorgaben des Unionsrechts grunds\u00e4tzlich nicht zu beanstanden. Die Kapitalertragsteueranmeldungen des inl\u00e4ndischen Entrichtungsschuldners (hier: der B-AG) bilden \u2011\u2011unionsrechtskonform\u2011\u2011 den Rechtsgrund f\u00fcr das Vereinnahmen und das &#8222;Behaltend\u00fcrfen&#8220; der Kapitalertragsteuer durch den deutschen Fiskus. Keinen Unionsrechtsversto\u00df begr\u00fcndet es ferner, dass der Anteilseigner als Empf\u00e4nger der Bez\u00fcge die Erstattung der einbehaltenen Steuer beantragen muss. Auch die ihm bis zur Erteilung des notwendigen Freistellungsbescheids entstehenden Liquidit\u00e4tsnachteile k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich nicht kausal auf einen Unionsrechtsversto\u00df zur\u00fcckgef\u00fchrt werden (vgl. zum Ganzen BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;84, 85 mit Verweis auf EuGH-Urteil FKP Scorpio Konzertproduktionen vom 03.10.2006&nbsp;&#8211; C-290\/04, EU:C:2006:630, BStBl II 2007, 352; BFH-Urteile vom 24.04.2007&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;39\/04, BFHE 218, 89, BStBl II 2008, 95; vom 11.01.2012&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;25\/10, BFHE 236, 318; vom 25.10.2023&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;35\/21, BFHE 283, 1, BStBl II 2024, 343 und vom 25.04.2018&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;59\/15, BFHE 261, 406, BStBl II 2018, 624). Dem schlie\u00dft sich der erkennende Senat an.<\/li><li>dd) Es ist aber von einer unionsrechtswidrigen Erhebung der Kapitalertragsteuer auszugehen, wenn im Erstattungsverfahren ein mit dem Unionsrecht nicht mehr vereinbarer Vollzug der Entlastungsregelungen in \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;43b EStG und Art.&nbsp;5 MTR stattfindet.<\/li><li>aaa) Ein unionsrechtswidriger Vollzug der Entlastungsregelungen im Erstattungsverfahren kann \u2011\u2011wie bei der Erhebung der Steuerbetr\u00e4ge\u2011\u2011 auf einer fehlerhaften Auslegung oder Anwendung des Unionsrechts beruhen, wobei der Versto\u00df jede Vorschrift des Unionsrechts, sei es eine Bestimmung des Prim\u00e4r- oder Sekund\u00e4rrechts oder einen allgemeinen Rechtsgrundsatz des Unionsrechts, zum Gegenstand haben kann (s. unter II.3.c&nbsp;bb; vgl. EuGH-Urteil Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;37).<\/li><li>bbb) Der unionsrechtswidrige Vollzug der Entlastungsregelungen liegt f\u00fcr die hier betrachteten Erstattungsantr\u00e4ge darin, dass das BZSt der Kl\u00e4gerin die Erstattung unter Berufung auf die Regelung in \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 vorenthalten hat. Dies f\u00fchrte wie vom FG zutreffend erkannt zu einer fehlerhaften Auslegung und Anwendung des Unionsrechts durch das BZSt (s. anders unter III.1. und III.2. f\u00fcr den dort streitigen unionsrechtswidrigen Widerruf der zuvor erteilten Freistellungsbescheinigung).<\/li><li>(1) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EStG 2007 hat eine ausl\u00e4ndische Gesellschaft keinen Anspruch auf v\u00f6llige oder teilweise Entlastung (von der Kapitalertragsteuer), soweit Personen an ihr beteiligt sind, denen die Erstattung oder Freistellung nicht zust\u00e4nde, wenn sie die Eink\u00fcnfte unmittelbar erzielten, und (Nr.&nbsp;1) f\u00fcr die Einschaltung der ausl\u00e4ndischen Gesellschaft wirtschaftliche oder sonst beachtliche Gr\u00fcnde fehlen oder (Nr.&nbsp;2) die ausl\u00e4ndische Gesellschaft nicht mehr als 10&nbsp;Prozent ihrer gesamten Bruttoertr\u00e4ge des betreffenden Wirtschaftsjahres aus eigener Wirtschaftst\u00e4tigkeit erzielt oder (Nr.&nbsp;3) die ausl\u00e4ndische Gesellschaft nicht mit einem f\u00fcr ihren Gesch\u00e4ftszweck angemessen eingerichteten Gesch\u00e4ftsbetrieb am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt.