{"id":77928,"date":"2025-08-22T16:56:45","date_gmt":"2025-08-22T14:56:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77928"},"modified":"2025-08-22T16:56:45","modified_gmt":"2025-08-22T14:56:45","slug":"bfh-beschluss-vom-30-juli-2025-v-b-63-23-indizwirkung-des-mit-einem-ok-vermerk-versehenen-sendeberichts-bei-der-uebermittlung-eines-schriftstuecks-per-telefax","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-30-juli-2025-v-b-63-23-indizwirkung-des-mit-einem-ok-vermerk-versehenen-sendeberichts-bei-der-uebermittlung-eines-schriftstuecks-per-telefax\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 30. Juli 2025, V B 63\/23: Indizwirkung des mit einem &#8222;OK-Vermerk&#8220; versehenen Sendeberichts bei der \u00dcbermittlung eines Schriftst\u00fccks per Telefax"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.300725.VB63.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH V. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 47 Abs 1 S 1 Halbs 1, FGO \u00a7 76 Abs 1 S 1, FGO \u00a7 116 Abs 6, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, ZPO \u00a7 295<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern , 27. September 2023, Az: 3 K 856\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Der &#8222;OK-Vermerk&#8220; eines Sendeberichts belegt \u2011\u2011jedenfalls\u2011\u2011 das Zustandekommen einer Verbindung zwischen dem Telefaxger\u00e4t des Absenders und dem des Empf\u00e4ngers; er stellt damit wenigstens ein Indiz f\u00fcr den Zugang eines Telefaxes dar (Anschluss an Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 22.06.2020&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;117\/19, BFH\/NV 2020, 1270).<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Zwar tr\u00e4gt der Kl\u00e4ger grunds\u00e4tzlich die objektive Beweislast (Feststellungslast) f\u00fcr die fristgerechte Klageerhebung, allerdings darf ihm nicht die Feststellungslast f\u00fcr Vorg\u00e4nge aufgeb\u00fcrdet werden, die sich im gerichtsinternen Bereich abgespielt haben und deren Unaufkl\u00e4rbarkeit allein in den Verantwortungsbereich des Gerichts f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts des Landes Sachsen-Anhalt vom 27.09.2023&nbsp;&#8211; 3&nbsp;K&nbsp;856\/20 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Sachsen-Anhalt zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Beschwerdeverfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das Finanzgericht (FG) zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung. Das Urteil des FG beruht \u2011\u2011was die Kl\u00e4gerin zu Recht r\u00fcgt\u2011\u2011 auf einer Verletzung der Sachaufkl\u00e4rungspflicht (\u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) und damit auf einem Verfahrensfehler im Sinne von \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO.<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO hat das Gericht den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen. Danach ist es grunds\u00e4tzlich Aufgabe des Gerichts, die tats\u00e4chlichen Grundlagen der zu treffenden Entscheidung zu ermitteln (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 17.09.2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;18\/03, BFH\/NV 2004, 207). Unbeschadet der Mitwirkungspflichten der Beteiligten hat das FG dem Amtsermittlungsgrundsatz besondere Bedeutung zuzumessen, soweit es sich um Feststellungen handelt, denen unmittelbar entscheidungserhebliche Bedeutung zukommt. In diesen F\u00e4llen hat das FG jedenfalls solchen tats\u00e4chlichen Zweifeln nachzugehen, die sich ihm nach Lage der Akten und dem Vortrag der Beteiligten aufdr\u00e4ngen m\u00fcssen (z.B. BFH-Beschluss vom 07.07.