{"id":78029,"date":"2025-10-04T13:56:16","date_gmt":"2025-10-04T11:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78029"},"modified":"2025-10-04T13:56:16","modified_gmt":"2025-10-04T11:56:16","slug":"bfh-urteil-vom-03-juni-2025-viii-r-35-23-voraussetzungen-von-%c2%a7-20-abs-4a-satz-3-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-03-juni-2025-viii-r-35-23-voraussetzungen-von-%c2%a7-20-abs-4a-satz-3-estg\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 03. Juni 2025, VIII R 35\/23: Voraussetzungen von \u00a7 20 Abs. 4a Satz 3 EStG"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 03.06.2025\u00a0\u00a0VIII R 9\/22<\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.030625.VIIIR35.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 20 Abs 4a S 3, EStG VZ 2015<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 08. November 2023, Az: 2 K 696\/19 E<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: \u00a7 20 Abs. 4a Satz 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) erfasst F\u00e4lle nicht, in denen weder der Emittent noch der Inhaber nach den Anleihebedingungen das Recht haben, anstelle der R\u00fcckzahlung der Anleihe in Geld einseitig Wertpapiere andienen oder die Lieferung von Wertpapieren verlangen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 08.11.2023 &#8211; 2 K 696\/19 E wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist, ob der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) aus einem strukturierten Kapitalanlagegesch\u00e4ft unbeschr\u00e4nkt ausgleichsf\u00e4hige Verluste erzielt hat.<\/li><li>Am 15.12.2015 erwarb der Kl\u00e4ger 81&nbsp;320&nbsp;Teilschuldverschreibungen einer Indexanleihe f\u00fcr 9.961.911,43&nbsp;\u20ac. Nach den Emissionsbedingungen waren die Wertpapiere mit 15,74&nbsp;% pro anno zu verzinsen. Erster Valutierungstag war der 26.11.2015; R\u00fcckzahlungstermin und F\u00e4lligkeitszeitpunkt f\u00fcr die Zinsen war der 28.12.2015.<\/li><li>Am R\u00fcckzahlungstermin hatte der Emittent nach den Anleihebedingungen und abh\u00e4ngig von der Entwicklung der Referenzwerte entweder nur Geld zu zahlen oder Wertpapiere zu liefern und Geld zu zahlen.<\/li><li>\u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 der Emissionsbedingungen lautet auszugsweise:&#8220;a) \u2026b) \u2026c) Sofern der Referenzpreis des Basiswerts den Basispreis unterschreitet und auf bzw. \u00fcber 85,00% des Basispreises liegt, entspricht der wirtschaftliche Gegenwert der R\u00fcckzahlung dem mit dem Bezugsverh\u00e4ltnis multiplizierten Referenzpreis des Basiswerts, wobei 1,00&nbsp;Indexpunkt EUR&nbsp;1,00 entspricht. Die R\u00fcckzahlung erfolgt in diesem Fall durch \u00dcbertragung des Liefergegenstandes sowie Zahlung einer Gegenleistung in H\u00f6he des dar\u00fcber hinausgehenden Betrags (der &#8218;R\u00fcckzahlungsbetrag&#8216;). Der R\u00fcckzahlungsbetrag im Sinne dieses Absatzes entspricht der Differenz aus (i) dem Nennbetrag und (ii) dem mit dem Bezugsverh\u00e4ltnis multiplizierten von der Relevanten Referenzstelle am Bewertungstag festgestellten Schlusskurs des TecDAX\u00ae, wobei 1,00&nbsp;Indexpunkt EUR&nbsp;1,00 entspricht.&#8220;<\/li><li>Als Liefergegenstand war je Teilschuldverschreibung ein Open End-Partizipationszertifikat auf den TecDAX vereinbart. Der Basiswert betrug 12&nbsp;912&nbsp;Indexpunkte. Der Referenzpreis sollte nach \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;3 der Emissionsbedingungen am 18.12.2015 festgestellt werden. Am 18.12.2015 ergab sich nach den ma\u00dfgeblichen St\u00e4nden von DAX und TecDAX ein Referenzpreis von 12&nbsp;407,96&nbsp;Indexpunkten. Dieser betrug weniger als 100&nbsp;%, aber mehr als 85&nbsp;% des Basispreises von 12&nbsp;912&nbsp;Indexpunkten. Dementsprechend erhielt der Kl\u00e4ger bei F\u00e4lligkeit (am 28.12.2015) je Teilschuldverschreibung ein Open End-Partizipationszertifikat auf den TecDAX zum Kurswert von 18,0832&nbsp;\u20ac und eine Geldzahlung in H\u00f6he von insgesamt 8.619.627,26&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger war Alleingesellschafter der B&nbsp;GmbH (im Folgenden: GmbH). Mit Vertrag vom 29.12.2015 ver\u00e4u\u00dferte er alle aus dem Gesch\u00e4ft vom 15.12.2015 erhaltenen TecDAX-Zertifikate an die GmbH f\u00fcr 1.481.650,40&nbsp;\u20ac (81&nbsp;320&nbsp;St\u00fcck&nbsp;* 18,22&nbsp;\u20ac Kurswert am 29.12.2015).