<\/li><li>(2) \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 hat der EuGH mit Urteil Deister Holding und Juhler Holding vom 20.12.2017&nbsp;&#8211; C-504\/16 und C-613\/16, EU:C:2017:1009, BFH\/NV 2018, 319 als nicht mit Art.&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 MTR und der Niederlassungsfreiheit (Art.&nbsp;49 des Vertrags \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union \u2011\u2011AEUV\u2011\u2011) vereinbar angesehen. Er hat entschieden, dass eine nationale Regelung nur dann die Verhinderung von Steuerhinterziehungen und Missbr\u00e4uchen bezwecke, wenn ihr spezifisches Ziel in der Verhinderung von Verhaltensweisen liege, die darin best\u00fcnden, rein k\u00fcnstliche, jeder wirtschaftlichen Realit\u00e4t bare Konstruktionen zu dem Zweck zu errichten, ungerechtfertigt einen Steuervorteil zu nutzen. Insofern hat der EuGH insbesondere moniert, dass \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 als Steuervorschrift wirke, die eine allgemeine Missbrauchs- oder Hinterziehungsvermutung zu Lasten der beschr\u00e4nkt steuerpflichtigen Dividendenbezieher begr\u00fcnde und diese vom Steuervorteil nach Art.&nbsp;5 MTR ausgenommen w\u00fcrden, ohne dass dem BZSt ein Anfangsbeweis f\u00fcr das Fehlen wirtschaftlicher Gr\u00fcnde des Beteiligungsbezugs und eine Darlegung von Indizien f\u00fcr eine Steuerhinterziehung oder eine missbr\u00e4uchliche Gestaltung abverlangt werde (EuGH-Urteil Deister Holding und Juhler Holding vom 20.12.2017&nbsp;&#8211; C-504\/16 und C-613\/16, EU:C:2017:1009, BFH\/NV 2018, 319, Rz&nbsp;60, 61, 62).<\/li><li>(3) Auf dieser Grundlage hat das BZSt der Kl\u00e4gerin in den hier betrachteten reinen Erstattungsf\u00e4llen (anders zu dem unter III.1. und III.2. behandelten Erstattungsantrag) die Erstattungen jeweils in unionsrechtswidriger Weise vorenthalten. Es hat sich zur Ablehnung der Erstattung jeweils auf \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 und die der Regelung innewohnende allgemeine Missbrauchsregelung gest\u00fctzt, ohne selbst Umst\u00e4nde des Streitfalls zu benennen, aus denen im Sinne eines Anfangsbeweises auf fehlende wirtschaftliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die Einschaltung der Kl\u00e4gerin in die Beteiligungsstruktur oder auf eine Steuerhinterziehung geschlossen werden k\u00f6nnte. In der Anwendung des \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 als allgemeiner Missbrauchsregelung und der verfahrensrechtlichen Umkehrung der Darlegungs- und Feststellungslast f\u00fcr eine missbr\u00e4uchliche Gestaltung (s. Nr.&nbsp;14 des BMF-Schreibens vom 03.04.2007, BStBl I 2007, 446) liegt eine fehlerhafte Auslegung und Anwendung der Vorgaben aus Art.&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 MTR und der Niederlassungsfreiheit (Art.&nbsp;49 AEUV) durch das BZSt (s.a. BMF-Schreiben vom 04.04.2018, BStBl I 2018, 589 zur generellen Nichtanwendung von \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 in Erstattungsf\u00e4llen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;43b EStG nach Ergehen des EuGH-Urteils Deister Holding und Juhler Holding vom 20.12.2017&nbsp;&#8211; C-504\/16 und C-613\/16, EU:C:2017:1009, BFH\/NV 2018, 319).<\/li><li>(4) Der Senat hat angesichts der unmissverst\u00e4ndlichen Aussagen des EuGH-Urteils Deister Holding und Juhler Holding vom 20.12.2017&nbsp;&#8211; C-504\/16 und C-613\/16, EU:C:2017:1009, BFH\/NV 2018, 319 auch keine Zweifel, dass hierin jeweils eine fehlerhafte Auslegung und Anwendung des Unionsrechts durch das BZSt zu sehen ist. Dies ist auch in der m\u00fcndlichen Verhandlung zwischen den Beteiligten nicht mehr streitig gewesen.