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;134\/13, BFH\/NV 2014, 1772, Rz&nbsp;11).<\/li><li>2. Gemessen daran hat das FG seine Pflicht zur Erforschung des Sachverhalts von Amts wegen verletzt, indem es nicht hinreichend aufgekl\u00e4rt hat, ob die Klageschrift vom 08.10.2020 bereits an diesem Datum \u2011\u2011und damit innerhalb der Frist des \u00a7&nbsp;47 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 FGO\u2011\u2011 als Fax beim FG eingegangen ist.<\/li><li>a) Das FG hat \u2011\u2011ohne sich insoweit n\u00e4her mit den Gegebenheiten des Streitfalls auseinanderzusetzen\u2011\u2011 angenommen, dass die Klageschrift vom 08.10.2020 &#8222;erst&#8220; am 15.10.2020 als Postst\u00fcck bei Gericht \u2011\u2011und damit nach Ablauf der Frist des \u00a7&nbsp;47 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 FGO\u2011\u2011 einging. F\u00fcr die damit verbundene Annahme, dass die Klage nicht \u2011\u2011wie von der Kl\u00e4gerin behauptet und zu diesem Zeitpunkt (noch) zul\u00e4ssig (zum Inkrafttreten des \u00a7&nbsp;52d Satz&nbsp;1 FGO vgl. BFH-Beschluss vom 16.01.2024&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;34\/22, BFHE 283, 206, Rz&nbsp;13)\u2011\u2011 bereits am 08.10.2020 per Fax beim FG eingegangen ist, lassen sich der Entscheidung des FG keine tats\u00e4chlichen Grundlagen entnehmen (FG-Urteil S.&nbsp;10 unter 2.a).<\/li><li>b) Es bestehen aber \u2011\u2011aufgrund der sich bei den Akten befindlichen Sendeberichte\u2011\u2011 Anhaltspunkte f\u00fcr den Eingang der per Telefax gesendeten Klageschrift beim FG am 08.10.2020.<\/li><li>aa) So belegt der &#8222;OK-Vermerk&#8220; eines Sendeberichts \u2011\u2011jedenfalls\u2011\u2011 das Zustandekommen einer Verbindung zwischen dem Telefaxger\u00e4t des Absenders und dem des Empf\u00e4ngers (Beschluss des Bundesgerichtshofs \u2011\u2011BGH\u2011\u2011 vom 14.05.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;ZR&nbsp;289\/12, Neue Juristische Wochenschrift \u2011\u2011NJW\u2011\u2011 2013, 2514, Rz&nbsp;11; Beschluss des Bundessozialgerichts vom 20.10.2009&nbsp;&#8211; B&nbsp;5&nbsp;R&nbsp;84\/09&nbsp;B); er stellt damit wenigstens ein Indiz f\u00fcr den Zugang eines Telefaxes dar (BFH-Beschluss vom 22.06.2020&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;117\/19, BFH\/NV 2020, 1270, Rz&nbsp;18; ebenso BGH-Urteile vom 07.12.1994&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;ZR&nbsp;153\/93, NJW 1995, 665, unter II.3.; vom 19.02.2014&nbsp;&#8211; IV&nbsp;ZR&nbsp;163\/13, NJW-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht \u2011\u2011NJW-RR\u2011\u2011 2014, 683; BGH-Beschl\u00fcsse vom 08.10.2013&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;ZB&nbsp;13\/13, NJW-RR 2014, 179, Rz&nbsp;12; vom 14.05.