<\/li><li>In seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Jahr 2015 (Streitjahr) machte der Kl\u00e4ger aus der Ver\u00e4u\u00dferung der TecDAX-Zertifikate an die GmbH einen Ver\u00e4u\u00dferungsverlust in H\u00f6he von 8.480.261,03&nbsp;\u20ac geltend, der tariflich zu besteuern und mit positiven Eink\u00fcnften des Kl\u00e4gers aus anderen Einkunftsarten auszugleichen sei. Die Anschaffungskosten der urspr\u00fcnglich erworbenen Teilschuldverschreibungen in H\u00f6he von 9.961.911,43&nbsp;\u20ac seien nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG) auf die TecDAX-Zertifikate \u00fcbergegangen. Aus der Kapitalanlage habe er folgende Ertr\u00e4ge erzielt:Zinsertrag im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7, \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG49.807,63&nbsp;\u20acSofortertrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;2, \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG8.619.627,25&nbsp;\u20acErgebnis aus der Ver\u00e4u\u00dferung.\/.&nbsp;8.480.261,03&nbsp;\u20acSumme&nbsp;189.173,85&nbsp;\u20ac<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) folgte dem nicht, sondern ber\u00fccksichtigte den wirtschaftlichen Ertrag des Kapitalanlagegesch\u00e4fts in H\u00f6he von 189.173&nbsp;\u20ac (ohne Zinsertrag: 139.366&nbsp;\u20ac) bei den mit dem gesonderten Tarif zu besteuernden Kapitaleink\u00fcnften und setzte die Einkommensteuer f\u00fcr das Streitjahr unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung auf 4.261.340&nbsp;\u20ac fest.<\/li><li>Dagegen legte der Kl\u00e4ger fristgem\u00e4\u00df Einspruch ein. Am 09.11.2018 \u00e4nderte das FA den Einkommensteuerbescheid aus hier nicht streitigen Gr\u00fcnden antragsgem\u00e4\u00df. Der Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung blieb bestehen. Am 15.03.2019 hat der Kl\u00e4ger Unt\u00e4tigkeitsklage erhoben, die das Finanzgericht (FG) D\u00fcsseldorf als unbegr\u00fcndet abgewiesen hat.<\/li><li>Zur Begr\u00fcndung hat das FG im Wesentlichen ausgef\u00fchrt, die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG seien nicht erf\u00fcllt. Weder dem Inhaber noch dem Emittenten habe nach den Emissionsbedingungen ein f\u00fcr die Anwendung der Norm erforderliches Erf\u00fcllungswahlrecht zugestanden. Deshalb seien die Anschaffungskosten der urspr\u00fcnglich vom Kl\u00e4ger erworbenen Teilschuldverschreibungen nicht auf die erhaltenen TecDAX-Zertifikate \u00fcbergegangen. Bei zutreffender Rechtsanwendung h\u00e4tte die Einkommensteuer des Kl\u00e4gers h\u00f6her festgesetzt werden m\u00fcssen. Die Begr\u00fcndung ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2024, 371 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger die Verletzung von \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG D\u00fcsseldorf vom 08.11.2023&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;696\/19&nbsp;E aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2015 vom 11.01.2018, ge\u00e4ndert durch die Bescheide vom 09.11.2018 und vom 19.11.2020 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen in H\u00f6he von .\/.&nbsp;8.480.261,03&nbsp;\u20ac mit den tariflichen Eink\u00fcnften verrechnet werden.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision des Kl\u00e4gers als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur\u00fcckzuweisen. Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Unt\u00e4tigkeitsklage zul\u00e4ssig (dazu 1.), aber unbegr\u00fcndet ist (dazu 2.).<\/li><li>1. Das FG hat die Unt\u00e4tigkeitsklage des Kl\u00e4gers gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 FGO zu Recht als zul\u00e4ssig angesehen.