{"id":77932,"date":"2025-08-22T16:57:33","date_gmt":"2025-08-22T14:57:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=77932"},"modified":"2025-08-22T16:57:33","modified_gmt":"2025-08-22T14:57:33","slug":"bfh-urteil-vom-10-juli-2025-iii-r-24-24-unzulaessige-klage-gegen-die-ausgangsbehoerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-10-juli-2025-iii-r-24-24-unzulaessige-klage-gegen-die-ausgangsbehoerde\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 10. Juli 2025, III R 24\/24: Unzul\u00e4ssige Klage gegen die Ausgangsbeh\u00f6rde"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.100725.IIIR24.24.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 127, EStG \u00a7 62 Abs 1 S 1, EStG \u00a7 63 Abs 1 S 1 Nr 1, EStG \u00a7 32 Abs 1 Nr 2, EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 3, FGO \u00a7 57 Nr 2, FGO \u00a7 63 Abs 2 Nr 1, FVG \u00a7 5 Abs 1 S 1 Nr 11 S 4<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG N\u00fcrnberg, 07. Juni 2024, Az: 7 K 140\/23<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Ist die Ausgangsbeh\u00f6rde beim Erlass des urspr\u00fcnglichen Bescheids unzutreffend von ihrer \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit ausgegangen, hat dann jedoch die \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde die Einspruchsentscheidung erlassen, ist diese und nicht die Ausgangsbeh\u00f6rde passiv prozessf\u00fchrungsbefugt. Die f\u00fcr eine \u00c4nderung der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit w\u00e4hrend des Einspruchsverfahrens ma\u00dfgebliche Regelung des \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung ist auf diesen Fall zu \u00fcbertragen (Best\u00e4tigung des Senatsurteils vom 21.05.2025&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/24).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Finanzgerichts N\u00fcrnberg vom 07.06.2024&nbsp;&#8211; 7&nbsp;K&nbsp;140\/23 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>In der Sache sind der Kindergeldanspruch des Kl\u00e4gers und Revisionskl\u00e4gers (Kl\u00e4ger) f\u00fcr seinen &#8230; geborenen j\u00fcngeren Bruder (C) f\u00fcr die Zeit von Dezember 2020 bis einschlie\u00dflich August 2022 und der diesbez\u00fcgliche Kinderbonus streitig.<\/li><li>C ist schwerbehindert mit einem Grad der Behinderung von 100 und den Merkzeichen B, G und H. Die Behinderung besteht seit Geburt. Beide Elternteile sind verstorben. Der Kl\u00e4ger ist seit &#8230; zum Ersatzbetreuer und seit sp\u00e4testens &#8230; zum Betreuer f\u00fcr C bestellt. Der Kl\u00e4ger bezog Kindergeld f\u00fcr C (\u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, Satz&nbsp;2, \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2, Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes \u2011\u2011EStG\u2011\u2011), zuletzt unbefristet festgesetzt durch Bescheid vom 12.10.2017.<\/li><li>Mit Beschluss Nr.&nbsp;12\/2022 vom 27.01.2022 errichtete der Vorstand der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) die Familienkasse Zentraler Kindergeldservice bei der Agentur f\u00fcr Arbeit Sachsen-Anhalt Nord (Familienkasse ZKGS) mit Sitz in Magdeburg als weitere Familienkasse mit Sonderzust\u00e4ndigkeit ab 01.02.2022 (Amtliche Nachrichten der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit \u2011\u2011ANBA\u2011\u2011, Nr.&nbsp;5\/2022, S.&nbsp;5&nbsp;ff.). Er \u00fcbertrug der Familienkasse ZKGS mit diesem Beschluss und mit dem Beschluss Nr.&nbsp;129\/2022 vom 03.11.2022 (ANBA, Nr.&nbsp;12\/2022, S.&nbsp;11&nbsp;ff., ANBA, Nr.&nbsp;4\/2023, S.&nbsp;10&nbsp;ff.) unter anderem die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Personen, deren Daten besonders sch\u00fctzenswert sind, darunter namentlich Kinder mit Behinderung.