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;ZR&nbsp;289\/12, NJW 2013, 2514, Rz&nbsp;11; vom 21.07.2011&nbsp;&#8211; IX&nbsp;ZR&nbsp;148\/10, Immobilien- &amp; Baurecht \u2011\u2011IBR\u2011\u2011 2011, 733, Rz&nbsp;3; vgl. auch Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 14.08.2002&nbsp;&#8211; 5&nbsp;AZR&nbsp;169\/01, BAGE 102, 171), welches das Tatsachengericht im Rahmen des ihm obliegenden Amtsermittlungsgrundsatzes (\u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) zu einer weiteren Sachaufkl\u00e4rung verpflichten kann (BFH-Beschluss vom 22.06.2020&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;117\/19, BFH\/NV 2020, 1270, Rz&nbsp;19).<\/li><li>bb) Unter den Gegebenheiten des Streitfalls ergibt sich auch aus dem von der Kl\u00e4gerin mit ihrem Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand vom 23.10.2020 vorgelegten &#8222;Sendebericht&#8220; ein Indiz f\u00fcr den Zugang der Klageschrift am 08.10.2020.<\/li><li>(1) Dieser enth\u00e4lt \u2011\u2011neben einem Teil des ersten Blattes der Klageschrift vom 08.10.2020\u2011\u2011 unter anderem die Zeitangabe &#8222;08\/10 15:50&#8220;, eine Seitenanzahl von 14, die Faxnummer des FG sowie die Angabe &#8222;\u00dcBERTR OK&#8220;. Zwar findet sich hierin zugleich f\u00fcr die &#8222;\u00dc.-DAUER&#8220; die Angabe &#8222;00:00:00&#8220;. Hieraus folgt jedoch im Streitfall nicht, dass die Angabe &#8222;\u00dcBERTR OK&#8220; kein Indiz f\u00fcr den Zugang der Klageschrift vom 08.10.2020 darstellt. Vielmehr weist der von der Kl\u00e4gerin in der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG vorgelegte, ihren Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand vom 23.10.2020 betreffende &#8222;Sendebericht&#8220; neben der Angabe &#8222;\u00dcBERTR OK&#8220; ebenfalls &#8222;00:00:00&#8220; als &#8222;\u00dc.-DAUER&#8220; aus, obwohl der Antrag an dem im Sendebericht angegebenen Datum per Fax beim FG eingegangen ist. Dar\u00fcber hinaus l\u00e4sst sich die in dem Sendebericht angegebene Uhrzeit (&#8222;12:02&#8220;) in \u00dcbereinstimmung mit der Angabe auf dem bei den Akten befindlichen Faxausdruck (&#8222;12:03&#8220;) bringen.<\/li><li>Da damit nahe liegt, dass das Faxger\u00e4t der Kl\u00e4gerin auch bei einer mit &#8222;00:00:00&#8220; angegebenen \u00dcbertragungsdauer Faxsendungen vollst\u00e4ndig an das Empf\u00e4ngerger\u00e4t \u00fcbertr\u00e4gt \u2011\u2011und damit der Vermerk &#8222;\u00dcBERTR OK&#8220; auch in diesen F\u00e4llen einen Anhaltspunkt f\u00fcr den Zugang des betreffenden Telefaxes bei dem Empf\u00e4nger darstellt\u2011\u2011, h\u00e4tte sich das FG nicht darauf beschr\u00e4nken d\u00fcrfen, den Eingang der Klageschrift am 08.10.2020 ohne Weiteres zu verneinen. Vielmehr h\u00e4tte sich ihm die Notwendigkeit einer weiteren Sachverhaltsermittlung \u2011\u2011ohne dass es auf die von der Kl\u00e4gerin in der m\u00fcndlichen Verhandlung gestellten (Beweis-)Antr\u00e4ge ankommt\u2011\u2011 von Amts wegen aufdr\u00e4ngen m\u00fcssen.<\/li><li>(2) So h\u00e4tte sich das FG angesichts der \u2011\u2011mit insoweit identischen Angaben des &#8222;Sendeberichts&#8220;\u2011\u2011 erfolgreichen \u00dcbertragung des Faxes am 23.10.2020 mit der technischen Bedeutung der Angabe &#8222;\u00dcBERTR OK&#8220; sowie der mit &#8222;00:00:00&#8220; angegebenen &#8222;\u00dc.