{"id":77906,"date":"2025-08-22T16:46:51","date_gmt":"2025-08-22T14:46:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77906"},"modified":"2025-08-22T16:46:51","modified_gmt":"2025-08-22T14:46:51","slug":"bfh-beschluss-vom-25-juli-2025-xi-s-12-25-anhoerungsruege-frist-kenntnis-chronische-erkrankung-eingeschraenkte-arbeitsfaehigkeit-organisation-einer-vertretung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-25-juli-2025-xi-s-12-25-anhoerungsruege-frist-kenntnis-chronische-erkrankung-eingeschraenkte-arbeitsfaehigkeit-organisation-einer-vertretung\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 25. Juli 2025, XI S 12\/25: Anh\u00f6rungsr\u00fcge; Frist; Kenntnis; chronische Erkrankung; eingeschr\u00e4nkte Arbeitsf\u00e4higkeit; Organisation einer Vertretung"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.250725.XIS12.25.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 133a Abs 2 S 1, FGO \u00a7 133a Abs 2 S 3, FGO \u00a7 133a Abs 2 S 4, FGO \u00a7 133a Abs 2 S 5, FGO \u00a7 56 Abs 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend BFH , 14. Mai 2025, Az: XI B 77\/24<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Die Zweiwochenfrist des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) beginnt mit der tats\u00e4chlichen Kenntnis von der Verletzung rechtlichen Geh\u00f6rs, so dass es weder auf den Zugang der mit der Anh\u00f6rungsr\u00fcge angegriffenen Entscheidung noch auf \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 FGO ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Es steht der Kenntnis von der Verletzung rechtlichen Geh\u00f6rs gleich, wenn der Betroffene sich dieser bewusst verschlie\u00dft und eine gleichsam auf der Hand liegende Kenntnisnahmem\u00f6glichkeit, die jeder andere in seiner Lage wahrgenommen h\u00e4tte, nicht wahrnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>3. NV: Wenn ein Prozessbevollm\u00e4chtigter wegen einer chronischen Erkrankung in seiner Arbeitsf\u00e4higkeit eingeschr\u00e4nkt ist, muss er sein B\u00fcro so organisieren, dass Fristen trotzdem ordnungsgem\u00e4\u00df gewahrt werden k\u00f6nnen (zum Beispiel durch Bereithaltung eines Vertreters).<\/p>\n\n\n\n<p>4. NV: Enth\u00e4lt die Begr\u00fcndung eines Wiedereinsetzungsantrags keine Angaben zu einem f\u00fcr die Gew\u00e4hrung wesentlichen Umstand (hier: die Organisation einer Vertretung), erlaubt dies den Schluss darauf, dass der entsprechende Umstand nicht vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Der Antrag auf Verl\u00e4ngerung der Frist &#8222;f\u00fcr eine Wiedereinsetzung sowie zur Darlegung und Begr\u00fcndung der R\u00fcge&#8220; bis 31.08.2025 wird abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge der R\u00fcgef\u00fchrerin gegen den Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 14.05.2025&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;77\/24 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die Kosten des Verfahrens hat die R\u00fcgef\u00fchrerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Senat hat mit Beschluss vom 14.05.2025&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;77\/24 die Beschwerde der Kl\u00e4gerin, Beschwerdef\u00fchrerin und R\u00fcgef\u00fchrerin (R\u00fcgef\u00fchrerin) wegen Nichtzulassung der Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen. Die Entscheidung wurde dem Prozessbevollm\u00e4chtigten der R\u00fcgef\u00fchrerin am 14.05.2025 um 16:31&nbsp;Uhr formlos \u00fcbermittelt; das Versandprotokoll des Elektronischen Gerichts- und Verwaltungspostfachs weist &#8222;OK&#8220; aus.