<\/li><li>4. Das FG hat der Ermittlung der Zinsanspr\u00fcche der Kl\u00e4gerin jedoch zu kurze Verzinsungszeitr\u00e4ume zugrunde gelegt. Aus diesem Grund ist das FG-Urteil f\u00fcr die mit der Revision der Kl\u00e4gerin weiterverfolgten Zinsanspr\u00fcche aufzuheben.<\/li><li>a) Anders als die Kl\u00e4gerin meint, wird der ma\u00dfgebliche Verzinsungszeitraum durch die grunds\u00e4tzlich unionsrechtskonforme Steuererhebung im zweigeteilten Verfahren bestimmt. Er umfasst in F\u00e4llen, in denen dem Anteilseigner zun\u00e4chst keine Freistellungsbescheinigung vorlag oder in unionsrechtswidriger Weise widerrufen wurde (s. dazu unter III.1. und I.2.), nicht den Zeitraum zwischen dem Steuereinbehalt und der Einreichung des Erstattungsantrags beim BZSt. Die Kl\u00e4gerin kann hinsichtlich der Verzinsung fiktiv nicht so gestellt werden, als sei ihr eine Abstandnahme vom Steuerabzug zu gew\u00e4hren gewesen, wenn ihr tats\u00e4chliches Vorgehen und Rechtsschutzbegehren nur auf die nachtr\u00e4gliche Entlastung von der Kapitalertragsteuer im Wege der Erstattung gerichtet war (BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;87). Dar\u00fcber hinaus liegt im Rahmen des Erstattungsverfahrens kein unionsrechtswidriger Liquidit\u00e4tsentzug vor, solange sich die Bearbeitung und Pr\u00fcfung der Erstattung durch das BZSt als ordnungsgem\u00e4\u00dfer Vollzug der steuerrechtlichen Entlastungsregelungen \u2011\u2011hier gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;43b EStG und Art.&nbsp;5 MTR\u2011\u2011 darstellt (s. unter II.4.c&nbsp;aa bis cc; BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;86, 87, m.w.N.). Hiervon ist auch das FG ausgegangen.<\/li><li>b) Nach Eingang des vollst\u00e4ndigen Erstattungsantrags ist der Finanzverwaltung daher ein Bearbeitungszeitraum f\u00fcr die Entscheidung \u00fcber den Antrag bis zur Auszahlung des Erstattungsbetrags zuzubilligen, w\u00e4hrend derer der Liquidit\u00e4tsnachteil des Anteilseigners noch nicht auf einer unionsrechtswidrigen Vorenthaltung des Erstattungsanspruchs beruht (s. zur Erstattung der Mehrwertsteuer ebenso EuGH-Urteile Enel Maritsa Iztok&nbsp;3 vom 12.05.2011&nbsp;&#8211; C-107\/10, EU:C:2011:298; Rafin\u0103ria Steaua Rom\u00e2n\u0103 vom 24.10.2013&nbsp;&#8211; C-431\/12, EU:C:2013:686; BFH-Urteil vom 22.10.2019&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;24\/18, BFHE 267, 90, Rz&nbsp;26, 30). Denn auch bei einer zutreffenden Anwendung des Unionsrechts im Erstattungsverfahren, die keine Verzinsung ausl\u00f6sen w\u00fcrde, w\u00e4re nicht am Tag nach dem Eingang des Erstattungsantrags der begehrte Freistellungsbescheid zu erteilen und die Kapitalertragsteuer auszuzahlen.<\/li><li>c) F\u00fcr die Dauer der Bearbeitungszeit kommt es ma\u00dfgeblich darauf an, in welchem Zeitraum bei Hinwegdenken des Unionsrechtsversto\u00dfes eine Entscheidung \u00fcber die Erstattungsantr\u00e4ge und die Auszahlung der Erstattungsbetr\u00e4ge h\u00e4tte erwartet werden k\u00f6nnen. Die vom FG herangezogene Bearbeitungsfrist von vier Monaten und 10&nbsp;Tagen ist f\u00fcr den hier betroffenen Sachbereich der Erstattungsantr\u00e4ge gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;43b EStG und Art.&nbsp;5 MTR jedoch nicht geeignet. Der Senat h\u00e4lt einen typisierenden Bearbeitungszeitraum von drei Monaten nach Eingang eines formal ordnungsgem\u00e4\u00dfen Erstattungsantrags beim BZSt f\u00fcr ausreichend und sachgerecht.<\/li><li>aa) Der vom FG herangezogene Bearbeitungszeitraum des BZSt von vier Monaten und 10&nbsp;Tagen ab der Antragstellung ist hingegen nicht geeignet.<\/li><li>Der VII.