<\/li><li>Ist \u00fcber einen au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf ohne Mitteilung eines zureichenden Grundes in angemessener Frist sachlich nicht entschieden worden, so ist die Klage abweichend von \u00a7&nbsp;44 FGO ohne vorherigen Abschluss des Vorverfahrens zul\u00e4ssig. Die Klage kann nicht vor Ablauf von sechs Monaten seit Einlegung des au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelfs erhoben werden, es sei denn, dass wegen besonderer Umst\u00e4nde des Falles eine k\u00fcrzere Frist geboten ist, \u00a7&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und 2 FGO (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 25.02.2025&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;32\/21, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen, Rz&nbsp;26).<\/li><li>Im Zeitpunkt der Entscheidung des FG am 08.11.2023 dauerte das Einspruchsverfahren bereits 5&nbsp;\u00bd&nbsp;Jahre an. Ein Grund, weshalb eine Einspruchsentscheidung in dieser Zeit nicht m\u00f6glich gewesen sein soll, ist weder dargetan noch ersichtlich.<\/li><li>2. Das FG hat zutreffend erkannt, dass die Einkommensteuerfestsetzung f\u00fcr das Streitjahr zwar fehlerhaft ist, den Kl\u00e4ger aber nicht in seinen Rechten verletzt (\u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO). Wegen der Bindung an das Klagebegehren und des im finanzgerichtlichen Verfahren geltenden Verb\u00f6serungsverbots (\u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO) kann der angefochtene Einkommensteuerbescheid nicht zum Nachteil des Kl\u00e4gers ge\u00e4ndert werden.<\/li><li>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;1 EStG ist, wenn der Inhaber bei einer sonstigen Kapitalforderung nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG das Recht besitzt, bei F\u00e4lligkeit anstelle der Zahlung eines Geldbetrages vom Emittenten die Lieferung von Wertpapieren zu verlangen oder der Emittent das Recht besitzt, bei F\u00e4lligkeit dem Inhaber anstelle der Zahlung eines Geldbetrages Wertpapiere anzudienen und der Inhaber der Forderung oder der Emittent von diesem Recht Gebrauch macht, das Entgelt f\u00fcr den Erwerb der Forderung als Ver\u00e4u\u00dferungspreis der Forderung und als Anschaffungskosten der erhaltenen Wertpapiere anzusetzen. Erh\u00e4lt der Inhaber neben den angedienten Wertpapieren eine Gegenleistung, gilt diese nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;2 EStG entsprechend \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;2 EStG als Ertrag im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG.<\/li><li>b) Wie der Senat mit Urteil vom heutigen Tag entschieden hat, erfasst \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG F\u00e4lle nicht, in denen weder der Emittent noch der Inhaber nach den Anleihebedingungen das Recht haben, anstelle der R\u00fcckzahlung der Anleihe in Geld einseitig Wertpapiere andienen oder die Lieferung von Wertpapieren verlangen zu k\u00f6nnen (BFH-Urteil vom 03.06.2025&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;9\/22, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen). So liegt der Streitfall. Nach den Emissionsbedingungen und dem Ergebnis der Bewertung am Bewertungsstichtag stand f\u00fcr alle Beteiligten bindend fest, wie die Anleihe zu tilgen war. Danach hatte der Emittent bei F\u00e4lligkeit zwar auch Wertpapiere zu liefern, er hatte aber nicht das Recht, anstelle der R\u00fcckzahlung der Anleihe in Geld einseitig die Lieferung von Wertpapieren andienen zu k\u00f6nnen. Entsprechendes gilt f\u00fcr den Inhaber. Unter diesen Umst\u00e4nden ist der Tatbestand des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG nicht erf\u00fcllt.<\/li><li>c) Bei zutreffender Rechtsanwendung hat der Kl\u00e4ger aus der Einl\u00f6sung der Teilschuldverschreibungen einen der Abgeltungsteuer unterliegenden Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn von h\u00f6chstens 128.241,65&nbsp;\u20ac (dazu aa) und aus der Ver\u00e4u\u00dferung der TecDAX-Zertifikate an die GmbH einen tariflich zu besteuernden Gewinn von mindestens 11.124,58&nbsp;\u20ac erzielt (dazu bb). Unter Ber\u00fccksichtigung des pers\u00f6nlichen Steuersatzes des Kl\u00e4gers ergibt sich daraus eine h\u00f6here Einkommensteuer (dazu cc).