{"id":77697,"date":"2025-05-25T12:55:54","date_gmt":"2025-05-25T10:55:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77697"},"modified":"2025-05-25T12:55:54","modified_gmt":"2025-05-25T10:55:54","slug":"beschluss-vom-28-april-2025-v-b-30-23-fehlen-von-entscheidungsgruenden-bei-tatsaechlicher-wuerdigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/beschluss-vom-28-april-2025-v-b-30-23-fehlen-von-entscheidungsgruenden-bei-tatsaechlicher-wuerdigung\/","title":{"rendered":"Beschluss vom 28. April 2025, V B 30\/23: Fehlen von Entscheidungsgr\u00fcnden bei tats\u00e4chlicher W\u00fcrdigung"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.280425.VB30.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH V. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 60a Abs 1, AO \u00a7 60a Abs 5, FGO \u00a7 105 Abs 5, FGO \u00a7 119 Nr 6, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Th\u00fcringer Finanzgericht , 21. M\u00e4rz 2023, Az: 2 K 360\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Ein Urteil eines Finanzgerichts (FG) ist im Sinne des \u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung (FGO) nicht mit Gr\u00fcnden versehen, wenn das FG f\u00fcr eine ihm obliegende tats\u00e4chliche W\u00fcrdigung von der Begr\u00fcndungserleichterung des \u00a7&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO Gebrauch macht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Th\u00fcringer Finanzgerichts vom 21.03.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;360\/20 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Th\u00fcringer Finanzgericht zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Beschwerdeverfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Zwischen dem Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) und dem Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) steht die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit einer Aufhebung der Feststellung der formellen Satzungsm\u00e4\u00dfigkeit nach \u00a7&nbsp;60a der Abgabenordnung (AO) in Streit.<\/li><li>Zweck des Kl\u00e4gers, eines im Jahr 2014 gegr\u00fcndeten eingetragenen Vereins, war ausweislich seiner Satzung &#8222;[\u2026]&#8220;.<\/li><li>Mit Bescheid vom 22.10.2014 stellte das seinerzeit f\u00fcr die Besteuerung des Kl\u00e4gers zust\u00e4ndige Finanzamt A (FA&nbsp;A) gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO die Einhaltung der satzungsm\u00e4\u00dfigen Voraussetzungen nach den \u00a7\u00a7&nbsp;51, 59, 60 und 61 AO fest.<\/li><li>Am 15.01.2016 erlie\u00df das FA&nbsp;A einen Freistellungsbescheid f\u00fcr 2014, in dem es feststellte, dass der Kl\u00e4ger nach \u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes von der K\u00f6rperschaftsteuer und nach \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 des Gewerbesteuergesetzes von der Gewerbesteuer befreit sei, weil er ausschlie\u00dflich und unmittelbar steuerbeg\u00fcnstigten gemeinn\u00fctzigen Zwecken im Sinne der \u00a7\u00a7&nbsp;51&nbsp;ff. AO diene.<\/li><li>Mit Bescheid vom 09.12.2019 hob das FA&nbsp;A unter Berufung auf \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;4 AO den Feststellungsbescheid vom 22.10.2014 mit Wirkung ab dem 01.01.2015 auf, da der Kl\u00e4ger wirtschaftlich gepr\u00e4gt und nicht vordergr\u00fcndig im Sinne der Satzung t\u00e4tig sei. Auch sei der beg\u00fcnstigte Empf\u00e4nger des Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gens mit dessen L\u00f6schung weggefallen.<\/li><li>Der hiergegen nach erfolglosem au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) insoweit statt, als es den Bescheid vom 09.12.2019 aufhob, soweit er den Zeitraum 2015 bis 2019 umfasse. Im \u00dcbrigen wurde die Klage abgewiesen, ohne die Revision zum Bundesfinanzhof (BFH) zuzulassen. Soweit der Zeitraum 2015 bis 2019 betroffen sei, sei \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;4 AO mangels Satzungs\u00e4nderung nicht anwendbar. Soweit der darauf folgende Zeitraum betroffen sei, k\u00f6nne die Aufhebung des FA&nbsp;A auf den durch Art.