<\/li><li>Nach einer \u00dcberpr\u00fcfung hob die vorher \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) nach Anh\u00f6rung des Kl\u00e4gers die Festsetzung von Kindergeld f\u00fcr C f\u00fcr die Monate Dezember 2020 bis einschlie\u00dflich August 2022 sowie den Kinderbonus 2021 und 2022 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG mit Bescheid vom 10.01.2023 auf und forderte Erstattung in H\u00f6he von 4.834&nbsp;\u20ac gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO).<\/li><li>Hiergegen legte der Kl\u00e4ger Einspruch ein. Der Einspruch wurde an die Familienkasse ZKGS weitergeleitet und von dieser mit Einspruchsentscheidung vom 13.02.2024 zur\u00fcckgewiesen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger erhob hierauf Klage gegen die Familienkasse. Er wurde mit Eingangsbest\u00e4tigung vom 18.03.2024 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) auf m\u00f6gliche Bedenken hinsichtlich der Zul\u00e4ssigkeit der Klage hingewiesen. Er vertrat diesbez\u00fcglich die Auffassung, die Klage sei gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO gegen die Beh\u00f6rde zu richten, die den urspr\u00fcnglichen Verwaltungsakt erlassen habe. Das sei hier die Familienkasse; diese sei die richtige Beklagte. Darauf, dass die Einspruchsentscheidung durch die Familienkasse ZKGS erlassen worden sei, komme es nicht an. Die Familienkasse ZKGS sei nicht wirksam errichtet worden. Ihr fehle die Passivlegitimation.<\/li><li>Mit Schreiben vom 15.05.2024 wies das Finanzgericht (FG) die Familienkasse auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zu \u00a7&nbsp;63 FGO bei &#8222;Zust\u00e4ndigkeitswechsel bzw. Unzust\u00e4ndigkeit auf Beklagtenseite&#8220; hin (z.B. Senatsurteile vom 19.01.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;2\/22, BFHE 279, 20, BStBl II 2023, 626, und vom 16.02.2023&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;6\/22, BFH\/NV 2023, 841, wonach die sachliche Unzust\u00e4ndigkeit der Ausgangsbeh\u00f6rde durch eine Einspruchsentscheidung der sachlich und \u00f6rtlich zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde nicht geheilt werde). Der Kl\u00e4ger erhielt einen Abdruck dieses Schreibens.<\/li><li>Die Prozessbevollm\u00e4chtigte beantragte f\u00fcr den Kl\u00e4ger, den Bescheid der Familienkasse vom 10.01.2023 und die Einspruchsentscheidung der Familienkasse ZKGS vom 13.02.2024 aufzuheben und die Familienkasse zu verpflichten, Kindergeld f\u00fcr C f\u00fcr die Zeit von Dezember 2020 bis einschlie\u00dflich August 2022 zuz\u00fcglich Kinderboni zu bewilligen.<\/li><li>Die Familienkasse beantragte, die Klage als unzul\u00e4ssig abzuweisen. Sie sei nicht die richtige Beklagte, denn die Einspruchsentscheidung vom 13.02.2024 sei durch die mittlerweile \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Familienkasse ZKGS erlassen worden.<\/li><li>Das FG wies die Klage ab. Sie sei unzul\u00e4ssig, da sie nicht gegen die passivlegitimierte Beh\u00f6rde gerichtet sei. Passivlegitimiert sei in entsprechender Anwendung der Vorschrift des \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO die Beh\u00f6rde, welche die Einspruchsentscheidung erlassen habe, also die Familienkasse ZKGS. Dies h\u00e4tte auch der in der Einspruchsentscheidung enthaltenen \u2011\u2011insoweit zutreffenden\u2011\u2011 Rechtsbehelfsbelehrung entsprochen (wonach eine Klage gegen die &#8222;oben bezeichnete Familienkasse&#8220; zu richten sei). Die streitgegenst\u00e4ndliche Klage sei jedoch \u2011\u2011auch auf Nachfrage der Berichterstatterin\u2011\u2011 ausdr\u00fccklich gegen die Familienkasse als Ausgangsbeh\u00f6rde (\u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO) gerichtet worden und sei somit unzul\u00e4ssig.<\/li><li>Die \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit in Kindergeldf\u00e4llen sei f\u00fcr Kinder mit Behinderung zum 01.02.2022 wirksam auf die Familienkasse ZKGS \u00fcbergegangen. Die Familienkasse sei f\u00fcr den Erlass des streitgegenst\u00e4ndlichen Bescheids nicht mehr zust\u00e4ndig gewesen.