{"id":77867,"date":"2025-08-22T16:31:47","date_gmt":"2025-08-22T14:31:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77867"},"modified":"2025-08-22T16:31:47","modified_gmt":"2025-08-22T14:31:47","slug":"bfh-beschluss-vom-25-mai-2023-iv-s-10-23-voraussetzungen-fuer-eine-erfolgreiche-anhoerungsruege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-25-mai-2023-iv-s-10-23-voraussetzungen-fuer-eine-erfolgreiche-anhoerungsruege\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 25. Mai 2023, IV S 10\/23: Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Anh\u00f6rungsr\u00fcge"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.250523.IVS10.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IV. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GG Art 103 Abs 1, FGO \u00a7 96 Abs 2, FGO \u00a7 133a<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend BFH , 08. M\u00e4rz 2023, Az: IV B 35\/22<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verpflichtet das Gericht unter anderem, die Ausf\u00fchrungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen, in Erw\u00e4gung zu ziehen und sich mit dem entscheidungserheblichen Kern des Vorbringens auseinanderzusetzen. Dabei ist das Gericht naturgem\u00e4\u00df nicht verpflichtet, der Rechtsansicht eines Beteiligten zu folgen. Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO sind erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst\u00e4nden des Einzelfalls ergibt, dass das Gericht Vorbringen entweder \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw\u00e4gung gezogen hat (Best\u00e4tigung der Rechtsprechung).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge der Kl\u00e4gerin gegen den Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 08.03.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;35\/22 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Verfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Es kann dahinstehen, ob die Anh\u00f6rungsr\u00fcge zul\u00e4ssig ist, insbesondere ob ihre Begr\u00fcndung den Anforderungen des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 der Finanzgerichtsordnung (FGO) entspricht. Denn sie ist unbegr\u00fcndet und daher durch Beschluss zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 S\u00e4tze&nbsp;2 und 3 FGO).<\/li><li>1. Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r i.S. von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO verpflichtet das Gericht u.a., die Ausf\u00fchrungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen, in Erw\u00e4gung zu ziehen und sich mit dem entscheidungserheblichen Kern des Vorbringens auseinanderzusetzen. Dabei ist das Gericht naturgem\u00e4\u00df nicht verpflichtet, der Rechtsansicht eines Beteiligten zu folgen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts \u2011\u2011BVerfG\u2011\u2011 vom 11.06.2008&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;2062\/07, Kammerentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts 14, 1). Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO sind erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst\u00e4nden des Einzelfalls ergibt, dass das Gericht Vorbringen entweder \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw\u00e4gung gezogen hat (Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 20.07.2022&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;9\/21, Rz&nbsp;13, m.w.N.).<\/li><li>2. Das ist vorliegend nicht der Fall. Der erkennende Senat hat das Vorbringen der Kl\u00e4gerin, Beschwerdef\u00fchrerin und R\u00fcgef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) zum Zulassungsgrund der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) aus ihrer Beschwerdebegr\u00fcndung ersichtlich zur Kenntnis und dazu in der angefochtenen Entscheidung auch Stellung genommen.