{"id":77859,"date":"2025-08-22T16:27:45","date_gmt":"2025-08-22T14:27:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77859"},"modified":"2025-08-22T16:27:45","modified_gmt":"2025-08-22T14:27:45","slug":"bfh-beschluss-vom-25-juni-2025-xi-b-13-25-mandatsniederlegung-nach-verzicht-auf-muendliche-verhandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-25-juni-2025-xi-b-13-25-mandatsniederlegung-nach-verzicht-auf-muendliche-verhandlung\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 25. Juni 2025, XI B 13\/25: Mandatsniederlegung nach Verzicht auf m\u00fcndliche Verhandlung"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.250625.XIB13.25.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 90 Abs 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Hessisches Finanzgericht , 30. Januar 2025, Az: 1 K 465\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Erkl\u00e4rt ein Prozessbevollm\u00e4chtigter namens seines Mandanten, dass auf m\u00fcndliche Verhandlung verzichtet wird, wird dieser Verzicht nicht durch eine sp\u00e4tere Mandatsniederlegung verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Haben die Beteiligten auf m\u00fcndliche Verhandlung verzichtet, ist das Finanzgericht berechtigt, &#8222;ohne weiteres&#8220; im schriftlichen Verfahren zu entscheiden. Es ist weder verpflichtet, einen Zeitpunkt zu bestimmen, bis zu dem Schrifts\u00e4tze eingereicht werden k\u00f6nnen, noch verpflichtet, den Zeitpunkt seiner bevorstehenden Entscheidung bekannt zu geben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 30.01.2025&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;465\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin), eine GmbH, erhob mit Schriftsatz vom 03.05.2022 Klage gegen den Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011). Die Klage wurde vom Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin, Steuerberater X, verfasst. Beigef\u00fcgt war eine Vollmacht der Kl\u00e4gerin f\u00fcr X.<\/li><li>Mit Beschluss vom 20.09.2024 wurde der Rechtsstreit gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung (FGO) auf die Berichterstatterin als Einzelrichterin \u00fcbertragen. Auf die Anfrage der Einzelrichterin vom gleichen Tag, ob gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 FGO auf m\u00fcndliche Verhandlung verzichtet wird, verzichteten die Kl\u00e4gerin, vertreten durch X, mit Schriftsatz vom 27.09.2024 und das FA mit Schriftsatz vom 02.10.2024 auf m\u00fcndliche Verhandlung.<\/li><li>Mit Schriftsatz vom 21.01.2025 legte X das Mandat nieder und bat darum, k\u00fcnftigen Schriftverkehr direkt der Kl\u00e4gerin zuzuleiten. Auf die Aufforderung der Einzelrichterin, die K\u00fcndigung des Mandatsvertrags nachzuweisen, legte X in elektronischer Form eine E-Mail der Kl\u00e4gerin vom 19.01.2025 vor, mit der die Kl\u00e4gerin das Mandat f\u00fcr das Klageverfahren gek\u00fcndigt hatte. Das Finanzgericht (FG) l\u00f6schte daraufhin die Vertretungsbefugnis des X und teilte dies dem X, der Kl\u00e4gerin und dem FA mit.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin hat mit Schreiben vom 20.01.2025, das am 27.01.2025 beim FG einging, \u00fcber die Entziehung des Mandats hinaus mitgeteilt, dass sie sich ab sofort selbst vertreten werde, da X sie leider nicht pflichtbewusst und mit Sorgfalt vertreten habe.<\/li><li>Das FG hat daraufhin mit Urteil vom 30.01.2025 die Klage abgewiesen und das Urteil der Kl\u00e4gerin mit Zustellungsurkunde zugestellt.<\/li><li>Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision, die X mit Vollmacht der Kl\u00e4gerin vom 04.03.2025 eingelegt hat. Die Kl\u00e4gerin macht geltend, dass das FG entschieden habe, obwohl die Kl\u00e4gerin im Entscheidungszeitpunkt nicht vertreten gewesen sei. Au\u00dferdem habe das FG das Urteil zu Unrecht der Kl\u00e4gerin zugestellt. Dadurch habe das FG das rechtliche Geh\u00f6r der Kl\u00e4gerin verletzt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet.<\/li><li>1. Soweit die Kl\u00e4gerin r\u00fcgt, dass sie nach der Mandatsniederlegung nicht vertreten gewesen sei, greift diese R\u00fcge nicht durch, da die Kl\u00e4gerin mit Schriftsatz vom 20.01.2025 ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rt hat, sich zuk\u00fcnftig selbst vertreten zu wollen. Dies ist nach \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 FGO zul\u00e4ssig; die Beteiligten k\u00f6nnen danach vor dem FG den Rechtsstreit selbst f\u00fchren. Von diesem Recht hat die Kl\u00e4gerin im Streitfall ausdr\u00fccklich Gebrauch gemacht.<\/li><li>2. Ohne Erfolg r\u00fcgt die Beschwerde deshalb auch, dass das Urteil der Kl\u00e4gerin zugestellt worden ist. Dies entspricht nicht nur dem von X im Schreiben vom 21.01.2025 ausdr\u00fccklich ge\u00e4u\u00dferten Wunsch, sondern auch \u00a7&nbsp;53 Abs.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;3 FGO, wonach unter anderem Urteile, die ohne m\u00fcndliche Verhandlung ergangen sind, den Beteiligten zuzustellen sind. Beteiligte war nach \u00a7&nbsp;57 Nr.&nbsp;1 FGO die Kl\u00e4gerin. Eine Zustellung an X (\u00a7&nbsp;53 Abs.&nbsp;2 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;172 der Zivilprozessordnung) schied aufgrund der Schreiben vom 21.01., 22.01. und 20.01.2025 (Eingang 27.01.2025) aus.<\/li><li>3. Soweit die Kl\u00e4gerin in diesem Zusammenhang eine Verletzung rechtlichen Geh\u00f6rs r\u00fcgt, liegt diese schon aus den genannten Gr\u00fcnden nicht vor. Lediglich erg\u00e4nzend weist der Senat deshalb darauf hin, dass die Kl\u00e4gerin bereits vor der Mandatsniederlegung auf m\u00fcndliche Verhandlung verzichtet hatte.<\/li><li>a) Dieser Verzicht hat sich weder durch Zeitablauf noch durch die Niederlegung des Mandats verbraucht (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 15.05.2024&nbsp;&#8211; IX&nbsp;S&nbsp;16\/24, BFH\/NV 2024, 940, Rz&nbsp;13&nbsp;f., m.w.N.); ein Widerruf des Verzichts wurde nicht erkl\u00e4rt.<\/li><li>b) Das FG war daher berechtigt, &#8222;ohne weiteres&#8220; im schriftlichen Verfahren zu entscheiden (vgl. BFH-Urteil vom 02.04.1997&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;21\/94, BFH\/NV 1997, 547; BFH-Beschluss vom 24.08.1998&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;126\/97, BFH\/NV 1999, 332, unter II.). Das FG ist weder verpflichtet, einen Zeitpunkt zu bestimmen, bis zu dem Schrifts\u00e4tze eingereicht werden k\u00f6nnen, noch den Zeitpunkt seiner bevorstehenden Entscheidung bekannt zu geben (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 08.07.2008&nbsp;&#8211; XI&nbsp;S&nbsp;5\/08&nbsp;(PKH), BFH\/NV 2008, 1863, unter II.2.b&nbsp;cc&nbsp;(2); vom 15.12.2008&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;24\/08, BFH\/NV 2009, 1124, unter 4.; BFH-Urteil vom 02.04.1997&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;21\/94, BFH\/NV 1997, 547, unter II.1.).<\/li><li>4. Soweit die Kl\u00e4gerin vortr\u00e4gt, es best\u00fcnden weitere Verfahrensm\u00e4ngel, welche aus dem Urteil ersichtlich seien, und um einen Hinweis bittet, falls dazu weiter vorgetragen werden soll, hat der Senat das Urteil gepr\u00fcft, aber h\u00e4lt die R\u00fcge nicht f\u00fcr durchgreifend. Verfahrensfehler des FG sind nicht ersichtlich.<\/li><li>5. Der Senat sieht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO von einer weiteren Begr\u00fcndung ab.<\/li><li>6. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.250625.XIB13.25.0 BFH XI. 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