<\/li><li>Dagegen wendet sich die R\u00fcgef\u00fchrerin mit ihrer am 06.06.2025 beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangenen &#8222;R\u00fcge&#8220; entsprechend \u00a7&nbsp;155 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. \u00a7&nbsp;321a der Zivilprozessordnung (ZPO). Der Prozessbevollm\u00e4chtigte der R\u00fcgef\u00fchrerin macht geltend, die zu r\u00fcgenden Inhalte der Entscheidung seien am 06.06.2025 erkannt worden. Entsprechend \u00a7&nbsp;321a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 ZPO sei die R\u00fcge zwei Wochen nach Kenntnis der zu r\u00fcgenden Gr\u00fcnde zu begr\u00fcnden. Eine Meinung, dass innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe der zu r\u00fcgenden Entscheidung die zu r\u00fcgenden Gr\u00fcnde erkannt werden m\u00fcssten, sei vom Gesetz nicht gedeckt. Wenn dem so w\u00e4re, w\u00e4re der Satz&nbsp;2 v\u00f6llig sinnlos und unbrauchbar.<\/li><li>Weiter tr\u00e4gt der Prozessbevollm\u00e4chtigte vor, ein fr\u00fcheres Erkennen der zu r\u00fcgenden Gr\u00fcnde sei ihm auch aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich gewesen. Beigef\u00fcgt war ein Attest von Herrn Dr.&nbsp;\u2026 (X) vom 17.12.2024, wonach sich der Prozessbevollm\u00e4chtigte in fachorthop\u00e4discher Behandlung befinde, seine Leistungsf\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigt sei und er f\u00fcr die zu bew\u00e4ltigenden Arbeiten\/Auftr\u00e4ge mehr Arbeitszeit ben\u00f6tige.<\/li><li>Mit Schreiben vom 19.06.2025 wurde eine stillschweigende Fristverl\u00e4ngerung f\u00fcr eine m\u00f6gliche Wiedereinsetzung sowie zur Darlegung und Begr\u00fcndung der R\u00fcge beantragt, der eine Terminsanfrage vom 10.06.2025 und eine Terminsbest\u00e4tigung des X f\u00fcr den 07.07.2025 beigef\u00fcgt war.<\/li><li>Mit einem weiteren Schreiben vom 07.07.2025 wurde eine stillschweigende Frist bis zum 31.08.2025 beantragt. Beigef\u00fcgt war ein neues, aktuelles Attest, wonach die Leistungsf\u00e4higkeit des Prozessbevollm\u00e4chtigten beeintr\u00e4chtigt sei und er f\u00fcr die zu bew\u00e4ltigenden Arbeiten\/Auftr\u00e4ge mehr Arbeitszeit ben\u00f6tige.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Anh\u00f6rungsr\u00fcge ist unzul\u00e4ssig, die beantragte Fristverl\u00e4ngerung zur Begr\u00fcndung nicht m\u00f6glich und Wiedereinsetzung nicht zu gew\u00e4hren. Der Gew\u00e4hrung einer weiteren Fristverl\u00e4ngerung bedarf es daher nicht.<\/li><li>1. Der Senat versteht die R\u00fcge der R\u00fcgef\u00fchrerin angesichts der Existenz des \u00a7&nbsp;133a FGO als Anh\u00f6rungsr\u00fcge nach dieser Vorschrift (vgl. dazu z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 10.08.2005&nbsp;&#8211; XI&nbsp;S&nbsp;2\/05, BFH\/NV 2005, 2232, unter II.1.; vom 14.09.2005&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;47\/05, BFH\/NV 2006, 104, unter II.1.; vom 05.12.2006&nbsp;&#8211; V&nbsp;S&nbsp;22\/06, V&nbsp;S&nbsp;23\/06&nbsp;(PKH), BFH\/NV 2007, 920, unter II.3.).<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ist auf die R\u00fcge eines durch eine gerichtliche Entscheidung beschwerten Beteiligten das Verfahren fortzuf\u00fchren, wenn ein Rechtsmittel oder ein anderer Rechtsbehelf gegen die Entscheidung nicht gegeben ist und das Gericht den Anspruch dieses Beteiligten auf rechtliches Geh\u00f6r in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat.<\/li><li>b) Die R\u00fcge ist nach \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO innerhalb von zwei Wochen nach Kenntnis von der Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs zu erheben; der Zeitpunkt der Kenntniserlangung ist glaubhaft zu machen. Nach Ablauf eines Jahres seit Bekanntgabe der angegriffenen Entscheidung kann die R\u00fcge nicht mehr erhoben werden (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO). Formlos mitgeteilte Entscheidungen gelten mit dem vierten Tag nach Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 FGO).<\/li><li>c) Die R\u00fcge muss die angegriffene Entscheidung bezeichnen und das Vorliegen der in Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 genannten Voraussetzungen darlegen (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 FGO). Hierzu muss vom R\u00fcgef\u00fchrer schl\u00fcssig und substantiiert erl\u00e4utert werden, zu welchen Sach- oder Rechtsfragen er sich nicht hat \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen, welches entscheidungserhebliche Vorbringen das Gericht unter Versto\u00df gegen Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes nicht zur Kenntnis genommen oder in Erw\u00e4gung gezogen haben soll und woraus der R\u00fcgef\u00fchrer meint, dies folgern zu k\u00f6nnen (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 26.03.