{"id":78031,"date":"2025-10-04T13:57:03","date_gmt":"2025-10-04T11:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=78031"},"modified":"2025-10-04T13:57:03","modified_gmt":"2025-10-04T11:57:03","slug":"bfh-urteil-vom-03-juni-2025-viii-r-18-23-voraussetzungen-von-%c2%a7-20-abs-4a-satz-3-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-03-juni-2025-viii-r-18-23-voraussetzungen-von-%c2%a7-20-abs-4a-satz-3-estg\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 03. Juni 2025, VIII R 18\/23: Voraussetzungen von \u00a7\u00a020 Abs.\u00a04a Satz\u00a03 EStG"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 03.06.2025\u00a0 VIII R 9\/22<\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2025:U.030625.VIIIR18.23.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 20 Abs 4a S 3, EStG VZ 2018<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 06. Juni 2023, Az: 13 K 84\/22 E<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) erfasst F\u00e4lle nicht, in denen weder der Emittent noch der Inhaber nach den Anleihebedingungen das Recht haben, anstelle der R\u00fcckzahlung der Anleihe in Geld einseitig Wertpapiere andienen oder die Lieferung von Wertpapieren verlangen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 06.06.2023&nbsp;&#8211; 13&nbsp;K&nbsp;84\/22&nbsp;E aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist, in welcher H\u00f6he der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) aus einem strukturierten Kapitalanlagegesch\u00e4ft unbeschr\u00e4nkt ausgleichsf\u00e4hige Verluste erzielt hat.<\/li><li>Am 19.11.2018 und am 27.11.2018 erwarb der Kl\u00e4ger insgesamt 32&nbsp;013&nbsp;Teilschuldverschreibungen einer Indexanleihe f\u00fcr insgesamt 8.926.316,20&nbsp;\u20ac. Die Anleihe wurde mit 7,2638&nbsp;% pro anno ab dem 19.11.2018 bis zum 19.12.2018 (einschlie\u00dflich) verzinst. Die Anleihe war am 20.12.2018 zur R\u00fcckzahlung f\u00e4llig. Die Art der Tilgung richtete sich nach dem Verh\u00e4ltnis des Anfangsreferenzkurses (Summe der Anfangsreferenzkurse des Dow Jones Industrial Average Index und des S&amp;P&nbsp;500 Index von 28&nbsp;113,40&nbsp;Punkten) zum Bewertungspreis (Summe der Referenzpreise der Korbbestandteile am Bewertungsstichtag). Bewertungstag war der 13.12.2018. An diesem Tag ergab sich ein Bewertungspreis von 27&nbsp;247,92&nbsp;Indexpunkten. Der Bewertungspreis betrug circa 96&nbsp;% des Anfangsreferenzkurses. F\u00fcr diesen Fall (Bewertungspreis weniger als 100&nbsp;%, aber mindestens 85&nbsp;% des Anfangsreferenzkurses) sahen die Emissionsbedingungen vor, dass der Inhaber bei F\u00e4lligkeit der Anleihe je Teilschuldverschreibung ein Open End-Partizipationszertifikat auf den S&amp;P&nbsp;500 Index sowie einen Differenzausgleichsbetrag in bestimmter H\u00f6he erhalten sollte. Am 20.12.2018 erhielt der Kl\u00e4ger dementsprechend vom Emittenten 32&nbsp;013&nbsp;S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate mit einem Kurswert von 23,32&nbsp;\u20ac je Zertifikat sowie als Differenzausgleich eine Zahlung in H\u00f6he von 7.976.359,08&nbsp;\u20ac (249,16&nbsp;\u20ac je Teilschuldverschreibung).<\/li><li>Mit Vertrag vom 20.12.2018 ver\u00e4u\u00dferte der Kl\u00e4ger alle aus dem Anleihegesch\u00e4ft erhaltenen S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an die B&nbsp;GmbH (im Folgenden: GmbH), an der er im Jahr 2018 (Streitjahr) zu 100&nbsp;% beteiligt war, f\u00fcr insgesamt 716.130,81&nbsp;\u20ac (22,37&nbsp;\u20ac je Anteil).<\/li><li>In seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung gab der Kl\u00e4ger einen Verlust aus der Ver\u00e4u\u00dferung der S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an die GmbH in H\u00f6he von 8.210.185,39&nbsp;\u20ac (Ver\u00e4u\u00dferungserl\u00f6s 716.130,81&nbsp;\u20ac abz\u00fcglich Anschaffungskosten 8.926.316,20&nbsp;\u20ac) an, der nicht der Abgeltungsteuer unterliege. Auf den Differenzausgleichsbetrag und die Zinsen habe die Bank zutreffend Kapitalertragsteuer einbehalten.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) folgte dem mit Einkommensteuerbescheid vom 30.12.2020 nicht. Dagegen legte der Kl\u00e4ger am 22.01.2021 Einspruch ein.