<\/li><li>a) Dies betrifft zun\u00e4chst die ger\u00fcgte Nichtbeachtung der in den BFH-Urteilen vom 24.01.1990&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;157\/86 (BFHE 160, 225, BStBl II 1990, 645) und vom 12.05.2016&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;27\/13 aufgestellten Rechtsprechungsgrunds\u00e4tze. Die Kl\u00e4gerin sieht die Divergenz im Kern darin, dass die Vorinstanz die Rechtsfrage, ob es bei der Pr\u00fcfung der Anforderungen an den Fremdvergleich ein notwendigerweise vorliegendes Kriterium (hier: die Schriftform) gebe, dessen Fehlen die Pr\u00fcfung der weiteren objektiven Gegebenheiten entbehrlich mache, entgegen den genannten Divergenzentscheidungen bejaht habe. Darauf ist der erkennende Senat im Beschluss \u00fcber die Nichtzulassungsbeschwerde vom 08.03.2023&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;35\/22 indes eingegangen. Er hat unter 2.b der Gr\u00fcnde dargelegt, dass das Finanzgericht den zutreffenden rechtlichen Ma\u00dfstab \u2011\u2011wie er sich aus dem BFH-Urteil vom 29.07.2015&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;16\/12 (Rz&nbsp;17) ergibt\u2011\u2011 gew\u00e4hlt und die Klage nicht allein deshalb abgewiesen habe, weil kein schriftlicher Vertrag vorgelegen habe. Damit hat sich der Senat jedenfalls der Sache nach auch mit einer Abweichung der Vorinstanz von den mutma\u00dflichen Divergenzentscheidungen auseinandergesetzt. Denn deren Grunds\u00e4tze finden sich in den im BFH-Urteil vom 29.07.2015&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;16\/12 (Rz&nbsp;17) dargelegten Obers\u00e4tzen zur Anwendung des Fremdvergleichs bei Zahlungen an eine Schwesterpersonengesellschaft wieder. Davon geht auch die Kl\u00e4gerin aus (S.&nbsp;10 der Beschwerdebegr\u00fcndung vom 15.07.2022, unter III.). Dies gilt f\u00fcr die Bedeutung nur m\u00fcndlich abgeschlossener Vereinbarungen gleicherma\u00dfen (s. BFH-Urteil vom 29.07.2015&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;16\/12, Rz&nbsp;17: &#8222;\u00dcberpr\u00fcfung, \u2026 ob die Vereinbarungen zivilrechtlich wirksam, klar und eindeutig sind \u2026&#8220;). Daher geht die R\u00fcge, der Senat habe lediglich pauschal unterstellt, die Begr\u00fcndung des erstinstanzlichen Urteils habe die Rechtsgrunds\u00e4tze der Divergenzentscheidungen beachtet, fehl. Ob die Vorinstanz die (zutreffenden) Rechtsprechungsgrunds\u00e4tze fehlerhaft auf die Besonderheiten des Einzelfalls angewendet hat, pr\u00fcft der BFH im Rahmen der Divergenzr\u00fcge grunds\u00e4tzlich nicht (BFH-Beschluss vom 02.12.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;148\/12, Rz&nbsp;4).<\/li><li>b) Entsprechendes gilt f\u00fcr die R\u00fcge der Nichtbeachtung der Rechtsprechung des BVerfG (Beschluss vom 07.11.1995&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;802\/90, BStBl II 1996, 34). Auch hier hat der erkennende Senat eine Abweichung im Grunds\u00e4tzlichen verneint, indem er davon ausgegangen ist, dass die Vorinstanz die von der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung aufgestellten Fremdvergleichsgrunds\u00e4tze beachtet habe. Dazu geh\u00f6rt auch, dass einem Indizmerkmal keine ausschlaggebende Bedeutung beigemessen werden darf, wenn der Sachverhalt nicht beweisbed\u00fcrftig ist, sondern schon aus anderen Quellen sicher festgestellt werden kann (BVerfG-Beschluss in BStBl II 1996, 34, unter B.I.1.).<\/li><li>3. Letztlich wendet sich die Kl\u00e4gerin mit ihrer Anh\u00f6rungsr\u00fcge im Kern gegen die inhaltliche Richtigkeit des die Nichtzulassungsbeschwerde zur\u00fcckweisenden Senatsbeschlusses. Damit kann eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r indes nicht dargelegt werden (BFH-Beschluss vom 17.06.2005&nbsp;&#8211; VI&nbsp;S&nbsp;3\/05, BFHE 209, 419, BStBl II 2005, 614, unter II.2. [Rz&nbsp;13]).<\/li><li>4. F\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Anh\u00f6rungsr\u00fcge wird eine Geb\u00fchr in H\u00f6he von 66&nbsp;\u20ac erhoben (Nr.&nbsp;6400 des Kostenverzeichnisses, Anlage&nbsp;1 zu \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2023:B.250523.IVS10.23.0 BFH IV. Senat GG Art 103 Abs 1, FGO \u00a7 96 Abs 2, FGO \u00a7 133a vorgehend BFH , 08. M\u00e4rz 2023, Az: IV B 35\/22 Leits\u00e4tze NV: Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r im Sinne von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verpflichtet das Gericht unter anderem, die Ausf\u00fchrungen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-25-mai-2023-iv-s-10-23-voraussetzungen-fuer-eine-erfolgreiche-anhoerungsruege\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 25. 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