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;S&nbsp;1\/14, BFH\/NV 2014, 1071, Rz&nbsp;7; vom 13.10.2023&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;S&nbsp;8\/23, BFH\/NV 2024, 33, Rz&nbsp;8).<\/li><li>2. Ausgehend davon ist die Anh\u00f6rungsr\u00fcge unzul\u00e4ssig. Sie wurde nicht innerhalb der Frist des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO in der gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 FGO gebotenen Weise begr\u00fcndet.<\/li><li>a) Die R\u00fcgef\u00fchrerin bringt zwar zu Recht vor, dass es auf den Zugang der Entscheidung f\u00fcr die Frage, ob die Anh\u00f6rungsr\u00fcge rechtzeitig eingelegt worden ist, nicht ankommt, sondern die Zweiwochenfrist des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO mit der tats\u00e4chlichen Kenntnis von der Verletzung rechtlichen Geh\u00f6rs beginnt, so dass auch \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 FGO, der nur die Bekanntgabe, nicht aber die Kenntnisnahme betrifft, in diesem Zusammenhang keine Anwendung findet (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 15.12.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;20\/14, BFH\/NV 2015, 508, Rz&nbsp;7; vom 04.05.2020&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;39\/19, BFH\/NV 2020, 1080, Rz&nbsp;3).<\/li><li>b) Da die Frage, wann der R\u00fcgef\u00fchrer nach diesen Grunds\u00e4tzen von der Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs Kenntnis erlangt hat, nur von ihm selbst beantwortet werden kann, also in seine Sph\u00e4re beziehungsweise seinen Wahrnehmungsbereich f\u00e4llt, hat ihm der Gesetzgeber allerdings in \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 FGO aufgegeben, den Zeitpunkt der Kenntniserlangung glaubhaft zu machen (vgl. BFH-Beschluss vom 04.05.2020&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;39\/19, BFH\/NV 2020, 1080, Rz&nbsp;4 und 5). Au\u00dferdem kann es der positiven Kenntnis gleichstehen, wenn der Betroffene sich dieser bewusst verschlie\u00dft und eine gleichsam auf der Hand liegende Kenntnisnahmem\u00f6glichkeit, die jeder andere in seiner Lage wahrgenommen h\u00e4tte, nicht wahrnimmt (vgl. BFH-Beschluss vom 04.05.2020&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;39\/19, BFH\/NV 2020, 1080, Rz&nbsp;3, am Ende).<\/li><li>c) Ausgehend davon hat die R\u00fcgef\u00fchrerin die R\u00fcge zwar m\u00f6glicherweise rechtzeitig erhoben, aber nicht rechtzeitig begr\u00fcndet.<\/li><li>aa) Der Prozessbevollm\u00e4chtigte hat angegeben, dass die von ihm behauptete Verletzung rechtlichen Geh\u00f6rs erst am 06.06.2025 erkannt worden sei. Dies als wahr unterstellt, w\u00e4re die Anh\u00f6rungsr\u00fcge fristgerecht eingelegt.<\/li><li>bb) Der Prozessbevollm\u00e4chtigte hat dann aber innerhalb der sp\u00e4testens dadurch in Gang gesetzten Zweiwochenfrist nicht im Sinne des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 FGO dargelegt, worin er die von ihm als erkannt behauptete Verletzung rechtlichen Geh\u00f6rs zu sehen meint.<\/li><li>cc) Dagegen kann sich die R\u00fcgef\u00fchrerin nicht mit Erfolg darauf berufen, dass der Prozessbevollm\u00e4chtigte vor Ablauf der Frist eine Fristverl\u00e4ngerung beantragt hat; denn die M\u00f6glichkeit der Fristverl\u00e4ngerung sieht das Gesetz insoweit nicht vor (vgl. Beschluss des Bundessozialgerichts vom 12.12.2024&nbsp;&#8211; B&nbsp;5&nbsp;R&nbsp;69\/24&nbsp;AR, juris, Rz&nbsp;3, m.w.N.; Bergkemper in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7&nbsp;133a FGO Rz&nbsp;16), so dass auch die Voraussetzungen der \u00a7\u00a7&nbsp;54, 155 FGO, \u00a7&nbsp;224 Abs.