<\/li><li>Nach Erhebung einer Unt\u00e4tigkeitsklage setzte das FA die Einkommensteuer mit Einspruchsentscheidung vom 31.03.2022 geringf\u00fcgig herab, wies den Einspruch jedoch im Wesentlichen zur\u00fcck. Der Wert der erhaltenen Zertifikate trete mit einem Anteil von nur 8,56&nbsp;% des Gesamterl\u00f6ses aus der Einl\u00f6sung der Anleihe im Vergleich zum Differenzausgleichsbetrag in den Hintergrund. Dem wirtschaftlichen Gehalt nach habe der Kl\u00e4ger aus der R\u00fcckzahlung der Anleihe einen Verlust in H\u00f6he von 203.413,96&nbsp;\u20ac (746.543,16&nbsp;\u20ac Wert der Zertifikate zuz\u00fcglich 7.976.359,08&nbsp;\u20ac Differenzausgleichsbetrag abz\u00fcglich 8.926.316,20&nbsp;\u20ac Anschaffungskosten) erzielt. Dieser sei nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 und Abs.&nbsp;4 i.V.m. \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG) steuerlich zu ber\u00fccksichtigen. Ferner sei ein Verlust aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Zertifikate an die GmbH in H\u00f6he von 47.961,86&nbsp;\u20ac (Verkaufspreis der Zertifikate 716.130,81&nbsp;\u20ac abz\u00fcglich Anschaffungskosten von 764.092,67&nbsp;\u20ac) nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 und Abs.&nbsp;4 i.V.m. \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b EStG zu erfassen. Die Anschaffungskosten f\u00fcr die Zertifikate erg\u00e4ben sich aus den Anschaffungskosten f\u00fcr die Anleihe in H\u00f6he von 8.926.316,20&nbsp;\u20ac multipliziert mit 8,56&nbsp;%.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) D\u00fcsseldorf hat der Klage stattgegeben. Die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG l\u00e4gen vor. Nach den Emissionsbedingungen habe der Emittent das Recht gehabt, bei F\u00e4lligkeit dem Kl\u00e4ger anstelle einer Zahlung Wertpapiere anzudienen. Er sei berechtigt gewesen, die R\u00fcckzahlung der Forderung durch \u00dcbertragung von S&amp;P&nbsp;500-Zertifikaten und Zahlung eines Differenzausgleichsbetrages vorzunehmen. Von diesem Recht habe der Emittent Gebrauch gemacht, indem er die S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an den Kl\u00e4ger geliefert und einen Differenzausgleichsbetrag gezahlt habe. Die Vorschrift sei nicht deshalb einschr\u00e4nkend auszulegen, weil der Differenzausgleichsbetrag den Wert der \u00fcbertragenen Wertpapiere um ein Vielfaches \u00fcberstiegen habe. Auch liege kein Gestaltungsmissbrauch vor. Die Begr\u00fcndung ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2023, 1308 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Mit seiner Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung von \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG.<\/li><li>Der Tatbestand des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG sei nicht erf\u00fcllt. Weder dem Inhaber noch dem Emittenten habe ein Wahlrecht zugestanden, bei F\u00e4lligkeit anstelle von Geld Wertpapiere verlangen oder andienen zu k\u00f6nnen. Allenfalls k\u00f6nnten die Anschaffungskosten der Teilschuldverschreibungen zu 8,56&nbsp;% auf die erhaltenen Zertifikate \u00fcbergegangen sein, da der Wert der Zertifikate im Verh\u00e4ltnis zur erhaltenen Barr\u00fcckzahlung in den Hintergrund trete. Es handele sich um einen verschleierten Ver\u00e4u\u00dferungsvorgang. Schlie\u00dflich liege auch ein Missbrauch von Gestaltungsm\u00f6glichkeiten vor.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG D\u00fcsseldorf vom 06.06.2023&nbsp;&#8211; 13&nbsp;K&nbsp;84\/22&nbsp;E aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>die Revision des FA zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet; sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Abweisung der Klage (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat zu Unrecht angenommen, dass die Anschaffungskosten der Teilschuldverschreibungen nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG auf die S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate \u00fcbergegangen sind (dazu 1.). Die Sache ist spruchreif (dazu 2.).