<\/li><li>Sei vor Erlass der Entscheidung \u00fcber den Einspruch eine andere als die urspr\u00fcnglich zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde f\u00fcr den Steuerfall \u00f6rtlich zust\u00e4ndig geworden, so sei gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO die Klage gegen die Beh\u00f6rde zu richten, welche die Einspruchsentscheidung erlassen habe. Diese Vorschrift sei entsprechend anzuwenden, wenn die \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit schon zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt auf die die Einspruchsentscheidung erlassende Beh\u00f6rde \u00fcbergegangen und der Ausgangsbescheid somit von einer \u00f6rtlich unzust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde und die Einspruchsentscheidung von der \u00f6rtlich zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde erlassen worden sei (vgl. BFH-Beschluss vom 28.01.2002&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;83\/01, BFH\/NV 2002, 934; BFH-Urteil vom 19.01.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;31\/15, BFHE 256, 502, BStBl II 2017, 642).<\/li><li>Die Vorentscheidung ist in juris ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Gegen dieses Urteil wendet sich der Kl\u00e4ger mit der Revision. Er tr\u00e4gt vor, das FG habe die Klage zu Unrecht als unzul\u00e4ssig verworfen. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO sei die Klage gegen die Beh\u00f6rde zu richten, welche den urspr\u00fcnglichen Verwaltungsakt erlassen habe, im Streitfall also gegen die Familienkasse. Er (der Kl\u00e4ger) gehe davon aus, dass die Familienkasse ZKGS nicht wirksam errichtet worden sei. Selbst wenn man jedoch insoweit der Auffassung des FG folgen und annehmen w\u00fcrde, dass die Familienkasse ZKGS wirksam gegr\u00fcndet worden sei, w\u00e4re schon der Ausgangsbescheid von einer unzust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde erlassen worden. Es liege auch dann kein Zust\u00e4ndigkeitswechsel nach Erlass des Ausgangsbescheids und vor Ergehen der Einspruchsentscheidung vor. \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO erfasse einen solchen Fall nicht.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG N\u00fcrnberg vom 07.06.2024&nbsp;&#8211; 7&nbsp;K&nbsp;140\/23 sowie den Bescheid der Familienkasse vom 10.01.2023 und die Einspruchsentscheidung der Familienkasse ZKGS vom 13.02.2024 aufzuheben und die Familienkasse zu verpflichten, Kindergeld f\u00fcr C f\u00fcr die Zeit von Dezember 2020 bis einschlie\u00dflich August 2022 zuz\u00fcglich Kinderboni zu bewilligen.<\/li><li>Die Familienkasse beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Sie h\u00e4lt die Vorentscheidung f\u00fcr richtig.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet. Das Urteil entspricht Bundesrecht (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO). Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, dass die Klage unzul\u00e4ssig war. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO war nicht die beklagte Familienkasse, sondern die Familienkasse ZKGS passiv prozessf\u00fchrungsbefugt.<\/li><li>1. \u00a7&nbsp;63 FGO bestimmt, welche Beh\u00f6rde am finanzgerichtlichen Verfahren als Beklagte (\u00a7&nbsp;57 Nr.&nbsp;2 FGO) zu beteiligen ist.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO ist die Klage bei der Anfechtung eines Steuerbescheids grunds\u00e4tzlich gegen diejenige Beh\u00f6rde zu richten, die den urspr\u00fcnglichen Verwaltungsakt erlassen hat. Wenn aber vor dem Ergehen der Einspruchsentscheidung eine andere Beh\u00f6rde \u00f6rtlich zust\u00e4ndig geworden ist, ist die Klage gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO gegen die Beh\u00f6rde zu richten, welche die Einspruchsentscheidung erlassen hat.