&nbsp;27 Nr.&nbsp;14 und Art.&nbsp;50 Abs.&nbsp;1 des Jahressteuergesetzes 2020 vom 21.12.2020 (BGBl I 2020, 3096) eingef\u00fchrten und am 29.12.2020 in Kraft getretenen \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;6 AO gest\u00fctzt werden. Dem FA&nbsp;A h\u00e4tten &#8222;zum Zeitpunkt der erstmaligen K\u00f6rperschaftsteuerveranlagung im Jahr 2019&#8220; Erkenntnisse zur tats\u00e4chlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Kl\u00e4gers vorgelegen, die bei dem FA&nbsp;A Zweifel an der Einhaltung der satzungsm\u00e4\u00dfigen Voraussetzungen begr\u00fcndeten. Das FA&nbsp;A habe im Aufhebungsbescheid substantiiert seine Zweifel an der satzungsm\u00e4\u00dfigen tats\u00e4chlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Kl\u00e4gers dargelegt. Die finanzbeh\u00f6rdlichen Erkenntnisse \u00fcber die tats\u00e4chliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung m\u00fcssten so substantiiert sein, dass sie einen eindeutigen R\u00fcckschluss auf eine Verletzung der materiellen Gemeinn\u00fctzigkeit zulie\u00dfen. Hieran best\u00fcnden keine Zweifel. Es sei auf die Ausf\u00fchrungen des FA&nbsp;A in der Einspruchsentscheidung zu verweisen. Es sei keine Pr\u00fcfung der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Zweifel durchzuf\u00fchren. Bereits bei Vorliegen von Erkenntnissen zur tats\u00e4chlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung sei der Feststellungsbescheid aufzuheben. Die weitere Pr\u00fcfung, ob diese Erkenntnisse zutreffend seien, sei bei der Veranlagung vorzunehmen. \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;2 AO sei aber erstmals ab dem Veranlagungszeitraum 2020 anwendbar.<\/li><li>Hiergegen richtet sich die Beschwerde des Kl\u00e4gers, mit der er insbesondere geltend macht, f\u00fcr die \u00dcbernahme der Erkenntnisse des FA&nbsp;A durch das FG fehle es an einer Begr\u00fcndung. Die Floskel &#8222;hieran habe der Senat keine Zweifel&#8220; sei nicht ausreichend.<\/li><li>W\u00e4hrend des Beschwerdeverfahrens wurde infolge einer Neuorganisation der Finanzbeh\u00f6rden das FA f\u00fcr die Besteuerung des Kl\u00e4gers zust\u00e4ndig.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Das FA ist mit Wirkung zum 01.09.2024 durch die Sechzehnte Verordnung zur \u00c4nderung der Th\u00fcringer Finanzamts-Zust\u00e4ndigkeitsverordnung vom 30.07.2024 (Gesetz- und Verordnungsblatt f\u00fcr den Freistaat Th\u00fcringen 2024, 518) aufgrund eines Organisationsaktes der Finanzverwaltung in die Zust\u00e4ndigkeit und hierdurch im Wege des gesetzlichen Beteiligtenwechsels in die Beteiligtenstellung des FA&nbsp;A eingetreten (vgl. BFH-Urteile vom 27.11.2019&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;40\/19 (I&nbsp;R&nbsp;14\/16), BFHE 268, 1, BStBl II 2024, 670; vom 14.03.2024&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;51\/20, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt, BFH\/NV 2024, 1092, Rz&nbsp;11; BFH-Beschl\u00fcsse vom 31.08.2016&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;146\/15, BFH\/NV 2016, 1756; vom 02.04.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;21\/13, BFH\/NV 2014, 1216).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde, \u00fcber die der Senat nach Teil&nbsp;A, V.&nbsp;Senat Nr.&nbsp;2 i.V.m. Teil&nbsp;A, Erg\u00e4nzende Regelungen, Nr.&nbsp;III.5 Buchst.&nbsp;a des Gesch\u00e4ftsverteilungsplans des BFH zu entscheiden hat, ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des finanzgerichtlichen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das Urteil des FG leidet an einem vom Kl\u00e4ger zu Recht ger\u00fcgten Verfahrensmangel (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO), auf dem es als beruhend anzusehen ist, da es nicht mit Gr\u00fcnden versehen ist (\u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO).<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;105 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 FGO muss ein finanzgerichtliches Urteil die Entscheidungsgr\u00fcnde enthalten. Fehlt es hieran, ist das Urteil als auf der Verletzung von Bundesrecht beruhend anzusehen (\u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO).<\/li><li>Eine Entscheidung ist nach der Rechtsprechung des BFH nicht mit Gr\u00fcnden versehen, wenn sie nicht erkennen l\u00e4sst, welche tats\u00e4chlichen Feststellungen und rechtlichen Erw\u00e4gungen f\u00fcr sie ma\u00dfgeblich waren (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 02.07.2021&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;34\/20, BFH\/NV 2021, 1523, Rz&nbsp;8). Der Begr\u00fcndungszwang bezweckt, die Prozessbeteiligten \u00fcber die das Urteil tragenden Erkenntnisse und \u00dcberlegungen des Gerichts zu unterrichten. Dabei muss das FG zwar nicht auf alle Einzelheiten des Sachverhalts und auf jede von den Beteiligten angestellte Erw\u00e4gung n\u00e4her eingehen. Ein Urteil enth\u00e4lt aber keine hinreichenden Entscheidungsgr\u00fcnde, wenn das FG einen selbst\u00e4ndigen Anspruch oder ein selbst\u00e4ndiges Angriffs- oder Verteidigungsmittel mit Stillschweigen \u00fcbergeht oder einen bestimmten Sachverhaltskomplex \u00fcberhaupt nicht ber\u00fccksichtigt (Senatsbeschluss vom 02.07.2021&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;34\/20, BFH\/NV 2021, 1523, Rz&nbsp;9).<\/li><li>Ein wesentlicher Verfahrensmangel im Sinne des \u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO ist somit anzunehmen, wenn dem Kl\u00e4ger in Bezug auf einen wesentlichen Streitpunkt die M\u00f6glichkeit entzogen ist, die getroffene Entscheidung auf ihre Rechtm\u00e4\u00dfigkeit hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dagegen liegt kein derartiger Verfahrensmangel vor, wenn noch zu erkennen ist, welche Feststellungen und \u00dcberlegungen f\u00fcr das Gericht ma\u00dfgeblich waren (Senatsbeschluss vom 02.07.2021&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;34\/20, BFH\/NV 2021, 1523, Rz&nbsp;10). Aus dieser Abgrenzung folgt, dass ein Urteil im Sinne des \u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO nicht mit Gr\u00fcnden versehen ist, wenn das FG f\u00fcr eine ihm obliegende tats\u00e4chliche W\u00fcrdigung von der Begr\u00fcndungserleichterung des \u00a7&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO Gebrauch macht.<\/li><li>2. Ungeachtet der Frage, ob \u2011\u2011wie es das FG angenommen hat\u2011\u2011 \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;6 AO lediglich &#8222;substantiierte&#8220; Erkenntnisse erfordert (so Seer in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;60a AO Rz&nbsp;13; Unger in Gosch, AO \u00a7&nbsp;60a Rz&nbsp;51; \u00e4hnlich Klein\/Gersch, AO, 18.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;60a Rz&nbsp;18 &#8222;auf hinreichende Tatsachen gest\u00fctzte Erkenntnisse&#8220;) oder ob vielmehr eine &#8222;umfassende Beweiserhebung&#8220; durchzuf\u00fchren ist (so BeckOK AO\/Erdbr\u00fcgger, 30&nbsp;Ed. 01.10.2024, AO \u00a7&nbsp;60a Rz&nbsp;67) sowie \u2011\u2011was das FG verneint hat\u2011\u2011 ob und in welchem Umfang das Vorliegen von Erkenntnissen einer gerichtlichen \u00dcberpr\u00fcfung im Verfahren nach \u00a7&nbsp;60a AO unterliegt, ist es jedenfalls nicht m\u00f6glich, die Entscheidung des FG hinsichtlich des Vorliegens substantiierter Erkenntnisse auf ihre Rechtm\u00e4\u00dfigkeit hin zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/li><li>a) Zwar hat das FG hinsichtlich der Erkenntnisse \u00fcber tats\u00e4chliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung auf die Ausf\u00fchrungen des FA in dessen Einspruchsentscheidung verwiesen und damit \u2011\u2011jedenfalls