-DAUER&#8220; auseinandersetzen m\u00fcssen. Insbesondere w\u00e4re \u2011\u2011unter Heranziehung des von der Kl\u00e4gerin vorgelegten Benutzerhandbuchs sowie gegebenenfalls unter Heranziehung eines Sachverst\u00e4ndigen (vgl. hierzu Oberlandesgericht \u2011\u2011OLG\u2011\u2011 Frankfurt, Urteil vom 05.03.2010&nbsp;&#8211; 19&nbsp;U&nbsp;213\/09, IBR 2010, 267; OLG Karlsruhe, Urteil vom 30.09.2008&nbsp;&#8211; 12&nbsp;U&nbsp;65\/08, Der Betrieb 2008, 2479)\u2011\u2011 der Frage nachzugehen gewesen, ob bei dem konkreten von der Kl\u00e4gerin verwendeten Ger\u00e4t der Vermerk &#8222;\u00dcBERTR OK&#8220; bei gleichzeitiger Angabe einer bestimmten Seitenzahl sowie der &#8222;\u00dc.-DAUER&#8220; mit &#8222;00:00:00&#8220; das Zustandekommen einer Verbindung zwischen dem Telefaxger\u00e4t des Absenders und dem des Empf\u00e4ngers belegt sowie \u2011\u2011hierauf aufbauend\u2011\u2011, ob die \u00dcbermittlung einer Telefaxnachricht trotz Vorliegens eines Sendeberichts mit dem Vermerk &#8222;\u00dcBERTR OK&#8220; an Leitungsst\u00f6rungen, die zum Abbruch der Verbindung gef\u00fchrt haben k\u00f6nnten, gescheitert sein k\u00f6nnte.<\/li><li>(3) Die vom FG vorgenommene Sachaufkl\u00e4rung ist erkennbar unzureichend. Das FG hat sich auf eine &#8222;Nachfrage&#8220; bei seinem &#8222;Systemadministrator&#8220; beschr\u00e4nkt, der mitteilte, dass es aus technischen Gr\u00fcnden nicht (mehr) m\u00f6glich sei, das Faxjournal des Gerichtsfaxes als Empfangsger\u00e4t f\u00fcr den 08.10.2020 abzurufen oder auszudrucken. Hierbei l\u00e4sst das FG jedoch unber\u00fccksichtigt, dass es f\u00fcr die &#8222;Erhebung&#8220; der Klage ausschlie\u00dflich darauf ankommt, dass diese in die Verf\u00fcgungsgewalt des Gerichts gelangt ist (vgl. BFH-Urteil vom 30.05.1984&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;218\/80, BFHE 141, 221, BStBl II 1984, 668), nicht aber auf eine tats\u00e4chliche Kenntnisnahme. Daher h\u00e4tte das FG dienstliche Erkl\u00e4rungen der damals mit der Bedienung des Telefaxger\u00e4ts betrauten Bediensteten des Gerichts einholen m\u00fcssen, um aufzukl\u00e4ren, ob es \u2011\u2011worauf auch einer der von der Kl\u00e4gerin in der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG gestellten Beweisantr\u00e4ge abzielt\u2011\u2011 am 08.10.2020 bei dem von der Kl\u00e4gerin angew\u00e4hlten Telefaxger\u00e4t zu einer St\u00f6rung gekommen war und wie eingegangene Telefaxschreiben im Gesch\u00e4ftsgang erfasst wurden. Ferner w\u00e4re zu ermitteln gewesen, wie die Weiterleitung eingegangener Telefaxschreiben an die einzelnen Gesch\u00e4ftsstellen im Oktober 2020 organisiert war und wie sichergestellt wurde, dass als Telefax eingegangene Klagen einer anzulegenden Verfahrensakte zugeordnet und dort abgeheftet wurden.<\/li><li>3. Ungeachtet des Umstandes, dass die Kl\u00e4gerin in der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG auf die Erhebung eines Zeugen- sowie eines Sachverst\u00e4ndigenbeweises gerichtete Antr\u00e4ge gestellt hat, und das FG im Urteil begr\u00fcndet hat, warum es von der Erhebung der beantragten Beweise abgesehen hat (vgl. hierzu z.B. BFH-Beschluss vom 26.11.2008&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;122\/08, BFH\/NV 2009, 600), hat die Kl\u00e4gerin in Bezug auf die dargelegten Sachaufkl\u00e4rungsm\u00e4ngel ihr R\u00fcgerecht nach \u00a7&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;295 der Zivilprozessordnung in jedem Fall schon deshalb nicht verloren, da sich dem FG die Notwendigkeit der weiteren Aufkl\u00e4rung auch ohne Antrag h\u00e4tte aufdr\u00e4ngen m\u00fcssen (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 22.05.