<\/li><li>Diese f\u00fcr eine \u00c4nderung der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit w\u00e4hrend des Einspruchsverfahrens ma\u00dfgebliche Regelung ist auf den Fall zu \u00fcbertragen, dass die Ausgangsbeh\u00f6rde beim Erlass des urspr\u00fcnglichen Bescheids unzutreffend von ihrer \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit ausgegangen ist, die \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde aber die Einspruchsentscheidung erlassen hat. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die Ausf\u00fchrungen in dem \u2011\u2011nach der Entscheidung des FG ergangenen\u2011\u2011 Senatsurteil vom 21.05.2025&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/24 Bezug genommen.<\/li><li>Erg\u00e4nzend ist anzumerken, dass der Kl\u00e4ger zutreffend geltend macht, dass der Ausgangsbescheid der Familienkasse wegen Verkennung der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit rechtswidrig war. Im Einspruchsverfahren, in dem die Sache gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO nochmals in vollem Umfang zu pr\u00fcfen ist, kann die Familienkasse, die ihre \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit im Ausgangsbescheid fehlerhaft beurteilt hat, gegebenenfalls dem Einspruch abhelfen und die Sache zur erstmaligen Entscheidung an die \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Familienkasse weiterleiten. Sie kann aber auch \u2011\u2011wie geschehen\u2011\u2011 einen angefochtenen und wegen Verkennung der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit rechtswidrigen Verwaltungsakt, dessen Aufhebung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;127 AO nicht gefordert werden kann, bestehen lassen und nur die Entscheidung \u00fcber den Einspruch der tats\u00e4chlich \u00f6rtlich zust\u00e4ndigen Familienkasse (hier der Familienkasse ZKGS) \u00fcberlassen (vgl. Senatsurteil vom 19.01.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;31\/15, BFHE 256, 502, BStBl II 2017, 642, Rz&nbsp;20).<\/li><li>b) Im Streitfall ist nach diesen Grunds\u00e4tzen die seit 01.02.2022 \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Familienkasse ZKGS in entsprechender Anwendung des \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO passiv prozessf\u00fchrungsbefugt, weil sie die Einspruchsentscheidung vom 13.02.2024 erlassen hat (vgl. Senatsurteil vom 21.05.2025&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/24).<\/li><li>aa) Die Familienkasse war bereits beim Erlass des angefochtenen Bescheids vom 10.01.2023 nicht mehr \u00f6rtlich zust\u00e4ndig. Sie hat dies offensichtlich im Einspruchsverfahren bei der gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO durchzuf\u00fchrenden \u00dcberpr\u00fcfung erkannt und von der im Senatsurteil vom 19.01.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;31\/15 (BFHE 256, 502, BStBl II 2017, 642, Rz&nbsp;20) beschriebenen M\u00f6glichkeit Gebrauch gemacht, den angefochtenen und wegen Verkennung der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit rechtswidrigen Verwaltungsakt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;127 AO zun\u00e4chst bestehen zu lassen, die Sache jedoch zur Entscheidung \u00fcber den Einspruch an die \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Familienkasse ZKGS abzugeben.<\/li><li>bb) Die Familienkasse ZKGS wurde durch Beschluss des Vorstands der BA Nr.&nbsp;12\/2022 vom 27.01.2022 (ANBA, Nr.&nbsp;5\/2022, S.&nbsp;5&nbsp;ff.) wirksam errichtet. Der Vorstand der BA war daf\u00fcr gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 Satz&nbsp;4 des Finanzverwaltungsgesetzes zust\u00e4ndig (Senatsurteil vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;22&nbsp;ff., 25). Zur weiteren Begr\u00fcndung wird auf die Ausf\u00fchrungen im Senatsurteil vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23 (BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;20&nbsp;ff.) Bezug genommen.