&nbsp;Senat des BFH hat diese Bearbeitungsfrist im Urteil vom 22.10.2019&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;24\/18 (BFHE 267, 90) aus Regelungen der Richtlinie 2008\/9\/EG (RL&nbsp;2008\/9\/EG) des Rates vom 12.02.2008 zur Regelung der Erstattung der Mehrwertsteuer gem\u00e4\u00df der Richtlinie 2006\/112\/EG an nicht im Mitgliedstaat der Erstattung, sondern in einem anderen Mitgliedstaat ans\u00e4ssige Steuerpflichtige abgeleitet. Nach Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 RL 2008\/9\/EG m\u00fcsse der Erstattungsantrag dem zust\u00e4ndigen Mitgliedstaat sp\u00e4testens am 30.&nbsp;September des auf den Erstattungszeitraum folgenden Kalenderjahres vorliegen. Sodann st\u00fcnden der Beh\u00f6rde nach der Richtlinie insgesamt vier Monate und 10&nbsp;Arbeitstage zur Verf\u00fcgung, um den Erstattungsantrag zu bearbeiten und den Erstattungsbetrag auszuzahlen. Diese Frist solle der f\u00fcr alle Antragsteller gleichen Abgabefrist f\u00fcr die Erstattungsantr\u00e4ge und dem erh\u00f6hten Antragsaufkommen zu bestimmten Zeiten Rechnung tragen (BFH-Urteil vom 22.10.2019&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;24\/18, BFHE 267, 90, Rz&nbsp;29 zur \u00dcbertragung auch auf Verfahren zur Entlastung von der Energiesteuer). Im Bereich der Kapitalertragsteuer beziehungsweise Abzugsteuer existiert jedoch wegen fehlender einheitlicher Abgabefristen f\u00fcr Erstattungsantr\u00e4ge zu einem bestimmten Stichtag eine vergleichbare Situation nicht (ebenso Beinert, Internationale Steuer-Rundschau \u2011\u2011ISR\u2011\u2011 2024, 225 (230); Erdem in Flick\/Wassermeyer\/Baumhoff\/Sch\u00f6nfeld, Au\u00dfensteuerrecht, Vor \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG Rz&nbsp;21.2; Paar\/Pignot, Internationales Steuerrecht \u2011\u2011IStR\u2011\u2011 2022, 500 (504)).<\/li><li>bb) Die Dauer einer angemessenen beh\u00f6rdlichen Bearbeitungsfrist f\u00fcr Erstattungsantr\u00e4ge ist ferner weder in \u00a7&nbsp;43b EStG noch in \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2&nbsp;ff. EStG noch in der Mutter-Tochter-Richtlinie geregelt. Allerdings enth\u00e4lt \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 und 7 EStG f\u00fcr die Erteilung von Freistellungsbescheinigungen im hier relevanten Streitzeitraum die Vorgabe f\u00fcr das BZSt, \u00fcber einen solchen Antrag innerhalb von drei Monaten entscheiden zu m\u00fcssen. Diese Entscheidungsfrist beginnt mit der Vorlage aller f\u00fcr die Entscheidung erforderlichen Nachweise beim BZSt.<\/li><li>cc) Der Senat sieht in der dreimonatigen Entscheidungsfrist einen angemessenen Bearbeitungszeitraum des BZSt f\u00fcr die Entscheidung \u00fcber reine Erstattungsantr\u00e4ge wie im Streitfall. Bei den erforderlichen Nachweisen, die diesen typisierenden Zeitraum in Gang setzen, handelt es sich um die vom Antragsteller beizubringenden und f\u00fcr die Bearbeitung des Antrags notwendigen formalen Nachweise (vgl. \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG: amtlich vorgeschriebener Vordruck und Amtliches Einkommensteuerhandbuch 2008 bis 2010 zu \u00a7&nbsp;43b EStG mit Hinweis auf das BMF-Schreiben vom 01.03.1994, BStBl I 1994, 203, Tz.&nbsp;1.4.3, 2.4: Ans\u00e4ssigkeitsbescheinigung der ausl\u00e4ndischen Steuerbeh\u00f6rde, Belege zu Art, H\u00f6he und Zufluss sowie Einbehalt der Kapitalertragsteuer, zum Beispiel die Steuerbescheinigung).<\/li><li>Soweit das BZSt in der m\u00fcndlichen Verhandlung darauf hingewiesen hat, dass in einem Erstattungsverfahren \u2011\u2011anders als in einem Freistellungsbescheinigungsverfahren\u2011\u2011 zus\u00e4tzlich die Abf\u00fchrung der (gegebenenfalls zu Unrecht bescheinigten) einbehaltenen Kapitalertragsteuer zu pr\u00fcfen sei, sieht der Senat hierin keinen Umstand, der gegen das Heranziehen der Dreimonatsfrist f\u00fcr das Freistellungsbescheinigungsverfahren als angemessenen Bearbeitungszeitraum f\u00fcr die Bemessung des Verzinsungszeitraums spricht. Der Senat orientiert sich insoweit nur typisierend an der