<\/li><li>aa) Aus der Einl\u00f6sung der Teilschuldverschreibungen am 28.12.2015 hat der Kl\u00e4ger einen nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG steuerbaren Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn von h\u00f6chstens 128.241,65&nbsp;\u20ac erzielt.<\/li><li>Nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG geh\u00f6rt zu den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen auch der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung von sonstigen Kapitalforderungen jeder Art im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG. Zu den Kapitalforderungen im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG geh\u00f6ren Kapitalforderungen jeder Art, wenn die R\u00fcckzahlung des Kapitalverm\u00f6gens oder ein Entgelt f\u00fcr die \u00dcberlassung des Kapitalverm\u00f6gens zur Nutzung zugesagt oder geleistet worden ist, auch wenn die H\u00f6he der R\u00fcckzahlung oder des Entgelts von einem ungewissen Ereignis abh\u00e4ngt.<\/li><li>Die vom Kl\u00e4ger erworbenen Teilschuldverschreibungen der Anleihe sind sonstige Kapitalforderungen in diesem Sinne. Nach \u00a7&nbsp;3 der Emissionsbedingungen war der Emittent jedenfalls zur teilweisen R\u00fcckzahlung des Anlagebetrages verpflichtet. Zudem wurde dem Kl\u00e4ger mit der Verzinsung ein Entgelt f\u00fcr die \u00dcberlassung des Kapitalverm\u00f6gens zur Nutzung zugesagt. Die Einordnung als sonstige Kapitalforderung ist zwischen den Beteiligten auch nicht streitig.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger hat die Teilschuldverschreibungen der Anleihe ver\u00e4u\u00dfert. Als Ver\u00e4u\u00dferung im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG gilt auch die Einl\u00f6sung (\u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG). Die Hingabe der Teilschuldverschreibungen gegen \u00dcbertragung der TecDAX-Zertifikate und Zahlung eines Geldbetrages bei F\u00e4lligkeit am 28.12.2015 erf\u00fcllt den Begriff der Einl\u00f6sung, denn damit hat der Emittent seine R\u00fcckzahlungspflicht erf\u00fcllt (vgl. auch BFH-Urteil vom 08.05.2024&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;28\/20, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen, BFH\/NV 2024, 1370, Rz&nbsp;34&nbsp;ff.).<\/li><li>Nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG ist der Gewinn im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 EStG der Unterschied zwischen den Einnahmen aus der Ver\u00e4u\u00dferung nach Abzug der Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft stehen, und den Anschaffungskosten.<\/li><li>Einnahmen sind gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG alle G\u00fcter in Geld oder Geldeswert, die dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer der Einkunftsarten des \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 bis 7 EStG zuflie\u00dfen. Die Bewertung der erhaltenen TecDAX-Zertifikate richtet sich mangels abweichender Regelung nach dem am Stichtag im regulierten Markt f\u00fcr sie notierten niedrigsten Kurs (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;2, \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Bewertungsgesetzes \u2011\u2011BewG\u2011\u2011). Stichtag war der Tag der Einbuchung in das Depot des Kl\u00e4gers (28.12.2015). Das FG hat f\u00fcr diesen Tag einen Kurs von 18,0832&nbsp;\u20ac festgestellt. Ob es sich dabei um den niedrigsten notierten Kurs am Bewertungsstichtag handelt, kann dahinstehen. Ein niedrigerer Kurswert w\u00fcrde zwar den im Rahmen der Abgeltungsteuer zu ber\u00fccksichtigenden Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung mindern, in selbem Umfang aber auch den tariflich zu besteuernden Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung der TecDAX-Zertifikate an die GmbH (dazu bb) erh\u00f6hen, so dass sich unter Ber\u00fccksichtigung des pers\u00f6nlichen Grenzsteuersatzes des Kl\u00e4gers im Streitjahr f\u00fcr ihn insgesamt keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung erg\u00e4be (dazu cc).