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;109\/18, BFH\/NV 2019, 900).<\/li><li>4. Das Urteil des FG kann auf der unzureichenden Sachaufkl\u00e4rung beruhen. Es besteht die M\u00f6glichkeit, dass sich das FG bei der gebotenen weiteren Sachaufkl\u00e4rung vom fristgerechten Eingang der Klage \u00fcberzeugt h\u00e4tte. Dabei ist auch zu ber\u00fccksichtigen, dass \u2011\u2011l\u00e4sst sich der Nachweis f\u00fcr die fristgerechte Klageerhebung nicht f\u00fchren\u2011\u2011 zwar die Kl\u00e4gerin hierf\u00fcr grunds\u00e4tzlich die objektive Beweislast (Feststellungslast) tr\u00e4gt (vgl. BFH-Urteile vom 24.09.1985&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;47\/83, BFHE 145, 299, BStBl II 1986, 268; vom 21.04.1988&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;200\/85, BFH\/NV 1989, 172; BFH-Beschluss vom 08.07.2003&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;3\/03, BFH\/NV 2003, 1441), ihr diese jedoch nicht f\u00fcr Vorg\u00e4nge aufgeb\u00fcrdet werden darf, die sich im gerichtsinternen Bereich abgespielt haben und deren Unaufkl\u00e4rbarkeit \u2011\u2011was im Streitfall angesichts des Umstandes, dass sich das FG erst am 22.09.2023 und damit nahezu drei Jahre nach dem behaupteten Klageeingang zu einer &#8222;Nachfrage&#8220; bei seinem &#8222;Systemadministrator&#8220; veranlasst sah, in Betracht kommt\u2011\u2011 allein in den Verantwortungsbereich des Gerichts f\u00e4llt (vgl. BFH-Urteil vom 28.10.1987&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;12\/84, BFHE 151, 315, BStBl II 1988, 111; s.a. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 01.08.1996&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;121\/95, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1996, 759).<\/li><li>5. Der Senat h\u00e4lt es f\u00fcr angezeigt, nach \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcckzuverweisen. Dem FG wird hierdurch Gelegenheit gegeben, die unterbliebenen Ermittlungen im zweiten Rechtsgang nachzuholen.<\/li><li>6. Von einer weiteren Begr\u00fcndung wird nach \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO, der auch f\u00fcr den Beschluss nach \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO gilt (vgl. BFH-Beschluss vom 26.01.2001&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;156\/00, BFH\/NV 2001, 808), abgesehen.<\/li><li>7. Die \u00dcbertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:B.300725.VB63.23.0 BFH V. Senat FGO \u00a7 47 Abs 1 S 1 Halbs 1, FGO \u00a7 76 Abs 1 S 1, FGO \u00a7 116 Abs 6, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, ZPO \u00a7 295 vorgehend Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern , 27. September 2023, Az: 3 K 856\/20 Leits\u00e4tze 1. NV: Der &#8222;OK-Vermerk&#8220; eines Sendeberichts belegt \u2011\u2011jedenfalls\u2011\u2011 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-30-juli-2025-v-b-63-23-indizwirkung-des-mit-einem-ok-vermerk-versehenen-sendeberichts-bei-der-uebermittlung-eines-schriftstuecks-per-telefax\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 30. 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