der Sache nach\u2011\u2011 von \u00a7&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO Gebrauch gemacht, wonach das Gericht von einer weiteren Darstellung der Entscheidungsgr\u00fcnde absehen kann, soweit es der Begr\u00fcndung des Verwaltungsakts oder der Entscheidung \u00fcber den au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf folgt und dies in seiner Entscheidung feststellt. Jedoch gen\u00fcgt die Verweisung auf die Entscheidung \u00fcber den au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf oder auf die Begr\u00fcndung des Verwaltungsakts nur dann dem Begr\u00fcndungsgebot, wenn sich unter Ber\u00fccksichtigung der in Bezug genommenen Entscheidung erkennen l\u00e4sst, aus welchen \u00dcberlegungen heraus das Gericht einen entscheidungserheblichen Punkt in einem bestimmten Sinne beurteilt hat (BFH-Beschluss vom 01.08.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;162\/01, BFH\/NV 2003, 172, unter II.2.).<\/li><li>b) Das FA hat in seiner Einspruchsentscheidung vom 05.06.2020 \u2011\u2011als &#8222;Erkenntnisse&#8220; in Bezug auf die tats\u00e4chliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Kl\u00e4gers\u2011\u2011 unter anderem angef\u00fchrt, der Kl\u00e4ger sei nach den vorgelegten Gewinnermittlungen und T\u00e4tigkeitsberichten wirtschaftlich gepr\u00e4gt, in der Anlage zum T\u00e4tigkeitsbericht der Vorst\u00e4nde seien satzungsfremde T\u00e4tigkeiten aufgef\u00fchrt und die j\u00e4hrliche Mitgliederversammlung sei nicht durchgef\u00fchrt worden. Jedoch hat das FG zugleich \u2011\u2011unter Bezugnahme auf das zu \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;4 AO und damit allein zur formellen Satzungsm\u00e4\u00dfigkeit ergangene Senatsurteil vom 23.07.2020&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;40\/18 (BFHE 270, 43, BStBl II 2021, 3)\u2011\u2011 darauf abgestellt, dass solche &#8222;Erkenntnisse&#8220; so substantiiert sein m\u00fcssen, dass sie einen eindeutigen R\u00fcckschluss auf eine Verletzung der materiellen Gemeinn\u00fctzigkeit zulassen. Wie das FG aber zu der \u2011\u2011ihm als Tatsacheninstanz obliegenden\u2011\u2011 W\u00fcrdigung gelangt ist, dass die von dem FA in dem Aufhebungsbescheid und der Einspruchsentscheidung aufgef\u00fchrten Umst\u00e4nde &#8222;substantiiert&#8220; dargelegt worden seien, ergibt sich aus seinem Urteil nicht. Vielmehr beschr\u00e4nkt sich das FG insoweit auf die Floskel, dass es hieran &#8222;keinen Zweifel&#8220; habe. Damit ist \u2011\u2011ebenso wie wenn trotz einer gerichtlichen Beweisaufnahme nach \u00a7&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO von einer Darstellung der Entscheidungsgr\u00fcnde abgesehen wird (zu dem dann vorliegenden absoluten Revisionsgrund des \u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO s. z.B. BFH-Urteil vom 20.05.1994&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;10\/94, BFHE 174, 391, BStBl II 1994, 707; BFH-Beschl\u00fcsse vom 04.07.2006&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;135\/05, BFH\/NV 2006, 1797, unter 1.c; vom 28.08.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;182\/13, BFH\/NV 2014, 1899, Rz&nbsp;11)\u2011\u2011 weder f\u00fcr die Verfahrensbeteiligten ersichtlich noch in einem Rechtsmittelverfahren \u00fcberpr\u00fcfbar, ob die W\u00fcrdigung des FG auf zumindest nachvollziehbaren \u00dcberlegungen beruht.