<\/li><li>1. a) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;1 EStG ist, wenn der Inhaber bei einer sonstigen Kapitalforderung nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG das Recht besitzt, bei F\u00e4lligkeit anstelle der Zahlung eines Geldbetrages vom Emittenten die Lieferung von Wertpapieren zu verlangen oder der Emittent das Recht besitzt, bei F\u00e4lligkeit dem Inhaber anstelle der Zahlung eines Geldbetrages Wertpapiere anzudienen und der Inhaber der Forderung oder der Emittent von diesem Recht Gebrauch macht, das Entgelt f\u00fcr den Erwerb der Forderung als Ver\u00e4u\u00dferungspreis der Forderung und als Anschaffungskosten der erhaltenen Wertpapiere anzusetzen.<\/li><li>b) Wie der Senat mit Urteil vom heutigen Tag entschieden hat, erfasst \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG F\u00e4lle nicht, in denen weder der Emittent noch der Inhaber nach den Anleihebedingungen das Recht haben, anstelle der R\u00fcckzahlung der Anleihe in Geld einseitig Wertpapiere andienen oder die Lieferung von Wertpapieren verlangen zu k\u00f6nnen (Urteil des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 03.06.2025&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;9\/22, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen). So liegt der Streitfall. Nach den Emissionsbedingungen und dem Ergebnis der Bewertung am Bewertungsstichtag stand f\u00fcr alle Beteiligten bindend fest, wie die Anleihe zu tilgen war. Danach hatte der Emittent zwar auch Wertpapiere zu liefern, er hatte aber nicht das Recht, anstelle der R\u00fcckzahlung der Anleihe in Geld einseitig die Lieferung von Wertpapieren andienen zu k\u00f6nnen. Entsprechendes galt f\u00fcr den Inhaber.<\/li><li>Die Voraussetzungen von \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG sind insbesondere nicht deshalb erf\u00fcllt, weil der Emittent, wie das FG angenommen hat, berechtigt war, die R\u00fcckzahlung der Forderung durch \u00dcbertragung von S&amp;P&nbsp;500-Zertifikaten und Zahlung eines Differenzausgleichsbetrages vorzunehmen und weil er von diesem Recht Gebrauch gemacht habe, indem er die S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an den Kl\u00e4ger geliefert und einen Differenzausgleichsbetrag gezahlt habe. Dies verkennt, dass es sich um ein einseitiges Recht handeln muss, von dem der Emittent Gebrauch gemacht haben muss (BFH-Urteil vom 03.06.2025&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;9\/22, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen). Daran fehlt es, wenn der Emittent \u2011\u2011wie hier\u2011\u2011 unter anderem verpflichtet ist, Wertpapiere zu liefern und diese dem Inhaber zur \u00dcbertragung &#8222;anbietet&#8220;. Denn einseitig kann das dingliche Erf\u00fcllungsgesch\u00e4ft nicht zustande gebracht werden. Das FG ist von anderen Grunds\u00e4tzen ausgegangen. Sein Urteil kann deshalb keinen Bestand haben.<\/li><li>2. Die Sache ist spruchreif. Der Senat kann in der Sache selbst entscheiden und weist die Klage ab (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO). Der angefochtene Einkommensteuerbescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung verletzt den Kl\u00e4ger nicht in seinen Rechten (\u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO). Er ist zwar zu Gunsten des Kl\u00e4gers rechtswidrig, kann aber wegen der Bindung an das Klagebegehren und des im finanzgerichtlichen Verfahren geltenden Verb\u00f6serungsverbots (\u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO) nicht zum Nachteil des Kl\u00e4gers ge\u00e4ndert werden.<\/li><li>a) Aus der Einl\u00f6sung der Teilschuldverschreibungen hat der Kl\u00e4ger einen dem gesonderten Tarif nach \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG unterliegenden steuerbaren Ver\u00e4u\u00dferungsverlust in H\u00f6he von mindestens 203.413,96&nbsp;\u20ac erzielt (dazu b). Daneben hat er aus der Ver\u00e4u\u00dferung der S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an die GmbH einen tariflich zu besteuernden Verlust in H\u00f6he von h\u00f6chstens 30.412,35&nbsp;\u20ac erzielt (dazu c). Bei richtiger Rechtsanwendung m\u00fcssten deshalb die dem pers\u00f6nlichen Einkommensteuertarif des Kl\u00e4gers unterliegenden Eink\u00fcnfte erh\u00f6ht werden, was jedoch wegen des Verb\u00f6serungsverbots unterbleibt (dazu d).<\/li><li>b) Aus der Einl\u00f6sung der Teilschuldverschreibungen am 20.12.2018 hat der Kl\u00e4ger einen nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG steuerbaren Ver\u00e4u\u00dferungsverlust in H\u00f6he von mindestens 203.413,96&nbsp;\u20ac erzielt.