<\/li><li>Die Einnahmen aus der Ver\u00e4u\u00dferung betrugen danach h\u00f6chstens 10.090.153,08&nbsp;\u20ac (81&nbsp;320&nbsp;St\u00fcck TecDAX-Zertifikate&nbsp;* 18,0832&nbsp;\u20ac&nbsp;= 1.470.525,82&nbsp;\u20ac zuz\u00fcglich 8.619.627,26&nbsp;\u20ac). Abz\u00fcglich der Anschaffungskosten f\u00fcr die Teilschuldverschreibungen (9.961.911,43&nbsp;\u20ac) ergibt sich ein Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn von h\u00f6chstens 128.241,65&nbsp;\u20ac.<\/li><li>bb) Aus der Ver\u00e4u\u00dferung der TecDAX-Zertifikate an die GmbH hat der Kl\u00e4ger einen tariflich zu besteuernden Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn in H\u00f6he von mindestens 11.124,58&nbsp;\u20ac erzielt.<\/li><li>Die Ver\u00e4u\u00dferung der TecDAX-Zertifikate an die GmbH ist ein nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG steuerbarer Ver\u00e4u\u00dferungsvorgang. Auch die TecDAX-Zertifikate sind sonstige Kapitalforderungen. Dar\u00fcber besteht zwischen den Beteiligten zu Recht kein Streit.<\/li><li>Als Ver\u00e4u\u00dferungserl\u00f6s ist der von der GmbH gezahlte Kaufpreis (1.481.650,40&nbsp;\u20ac) anzusetzen. Die Anschaffungskosten f\u00fcr die TecDAX-Zertifikate richten sich wiederum nach dem im regulierten Markt f\u00fcr sie am Stichtag notierten niedrigsten Kurs (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;2, \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG). Bei dem vom FG festgestellten Kurs ergibt sich ein Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn von mindestens 11.124,58&nbsp;\u20ac. H\u00f6here Anschaffungskosten f\u00fcr die TecDAX-Zertifikate k\u00f6nnen nicht ber\u00fccksichtigt werden; \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG ist nicht anzuwenden.<\/li><li>Der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung der TecDAX-Zertifikate unterliegt nach \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b Satz&nbsp;1 EStG in der bis zum Jahressteuergesetz 2020 vom 21.12.2020 (BGBl I 2020, 3096) geltenden Fassung nicht dem gesonderten Tarif nach \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG, da der Kl\u00e4ger im Streitjahr zu mindestens 10&nbsp;% an der GmbH beteiligt war.<\/li><li>cc) Das FA hat im angefochtenen Steuerbescheid einen dem gesonderten Tarif unterliegenden Gewinn aus dem Anlagegesch\u00e4ft in H\u00f6he von 139.366&nbsp;\u20ac ber\u00fccksichtigt. Bei zutreffender Rechtsanwendung w\u00e4re dieser Gewinn um mindestens 11.124,58&nbsp;\u20ac zu mindern. Zugleich m\u00fcssten aber die dem pers\u00f6nlichen Tarif des Kl\u00e4gers unterliegenden Eink\u00fcnfte um mindestens 11.124,58&nbsp;\u20ac erh\u00f6ht werden. Da der pers\u00f6nliche Grenzsteuersatz des Kl\u00e4gers im Streitjahr den Abgeltungsteuersatz bei Weitem \u00fcbersteigt, w\u00fcrde sich per Saldo zu Lasten des Kl\u00e4gers eine h\u00f6here Einkommensteuer ergeben. Dabei kann offenbleiben, ob es sich bei dem vom FG f\u00fcr die TecDAX-Zertifikate festgestellten Kurs am 28.12.2015 um den niedrigsten Kurs an diesem Tag gehandelt hat. Ein niedrigerer Kurs w\u00fcrde zwar den dem gesonderten Tarif unterliegenden Gewinn weiter mindern, den tariflich zu besteuernden Gewinn jedoch entsprechend erh\u00f6hen (niedrigere Anschaffungskosten).<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 03.06.2025\u00a0\u00a0VIII R 9\/22 ECLI:DE:BFH:2025:U.030625.VIIIR35.23.0 BFH VIII. Senat EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 20 Abs 4a S 3, EStG VZ 2015 vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 08. November 2023, Az: 2 K &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-03-juni-2025-viii-r-35-23-voraussetzungen-von-%c2%a7-20-abs-4a-satz-3-estg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 03. Juni 2025, VIII R 35\/23: Voraussetzungen von \u00a7 20 Abs. 4a Satz 3 EStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-78029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78029\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}