&nbsp;2 ZPO insoweit nicht vorliegen (vgl. auch zur Ausgestaltung der Frist des \u00a7&nbsp;321a ZPO als nicht verl\u00e4ngerbare Notfrist: Beschluss des Bundesgerichtshofs \u2011\u2011BGH\u2011\u2011 vom 05.12.2023&nbsp;&#8211; XI&nbsp;ZA&nbsp;1\/23, juris, Rz&nbsp;9, m.w.N.).<\/li><li>dd) Nach Ablauf der Begr\u00fcndungsfrist ist neues Vorbringen unbeachtlich (BFH-Beschl\u00fcsse vom 15.07.2009&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;53\/08, juris, Rz&nbsp;13; vom 05.10.2010&nbsp;&#8211; IX&nbsp;S&nbsp;7\/10, BFH\/NV 2011, 57, Rz&nbsp;6).<\/li><li>3. Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist auch nicht zu gew\u00e4hren.<\/li><li>a) Wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten, so ist ihm nach \u00a7&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO auf Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew\u00e4hren.<\/li><li>aa) Der Antrag ist nach \u00a7&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO binnen zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses zu stellen; bei Vers\u00e4umung der Frist zur Begr\u00fcndung der Revision oder der Nichtzulassungsbeschwerde betr\u00e4gt die Frist einen Monat. Die Tatsachen zur Begr\u00fcndung des Antrags sind bei der Antragstellung oder im Verfahren \u00fcber den Antrag glaubhaft zu machen (\u00a7&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO). Nach \u00a7&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 ZPO i.V.m. \u00a7&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO muss sich jeder Beteiligte das Verschulden seines Prozessbevollm\u00e4chtigten wie eigenes Verschulden zurechnen lassen (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 15.05.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;14\/17, BFH\/NV 2019, 924, Rz&nbsp;7).<\/li><li>bb) Im Falle einer Erkrankung des Prozessbevollm\u00e4chtigten erfordert ein schl\u00fcssiger Wiedereinsetzungsantrag unter anderem die Darlegung einer geeigneten Notfall-Vorsorge, die auch bei einer unvorhersehbaren Verhinderung des Bevollm\u00e4chtigten die Funktionsf\u00e4higkeit des B\u00fcros, insbesondere die \u00dcberwachung der Fristsachen, gew\u00e4hrleistet (BFH-Beschluss vom 04.08.2020&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;15\/18, BFH\/NV 2021, 29, Rz&nbsp;18, m.w.N.). Wer gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig fremde Rechtsangelegenheiten besorgt, muss zur Vermeidung eines Organisationsverschuldens grunds\u00e4tzlich daf\u00fcr Vorkehrungen treffen, dass auch bei einer nicht vorhergesehenen Erkrankung Fristen in den Verfahren gewahrt werden, deren Betreuung er im Rahmen des betreffenden Gesch\u00e4ftsbetriebes \u00fcbernommen hat (vgl. BFH-Beschluss vom 09.04.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;9\/18, BFH\/NV 2018, 828, Rz&nbsp;15, m.w.N.; s.a. BFH-Beschl\u00fcsse vom 24.07.1992&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;39\/86, BFH\/NV 1993, 308; vom 10.12.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;19\/17, BFH\/NV 2020, 375, Rz&nbsp;8). Wer \u2011\u2011wie der Prozessbevollm\u00e4chtigte der R\u00fcgef\u00fchrerin\u2011\u2011 wegen einer chronischen Erkrankung in seiner Arbeitsf\u00e4higkeit eingeschr\u00e4nkt ist, muss sein B\u00fcro so organisieren, dass Fristen auch f\u00fcr den Fall eines pl\u00f6tzlich auftretenden Krankheitsschubes ordnungsgem\u00e4\u00df gewahrt werden k\u00f6nnen, zum Beispiel durch Bereithaltung eines Vertreters (vgl. BFH-Beschluss vom 05.05.2020&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;33\/19, BFH\/NV 2020, 907, Rz&nbsp;24).<\/li><li>b) Nach diesen Grunds\u00e4tzen kommt eine Wiedereinsetzung schon deshalb nicht in Betracht, weil die R\u00fcgef\u00fchrerin nicht ordnungsgem\u00e4\u00df vorgetragen hat, dass ihr Prozessbevollm\u00e4chtigter ohne Verschulden daran gehindert war, die Frist des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO zur Darlegung der angeblichen Verletzungen rechtlichen Geh\u00f6rs (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 FGO) zu wahren, weil jeglicher Vortrag zur Organisation seiner Vertretung fehlt.