<\/li><li>3. Der Senat sieht die sich aus \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO ergebenden Darlegungsanforderungen zu \u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO als noch erf\u00fcllt an, da der Kl\u00e4ger immerhin r\u00fcgt, dass es f\u00fcr die \u00dcbernahme der Erkenntnisse des FA \u2011\u2011und damit die Verneinung von Zweifeln\u2011\u2011 durch das FG an einer Begr\u00fcndung fehle und es nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung auf die \u2011\u2011konkret\u2011\u2011 geltend gemachten Zulassungsgr\u00fcnde nicht ankommt, wenn sich aus den Darlegungen zumindest ergibt, dass ein Verfahrensmangel vorliegt (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 28.06.2023&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;50\/22, BFH\/NV 2023, 1099, Rz&nbsp;29; vom 01.06.2011&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;33\/10, BFH\/NV 2011, 1888, Rz&nbsp;19). Dies ist nach den Verh\u00e4ltnissen des Streitfalls in Bezug auf das Vorliegen von Erkenntnissen im Sinne des \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO als noch gewahrt anzusehen.<\/li><li>4. Der Senat h\u00e4lt es insbesondere im Hinblick auf die Anwendung von \u00a7&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO f\u00fcr sachgerecht, das angefochtene Urteil gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO insgesamt aufzuheben und die Sache in diesem Umfang zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcckzuverweisen.<\/li><li>a) Hierbei wird das FG zu ber\u00fccksichtigen haben, dass \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 AO lediglich dann eine Aufhebung bestehender Feststellungen nach \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO erm\u00f6glicht, wenn Erkenntnisse, dass die tats\u00e4chliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung gegen die satzungsm\u00e4\u00dfigen Voraussetzungen verst\u00f6\u00dft, bis zum Zeitpunkt des Erlasses des erstmaligen K\u00f6rperschaftsteuerbescheids oder Freistellungsbescheids vorliegen, wobei im Streitfall aber bereits am 15.01.2016 ein die K\u00f6rperschaftsteuer und Gewerbesteuer 2014 betreffender Freistellungsbescheid ergangen ist.<\/li><li>b) Im Hinblick darauf, dass das FA im Aufhebungsbescheid vom 09.12.2019 davon ausgegangen ist, dass der beg\u00fcnstigte Empf\u00e4nger des Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gens weggefallen sei, wird das FG auch zu entscheiden haben, ob somit keine satzungsm\u00e4\u00dfige Verm\u00f6gensbindung im Sinne des \u00a7&nbsp;61 Abs.&nbsp;1 AO (mehr) vorliegt und ob es sich insoweit um eine \u00c4nderung der f\u00fcr die Feststellung erheblichen Verh\u00e4ltnisse handelt \u2011\u2011mit der Folge, dass die Feststellung nach \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;4 AO mit Wirkung vom Zeitpunkt der \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse aufzuheben ist\u2011\u2011 oder ob dies einen materiellen Fehler im Feststellungsbescheid \u00fcber die Satzungsm\u00e4\u00dfigkeit darstellt, der mit Wirkung ab dem Kalenderjahr beseitigt werden kann, das auf die Bekanntgabe der Aufhebung der Feststellung folgt (\u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO).<\/li><li>c) Im \u00dcbrigen kommt es nicht in Betracht, die Teilbarkeit eines Streitgegenstandes mit einem zeitlichen Anwendungsbereich einer Korrekturvorschrift zu begr\u00fcnden. Daher wird sich das FG auch mit der Frage zu befassen haben, ob Regelungsgegenstand eines Bescheids \u00fcber die Aufhebung eines Feststellungsbescheids im Sinne des \u00a7&nbsp;60a Abs.&nbsp;1 AO \u2011\u2011ebenso wie bei dem Feststellungsbescheid selbst\u2011\u2011 eine bestimmte Satzung ist (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 26.08.2021&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;11\/20, BFHE 273, 415, BStBl II 2022, 202, Rz&nbsp;37) und deshalb im Streitfall bezogen auf diese Satzung als in diesem Sinne unteilbarem Streitgegenstand die Voraussetzungen und Rechtsfolgen von \u00c4nderungs- oder Aufhebungsvorschriften zu pr\u00fcfen sind.<\/li><li>5. Die \u00dcbertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.280425.VB30.23.0 BFH V. Senat AO \u00a7 60a Abs 1, AO \u00a7 60a Abs 5, FGO \u00a7 105 Abs 5, FGO \u00a7 119 Nr 6, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3 vorgehend Th\u00fcringer Finanzgericht , 21. 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