gesetzlich vorgesehenen Entscheidungsfrist f\u00fcr das Freistellungsbescheinigungsverfahren, da es sich in beiden Verfahren um ein weitgehend \u00fcbereinstimmendes materielles Pr\u00fcfungsprogramm handelt. Auch im Schrifttum (Beinert, ISR 2024, 225 (226&nbsp;f., 230); Kohlhas, juris&nbsp;&#8211; Die Monatszeitschrift 2024, 310 (312&nbsp;f.); Erdem in Flick\/Wassermeyer\/Baumhoff\/Sch\u00f6nfeld, Au\u00dfensteuerrecht, Vor \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG Rz&nbsp;21.2, 21.3; engere Auffassung Paar\/Pignot, IStR 2022, 500 (504&nbsp;f.)) wird es f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, die dreimonatige Entscheidungsfrist des \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 EStG (heute \u00a7&nbsp;50c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 EStG) als angemessenen typisierenden Bearbeitungszeitraum des BZSt heranzuziehen, wenn dem Anteilseigner die ihm gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;43b EStG und nach Art.&nbsp;5 MTR zustehende Erstattung der Kapitalertragsteuer aufgrund der unionsrechtswidrigen Auslegung und Anwendung von \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 vorenthalten wird.<\/li><li>dd) Dem steht auch nicht entgegen, dass der I.&nbsp;Senat des BFH f\u00fcr andere Fallkonstellationen einen Bearbeitungszeitraum des BZSt von sechs Monaten nach dem Antragseingang als sachgerecht erachtet hat (BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;88). Wegen der spezielleren gesetzlichen Regelungslage in \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 EStG ist es f\u00fcr die hier betroffenen Erstattungsverfahren sachgerecht, an die gesetzliche Entscheidungsfrist f\u00fcr das Freistellungsbescheinigungsverfahren anzukn\u00fcpfen. Eine Bearbeitungsfrist von 12&nbsp;Monaten in Anlehnung an \u00a7&nbsp;50c Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG, Art.&nbsp;1 Abs.&nbsp;16 Zins- und Lizenzrichtlinie h\u00e4lt der Senat aus diesem Grund ebenfalls f\u00fcr nicht sachgerecht, da der europ\u00e4ische Richtliniengeber und der nationale Gesetzgeber diesen Verzinsungsanspruch abweichend von \u00a7&nbsp;233a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO nur f\u00fcr die Erstattung einbehaltener Kapitalertragsteuer auf Zinsen und Lizenzeinnahmen einf\u00fchren wollten (s.a. Beinert, ISR 2024, 225 (226&nbsp;f., 230); Paar\/Pignot, IStR 2022, 500 (504&nbsp;f.); s.a. BTDrucks 19\/27632, S.&nbsp;55).<\/li><li>d) F\u00fcr die Berechnung des Verzinsungszeitraums endete die angemessene Bearbeitungszeit des BZSt somit mit Ablauf von drei Monaten nach Eingang der Erstattungsantr\u00e4ge der Kl\u00e4gerin, die nach dem \u00fcbereinstimmenden Vorbringen der Beteiligten in der m\u00fcndlichen Verhandlung formal ordnungsgem\u00e4\u00df und vollst\u00e4ndig waren. Soweit das BZSt sich wegen \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 an einer positiven Bescheidung der Antr\u00e4ge und Auszahlung der Erstattungsbetr\u00e4ge gehindert gesehen hat, handelt es sich nach Ablauf des dreimonatigen Bearbeitungszeitraums nicht mehr um einen ordnungsgem\u00e4\u00dfen Vollzug der steuerrechtlichen Entlastungsregelungen in Art.&nbsp;5 MTR und \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;43b EStG. Insoweit beruhen die Liquidit\u00e4tsnachteile der Kl\u00e4gerin auf der unionsrechtswidrigen Vorenthaltung der Erstattungsbetr\u00e4ge. Da das FG von anderen Grunds\u00e4tzen ausgegangen ist, ist das FG-Urteil aufzuheben, soweit es von der Kl\u00e4gerin mit der Revision angefochten worden ist.<\/li><li>5. Die Sache ist auch spruchreif. Das BZSt wird nach Ma\u00dfgabe der folgenden Vorgaben zur Festsetzung der Zinsanspr\u00fcche verpflichtet. Der Klage ist \u00fcber den bisherigen Umfang hinaus teilweise stattzugeben. Im \u00dcbrigen ist sie abzuweisen.