<\/li><li>Nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG geh\u00f6rt zu den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen auch der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung von sonstigen Kapitalforderungen jeder Art im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG. Zu den Kapitalforderungen im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG geh\u00f6ren Kapitalforderungen jeder Art, wenn die R\u00fcckzahlung des Kapitalverm\u00f6gens oder ein Entgelt f\u00fcr die \u00dcberlassung des Kapitalverm\u00f6gens zur Nutzung zugesagt oder geleistet worden ist, auch wenn die H\u00f6he der R\u00fcckzahlung oder des Entgelts von einem ungewissen Ereignis abh\u00e4ngt.<\/li><li>Die vom Kl\u00e4ger erworbenen Teilschuldverschreibungen der Anleihe verbriefen Kapitalforderungen in diesem Sinne. Die Tilgung der Anleihe war nach den Emissionsbedingungen jedenfalls teilweise auf die R\u00fcckzahlung des Anlagebetrages gerichtet. Unerheblich ist, dass f\u00fcr die im Streitfall eingetretene Bedingung nach den Anleihebedingungen feststand, dass die Forderung teilweise durch die Lieferung eines Sachwerts zu erf\u00fcllen war. Dies stellt den Charakter der Teilschuldverschreibungen als Kapitalforderungen nicht in Frage (s. BFH-Urteil vom 03.06.2025&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;5\/24, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen). Zudem wurde dem Kl\u00e4ger mit der Verzinsung ein Entgelt f\u00fcr die \u00dcberlassung des Kapitalverm\u00f6gens zur Nutzung zugesagt. Die Einordnung als sonstige Kapitalforderung ist zwischen den Beteiligten auch nicht streitig.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger hat die Teilschuldverschreibungen ver\u00e4u\u00dfert. Als Ver\u00e4u\u00dferung im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG gilt auch die Einl\u00f6sung (\u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG). Die Hingabe der Teilschuldverschreibungen gegen Zahlung des Differenzausgleichsbetrages und \u00dcbertragung der S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate bei F\u00e4lligkeit erf\u00fcllt den Begriff der Einl\u00f6sung, denn damit hat der Emittent seine R\u00fcckzahlungspflicht erf\u00fcllt (vgl. auch BFH-Urteil vom 08.05.2024&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;28\/20, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung vorgesehen, BFH\/NV 2024, 1370, Rz&nbsp;34&nbsp;ff.).<\/li><li>Nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG ist der Gewinn im Sinne des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 EStG der Unterschied zwischen den Einnahmen aus der Ver\u00e4u\u00dferung nach Abzug der Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft stehen, und den Anschaffungskosten.<\/li><li>Einnahmen sind gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG alle G\u00fcter in Geld oder Geldeswert, die dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer der Einkunftsarten des \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 bis 7 EStG zuflie\u00dfen. Die Bewertung der erhaltenen S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate richtet sich mangels abweichender Regelung nach dem am Stichtag f\u00fcr sie im regulierten Markt notierten niedrigsten Kurs (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;2, \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Bewertungsgesetzes \u2011\u2011BewG\u2011\u2011).<\/li><li>Der Kl\u00e4ger hat bei F\u00e4lligkeit der Anleihe 32&nbsp;013&nbsp;S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate zu einem Kurswert von 23,32&nbsp;\u20ac erhalten. Ob es sich dabei um den niedrigsten notierten Kurs am Bewertungsstichtag handelt, kann dahinstehen. Ein niedrigerer anzunehmender Kurswert w\u00fcrde zwar den mit dem gesonderten Tarif zu ber\u00fccksichtigenden Einl\u00f6sungsverlust erh\u00f6hen, in selbem Umfang aber auch den tariflich zu besteuernden Verlust aus der Ver\u00e4u\u00dferung der S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an die GmbH mindern (dazu c), so dass sich unter Ber\u00fccksichtigung des pers\u00f6nlichen Steuersatzes f\u00fcr den Kl\u00e4ger insgesamt keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung erg\u00e4be (dazu d).