<\/li><li>aa) Zwar w\u00e4re im Verfahren der Anh\u00f6rungsr\u00fcge eine Wiedereinsetzung grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 10.06.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;S&nbsp;7\/15, BFH\/NV 2015, 1267, Rz&nbsp;3; vom 12.01.2023&nbsp;&#8211; IX&nbsp;S&nbsp;15\/22, BFH\/NV 2023, 269, Rz&nbsp;4).<\/li><li>bb) Allerdings liegen die Voraussetzungen hierf\u00fcr nicht vor, weil nicht dargelegt ist, welche Vorkehrungen der (nach eigenem Bekunden bereits seit Dezember 2024 bis heute in seiner Leistungsf\u00e4higkeit eingeschr\u00e4nkte) Prozessbevollm\u00e4chtigte zur Wahrung von Fristen getroffen hat, insbesondere inwieweit er f\u00fcr eine Vertretung gesorgt hat. Der Vortrag des Prozessbevollm\u00e4chtigten legt vielmehr nahe, dass keine Vertretung existiert und der Prozessbevollm\u00e4chtigte meint, dass der Senat auf eine Begr\u00fcndung so lange warten m\u00fcsse, bis er selbst in eigener Person dazu komme, die Anh\u00f6rungsr\u00fcge zu begr\u00fcnden. Das ist jedoch nicht der Fall, sondern der Prozessbevollm\u00e4chtigte muss f\u00fcr eine Vertretung sorgen, die statt seiner die Fristen wahrt. Dass eine solche Vertretung existiert, aber nicht handeln kann, oder weshalb die Bestellung eines Vertreters unm\u00f6glich sein soll, ist weder vorgetragen noch sonst ersichtlich. Diese fehlenden Darlegungen muss sich die R\u00fcgef\u00fchrerin zurechnen lassen.<\/li><li>cc) Der Senat ist auch nicht verpflichtet, die fachkundig vertretene R\u00fcgef\u00fchrerin darauf hinzuweisen, dass die Umst\u00e4nde, die zur Fristvers\u00e4umung gef\u00fchrt haben, vollst\u00e4ndig vorgetragen werden m\u00fcssen; tragen die zur Begr\u00fcndung des Wiedereinsetzungsantrags gemachten Angaben den Anforderungen an ein vollst\u00e4ndiges Vorbringen nicht Rechnung, erlaubt dies den Schluss darauf, dass entsprechende Umst\u00e4nde \u2011\u2011hier: Organisation einer Vertretung\u2011\u2011 nicht vorliegen (vgl. BGH-Beschluss vom 23.04.2024&nbsp;&#8211; VIa&nbsp;ZB&nbsp;16\/23, juris, Rz&nbsp;18).<\/li><li>4. Angesichts des Umstands, dass die Anh\u00f6rungsr\u00fcge unzul\u00e4ssig ist, die Frist zur Darlegung des angeblichen Versto\u00dfes gegen das rechtliche Geh\u00f6r nicht verl\u00e4ngerbar ist, sp\u00e4ter eingehendes Vorbringen unbeachtlich ist, bis zum Ablauf der Wiedereinsetzungsfrist trotz Bestehens der Erkrankung seit Dezember 2024 kein Vortrag zur Organisation der Vertretung erfolgt ist und fehlende Angaben nach Ablauf der Frist des \u00a7&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 FGO nicht mehr nachgeholt werden k\u00f6nnen (vgl. BFH-Beschluss vom 20.05.2011&nbsp;&#8211; V&nbsp;S&nbsp;10\/11, BFH\/NV 2011, 1526, Rz&nbsp;6, m.w.N.), kann der Senat den gestellten Antrag auf weitere Fristverl\u00e4ngerung bis 31.08.2025 in diesem Beschluss ablehnen (vgl. BFH-Beschluss vom 20.12.1995&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;85\/95, BFH\/NV 1996, 487).<\/li><li>5. Der Senat sieht von einer weiteren Begr\u00fcndung ab (\u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 FGO).<\/li><li>6. F\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Anh\u00f6rungsr\u00fcge wird eine Geb\u00fchr in H\u00f6he von 66&nbsp;\u20ac erhoben (Nr.&nbsp;6400 des Kostenverzeichnisses, Anlage&nbsp;1 zu \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.250725.XIS12.25.0 BFH XI. Senat FGO \u00a7 133a Abs 2 S 1, FGO \u00a7 133a Abs 2 S 3, FGO \u00a7 133a Abs 2 S 4, FGO \u00a7 133a Abs 2 S 5, FGO \u00a7 56 Abs 2 vorgehend BFH , 14. Mai 2025, Az: XI B 77\/24 Leits\u00e4tze 1. NV: Die Zweiwochenfrist des \u00a7&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-25-juli-2025-xi-s-12-25-anhoerungsruege-frist-kenntnis-chronische-erkrankung-eingeschraenkte-arbeitsfaehigkeit-organisation-einer-vertretung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 25. 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