<\/li><li>a) In Ermangelung einer unionsrechtlichen Regelung kommt es der innerstaatlichen Rechtsordnung der Mitgliedstaaten zu, die Bedingungen f\u00fcr die Zahlung der Zinsen nach dem unionsrechtlichen Verzinsungsanspruch \u2011\u2011insbesondere den Zinssatz und die Berechnungsmethode f\u00fcr die Zinsen\u2011\u2011 festzulegen. Diese Bedingungen m\u00fcssen den Grunds\u00e4tzen der \u00c4quivalenz und der Effektivit\u00e4t entsprechen, das hei\u00dft, sie d\u00fcrfen nicht ung\u00fcnstiger sein als bei \u00e4hnlichen Anspr\u00fcchen, die auf Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts gest\u00fctzt sind, und sie d\u00fcrfen nicht so ausgestaltet sein, dass sie die Aus\u00fcbung der Rechte, die die Unionsrechtsordnung einr\u00e4umt, praktisch unm\u00f6glich machen. Die Zinszahlungsmodalit\u00e4ten d\u00fcrfen nicht dazu f\u00fchren, dass dem Betreffenden eine angemessene Entsch\u00e4digung f\u00fcr die erlittenen Einbu\u00dfen vorenthalten wird; dies setzt unter anderem voraus, dass die ihm gezahlten Zinsen den Gesamtzeitraum abdecken, der je nach Lage des Falles zwischen dem Tag, an dem der Betreffende den fraglichen Geldbetrag entrichtet hat oder h\u00e4tte erhalten sollen, und dem Tag liegt, an dem dieser ihm erstattet oder an ihn entrichtet wurde. Daraus folgt, dass das Unionsrecht einer rechtlichen Regelung entgegensteht, die dieser Anforderung nicht entspricht, und die wirksame Geltendmachung der durch das Unionsrecht gew\u00e4hrleisteten Anspr\u00fcche auf Erstattung und Zahlung von Zinsen nicht erm\u00f6glicht (z.B. EuGH-Urteil Dyrektor Izby Administracji Skarbowej we Wroclawiu vom 08.06.2023&nbsp;&#8211; C-322\/22, EU:C:2023:460, Rz&nbsp;40; BFH-Urteile vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;67, 68, 74, m.w.N.; vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;29\/21 (VII&nbsp;R&nbsp;17\/18), BFHE 279, 1, BStBl II 2023, 803).<\/li><li>Bei der Berechnung des Zinszahlungszeitraums im Fall von Erstattungsantr\u00e4gen sind \u2011\u2011anders als im Rahmen von \u00a7&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 AO und als vom FG berechnet\u2011\u2011 daher nicht nur volle Zinsmonate zu ber\u00fccksichtigen (BFH-Urteile vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;29\/21 (VII&nbsp;R&nbsp;17\/18), BFHE 279, 1, BStBl II 2023, 803; vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;73).<\/li><li>b) Der Zinssatz bestimmt sich nach \u00a7&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO. Er steht im Einklang mit den unionsrechtlichen Vorgaben, weil er auch im Fall der Verzinsung eines K\u00f6rperschaftsteuererstattungsanspruchs nach nationalem Recht anzuwenden w\u00e4re (vgl. BFH-Urteile vom 15.11.2022&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;29\/21 (VII&nbsp;R&nbsp;17\/18), BFHE 279, 1, BStBl II 2023, 803, Rz&nbsp;37, 38; vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, , Rz&nbsp;75, 76).<\/li><li>c) Ankn\u00fcpfend daran sind die Zinsen f\u00fcr den ma\u00dfgeblichen Verzinsungszeitraum taggenau zu berechnen. Der Zinslauf beginnt mit dem Tag, der auf den Ablauf des dreimonatigen Bearbeitungszeitraums nach Eingang des Erstattungsantrags folgt. Er endet mit dem Auszahlungstag des Erstattungsbetrags. F\u00fcr die Zinsberechnung ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;187 Abs.&nbsp;1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs der Tag, ab dem der Bearbeitungszeitraum zugunsten des BZSt nicht mehr zu ber\u00fccksichtigen ist und der Liquidit\u00e4tsnachteil, auf dem der Unionsrechtsversto\u00df beruht, nicht mitzuz\u00e4hlen, da es sich um ein in diesen Tag fallendes &#8222;Ereignis&#8220; handelt (s. zur Zinsberechnung bei Ereignisfristen Gr\u00fcneberg\/Gr\u00fcneberg, B\u00fcrgerliches Gesetzbuch, 84.