<\/li><li>cc) Die \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr s\u00e4mtliche Kindergeldangelegenheiten derjenigen Berechtigten, die (auch) Kindergeld f\u00fcr ein Kind mit einer Behinderung beziehen oder begehren, war vor dem Erlass der Einspruchsentscheidung wirksam auf die Familienkasse ZKGS \u00fcbertragen worden.<\/li><li>(1) Ziff.&nbsp;2.1.5 des Anhangs zu den Vorstandsbeschl\u00fcssen Nr.&nbsp;12\/2022 und Nr.&nbsp;129\/2022 sieht vor, dass bereits dann, wenn nur eines von mehreren Kindern eines Berechtigten zum Kreis der Personen mit Behinderung geh\u00f6rt, der gesamte Fall \u2011\u2011die Kindergeldanspr\u00fcche und -verfahren des Berechtigten f\u00fcr s\u00e4mtliche Kinder\u2011\u2011 in die Zust\u00e4ndigkeit der Familienkasse ZKGS in Magdeburg f\u00e4llt (vgl. Senatsurteil vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;32). Selbst wenn die weiteren, in dem Vorstandsbeschluss angesprochenen Fallgruppen nicht hinreichend bestimmt bezeichnet worden sein sollten, wie der Kl\u00e4ger meint, w\u00e4re jedenfalls die Zust\u00e4ndigkeit der Familienkasse f\u00fcr Berechtigte, die Kindergeld (auch) f\u00fcr ein Kind mit einer Behinderung begehren, hiernach auf die Familienkasse ZKGS \u00fcbergegangen. Der in Ziff.&nbsp;2.1.5 des Anhangs zum Vorstandsbeschluss Nr.&nbsp;12\/2022 ebenso wie in Ziff.&nbsp;2.1.5 des Anhangs zum Vorstandsbeschluss Nr.&nbsp;129\/2022 verwendete Begriff &#8222;Kind mit Behinderung&#8220; ist hinreichend bestimmt und durch R\u00fcckgriff auf die Definition in \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch, welche der Senat bereits zur Auslegung des in \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG enthaltenen gleichlautenden Begriffs herangezogen hat, auszulegen (Senatsurteil vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;31, m.w.N.).<\/li><li>(2) In zeitlicher Hinsicht ergibt sich unmittelbar und eindeutig aus dem Wortlaut des Anhangs zum Vorstandsbeschluss Nr.&nbsp;12\/2022 vom 27.01.2022 (Vorbemerkung Satz&nbsp;1), dass die (Sonder-)Zust\u00e4ndigkeit der neu gegr\u00fcndeten Familienkasse ZKGS ab dem 01.02.2022 besteht. Der anschlie\u00dfende Hinweis auf den stufenweisen Vollzug des Beschlusses, das hei\u00dft auf seine Umsetzung, steht dem nicht entgegen (Senatsurteil vom 17.10.2024&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/23, BStBl II 2025, 207, Rz&nbsp;30).<\/li><li>(3) Entgegen der Auffassung des Kl\u00e4gers folgt aus der Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz nichts Gegenteiliges. Diese gilt ohnehin nur f\u00fcr das Verwaltungsverfahren und bindet die Gerichte nicht. Durch eine Dienstanweisung kann das Gesetz \u2011\u2011hier \u00a7&nbsp;63 FGO\u2011\u2011 nicht ge\u00e4ndert oder modifiziert werden. \u00dcberdies l\u00e4sst sich der Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz nicht entnehmen, dass im Streitfall die beklagte Familienkasse und nicht die sachlich und \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Familienkasse ZKGS, die die Einspruchsentscheidung erlassen hat, passiv prozessf\u00fchrungsbefugt ist.<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.100725.IIIR24.24.0 BFH III. Senat AO \u00a7 127, EStG \u00a7 62 Abs 1 S 1, EStG \u00a7 63 Abs 1 S 1 Nr 1, EStG \u00a7 32 Abs 1 Nr 2, EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 3, FGO \u00a7 57 Nr 2, FGO \u00a7 63 Abs 2 Nr 1, FVG \u00a7 5 Abs &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-10-juli-2025-iii-r-24-24-unzulaessige-klage-gegen-die-ausgangsbehoerde\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 10. 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