<\/li><li>Die Einnahmen aus der Ver\u00e4u\u00dferung betrugen somit h\u00f6chstens 8.722.902,24&nbsp;\u20ac (32&nbsp;013&nbsp;St\u00fcck&nbsp;* 23,32&nbsp;\u20ac&nbsp;= 746.543,16&nbsp;\u20ac zuz\u00fcglich 7.976.359,08&nbsp;\u20ac Differenzausgleichsbetrag). Abz\u00fcglich der Anschaffungskosten (8.926.316,20&nbsp;\u20ac) ergibt sich daraus ein Ver\u00e4u\u00dferungsverlust in H\u00f6he von mindestens 203.413,96&nbsp;\u20ac.<\/li><li>c) Aus der Ver\u00e4u\u00dferung der S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an die GmbH hat der Kl\u00e4ger einen Ver\u00e4u\u00dferungsverlust in H\u00f6he von h\u00f6chstens 30.412,35&nbsp;\u20ac erzielt.<\/li><li>Die Ver\u00e4u\u00dferung der S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an die GmbH ist ein nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG steuerbarer Ver\u00e4u\u00dferungsvorgang. Auch die S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate sind sonstige Kapitalforderungen. Dar\u00fcber besteht zwischen den Beteiligten zu Recht kein Streit.<\/li><li>Als Ver\u00e4u\u00dferungserl\u00f6s ist der von der GmbH gezahlte Kaufpreis (716.130,81&nbsp;\u20ac) anzusetzen. Die Anschaffungskosten der erhaltenen S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate richten sich mangels abweichender Regelung wiederum nach dem am Stichtag im regulierten Markt f\u00fcr sie notierten niedrigsten Kurs (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;2, \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG). Bei dem vom FG festgestellten Kurs ergibt sich ein Ver\u00e4u\u00dferungsverlust in H\u00f6he von h\u00f6chstens 30.412,35&nbsp;\u20ac.<\/li><li>H\u00f6here Anschaffungskosten k\u00f6nnen nicht ber\u00fccksichtigt werden, da die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 EStG nicht erf\u00fcllt sind. Deshalb kommt auch die vom FA vorgenommene anteilige \u00dcberleitung der Anschaffungskosten von den Teilschuldverschreibungen auf die S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate (gem\u00e4\u00df dem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 18.01.2016, BStBl I 2016, 85, Tz.&nbsp;107) nicht in Betracht.<\/li><li>Der Ver\u00e4u\u00dferungsverlust unterliegt nach \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b Satz&nbsp;1 EStG in der bis zum Jahressteuergesetz 2020 vom 21.12.2020 (BGBl I 2020, 3096) geltenden Fassung nicht dem gesonderten Tarif nach \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG, da der Kl\u00e4ger im Streitjahr zu mindestens 10&nbsp;% an der GmbH beteiligt war.<\/li><li>d) Zu Unrecht hat das FA aus der Ver\u00e4u\u00dferung der S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate an die GmbH einen tariflich zu besteuernden Verlust in H\u00f6he von 47.961,86&nbsp;\u20ac ber\u00fccksichtigt. Dieser Verlust betr\u00e4gt bei richtiger Rechtsanwendung h\u00f6chstens 30.412,35&nbsp;\u20ac. Danach m\u00fcssten die tariflich zu besteuernden Eink\u00fcnfte des Kl\u00e4gers eigentlich um die Differenz von 17.549,51&nbsp;\u20ac erh\u00f6ht werden, was jedoch wegen des Verb\u00f6serungsverbots unterbleibt. Da der pers\u00f6nliche Steuersatz des Kl\u00e4gers weit \u00fcber dem gesonderten Tarif (\u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG) liegt, kann offenbleiben, ob es sich bei dem vom FG f\u00fcr die S&amp;P&nbsp;500-Zertifikate festgestellten Kurs um den niedrigsten Kurs an diesem Tag gehandelt hat. Ein niedrigerer Kurs w\u00fcrde sich per Saldo zu Lasten des Kl\u00e4gers auswirken. Zwar w\u00fcrde er den dem gesonderten Tarif unterliegenden Einl\u00f6sungsverlust erh\u00f6hen, zugleich aber den tariflich zu besteuernden Ver\u00e4u\u00dferungsverlust im selben Umfang mindern.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 03.06.2025\u00a0 VIII R 9\/22 ECLI:DE:BFH:2025:U.030625.VIIIR18.23.0 BFH VIII. Senat EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 7, EStG \u00a7 20 Abs 2 S 2, EStG \u00a7 20 Abs 4a S 3, EStG VZ 2018 vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 06. Juni 2023, Az: 13 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-03-juni-2025-viii-r-18-23-voraussetzungen-von-%c2%a7-20-abs-4a-satz-3-estg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 03. 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