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;246 Rz&nbsp;9 und Gr\u00fcneberg\/Ellenberger, B\u00fcrgerliches Gesetzbuch, 84.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;187 Rz&nbsp;1). Nach der Berechnung des Senats stehen der Kl\u00e4gerin auf dieser Grundlage Zinsen in der folgenden H\u00f6he zu:&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einbehalt&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Antragseingang&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bearbeitungsfrist&nbsp;bis&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erster&nbsp;Tag&nbsp;des Zinslaufs&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zinsende&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zinstage&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zinsen laut BFH&nbsp;&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac12.05.200912.08.200913.08.200913.08.20183.287&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac03.02.201103.05.201104.05.201113.08.20182.658&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac\u2026&nbsp;\u20ac12.05.200912.08.200913.08.200901.10.20183.336&nbsp;\u2026&nbsp;\u20ac<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision des BZSt ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/li><li>1. Die Revision ist hinsichtlich der Zinsanspr\u00fcche, die das FG im Zusammenhang mit den Erstattungsverfahren, denen kein Freistellungsbescheinigungsverfahren vorausgegangen ist, aus den unter II. dargelegten Gr\u00fcnden unbegr\u00fcndet.<\/li><li>2. Die Revision des BZSt ist auch unbegr\u00fcndet, soweit das FG der Kl\u00e4gerin f\u00fcr die Aussch\u00fcttung vom 16.03.2011 f\u00fcr die Erstattungsbetr\u00e4ge Zinsen f\u00fcr den Zeitraum vom Tag des Einbehalts der Kapitalertragsteuer bis zur Auszahlung zugesprochen hat.<\/li><li>a) Es ist f\u00fcr die Pr\u00fcfung der Voraussetzungen des Verzinsungsanspruchs das tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrte Begehren \u2011\u2011Erstattungsbegehren oder Steuerabstandnahmebegehren\u2011\u2011 heranzuziehen (vgl. BFH-Urteil vom 13.03.2024&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/20, BStBl II 2025, 193, Rz&nbsp;81). F\u00fcr den hier betrachteten Zinsanspruch kommt es danach auf den unionsrechtswidrigen Widerruf der Freistellungsbescheinigung samt der Steuerabstandnahmem\u00f6glichkeit der B-AG an.<\/li><li>b) Ein unionsrechtlicher Versto\u00df im Rahmen der Steuererhebung, der einen Zinsanspruch begr\u00fcnden kann, kann sich \u2011\u2011wie schon ausgef\u00fchrt\u2011\u2011 auf jede Regel des Unionsrechts beziehen und sowohl von den Unionsgerichten als auch von einem nationalen Gericht festgestellt werden (s. II.3.a). Er kann ungeachtet des grunds\u00e4tzlich unionsrechtskonformen Einbehalts der Kapitalertragsteuer mit dem Erfordernis einer anschlie\u00dfenden Erstattung im zweigeteilten Verfahren (s. II.3.b und c) auch dadurch begr\u00fcndet werden, dass eine dem Anteilseigner erteilte Freistellungsbescheinigung in unionsrechtswidriger Weise widerrufen wird. In diesem Fall beruht der unionsrechtswidrige Liquidit\u00e4tsentzug darauf, dass der aussch\u00fcttenden Gesellschaft die M\u00f6glichkeit zur Abstandnahme vom Steuerabzug entzogen wird. Folglich beruht schon der Steuereinbehalt auf dem Unionsrechtsversto\u00df. Der Zinslauf beginnt \u2011\u2011wie auch vom FG erkannt\u2011\u2011 ungeachtet eines sp\u00e4teren Erstattungsverfahrens, in dem die Erstattung nochmals unionsrechtswidrig vorenthalten wird, im Zeitpunkt des Steuereinbehalts und endet mit der Auszahlung des Erstattungsbetrags.<\/li><li>F\u00fcr die Aussch\u00fcttung vom 16.03.2011 ist der erhebliche Unionsrechtsversto\u00df danach im Widerruf der zun\u00e4chst erteilten Freistellungsbescheinigung zu sehen. Der Widerruf wurde vom BZSt ebenfalls auf \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 gest\u00fctzt, ohne dass es dabei auf konkrete Anhaltspunkte f\u00fcr eine missbr\u00e4uchliche Gestaltung angekommen w\u00e4re; denn nach der damaligen Gesetzeslage waren solche Anhaltspunkte seitens des BZSt ex ante nicht zu pr\u00fcfen, vielmehr musste von vorneherein der Steuerpflichtige den Nachweis fehlenden Missbrauchs erbringen, weshalb die Regelung wie dargelegt unionsrechtswidrig war. W\u00e4re die Freistellungsbescheinigung nicht in unionsrechtswidriger Weise widerrufen worden, w\u00e4re f\u00fcr die Aussch\u00fcttung vom 16.03.2011 von der B-AG keine Kapitalertragsteuer einzubehalten gewesen.<\/li><li>c) Da sich die Kl\u00e4gerin im Wege des Einspruchs gegen den Widerruf der Freistellungsbescheinigung gewehrt hat, hat sie zudem die notwendigen Schritte zur Wahrung ihrer unionsrechtlichen Rechtsposition unternommen. Dass die Kl\u00e4gerin neben dem Einspruchsverfahren gegen den Widerruf der Freistellungsbescheinigung anschlie\u00dfend auch ein Erstattungsverfahren wegen der einbehaltenen Kapitalertragsteuer durchgef\u00fchrt hat, \u00e4ndert an dem f\u00fcr den Liquidit\u00e4tsentzug kausal gewordenen Unionsrechtsversto\u00df im Freistellungsbescheinigungsverfahren nichts.<\/li><li>d) Die Entscheidung des FG ist insoweit im Ergebnis nicht zu beanstanden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">IV.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>1. Der Senat erachtet die Unionsrechtslage auf der Grundlage der Rechtsprechung des EuGH als eindeutig. Dies gilt f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Unionsrechtskonformit\u00e4t des zweigeteilten Verfahrens, die unionsrechtswidrige Ausgestaltung und Anwendung der Regelung des \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 EStG 2007 und die Voraussetzungen des unionsrechtlichen Verzinsungsanspruchs. Ferner hat der EuGH aus Sicht des Senats bereits abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, dass der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde nach der unionsrechtskonformen Erhebung eines Steuerbetrags in einem anschlie\u00dfenden Erstattungsverfahren nach dem Eingang eines vollst\u00e4ndigen Erstattungsantrags ein angemessener Bearbeitungszeitraum zuzubilligen ist, w\u00e4hrend dem ein Liquidit\u00e4tsentzug noch nicht durch eine unionsrechtswidrige Vorenthaltung der Erstattung verursacht ist. Die Bestimmung des angemessenen Bearbeitungszeitraums und der Zinszahlungsmodalit\u00e4ten unter dem unionsrechtlichen Verzinsungsanspruch im jeweiligen Sachbereich (&#8222;nach der Lage des Falles&#8220;) steht nach der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des EuGH den Gerichten der Mitgliedstaaten zu. Die weiteren Vorgaben des EuGH, den nach der Lage des Falles ma\u00dfgeblichen Gesamtzeitraum zwischen dem Unionsrechtsversto\u00df und der Erstattung der Steuerbetr\u00e4ge in den Zinslauf einzubeziehen, hat der Senat im Rahmen der taggenauen Berechnung der Zinsen beachtet. Einer Vorlage an den EuGH nach Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV bedarf es daher nicht (EuGH-Urteile CILFIT vom 06.10.1982&nbsp;&#8211; C-283\/81, EU:C:1982:335, Slg. 1982, 3415; Consorzio Italian Management e Catania Multiservizi vom 06.10.2021&nbsp;&#8211; C-561\/19, EU:C:2021:799; vgl. auch BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 04.03.2021&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1161\/19, HFR 2021, 504; vom 08.11.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1079\/20, HFR 2024, 357).<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.250225.VIIIR32.21.0 BFH VIII. 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